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Montag, 17.Februar 2003

 Seid gegrüßt ihr alle im alten Europa!

Heute ist President's Day und während die Amis ihre Ex-Präsidenten verehren, werde ich die Gunst der Stunde nutzen und meine Homepage mal ein bißchen auf den neuesten Stand zu bringen.  Es ist wieder wahnsinnig viel passiert in den letzten Wochen; ihr müßt euch also keine Sorgen machen, daß ich hier vor Langeweile umkomme!

Fangen wir mit den politischen Themen an. Nachdem ja rings um die Welt Millionen von Menschen bereits am Samstag auf die Straßen gegangen sind, um ihren Unmut über die Halung der amerikanischen Regierung zu zeigen, sind dann gestern auch die Menschen aus der Bay Area nochmals Demonstrieren gegangen. Warum einen Tag später als der Rest, werdet ihr euch fragen? Na, ganz einfach, die San Franciscaner waren immer schon exibitionistische Leute und wollten gestern die ungeteilte Aufmerksamkeit für sich haben! Nein, war nur ein Scherz. Am Samstag war das Neujahrfest der Chinesen und diese haben die Veranstalter der Demo darum gebeten, die Demo doch zu verschieben. Und da man hier im freundlichen Miteinander lebt, war das natürlich kein Problem. Aber dazu später mehr. Also, Demo war angesagt in San Francisco. Laut Schätzungen sind 200.000 Menschen in die Stadt gekommen. Gut, kann nicht mit London oder andern europäischen Städten mithalten, aber es sind immerhin mehr als beim letzten mal gewesen. Und diesmal hatte ich auch meine kleine Digicam dabei, um denjenigen unter euch, die noch nie an einer Demo teilgenommen haben, mal eineHitler-Bushn kleinen Eindruck vermitteln zu können, wie sowas aussieht. Es waren wieder alle Alterklassen vertreten: vom Kleinkind bis zum Greis. Und es ging durch sämtliche Schichten: Grüne haben zusammen mit Schwulen demonstriert, Schulen waren da und auch das Napavalley war vertreten, ganz nach dem Motto: "Wein für den Frieden! Macht Bush besoffen, dann macht er vielleicht bessere Poltik!" Die Sprüche waren teilweise auch sehr kreativ. Neben den üblichen wie "Drop Bush, Not Bombs" stand auf mehreren Schildern "Buck Fush" (ist das nur ein Wortwitz oder hat der Spruch einen tiefere Bedeutung?) oder aber "Viva(!) la France" und "Danke Germany". Bei der abschliessenden Kundgebung wurden diese Dankeschöns dann brav von fast allen Sprechern wiederholt. Ein Ziel wurde also von Chirac und Schröder bereits jetzt erreicht: die Bevölkerung der USA weiß nun zumindest, dass es irgendweo auf dieser Erde zwei Länder mit selbigen Namen gibt, auch wenn ich bezweifle, dass die Mehrheit Frankreich oder Deutschland auf einer Landkarte finden würde!

Nun zum Neujahrfest der Chinesen. Großes hat man erwartet; immerhin ist Chinatown in San Francisco die größte Ansiedlung von Chinesen außerhalb Chinas! Und so haben wir uns dann auf den Weg gemacht die vorher groß angekündigte und von vielen Amerikaner gepriesene Parade zu bestaunen. Nun, stellt euch vor: Rosenmontag in Köln! Die Massen strömen an den Zugweg; die Stimmung ist toll, alles schunkelt, singt und jubelt. Zwischendrin ein Alaaf oder Aloha. Dann die Reiterstaffel der Polizei. Jetzt kann den echten Kölner nichts mehr halten und er feiert durch, sammelt Kamelle und Strüßjer und ist einfach glücklich. Okay, wenn ihr das jetzt im Kopf habt, streicht es ganz schnell wieder und macht Platz für ein neues Erlebnis. Die Parade der Chinesen hat leider so gut wie gar nichts mit Kölner Karneval am Hut. Zu Beginn Polizisten auf Motorrädern, dahinter dann sämtliche Prominez dieser Stadt (vom Bürgermeister bis zur Stadtkämmerin) kutschiert in allen Topcabrioles die man sich vorstellen kann. Eine wahre Werbeveranstaltung für die Autokonzerne (übrigens hauptsächlich Daimler-Crysler, BMW und Ford). Dann, nach ausführlicher Präsentation des Hauptsponsors, einer Fluglinie, endlich der erste Drachen (das Bild ist leider was dunkel geraten, aber man erklennt zumindest schemenhaft einen bunten Drachen)! So kann es weitergehen. Aber es kommt anders: statt chinesische Tradition aufleben zu lassen, reiht sich eine Militärkapelle bzw. Tanzgruppe an die nächste, stets darauf bedacht, im Gleichschritt zu marschieren! Dann passiert das unglaubliche: ein Loch! Obwohl wir fast ganz am Anfang des Paradewegs standen, haben es die Organisatoren nicht hinbekommen, ein Loch riesigen Ausmaßes zu verhindern und so mußten dann sämtliche nachfolgende Gruppen im Schweinsgallopp versuchen, das Loch zu schließen. Dahin der schöne Gleichschritt! Naja, irgendwann wurde es uns dann zu blöd, rennenden Chinesen zuzusehen und da es auch zwischenzeitlich angefangen hat zu regnen, haben wir es dann vorgezogen, uns eine mehr oder minder gemütliche Kneipe zu suchen und uns bei Wein und Bier zu stärken, bevor es dann auf die Privatparty ging.

Ja, das waren die wichtigesten Ereignisse des Wochenendes. Ansonsten war meine letzte Woche von Kino geprägt. Ich habe mir nicht weniger als 4 Kinofilme angesehen: "The Hours" kann ich nur jedem empfehlen! Ein toller Film mit Nicole Kidman und Meryl Streep. "Chicago" hat mich jetzt nicht so vom Hocker gerissen und es ist mir völlig unverständlich, wie dieser Film für 13 Oscars nominiert werden konnte! Dann Freitag ein Tribute to Gus van Sant: ein Doppelfeature bestehend aus "My own private Idaho" mit River Phoenix und Keanu Reeves und "To die for" mit Nicole Kidman. Letzteren fand ich bedeutend besser und unterhaltsamer, aber mit dieser Meinung stand ich etwas verlassen da.

Ansonsten war nicht mehr viel los, alles bein alten. Die Uni macht Arbeit, das Wetter macht Ärger. Aber es besteht die Aussicht auf Besserung: heute scheint schon wieder die Sonne und das Semester ist auch schon zu einem viertel vorbei! Es sind nur noch 96 Tage bis Thomas kommt!

Paßt auf euch auf!

Eure Paula

 

 

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