Kapitel 5 – Fünfter Tag: Mittwoch
Es war ein sonniger Mittwochmorgen, als Wufei das Haus verließ. Er ging in die Stadt, musste noch einiges an Sachen für die Party am Samstag besorgen. Seine Gedanken kehrten an den gestrigen Abend zurück, als Relena ihr Vorhaben verkündet hatte. Es kam völlig überraschend, unerwartet, zumal sie nie etwas in der Richtung erwähnt hatte.
Wufei kannte ihre wahren Beweggründe nicht, war sich allerdings sicher, dass mehr dahinter steckte. Warum wollte sie unbedingt weg von ihren Freunden? Wenn es ein, zwei Wochen gewesen wären, hätte es wohl niemanden allzu sehr verwundert, aber so sah die Sache anders aus. Sie selbst wusste nicht mal genau, wann sie wiederkommen würde.
Aber wenn es nun mal ihr Wille war, Wufei gab sich damit zufrieden. Er hatte anderes zu tun. Die Party fand in seinem Dojo statt und das gefiel ihm ganz und gar nicht, aber er hatte keine andere Wahl gehabt. Schon Heeros Blicke konnten töten.
Es würde wahrlich eine Abschiedsparty werden. Vier Freunde würden weggehen und in unabsehbarer Zeit zurückkehren. Wufei fragte sich, ob dies der Anfang vom Ende sein würde. Können Freundschaften wirklich ewig halten?
Wufei schüttelte den Kopf. Nein, dazu waren Menschen viel zu wechselhaft, schon ein einziges falsches Worte konnte eine Beziehung zerstören. Obwohl Wufei die Partys am Wochenende nicht immer begeisterten, störte es ihn doch, dass sie weniger wurden. Letztendlich waren sie sehr gute Freunde für ihn, auch wenn er das nie zugeben würde.
Wufei lief von einem Laden in den nächsten, Quatres Einkaufszettel war unheimlich lang. Er hatte keine Lust gehabt, sich selbst den Kopf darüber zu zerbrechen, was benötigt wurde, und da Quatre ja gern organisierte... [16]
Er überquerte gerade den Marktplatz, als er zufällig ein Gespräch zwischen zwei Frauen über Relena aufschnappte.
„...“
„Haben Sie schon gehört, Relena Peacecraft zieht nach Europa.“
„Oh , ja, das hab ich im Fernsehen gesehen. Ist das nicht erstaunlich, so jung und so arrangiert?“
„Ja, Miss Raffaello, Sie haben vollkommen recht. Sie zieht extra um, um sich vor Ort die Lage anzusehen.“
„Das ist schon bemerkenswert, sich so einfach von der bekannten Umgebung lösen zu können.“
„Ja, aber Flexibilität ist gut.“
„...“
‚Miss Raffaello’ dachte Wufei mürrisch. Unangenehme Erinnerungen kamen in ihm auf. Was machte diese Frau in New York? Gut, sie war eine bekannte Fotografin, aber... [17] Plötzlich bemerkte er sie. Alexa.
‚Auch das noch.’ dachte Wufei und wollte sich gerade wegdrehen, um nicht gesehen zu werden, als er beobachtete, wie sie sich vorsichtig den beiden Frauen näherte. Sie schien darauf zu achten, unauffällig zu wirken, aber das täuschte Wufei nicht. Sie musste irgendetwas vorhaben.
Sie stand dann direkt neben Miss Raffaello und – Wufei glaubte es kaum – hantierte an ihrer Handtasche herum. Diese war viel zu sehr in das Gespräch vertieft, als dass sie etwas gemerkt hätte. Alexa nahm ein Portmonee heraus und entfernte sich langsam wieder.
Die anderen wenigen Leute bemerkten nichts, sie waren mit ihren Einkäufen beschäftigt. Wufei folgte Alexa unauffällig. Sie verließ den Markt und lief in Richtung Park. Hier war kaum jemand und Wufei beschleunigte seinen Gang.
Als Alexa ihn hörte, drehte sie sich um. Sichtlich erschrocken starrte sie ihn an, bewegte sich aber nicht. Wufei erreichte sie schließlich und sie sagte: „Du hast mich beobachtet, nicht wahr?“ – „Ja, durch Zufall hab ich’s gesehen. Warum tust du das?“
Alexa ließ sich auf die nächstbeste Bank nieder und antwortete mit einem ironischen Lächeln: „Warum wohl? Sieh mich an, ich hab nicht mal saubere Klamotten. Ich bin einfach arm, Wufei.“ – „Dann wirst du jetzt sehr fündig geworden sein“, bemerkte dieser.
Alexa schaute ihn verwundert an. „Wie kommst du darauf? Die Leute laufen nicht mit Unmengen von Geld zum Markt.“ – „Du weißt nicht, wen du bestohlen hast?“ Sie schüttelte den Kopf. Wufei setzte sich nun auch und sagte: „Das war Miss Raffaello, eine berühmte Fotografin. Sie kommt aus Tokyo.“
Alexas Augen weiteten sich vor Überraschung, sie fragte aber nicht danach, woher er sie kannte. Ungläubig öffnete sie das Portmonee und ihr Unterkiefer fiel unwillkürlich eine Etage tiefer. Es war unheimlich viel Geld darin, sogar zwei Kreditkarten.
Alexa und Wufei schwiegen. Sie wusste nicht, was sie nun machen sollte. Er hatte beobachtet, wie sie geklaut hatte, Ausreden halfen da nicht mehr. Was erwartete Wufei nun von ihr? Das sie es zurückgab? Obwohl es so offensichtlich war, dass sie das Geld brauchte?
„Es war kein Hundebiss“, sagte Wufei dann plötzlich. „Und das weißt du genauso gut wie ich.“ Er schwieg nun und Alexa wurde klar, dass er auf eine Erklärung wartete. „Es war eine Schnittwunde von einem Messer.“ antwortete sie. „Ich habe öfters auf einem Feld geklaut und einmal hat mich der Besitzer überrascht. Er hat mich angegriffen.“
„Und du konntest natürlich nicht zum Arzt oder zur Polizei, weil dann herausgekommen wäre, dass du stiehlst.“ Alexa nickte. „Zum Glück war es dunkel, sodass mich der Besitzer nicht erkennen konnte. Aber er hat schon eine Anzeige gegen unbekannt gemacht.“
Wufei konnte sich nicht erklären, wie so ein junges Mädchen auf der Straße leben konnte. Aber er wollte sie nicht ausquetschen, es ging ihn schließlich auch nichts an. Und viel Zeit hatte er ebenfalls nicht. Die Einkäufe machten sich nicht von selbst.
Leise Musik erfüllte das Zimmer, in dem Relena nun schon zwei Stunden verbrachte. Sie lag auf dem Bett und träumte vor sich hin, überließ ihren Gedanken freien Lauf. Sie landeten immer wieder bei der gestrigen Versammlung – und bei Heero.
Sie drehte sich wütend zur Seite, wollte endlich abschalten, aber es gelang ihr nicht. Auch die Musik half nicht. Sie schloss die Augen, riss sie aber Sekunden später wieder auf, weil es an der Tür geklingelt hatte.
Relena sprang auf und lief die Treppe herunter. Sie war froh, dass sie jemand besuchte und sie somit nicht an ihn denken brauchte. An Heero. Und gerade dieser Junge stand nun direkt vor ihr. „Oh, hallo Heero.” stammelte sie. Sie war so durcheinander, dass sie vergaß, ihren Gast hereinzubitten.
Heero erinnerte sie schließlich mit einer kurzen Geste daran. Sie gingen beide hinein und Relena versuchte, so zu erscheinen, als seien sie wirklich Freunde und es sei nichts weiter geschehen. „Setzten wir uns ins Wohnzimmer?“ fragte sie. „Möchtest du…“ – „Nein.“ antwortete Heero bestimmt. Er war nicht hergekommen, um Tee zu trinken und Kuchen zu essen. [18]
Heero und Relena gingen ins Wohnzimmer. Sie fragte sich, was er nun hier wollte. Sie abhalten? Nein, dafür war es nun zu spät. Gestern war sie noch nicht so stark gewesen, aber nun war sie sich sicherer denn je. Das sollte endlich ein Ende haben, sie hatte keine Lust mehr, ihre Nerven jedes Mal auf’s Neue beruhigen zu müssen.
Sie schwiegen eine Weile, bis Heero schließlich ganz unvermittelt sagte: „Es tut mir Leid. Aber... das ist doch kein Grund, einfach abzuhauen.“ Relena blickte erstaunt auf. Er hatte sich entschuldigt? Wofür? Für den Kuss? Für das Gespräch am Montag? War nicht sie diejenige, die sich entschuldigen musste?
Relena hatte auf all diese Fragen keine Antwort, aber sie erwiderte: „Das... das ist es nicht. Du weißt, dass ich wegen wichtigen politischen Dingen nach Europa gehe. Und... ich komme ja wieder.“
Heero gab sich allerdings nicht damit zufrieden. Er wusste, dass es anders war, dass sie ihm etwas vorspielte. „Das glaube ich nicht. Ich kann verstehen, dass du sauer auf mich bist, aber deshalb...“ – „Du glaubst mir nicht?“ unterbrach Relena ihn. „Ich werde es dir beweisen.“
Entschlossen stand sie auf und verließ das Zimmer. Sie eilte nach oben und kehrte kurze Zeit später mit etwas in der Hand zurück. Einem Geschenk. Dem Teddy. Heero lief bei diesem Anblick ein Schauer über den Rücken. Was hatte sie bloß vor?
Relena trat vor Heero und drückte ihm den Teddy in die Hand – den Teddy, den er ihr geschenkt hatte. „Ich bitte dich, auf ihn aufzupassen. Da es mein Geschenk ist, werde es mir wiederholen. Ich werde zurückkehren und den Teddy wieder an mich nehmen. Das ist mein Versprechen und die Gewissheit, dass ich nicht fortbleibe.“
„Ich muss weiter.“ sagte Wufei und stand auf. „Nimm dir das Geld heraus und gib mir das Portmonee. Mit den Kreditkarten kannst du ja sowieso nichts anfangen.“ Alexa schaute ihn ungläubig an. „Was hast du vor?“ – „Ich werde ihr das Portmonee zurückbringen.“
Alexa protestierte: „Das... ist zwar nett von dir, dass ich das Geld behalten darf, aber wird sie nicht dich verdächtigen, dass...“ Wufei schaute sie böse an. „Das ist doch nicht dein Problem. Ich kenne sie besser als du.“
Alexa schwieg einverstanden. Was blieb ihr auch anderes übrig? Sie war schon froh, dass er sie nicht in Schwierigkeiten brachte, obwohl er allen guten Grund dazu gehabt hätte. „Danke“, sagte sie schließlich und überreichte ihm das Portmonee.
Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren, gingen die beiden auseinander. Plötzlich drehte sich Wufei noch einmal um und fragte: „Alexa?“ – „Hm?“ – „Was sollte das von vorgestern heißen?“ Alexa lächelte nur vielsagend und setzte schweigend ihren Weg fort. Sie blieb nach wie vor ein Mysterium für Wufei.
Mürrisch lief er zum Markt zurück. Bei dem Gedanken an Miss Raffaello schlug seine Laune schlagartig um. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? Sein Gerechtigkeitswahn nervte ihn langsam aber sicher schon selbst...
Und dann gerade dieses Mädchen. Alexa – warum zum Teufel musste er ihr immer so oft begegnen? Verfolgte sie ihn? Oder er sie? Seine Gedanken wurden von Miss Raffaello abgelenkt, die ihm nun freudig zuwinkte, da sie ihn erkannt hatte. ‚Tief durchatmen, Wufei, du schaffst das schon...’
Heero schloss seine Wohnungstür auf und trat mit einem schweren Seufzen hinein. Er hielt noch immer den Teddy in der Hand, der ihm immer wieder zu verstehen gab, dass er nun endgültig alles verrissen hatte.
Niedergeschlagen ließ er sich auf seine Couch nieder. Wenn er gewusst hätte, dass es soweit kommen würde, hätte er... Ja, was hätte er dann getan? Sich anders verhalten? Mit Sicherheit. Er wollte Relena nicht vertreiben, er konnte nicht ahnen, dass sie sich das so zu Herzen nahm.
Aber hätte Heero nicht froh sein müssen, dass sie nun genug Abstand voneinander haben würden? War es nicht das gewesen, was er wollte? Ursprünglich schon. Aber warum war er dann nicht erleichtert, sondern niedergeschlagen?
Langsam zweifelte Heero an seinem Verstand. Er war sich nicht mal mehr sicher, ob er wirklich nur aus Neugierde gehandelt hatte. Ihm konnte keiner helfen. Wenn er schon seine eigenen Gefühle nicht ihm Griff hatte, wie sollte jemand anderes sie dann verstehen?
Behutsam setzte er den Teddy auf das andere Ende der Couch und starrte ihn an. Er schaute genauso traurig, wie Relena es getan hatte. Konnte ein Teddy so gucken? Heero schloss die Augen, wollte schlafen, um der Gegenwart entfliehen zu können, aber der Teddy beobachtete ihn weiterhin. Er ließ ihm keine Ruhe mehr.
„Trowa, hast du kurz Zeit?“ Catherine näherte sich dem Löwenkäfig, vor dem Trowa hockte. Er erhob sich und nickte. „Worum geht es?“ – „Um Relena. Ich... habe schon seit ein paar Tagen so ein ungutes Gefühl. Ich glaube, es hängt mir ihr zusammen.“
Trowa sah sie verwundert an. „Wie meinst du das? Wegen ihrer Reise, oder was?“ Catherine erwiderte: „Naja, nicht direkt. Allgemein. Ich glaube, ihr wird etwas Schlimmes passieren.“ Trowa atmete hörbar schwer aus. „Catherine, hör auf, dir so etwas einzureden. Was sollte ihr denn passieren? Dorothy ist doch auch noch da.“
„Ja, schon, aber mein Gefühl...“ – „Richtig, ein Gefühl. Das kann täuschen.“ versuchte Trowa sie zu beruhigen. „Mach dir keine Sorgen. Das ist nur vorübergehend. Bald hast du es vergessen.“ Damit war das Gespräch für ihn beendet.
Catherine ging wieder etwas enttäuscht und machte sich an ihre Arbeit. Sie hatte aber letztendlich nichts anderes erwartet, Trowa hatte noch nie an so etwas geglaubt. Würde ihr denn überhaupt jemand glauben? Wohl kaum, denn selbst wenn, sie würden die Augen vor der Wahrheit verschließen. Weil niemand es wahrhaben wollen würde. Relena in Sicherheit zu wissen war eben einfacher. Einfacher – aber besser...?
Life – Leben
Ich ging eines Tages in mein Zimmer.
Er saß da an der gleichen Stelle wie immer.
Früher waren wir die allerbesten Freunde.
Doch das ist vorbei. Ich ließ ihn allein.
Life – Leben [E]
[16] Wir wissen ja, dass Wufei gern den anderen die Drecksarbeit überlässt...
[17] siehe „Paradise Wing“, ebenfalls von mir. ^-^
[18] Quatre hätte das anders gesehen. Das passt bei ihm zu jeder Situation…
[E] Ausschnitt aus „Teddybär“ von den Ärzten
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Kapitel 6 – Rückblick: Donnerstag und Freitag
Duo:
Er verbrachte die beiden Tage damit, mit sich selbst fertig zu werden. Die Vorfälle vom Dienstag schlugen ihm immer noch auf den Magen. Es fiel ihm schwer, Hilde gegenüber jetzt anders aufzutreten. Offener zu sein.
Obwohl sie ihre Gefühle für einander kannten, war der Anfang sehr schwer. Beide wollten nichts überstürzen und keine Fehler machen, was zu einigen Missverständnissen geführt hatte. Daher kam es auch vor, dass sie einfach nur zusammen waren und sich anschwiegen, bis einer einen kläglichen Versuch machte, die Stille zu beseitigen.
Trotzdem sah Duo dem kommenden Samstag zuversichtlich entgegen. Vielleicht war die Atmosphäre dort besser, da sie mit ihren Freunden zusammen waren. Andererseits bereitete ihm der Gedanke Probleme, dass die Party ein totaler Reinfall werden könnte. Wegen Relena und den anderen, es war schließlich eine Abschiedsparty.
Seine Arbeit bereitete ihm keine Probleme, aber seine Wohnung schrie förmlich nach Ordnung. Duo allerdings war das zuviel, er verschob das auf Sonntag. Wie immer.
Wufei:
Er hatte alle Hände voll damit zu tun, die Party vorzubereiten. Seinen Schülern versprach er, dass sie Freitag frei bekommen würden, wenn sie ihm Donnertag helfen würden. Das taten sie auch, ein freier Tag war das wert.
So blieb Wufei das lästige Putzen und Aufstellen der Möbel erspart. Das Essen für das Büffet hatte er bestellt, nun musste er nur noch für die Dekoration und die Unterhaltung sorgen. Er hasste Veranstaltungen, Partys und so weiter, besonders, wenn er sich darum kümmern musste.
Mit Schrecken dachte er auch an Miss Raffaello zurück, die ihn eine geschlagene halbe Stunde festgehalten hatte. Wie konnte ein Mensch nur soviel in der kurzen Zeit reden? Das Portmonee schien ihr völlig nebensächlich zu sein.
Zumindest hatte er das Glück, nicht auf Alexa zu treffen. Wenn er ihr begegnete, gab es nur Probleme. Wufei hatte allerdings schon mit dem Gedanken gespielt, sie aufzusuchen und sie für ein bisschen Geld die Dekoration machen zu lassen. Wenn es darum ging, lästige Arbeit zu vermeiden, konnte ihn wohl keiner übertreffen. Er beließ es allerdings nur bei der Idee, denn wo hätte er sie denn finden können?
Dorothy:
Sie war damit beschäftigt, alles für den Umzug vorzubereiten. Und dieses Unternehmen bestand nicht nur aus dem Tasche packen. Zusammen mit Relena legte sie fest, was alles gebraucht wurde.
Dorothy machte auch allen Bürokram, der damit verbunden war. Somit hatte sie wenig Zeit für andere Dinge, sie war voll beschäftigt.
Sie musste auch ständig irgendwelche Reporter von Relena fern halten, die alles Mögliche über ihre neuen Pläne in Europa erfahren wollten. Diese Leute waren sehr hartnäckig und Dorothys Nerven waren sehr strapaziert. Daher freute sie sich umso mehr auf den Samstag, von dem sie sich genug Erholung versprach.
Quatre:
Er war auch sehr beschäftigt. Seine Arbeit erforderte viel Konzentration, er musste alles Mögliche organisieren, koordinieren und so weiter. Wenn er sehr gestresst war, machte er eine Teepause.
Quatre versuchte immer, seine Arbeit bis zum Freitag fertig zu stellen, damit er am Wochenende seine Ruhe hatte. Manchmal arbeite er sogar bis in die Nacht hinein. Aber an diesem Freitag schaffte er es nicht, denn es gab eine Familienfeier. Seine Schwester hatte Geburtstag. [19]
Seine Freude auf den Samstag hielt sich in Grenzen, bedeutete dieser Tag doch nichts Gutes. Er fragte sich, ob sich die kommenden Feiern mit so wenigen Leuten überhaupt noch lohnten. Er hatte schließlich auch keine Lust einen Haufen seiner Schwestern mitzuschleppen, nur damit der Raum nicht so leer war.
Relena:
Sie packte ihre Sachen und bereitete sich seelisch auf den kommenden Samstag vor. Den vorerst letzten Samstag mit ihren Freunden. Sie wusste schon jetzt, dass sie die anderen schrecklich vermissen würde.
Am Donnerstag traf sie sich noch mal mit Hilde und sie verbrachten den Nachmittag zusammen. Sie versprachen einander, in Briefkontakt zu bleiben, auch wenn das für Hilde nicht wirklich eine Entschädigung war.
Mit Heero sprach oder traf sie sich in den zwei Tagen nicht. Er hatte sich nicht gemeldet und Relena wollte auch nicht ständig an ihn denken müssen. Der Abschied würde ihr so schon schwer genug fallen.
Während Dorothy sich um das gröbste kümmerte, besorgte Relena ein paar Abschiedsgeschenke für ihre Freunde und machte sich einen Plan für ihr Vorhaben in Europa. Sie wollte wirklich wichtige Dinge dort erledigen, auch wenn ihr Innerstes wusste, dass dies nur der nebensächliche Grund für ihre Reise war.
Einmal suchte sie sogar verzweifelt ihren Teddy, bis ihr einfiel, dass sie ihn Heero gegeben hatte. Sie bedauerte es fast, ihn hergegeben zu haben, da sie sehr an ihm hang. Aber so würde er sie ja doch nur an Heero erinnern.
Trowa:
Er hatte am Donnerstag seinen vorerst letzten Auftritt als Clown. Den Freitag brauchte das Team, um alles abzubauen und für die Reise vorzubereiten. Am Sonntag sollte es schon losgehen, denn es musste ja wieder alles aufgebaut werden.
Auch für ihn galt es, die Sachen zu packen. Aber der Unterschied zwischen ihm und Relena war, dass er wusste, wann er ungefähr zurückkommen würde. Zwei Monate später.
Catherine:
Ihr Tagesablauf war ähnlich wie bei Trowa. Nur, dass ihre Gedanken sich immer noch um ihre schreckliche Vorahnung drehten. Das ungute Gefühl war in den zwei Tagen nicht verschwunden, es wuchs eher.
Aber Catherine erzählte niemandem weiter davon und erwähnte es auch nicht Trowa gegenüber. Sie hoffte, dass er Recht behalten würde und es nur Einbildung war.
Hilde:
Sie ging wie gewöhnlich zur Schule und traf sich Donnertag Nachmittag mit Relena. Sie war noch immer sauer, dass ihre Freundin sich einfach verdrückte und Dorothy auch noch mitnahm.
Hilde hatte zwar ein paar Mädels in der Schule, mit denen sie gelegentlich rumhing, aber die anderen beiden waren eben ihre besten Freunde. Sie wäre auch mit Catherine klar gekommen, aber selbst sie würde am Sonntag schon nicht mehr da sein.
Am Freitag traf sie sich mit Duo, verzichtete dieses Mal aber darauf, in ihrer Schuluniform aufzutauchen. Ihr fiel es etwas leichter, sich zu öffnen, als Duo. Warum, konnte sie nicht sagen, aber dennoch war es für beide ungewohnt. Bereuen tat sie allerdings nichts. Sie ging sogar zu Heero, um sich persönlich bei ihm zu bedanken.
Heero:
Am Donnerstag hatte er nichts weiter zu tun, als seine Mails abzurufen. Das war schlimm, denn somit blieb ihm mehr Zeit zum Nachdenken. Und immer wieder starrte ihn der Teddy von Relena an, aber Heero brachte es einfach nicht fertig, ihn wegzuräumen.
Er meinte sogar zu glauben, dass der Teddy trauriger drein gucke, als vorher. Heero erklärte das damit, dass ihm seine strapazierten Nerven einen Streich spielten. [20]
Auf den Samstag freute sich Heero überhaupt nicht, er sah ihm mit Schrecken entgegen. Es würde das letzte Mal sein, dass er Relena sah. Der Teddy war in seinen Augen noch lange kein Beweis für ihre Rückkehr.
Heero hatte sogar schon überlegt, einfach nicht auf der Party aufzukreuzen, vielleicht würde es ihm so leichter fallen. Aber das war nicht fair und er war sich sicher, dass Relena das nur wieder falsch verstehen würde.
Freitags hatte Heero einen Auftrag, der sich als schwieriger erwies, als er zuerst annahm. Fast die ganze Nacht war er unterwegs, sodass er abends so fertig war und mit dem Einschlafen keine Probleme hatte. Auch der Teddy änderte nichts daran.
Miss Raffaello:
Nee, war nur nen Scherz!
Life - Leben
Who wants a love without anger and rage? - Wer will eine Liebe ohne Zorn und Raserei?
I do - Ich
Who wants a world where a kid can be safe? - Wer will eine Welt, in der ein Kind sicher sein kann?
I do - Ich
Who wants to pray for the end of the pain - Wer will für das Ende des Schmerzes beten
For the calm at the end of the day - Für die Ruhe am Ende des Tages
Where there's not always more of the same - Wo es nicht immer mehr als das Übliche gibt
I do - Ich
Life – Leben [F]
[19] Theoretisch ist Quatre nur am Feiern: Samstags immer eine Party, die ganzen Geburtstage seiner Freunde und Schwestern, die Feiertage und, und, und...
[20] Vielleicht ist es auch ein schizophrener Teddy...
[F] Ausschnitt aus „I do“ von Anastacia