Eine komische Geschichte
Per MSN erfuhr ich gerade von einer
Massenkarambolage auf der A1 in der Schweiz. Ein Toter und ein paar Dutzend
Verletzte. Jetzt arbeite ich an einer Schaltung für einen RGB -
Farblichtgenerator, als sich vor meinem Laborfenster eine Traube Leute um ein
Auto versammelt. Que paso murmle ich und knipse mal ein Foto:
Es ist
kurz nach Drei. Ist dem Papi bei seinem mobilen "Höpperli" etwas
zugestossen, oder hat gar eine Frau ein Kind geboren in dieser rostigen Karre?
Das ganze Quartier läuft hier zusammen. Jeder streckt den Kopf ins Auto um dem
nächsten platz zu machen.Kurz darauf hält ein Streifenwagen mitten auf der
Strasse, die zwei Braunen steigen aus strecken ihre Köpfe in die alte
"Gürbe" und fordern über Funk Verstärkung an. Der Verkehr ist
blockiert. Andere Leute laufen dazu, schauen und verziehen sich wieder, zwei
weitere Polizeiautos kommen, die Beamten zünden sich Zigaretten an. Aus der
Ferne ist eine Sirene zu hören, doch der Krankenwagen fährt vorne an der
Strasse vorbei. Jetzt, wo langsam die Eltern mit ihren Geländewagen ihre Kinder
von der Schule holen und der Feierabendverkehr einsetzt, kommt eine andere
Polizeitruppe mit modernen Autos und sperrt die Querstrasse auf einer Seite ab.
Darauf ist aber auf unserer Kreuzung etwas los. Es scheint, dass die ganze Stadt
hier hochfährt, um zu schauen was passiert ist. Hundert Autos wenden auf der
Kreuzung, Scheiben werden heruntergelassen, neugierige Köpfe fragen: "que
paso?" fahren wieder abwärts, andere hupen, manövrieren gestört auf der
Kreuzung herum. Eine Einheit Motorradpolizei würgt sich durch die Menge, hält
an und wird begrüsst, als seien sie Gott.
Jetzt werden erste Papiere hervorgeholt, ein Zivilist befragt, Anweisungen
gegeben. Ich weiss immer noch nicht was in dem Auto los ist, melde ich Hanni per
SMS auf ihren Heimweg. Dann haue ich in der Küche die vorbereiteten Entregots
in die Pfanne, die Bratkartoffeln hinterher und das Ganze gut gewürzt. Immer
noch ist die Strasse einseitig blockiert. Doch von der anderen Seite fahren
Autos herein, werden angehalten, Fahrer diskutieren, müssen wieder wenden, ein
unnötiges Chaos.
Dann entsteigt Hanni unten auf der Kreuzung einem Bus, schaut sich um, kommt
nach Hause. Wir stehen beide am Laborfenster, gähnen heraus, wissen nicht was
los ist. Jemand ist unten im Wagen, soviel ist sicher, aber offenbar ausser
Lebensgefahr...
Auf unserer "Nahsehterrasse" serviere ich das Abendessen. Jetzt, wo
der Hauptverkehr vorbei ist, entfernt sich die Polizeieinheit 171 und der
Verkehr kann wieder passieren. Nun setzt Regen ein, die meisten Schaulustigen
verziehen sich und auch die Polizisten steigen an den Schermen in ein grosses
Fahrzeug; "Subdelegacion Chacao".
Es dämmert bereits, als wieder eine andere Einheit mit Blitzlichtlampen und
Halogenscheinwerfern eintrifft. Der Verkehr wird wieder blockiert, aber weiter
läuft nichts als der Motor. Dann kommen auch noch die Drogenfahnder
angeknattert, welche mir einmal bei einer Kontrolle mein Sackgeld raubten auf
dem Heimweg.
Ein Dutzend Polizeikräfte stehen herum, doch der Verkehr regelt sich selber
-irgendwie, es schiffet in die Dunkelheit.<
Kurz vor Sieben fährt ein weiterer Geländewagen vor. Der Beifahrer verhandelt
zuerst mit der einen Polizeieinheit, dann mit der anderen, dann stehen alle
wieder um das verrostete Auto herum. Endlich scheint man sich einig zu sein,
entnimmt dem 4WD einen Blechsarg, zieht die Leiche von der Rückbank und
versorgt sie im Sarg in den Geländewagen. Der Verkehr fährt jetzt an dem
Schauspiel vorüber. Ein trauriges Ende zum Dessert...