Dienstag, 22.April 2003
Happy Wester!
Das ist das neueste Wort, dass ich hier gelernt habe! Die ganzen Leute, die von der Ost- an die Westküste gezogen sind, wünschen sich nicht mehr Happy Easter sondern Happy Wester! So sind sie eben, die Amis...
Nachdem ich mich lange Zeit rar gemacht habe, wird es Zeit euch endlich wieder auf den neuesten Stand der Ereignisse zu bringen. Es ist wieder so viel passiert, unglaublich! Da war Besuch, der unsere kleine Wohnung für zwei Wochen in ein Schlachtfeld verwandelt hat und mich meines eigenen Bettes beraubt hat. Christian und Daniela (einen Freundin von Ralf) waren hier! Mit Christian wollte ich ja eigentlich einen Trip nach Seattle machen. Auto und alles war schon in Deutschland gemietet und bezahlt. Doch, oh Schreck, der Voucher fehlte! Somit gab es dann erstmal kein Auto. Erst nach langem hin ung her mit dem deutschen Reisebüro under amerikanischen Autovermietung haben wir das Auto dann doch noch bekommen. Um die lange Reise in den hohen Norden anzutreten, war es mittlerweile allerdings zu spät (so habe ich also immer einen guten Grund, wieder einmal an die Westküste der USA zu fliegen und dies nachzuholen!) und so haben wir uns mit einem Nachmittag Muir Woods National Park (riesige Mammutbäume) und zwei Tagen Yosemite National Park begnügt. Letzterer lohnt sich unbedingt. Die Wasserfälle sind grandios und wer körperlicher Anstrengung nicht abgeneigt ist, kommt hier voll auf seine Kosten: es gibt unterschiedliche Wanderwege, die von der Kategorie "leicht", also so 20 Minütchen gemütliche spazieren gehen und dabei den neuesten Tratsch austauschen, bis hin zu "very strenous" reichen. Bei Wegen mit letztere Bezeichnung muss man dann schon mal damit rechnen, dass man auf einen sehr schmalen Weg trifft, auf dem es nur einen Fehltritt gibt: das wird dann auch dein letzter gewesen sein; denn rechts geht es gut 70 Meter in die Tiefe! Also heisst es am Geländer festklammern, Augen zu und durch. Gott sei Dank bin ich solch einem Weg nie begegnet, habe mir nur die Geschichte von Ralf und Daniela angehört...
Jenseits von Afrika lief hier für zwei Wochen in Deutsch mit englischem Untertitel. Ein wirklich gelungener Film. Er verlangt zwar mit seiner Überlänge nach viel Sitzfleisch, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Also, alle Mann reingehen, ist schliesslich der erste deutsche Film seit Menschengedenken (jedenfalls seit Paulas Gedenken), der den Oskar bekommen hat!
Und zum guten Schluss kann ich euch noch über ein vielleicht nicht gerade typisch amerikanisches Osterdinner berichten, aber es war zumindest ein sehr "warmes" Osterdinner. Eingeladen war ich von Bradley und stattgefunden hat das ganze in einer Wohnung in Presidio, nicht gerade dem ärmsten Viertel von SF, direkt am Strand. Wir waren zu 20 Leuten und es gab viel zu Essen und zu trinken: Makkaroniauflauf, Schweinebraten, Diabolohuhn, Salate, Schokoladenkuchen (richtig fieß süß!), Wein, Dessertwein und so weiter. Vieles hat nicht meinen Geschmack getroffen (so z.B. die mit Erdnussbutter gefüllten Pralinen), aber es war doch ein gelungener Nachmittag und Abend. Habe viele interessante Leute kennengelernt, eine Russin, eine Indonesin, eine Chilenin und eine Unmenge von Amis natürlich! Für meine erste Party nicht schlecht, auch wenn es keine Gartenparty a la Pretty Woman war. Aber was nicht ist, kann ja noch werden! Morgen werde ich mal die Ostdeutsche Küche hier in San Francisco testen. Bradley und ich gehe in das Walzwerk dinnieren. Habe mir mal die Speisekarte ausgedruckt, Manche Sachen, wie Thüringer Bratwurst, kenne ich sogar, manche Dinge mag ich auch (Cold Dog oder Schnitzel with mashed potatoes); aber bei einigen Dingen wundert es mich nicht, wenn die deutsche Küche im Ausland auf keinen grünen Zweig kommt! Schlachtplatte oder Stopfhuhn ist nun wirklich nicht mein Fall! Ich werde euch wissen lassen, ob es sich lohnt, dorthin einen Abstecher zu machen, falls ihr mal in der Nähe seid!
Was gibt es in der Uni neues? Sie ist bald vorbei! Noch vier Wochen, dann hab ich meine letzte Klausur geschrieben (die kürzlich erst um drei Tage vorverlegt wurde) und alle meine Paper habe ich dann hoffentlich auch abgegeben (die Deadline für mein eines Paper wurde großzügig um eine Woche vorverlegt, so dass ich jetzt alle Hände voll zu tun habe, mir 5000 Worte aus den Fingern zu saugen). Wir Deutsche wollen eigentlich noch eine Abschiedsparty für die Ökonomen machen, aber ob das alles klappt. Ihr wißt ja, wie schwer es ist, 6 Leute unter einen Hut zu bringen. Es bleibt also abzuwarten, ob wir uns gebührend verabschieden oder ob wir sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden.
Ich werde jetzt meine Schlafmaske aufsetzen und ein wenig Kraft für den neuen Tag sammeln. Ich versuche, die Bilder vom Yosemite demnächst auf die HP zu stellen, aber ich kann nicht versprechen, wann das sein wird. Nicht böse sein! Gruss an alle die ich kenne (oder auch nicht, gell Thorsten!)! :-*
Eure Paula
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