KAPITEL 13

Quatre Raberba Winner: Lovestories (Woche 1)


Tagebuchaufzeichnungen: Montag

Montag - der Beginn einer Woche. Einer Woche voller Schulstress und neuer Herausforderungen. Normaler Weise begehen die meisten Schüler diesen Tag mit einer eher schwermütigen und missgelaunten Stimmung, doch dieser Montag war anders. Die Atmosphäre war gespannt und geladen. Alle schienen aufgeregt zu sein und erwartungsvoll. Der Grund dafür war der Aushang, welcher den Schulball in einigen Wochen ankündigte. Relena hatte dieses Plakat wirklich sehr kunstvoll entworfen. Zu meiner und wohl auch zu ihrer Überraschung gab es viele positive Resonanzen auf dieses bevorstehende Ereignis. Natürlich musste ich doch hin und wieder das Murren vereinzelter Stimmen wahrnehmen, welche einen Ball für eine „idiotische und sinnlose“ Idee hielten, doch ich glaube, ihnen fehlt einfach nur der Sinn für das Schöne und Edle! Denn die meisten Schüler schlossen sich doch meiner Meinung an, dass dieser Ball eine Möglichkeit wäre, das Beste, das in den Schülern dieser Schule steckt, hervor zu holen. Ich habe Relena meine finanzielle und auch organisatorische Hilfe angeboten, welche sie natürlich dankbar annahm. Ich glaube, dass ich geeignet bin, um einen angemessenen Programmplan zu erstellen. Hilde hat mir zwar eindringlich davon abgeraten, dabei auf besondere Wünsche von Duo Maxwell einzugehen, doch ich bin der Meinung, dass ich ihn als einen Vertreter der weniger an Kultur interessierten Schülerschaft dennoch anhören sollte. Womöglich kann ich dank seiner Hilfe einige auflockernde Ideen und Elemente einbringen. Hach, dieser Ball wird einfach wunderbar werden! Ich stelle mir die Schüler und Lehrer in weiten Kleidern und schicken Smokings vor, wie sie sich im Takte eines ruhigen Walzers in einer reizend geschmückten neuen Sporthalle drehen. Natürlich, ein Festsaal wäre ein geeigneterer Platz für ein solches Ereignis, aber ich denke, dass es wunderschön werden wird.


Tagebuchaufzeichnungen: Dienstag

Ich werde mit Tamara zu dem Ball gehen! Diese Entscheidung habe ich heute getroffen. Es verwirrt mich etwas und verunsichert mich, aber da sie nun eine gute Freundin von mir ist, war ich ihr das einfach schuldig. Es kam so: Am zweiten Tag nach der offiziellen Vorankündigung des Festes war fast die gesamte Schule in Aufruhr, da nun, ganz wie Alan voraus gesagt hatte, Pärchen sich zu formieren begannen. Jungen aller Klassen waren wie von Sinnen den ganzen Tag durch das Schulhaus gerannt, um dann den Mädchen hinterher zu stieren und sich eine recht hübsche Partnerin aus zu gucken. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass auch ich mich von diesem tollkühnen Wahn habe mitreißen lassen. Duo, welcher nun keine Krücken mehr, sondern nur noch einen losen Druckverband tragen muss, zerrte mich in jeder Pause durch die Gänge und wir schielten den Damen der höheren Klassen hinterher. Ich glaube, Duo wollte auch eine Liste aller in Frage kommenden Partnerinnen anfertigen, doch als er bei über 20 Personen angelangt war, gab er es wohl auf. Die Mädchen unserer Schule schrieben den ganzen Tag lang Liebesbriefe an die Herren ihres Herzens, doch auch einige Jungen steckten den Mädchen heimlich Zettelchen zu. Bei einem unserer Rundgänge erblickte ich dann auch Tamara. Sie hatte sich den ganzen Tag noch nicht bei uns blicken lassen - ich hatte mir schon Sorgen gemacht, warum, doch ich sollte bald eine Erklärung finden. Tamara war - so hatte ich das schon immer empfunden - eine wunderschöne und charmante junge Frau, welche einfühlsam aber auch witzig und gegebenenfalls auch ernst und selbstsicher war. Sie war schon immer ein Mädchen, in das man sich einfach verlieben musste. Wie es aussah, teilten nämlich auch viele andere männliche Mitglieder unserer Schule meine Meinung, denn Tamara wurde in jeder freien Minute von Mitschülern, aber auch von Jungen aus anderen Klassen belagert. Die Angebote, sie möge doch einen von ihnen auf den Schulball begleiten, überhäuften sie regelrecht. Als sie mich erblickte, sah sie nur Hilfe suchend zu mir herüber. All diese Anträge waren ihr sichtlich unangenehm. Sie tat mir leid, doch da Duo sie unbedingt so leiden lassen wollte, konnte ich ihr nicht helfen. Es war wohl falsch, mich von ihm wegziehen zu lassen. Ich hätte Tam helfen sollen. Aber ich machte mir auch Gedanken, warum Heero sie nicht vor diesen Kerlen schützte, denn bisher hatte er immer darauf geachtet, dass niemand seiner Schwester zu nahe käme. Aber in letzter Zeit hat er sich immer mehr zurückgezogen. Ich mache mir ehrlich gesagt Sorgen um ihn. Als ich ihn das erste Mal mit Tamara sah, da hatte ich geglaubt, er würde nun auch endlich ein normales Schülerleben führen. Doch das ändert sich nun anscheinend wieder. Keiner von uns wagt, es laut aus zu sprechen, aber er stellt wahrscheinlich seine eigenen Nachforschungen in dieser Sache mit dem unbekannten Angreifer an. Auch Trowa scheint sich sehr für diese Sache zu interessieren, denn er hat heute wieder einige Stunden im Unterricht gefehlt. Ich hoffe nur, dass diese Angelegenheit bald bereinigt sein wird, so dass wir wenigstens den Schulball genießen können. Relena wird wohl mit Heero hingehen. Ich selbst hatte eigentlich vor, Elbie darauf anzusprechen, aber ich habe wohl das Gefühl, dass sie es vorziehen würde, mit Alan dorthin zu gehen. Tja, ich scheine eben kein Glück bei den Frauen zu haben. Nach der Schule hat mich Tamara dann frei heraus gefragt, ob ich mit ihr zum Ball gehen würde. Das kam recht überraschend und war daher auch sehr verwunderlich für mich, hatte sie mir doch eindeutig zu verstehen gegeben, dass wir nur Freunde seien. Sie erklärte mir dann aber doch recht bald, dass sie keinerlei Interesse hätte, mit einem dieser „Querschläger“, wie sie ihre neuen Verehrer alle bezeichnete, zu dem Ball zu gehen. Um den vielen Anträgen und Anmachen zu entgehen, wollte sie einen festen Tanzpartner, so dass sie endlich ihre Ruhe hätte. Das war bestimmt nicht die feine Art, denn vielleicht hätte sie ja wirklich jemanden kennengelernt, in den sie sich verlieben könnte - oder ich hätte ein Mädchen treffen können, das mir nicht gleich eine Abfuhr gibt, aber ich kann Tamara einfach keinen Wunsch abschlagen. Dafür empfinde ich einfach noch zuviel für sie.


Tagebuchaufzeichnungen: Mittwoch

Die Aufregungen des letzten Tages haben sich heute etwas gelegt. Einige interessante Pärchen haben sich auch gebildet, so werden zum Beispiel Alex und Jill aus den Parallelklassen zusammen gehen. Eine solche Verbindung hätte wohl keiner erwartet. Aber leider haben sich innerhalb unseres engeren Freundeskreises noch keine weiteren Paarbildungen ergeben. Wie erwartet, möchte Hilde Duo zu dem Ball abschleppen. Obwohl er doch alle in Frage kommenden Partnerinnen genau begutachtet hatte, so willigte er doch nur zu erleichtert ein, sie zu begleiten. Meiner Meinung nach gibt Duo sich nur immer so draufgängerisch und cool, wohl um Alan und andere zu beeindrucken, in Wirklichkeit ist er aber bestimmt sehr sensibel und schüchtern. Ihm war wohl auch der Rummel, der jetzt um dieses Fest gemacht wird, zu groß, und wie auch Tamara ist er bestimmt froh, einen Partner für diesen Ball zu haben, auch wenn dieser Partner bestimmt nicht die große Liebe ist, denn ich glaube, dass ihn und Hilde nur eine tiefe Freundschaft verbindet. Mich hingegen trafen heute unzählige drohende Blicke. Tamara hatte heute all ihren Verehrern eindeutig zu verstehen gegeben, dass ich ihre feste Ballbegleitung sei und sie keinerlei Interesse an weiteren Bekanntschaften hätte. Ich weiß nicht, was sie noch alles erzählt hat, aber mit der Entscheidung, sie dahin zu begleiten, habe ich mir anscheinend viele Feinde an meiner Schule gemacht. Aber ich meine, es nicht bereuen zu müssen. Relena wartet noch immer darauf, dass Heero sie einlädt, doch der ist noch immer mit anderem beschäftigt. Aber auch sie selbst ist in den letzten Tagen gedanklich oft abwesend. Ob Elbie und Alan nun zusammen zu dem Ball gehen ist auch noch nicht klar. Ich nehme an, dass Trowa mit Catherine dort erscheinen will. Sie ist nun ja wieder da, aber ich weiß eigentlich noch immer nicht so recht, was sie und der Direktor des Zirkus in den Randkolonien eigentlich gemacht haben. Der einzige, der noch nicht mal eine Aussicht auf eine Tanzpartnerin hat, ist wohl Chang. Aber das scheint ihn auch nur wenig zu kümmern. Vielleicht sollte er seine Frauen feindliche Einstellung mal langsam ändern.


Tagebuchaufzeichnungen: Donnerstag

Heute hat sich eigentlich nichts Wichtiges ereignet. Relena hat den ganzen Tag in der Schule gefehlt. Wir haben dann nachgefragt und man hat uns nur geantwortet, dass sie ein Fortbildungsseminar für diplomatische Problemfälle in Rassenkonflikten der vergangenen Jahrhunderte besuche. Heero zeigte nur wenig Interesse dafür. Trowa hat auch den ganzen Tag gefehlt. Duo musste heute also den Alleinunterhalter machen, was im Grunde ja nichts Neues ist. Alan hatte angedeutet, dass er nun ebenfalls eine Tanzpartnerin für den Ball hätte, aber er wollte einfach nicht verraten, wer es denn nun wäre. Chang war heute allerdings etwas lebendiger als sonst. Seine Wunden waren halbwegs verheilt, aber er freute sich anscheinend nur auf Freitag, an dem er seine erste Trainingsstunde mit seinem neuen Trainingspartner hatte. Ich werde ihn begleiten und bei dem Training zusehen, es wird wohl sehr interessant werden.

Nachtrag: Tamara hat heute bei unserem Sportunterricht zugesehen. Als ich in Basketball auf die Ersatzbank musste, habe ich sie gefragt, warum sie denn nicht am Sportunterricht der Mädchen teilnehme. Tamara hat mir da zum ersten Mal erzählt, dass sie überhaupt keinen Sport betreiben darf. Es wurde ihr von den Ärzten verboten. Sie leidet an einer bisher nur spärlich erforschten Krankheit, welche bei übermäßiger sportlicher Anstrengung und Verletzungen zum Tod führen kann. Ich war zuerst ziemlich schockiert, da ich über diese Tatsache nichts wusste und Tamara auch nie als einen derart kränkelnden Menschen ansah. Es überraschte mich auch, denn sie war sportlich sehr gut in Form. Als wir vor dem unbekannten Angreifer fliehen mussten, lief sie zum Beispiel ohne Mühen schneller als ich, obwohl ich doch aktiven Sport betreibe. Mir wurde heute klar, dass ich noch vieles nicht über Tamara weiß.


Tagebuchaufzeichnungen: Freitag

Ich weiß nicht, was auf dem Seminar, welches Relena besucht hatte, vorgefallen war, doch heute war sie nervös und sie hatte es sehr eilig, als wenn sie alle Dinge so schnell wie möglich erledigen wollte. Bei der nächstbesten Gelegenheit sprach sie Heero auf den kommenden Schulball an und forderte ihn auf, sie zu begleiten. Heero schien davon nur wenig begeistert zu sein und so versuchte er sich irgendwie um eine Antwort herum zu winden, denn ein „Nein“ würde Relena auf keinen Fall akzeptieren. Heero war sogar soweit gegangen, dass er ihr seit langer Zeit wieder drohte, sie zu töten, wenn sie ihn weiter nerven würde. Die Diskussion zog sich eine Weile hin und endete schließlich damit, dass Relena - wie von Anfang an eigentlich geplant - einfach festlegte, dass sie und Heero zu dem Ball gehen würden. Heero wollte davon aber sichtlich wenig wissen. Hilde hat uns heute offenbart, dass sie nächste Woche in ein Austauschlager nach Europa fliegen würde. Sie hatte sich in einem Partnerinternat unserer Schule für einige technische Kurse angemeldet und würde Sonntagabend losfliegen. Duo war einfach nur für den Rest des Tages niedergeschmettert - verständlich, da er nun für seine Probleme, den Haushalt und die Sauberkeit seiner Wohnung betreffend und von seiner Nahrungsmittelversorgung ganz zu schweigen, keinen Ausweg mehr sah. Doch Duo war schon immer glänzend darin gewesen, sich in ausweglosen Situationen zu helfen zu wissen, und so hat er sich einfach kurz entschlossen dafür entschieden, sich für die Zeit von Hildes Abwesenheit bei mir einzuquartieren. Relena war auch niedergeschlagen, da Hilde ihr doch noch mit den Vorbereitungen für den Ball helfen wollte. Sie entschieden, dass wir uns alle am Sonntag treffen und um die Vorbereitungen gemeinsam kümmern würden. Duo plante auch ganz spontan eine Abschiedsparty für Hilde ein - aber nur eine kleine, da sie ja nach einer Woche wieder kommen würde. Der absolute Höhepunkt des Tages war jedoch Changs Kampftraining. Tamara, Elbie und ich hatten uns als Zuschauer auf den Tribünen der Sporthalle in der Innenstadt plaziert, welche Chang gelegentlich für sein Training mietete. Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass Changs mysteriöser Trainingspartner Alan Thomas war! Die beiden hatten sich also doch geprügelt - pardon! duelliert. Tamara und Elbie grinsten aber nur, da sie anscheinend schon länger darüber Bescheid wussten. Niemand hatte es natürlich für nötig gehalten, mich über diese Sache aufzuklären. Das Training an sich war dann einfach nur atemberaubend. Wir kamen aus dem Staunen kaum noch heraus, denn Chang und Alan waren wirklich ebenbürtige Gegner. Beim Trockentraining übten sie bestimmte Grundelemente ein, welche sie in einem darauffolgenden Trainingskampf demonstrierten. Ich habe schon viele Kämpfe gesehen, aber was Alan und Chang mir da boten, verschlug mir dennoch die Sprache. Nächste Woche werde ich wahrscheinlich wieder zusehen.


Tagebucheintragungen: Samstag

Ich habe mir diesen Tag heute extra freigehalten, um mal wieder etwas Zeit mit der Familie zu verbringen. Da wir am Sonntag gemeinsam feiern wollten und Duo die gesamte nächste Woche hier verbringen wollte, war ich es den meinen einfach schuldig, ihnen wenigstens heute einen Teil meiner Aufmerksamkeit zu widmen. Ich habe mit meinen jüngeren Schwestern den gesamten Vormittag lang gespielt und nachmittags dann, nach einem erholsamen Mittagessen mit der ganzen Familie, waren wir zusammen spazieren. Das Wetter war einfach wunderschön und alles war so friedlich und herrlich ruhig. Ich fühlte mich an diesem Tag so unendlich frei wie schon lange nicht mehr!

Nachtrag: Ich habe schon lange nichts mehr von den Magunacs gehört. Gerüchten zu Folge, sollen sie sich derzeit in heftige Auseinandersetzungen mit dieser Piratentruppe, den Black Dragons, verwickelt haben. In den Nachrichten wurde schon oft über die berichtet.


Tagebucheintragungen: Sonntag

Schon sehr früh sind wir heute morgen alle zusammen zu Relenas Anwesen aufgebrochen. Sie hatte dem Großteil des Personals freigegeben, so dass wir fast das ganze Haus ungestört nutzen konnten. Wir hatten auf Tamaras Bitten auch Elbie und Alan eingeladen, uns zu helfen und dann mit zu feiern. Duo wollte natürlich gleich zu Beginn loslegen, doch die Arbeit kam zuerst. Wie sich zeigte, war es doch noch jede Menge Arbeit, die erledigt werden musste. Wir saßen bis etwa vier Uhr Nachmittag an den Festsaalvorbereitungen. Zwischendurch ließen wir immer den Fernseher laufen, da Relena darauf bestanden hatte, die Nachrichten zu verfolgen. Als wir mit dem formellen Teil endlich fertig waren, drehte Duo die Stereoanlage im Haus so laut wie nur möglich auf - und das war wirklich SEHR laut - und wir begannen zu feiern. Schon bald aber mussten wir den Ton leiser stellen, da sich erstens die Nachbarn schon beschwerten und zweitens wir unser eigenes Wort nicht mehr verstanden. Gegen Abend entschlossen wir uns dann, uns selbst etwas zu Essen zu machen. Duo hielt sich freiwillig von dieser Aufgabe zurück, da er der Meinung war, dass er ja niemanden vergiften wollte. Was mich aber überraschte, war dass auch Tamara wirklich keinerlei Talent zum Kochen hatte! Sie konnte nicht mal richtig Kartoffeln schälen oder Eier öffnen, geschweige denn ein Essen zubereiten. Kein Wunder, warum es bei Yuy`s nur Essen aus der Mikrowelle gab. Beim Saubermachen und Abwaschen nach dem Essen stellte sie sich dann genauso trottelig an. Sie hatte echt absolut keine Ahnung von Hausarbeit. Das war für Duo natürlich ein Grund, heftig über sie her zu ziehen. Er hatte schon lange gemerkt, dass Heero seine Schwester nicht mehr so stark in Schutz nahm und er nutzte diese Tatsache, so oft er nur konnte, schamlos aus. Er witzelte, dass Tamara in der Schule bisher überall die Beste war und anscheinend alles konnte, aber dass sie wohl nicht in der Lage war, die Arbeiten einer normalen Hausfrau zu erledigen. Tam bockte am Anfang nur ein bisschen, doch als Duo mit seinen Sticheleien fortfuhr, begann sie sich zu wehren und die beiden gerieten in einen echt heftigen Streit. Elbie und Hilde gelang es nur mit Mühe, die beiden wieder zur Ruhe zu bewegen. Danach unterhielten wir uns über alles mögliche: über die Schule, den Ball, aber auch über die derzeitige Politik. Relena, unsere Expertin auf diesem Gebiet, schwieg sich dabei allerdings aus. Als ich einmal von der Toilette wiederkam, warf ich nur einen kurzen Blick in ihr Zimmer. Wir hatten bisher eigentlich im Wohnzimmer gesessen und ich wollte wirklich nicht schnüffeln, aber die Tür zu ihrem Zimmer stand nun Mal offen. Relena saß in der Mitte des Raumes und redete leise. Ich blieb nur kurz stehen - ich wollte wirklich nicht lauschen - und sah, dass sie zu einem Teddybären sprach. Ich wusste, dass Relena früher oft derartige Selbstgespräche geführt hatte, aber mir war nicht klar, dass sie das nun wieder tat. Ich drehte schnell um und schlich leise davon. Ich hatte nichts gehört, nichts konkretes jedenfalls und ich wollte ja auch wirklich nicht lauschen, aber es beunruhigte mich schon stark, dass Relena wieder diese Selbstgespräche führte. Es deutete doch bloß daraufhin, dass sie schlimme Probleme hatte, über die sie mit niemandem reden konnte. Ich wollte über diese Sache erst noch etwas nachdenken, deshalb erzählte ich auch niemandem davon. Kurz bevor Hilde dann los musste, um ihren Flug nicht zu verpassen, kam dann plötzlich ein ganz alter Walzer im Radio. Duo war schockiert und wollte schon umschalten, aber wir sahen es eher als eine Vorbereitung auf den Ball. Daher forderte ich Tamara zum Tanzen auf, doch zu meiner Verwunderung schlug sie die Einladung ängstlich zurück. Sie meinte, sie fühle sich nicht so wohl und ihr sei etwas schwindelig. Ich bot an, sie nach Hause zu bringen, aber sie meinte, dass es nicht so schlimm sei. Sie wollte bloß nicht tanzen. Daher beschritt ich dann mit Elbie die Tanzfläche. Sie tanzte wirklich hervorragend! Sie war zwar etwas versteift, aber sie bewegte sich sehr graziös. Hilde tanzte mit Duo, doch sie und Elbie schielten immer wieder von ihren Tanzpartnern weg hinüber zu Alan, welcher mit Relena tanzte. Ja, denn auch Heero hatte sich gesträubt mit Relena zu tanzen. Aus Trotz hatte sie daher Alan aufgefordert, welcher überrascht zugesagt hatte. Trowa und Chang mussten sich da aber auch schon verabschieden, da sie sonst ihre Fähren nicht mehr bekommen hätten. Auch Hilde verabschiedete sich nun von allen. Duo versprach, jeden Tag mit ihr zu telefonieren und sie über alles am Laufenden zu halten. Relena und Heero trennten sich ohne ein weiteres Wort. Da bahnte sich wirklich Ärger an.

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