KAPITEL 19

Krieger der Finsternis


„Es ist heute zu ruhig.“

Noin lehnte an einem Kontrollpult und trank einen frisch aufgebrühten Kaffee. Er schmeckte leider nicht so, wie er schmecken sollte. Angewidert verzog sie das Gesicht und schielte zu Zechs hinüber.

Er war völlig in die vielen Monitore vor sich vertieft und achtete gar nicht auf sie.

Lucrezia runzelte die Stirn und zwang sich einen weiteren Schluck dieses schrecklichen Gebräus ab.

„Viel zu ruhig“, wiederholte sie und stellte sich nun hinter ihn.

Auf den Monitoren war absolut nichts zu erkennen.

Dunkelheit und Schatten auf den Außengeländen.

Leere Gänge und einsame Räume auf den inneren Überwachungskameras.

Nur ab und zu einige Wachleute.

„Wir müssen nur noch diese Nacht durchstehen“, gab schließlich Zechs von sich, ohne auch nur von den Bildschirmen aufzublicken. Wachsam überschaute er alle Aufnahmen.

Lucrezia nickte - nun ebenfalls auf die Videokameras konzentriert.

„Sie hat sich nicht bei dir gemeldet, oder?“

Er blickte sie kurz an. Sie wusste, dass sich die Frage auf Relena bezogen hatte.

Zechs hatte sie angerufen, um sie zu warnen, vor dem, was bald beginnen würde, doch Relena war nicht zu Hause gewesen. Und sie hatte auch noch nicht zurückgerufen. Bald genug würde sie es von selbst erfahren, doch ihr Bruder hatte sie davor bewahren wollen. Sie schüttelte leise den Kopf und starrte dann wieder auf die Bildschirme.

Lucrezia war es langsam leid, diese ewigen Überwachungsdienste bei Media Technologies.

Sie erinnerte sich an die Angriffe auf ihre Terraformingstation zurück ... wie alles in Trümmern lag, als sie zurückkehrte. Seitdem waren sie und Zechs wieder in den aktiven Militärdienst eingetreten. Und nun warteten sie.

Warteten, dass der Kriegszustand ausgerufen werden würde.

Morgen.

Morgen, um genau Viertel vor Mitternacht.

Die Entscheidung war mit Stimmenmehrheit angenommen worden.

Relena wusste noch nichts davon.

Man wollte es ihr nicht sagen.

Sie hätte die Entscheidung nur verzögert.

Ihre pazifistische Einstellung war in einer solchen Zeit nach Meinung der Generäle fehl am Platze.

Lucrezia drehte sich weg und schüttete ihren Kaffee in den Ausguss.

Und nun saßen sie Nacht für Nacht hier und unterstützten die Wachkräfte von Media Technologies.

Es war stinklangweilig.

„Nummer 7 ist weg“, hörte sie Zechs trocken bemerken.

Sie blickte erschrocken zu ihm hinüber. Dann erkannte sie auch, dass auf dem Außenbildschirm, welcher mit einer kleinen 7 gekennzeichnet war, die Wache fehlte.

„Vielleicht hat sich der Wachmann nur etwas verspätet“, vermutete sie.

Eigentlich sagte sie das nur, um Zechs zu beruhigen.

Diese Nacht war die gefährlichste. Es war die letzte Möglichkeit für die Piraten, in das Gebäude einzudringen. Was immer hier versteckt war, wenn sie es heute nicht bekommen würden, dann niemals.

„Ja, vielleicht“, antwortete Zechs düster. „Vielleicht.“

Er stützte sein Kinn auf seine Hände (ganz in alter Gendo- Ikari- Manier) und starrte finster auf die übrigen Bildschirme.

Und dann wurde alles dunkel.

Es war genau 17 Minuten nach 21 Uhr.


„STROMZUFUHR UNTERBROCHEN“

Die Stimme war durch einen Stimmverzerrer unkenntlich gemacht.

In der Dunkelheit konnte man schwach erkennen wie eine vermummte Gestalt geschmeidig aus einem Schacht herauskletterte und zu weiteren vier ganz in schwarz gekleideten maskierten Personen lief.

„DIE SYSTEME WERDEN BALD AUF NOTZUFUHR UMSCHALTEN“

Auch die Stimmen der anderen Gestalten waren verzerrt.

„WIR HABEN WENIGER ALS 3 MINUTEN“

Gemeinsam schlichen sie lautlos zu einer alten Mauer.

„WAS IST MIT DEN WACHEN?“, fragte einer.

„6 BIS 9 WURDEN BESEITIGT“

„BESEITIGT?“, fragte ein anderer. Auch wenn die Stimme nicht zu erkennen war, so schwang doch Besorgnis mit.

„NOCH 2 MINUTEN“

Er wurde einfach ignoriert.

„TREFFPUNKT IN DER LOBBY! LOS!“

Die Gestalten schwärmten aus.

Einer von ihnen drehte sich noch einmal zweifelnd um, doch dann verschwand auch er in der Dunkelheit der Nacht.

Es waren 5 gewesen.

5 dunkle Krieger.

5 Krieger der Finsternis, welche nun wie Raubkatzen ihre Beute einkreisten.

Ihre Beute.

Media Technologies.

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„6 und 8 sind auch verschwunden!“ Noin klang nun alarmiert. Sie saß mit einem Kopfhörerset an den Konsolen des Überwachungsraumes und checkte die Wachen.

Der Notstrom war in dieser Abteilung über ein separates Aggregat zuerst wieder reaktiviert worden.

„9 fehlt auch“ Sie drehte sich zu Zechs um, welcher ausdruckslos auf die Monitore starrte.

Noins Gesichtszüge verhärteten sich.

„Es sind die Black Dragons, nicht wahr?“

Zechs antwortete nicht.

Stattdessen nahm er einen Telefonhörer ab und mobilisierte seine Einsatztruppe.

„Wann wird der Notstrom für den Rest der Anlage eingeschaltet?“, fragte er Noin, während sich die Verbindung aufbaute.

Noin wandte sich schnell ihren Instrumenten zu, überprüfte kurz einige Einstellungen und sagte dann: „Der Grund für den Ausfall der Standardgeneratoren ist noch unklar. Bisher sind nur die Lebenserhaltungs- und Überwachungssysteme versorgt worden. In ein bis zwei Minuten wird die gesamte Anlage wieder laufen können. Dann werden auch die Alarmanlagen und die Waffensysteme wieder einsatzbereit sein.“

„Zu spät“, bemerkte Zechs düster. „Sie sind bereits im Gebäude.“

Noin folgte Zechs Blicken auf den Monitor Nummer 13.

Es war eine Innenkamera.

Und sie sah die Schatten.

Nur einen kurzen Moment lang.

Aber lang genug.

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„Lassen sie neue Wachposten an Ein- und Ausgängen postieren!“

Zechs Ton war militärisch und streng.

„Ja, Sir“, kam es vom anderen Ende der Leitung.

„Ich will, dass hier niemand mehr rein oder raus kommt! Die Festnahme der Eindringlinge hat höchste Priorität! Schicken sie ihre Leute alle bewaffnet zu den Laboranlagen ... ich kenne die Anordnungen des Führungsrates, aber ohne militärische Einsatztruppen kann ich diese Leute nicht eleminieren. ... Ja ... Aber ab jetzt habe ich hier die Befehlsgewalt!“

„Zechs!“, musste ihn Noin ermahnen. „Du kannst nicht einfach gegen die Regeln der Leitung von Media Technologies verstoßen! Sie haben unsere Hilfe nur akzeptiert unter der Voraussetzung, dass wir unsere militärischen Truppen von deren Zentralen fernhalten würden. Du kannst dich darüber nicht einfach hinwegsetzen. Noch nicht! Noch herrscht kein Kriegszustand!“

Zechs beugte sich zu ihr herab und sah ihr tief in die Augen: „Oh, doch! Es herrscht bereits Krieg und zwar seit dem Moment, da die Black Dragons die äußeren Kolonien attakiert haben!“

Noin wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte.

Zechs war in der letzten Zeit verbittert und deprimiert geworden.

Sie machte sich Sorgen um ihn.

„Ja ... woher?“, Zechs war wieder in sein Telefonat vertieft und wandte sich von Noin ab.

„Wie?“, fragte er schroff und begann die Kameras des Außengeländes auf bestimmte Punkte auszurichten.

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Am anderen Ende der Leitung musste Geround seinem Vorgesetzten Zechs Marquise Bericht erstatten.

„Sie sind an jeweils 4 Punkten in das Gelände eingedrungen, Sir. Eine systematische Lahmlegung der äußeren Sensoren, dann eine Komplettabschaltung der Stromzufuhr ... Ja, Sir ... in der Zeit bis zum Einschalten der Stromzufuhr sind sie dann eingedrungen ... einer ... einer ist wahrscheinlich durch den Personaleingang ... die Wachen wurden noch nicht gefunden, nein, Sir ... die Sensoren der Belüftungsschächte wurden zerstört, also vermuten wir auch ein Eindringen von dieser Seite, sowie durch die unterirdischen Kanalisationsanlagen und den Hintereingang ... ja, wir gehen bisher von 4 Eindringlingen aus ... sie haben es sehr geschickt angestellt, Sir ... sie haben sich geteilt und sind dann einzeln an verschiedenen Stellen eingedrungen ... Ich habe die Einheiten zu den Laboren geschickt, wir vermuten, dass die Eindringlinge sich dort sammeln werden ... nein, Sir, sie würden einen gravierenden Fehler eingehen, wenn sie sich in offiziellen Bereichen, wie der Kantine, den Empfangs- und Sitzungssälen oder der Lobby aufhalten würden, da diese Räume noch durch die routinemäßigen Alarmanlagen überwacht sind und sie zudem kaum Schutzmöglichkeiten haben. Wir sollten uns nicht auf die Reaktivierung der inneren Waffensysteme verlassen, Sir. Womöglich wurden die auch sabotiert. ... Ja, Sir, wir treffen uns dann vor den Hauptlaboren ... wir ... arghh ... Deckung! Alle Mann in Deckung!“

Zechs schrak auf: „Geround! Geround, was ist los?“

„Ein fünfter Mann! Es sind 5 Eindringlinge, Sir!“ Seine Worte waren von Ohren betäubendem Lärm, dem Klirren von Glas, statischem Rauschen und dem Abfeuern verschiedener Waffen begleitet.

„Er kam soeben durch das Fenster ... zzsschhh .... hat uns völlig überrascht ....“

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„5“, flüsterte Zechs abwesend. ... 5 ... Er schöpfte Verdacht.

Noin lief zu einem Schrank in der Nähe, entriegelte ihn und entnahm 2 Maschinengewehre der modernsten Art. Totale Neuheiten auf dem Gebiet der Waffenentwicklung, noch nicht einmal auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Sie lud nach, entsicherte beide Waffen und reichte eine davon Zechs.

„...zsch ... knirsch ... der Typ ... es ist ... argh ... macht uns fertig ....“

Zechs nahm die Waffe und rief in den Hörer: „Halten sie durch, Geround, wir kommen ihnen zu Hilfe!“ Dann wurde es immer stiller am anderen Ende der Leitung.

Geround hatte wahrscheinlich den Hörer nicht mehr in der Hand, denn Zechs konnte dessen Stimme nur noch sehr schwach am anderen Ende des Raumes hören. Und er hörte Schritte, welche über knirschendes Glas glitten. Zechs hielt den Atem an.

„... wer ...wer sind sie?“, konnte er Geround unter heftigem Husten noch leise keuchen hören.

Er hörte auch, wie eine Waffe nachgeladen wurde.

Stille.

Und dann die mechanisch verzerrten Worte: „ICH BIN NIEMAND!“

Und dann ... einen letzten Schuss.

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Der Überwachungsraum im Südflügel des Zentralgebäudes von Media Technologies war vollkommen verwüstet. Dunkel, nur von ein paar glimmenden Lampen des Notstromes erleuchtet, stand eine Person in der Mitte des Zimmers. Das Fenster war zersprungen und unter den demolierten Möbeln und umgeworfenen Tischen lugten die reglosen Körper der Überwachungsmannschaft hervor.

Dann gingen einige Lichter wieder an.

Die Aggregate für die gesamte Anlange waren nun endlich aktiviert worden, doch in weiser Voraussicht hatten die Eindringlinge die Anlangen für Beleuchtung und Waffen größtenteils vollkommen zerstört.

In aller Ruhe ging die Person zu einem Schaltpult und fegte Glassplitter, Trümmer und eine leer gefeuerte Waffe zur Seite, betätigte einige Knöpfe und aktivierte das Mikrofon.

Dann nahm der Schattenkrieger seine Maske ab.

„Südliche Überwachungsstation eingenommen“

Nach einigen kurzen Momenten erschallte es aus dem Mikrofon:

„Nördliche Zentrale eingenommen.“

Wieder einige Momente, dann:

„Okay, Leute! Gute Arbeit! Schnappt euch die Codes und dann ab in die Lobby, wir räumen dort schon mal das Ungeziefer weg“

Dann herrschte wieder Stille.

Die Sicherheitskräfte würden nicht erwarten, dass sich die Eindringlinge in der Lobby treffen würden.

Es war ein viel zu offenes Gelände.

Zu angreifbar.

Kein Schutz.

Doch die Eindringlinge hatten noch ein Ass im Ärmel.

Der junge Mann, welcher allein einen ganzen Raum voller augebildeter Wachleute überwältigt hatte, begab sich langsam zur Tür.

Er überblickte noch einmal die Verwüstung und das Chaos, welches er angerichtet hatte.

Und dann huschte ein Lächeln über sein Gesicht.

Über das Gesicht von Trowa Barton.

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„Nein, lasst jeweils zwei Wachen an den üblichen Stationen und den Rest schickt ihr dann zu den Laboren!“

Noin schrie die Instruktionen hektisch in ein kleines Handy, während sie sich beeilte, Zechs nicht aus den Augen zu verlieren. Er lief vor ihr in einem Wahnsinnstempo, so dass sie Probleme hatte, ihre Waffe im Anschlag zu behalten.

Doch plötzlich blieb Zechs stehen.

Auch Lucrezia hielt erschrocken inne.

Beide standen in einem gläsernen Durchgang zu den Laboreinrichtungen und blickten durch die Scheiben zurück auf das Hauptgebäude.

Sie hatten freie Sicht, direkt auf die Lobby.

Oder besser auf das, was in der Lobby ablief:

Drei ganz in schwarz vermummte Gestalten waren dort gerade dabei, die noch spärlich in der Lobby vorhandenen Wachposten nach Strich und Faden zu vermöbeln. Einer der uniformierten Wachposten feuerte eine ganze Salve auf die Eindringlinge ab, doch keine einzige Kugel traf. Die schwarzen Gestalten waren von einer Art Schutzschild umgeben, welches die Geschosse nur wenige Zentimeter vom Körper entfernt verdampfen ließ. Dann erwiderten die Eindringlinge das Feuer, mit Waffen welche einzigartig und bisher noch völlig unbekannt waren. Jedenfalls für Merquise und Noin. Einigen der Gundampiloten waren diese Waffen leider nur zu gut bekannt.

Ein weiterer Angreifer erschien von Süden her.

„Die Lobby“, brachte Lucrezia tonlos hervor. Sie hatten alle ihre Leute zu den Laboren geschickt.

Die waren doch nicht etwa wirklich so verrückt genug, einen frontalen Angriff auf Media Technologies durch die Lobby zu starten? Sie konnte es nicht fassen.

Gerade sah sie, wie einer der Sicherheitsbeamten von einem der Eindringlinge von hinten erdrosselt wurde, als sich einer der letzten Beamten an den scheinbaren Anführer heranschlich und mit einem Metallstab, welchen er aus dem Gestell einer Tribüne herausgezogen hatte, dabei war auf ihn einzuschlagen. Hoffnung flammte in Noin auf. Wenn es ihren Leuten doch wenigstens gelingen würde einen von diesen Typen zu erledigen oder gar gefangen zu nehmen, so würden sie schon einen gewaltigen Schritt weiter sein. Doch ihre Hoffnungen wurden schon sehr bald zerschlagen.

Nicht nur, dass der Anführer sich rechtzeitig duckte und so dem Schlag auswich, nein!, nun kam noch ein weiterer Eindringling hinzu.

Einer, der ein Schwert bei sich hatte und anscheinend auch hervorragend damit umzugehen verstand: Schnell wie der Wind drehte er sich schwungvoll um seine eigene Achse und entwaffnete geschickt den um Längen unterlegenen Wachmann. Einige gezielte Schläge und Tritte, ein letzter Zug mit dem Schwert ... und der Wachmann lag in seinem eigenen Blut auf dem Boden der Lobby.

Nur noch die 5 Eindringlinge standen dort.

Zechs Merquise starrte entsetzt hinüber.

Er hatte den Stil des unbekannten Schwertkämpfers erkannt.

„Dieser Stil ... das war der von Wufei.“

„WAS?“, schreckte Noin aus ihrer Benommenheit auf. 5 war schon immer in ihren Augen eine unheilvolle Zahl gewesen. „Diese 5 ... du meinst doch nicht etwa, dass ... dass das da Chang Wufei und dass die anderen ...“

Doch Zechs hatte sich schon längst wieder abgewandt und war auf dem Weg hinunter in die Lobby, wobei er eilig über das Handy von Noin den anderen Bescheid gab.

„Schickt die Hälfte der Leute hinunter in die Lobby! Sichert vor allem die Wege von dort zum Labor! Oberste Vorsicht ... Noin ...“, er wandte sich zu ihr um.

„Du glaubst, dass es die Jungs waren, oder?“, fragte sie ihn besorgt. „Du glaubst, dass das da unten Wufei war?“

Zechs hielt einen kurzen Moment inne und besann sich.

„Zu groß“, bemerkte er schroff. „Es war der gleiche Stil, aber der Kämpfer war größer als Wufei.“

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Nach wenigen Minuten stürmten Zechs, Noin und die Hälfte der von ihnen anbeorderten Soldaten die Lobby von Media Technologies.

Sie war leer.

Die Eindringlinge waren schon lägst wieder verschwunden.

„Verdammt“, fluchte einer der Soldaten.

Ein anderer, welcher einen der getöteten Wachmänner zur Seite drehte und ihn untersuchte, bemerkte düster: „So einfach werden die sich von uns nicht schnappen lassen.“

„Oh, oh ... wie recht du hast, weißt du ja gar nicht ...“, hörten sie plötzlich einen der Soldaten, welcher ängstlich von der Tribüne zurücktrat, unter welcher er ein seltsames Geräusch vernommen zu haben glaubte.

Es war ein Ticken gewesen.

Ein bedrohliches, metallisches und gnadenloses Ticken.

Tick.

Tack.

Tick.

Tack.

Und nun hatte er den Ursprung dieses penetranten Geräuschs gefunden.

Eine wunderschöne kleine Bombe.

Tick.

Noin und Zechs starrten schockiert zur Tribüne.

Tack.

Die Soldaten ließen Waffen und Ausrüstung fallen.

Tick.

Viele stürzten zur Tür.

Tack.

Einige wenige versuchten, die Bombe zu entschärfen.

Tick.

Zechs ahnte, dass es zwecklos war.

Ta .... BBBBBBOOOOOOOOOOOOOOOMMMMMMMMMMM!!!!!!!!!!!!!!!!

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Die Explosion erhellte die ganze Nacht.

Wie ein heller Lichtblitz breiteten sich die folgenden Flammen über die anschließenden Gebäude aus und loderten wie die Feuer der Hölle persönlich.

Als ob ein neuer Morgen beginnen würde.

Und auch wenn es das Ende von Media Technologies war, so war es doch ein Beginn.

Der Beginn eines verheerenden Krieges, wie ihn die Menschheit noch nicht gesehen hatte.

In der Ferne war das Heulen einer Sirene zu hören, die herannahenden Krankenwagen, obwohl doch kaum noch etwas zu retten war.

Die Zentrale von Media Technologies war vollkommen zerstört worden.

„IDIOTEN“, drang die metallisch verzerrte Stimme eines der Angreifer durch die Nacht.

Zu fünft standen sie auf einer nahe gelegenen Hügelkuppe, welche doch in einer sicheren Entfernung zu den brennenden Gebäuden war ... weit genug weg, um nicht von den Flammen erfasst und nicht mit den dortigen Vorgängen in Zusammenhang gebracht zu werden.

„ES WAR NIEMALS ZIEL, DIE BEWEISE ZU ENTWENDEN“

Der angebliche Anführer der Gruppe nahm seine Gesichtsmaske ab und deaktivierte seinen Stimmverzerrer. „Die Beweise zu zerstören ... damit hätten sie nicht gerechnet, oder?“

Es war ein älterer Mann, Mitte dreißig bis Anfang vierzig, mit zurückgekämmten dunklen Haaren. Er blickte stolz zurück auf die brennenden Anlagen.

Hinter ihm nahm nun auch Trowa Barton seine Maske ab.

„Musste die Bombe sein?“

Seine Stimme klang ausdruckslos und gefühlskalt.

Eine andere, zartere Stimme antwortete ihm aus der Finsternis.

„Keine Zweifel! Keine Skrupel! Kein Mitleid!“

Es war die Stimme von Tamara Yui, welche da eisig durch die nur durch die Sirenen durchbrochene Stille drang. Von den Gebäuden her wurden die Rufe von Menschen und die Laute von löschendem Wasser her deutlich.

Trowa drehte sich um und blickte den anderen drei Eindringlingen ins Gesicht. Sie hatten nun alle ihre Masken abgenommen, um etwas frische Luft zu schnappen. Doch während Elbie und Alan Trowas Blicken auswichen, starrte Tamara ihn unverwandt an.

Sie war nicht länger die kleine, Hilfe bedürftige Schwester von Heero Yui.

Ihre Augen waren leer und kalt. Ihr Blick unnachgiebig. Ihre Miene ausdruckslos.

Es schauderte Trowa.

„Hey, beruhigt euch!“, mischte sich der unbekannte Mann mit ein, welcher die Jugendlichen wieder zur Ruhe zu ermahnen suchte.

„Die Aktion lief wie geplant über die Bühne. Du wusstest doch, Barton, dass wir mit Opfern gerechnet haben?“

Trowa sah zu den brennenden Gebäuden und nickte unmerklich.

„Desweiteren wurden alle Beweise nun vernichtet und außerdem ...“ Er zog eine kleine Datendiskette aus seinem Ärmel. „... außerdem haben wir die Daten über die Fundstellen.“

„WAS?“, rief Elbie überrascht aus.

Alan lachte vor sich hin. „War mir doch klar, Donnie, dass du in dem ganzen Laden da unten noch was anderes, als nur die Vernichtung der Beweise im Sinn hattest!“

Der mit Donnie angeredet lächelte seinen kleinen Stoßtrupp zufrieden an.

„Her damit!“ Trowa streckte ernst die Hand aus und hatte einen Ton eingeschlagen, der keine Kompromisse zulassen würde.

„Hey! Wir senden dir eine Kopie zu ...“, wollte Alan ihn abschütteln, doch Trowa blieb hartnäckig. Eine auf Donnie gerichtete Waffe bestärkte seine Entschlossenheit.

Dieser blickte kurz weg, dann sah er fragend zu Tamara: „Was meinst du?“

Sie schwieg nur.

Die Sirenen näherten sich. Doch nun waren es keine Löschfahrzeuge oder Krankenwagen mehr. Es waren Sicherheitsfahrzeuge und Militärwagen.

„Hey“, meldete sich nun ängstlich Elbie zu Wort. „Ich will ja nicht hetzen, Leute, aber langsam sollten wir die Fliege machen!“

„Gib sie ihm!“ Tamaras Stimme klang tonlos und dunkel.

Nur leise war sie zu hören, doch alle verstanden sie sehr gut. Trowa nahm sich ohne ein weiteres Wort die Disk. Alan, welchem das offensichtlich missfiel, schnappte Elbie bei der Hand und rannte mit ihr zum nahe gelegenen Waldgebiet, in welchem ihr Kampfgleiter gut verborgen war.

„Ich werde die Sicherheitsbeamten noch etwas ablenken, damit ihr entkommen könnt“, sagte Donnie, währen er seine Maske wieder anzog.

„UND BARTON!“, rief er mit seiner verzerrten Stimme noch einmal Trowa zu, welcher sich schon aufgemacht hatte, seinen eigenen Fluchtweg einzuschlagen. „DU WIRST DIR EINE KOPIE MACHEN UND UNS DAS ORIGINAL SO SCHNELL WIE MÖGLICH ZUSENDEN, KLAR?“

Und schon war Donnie auch schon verschwunden.

„Nein“, bemerkte Tamara. „Schneller noch! Ich will die Daten haben!“

Sie schien sich alle Zeit der Welt zu nehmen und schlich auf Trowa zu.

„Ich will die Daten morgen haben. Egal, ob Original oder Kopie ... und du wirst sie uns geben, nicht wahr?“

Sie stand nun schon sehr nahe bei Trowa und blickte ihm gefährlich in die Augen. Mit Mühe hielt er ihrem Blick stand.

„Du wirst uns die Daten geben und du wirst zu niemandem ein Wort darüber sagen, nicht wahr?“

Sie lächelte hinterhältig.

„Du willst doch nicht wieder in dem süßen Mantel des Vergessens versinken?“

Sie hatte Trowa vollkommen in der Hand.

Wenn er nicht wieder zurück in einen von Amnesieanfällen geprägten Wahnsinn verfallen wollte, welcher in in den vergangenen Monaten bedroht hatte, so musste er nach den Regeln der Black Dragons spielen.

Tamara schickte sich zum Gehen an.

Als Trowa sie gerade noch so erkennen konnte und in der Ferne neue Explosionen hörte, murmelte er leise: „Egal wie du dich nennst. Egal wer du bist. Du bleibst doch immer Perth!“

Dann schüttelte er traurig lächelnd den Kopf und verschwand.

Er würde nicht mehr lange nach diesen Regeln spielen.

Auf was hatte er sich da nur eingelassen?

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