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„Ich
such, die Gewissheit wiederzugewinnen, dass die Welt mich braucht.“
Strittmatter, Wundertäter, 2“
Erinnerungen
1 – 50
Autobiografische
Streiflichter
mit
historischen Anmerkungen
Eberhard
Kamprad
1
Ich wurde am 7. August 1945 in Leipzig
geboren. Seit dem 8. Mai dieses Jahres war der 2. Weltkrieg zu Ende. Aufgrund
der aktuellen politischen Situation zu meiner Geburt weist meine Geburtsurkunde
eine Besonderheit auf. Vom Siegel ist nur noch die Umschrift vorhanden. In der
Mitte befand sich wahrscheinlich das Symbol des untergegangenen Staates, das
Hakenkreuz. Neue Symbole gab es noch nicht, aber das Leben fragte nicht danach und
die behördliche Arbeit musste – wenn auch provisorisch – weitergehen.
2
Mein Erscheinen in dieser Welt war
eine „schwere Geburt“, da meine Mutter mit 32 Jahren – im Sprachgebrauch meiner
Jugend – eine alte Erstgebärende war. (Heutzutage ist es schon wieder normal,
dass Frauen erst ihre Kinder bekommen, wenn die materiellen Verhältnisse gesichert
sind und das ist üblicherweise nicht mit 18 der Fall.)
Warum ich überhaupt entstanden bin,
ist mir ein Rätsel - aus Liebe war es auf keinen Fall. Meine Mutter sagte mir
später nur, sie wollte unbedingt ein Kind. Dazu nahm sie sogar ärztliche Hilfe
in Anspruch. Von ihrer Erziehung her kam ein Kind für sie und ihre Eltern nur
im Rahmen einer Ehe in Frage. (Über das Kennenlernen meines Vaters und die
Hochzeit hat sie mir nie etwas erzählt.) Vielleicht wollte sie mit der
Schwangerschaft auch der Kasernierung als dienstverpflichtete
Luftschutzpolizei-Helferin entfliehen, so wie später die jungen Frauen meiner
Generation die staatliche Einsatzlenkung nach Abschluss des Studiums einfach
durch Schwangerschaft umgehen konnten. Egal aus welchem Grund: Ich habe das Gefühl,
dass mein Vater nur das Mittel war, um den Kinderwunsch meiner Mutter zu
erfüllen, denn mit den beiden ging es nicht gut. Sie hatten zwar eine gemeinsame
Wohnung aber praktisch lebte jeder bei seinen Eltern.
3
So wurde ich auch im Schlafzimmer
meiner Großeltern mütterlicherseits geboren, was symbolisch für den ersten Teil
meines Lebens wurde: Lange Zeit war mein Großvater der bestimmende Faktor in meinem
Leben. Nach der Schilderung meiner Mutter rief die Hebamme: „Drücken Sie,
Drücken Sie, das Kind hat die Nabelschnur um’ n Hals!“ Meine Mutter tat wie ihr
geheißen, deswegen musste sie dann auch genäht werden. Das wiederum führte zu
einem Streit zwischen der Hebamme und dem herbeigerufenen Arzt, wer an dem Dammriss[1] schuld sei. Die Hebamme argumentierte,
dass sie keinen Dammschutz mehr geben konnte, weil sie das Kind herausziehen
musste, dass zu ersticken drohte. Außerdem soll ich den Bemühungen der Hebamme
mich mit den bekannten Gewaltmaßnahmen wie Schlägen und kaltes Wasser zum Atmen
zu bringen, zwei Minuten lang Widerstand geleistet haben. Die Zeitangabe halte
ich für übertrieben, aber sagen wir: Es dauerte länger als üblich, bis ich atmete
und einen kleinen gesundheitlichen Knacks habe ich dadurch mitbekommen. Ich bin
also unter Streit, Atemnot und Schlägen in diese Welt eingetreten und das war
bestimmt kein angenehmes Gefühl. Meine Geburt führte zu einem weiteren Streit
zwischen meinen Eltern.
4
Mein Vater sollte bei der Geburt dabei
sein und den organisatorischen Teilübernehmen; wie z. B. die Hebamme holen. Ich
muss daran erinnern, dass Telefonieren damals nicht selbstverständlich war. Man
musste zu den Betreffenden hingehen. Doch kam mein Vater erst als alles vorbei
war, weil er sich erst noch eine Verbrecherjagd über die Dächer angesehen hatte
und bis zum Absturz des Gejagten gewartet hatte. So schimpfte meine Mutter,
solange sie lebte.
5
Ich war für die damalige Zeit überdurchschnittlich
groß, aber nur Haut und Knochen. Monatelang soll ich vor Hunger gebrüllt haben.
Meine Mutter hatte kaum Milch, wütend stieß ich die nutzlose Brust weg.
Schließlich wurde auf Anraten des Kinderarztes eine dicke Stampfe aus aufgelöstem
Zwieback hergestellt und mir durch einen Nuppel mit extra großem Loch
eingeflößt. Nach einem halben Jahr war ich raus gefüttert und hörte mit
Schreien auf. Nun verbrauchte ich aber meine Lebensmittelmarken[2] und die meiner Mutter.
6
Wegen meines übermäßigen Schreiens
musste ich bei den Großeltern in der Küche schlafen. Ein Kinderbett gab es
nicht. Ich hatte nur einen Kinderwagen. Mein Großvater hatte ihn gegen einen
Sack Äpfel aus dem Garten von Bekannten geborgt. Eines Nachts kippte ich ihn wütend
um. Ein Wunder, dass ich darunter nicht erstickt bin. Heute bezweifele ich die
Darstellung meiner Mutter, dass ich allein vor Hunger schrie. Wenn ich mir
meine kühle, vernünftige, berechnende Mutter mit einem schreienden Säugling
vorstelle, denke ich mir, dass mir nicht nur leibliche sondern vor allem
seelische Nahrung, nämlich Liebe und Zuwendung gefehlt hat. So war sie bis ins
hohe Alter stolz darauf, dass sie mir nie einen Kosenamen gegeben hatte,
sondern mich immer vernünftig und korrekt mit meinem Namen angesprochen hatte.
Das Ganze kommt mir wie eine Inszenierung vor. Meine Mutter spielte die
Mutterrolle und erfüllte formal alle Pflichten, war aber nicht mit dem Herzen
dabei. Nun soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass sie eine Rabenmutter
gewesen sei. Materiell verzichtete sie auf vieles zu meinen Gunsten, sie sah
mich stets als etwas Besonderes an und vermittelte mir dies auch. Doch im
Rückblick hat mir diese Haltung, die ich übernommen hatte, in der Kindheit und
Jugend das Leben Gleichaltrigen sehr schwer gemacht. Die Liebe meiner Mutter
war keine bedingungslose, sondern eine egoistische Liebe. Sie erwartete stets,
dass ich das sei, was sie sich von mir vorstellte. So spielte ich Zeit ihres
Lebens diese Rolle. Ich denke, das, was sie selbst nicht erreicht hatte, wollte
sie durch mich und in mir verwirklichen. Auf einen Nenner gebracht kann man sagen:
Ich war ihr einziger Lebensinhalt - und das hat Teile meines eigenen Lebens
stark verbogen. In einem langen, inneren Kampf erkannte ich das alles erst in
der Mitte des Lebens und habe mich langsam davon befreit; kam sozusagen auf der
Erde an.
7
Nach zwei oder drei Jahren wurde die
Ehe meiner Eltern geschieden und mein Vater als der schuldige Teil erklärt, da
er bereits eine neue schwangere Partnerin hatte. Damit verschwand er für immer
aus meinem Leben und meine Mutter konnte sich wieder voll auf ihre Eltern
einstellen, die dadurch auch für mich zu einem prägenden Teil meines Lebens
wurden. Wenn ich heute diesen Kuddelmuddel betrachte, so meine sich, dass mein
Vater wahrscheinlich der Normalste von allen war und deswegen nicht
hineinpasste. Ich bedauere es heute, ihn nie kennengelernt zu haben, um mir ein
eigenes Urteil zu bilden. Meine Mutter wusste das zu verhindern, indem sie es
mir nie verbot, aber mich gleichzeitig so beeinflusste, dass ich nie Lust auf
ein Kennenlernen hatte. Der einzige Kontakt war der Unterhalt bis zu meinem
achtzehnten Lebensjahr, der immer pünktlich kam; an mich adressiert, was in der
Kleinkinderzeit zur Verwirrung führte, da der Geldbriefträger HERRN Eberhard
Kamprad das Geld persönlich übergeben wollte.
8
Meine Großeltern wohnten in einem klassischen
dreistöckigen Mietshaus für Arbeiter vom Beginn des 20. Jahrhunderts im ersten
Stock. Das waren damals die teuersten Wohnungen, weg vom ungemütlichen
Erdgeschoss, aber nicht allzu viele Treppen zu steigen. Die zweiflügelige
Wohnungstür führte in einen kleinen Korridor. Nach rechts ging es zur Küche. An
der Wand dorthin war symbolisch eine Flurgarderobe befestigt, die aber nicht genutzt
werden konnte, weil darunter die Fahrräder der Familie standen; zum Kummer
meiner Großmutter Zeit ihres Lebens. Die Rückwand des Korridors war von einem
Vorhang verdeckt, hinter dem sich Regale mit dem Handwerkszeug des Großvaters
und ein Oberboden befanden, auf dem zurzeit oder nie mehr Benötigtes
untergebracht wurde. Betrat man die Küche, waren auf der rechten Seite
Wasserleitung mit Abflussbecken, darüber das klassische Bord mit Sand, Seife,
Soda, ein, Küchenmaschine[3] genannter, Ofen, Gaskocher und
Küchenschrank; hinten in der Schmalseite das Fenster. Auf der linken Seite
wurde die Einrichtung vom Küchentisch dominiert mit je zwei Stühlen an den
Schmalseiten und verschiedenen Kleinmöbeln; über dem Küchentisch ein Wandregal;
Klo im Treppenhaus, eine halbe Treppe tiefer, ohne Licht und Heizung, aber mit
Wasserspülung. Ein Bad gehörte bei diesem Standard nicht mit dazu. Man wusch
sich in der Küche in einer Waschschüssel.
9
Gegenüber der Korridortür ging es ins
Wohnzimmer. Links der Kachelofen[4], so genannte Berliner Ofen. Er wurde
angeheizt, dann zugeschraubt und gab so den ganzen Tag Wärme. Daneben wurde ein
Viertel des Zimmers von einem vom Großvater selbst gebauten, hölzernen
Lehnstuhl, einem richtigen Ungetüm, eingenommen, der auch als Bett umgebaut
werden konnte. Zwischen den Fenstern der traditionelle Pfeilerspiegel. Neben
Sofa, Vertiko[5], Tisch und Stühlen
nahm ein weiteres Viertel des Zimmers ein mächtiges Tafelklavier ein.[6] Da es normalerweise
– außer zu Weihnachten – geschlossen war, hatte das Radio darauf Platz
gefunden. Das Vertiko haben wir später zerhackt, weil es unmodern war. Heute
wäre es Tausende wert. Neben dem Klavier führte eine Tür ins Schlafzimmer, das
auch noch eine weitere Tür zum Korridor hatte, die aber nicht genutzt wurde.
Die Schlafzimmermöbel hatte mein Großvater selbst gebaut, was sich durch eine
solide, fast etwas derbe und auch kühle Verarbeitung ausdrückte. Lotterbetten
waren es auf keinen Fall. Für heutige Leser ist darauf hinzuweisen, dass die
Wohnung kein Kinderzimmer hatte. Meine Mutter hatte bis zu ihrem – formellen –
Auszug in die Ehewohnung mit 30 Jahren bei ihren Eltern geschlafen. Da diese
aus Angst vor weiteren Kindern, die einen sozialen Abstieg bedeutet hätten,
sexuell enthaltsam lebten, hatte dies offensichtlich keine Probleme bereitet.
11
Mein Großvater war eine ehrfurchtgebietende
Persönlichkeit mit Schnauzbart und in seiner Jugend gewiss ein schöner Mann
gewesen. Ein Hüftleiden, das er sich durch Überanstrengung zugezogen hatte,
ließ ihn am Stock gehen. Dazu plagten ihn noch offene Beine, die von meiner
Großmutter jeden Tag gepflegt und gewickelt werden mussten. Hauptmerkmal seines
Charakters war Sturheit, die sich in folgender charakteristischer Episode
widerspiegelt. Mit 17 Jahren bekam er vom Vater eine Ohrfeige, weil er beim
Rauchen erwischt worden war. Zu seinem achtzehnten Geburtstag schenkte ihm der
Vater eine Kiste Zigarren, weil er nun ein Mann war. Aus Trotz wegen der
Ohrfeige nahm mein Großvater das Geschenk nicht an und hat sein ganzes Leben
nicht geraucht.
12
Das Haus, in dem meine Mutter mit mir
lebte, lag zirka 30 Minuten Fußmarsch von der Wohnung der Großeltern entfernt.
(Wenn ich mir heute vergegenwärtige, welche Entfernungen man damals
selbstverständlich zu Fuß zurücklegte; da kann ich nur staunen.) Es war ein
nicht zu definierender etwas verworrener Bau; eine Art missglückter Villa als
Mietshaus. Wir bewohnten darin zwei Zimmer. Schwierigkeiten bereitete mir die
Wendeltreppe, bis ich gelernt hatte, sie auf der breiten Seite zu benutzen. Das
Haus war offenbar nicht unterkellert, denn die Kohlen der Hausbewohnter
lagerten in einem hinten im Hof befindlichen Schuppen. Irgendwann hatte mir
einmal ein Erwachsener mit dem angeblich dort hausenden „Schwarzen Mann“
gedroht. Nun flößte mir schon die Nähe des Schuppens gewaltige Angst ein.
Ebenso erging es mir mit dem vor der Wohnungstür befindlichen Plumpsklo[7]. Bei jeder Benutzung plagte mich die
Angst, in das Fallrohr abzustürzen.
Bald entdeckte ich an
mir eine lebhafte Fantasie, eine Neigung zu Tagträumen. Zu dieser Zeit wohnte
ich schon bei meinem Stiefvater und hatte die Schule noch nicht gewechselt.
Deshalb war der Schulweg sehr lang. Ich verkürzte ihn mir durch Träume. Einmal
fand ich mich auf der Straße vor einem LKW liegend wieder. Um mich herum ein
Menschenauflauf. Mein Schulranzen lag einige Meter von mir entfernt. In diesem
Fall war ich unsanft in die Wirklichkeit zurück geholt worden. Passiert war mir
nichts. Meine größte Sorge war aber, dass jemand meiner Mutter davon erzählen
könnte. Zum Glück war das diesmal nicht der Fall, obwohl sie mich immer damit
schreckte, dass sie alles erfahren würde. Wahrscheinlich war es diese
angebliche Perfektion, die mich in sich zurückziehen ließ. Später kultivierte
ich die Fähigkeit der gezielten Tagträume, um einem unangenehmen Alltag zu
entfliehen. Heute, als Schriftsteller ist mir, diese Fähigkeit sehr nützlich.
Ich kann ganze Szenen an meinem geistigen Auge wie einen Film vorbeiziehen
lassen. Auch das Lesen entwickelte sich bei mir frühzeitig zu einer Art innerem
Kino; ohne dass ich noch die Buchstaben und Wörter wahrnahm.
[1]
Ein Dammriss ist das Einreißen des Gewebes zwischen Vagina und After,
dem Damm, bei der Geburt. Durch starke Dehnung des Dammgewebes, meist durch den
Kopf des Neugeborenen, selten auch durch die Schultern, kommt es zum Riss. …
Die Dehnung der Geburtswege bei der Geburt führt nicht notwendigerweise zu
einem Reißen des Dammes. Während manche Frauen die Geburt ganz ohne Einreißen
überstehen, kommt es bei anderen zu einem mehr oder weniger ausgedehnten Riss.
Faktoren wie die Elastizität des Gewebes, die Größe des Kindes, die
Vorbereitung des Dammes, sowie der Durchführung des Dammschutzes und die
Geschwindigkeit der Geburt spielen dabei eine Rolle. (Zitat aus
www.wikipedia.de, Artikel „Dammriss“)
[2]
Eine Lebensmittelmarke ist ein vom Staat ausgegebenes Dokument zur
Bescheinigung, dass der Besitzer ein bestimmtes Lebensmittel in einer
bestimmten Menge erhalten darf. Lebensmittelmarken werden in der Regel in
Notzeiten, vor allem im Krieg, an die Bevölkerung ausgegeben, um den
allgemeinen Mangel an Konsumgütern besser verwalten zu können. Die Marken sind
in Lebensmittelkarten zusammengefasst. Außer Lebensmitteln werden häufig auch
andere Konsumgüter, z. B. Heizmaterial (Kohlen), Kleidung, Genussmittel wie
Zigaretten und Alkohol sowie Benzin rationiert. Die Erlaubnisscheine heißen
dann gewöhnlich Bezugsscheine. ... In der DDR wurde die Lebensmittelkarte bis
Mai 1958 benutzt. Ihre Abschaffung hatte eine Veränderung im Preis- und
Steuersystem zur Folge, die für alle nicht abhängig Tätigen eine
Verschlechterung bedeutete, denn sie war zugleich eine Subventionierung
gewesen. Kartoffel- und Kohlekarten wurden erst 1966 abgeschafft. Bis Ende der
sechziger Jahre bekam man knappe Lebensmittel wie Butter, Eier und Fleisch nur
an seinem Wohnort gegen Vorzeigen eines geschäftsgebundenen Kundenausweises.
Bei Urlaub oder auswärtigen Aufenthalten war eine Ummeldebescheinigung des
heimischen Händlers vorzulegen. (Zitat aus www.wikipedia.de, Artikel „Lebensmittelmarke“)
[3] Der Begriff Küchenmaschine wurde früher auch für andere Küchengeräte verwendet. Ursprünglich bezeichnete er mit Holz oder Kohle befeuerte Kochherde (Kochöfen). Diese großen, schweren Vorläufer der Küchenherde, hergestellt in Eisengießereien, entstanden ab Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Bezeichnet wurden sie zunächst als „Kochmaschinen“. Die weitere Entwicklung dieser „Maschinen“ führte zur Verwendung von (leichteren) Blechen und Emailplatten und zur Produktion in Herdfabriken. Dabei änderten sich auch die Begriffe.“ (Zitat aus www.wikipedia.de, Artikel „Küchenmaschinen“).
[4]
Der Kachelofen ist ein Speicherofen. Die durch die Züge geleiteten
heißen Verbrennungsgase erhitzen zunächst das von ihnen berührte Ofenfutter aus
Schamottesteinen. Anschließend wird die Wärme durch Wärmeleitung an die
Kacheln, von diesen an die Raumlauft abgegeben. (Zitat aus: Meyers kleines
Lexikon in drei Bänden. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1968, Artikel
„Ofen“)
[5]
Das Vertiko ist ein
vertikal ausgerichtetes Behältnismöbel. Dieser Zierschrank
hat zumeist zwei Türen und eine darüberliegende Schublade mit Deckplatte. Sehr häufig
kommt eine Bekrönung hinzu - als Aufsatz oder als Galerie. Der Name leitet sich
höchstwahrscheinlich von seinem ersten Verfertiger, dem Berliner
Tischlermeister Otto Vertikow her. Um 1860 baute Vertikow Zierschränke,
welche "Vertikow" genannt wurden. Im Louis-Philippe-Zeitalter, vor
allem aber in der Gründerzeit waren diese sehr verbreitet. (Zitat
aus www.wikipedia.de, Artikel „Vertiko“)
[6] Das Tafelklavier ist eine besondere Bauform des Klaviers,
bei der die Saiten parallel zur Tastatur angebracht sind. Diese Konstruktion
ermöglicht eine rechteckige Gestaltung in Form eines Tisches. Das Instrument
kann somit in zugeklapptem Zustand als Anrichte o. ä. verwendet werden und
nimmt wesentlich weniger Raum in Anspruch als ein Flügel. Tafelklaviere waren
im gesamten 19. Jahrhundert sehr beliebt. (Zitat
aus: www.wikipedia.de, Artikel „Tafelklavier“
[7] Plumpsklo ist der umgangssprachliche Begriff für eine Toilette ohne Wasserspülung, d.h. ein Trockenklo. Der Kot samt Urin fällt in einen Kasten oder eine Grube und verbleibt dort, bis die Grube bzw. der Kasten gefüllt ist und sein Inhalt entsorgt wird. (Zitat aus: www.wikipedia.de, Artikel „Plumpsklo“)
[8]
Schwarzarbeit ist eine Dienst- oder Werkleistung gegen Entgelt ohne ordnungsgemäße
Meldung, ohne staatliche Abgaben abzuführen oder ohne dass der Auftragnehmer
die notwendigen gewerbe- oder handwerksrechtlichen Voraussetzungen erfüllt.
Dabei werden die Verträge in der Regel mündlich abgeschlossen
und das Entgelt bar gezahlt. (Zitat aus: www.wikipedia.de, Artikel
„Schwarzarbeit“)
[9]
Der Kleingarten, auch Schrebergarten ... oder Parzelle, bezeichnet ein eingezäuntes
Stück Land als Garten, insbesondere eine Anlage von Grundstücken, die von
Vereinen (Kleingärtnervereinen, Kleingartenvereinen) verwaltet und günstig an
Mitglieder verpachtet werden. ... Kleingärten sollen der Erholung in der Natur
dienen und Stadtbewohnern nach dem Vorbild alter Bauerngärten den Anbau von
Obst und Gemüse ermöglichen. ... In der Regel befindet sich eine Laube auf
jedem Grundstück einer Gartenanlage. Geregelt wird das Kleingartenleben durch die
jeweilige Kleingartenordnung / Satzung eines jeden Vereins. (Zitat aus:
www.wikipedia.de, Artikel "Kleingarten")
[10] Konsum
war in der DDR-Umgangssprache die Bezeichnung für ein Lebensmittelgeschäft der
Konsumgenossenschaft. Zu berücksichtigen ist, dass die Betonung auf dem o statt
auf dem u liegt. Diese Handelskette war nach der HO (Handelsorganisation) die
größte in der DDR. ... Die Konsum-Geschäfte gaben zu jedem Kauf Rabattmarken
(Konsum-Marken) aus, für die zum Jahresende eine Rückvergütung auf die
getätigten Umsätze gezahlt wurde. Da die Rabattmarken nur Mitglieder der
Konsumgenossenschaft erhielten, hatte die überwiegende Mehrheit der
DDR-Privathaushalte mindestens ein Konsum-Mitglied. (Zitat aus:
www.wikipedia.de, Artikel "Konsum (Handelskette)")
[11] Volksröntgenkataster.
Sammlung und Verzeichnis aller Befunde der regelmäßig, gesetzlich
vorgeschriebenen Röntgenreihenuntersuchung der Brustkorborgane zwecks Früherkennung
von Tuberkulose und bösartigen Geschwülsten der Atmungsorgane. (Zitat aus:
Meyers kleines Lexikon in drei Bänden. Leipzig: Bibliographisches Institut,
1968)
[12]
Makareno, Anton Semjonowitsch; 1888-1939,
sowjetischer Pädagoge und Schriftsteller, … erwarb durch erfolgreiche Erziehung
verwahrloster Jugendlicher … Weltgeltung. Der marxistische Grundsatz von der
Verbindung des Unterrichts mit produktiver Arbeit war Leitmotiv seiner
planmäßigen, zielgerichteten Pädagogik. Große Bedeutung haben seine Erfolge auf
dem Gebiet der Kollektiverziehung und der bewußten Disziplin. … (Zitat aus: :
Meyers kleines Lexikon in drei Bänden. Leipzig: Bibliographisches Institut,
1968)
[13]
Die Handelsorganisation (HO) war ein in der juristischen Form des
Volkseigentums geführtes, staatliches Einzelhandelsunternehmen in der DDR. Die
HO wurde 1948 gegründet und bot anfangs bevorzugt lang entbehrte Gebrauchsgüter
und Lebensmittel ohne Lebensmittelmarken an. 2.300 HO-Läden erwirtschafteten
schon 1950 zirka 26 Prozent vom Einzelhandelsumsatz der DDR. Bis 1960 waren es
35.000 Geschäfte mit einem Umsatzanteil von über 37 Prozent. … Die Geschäfte
und Warenhäuser der HO existierten neben denen der Konsum-Kette. Da diese
genossenschaftlich geführt wurden und kein Staatsbetrieb waren wie die HO,
wurde besonders in den Anfangsjahren der DDR von Regierungsseite versucht, die
HO zu bevorteilen. Trotzdem etablierten sich beide parallel in der Alltagswelt
der DDR. (Zitat aus: www.wikipedia.de, Artikel "Handelsorganisation")
[14]
Delikat-Läden bildeten eine seit 1976 bestehende
Handelskette der Deutschen
Demokratischen
Republik, welche Lebensmittel des „gehobenen Bedarfs“ anboten. ... Im Sortiment
waren hauptsächlich Nahrungs- und Genussmittel (Delikatessen), sehr überwiegend
aus DDR-Produktion, darunter begehrte Exportartikel und andere selten
erhältliche Waren, teilweise in West-Aufmachung, bis zum Ende der DDR auch
West-Marken (diese Produkte wurden jedoch fast ausschließlich auch in der DDR
produziert). Das Preisniveau der meisten Waren lag deutlich über dem der
Normalgeschäfte. Ein Qualitätsvorsprung hingegen war damit nicht zwangsläufig
verbunden. Höhere Preise und eine aufwendiger gestaltete Verpackung ließen eine
höhere Qualität zwar vermuten. Allerdings hing das im Umfang zunehmende
Sortiment des „Delikat“ auch damit zusammen, dass zahlreiche Produkte aus dem
normalen Handel verschwanden – wohl auch, um die politisch gewollte
Preisbindung zu unterlaufen, den steigenden Geldumlauf zu reduzieren und
letztlich durch scheinbare Preisstabilität im normalen Handel die hohe
Inflation zu verschleiern. (Zitat aus: www.wikipedia.de, Artikel
"Delikat-Laden")
[15]
IntershopI war eine Einzelhandelskette in der
DDR, deren Waren nur mit konvertierbaren Währungen, später auch mit
Forumschecks, jedoch nicht mit Mark der DDR bezahlt werden konnten. Ein
unvermeidbarer Nebeneffekt war, dass der normale DDR-Bürger dadurch einen
begrenzten Einblick in das Warenangebot des Westens bekam und es mit dem
Konsumgüterangebot der DDR vergleichen konnte. ... Am 14. Dezember 1962 wurde
in der DDR die staatliche Handelsorganisation Intershop gegründet. Es sollten
frei konvertierbare Währungen (Devisen, Valuta) erwirtschaftet werden. An
Valuta herrschte in der DDR solch ein Mangel, dass sogar kleinste Mengen
willkommen waren. Zielgruppe waren Transitreisende und Besucher aus dem
westlichen Ausland. Die ersten, noch mobilen Verkaufsstände wurden in Berlin im
Bahnhof Friedrichstraße eingesetzt. Hier wurden hauptsächlich Zigaretten zu einem
wesentlich günstigeren Preis als in Westberlin verkauft. Nach und nach kamen
Alkohol und andere Waren hinzu. Schon 1962 wurde eine Million DM Umsatz
erwirtschaftet. ... Bis 1974 war es DDR-Bürgern verboten, Valuta zu besitzen
(siehe Westgeld). Durch Erlass der Ministerrates der DDR wurde dieses Verbot
aufgehoben, DDR-Bürger durften seitdem in den meisten Intershops einkaufen. Ab
April 1979 mussten Valuta bei der Staatsbank der DDR in sogenannte
„Forumschecks“ umgetauscht werden. Eine Forumscheck-Mark entsprach einer DM.
(Zitat aus: www.wikipedia.de, Artikel "Intershop (Handel)")
[16]
Hollerithstation, nach Herman Hollerith. Datenverarbeitung mittels Lochkarten,
eine Vorstufe der Computertechnik.
[17]
Die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ war in der Deutschen
Demokratischen Republik (DDR) die politische Massenorganisation für Kinder. Ihr gehörten seit den 1960er/1970er Jahren fast alle Schulkinder vom ersten bis zum siebten Schuljahr als Jung- oder Thälmannpioniere an. Die Pionierorganisation, die der Freien Deutschen Jugend (FDJ) angegliedert war, wurde am 13. Dezember 1948 gegründet und im August 1990 aufgelöst. Vom Gründungstag abgeleitet, wurde der 13. Dezember deshalb in der DDR als Pioniergeburtstag begangen. Die Pionierorganisation der DDR war vollständig nach sowjetischen Vorbild aufgebaut und organisiert. Zitat aus: www.wikipedia.de, Artikel "Pionierorganisation Ernst Thälmann")