Samstag, 30.November 2002
was bisher geschah...
Jetzt bin ich bereits 4 Monate in Kalifornien und erst jetzt komme ich dazu, meine Homepage zu erstellen!Es ist ja nicht so, dass ich unter Arbeitsmangel leiden würde, aber ich habe es mir doch deutlich stressiger vorgestellt! Meine Vorgänger aus Bonn haben Horrorgeschichten erzählt: man muss in der Woche 70 Stunden arbeiten, damit man irgendwie mitkommt und hlabwegs gute Noten mit nach Hause bringt. Davon hab ich jetzt noch nichts gemerkt. Zwar ist es schon mehr Arbeit als an der altehrwürdigen Uni Bonn, aber ich finde doch immer noch ausreichende Gelegenheit, die Gegend zu erkunden und auch ein paar angenehme Stunden hier zu verbringen.
So habe ich schon einige kulturelle Highlights mirgenommen. Kurz nach meiner Ankunft hier in den Staaten war in im ABBA-Musical 'Mamma Mia'. Ich sage euch, es war toll! Man konnte sich kaum auf den Sitzen halten und spätestetens bei Dancing Queen war das Eis im Publikum gebrochen. In Hamburg läuft das Musical ja jetzt auch, allerdings mit deutschen Texten. Ob die Stimmung darunter nicht leidet? Ich weiss es nicht. Kann mir nur schwer vorstellen, wie man denn statt 'Money, Money, Moeny, 'Knete, Knete, Knete' oder, ganz karnevalistisch, 'Pinke, Pinke, Pinke' singt...
Der 'War Memorial Opera' (habt ihr gewusst, dass hier die Vereinten Nationen gegründet worden sind?) habe ich mittlerweile zwei Besuche abgestattet. Das erste Mal habe ich Otello von Verdi gesehen. Eine eher langweilige Oper, die sich im Prinzip nur um ein Taschentuch dreht. Am Ende sind sie alle tot. Toll! Und was dem ganzen Abend dann die Krone aufgesetzt hat: es gab drei(!) halbstündige Pausen, damit die armen Amis genüßlichen ihren Champagner trinken können und keinen Kulturschock bekommen! Gestern habe ich mir dann Alcina von Händel angesehen. Die Inszenierung war aus good old Germany importiert! Sehr modern gemacht, aber trotzdem toll, auch wenn das ganze mit schönen, barocken Kleidern noch besser gewesen wäre.
Um dem klassichen Verlangen zu genügen, war ich dann auch noch einen Abend (Gestern vor einer Woche) bei einer Aufführung des Uniorchesters. Für schlappe $2 bekam man wirklich was geboten: Schostakovitch und Strawinky. Sehr schöne Musik! Nur das Publikum ließ etwas zu wünschen übrig! Schlabbrige Turnhose und T-Shirt zieht man einfach nicht an zu solchen Anlässen!
Im Kino war ich natürlich auch. Ich muss sagen: die Kinolandschaft hier in Berkeley hat schon was. Da ist eigenltich für jeden Geschmack was dabei: sei es das grosse Kino, das aktuelle Hollywoodstreifen zeigt oder das kleine Kino, das 'kulturell wertvolle' Filme (meist aus Europa importiert) zeigt, es ist alles da. Ich habe seitdem ich hier bin erst einen einzigen amerikanischen Film gesehen, und der ist noch nicht mal typisch: 'Bowling for Columbine'. Hier in Amerika ist er heftig umstritten, in Berkeley hat er schon den Kultstatus. Unbedingt reingehen, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt! Ansonsten habe ich mich hauptsächlich auf französische Filme im Originla mit englischem Untertitel beschränkt (8 Femmes, Merci pour la chocolat, Je rentre à la maison) und ein dänischer Film (Italienisch für Anfänger) war auch dabei.
Wie habe ich sonst so meine Zeit verbracht? Natürlich bin ich ab und
zu auch mal in SF unterwegs, aber ich muss euch sagen, sooo toll ist diese Stadt
nun auch nicht. Ein paar Tage kann man es hier prima aushalten, aber wohnen
möchte ich hier nicht mein ganzen Leben lang! Dafür ist die Stadt
einfach zu häßlich! Und wenn das die schönste amerika
nische Stadt sein soll, dann
aber gute Nacht Amerika. Mir fallen auf anhieb ein Dutzend europäischer
Städte ein, die ich deutlich schöner finde (allen voran natürlich
mein heißgeliebtes Köln)! Die Amerikaner haben einfach keinen Sinn
für Ästethik: Strom-und Telefonkabel sind oberirdisch verlegt, so
dass ein riesiges Kabelgewirr die ansonsten schöne Sicht erheblich beeinträchtigt;
das Kanalsystem (gibt es eins?) ist hoffnungslos überfordert und kann den
Wassermassen nicht standhalten. Es regnet zwar nicht oft, aber wenn, dann richtig.
Und dann ist es nicht sehr lustig, wenn man mit dem Rad durch reißende
Flüße, die sich auf der Straße gebildet haben, fahren muss.
Naja, diese Liste könnte ich noch ein wenig fortsetzen, aber nachher werde
ich noch als ewiger nörgler verschrieen :-)
Wo wir gerade von Ästethik (bzw. einem Mangel an solcher) reden: Modegeschmack haben die Amis nun überhaupt keinen! Ein wirklich schauderhaftes Bild bietet sich dem europäischen Auge: schlabbrige Jeans mit viel zu weitem Pullover oder zerfetztem T-Shirt (warum die Sachen so alt und zerfetzt aussehen, weiß man spätestens, wenn man die hiesiegen Waschsalons ausprobiert hat!). Da macht die Männerschau nun wahrlich keinen Spaß mehr!
Leider, leider ruft die Pflicht. In 10 Tagen schreibe ich die 24h Klausur und dafür will man gut vorbereitet sein. Also, ihr Lieben, gehabts euch wohl, genießt die wunderbahre Adventszeit, seid nett zueinander und erfreuet euch am Leben!
Eure Paula