Körperwelten
& mein Entschluß Spender zu werden
Als
seit Kindesalter wissenschaftlich vielseitig interessierter und möglicherweise
weltoffener Typ Mensch hat mich die Idee fasziniert , seit ich erstmals durch
die Presse-Artikel und TV-Nachrichten von der Körperwelten-Ausstellung und ihrem Innitiator gehört habe.
Ich fing an mir jeden Artikel zu beschaffen,den ich auftreiben konnte,
weil ich einfach mehr über diesen aussergewöhnlichen Mann und seine geniale
Erfindung der Plastination zu
lebensecht wirkenden Körper- und
Organpräparaten erfahren mußte.
So
etwas Faszinierendes hatte ich wirklich
noch nie erlebt, und da es mir mein
nicht-professioneller Status nie erlaubt hätte zum Beispiel aus reinem
Interesse heraus einer Autopsie beizuwohnen oder eben auch nur den menschlichen
Körper naturnah zu 'studieren',
erschien mir diese Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen als willkommene
Einladung.
Im
November 1997 war es dann soweit, ich hatte lange genug gebettelt, und da auch
meine Eltern recht offene Anschauungen vertreten, konnte ich meinen Vater dazu
gewinnen, zur Ausstellung nach Mannheim zu fahren.
Meine
Eltern fanden die gesamte Idee des
Projektes ähnlich interessant wie ich selbst, und diese Faszination hat uns bis
heute nie verlassen.
Ich erinnere
mich gerne an dieses Erlebnis, dessen weitere Entwicklungen ich verfolge und
deren rege erweckten Interesses in der Bevölkerung ich nicht überraschend finde.
Warum
soll nur dem Professionellen gestattet sein, den Körper, die Organe, das Innere
Gesicht, um es mit den Worten der Plastinatoren zu sagen, zu schauen?
Auch
wenn ich mich darum bemühe auch die kritischen und teilweise eben auch
entsetzten Stimmen zu verstehen, nachvollziehen zu lernen wie die sich dagegen entscheidenden Leute zu ihrer Haltung gelangen, und einen gewissen Respekt vor Andersdenkenden und Andersempfindenden habe, ist es schwierig für mich zu verstehen,
wie man die Körperwelten nicht als
Bereicherung und gewaltigen Fortschritt für den informierten Menschen der
heutigen Zeit sehen kann.
Ich
denke dazu müßte ich einen ganz anderen Background miterlebt haben, oder
religiös
begabt sein, bzw. viele Ängste und Hemmschwellen besitzen die mir ein
weltoffenes Denken verwehrten.
Aber
ich kann es nicht sagen, es ist immer schwierig sich den gegensätzlichen Stand
der Geisteshaltung plausibel zu machen.
Die
Warteschlange stand bis weit vor das
Gebäude hinaus, ich denke es muß etwa 2 1/2 Stunden oder auch 3 gedauert haben,
bis wir uns schrittweise zum eigentlichen Eingang vorbewegt hatten, der Andrang
der Besucher war schlicht überwältigend.
Aber
ich habe diese Zeit gerne gewartet, denn es sollte gewissermassen auch eine
Reise ins Ich werden, eine Begegnung
mit Allem was man Selbst in sich verbirgt, mit der ganzen präzise und
detailliert ausgebildeten inneren Einzigartigkeit des menschlichen Körpers.
Schon
wenige Meter nach dem Eingang im
schmaleren Flur,wo die
Geschichte der Plastination,
ihre Wurzeln in der Mummifizierung sowie
der späteren anatomischen
Schauen und ersten Präparaten gezeigt
wurden, sah ich einen Mann stehen der offensichtlich äusserst irritiert schien.
Einer
der Menschen für die diese Ausstellung
ein Horrorszenario darstellen mußte, die sich nicht vorstellen können, wie wir,
die Bejahenden, zu unserer Geisteshaltung
gelangt sind.
Ich
habe in späteren Stunden oft und sehr lange über diesen reell existierenden Zwiespalt der Haltungen nachdenken müssen, gerade auch
über bislang allgemein anerkannte ethische oder moralische Auffassungen, die
dieses kontrovers beäugte Thema immer wieder
berühren.
Meine
eigene Auffassung zu Ethikvorstellungen und Moral-Idealismen ist sicherlich
sehr ignorant in einer Weise.
Gut
möglich daß ich hier auch ziemlich egoistisch vorgehe, aber ich versuche mir zu erklären wie die Kritiker zu ihrer Verneinung kommen.
In
dieser Ausstellung habe ich mehr noch als je zuvor über Recherchen oder
Artikel sehr Vieles lernen können, einen Wissensdurst versorgen können der
mich seit jungen Jahren sich stetig steigernd bewohnt hatte.
Die Art
und Weise, die plastische Echtheit und die
natürliche Position vieler Ganzkörper vor Allem haben mich tief
beeindruckt, und von der in manchen Medien verbreiteten Ansicht des *garstig Grausigen* konnte ich so gar nichts wirklich
finden!
Kein
Blut, keine häßlich verdorrten oder geschrumpften Stellen, keine verfallenen Farben oder vergilbte Formaldehyd-
Effekte, so wie man das von alten Präparaten
in Glasbehältern kennt, und so wirkte dieser multiple Dialog
zwischen Besuchern und Plastinaten irgendwie in eigener, natürlicher Würde.
Als
hätten die Plastinierten ihrerseits
ebensoviel zu bestaunen wie die
Besucher, mußte ich manchmal denken, und konnte mir so auch ein inneres
Grinsen nicht verkneifen.
Mit
freiem Gedanken gedacht, witzelte ich später mit Vater über mögliche Gedanken,
die die einst lebenden Spender gehabt haben mochten.
*Wenigstens
schauen mich so nach meinem Tode noch mal Welche an*, war einer dieser
Gedanken, oder *Siehe, ich entblösste mein Innerstes vor Dir, mein Kollege Mensch*
Viele
solche Ideen haben wir später geformt und uns nie dafür schlecht gefühlt, auch
nicht als Vater auf die Idee mit dem längsmittig halbierten Motorrad mit dem
darauf zu plastinierenden , sitzenden,
ebenso längsmittig halbierten Körper kam, nein, obwohl ich weiß, mein eigener
Vater möchte eines Tages eventuell so
plastiniert werden, mußte ich diese Idee
auch von einer amüsanten Seite sehen.
Sowie
auch von einer künstlerisch
interpretierbaren Seite; Mensch und Maschine, diese beiden Einheiten,
das biologisch -Organische im Vergleich zum Mechanisch-Technischen, zwei Körper
– ja - unterschiedlicher 'Bau-Art', dargestellt in der sich vergleichenden aber durch die Darstellung selbst
natürlich beibehaltenen Pose!
Makaber
und intolerabel, hätten uns Andere womöglich gesagt.
Sicher,
dieser Gegensatz ist nicht abzustreiten, er gehört mit zur Vielfalt der
einzelnen Reflektionen, und gerade der
Gedanke an Kunst im Kontext zu präparierten menschlichen Körpern wirft
oft die heftigsten Debatten auf, die über den Professor und seine Mitarbeiter
geführt werden.
In
meiner bisherigen Ansicht spielt hier
immer noch die menschlich so selbstverständlich kultivierte Arroganz der Art eine
bedeutende Rolle.
Wir
nehmen uns das Recht heraus, uns aufgrund unserer Selbstüberschätzung als
einzigste vernunftbegabte, geistig hochentwickelte Spezies auf unserem Planeten
zu betrachten!
Damit
fängt es bereits an. Ob nun von Göttern als Projekt entworfen oder von einer Kette aus Ursache und Wirkung heraus
entstanden, wir empfinden uns Selbst als Menschheit dominierend in Allem
was uns gesamtheitlich als geistig-seelisch heilig ist.
Wie
kommen wir zu der ernsthaften Schlussfolgerung dass dies zutrifft???
Wir
nehmen es uns frei heraus das zu sagen, oder wir behaupten es aufgrund von Glaube oder überliefertem Gedankengut
früherer Generationen.
Das ist
wirklich Alles worauf wir uns stützen, und selbst alle wissenschaftlichen
Erkenntnisse beinhalten in ihrer Realität immer auch letzte Zweifel, nicht
wahr?
Zumindest
wenn man sich selbst gegenüber ehrlich bleibt ...
Ich
möchte nicht zuviel Spinnerei einbringen, aber hat uns jemals irgend eine
andere Spezies bestätigt, dass was wir
aufgebaut haben ,was wir uns erarbeitet haben und was uns unsere Sinne als Summe des Begreifens im Gehirn präsentieren,
wirklich so, wie wir das wahrnehmen, beständig und geltend echt ist?
Eine
unabhängige Partei die nicht menschlichen
Ursprungs ist, ein System das nicht menscherdacht, nicht menschgemacht
ist?
Nein,
denn wir kennen keine andere solche Spezies, und Messgeräte geben wieder was
unser Verstand in wenigen Jahrtausenden herausgefunden, bzw. sich erklärt hat.
Was ja
noch lange nicht heißen muss dass wir’s wissen.
~grins~
Diese Rahmenbedingungen anerkennen wir nach allen unseren Maßstäben als existente Realität an.
Und
Ihrer folgend gelangen wir zum Standpunkt des höchsten, geistig befähigsten Wesens Homo sapiens, dem 'schmeckenden' Menschen,
und nehmen uns frech die Entscheidungsfähigkeit heraus zu urteilen, wir haben
darin auch noch RECHT!
Dieses
Arrogante Menschliche lebt in
hergebrachter und weitschichtiger
Geistkultur, wird als selbstverständliches Gesetz unseres Menschenvolkes hingenommen und möglichst wenig
hinterfragt.
Zweifel gestattet aber unbequemerweise lieber
ungenannt belassen.
Na ja
und aus dieser Arroganz heraus kommen wir zu dem Schluss dass der Mensch außerordentlich
ist, in Sein und Körperlichkeit, was
uns zu Empörung bringen kann, wenn diese selbstlobend verliehene Außerordentlichkeit in Frage gestellt steht.
Wir
nehmen es für gewöhnlich,
hunderttausende von Tieren zu untersuchen, zu diesem Zweck zu töten oder ihre Leichen auseinander zu nehmen
aber wir können uns nicht vorstellen, dass auch wir Menschen auseinandergenommen werden können.
Und ich
denke diese Schranke verbietet es immer
noch vielen Menschen, frei und offen auf fortschrittliche Ideen zuzugehen.
Menschliche
Körper nicht nur als zweckdienliche Präparate zu sehen die Medizinern und
Studenten und jetzt auch dem Otto Normalbürger als Anschauungsmaterial
beim besseren Verständnis des Körpers
und seiner Systeme behilflich sein können, etwas woran man sich gerade begonnen
hat zu gewöhnen.
Nein,
jetzt kommt ein Professor und wagt sich
auch noch zu der unerhörten Idee,
Kunstwerke aus menschlichen Körpern zu
machen?
Nein,
das können dann die Wenigsten wohl freien Gedankens nachvollziehen.
Das stellt die selbstverliehene menschliche
Würde auf den harten Prüfstand.
Ich
würde es anders beschreiben.
Mehr
als ein Einbezug des menschlichen
Körpers in die Kunst, eine Form stiller Interaktion eventuell, ein Ausdruck des
Selbst in finaler Demonstration seiner
Gedanken oder seines Weltkonzeptes.
Ein
~Hier bin ich, weil ich es gut fand, als ich lebte, in dieser Pose Euch zum
Überlegen anzuregen.~
Die
Pose als Erinnerung an die freie Entscheidung des Spenders ~Hier stehe, hier
sitze ich und hier liege ich, der ich mich nicht starr und gestreckt in eine
für Präparate festgelegte, gehörige
Norm pressen ließ.
Ich weiß
nicht wie es der Plastinator selbst empfindet.
Sicher
wird er komplexe Konzepte durchdacht haben die
meine Idee von Kunst im
Zusammenhang mit Plastinaten um ein
Vielfaches überschreiten.
Vielleicht
sieht er es auch nur im Kontext zu
Ansätzen aus der Geschichte, wie bei dem Mann der seine Haut in der Hand hält,
sie herzeigt.
Vielleicht
wird es vertauschte Rollen geben, ein Skelett, das einen befleischten Kopf in der Hand hält und Diesen
nachdenklich betrachtet.
Der
Schachspieler und der Läufer, sie stellen in sich schon Kunstwerke dar, ohne zu
explicit als Kunstwerk abgestempelt zu sein.
Dem
Läufer fliegen in der Eile die Muskeln davon, er verkörpert für mich auch die
endliche Lebenszeit indem er seinem Fleische entrinnt, dem Leben davonläuft,
auf dass sich der Betrachter angeregt fühlen möge, über die Dauer seiner eigenen
Lebenszeit und derer Endlichkeit nachzudenken, und die Wahrnehmung der Zeit,
die doch all zu schnell vergeht.
Vielleicht
gibt er auch zu erkennen, welch unscheinbarer Bänder und Sehnen der Lebende
seine ungeheure Mobilität verdankt,
würden diese durchtrennt, wäre jeder Lauf jäh zu Ende.
Der
Schachspieler in seiner Denkerpose offenbart seine Gedanken in plastischer
Materie, präsentiert sein Gehirn dem Betrachter.
Alles
was es ist?
Ein komplexes Organ.
Die
Masse der grauen Zellen, ihre Funktion, die im Zusammenspiel der einzelnen,
aufeinander eingespielten Teilbereiche letztendlich unser Bewusstsein formt?
Ist er
eine Verbindung zum gläsernen Menschen, dem man eines Tages in die intimste
Persönlichkeit blicken könnte?
Oder
will er zeigen, dass man ihm nicht
ansehen kann, was er gerade denkt?
Weil
man sogar in Anbetracht des Gehirnes noch lange nicht die Gedankenvorgänge
erkennen kann...
Kunst
liegt im Auge des Betrachters, vielleicht zählt dieser Gedanke.
Wir,
die Betrachter interpretieren daraus unsere eigenen Schlüsse und Denkansätze.
Vielleicht
ist das einer der Hauptgedanken des Plastinators, die Menschen dazu anzuregen,
sich Gedanken zu machen, sich bewusster zu werden, über ihren Körper, über
ihre Einzigartigkeit, über ihren
Organismus und das schiere
Unglaubliche, dass so etwas, so ein Gebäude aus Membranen und Zellstrukturen, aus Blut und Muskelfasern ,aus
Knochen und Nervensträngen und Sehnen und Bändern, diese geniale Aufgabe des Lebens und der Bewegung,
des Denkens und der Wahrnehmung gestatten kann.
Erstaunte
und ahnende, überraschte und denkende Gesichter unter den Besuchern, ein
Gefühl angenehmer, gedanklicher Dialoge zwischen Betrachtern und Dargestelltem,
das fiel mir auf, wo ich aufgrund der doch
in den Medien wichtig und mahnend erschienenen Beschreibungen eher
steife und beklemmende Ausdrücke erwartet hätte.
Zumindest
außerhalb des Interesses im eigenen Familienkreise, oder der Gruppe der
~weltoffenen~ Menschen.
Die
deutlich erregten oder verärgerten, bedrückt betroffen wirkenden Gesichter
waren eher selten, wo ich aber auch denke, dass Viele von ihnen sich nicht die gesamte Ausstellung angesehen
haben dürften, aber ich weiß es nicht.
Viele
Menschen sind mehr oder weniger religiös oder spirituell überzeugt, und Viele
von Diesen müssen dort gewesen sein, jedoch kann man so etwas schwer
abschätzen, ohne dass man Jeden befragt hätte dazu.
Mit
gemischten Gefühlen stellte ich mir
deren innere Konflikte vor, auch wenn ich das kaum realistisch nachvollziehen könnte, als
Atheist, oder besser formuliert, Mensch, der nicht glaubt.
Aber
ich dachte mir diese Leute müssen ihre Glaubensüberzeugung mit dem
konfrontieren, was ihnen hier
präsentiert wird, und daraus werden sich sicherlich nicht nur übereinstimmende
Kompromisse ergeben.
Besonders
bei den tief Gläubigen könnte ich mir so manche Entrüstung vorstellen.
Das
hängt wohl auch stark von der Religionsform ab oder in welchem Maße der
Einzelne seine Gläubigkeit empfindet.
Ein
Bhuddist oder ein Hindu würde wahrscheinlich ganz anders im Verhältnis zu
seiner Weltlichkeit denken als
beispielsweise ein Moslem oder ein Christ.
Für
tief Gläubige, die ihr weltliches Dasein als
unantastbar Wertvolles sehen, als Geschenk der höheren Entität oder
als Schöpfung, die geachtet werden muss
und in
Ehrfurcht gehalten werden soll, muss es schon sehr schwierig sein, die
Plastination in Verbindung mit dem Ausstellungsgedanken in sich Selbst offen zuzulassen.
Es hat
mich daher schon überrascht in Berichten
über die Ausstellungen zu lesen, dass sogar Angehörige von Glaubensorden die
Körperwelten begeisternd fanden.
Vielleicht
ist es nur die Schwäche des Außenstehenden , der diese Leute für verschlossen
oder weltentschwunden halten mag, sie
als in der modernen Zeit lebende
Vergangene betrachtet, die nach alten Weisen und Erzählungen ihr tägliches Sein und Tun ausrichten.
Ja
wahrscheinlich ist es das.
Wer
soll schon sagen können ob diese Leute nicht viel mehr Gedankenspiel und Tiefgang durchleben können gerade weil ihr
Glaube sie zu Ausdauer und
Haltungsvermögen befähigt?
Wir „Ungläubigen“ sicherlich nicht.
Es wäre
sicher sehr interessant die
Wahrnehmungsspektren jedes einzelnen Besuchers oder Interessenten zu kennen,
vielleicht wird es darüber einmal eine Recherche geben, in ausgedehnter Weise
der ‚Spendergedanken’ etwa.
Man
könnte darüber sicherlich Bände füllen.
Die
früher geltende Regelung des fast elitär zusammenhängenden und für
Privilegierte vorbehaltenen Zugangs zu anatomischer oder medizinisch relevanter
Information habe ich persönlich nie verstanden.
Wollte
man uns Gewöhnlichmenschen, der
Allgemeinheit, den Einblick ins Wissen vorenthalten?
Lag es
an der Überheblichkeit der Wissenschaft, am Statusgefühl mancher Mediziner oder am überordnenden Wohlgutdünken der Gesetzesgeber?
Warum
sollte dem Interessierten Zugang zu Wissen oder Anschauung verwehrt bleiben?
Wollte
man dem Volke die Möglichkeit nicht gönnen, sich auch ohne ein aufwendiges,
Vielen nicht erreichbares und kostspieliges Studium etwas Wissen über sein
Inneres und seinen Körper anzueignen?
Sicher,
es gibt allerlei Bücher und Material was auch anders zu erreichen ist.
Anschauung
auf Fotos und Zeichnungen, Diagrammen
und sehr detailierte Beschreibungen,
das gibt es auch zu kaufen oder man
leiht sich Bücher aus, sieht Dokumentationsfilme und Gesundheitsserien, oder
nutzt das gewaltige Angebot im Internet.
Heute
kann man das sehrwohl .
Ich
kann mir auch gebrauchte medizinische
Fachliteratur besorgen und mich durchackern, ja.
Aber
noch einige Jahrzehnte zurück hätte es
das nicht so gegeben, oder es wäre sehr schwierig gewesen, sich selbst
ausreichend dahingehend zu bilden.
Ich
habe – da ich dafür ein ohnehin frühest
überschwängliches Interesse hatte – auch nie verstanden warum man gerade
Kindern solches Anschauungsmaterial vorenthält.
Wahrscheinlich
hat es mit der Besorgnis des ewig
‚vorkostenden’ Erwachsenen zu tun, der sich zur Entscheidung gedrängt
sieht, ob dem Kinde diese Bilder nicht doch eher schlechte Träume und Ängste bescheren würde.
Eine
Frage der Kultur sicher auch.
Wenn man Kinder sieht, die in Jäger - & Sammlergemeinschaften
aufwachsen oder auch einfach nur auf dem Lande, die wachsen damit auf dass es
völlig normal ist das Körperinnere von Tieren zu kennen, an die Ansicht von
Fleisch und Knochen, Organen und Därmen
gewöhnt sind.
Vielleicht
soll auch verhindert werden, dass die
Denkwege der Kinder sich einst
damit befassen könnten, dass wir so sehr unterschiedlich von unseren
Mitkreaturen nicht sind ...
Die
Möglichkeiten erlauben uns heute eine Informationsqualität die zum Teil über
die Anschauung echter Präparate schon hinausgeht. Kommt darauf an wie leistungsfähig der Heim -PC ist und wie
professionell die Software, dann ist die Reise durch den menschlichen Körper
bis hin zu den Kapillargefäßen kein großes Geheimnis mehr.
Und dennoch finde ich dass dies eine natürliche Anschauung des Echten nicht
übertreffen kann.
Das
Echte was wir sehen können, was sich plastisch vor uns erhebt, im wahren Raum
besteht und wovon wir uns selbst
überzeugen können, hat einen definitiv höheren Eindruckswert.
Man
kann uns Vieles erzählen und
beschreiben, erörtern und fundiert servieren, doch sehen wir es nicht selbst
mit eigenen Augen so wird diese Übermittlung auch immer mit der Überlegung des Zweifels verbunden sein,
oder auch mit dem Gedanken an die Möglichkeit, dass uns nicht Alles beschrieben
und gesagt wird.
Kein
Bild einer Raucherlunge im Buch oder gezeigt
in der TV- Dokumentation kann uns den
selben aufhaltenden Eindruck vermitteln als wie wenn wir davor
stehen und diese Lunge in Wirklichkeit sehen, ihre rauchige, verrußte und
geschädigte Struktur mit der Gesunden vergleichen können.
Das
Bild im Buch ist – wirklich, das ist so
-- nicht ‚bestürzend’ genug, könnte man sagen.
Ein
Bild im Buch oder der Film im Fernsehen, die Beschreibung im Text vermittelt
uns das Gefühl dass sich Fakten immer nur bei Anderen abspielen.
Es
erzeugt von Vorneherein einen Anteil Distanz und eine gewisse Gleichgültigkeitsbalance, mit Welcher wir auf das
Thema zugehen.
Die
Wirklichkeit setzt sich viel besser in
unserer Erinnerung fest.
Wir
sehen vor uns, was passieren kann, wenn wir
uns dem Habit des Rauchens
hingeben, uns zu lange oder zu intensiv damit beuteln.
Zwei
Frauen die ich dort stehen sah, an
ihrem ‚ Rauchermal ’ auf dem Zeige –
und Mittelfinger als direkt Betroffene
ertappt, schienen in inneren Konflikten
versunken.
Ein
Mann, der irgendwie fachlich wirkte,
warum weiß ich nicht mehr, es war wohl das was ich von seinem Gespräch mit
einem Anderen heraus aufschnappte was dies so erscheinen ließ, möglicherweise
war er Arzt, den fragte mein Vater noch, ob er denn meinte, dass Menschen
intensiver nachdenken würden oder
sich eher vom Rauchen abhalten ließen,
wenn sie diese Raucherlunge hier betrachtet hätten.
Der
Mann schüttelte den Kopf, meinte dass er das nicht glaube, ein paar Tage später
hätten sie’s vergessen.
Na ja,
Rauchen ist eine Sucht, da kann man das
sicherlich nicht so einfach erwarten.
Aber
ich würde doch Meinen dass Leute, die bislang nicht geraucht haben, sich einige
Male mehr überlegen könnten ob sie damit anfangen oder nicht!
Auch
ich war überrascht, hatte ich mir diese Schwärzung doch auch nicht derart
deutlich erkennbar vorgestellt, doch bei näherem Gedanken ist es logisch, da die Lunge ja keine sie
einhüllende Haut direkt am Organ haftend besitzt.
Ich
habe nie Nikotin aktiv geraucht und
kann mir nicht vorstellen weshalb ich
mein Geld auf diese Weise in die Wind blasen sollte, wörtlich zu nehmen,
aber passives Rauchen halte ich für genauso schädigend im Hinblick auf
verqualmte Büroräume oder
gesellschaftliche Räume, und auf Mütter die schwanger sind oder Kinder
in Familien wo geraucht wird.
Die
Nichtrauchenden können sich kaum entziehen, und nicht Jeder hat genug auf der
hohen Kante um sich ein Sauerstoffzelt zu leisten ...
... was bei Michael Jackson dann ja
allerdings nicht gerade die Nebenwirkungen seiner Gesichts- Kontinentaldrift
verhindern dürfte ...
( Führe immer gern die Übertreibung durch, denn
sie dient hervorragend dem Zwecke der
Verdeutlichung)
Das
Vergessen ist der Erinnerung
vehementester Feind, allzu leicht vergessen wir auch gerne den ein oder
anderen Aspekt der uns unbequem ins Gesichtsfeld rückt was wir lieber
nicht wahrnehmen würden.
Natur
des Menschen wie er leibt und lebt, gerne das Weiche im Brot verzehrend und die harte Kruste schmähend!
Auch
diese Aufgabe der Erinnerung erfüllen die Anschauungsobjekte der Ausstellung
Körperwelten sehr fein.
Diese
Aufklärung tut not in einer Gesellschaft wo sich Menschen oft nur noch über all
Jenes genügend informieren was ihnen gerade am Genüsslichsten mundet.
Aufklärung
mit dem Effekt die Menschen anzuhalten und zum Nachdenken zu bewegen – frei von
Drang und Zwang, frei vom mahnend erhobenen Zeigefinger ist das, was der
Professor hiermit anstösst.
Selbstdialog
der durch Betrachten und Innehalten ausgelöst wird.
Das, finde ich, ist einer der wirkungsvollsten und wichtigsten Aspekte die die Ausstellung mit sich bringt.
Dazu fällt mir eine Anekdote ein der ich einmal selbst beiwohnen durfte:
Jim White, ein Oldtimer mit dem ich mich oft zum Gespräch über alles Interessante dieser Welt und Anderer traf oder um gemeinsam mit ihm die Stanley – Cup Spiele zu verfolgen, hatte diesen besonderen Charakterzug des aufklärenden Witzes in Vielem was er ausdrückte.
Da kam eines Abends der junge Dickson zu Besuch, der einige Kilometer weiter in der Nachbarschaft wohnt, als ich auch dort war, und er erzählte nicht ganz ausgenüchtert von seiner Fahrt in die Stadt, und wie er dort sein gutes Fahrrad für CAN $ 50 verscherbelt hatte, um Einen ( und wohl Etliche mehr) trinken gehen zu können.
Er sei nun auf Umwegen und per Anhalter zurückgekehrt und fühle sich recht müde und schlapp nach diesem munteren Einfall, meinte er in nicht weniger ausführlichen Worten.
Jim grinste dazu in seiner unverkennbar eigenen schlau amüsiert wirkenden Weise und meinte in etwa :
~ Dickson, mein
Junge ... da hast Du etwas eher
Dämliches getan! Du hast $ 50 hergenommen, und das ist nicht ganz wenig, und Du hast es in die Kneipe getragen und Dich betrunken.
Also hast Du heute schon $ 50 in Urin umgewandelt ... ~
Dickson schien eine Weile zu grübeln, musste dann aber doch bald danach auch über diese Erkenntnis lachen, und meinte, ~ Da hast Du Recht, das ist mal wahr! ~
Ich
könnte mir Menschen auf der Ausstellung Körperwelten gut vorstellen die vor der
Raucherlunge stehen mit dem Gedankenzug :
~* Das machst Du mit Deinem Körper ... du kaufst
schachtelweise Glimmstengel und
wandelst sie in Teer und Ruß um , den Du nach und nach in Deiner Lunge
anreicherst. Schön blöd ... *~
Ich
könnte mich dabei auch gut selbst vorstellen, wie ich mich frage ob die
Selbstbeherrschung über die Fettleibigkeit und in Hinsicht auf üppiges und ungesundes Essverhalten nicht höheren
Stellenwert erhalten sollte ...
Und
wenn es nur die Minderheit Derer ist
die sich durch Selbstüberzeugung
bewusster verhalten, gesünder
leben und maßregelnder mit ihren
Schwächen und Verlangen umgehen, nachdem sie die Folgen solchen Handelns in natura gesehen haben ,dann finde ich, hat sich dieser Aspekt
der Ausstellung doch schon genügend gelohnt!
Eine
innere Entscheidung, dass ich dereinst nicht
bestattet werden möchte, wenn es eines Tages soweit ist und der
Lebenshauch mich verlässt , hatte ich ja schon
viel, viel früher schon in mir getroffen.
Das
faszinierte mich schon in früher Jugend, wie so Vieles, nach dem Tode einmal
der Wissenschaft zu dienen, da es mir ja im Leben leider nicht vergönnt war.
Das
möchte ich nicht trübseelig verstanden sehen oder gar beklagend bitte.
Nein,
für mich war es einfach klar dass herkömmliche Bestattungsweisen nicht
meinen Geschmack oder meinen Ansichten
und Wünschen entsprächen.
Da ich
nie religiös empfand, bzw. die
ganzen Beiträge der Religion während
der Kindheit und in die Jugend hinein mich nie sonderlich interessierten oder
mir gar lästig und naiv vorkamen,
machte ich mir diese Gedanken über den Tod und was danach mit mir geschehen
sollte auch als Kind oft schon.
Mir war
ja auch bewusst dass mich das Ableben praktisch zu jeder möglichen Zeit im Leben
ereilen könnte, jedoch ohne mich deshalb ständig fürchten zu müssen
oder dieses Bewusstsein jemals als
seelische Belastung zu empfinden.
Als
Kind hat man so seine unrealistischen Vorstellungen, na ja, und man träumt
davon in Raumschiffen als Astronaut
durch die Galaxis zu brettern und ferne Planeten zu erkunden und
neue mögliche Lebensräume zu
erkunden.
Science
Fiction, Wissenschaft und Fortschritt
hatten mich ewig schon
gefesselt.
Irgendwo
hatte ich gesehen oder gelesen dass ich Science Fiction Geschichten die
verstorbenen Raumfahrer in ihren Särgen ins grenzenlose All übergeben wurden.
So
etwas hätte mich früher ziemlich gut begeistern können.
Da
draussen unter all dem Gerümpel was
die ganzen exosphärischen
Missionen und Versuche und Sateliten –
Installationen und Weltraumflüge so
alles hinterlassen hatten, im luftleeren Raum
um ein Kraftfeld das wir Planet Erde nennen zu kreisen, ja das hätte mir sicherlich gefallen, im Gedanken der
Vorstellung.
Diese
Idee und einige Andere, befassten sich ja immerhin noch mit der Möglichkeit
einer Art von Bestattung.
Die
Anderen waren zwar durchweg bescheidener gehalten, aber dennoch recht unüblich, wenn man das so sagen
sollte.
Auf
keinen Fall wollte ich jemals auf dem
Grund irgendeiner glaubensrelevanten
Stätte begraben werden, also das Übliche
abbekommen, was man mit Toten
ja hierzulande und oftmals auch
Anderswo so macht.
Wenn
pflichtig dazu verordnet, dann bestenfalls
in Form von Asche und ohne
Grabstein, ohne Namen und Daten, irgendwo im Sammelgrab.
Aber es
wäre mir doch recht billig und
gleichgültig erschienen, über den letzten Wunsch eines Verstorbenen mit
Gesetzesregel und formaler Neutralität hinwegzuentscheiden!!!
Obwohl
mich das in unserer auf Profit und
Bürokratie basierenden Welt nicht wundert, was im Nachhinein so Alles
stattfinden kann, wenn der Betroffene
sein Mitspracherecht nicht mehr
zur Rede bringen kann oder nur noch als Dokument vorliegen hat.
Ein
Dokument beklagt sich nicht übers Übergangenwerden ...
Na ja,
es gab die Auswahl an See- Bestattung, die mir auch sehr gefiel, da man kaum an
religiös verwaltete Territorien gebunden wird.
Was Worte im Seewind auszurichten vermögen, wenn
ein Gebet gesprochen würde oder was auch immer, stand für mich ohnehin damit
gleich was ein müdes Lächeln auf einem faltigen Gesicht zu bewirken vermag. ~ grins ~
Daran,
dass meine Überreste frei im Meer versinken dürften, würden fromme Sprüche nichts ändern.
Nehmt
mich bitte nicht fehl darin wie ablehnend ich hier über die Religion schreibe,
es ist nicht erniedrigend gemeint oder
gar verachtend, nein, ich bin nun mal kein Gläubiger, und so rede ich in freiem
Gedanken.
Im
einfachsten Falle hätte ich mir, falls mich die Medizin nicht als Übungsmaterial gebrauchen könnte, eine
Feuerbestattung mit
anschliessendem Streuen in die
Winde über dem Mount Logan gewünscht,
quasi in Vorstellung der schönen Philosophie, über das Land zu fliegen, das ich
~ Home of my heart ~ nenne.
Das hätte einer gewissen Romantik beigesteuert,
der ich mich manchmal hingebe.
Selbst
wenn der Wind die Asche rüber nach Alaska getragen hätte ... ~hehe~ ... ich
hätte mich mit dieser Entscheidung sicherlich sehr wohl gefühlt.
Die
Idee, den Körper der angehenden
Medizinerschaft zur Verfügung zu stellen, hat aber alle anderen Ideen bezüglich
der Verwertung meiner dereinstig bleibenden Körpermasse auch damals schon überwogen.
Unwegsame
Gedankenszenarien wie sie in mir oft aufquellen liessen in mir auch manchmal die
Vorstellung aufkommen, den
Medizinern etwas Interessantes vermachen zu können.
Wer
wüsste denn s genau was mir im Leben alles widerfahren mochte?
All die
hochinteressanten Veränderungen und Entwicklungen die Erfahrungen jenseits des
Bioprogrammes so mit sich bringen --- man hätte die teilweise auf meinen Knochen oder in
meinen Organen ablesen können.
So wie
man auf Fundknochen und sogar in Fossilien noch teilweise feststellen kann, was
dieses Tier in seinem Leben wohl erlebt haben könnte.
Verknöcherungen
an Dinosaurier-Knochen die auf altersbedingte
Probleme hinweisen, ja Rheuma-Ideen zulassen oder ein verheilter Bruch in der
Schale eines Ammoniten, der auf die
Attacke eines Fressfeindes hindeutet.
Ganze
Bücher kann so ein Leben in den Körper schreiben, Geschichten für Jene die
darin einmal lesen werden.
Was
hätten sie davon wenn ich in einem Sarg vor mich hingammle?
Vielleicht
werde ich einmal Opfer einer interessanten Krankheit sein.
Das
weiß man schließlich nicht immer
unbedingt davor.
Vielleicht
habe ich in jungen Jahren und auf Touren durch die Wildnis ja ganz wundervolle Parasiten eingesammelt, die sich
nun gerade darüber beraten ob sie nun erst die Leber und danach die Milz anzapfen sollen oder noch mal einige
Jahre in unveränderlichem Stadium verbringen sollten, wer weiß?
Auch
Scans und Röntgenstrahlen sehen nicht immer alles, und auf endokrine Systeme
ist auch nicht durchweg Verlaß.
System abbusive methods werden
ihre Spuren hinterlassen, die jahrzehnte lange Essstörung wird
eventuell Langzeitschäden verzeichnen.
Der
Körper ist das Log – Buch unserer Lebensgewohnheiten!
Der
Körper wird Veränderungen erleben, ganze Bereiche werden völlig umgestaltet
oder lassen in ihrer
Beschaffenheit jene oder die anderen
Rückschlüsse zu.
In
komischen Momenten dachte ich sogar einmal darüber nach mich ausstopfen zu
lassen. ~grins~
Da
Tierpräparation selbst eines meiner
Hobbies ist fand ich den Gedanken ziemlich passend.
Es wäre
jedoch das Gegenteil von Plastination.
Ich
möchte ja nicht meine Haut präsentieren, sondern mein Innerstes zur Veranschaulichung bringen, um Leuten verstehen zu helfen, um
Betrachtern Fragen zu beantworten, und um
als plastisch dargestelltes ‚Buch’ so für die Menschen, die Wissen
wollen, einen nützlichen Dienst zu erweisen.
Hinter
der Haut eines ‚Balgpräparates’ verbergen sich fast alle Geheimnisse die im
Leben Auswirkungen auf das Innere gehabt haben.
Sogar
Narben werden bei Tierpräparaten oft beschönigt indem man den haarlosen oder vernarbten Streifen der Haut entfernt und den
bereinigten Balg möglichst exakt
wieder zusammensetzt und restauriert so
dass von Aussen nichts zu sehen ist.
Oder
man überarbeitet solche Stellen, modelliert
Haut darüber die unbeeinträchtigt wirkt, weil der Kunde einen ebenen
Pelz lieber herzeigt als Einen von dem
noch die Schusslöcher prangen.
Wo
Federn oder Haare fehlen klebt man sie
möglichst naturgetreu rein, sofern man hat, oder ersetzt ganze Teile
wenn zum Beispiel ein Fuchs mit auf natürliche Weise abhanden gekommenem
Schweif unästhetisch wirken würde.
Ich bin
ja eigentlich für die authentische Darstellung was Präparate angeht, möchte
also auch die Narben sehen die das Tier im Leben angesammelt hat.
Ich
bessere nur dort nach wo es ausdrücklich gewünscht ist oder wo durch die beginnende Verwesung Haare oder
Federn nicht mehr halten.
Oder
wenn es Wundlöcher oder Schäden gab
die bei Verkehrsopfern recht häufig
vorkommen.
Nach
diesem kleinen Exkurs in die Hobbythek
hoffe ich nicht dass ich hier
für den absolut geschmacklosen Banausen gehalten werde der die Tierpräparation gedankenlos auf die
Thematik des menschlichen Ablebens bezieht.
Wie
auch immer, ich denke eigentlich völlig unbefangen darüber.
Plastination
ist jedoch etwas völlig Anderes und
lässt sich kaum in ähnliche Gefilde stecken.
Viel
ähnlicher sind getrocknet aufbewahrte
Organe wie es sie ja aus früheren Versuchen der plastischen Präparation von
Organen gibt.
Auch
ganze Körper wurden präpariert, wie ja
das berühmte Pferd zeigt.
Wenn
auch mehr oder weniger schlecht und eher schlecht als recht, so waren sie doch die zu ihrer Zeit interessantesten Anschauungsobjekte die man kannte.
Den
Machern jener Erstversuche kann man die
Begeisterung zur naturnahen Darstellung
und das Bedürfnis nach Vermittlung von Wissen durch Authenzität gut
nachfühlen.
Auch
sie waren sich über die Wirkung von Echtpräparaten im Vergleich zu nachgebauten
Darstellungsobjekten sicherlich bewusst, waren aber in Methoden und Wissen wohl
noch nicht weit genug um ansehnlich angenehme
Präparate zu garantieren oder auch Zerfallsprozessen und Trocknungseffekten
Einhalt zu gebieten.
Präparate
in verschiedenen Lösungen eingehängt oder gelegt gibt es zur Genüge.
Alkohol,
Formaldehyd oder Schwerigal, gebettet in durchsichtige Blöcke von Kunstharz,
oder gefriergetrocknetes Material, auf dem man immer
wieder die Schäden des Prozesses der Verarbeitung oder der Auswirkung
chemischer Reaktionen sehen kann, die schrumpfen und Hohlräume hinterlassen
oder gelblich fahl in der von
Absonderungen getrübten Flüssigkeit schweben.
Vom
Sonnenlicht in Bewegung gesetztes
Auflösen jeglicher Pigmente.
Auch
paraffinierte Präparate sind wohl nicht dauerhaft genug oder zeigen
Veränderungen.
(Zur
Methode der Plastination könnt Ihr ja im Buch zu Körperwelten noch Genaueres nachlesen, wo die Entwicklung und die
verschiedenen
Vorgehensschritte
verständlich erläutert werden.)
Die
Körperspende hat nicht nur einen
allgemeinnützigen Zweck oder lässt
individuelle Wünsche realisieren, es gibt auch noch den Aspekt dass sich – wie
auch immer eigennützig das da stehen mag – viele weitere Angelegenheiten
erübrigen, die Angehörige nach dem Versterben eines Familienmitgliedes
betreffen würden, für den Fall der Mensch hätte zu Lebzeiten eine gewöhnliche
Beerdigung gewünscht.
Keine
Grabpflege oder aufwendige
Behandlungsverfahren zu hinterlassen bringt sicherlich eine Entlastung der
Angehörigen mit sich.
Viele
Menschen übernehmen diese Pflicht gerne und selbstverständlich, das will ich ja
auch nicht bestreiten.
Andere
sind vielleicht gebrechlich oder hätten nicht die mögliche Zeit dazu oder allzu viel Geld übrig um einen Dienst
hierfür anzustellen, oder aber sie wohnen viel zu weit entfernt um die lange Reise zu unternehmen.
Zu
Lebzeiten wäre es mir selbst angenehmer
diese Pflichten Anderen zu ersparen,
nicht zuletzt da es keine Nachkommen geben wird in meinem Fall und solche
Arbeiten an weiter entfernte Verwandte
oder gar Bekannte überlassen werden würden.
Im
Falle der ‚Zwangsbestattung’ eben nur.
Ist
dies nun eine bequeme Denkensart?
Nun ja
vielleicht ist es das, vielleicht ist dieser Gedanke völlig eigennützig, zu
sagen ‚ ich lasse mich mal plastinieren, dann muss sich um meine Überreste
dereinst keiner Umstände machen.
Aber
gleichzeitig finde ich ihn doch rücksichtsvoll auch, eine letzte Nettigkeit die
man vergeben will um zu sagen ‚ Du hast Dich liebevoll um mich gekümmert, unser
ganzes gemeinsames Leben lang, und wenn ich dann gegangen bin, sollst Du Zeit
für Dich haben, und nicht noch Arbeit und Aufwand bekommen.
Sicherlich
gibt es auch viele Leute wo die
Verhältnisse nicht derart harmonisch verlaufen, wo die Kinder ihr eigenes Dasein bestreiten und an ein Grab auf irgendeinem stillen Friedhof
weit draußen wo einst Oma oder Onkel wohnten, kaum noch denken würden.
Aber
diese Entscheidung ist ja auch
lediglich eine der Annehmlichkeiten, die ohnehin mithin ihre Wirkung bringen,
wenn man seinen Körper spendet.
Vielleicht
wird diese Art von Verwendungsbestimmung die man als Spender ins Nachhinein behält eines Tages ein Umdenken einleiten, was den Umgang mit
den Toten betrifft, der ja heute der Anordnung diverser Ämter zufällt.
Erst
einmal ist da ein gesellschaftliches Rückführen des Phänomens Tod von Nöten,
würde ich sagen, denn die jahrzehnte und jahrhunderte lange Entwicklung der
Distanzierung vom Tod als natürlichem Verlaufsende eines Menschenlebens
haben allerlei seltsame Nachwirkungen
hinterlassen.
Wir
können mit dem Tod nicht mehr richtig umgehen und versuchen ihn von unserem
Bewusstsein zu verbannen, solange er uns nicht unmittelbar betrifft oder gerade geschieht.
Der
Abschiedsprozess vom Sterbenden verläuft in der Mehrheit der Fälle oft
recht hastig und wenig persönlich.
Der
Sterbenskranke oder Schwerstverletzte
wird abgeschottet und die Angehörigen müssen sich teilweise Besuchszeiten oder
Dauerbeistand erkämpfen oder werden davon abgeraten, weil man Einbrüche im Seelenheil verhindern will.
Der
gesamte Vorgang wird in einer möglichst schonenden und dadurch oft verwehrenden Art und Weise behandelt, die
Rücksicht auf Angehörige darstellen
soll und doch mehr den Zugang zum
Abschiedsvorgang unterbindet.
Wer ist
den schon noch dort wenn die Verwandte, der Bekannte, der unheilbar Kranke oder Menschen ohne soziale Netze sterben?
Vielleicht
Ärzte oder eine Krankenschwester, vielleicht ein Religionsmensch oder die Sterbebegleiter, Institutionen die von
uns stellvertretend für uns abgeordnet
werden.
Es ist
gut, dass wenigstens diese Leute noch diesen Schritt wagen, den so Viele von
uns lieber Denen überlassen, als Teil
der Umstände betrachten die ein Todesfall
mit sich bringt.
Wo ist
die Befähigung zur Teilnahme, zum Beistand, zu einem würdigen Abschied der auch
dem Sterbenden sicherlich ein letztes
Erweisen der Ehrung und Liebesbezeigung
wert wäre.
Wo
stecken wir unsere Gefühle hin in
dieser heutigen oberflächlichen Welt?
Wir
stecken sie in die innere Abstellkammer, weil Gefühle in der Geschäftswelt und
dem Wichtigtun des offenen Miteinanders
als Zeichen der Schwäche aufgefasst werden.
Was ist
mit den Gefühlen des Sterbenden, der vielleicht zu schwach ist um die Augen offen zu halten, vielleicht im
*locked-in-Zustand* regungslos und unfähig seine Muskulatur zu bedienen, seine Mimik zum Ausdruck zu
bringen, dort liegt und sich innen drin
zu fragen beginnt, ob wirklich Jemand gekommen ist um ihm Lebewohl
zu sagen.
Die
Wenigsten werden sich ein Alleinesein in der Zeitspanne des Sterbens
wünschen.... ich weiß es nicht ... aber auch wenn Viele das vielleicht sagen,
so wünschen sie sich innerlich wohl eher das Gegenteil.
Wenn
ich an all die Leute denke die mir in meinem bisherigen Leben viel bedeutet
haben und die den letzten Gang schon hinter sich haben, dann fällt mir auf dass
ich nur bei Einem bis zum Ende
wirklich dabei war.
Nun
gut, Einige sind in Unfällen gestorben oder weit entfernt ohne mein Wissen über
die natürlichen Ursachen oder etwaige Krankheiten.
Das ist
etwas Anderes.
Aber
zumindest hätte ich es mir vorstellen können Jene zu begleiten von Denen ich
wusste, dass oder wo sie sterben würden.
Trotzdem
scheute man sich das mitzuteilen, wollte sich nicht aufdrängen in einer Zeit wo die Nerven der anderen Angehörigen
blank lagen.
Wollte
nicht deren Gefühle für Selbstverständliches irritieren, wenn sie an der
Allgemeinauffassung festgemacht waren die
hier sagt : „Die Ärzte, die Schwestern, die werden das schon machen“
Oder
ich habe mich damit beschäftigt realisieren zu können wie in einem Fall die direkte Angehörige das
Sterben fast völlig gleichgültig zu
betrachten schien, bzw. durch Verdrängung dazu gelangt war, den Vorgang in einer Art unheimlichen, kühlen
und scheinbar gefühlsarmen Routine hinzunehmen, die ich nicht so recht
begreifen konnte.
Vielleicht
eine der vielen Auswirkungen die diese Distanzierung vom Tod in der
Gesellschaft mit sich bringt.
Der
Teilnahme an Beerdigungen habe ich stets entsagt.
Das hat
sowohl mit meiner absolutär-atheistischen Überzeugung zu tun, die jedoch einen
gewissen Respekt vor religiösen Zeremonien beinhaltet, zum Anderen mit der Art wie mir Beerdigungen fast heuchlerisch und übertrieben im
Hinblick auf den Leichnahm und die
Verhältnisse der Angehörigen und Bekannten zur Leiche oft erscheinen.
Da wird
edelmütig getan und Jeder will den
eindrucksvollsten Kranz ablegen, und die Grabrede muss aussergewöhnlich
hochschätzend kommen, und die entferntesten Bekannten, welchen der Tote zu
Lebzeiten mehr als egal war müssen sich herausputzen wie die in Gram und Leid
getränkten Anteilnehmer.
Ein
Schauspiel das mir oft grotesk erschien, wenn ich es als jüngeres Kind noch auf mich nahm.
Diese
elendige Schmeichlerei im Nachhinein, dieses falsche Leidtragen einiger Trittbrettfahrer die sich zu Mittag eine
kostenlose Mahlzeit erhofften und dem
Toten wohlgesonnen erscheinen wollten
mit dem Zweckgedanken der Image-Aufwertung im Umfeld.
Nichts
dagegen bei den wirklich Trauernden!!
Wer
sich mit der Zeremonie in der
Trauerarbeit gestützt empfinden kann
soll das ruhig miterleben.
Glücklicherweise
bleibt mir dieses Volkstheaterstück einst erspart =8o)
Dafür
bin ich im Voraus schon dankbar.
Der
Umgang den die Plastinatoren und deren Mitarbeiter mit meinem Körper haben
werden wird sich mir in einer reinen
und unbeeinflussten Art würdiger erweisen als wenn mich Menschen, die mein
Innerstes nie kannten, unter gespielten
Tränen und präsentiertem Trauerflor zu
Grabe trögen.
Die
letzte ‚Bestattung’ erlebte ich mit 24,
doch Diese verlief ganz anders als man das hierzulande halten würde.
Ein
kleiner Junge, der von einem Rücksichtslosen weit draußen auf einem
übersichtlichen Feldweg überfahren
worden war, und dessen Eltern seinen Wunsch
befürwortet hatten, seine Asche unter einem bestimmten uralten Baum in
den Bergen zu begraben.
Alles
ganz natürlich und in Reflektion auf die Erlebnisse mit ihm in seinem kurzen glücklichen Leben.
Und die Freude die er in der Erinnerung Jener
zurückließ die ihn näher kannten als nur ein paar Wochen oder Gespräche. Zu Acht auf einer Tageswanderung zu diesem Ort habe ich mehr Würde und
Anerkennung für einen Menschen erlebt als sich auf noch so protzigen
Beerdigungszeremonien stilvoll darstellen
lassen mag.
Das ist
Jedermanns eigene Wahl.
Die
Distanzierung vom Tod in unserer Gesellschaft sollte jedenfalls eine andere
Richtung einnehmen, sonst verkommen wir zu Teilnahmeunfähigen , die keine
eigentliche Berührung mit dem Sterbevorgang und der Erfahrung des Abschiedes mehr kennen werden.
Wenn
das Amt uns den Tod abnimmt, scheitern
wir im Begreifen seiner Wirklichkeit
und seiner unumgänglichen Wahrheit, finde ich.
Ich
möchte nicht spekulieren was die Idee, dass der Tod nur in Form eines verschwommenen
Erinnerungsbildes der kranken
Verwandten oder der
verunglückten Freunde existiert; in damit ins Leben gehenden Leuten
anstellt, wenn sie ihn irgendwann in seiner
Wirklichkeit kennen lernen , was ja durchaus geschehen könnte,
irgendwann, und wovor sich Keiner von
uns ausnehmen kann, auch nicht Jene, die sagen :„Uns passiert das schon nicht“
Ob die
Körperwelten sich darauf hinaus
auswirken werden, kann man wohl direkt nicht so gut abschätzen.
Sicherlich
werden sie Menschen darüber lehren
können, sich mit solchen weiterführenden Gedanken auseinander zu setzen.
Der
Denkanstoss steht gegeben, den Tod als natürliches und gewöhnliches Ereignis verstehen zu lernen,
das nicht aus Absichtlichkeiten
oder unbedingten Berechenbarkeiten
entsteht.
An
einigen der Körper und Organpräparaten
kann man erkennen wie sich krankhafte
Veränderungen begründen und sich
daraus ableiten dass es in vielen Fällen keine andere Möglickeit mehr gibt für den Organismus, eine solche Entwicklung zu überleben.
Auch könnten
Vergleiche in der Alterung eines
Organes oder des Körpers dazu beitragen, dass die Alterungsprozesse mit
ihren typischen Auswirkungen als unumgehbar
natürliches Geschehen betrachtet
werden können, und weniger als Fluch
der Zeit oder mit teuren Mitteln
abwendbaren Verlauf, so wie das in manch unerhörtem Werbeartikel manchmal
angepriesen wird :
„Verjüngen sie ihren Körper mit ~ ReTelomeron ~ , unserem Jungbrunnen für den modernen alten Menschen! Sie werden
sehen, schon nach unglaublichen 3 Wochen
glättet sich ihre Haut und ihre
Haare gewinnen ihre Ursprungsfarbe zurück.Sie werden sich nun fragen, inwiefern
sich ihre rheumatischen
Beschwerden verhalten, sich ihre
Osteoporose verhalten wird oder ob sich der jugendliche Elan ihrer wildesten Junggesellen-Nächte
zurückmelden wird? Ja ? Dann kaufen
Sie ~ReTelomeron ~ und schliessen sie
sich dem zunehmenden Kreise der zufriedenen Kunden an [ -- wo dann Bilder von
strahlenden 45-Jährigen gezeigt werden -- ]
die auch mit 75 noch die Freude
teilen, sich 20 –30 Jahre jünger zu fühlen Blah Sabbel Sülz ect „
Die
Ampulle mit undefinierbarem Inhalt der etwas von Gelee Royal mit einem Deut von Kräutergeist und abgerundet mit parfumierenden Düftchen
wird dann im Kleinstgedruckten -- ohne
Vergrößerungsbrille nicht einsehbar – für
gut 1500 Euro pro 50ml oder so
feilgeboten, und die cleveren Gründer einer mehr als zwielichtigen fernen
Forschungsfirma schicken auf Anfragen nach wissenschaftlichen Belegen wunderbare beteuernde Kurzfassungen
der Aussagen von allerlei Professoren die es
-- zumindest innerhalb unserer Galaxis – gar nicht gibt.
Wer
weiss nicht ob es das eines Tages geben kann? Mit zunehmender Forschung werden
viele dieser Fragen genauer betrachtet werden und Teillösungen zu neuen Ergebnissen
– aber immer auch neuen Fragen führen.
Aber
zumindest heute und wohl auch in den nächsten Jahrzehnten werden wir in einer
Gesellschaft leben die sich mit dem natürlichen sowie dem Unfalltod oder
krankheitsbedingtem Sterben noch
abfinden müssen.
Und selbst
wenn wir irgendwann 200 Jahre alt werden und dabei den Elan eines 50- Jährigen
beibehalten sollten falls die Alterungsprozesse verzögert würden, was kommt
danach?
Nicht das Christkind und auch nicht der Osterhase,
auch nicht das Sandmännchen, nein, es wäre irgendwann unumgänglich unser ungeliebtester Ereignisevent , der eigene Tod.
Der
Mensch der sich gerade überlegt ob er seinen Körper spenden möchte wird sich zum eigenen Tod womöglich schon sehr viele Gedanken gemacht
haben.
Ich
mache mir diese Gedanken seit ich
denken kann, da mich Tod und Sterben
auch von tieferem Interesse her schon
immer fasziniert haben.
Das
Tabu der Gesellschaft die den Tod zur
Seite drängt und lieber nicht
erwähnt oder mit Geheimnissen und Unangenehmem behaftet hat,
konnte mich hier – wie in vielen anderen Interessenbereichen – nie abhalten
oder gar einschüchtern.
Völlig
unbefangen ging ich an das Thema heran und
habe mich nie damit zufrieden gegeben dass die Antworten auf meine
genaueren Fragen im direkten Umfeld
unbeantwortet blieben.
Wie
funktioniert der Tod?
Was
passiert während des Sterbens mit dem Körper, dem Bewusstsein?
Verliert
sich unsere Lebenseneregie in der Umgebung ,wandelt sie sich um und wird von
der Direktumgebung verwendet oder könnte es sogar möglich sein dass in dieser
Energie, Welche die Zellen für ihre Funktionen und Prozesse nutzen, so etwas wie ein unabhängig vom Körper weiterbestehendes Bewusstsein in einer anderen
Daseinsform besitzen?
Kurz
gesagt , gibt es eine Art „Seele“ oder
so was?
Nimmt
man das Sterben bewusst wahr oder sind die Rezeptoren für das Empfinden durch
im Gehirn ausgeschüttete Morphine soweit betäubt dass man schmerzunempfindlich wird?
Solche
und andere fragen entwickelten sich in mir mit der Zeit.
Sicherlich
waren sie zur Kinderzeit weniger
detailiert.
Man
wunderte sich ob der Tod sehr schmerzhaft wäre.
Ich
hatte die Bücher von Dr. Alan Moody gelesen, der über die TNE- Erfahrung allerlei Erzählungen und Berichte
zusammengetragen hatte.
Fragen
nach der Möglichkeit dieser Erfahrungen und ihrer durch Substanzen im
Gehirn beeinflussten Realität.
Vielleicht
nur ein Endorphintrunk den das Gehirn
sich in der unbekannten und extremen
Situation selbst verabreichen würde um den Körper durch einen Notzustand zu geleiten, der hier eben mit dem finalen
Exitus enden würde?
Oder
doch irgendetwas Anderes, was wir bisher kaum nachweisen könnten?
Ich
habe mich immer an die wissenschaftlichen Erkenntnisse gelehnt, da mir diese
noch am Ehesten einen rationalen Sichtpunkt vermitteln konnten.
Soweit
ich belesen sei, wird heute die
Schlummertrunk- These unterstützt nach der sich das Gehirn bestimmte selbstproduzierte Drogen verabreicht, die den Todesmoment als nahezu unglaublich
glücklichen oder schwerelosen und
sorglosen Moment erscheinen lassen.
Vielleicht
gehen wir auf in dieser Wirkung und sie
nimmt uns alle Schmerzen und Ängste vor
dem finalen Punkt.
Für
Andere könnte dies nach deren Idee dann der Eintritt in die nächste Dimension
bedeuten, je nachdem welchen Glauben der Einzelne verfolgt, welche eigenen Ideen er sich erarbeitet hat.
Der
Todeszeitpunkt als heitere Vergnügungsfaht ins Unbekannte wäre mir sicherlich
wünschenswerter als ein Dahinsiechen
bis das Herz die Belastung der
Veränderungen und dem Erschlaffen der
Funktionen nicht mehr standhalten kann
und man hilflos gegen Leid und Qualen darauf warten würde dass die
Sauerstoffreste in den Hirnzellen
aufgebraucht wären.
Auch
wenn man das so wohl nicht mehr zum ´Detail wahrnehmen würde, keine schöne
Vorstellung. Davor würden uns wahrscheinlich die verantwortlichen Empfindens-Sensoren für Schmerz im Stich lassen, schätze ich doch mal.
Es gibt
nun diese Dokumentation der BBC die ich auch mehrmals schon verfolgt habe, und
worin ein Sterbender bis zu seinem Ende filmisch begleitet wird.
Ich
muss doch sagen dass diese Dokumentation mir so einige versteckten und in Rückständen noch vorhandenen Zweifel so
ziemlich ausgemerzt hat, dass der
Todesmoment etwa eine sehr schmerzvolle
Angelegenheit wäre.
Etwas
beunruhigend aber im weiteren Nachdenken dann doch logisch nachvollziehbar
erschien mir die Phase des mühevollen Atmens.
Vielleicht leitet das aber den Vorgang der
gehirnchemischen Ausschüttungen ein, oder ist notwendig um dem Gehirn die akute
Notsituation des Körperzustandes zu
vermitteln damit es mit der Ausschüttung beginnen kann.
Ein
Auslöser also.
Natürlich
würde sich das Atmen erschweren wenn die Kraft allmählich schwindet, die Resourcen an Nährstoffen oder der verfügbare Sauerstoff nicht mehr hinreichend
sind um die Arbeit der Muskeln zu ermöglichen.
Irgendwann
stagniert wohl der Support für die
Bewegungsabläufe und sie fallen aus.
Wahrscheinlich
ist man in dieser Phase schon innerlich
derart *zugekifft * dass man es nicht mehr registriert.
Oder
dass jener bunte und heitere Film die Regie übernommen hat, welcher in der
letzten Interpretation des Gehirnes
wundervolle Phantasien erschaffen kann, die uns von Engelswesen erzählen
die durch Tunnel schweben und den Rundumblick beherrschen, so als wäre nur noch
das Wahrnehmen des Sehens und des
Glücksempfindens vorhanden.
Nun
kenne ich einige Leute die ich als
durchaus weltoffene und vernünftige Menschen bezeichnen würde die recht
rational und realistisch denken, und dennoch tief davon überzeugt sind dass
ihre TNE- Erfahrungen unbestreitbare
Schlüsse auf ein Weiterleben nach dem Tode in anderer Daseinsform darstellen.
Ich
habe so etwas selbst nie erlebt bisher und kann das somit schlecht bezweifeln.
Ich
halte sie auch nicht für Geschichtenerzähler oder Gefangene einer
Wunschvorstellung, aber ich räume die Möglichkeit ein dass sie in ihrem
damaligen Bewusstseinszustand eventuell nicht 100%ig wahrnahmen was wirklich
geschah.
Ich
vergleiche bedacht mit
Drogenkonsumenten, die in bestimmten Phasen auch ihre durch die Drogen
verursachten Phantasmen für real
halten.
Das
Blöde an diesen Sachen ist es nun einmal dass die dokumentierende Beweisführung
so schwierig ist *hehe *
Worin
begründet sich wohl die Furcht vor dem
Tod, habe ich mich gefragt, und ich denke dass es eine teilweise Antwort
darin gibt, wenn man sich bewusst geworden ist, dass ein Leben und
bewusstes Dasein nicht unentwegt fortgehen kann.
Die
Furcht vor Leiden, Qual und Schmerz auf
der einen Seite und die Furcht vor dem Ende auf der anderen Seite.
Einen
Atheisten wie mich, dem jegliche Konzepte von Glauben oder Hoffen recht banal
und ohne Mystik erscheinen, müsste
diese Furcht vor dem Ende doch stetig plagen.
Dort wo
sich der gläubige Mensch in seiner Glaubensessenz versichert fühlen darf, wo sich
dieses Lebensende als Beginn einer
neuen Phase seines Daseins abzeichnet oder als Übergang zu einem ewigen Leben
und Ähnlichem, an dieser Stelle steht für uns Realdenker doch eher noch ein
unbeschreibbares Nichts.
Aber
macht Euch das mehr Angst als wenn ihr daran denkt dass ihr im Himmelreich
eurer Götter weiterexistieren werdet?
Sicherlich
frage auch ich mich, was danach sein könnte, doch ich beantworte es mir eher
recht schlicht.
Die
schwachen Energievorkommen die meine Bestandteile zusammenhalten werden sich
allmählich entkomplizieren und
andersweitig nutzen lassen, sei es nun in der möglichen Verwesung die
die Materie aufschlüsseln würde und für
Bakterien und Pilze zu Nahrung
verarbeiten würde, oder seien es die Stoffe die mich während der Plastination teilweise ersetzen werden, bzw. meinen Körper
konservieren werden.
Meine
Furcht erstreckt sich lediglich auf eventuelle
Qualen des Sterbens selbst oder auf ein Dahinsiechen ohne
Selbstbestimmungsmöglichkeiten, also insgesamt auf die Zeit vor dem
Todesmoment.
Ich
kann mir nicht vorstellen weshalb ich mich vor irgend einem Ereignis danach
fürchten sollte, denn dann werde ich nicht mehr bewusst existieren.
Ich kann mir zwar in Hypothese vorstellen dass
es so etwas wie eine andersartige Form von Leben geben könnte, die jenseits
unseres bekannten Wissensstandes und aller messbaren Ergebnisse liegt, aber ich
halte diese Möglichkeit nicht für die
einzig Existente.
Genausogut
ist es möglich, dass es nichts dergleichen gibt.
Eigentlich
denke ich viel wahrscheinlicher ist die Idee dass sich kein Bewusstsein
erhalten wird, und dass sich Energiefelder
wie beim Zerfall eines abgestorbenen Baumes oder während dem
Verwittern anorganischer Materie durch
die Umwandlungsprozesse in die direkte
Umgebung lösen werden.
Eventuell
durch andere, gerade beginnende Lebensprozesse mitverwendet werden oder in
weiteren chemischen Reaktionen und physikalischen Vorgängen ‚verheizt’ werden.
Ob ich
mir ein Weiterleben in anderer Form wünschen würde?
Nun das
ist schwierig zu beantworten, ich schätze es käme darauf an was mich im Falle
so einer Vorstellung erwarten würde *g*
Gewohnt
daran in diesem Leben die Wahl zu haben würde ich mich wohl mit diesem
Lernmuster an ein nächstes Leben heranbegeben.
Allerdings
kann ich mir ein ‚ewiges Bestehen’
nicht ganz vorstellen, schon alleine
nicht, was um Himmels Willen ich so unübersehbar lange ich hier machen sollte, oder dort, oder wo
auch immer das stattfinden soll.
Dieses
Fortbestehen sehe ich dann schon lieber als schöne Philosophie.
Fortbestand
als plastiniertes Lehrmodell, als lebensnahe Plastik erscheint mir eher
realistisch zu sein.
Vielleicht
werde ich einige Jahrhunderte in
Position und Bild zum Anschauungsunterricht
junger Pflegekräfte oder Mediziner dienen oder mich der Allgemeinheit
präsentieren, so wie sich mir Andere präsentieren, deren Körpern ich auf den
Körperwelten begegnet bin.
Diese
Aufgabe entspricht doch irgendwie auch wieder meinem inneren Langzeit- Wunsch, so eine Art
Wissenschaftstätigkeit auszuüben, was mir im Leben nicht vergönnt war, und
darin sehe ich eine viel erfüllendere
Zukunft nach dem Tode als es
irgend ein Sitzplatz in den
Spalten des Olymp je sein könnte.
Oder
ich gehe auf Reisen, „erlebe“ eine Reise um die ganze Welt, gehe mit der
Ausstellung auf Tournee, nicht in 80 Tagen, aber dafür in 80 Scheiben, na wenn
das nichts Einmaliges wäre =8o)
Vielleicht bereise ich die Kontinente oder übe mich in
der Fähigkeit der Multilokation, indem sich Teile von mir in Asien aufhalten
während andere Teile gerade in Europa weilen.
Es gibt
allerlei amüsante Vorstellungen.
Ich
könnte Formen des Bestehens annehmen
die ich im ganzen Leben niemals beherrscht habe, zum Beispiel als Körper der nach allen Seiten expandiert
würde -- sicherlich eine gänzlich neue
Erfahrung!
Menschen
könnten Seiten von mir erblicken die ich zu Lebenszeiten selbst nie gesehen
habe, und das obwohl ich sie jeden Tag mit mir herumtrug, sie in mir drin
hatte.
Ist es
zu fassen?
Ich
habe noch nie meine kostbarsten Teile
betrachtet.
Meine
Nieren nur kurz gegrüßt wenn ich eine Ultraschalluntersuchung hatte, meine
Hirnanhangdrüse mal ganz kurz im
Querschnittscan - Ausdruck einer Tomographie gesehen,
und sonst bestenfalls die Oberfläche meiner Mandeln im geschickten und verrenkten Blick mit Spiegeln in meinen
Rachen.
Aber
all diese faszinierenden Strukturen die mein inneres Gesicht und das jedes
Menschen als einzigartiges Gebilde
darstellen, mein Innenohr, mein
Sehnerv, die Milz, die Darmzotten ....
All
Jenes das buchstäblich um meine Knochen gehängt ist, das blieb
mir verborgen.
Soll
es in der Zukunft Anderen die
Möglichkeit geben sich über ihren Körper
auch an meinem Beispiel zu bilden und ungezwungen zu unterhalten, sich
Gedanken zu machen und sich besser
erklären zu können, wie dieser menschliche Organismus aufgebaut ist und
funktioniert!
Auf
dass Keiner, der das Bedürfnis hat Wissen zu erfahren, durch irgendwelche Restriktionen oder Vorbehalte daran gehindert werde, dieses Recht auf Wissen
und Information und Anschauung für Selbstüberzeugung zu erhalten.
Das
wünsche ich mir als frei über meinen
Körper entscheidender Mensch in der Verwirklichung meiner Körperspende!
Donnerstag,
2. Mai
2002 -- I. Pit Benz aka PitVan Calvin II
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