ACT ONE
Zurück im Krieg
"Ganz schön krass die ganze Sache, nich?"
"Was meinst du damit?"
"Naja, am Anfang waren es nur ein paar Piraten ... und jetzt ist es ein richtiger Krieg geworden."
"Ja, wer hätte denn gedacht, dass die so gut organisiert sind ..."
"Oder dass es überhaupt so viele sind ..."
"Wie lange geht das eigentlich schon so?"
"Weiß nicht ganz genau ... ich hab aufgehört, die Tage zu zählen ..."
"Hat irgendwer von euch was über die Verhandlungen gehört?"
"Verhandlungen? Die sind doch an keinerlei Verhandlungen interessiert ..."
"So leicht wird die Peacecraft aber nicht aufgeben ..."
"Sie kann`s ja versuchen, aber ich glaube eher, dass wir alle bei diesem Krieg draufgehen werden!"
"Nette Ansichten hast du ja ... warum bist du dann überhaupt hier?"
"Ich hab Familie ... ich will nicht, dass die auch mit draufgehen ..."
"Familie ... ja, das ist was schönes ... ich hab `ne Verlobte. Wartet auf der Erde, dass ich hier endlich mal raus komme aus diesem Wrack ..."
"Kann sie lange warten ..."
"Hier kommt man nur in ´nem Sarg raus ..."
"Das ist nicht komisch ..."
"Der Kommandant hat sicher keine Familie ..."
"Nein ... wie auch, in dem Alter?"
"Soll ´n ziemlicher Draufgänger sein ..."
„Mag sein, aber selbst wenn er jünger ist als jeder von uns, so hat er doch bereits mehr Erfahrung als wir alle zusammen.“
„Ich hab gehört, dass er damals direkt an dem Konflikt zwischen der Erde und den Kolonien beteiligt war und Beziehungen auf höchster Ebene haben soll.“
„Sogar die Peacecraft soll er kennen ...“
„Pst, da kommt er!“
Eine verdächtige Stille herrschte plötzlich, als der junge Kommandant der 12. Division der vereinigten Streitmächte den kleinen Aufenthaltsbereich für die Soldaten betrat. Es war klar, dass das Gespräch, welches mit Sicherheit vor wenigen Sekunden noch am Laufen war, seinetwegen abrupt unterbrochen wurde. Die Anwesenden hatten womöglich heikle Kommentare über die politische Lage oder den Krieg von sich gegeben, die der Führungsspitze nicht zu Ohren kommen sollten, oder sich einfach auch nur ein wenig selbst bemitleidet. Mit größter Sicherheit aber hatte man wohl über ihn gesprochen.
Doch er selbst scherte sich nicht darum.
Stumm, mit nur einem kurzen Nicken zu den ihm untergebenen Soldaten hin, ging er hinüber zu einem Fenster, welches ihm die Sicht in den Hangar mit den Mobile Suits ermöglichte.
Es kümmerte ihn nicht, wie die Piloten über ihn dachten, solange sie seine Befehle befolgten.
Es kümmerte ihn auch nicht, was die anderen über ihn dachten.
Im Grunde war ihm das egal ... wie auch so vieles andere ...
Wie eigentlich fast alles ...
Aber eben nur fast.
Doch das war nicht immer so gewesen.
Unter dem besorgten Blicken der übrigen Soldaten, welche nun ihr Gespräch mit einem offensichtlich anderem Thema in kaum hörbaren Flüsterton fortsetzten, lies er seinen Blick durch den Hangar schweifen. Dort standen 15 blaugoldene Mechas, die neuesten Konstruktionen, die die Forschungsabteilung zu bieten hatte; alle vom Typ Leo, doch aus der verbesserten Cascade- Reihe. Ihre Feuerkraft betrug fast das 10fache der herkömmlichen Modelle. Sie waren mit Gravitonschilden ausgestattet und ihre Beweglichkeit kam der eines Gundam beträchtlich nahe.
Bei diesem Gedanken zuckte ein wehmütiges Lächeln über das Gesicht des Piloten.
Ein Gundam.
Die neuen Modelle waren gut. Aber sie waren für die Massenproduktion und die Benutzung durch normale Piloten vorgesehen. Natürlich konnte nicht jeder Idiot sie steuern, doch ein zu hohes Anforderungslevel hätte bald einen Mangel an Piloten nach sich gezogen, was im Krieg eine fatale Krise ausgelöst hätte. Also entschied man sich für die verbraucherfreundlicheren Modelle.
Sie waren gut ... aber noch lange nicht so gut wie ein Gundam ... und auch nicht so gut, wie die Raubvögel des Feindes. Gerade mal gut genug, um in einem Gefecht mit ihnen nicht mit wehenden Fahnen unterzugehen und wenigstens die Verteidigungslinie bis auf weiteres zu halten.
Raubvögel.
Aufgrund einer fehlenden Spezifikation hatte die Regierung die feindlichen Angriffsgleiter unter dem Begriff „Raubvogel“ zusammengefasst.
Passend, wie man zugeben musste.
Lauernd in den Tiefen des Alls.
Ein Blick, der bis ins kleinste Detail jede Bewegung wahrnehmen konnte.
Ein lautloses Herangleiten.
Und dann ein tödliches Herabschießen.
Ein Hieb ... und die Beute war erlegt ....
Der erste Monat nach der Kriegserklärung an die Piraten, welche diese Bezeichnung schon lange nicht mehr verdienten, war der härteste von allen.
Man hatte auf einen effektvollen Präventivschlag gehofft. Eine geheime, aber verlässliche Quelle hatte Informationen über eine mögliche Basis der Black Dragons verlauten lassen. Man wollte mit einer überragenden Macht anrücken, die Gesamtheit dieser Gesetzlosen vernichten und die Geschichte dann so schnell wie möglich wieder vergessen in der guten Gewissheit, dass man ein bleibendes Exempel für alle möglichen Nachahmungstäter statuiert hatte.
Man hatte sich getäuscht.
Und zwar in dem einen kleinen Punkt, dass man es nicht mit Piraten ... sondern einer ausgewachsenen Streitmacht zu tun hatte ... mit überlegener Technologie.
Es war das erste Mal, dass man Kontakt mit den Raubvögeln hatte.
Er selbst war an dem ersten Angriff nicht beteiligt gewesen, doch man hatte dem Kommandanten später mitgeteilt, dass es ein reines Gemetzel war. Der Stützpunkt erwies sich tatsächlich als die Basis der Black Dragons, doch als ob man einen Bienenstock aufgestachelt hätte, so schwärmten im Moment der ersten Schüsse hunderte und aberhunderte schwarzer formloser Gleiter aus der Basis, erhoben sich majestätisch über den Flotten der Erdstreitmacht und stürzten sich dann auf ihre Angreifer nieder.
An diesem Tag verloren die Erde und die mit ihr verbündeten Kolonien in etwa ein Viertel ihrer gesamten Streitmacht.
Man dachte nur ungern daran zurück.
Aber man lernte aus seinen Fehlern.
Nie wieder würde man die Piraten, welche unter dem Decknamen „Black Dragons“ schon seit geraumer Zeit Schrecken verbreiteten, unterschätzen.
Nie wieder.
In den darauffolgenden Tagen war man bestrebt, den entstandenen Schaden so gut wie möglich zu beheben und die Wirtschaft auf die Produktion von Mobile Suits und Waffen umzustellen.
Angewidert verzog der Kommandant das Gesicht.
So lange ...
So lange hatten sie gekämpft und gelitten, um Frieden in ihre Welt zu bringen.
Und endlich als sogar die Regierungen verstanden hatten, dass ein Leben in Wohlstand und Glück möglich ist, ohne zugleich auf einem Pulverfass sitzen und seine Nachbarn mit einer Kanone bedrohen zu müssen ... als es endlich so etwas wie Frieden auf der Erde und den Kolonien gab ... als endlich niemand mehr an Mechas und neue Errungenschaften auf dem Gebiet der Kriegsführung denken musste .... Gerade dann ... gerade dann kam der Rückschlag ...
All jene, welche schon immer gegen eine pazifistische Politik waren, fühlten sich in ihren Bestrebungen bestärkt. In Null Komma Nichts war man wieder auf dem alten Stand ... Mobile Suits, Rekrutierungen, Truppen in den Hauptstädten ...
Doch es war nicht so schlimm wie in OZ- Zeiten. Man kämpfte nicht gegeneinander, man opferte keine Schutz- und Hilflosen und die Bevölkerung sollte nicht unter einem sinnlosen Gemetzel der Oberen leiden.
Diesmal kämpfte man zusammen gegen einen gemeinsamen Feind.
Man war vereint.
Man kooperierte.
Man hatte aus seinen Fehlern gelernt.
Es war ein Trost ...
Ein Trost ... aber ein trauriger ...
Die neuen Suits kamen etwas zu spät.
Zu viele Opfer hatte es bis zu ihrem ersten Einsatz schon gegeben.
Die alten Modelle, welche noch aus den Kämpfen vor Jahren stammten, waren gerade mal gut genug, um die Raubvögel auf Abstand zu halten ... die meisten Piloten der alten Leos starben in Kamikazeeinsätzen. So konnten sie wenigstens einige der Angreifer mit in den Tod nehmen, bis die Cascade- Reihe endlich die Kolonien einigermaßen schützen konnte. Sie wurden mit den Raubvögeln schon irgendwie fertig ... gerade so ...
Doch nach den Raubvögeln kamen die eigentlichen Drachen ...
Und nach denen ... kam das Monster ...
Das Monster.
Nur wenige waren ihm bisher begegnet.
Noch viel weniger hatten diese Begegnung überlebt.
Es bildete manchmal den Abschluss einer Jagdschwadron des Gegners.
Blieb immer im Hintergrund, hinter den Drachen.
Die Drachen waren die Mobile Suits der Gegner.
Sie standen als sogenannte zweite Linie hinter den Raubvögeln.
Massenmäßig gab es von ihnen zum Glück nicht so viele wie von den Raubvögeln, doch die Drachen waren beweglicher, agierten selbständiger, weniger in Formation. Im Nahkampf schienen sie fast unbesiegbar und ihre Waffen hatten eine Durchschlagskraft, welche sich mit der von 5 Gundams ohne weiteres hätte messen können.
Gundams ...
Es schien mittlerweile ein Fehler gewesen zu sein, sie zu vernichten ...
Man hätte sie vielleicht verstecken sollen ...
Für genau so eine Situation aufbewahren ...
Doch sie hatten dem Frieden geschadet.
Und deshalb hatte man sie zerstört.
„War es das wert?“, fragte sich der Kommandant im Stillen.
„War diese kurze Zeit des Friedens das alles wert?“
Er seufzte tief und wandte seinen Blick vom Aussichtsfenster ab.
Selbst wenn sie noch ihre alten Gundams gehabt hätten, wer weiß, ob sie denn etwas gegen die Drachen oder das Monster hätten ausrichten können.
Es schien hoffnungslos.
Im offenen Kampf war man dem Gegner unterlegen.
Man musste auf andere Methoden zurückgreifen.
„Commander Maxwell bitte in Lagerhalle 5 melden! Commander Maxwell zur Lagerhalle 5!“
Die Stimme aus dem Lautsprecher hatte die gedrückte Atmosphäre im Aufenthaltsraum zerschlagen. Die Soldaten starrten kurz ihren jungen Kommandanten an, welcher sich unwillkürlich straffte, seinen Untergebenen kurz zunickte und sich dann widerwillig auf den Weg zu Lagerhalle 5 machte.
„Hey, Duo!“
Es war Heero, welcher aus einem Seitengang kam und nun schnurstracks auf Duo zusteuerte.
„Lagerhalle 5?“, fragte er kurz angebunden.
„Du also auch?“, bemerkte Duo trocken und drückte auf den Knopf für den Fahrstuhl.
Sie standen eine Weile schweigend nebeneinander.
Heero wie auch Duo waren beide in den Rang eines Commanders erhoben worden und hatten nun einige der fähigsten Piloten, die die Erde und die Kolonien zu bieten hatten, unter ihrem Kommando. Die anderen 3 Piloten des ehemaligen Gundam- Teams hatten ebenfalls diesen Rang inne, doch während Quatre zum Schutz der Kolonien die dort stationierten Bodeneinheiten leitete und als Kontaktmann zwischen dem Militär und den Zivilbehörden fungierte, war Chang auf der Station als Ausbilder tätig. Er trainierte die neuen Piloten und die Kämpfer für den Nahkampf und er war wirklich ein strenger Lehrer. Jeder, welcher durch seine Ausbildung auch nur annähernd heil hindurch gekommen war, konnte sich danach ohne Zweifel zu den Besten der Basis zählen.
„Winner und Wufei werden auch da sein“, bemerkte Heero nebenbei.
Was Trowa so trieb, wusste wieder mal keiner so richtig.
„Scheint ja was richtig wichtiges zu sein“, ließ Duo mürrisch vernehmen und betrat den soeben eingetroffenen Fahrstuhl. Heero folgte ihm mit ernster Miene.
Nachdem er innen seine Codekarte eingeführt hatte und durch einen Augenscan seine und Duos Identität festgestellt wurden, setzte sich der Aufzug in Richtung oberes Lagerdeck in Bewegung, wo sich der unter größtem Sicherheitsschutz befindliche Lagerraum 5 befand. Für die normalen Soldaten war der Zutritt dort gänzlich verboten und selbst die Kommandanten, Kapitäne und Generäle hatten nur unter strengsten Bestimmungen Zutritt zu diesem Raum der großen Mysterien. Die Cascade- Reihe wurde da zum ersten Mal präsentiert - so wie auch einige andere Neuerungen, welche das Kriegsleben am Laufen hielten.
„Ob sie uns was neues vorstellen werden?“, fragte Heero mit starrem Blick zur Decke.
„Wäre mal wieder an der Zeit“, erwiderte Duo und glättete unwillkürlich seine Uniform. Er und Heero trugen beide die dunkelblaue Einheitstracht der Kommandoebenen. Einige glänzende Abzeichen an Hals und Schultern bestimmten ihre Zugehörigkeit zu ihren Regimentern.
„Einige der neuen Leos lassen im Kampf doch noch ganz schön an Mobilität zu wünschen übrig.“
Heero nickte.
Eine weitere Verbesserung der Mobile Suits wäre sicher nicht schlecht. Auch wenn die Kriegsforschung bisher noch nie dagewesene Fortschritte erzielt hatte, so war man dem Gegner doch gerade mal ebenbürtig. Von einem Vorteil auf dem Schlachtfeld durfte man noch gar nicht träumen.
„Die Kommunikation zwischen den Mercurius- und Vayeate- Einheiten könnte auch verbessert werden“, stimmte Heero Duo zu. „Angriff und Verteidigung können nur funktionieren, wenn die Piloten sich ohne Probleme verständigen können.“
„Ach ja, man hatte dir ja jeweils 3 der überarbeiteten Suits zur Verfügung gestellt, hab ich gehört ...“
„Hast du auch von dem L3- Zwischenfall gehört?“, fragte Heero düster.
Duo verzog abermals das Gesicht.
Natürlich hatte er davon gehört.
Es war die aktuellste beschämende Niederlage ihrerseits.
Und das auch noch unter Heeros Kommando.
Man hatte seiner Einheit die verbesserten Modelle von Vayeate und Mercurius zur Verfügung gestellt. Noch bevor ihre Piloten Zeit hatten, sich richtig mit den Maschinen vertraut zu machen, mussten sie sie im Einsatz erproben. Von der Kolonie L3 wurde eine nahende Schwadron Raubvögel, gefolgt von etwa 3 bis 5 Drachen gemeldet. Die Berichte über die Feindzahlen schwankten immer, denn die Drachen waren nur sehr schwer und meistens viel zu spät zu lokalisieren. Doch in Heero hatten die Black Dragons seit jeher einen ebenbürtigen Gegner gehabt. Seine Einheit war rechtzeitig zur Stelle und stellte sich zwischen die Raubvögel und die Kolonie. So nahe, wie an diesem Tag, waren die Gegner einer bewohnten Siedlung schon lange nicht mehr gekommen. Mit den Raubvögeln konnten es die Taurus der Cascade- Reihe aufnehmen, während sich Mercurius und Vayeate in Zusammenarbeit den Drachen widmeten. Heero, welcher einen Mercurius steuerte, konnte den Kontakt mit mindestens 3 Drachen bestätigen, bevor ...
„Was ist schief gelaufen?“, fragte Duo leise.
Es hatte noch keine offizielle Stellungnahme zu dem Zwischenfall und keine Aufklärung durch die Chefetage gegeben. Alles, was die Soldaten wussten, hatten sie Gerüchten entnommen, welche die Luft der Station erfüllten.
„Wie gesagt ... die Kommunikation ...“
Heero starrte noch immer an die Decke, doch sein Blick war eiskalt und eine Wut schien in ihm zu lodern, welche nur liebend gerne den Fahrstuhl und alles in ihm befindliche zu nichts sagender Asche verbrannt hätte. Duo ignorierte die gespannte Atmosphäre einfach.
„Wir haben uns mit einem Mercurius und zwei Vayeates sowie 4 ziemlich übel zugerichteten Taurus fortschleppen können ... is ja immerhin was ...“
„Die Drachen?“, hakte Duo kurz nach.
„Nein.“
Heero blickte Duo ausdruckslos an.
„Das Monster.“
Es folgte ein Moment peinlichen Schweigens, in welchem sich beide wortlos ansahen, bis Heero schließlich den Blick senkte und tonlos fortfuhr: „Es kam aus dem nichts ... störte jegliche Kommunikation ... schoss alles, was sich in seinem Weg befand über den Weg ... das Übliche halt ... Hat eine Kontrollstation der Kolonie weggepustet ... und ist dann mit dem Rest der Jagdschwadron wieder verschwunden.“
„Hast du ...“
„.. versucht es anzugreifen?“, beendete Heero den Satz. „Natürlich ...“
Die Fahrstuhltüren öffneten sich geräuschlos und Heero verließ von Duo gefolgt die Kabine in Richtung Lagerraum 5.
„Hat mir den Antrieb zerschossen ...“
„Und weiter?“
„Nichts weiter“, erwiderte Heero und Duo konnte eine leichte Schwingung von verletztem Stolz spüren, was für Heero eigentlich recht unüblich war. Chang war derjenige, der sich so leicht auf den Schlips getreten fühlte.
„Willst du damit etwa sagen, es ... es hat dich ... verschont?“ Zum ersten Mal an diesem Tag schien Duo fassungslos zu sein. Im Grunde war es sogar das erste Mal in dieser Woche.
Ein „Hn“ war alles, was Heero von sich gab, als er seinen Schritt beschleunigte, und nach wenigen Minuten standen sie vor der Sicherheitstür von Lagerraum 5.
„Bitte geben Sie Ihren Sicherheitscode und ihre Befugnis ein!“, verlangte eine mechanische Stimme.
Heero schob nochmals wortlos seine Codekarte ein und tippte einige Ziffern dazu.
„Wird geprüft!“, ertönte die Bestätigung.
„Naja, wenigstens ...“, meinte Duo, welcher nun zu Heero getreten war und ebenfalls seine Codekarte einschob, „hast du jetzt die Ehre, einer von denen zu sein, der eine Begegnung mit dem Monster überlebt haben.“ Es war ein witziger Kommentar, gedacht um Heero etwas aufzuheitern, doch als ob dies nicht schon immer ein recht sinnloses Vorhaben gewesen wäre, so scheiterte es auch dieses Mal. Weil auch Duo selbst nicht darüber lächelte ... schon lange nicht mehr ...
„Es wäre im Grunde schon ein gewaltiger Schritt nach vorn“, sagte Heero, als er seine Codekarte wieder entnahm, „wenn sie sich endlich auf Namen für die gegnerischen Suits einigen würden. Ich hab es langsam gewaltig satt, vom „Monster“ und den „Drachen“ zu sprechen.“
Als auch Duo seine Karte entnommen hatte, ließen sie sich abermals durch Scans der Augenhaut und genetische Schnellauswertung von Hautpartikeln ihre Identität bestätigen. Danach öffnete sich die große gesicherte Metalltür und ließ sie in eine kleinere Vorkammer eintreten, in welcher der letzte Sicherheitsscan stattfinden würde. Schweigend ließen Duo und Heero die automatische Kontrolle nach versteckten Waffen und Abhörgeräten über sich ergehen. Kurz bevor sie nun letztendlich in den schwer gesicherten Lagerraum 5 eintreten konnten, meinte Duo leichthin:
„Ich werde mir wahrscheinlich die Haare schneiden lassen.“
Nun war es an Heero, fassungslos zu sein.
„Du meinst sicher nur die Spitzen ...“
Es war obskur, dass er während eines Sicherheitsscans und mitten im Krieg mit Duo über dessen Haartracht redete, aber seit er diesen kannte, war sein Zopf so etwas wie ein Markenzeichen für ihn gewesen. Etwas, was ihn definierte und ihm viel bedeutete ... ansonsten hätte ihm Heero das nervende Teil doch schon viel früher abgesäbelt. Es gab genug Gelegenheiten es als „Unfall“ darzustellen, doch Heero wusste im Unterbewusstsein, wie wichtig Duo sein Zopf war und daher konnte das, was er soeben gehört hatte, ja nur ...
„Nein, ich meine den ganzen Zopf.“
Als Heero ihn auch weiter fassungslos anstarrte, meinte Duo: „Er ist doch etwas unpraktisch und stört im Kampf. Zudem habe ich als Kommandant nicht wirklich die Zeit, mir immer stundenlang wie Rapunzel die Haare zu kämmen.“
Es sollte leicht und unbesorgt klingen, doch Heero spürte, wie schwer es Duo fiel.
Aber noch bevor er etwas erwidern konnte, öffnete sich die Tür und Duo betrat den Lagerraum.
Im nächsten Moment waren die Schmach der letzten Niederlage, Duos Zopf ... ja, eigentlich fast alles vergessen und Heeros Fassungslosigkeit wurde bis ins Unermessliche gesteigert.
Duo stand neben ihm, die Augen weit aufgerissen vor Schreck, und versuchte im Halbdunkel der Halle mehr Details zu erkennen. Das konnte einfach nicht wahr sein, was er da sah.
Nur am Rande realisierte Heero, dass auch Quatre sich im Lagerraum befand, doch anscheinend war es auch für ihn ein Schock, denn schwer atmend saß er mitten auf dem Boden, starrte mit einer Mischung aus Entsetzen und aufkommender Freude nach vorn.
„Willkommen zurück“, hörten sie die triumphierende Stimme von Chang, als mit einem schmerzenden Gleißen das Licht in der Halle anflammte und ihnen nun mit der kalten Wahrheit der Realität mitteilte, dass sie weder träumten noch halluzinierten.
Heero taumelte einige Schritte nach vorn und krallte sich in Duos Schulter.
„Gundams ...“
Die Worte waren kaum mehr als gehaucht und dennoch klang ihr Echo durch die mächtige Lagerhalle, in welcher 5 Gundams frisch poliert und nagelneu da standen, wartend auf ihre Piloten.
Wartend auf den Kampf.
Ja, erst jetzt waren sie wirklich wieder zurück ...
Zurück im Krieg.