Home    Über Ostern auf Kuba

Die Vorbereitungen unserer Osterfeiertage in die Karibik führten über ein paar grobe Stolpersteine. Ein Beispiel: Nachdem wir uns endlich für eine Kubareise entschieden hatten, waren unsere übers Internet gebuchten Flüge automatisch annuliert worden, weil ich mir zuviel Zeit liess, die Tickets zu holen, schlicht weil wir keine Devisen nach Venezuela einführen konnten. Doch mit Diplopässen brauchten wir kein Visum wie andere Schweizer. Dafür fiel mir beim Einchecken ein Glochard auf. Er stank penetrant nach Schweiss und dieses Jahr noch nie gewaschen. Doch wir hatten noch grosses Glück, er sass eine Sitzreihe hinter uns, den Rest konnte ich im B727 knapp mit den Frischluftdüsen regeln.
Unsere Einreise nach Kuba war ein kleiner Hürdenlauf: Ein Zettel hier, ein "Papellito" da, Fangfragen, pipip und durch die Schleuse. Bereits auf der Fahrt ins Hotel staunten wir, was da auf Kubas Strassen alles verkehrte: Uralte Autos, aus den 50er Jahren, Motorräder mit Seitenwagen, Velotaxis, dann wieder neue Reisschüsseln und schliesslich einer der hundert Sattelschlepper als Gratistransporter durch Havanna.

Hanni und ich marschierten aber zu Fuss den grössten Teil der Altstadt ab, welche teilweise fast ohnmächtig vor dem Zerfall bewahrt werden will. Dafür kein Mac Donalds, keine Handys wo klingeln und überall freundliche offenherzige Leute. Gut 50% der Touristen sprachen spanisch, Angst brauchten wir auch mitten in der Nacht in Kuba nirgends zu haben. Einmal chauffierte uns ein Velotaxi zu einem Restaurant und die gelben Dreirädrigen sind mir ans Herz gewachsen. Ein andermal standen wir vor einem komischen Gebäude "Habana Stock exchange". Da riskierte ich einen Blick hinein, wollte endlich einmal eine Börse sehen. Doch die stammte aus der Kolonialzeit, wie mir ein Pförtner erklärte und war zu einer riesigen Kantine umfunktioniert worden für Arbeiter.
Ein Linienbus brachte uns für zwei Tage nach Trinidad, in ein schmuckes Stättchen an der Westküste. Beim Aussteigen wurden wir überfallen von privaten Anbietern von Logies. Ein Lächeln und wir waren bei Kenya und Joceline zu Gast. Das junge Ehepaar verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Vermieten ihres Hauses. Aber auch am Abend waren wir privat zu einem kiloschweren Hummer eingeladen. Geheim, denn das durfte der Staat nicht wissen.
Kuba ist denn für uns nach bloss 10 Tagen auch schwer zu fassen, bleibt irgendwie ein Rätsel zwischen Staatsmacht und Paradies. Gerade in Vinales, einem wunderschönen Tal, konnten wir uns kaum satt sehen. Tabackplantagen, gespickt von riesigen Palmen und halbdemolierten Hütten, welche nach dem letzten Cyklon einfach verlassen wurden, weil der Staat eine neue bezahlte. Dort spazierten wir gemütlich durch die Felder, wo uns an einer Lagune ein Bauer auf einem Holzschlitten begegnete, die zwei Kühe Wasser saufen liess und uns mit seiner "Machete" eine Kokosnuss aufmachte.
Ein anderer erklärte uns die Produktion von "Burros" und lud uns flugs am Abend zu seiner Familie zum Nachtessen ein. Dann mieteten wir einen Roller und frästen auf der Strasse die hintersten Winkel dieses prächtigen Tales ab. Mein Klammeräffchen beschwerte sich zwar nach jeder Unebenheit auf dem Asphalt, aber wir genossen nach über 10 Jahren wieder gemeinsame Töffahrten.
Bei einem Kaffeehalt auf der Rückreise fuhren gerade zwei private Lastwagen ab, vollbesetzt mit je etwa 100 Leuten, während im staatlichen, klimatisierten Linienbus neben uns noch bloss ein halbes Dutzend Touristen reisten. Viele solche zwiespältigen Erfahrungen bildeten die Eckdaten unseres Urlaubes. Doch manche Vorstellung, welche wir über Kuba hatten, war schlicht falsch oder zumindest veraltet.
Während der letzten zwei Nächte in Havanna wurden wir im 21. Stock nochmal Zeugen eindrücklicher Naturschauspiele. Gewitter auf dem Meer, Taghelle Blitze ins Wasser, Bummmm, dass die Hütte wackelte. Dann setzte ein Sturm ein und kündigte die Regenzeit an. Das Wasser preschte hartnäckig an die Fensterfront und lief bis an unseren Bettrand; -Romantik pur!
Ja, wir hatten es genossen, Kuba ist eine Reise wert, immer für eine Überraschung gut. Kuba ist anders als der Rest der Welt! 
Pedro

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