KAPITEL 2
Eindringling (?)
Relena bemerkte sie zuerst. Sie war ein junges M�dchen, wahrscheinlich aus den unteren Klassen, aber sie hatte sie noch nie zuvor gesehen. Wer war sie?
Relena wurde misstrauisch. Heero und die anderen waren gerade in eine heftige Diskussion vertieft, an der sich auch Chang beteiligte. Sie hatten die Blonde noch nicht bemerkt.
Ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Jungen in der Klasse, welche nun neugierig den Kopf nach der unbekannten Sch�nheit renkten.
Diese stand etwas unsicher immer noch im T�rrahmen. Der Lehrer war f�r die Pause zu einer privaten Besprechung abberufen worden, dennoch traute sie sich nicht so recht hinein. Sie trug ihre langen blonden Haare offen, so dass sie einen interessanten Kontrast zu ihren vollkommen schwarzen Klamotten darstellten. Ihre Augen, welche von ihrem Pony fast vollkommen verdeckt wurden, schweiften suchend durch die Klasse, bis sie sich schlie�lich auf Heero Yuy fest hafteten. Sie machte aber immer noch keine Anstalten den Raum zu betreten oder Heero auch irgendwie nur ein Zeichen ihrer Anwesenheit zu geben. Sie stand einfach nur da und wartete �ngstlich und nerv�s, w�hrend sie von allen angegafft wurde, was ihr sichtlich unangenehm war.
Relena hatte jede ihrer Bewegungen verfolgt. Sie kochte innerlich, was sie sich doch eigentlich gar nicht erkl�ren konnte. Sie kannte dieses M�dchen nicht. Sie wusste nichts �ber sie und sah sie doch eigentlich zum ersten Mal. Als zuk�nftige Diplomatin war es ihre Pflicht, m�glichst vorurteilsfrei jeder Person gegen�ber zu stehen. Doch sie konnte sich nicht gegen ihre aufkommenden Gef�hle wehren. Ihre Instinkte verrieten ihr, diesem M�dchen nicht zu trauen. Sie war wie ein Eindringling in Relenas Augen. Ja, ein Eindringling. Ein Eindringling in ihr Territorium. Dieses M�dchen geh�rte hier nicht hin. Da war sich Relena sicher. Sie hatte ein ungutes Gef�hl.
Chang bemerkte Relenas gedankliche Abwesenheit und folgte ihrem Blick, so dass auch er die blonde Sch�nheit sah.
Seine Reaktion fiel aber bei weitem anders aus als die von Relena. �Hey, Heero, ist das nicht die, mit der du auch zur Schule gekommen bist?�, rief er laut und etwas �berrascht aus.
Quatre drehte sich ruckartig um und war ebenfalls �berrascht. Jedoch wohl eher, weil dieses M�dchen aus der N�he betrachtet noch h�bscher aussah als aus der Entfernung.
W�hrend Hilde nun auch neugierig die Fremde be�ugte, funkelte Relena Heero b�se an. `...mit ihr zur Schule gekommen?`, ging es ihr durch den Kopf. `Was zum Teufel hat Heero mit DER zu schaffen?`
Heero lehnte sich in aller Seelenruhe nach hinten, beugte seinen Kopf, so dass auch er die Kleine in der T�r sehen konnte und sah sie fragend an.
Duo war der einzige, der nichts sehen konnte, weil ihm alle anderen den Blick versperrten. Er verrenkte sich in alle Richtungen, konnte jedoch keinen Blick erhaschen. �Jetzt reicht`s mir aber! Ich will auch was sehen!�, sagte er lautstark und stand mit einem solchen Schwung von seinem Stuhl auf, dass dieser nach hinten wegflog. Als er die blonde Gestalt am anderen Ende des Zimmers erblickte, wurde er jedoch ganz still. Eine unbemerkte R�te stieg in sein Gesicht und Duo hatte echt alle M�he, seine Fassung zu bewahren. Und dann sah er wieder nichts mehr, denn Heero war aufgestanden und versperrte ihm nun wieder die Sicht. Duo schreckte aus einem tranceartigen Zustand auf und suchte verzweifelt nach irgendeinem coolen Spruch, den er jetzt loslassen k�nnte.
Als das M�dchen in der T�r Anstalten machte zu gehen, sagte Heero: �Entschuldigt mich mal kurz!� und begab sich dann in ihre Richtung. Alle sahen ihm fassungslos hinterher. Relena war zutiefst schockiert und irgendeiner Reaktion unf�hig.
Das M�dchen sah Heero aus gro�en Augen an, als dieser sie sanft an der Schulter packte und mit sich um die Ecke zog. Die anderen starrten ihm immer noch ungl�ubig hinterher.
Chang war derjenige, welcher �berraschender Weise als erster die herrschende Stille durchbrach. �Ich will sehen, was da los ist!�, brachte er heraus und huschte dann in Richtung T�r.
Duo wusste nicht was ihn mehr �berraschte: Heeros Beziehung zu einem so h�bschen M�dchen oder Changs unbeherrschte Neugier. �Das ist doch der Hammer! Da hat sich unser kaltbl�tiger Heero �ber die Ferien doch eine nette kleine Liebschaft angelacht....� Er wollte eigentlich noch ein `Hach, hat der`s gut` hinzuf�gen, doch Relena machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Der letzte Kommentar hatte ihr den Rest gegeben und ihr Geduldsfaden war nun endg�ltig gerissen. Entschlossen folgte sie Chang zur T�r, wo die beiden sich auf die Lauer legten und vorsichtig um die Ecke lugten. Noch bevor sie sich versehen konnten, standen bzw. hockten auch Duo, Hilde und Quatre neben ihnen.
�Wir wollen doch auch wissen, was da vorgeht�, brachte Quatre entschuldigend hervor.
Heero stand am Ende des Ganges und redete mit der Unbekannten. Er stand mit dem R�cken zu den anderen und verdeckte so leicht die Gestalt des M�dchens, doch sie war es. Eifersucht funkelte in Relenas Augen auf. Hilde, welche Angst hatte, dass Relena die Nerven verlieren und einen Aufstand machen w�rde, fasste sie leicht am Arm und machte �Pssst!�, um sie zur Ruhe zu rufen.
Sie konnten leider nicht h�ren, wor�ber die beiden sprachen. Nur ein leises Fl�stern drang bis zu ihnen her�ber.
Und dann geschah es: Die Kleine l�chelte Heero lieblich an. Und als ob das noch nicht genug w�re, konnte Relena genau erkennen, wie Heero, als er sich leicht drehte, zur�ck l�chelte. Heero hatte ein M�dchen angel�chelt. Ganz freiwillig. Und dieses L�cheln kam von Herzen. Sein ganzes Gesicht strahlte eine derartige Sympathie f�r dieses fremde M�dchen aus, dass es Relena das Herz brach.
�Ich muss mal aufs Klo�, brachte sie m�hsam hervor und stand dann ger�uschvoll auf und ging f�r Heero und seine neue Freundin klar sichtbar davon. Das M�dchen sah ihr fragend hinterher und auch Heero sah besorgt in ihre Richtung, doch das entging Relena. Duo hatte keine Worte mehr. Er sah ihr sprachlos hinterher.
�Ich geh ihr mal nach�, rief Hilde besorgt und war auch schon in Relenas Richtung verschwunden.
Das blonde M�dchen erblickte nun Duo, Quatre und Chang, welche sich wohl zu weit aus ihrer Lauscherecke herausgewagt hatten. Die drei f�hlten sich auf frischer Tat ertappt und l�chelten sie nur verlegen an. Von Heero traf die drei ein b�ser Blick, als die Kleine sich von ihm zu verabschieden schien. Sie stellte sich kurz auf die Zehenspitzen und gab Heero einen Kuss auf die Wange, worauf sie anschlie�end mit einem leicht fliegenden Schritt in einem Seitengang verschwand.
�Gott sie Dank, dass Relena DAS nicht gesehen hat, sonst w�rde hier sehr schnell ein weiterer Weltkrieg toben�, fl�sterte Duo leise.
Heero stand noch eine Weile da und sah dem M�dchen gl�cklich hinterher. Er l�chelte wieder. Dann wurde er aber schlagartig ernst und begab sich zur�ck ins Klassenzimmer, ohne an seine drei neugierigen Freunde auch nur ein einziges Wort zu richten.
Als es zum Unterricht klingelte, waren Hilde und Relena immer noch nicht wieder da. Heero, Duo, Quatre und Chang wechselten kein Wort.
�Er hat sie angel�chelt�, brachte Relena unter Z�hneknirschen hervor. Sie lehnte im Damenklo an einer Seitenwand und starrte ins Leere. Hilde stand ein St�ck von ihr entfernt und sah sie mitf�hlend an. Sie wagte es nicht, irgendwas zu sagen, aus Angst, Relenas Wut nur noch zu sch�ren.
�Angel�chelt�, wiederholt sie tonlos. Dann verh�rteten sich ihre sonst so zarten Gesichtsz�ge und ohne Vorwarnung drehte sie sich pl�tzlich um und schlug mit voller Wucht gegen die Wand. Hilde zuckte zusammen, da der Schlag so heftig war, dass die Kacheln davon wackelten.
�Angel�chelt�, wiederholte sie wieder. Dann trat sie gegen die Wand. Immer und immer wieder.
�Als ich ihn heute angel�chelt habe, hat er nicht mal eine Miene verzogen! Und SIE l�chelt er an!!!!!�, brach es schlie�lich aus ihr heraus. Sie stie� sich von der Wand ab und lief nun aufgebracht vor den Waschbecken auf und ab.
`Wie ein verletztes Raubtier`, dachte Hilde �ngstlich. Sie hatte Relena noch nie so w�tend erlebt.
�Wer ist sie? Warum benimmt er sich zu ihr so herzlich? Wir kennen ihn schon so lange und zu keinem von uns, war er je so freundlich!� `Zu mir jedenfalls nicht` ... das war es doch, was Relena sagen wollte. Hilde sah sie nur mitleidig an.
Relena lehnte sich wieder an eine Wand und sank zu Boden. Sie vergrub den Kopf zwischen ihren Armen, um ihre Verletzbarkeit vor Hilde zu verbergen. Sie war doch stark. Sie durfte jetzt nicht weinen. Sie zog doch nur voreilige Schl�sse. Von so etwas darf sie sich nicht beeinflussen lasse. Sie darf sich nicht aus der Fassung bringen lassen. Nein, nicht sie. Sie war doch Relena. Relena Peacecraft!
�Relena!� Hildes sanfte Stimme drang zu ihr durch. �Wir sollten jetzt in den Unterricht zur�ckkehren.�
Relena stand auf und sah Hilde aus festen und selbstsicheren Augen an.
�Ja, du hast recht. Lass uns gehen!� Ein erzwungenes L�cheln sollte ihre Aussage untermauern.
Sie bereute ihren kurzen Zusammenbruch von eben und wollte ihrer Freundin daher um so mehr ihre eigentliche St�rke zeigen. Sie war doch Relena Peacecraft. So etwas w�rde sie nicht zu Fall bringen. Sie w�rde auch mit dieser Situation fertig werden. Sie w�rde k�mpfen! K�mpfen um Heero!