Pressearchiv der Partie 545
Hier sind alle Pressemitteilungen der Spieler und die Schlagzeilen der Schweizer Zeitungen zu finden.
Winter
1916
Die Militärkundschafter des Völkerbundes berichten:
Endlich kommt wieder Bewegung ins Brett. Großes Lob für dieses Finale! Spannender könnte es kaum sein - 2 gleich große Kontrahenten nahe an den Pattlininen, mit jeweils einer störenden Flotte im Hinterland, die die Sache unberechenbar macht.
Winter
1915
Die Militärkundschafter des Völkerbundes berichten:
*** England konditioniert keinen Aufbau in Liverpool trotz der feindlichen Flotte im Nordatlantik. Das könnte das Leben des Präsidenten verlängern und den englischen Sieg gefährden. Gleichzeitig scheint in Deutschland die Stalemate-Line erreicht: Nichts geht mehr um München und Berlin - wenn niemand ein Risiko eingeht. Zunächst. Denn Kopfschmerzen könnten dem KuK-Monarchen die aus Nordrussland und Armenien vordringenden Armeen bereiten. Warschau und Sevastopol sind bedroht, und somit auch wiederum die deutsche Verteidigungslinie. Gleichzeitig wackelt Moskau. - Im Thyrrenischen Meer stehen sich die Flottenverbände gleichstark gegenüber. Bringen hier die nachrückenden Schiffe aus beiden Richtungen eine Wende im Stellungskrieg des Mittelmeers? - England benötigt nur noch 2 Versorgungszentren. Ein spannendes Jahr für Europa! ***
Winter
1914
Die Militärkundschafter des Völkerbundes berichten:
*** Dies war der Herbst der Wende: England erlangte dank seiner Überlegenheit im Mittelmeer und auf russischem Boden eine zahlenmäßige Überzahl an Militäreinheiten. Eigentlich keine Überraschungen zwisxhen den Großmächten: Vorsichtiges Herantasten hier, lagsame aber sichere Vorstöße da, viel Halten und wenig Risiko - bei diesem Spiel steht England auf der sicheren Seite. Taktisch steht der King glänzend da - mit einem Schönheitsfehler: Frankreichs phänomenale Verdoppelung der Flottenkraft könnte Ärger bereiten. Österreich hätte Marseille nicht nur erobern, sondern sich auch dorthin zurückziehen können - zeigt sich Frankreich dankbar und bremst den englischen Vormarsch? Selbst wenn, wird es schwer für Österreich, denn die Fronten sowohl in Italien als auch Nordrussland und gegen die Türkei bröckeln. Hier ist eine taktische und diplomatische Meisterleistung gefragt. ***
Winter
1912
Die Militärkundschafter des Völkerbundes berichten:
***Die Stalemate-Line ist in Sicht, doch England droht im Norden durchzubrechen und hat auch im Mittelmeer mehr Flotten. Bricht die türkische Festung dem KuK-Monarchen das Genick? Oder bringt der Burgund-Vorstoß die Entscheidung? Ein spannender Stellungskampf steht uns ins Haus.***
Die Grazer Gazette im Winter 1906
Europa schwimmt in der
Bündnislosigkeit
Italiens Vormarsch gen Osten stockt. Zwar konnte man Paris einnehmen, doch fehlt
der Nachschub, da die restlichen Einheiten an den Stiefel gebunden sind. Der
Wiener Nachbar ringt ebenfalls um weitere Expansion. Die zwei Löwen
zerfleischen sich gegenseitig. Beide eint, dass sie beinahe ohne Verbündete
auszukommen haben. Doch sie wissen sich in guter Gesellschaft: "Weitgehend
bündnisfrei" attestieren Diplomaten dem kriegsgebeutelten Europa.
Deutschland ächzt unter den Angriffen von ÖU und scharmützelt sich dennoch
unbeeindruckt durch das halb-russische Skandinavien. England erfreut sich an dem
Sieg über Frankreich auf heimischem Terrain, welches seinerseits mit Müh und
Not überlebt. Beide haben kaum Ressourcen, um das ungedeckte Hiberia
einzunehmen. Und Russland steckt völlig in der Zange. Der Sultan wiederum
arbeitet zwar an der Seite Wiens, doch sein Profit aus dem Zweckbund gleicht
einem Mephistolohn: Wohin nach Russland?
So folgt auf die Frage, wie lange sich Rom und Wien einen Kampf an allen Fronten
leisten können, die ernüchternde Antwort: So lange die übrigen Großmächte
das Spielchen mitspielen.
Die Appenzell Aujourd'hui im Winter 1905
Duett führt Konzert der Diplomatie
an
Österreich-Ungarn spielt im Konzert der Großmächte nunmehr die erste Geige,
mit den besten Chancen, Europa im Alleingang zu beschallen, Verzeihung, zu
befrieden. Nach sicheren Zugewinnen und ohne ernste Gegenspieler gibt man von
der Donau aus den Ton für Mitteleuropa an. Der Zar, einst laut und stark am
russischen Kontrabass, muss sich nach ernsten Rückschlägen nun mit einem
hinteren Trompetenrang zufrieden geben und droht, aus dem Takt zu kommen. Hier
kommt es auf Osmanien, die schwer einschätzbare, oft unterschätzte Querflöte
an: Wen sucht sich der Sultan als Partner? Wenn man weiterhin mit dem geschickt
spielenden Kaiser und König in Wien harmonisiert, dürfte Russlands
Streitkräften doch bald die Puste ausgehen.
Am anderen Ende der Karte lauert Italien, gelassen und vergnügt am Piano forte
klimpernd. Während die Triangel der 3 Westmächte aufgrund ihrer konsequenten
Strategielosigkeit und Unfähigkeit, schlagfertige Gegenbündnisse zu formen,
sang- und klanglos unterzugehen droht, freuen sich die Bürger Roms bereits auf
die Wiedereinzug ihrer Landsherren. "Wenn es der Rückeroberung Tunesiens
dient, sind wir bereit, uns einen Winter lang von Mozartkugeln zu
ernähren", heißt es unter den hartgesottenen Mittelitalienern hinter
vorgehaltener Hand. Ein Triumphmarsch mit allem Bumsfiedel und Tschingderassassa
wird heimlich schon geplant. Die Spaghettivorräte halten nach inoffiziellen
Angaben sogar noch bis nächsten Herbst. Doch einige schiefe Töne dürften dem
Re in die Glieder fahren: Es mangelt ihm an Nachschub für die Westfront. Zwar
droht dort auch keine große Gefahr - vielmehr muss er zunächst in die Tasten
greifen, um sich gegen Wien zu behaupten. Doch obwohl man die Vorherrschaft
über das westliche Mittelmeer bald wiederhergestallt haben dürfte, wird es
schwer, in irgend eine Richtung zu expandieren. Kann er sich diplomatische
Vorteile verschaffen, um Wien eines Tages zu übertönen und über ganz Europa
zu dirigieren?. Hier liegt wohl die Hauptspannung der nächsten Akte. Wir
bleiben für Sie am (Opern-)Ball.
Die Novelle de Nidwalden im Sommer 1905
Schlagabtausch am Mittelmeer
Obgleich Italien die erste Angriffswelle Österreich-Ungarns schadlos
überstand, droht Ungemach: Die ionische Flotte bedroht 3 ungeschützte Häfen
gleichzeitig, während Venedig unter schwerem Beschuss steht. Rom ist besonders
gefährdet. Dafür wird Italien Tunesien rückerobern können. Da dem König und
Kaiser zunächst keine Flotten zur Unterstützung bereitstehen und in Triest
keine Docks frei stehen, dürfte Italien bald wieder die Vorherrschaft über das
Mittelmeer hergestellt haben. Erneut stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser
Auseinandersetzung.
Kleinkrieg im Westen
Ein Grund, weshalb sich großen Mächte im Süden ihre Scharmützel leisten
können, ist die Hilflosigkeit des Westens: Jeder greift jeden an, fruchtbare
Kollaboration Fehlanzeige. Deutschland und England treiben den Russen, ÖU die
Deutschen, während Frankreich den King auf seine Insel verfolgt und selber im
Süden Boden an die nachrückenden Italiener veliert. Rom und Wien müssen mit
keiner geschlossenen Verteidigungslinie rechnen. Man kann von einer gen Norden
wandernden Druclwelle sprechen, von der natürlich - dreimal darf der werte
Leser raten - wer profitiert? Die ohnehin schon größten Mächte.
Spannung im Osten
Geschickt hat sich der Sultan aus seiner bereits als hoffungslos
verschrienen Lage befreit und kann zumindest Luft holen. Doch ums Verrecken
braucht er einen Verbündeten, entweder in Wien oder in Moskau. Hier hat er Wien
mehr zu bieten, könnte man sich an der Donau doch bei entspannter Lage im
Südosten mehr dem Lieblingsfeind widmen und gar eine weitere Flotte schicken.
Doch auch Russland dürfte für Vorschläge aus Ankara offen sein, steht der Zar
doch von allen Seiten unter Druck. Außerdem hätten die beiden in Italien einen
weiteren sicheren Partner. Experten sehen schon die Dämmerung eines großen
Ostbündnisses, das wie Phoenix aus der Asche über Europa aufzusteigen vermöge
- doch noch ist nicht aller Jahre Winter. Wir berichten weiter.
Schlagzeilen des Journal de Jura im Sommer 1904
Jahr der Entscheidung
Die Beobachter sind sich einig: In den nächsten ein bis anderthalb Jahren wird
sich zeigen, welche Großmächte diesen Titel zurecht führen, und welche als
Fussnote in die Geschichte eingehen. Keine Probleme, die nächsten Jahre zu
überstehen, dürfte es für Russland, Österreich-Ungarn, Italien und England
geben. Die anderen 3 werden darum schon kämpfen müssen, wobei der Sultan noch
die besten Karten hat.
Unklar bleibt, wie der Einzug Wiener Schiffe in die Ionische See nebst der
Verstärkung der Grenzen zu Italien zu bewerten sind, während Rom seinen
venedischen Mannen (und Frauen?) keine Befehle gab. Ein Krieg zwischen beiden
Mächten vermag unter Umständen das Gesicht Europas zu verändern - zumindest
aber wohl die Gesichter seiner Herrscher: Die Züge des Präsidenten und des
deutschen Kaisers mögen sich bei solch einer Meldung Hoffnung entspannen, die
des Kings und des Zaren verblüfft bis vergnügt dreinschauen - für die
mutmaßlichen Kontrahenten gäbe es indes nicht viel zu holen bei einem
langjährigen See- und Küstenkrieg. "Nie und nimmer nicht, auf keinen
Fall, na so ein Schmarrn", eilte sich Wien denn auch zu dementieren. Das
Gerücht hält sich jedoch hartnäckig.
Das ist allerdings auch schon alles. Statt noch mehr Gerüchte zu verbreiten,
ergeht sich das Journal in gespanntem Schweigen ob der zu erwartenden
entscheidungsschwangeren Geschehnisse im Herbste.
Schlagzeilen des St. Gallener Sonntagsspiegels aus dem Winter 1903
Bündnisse: Am Scheideweg von Sieg
und Untergang
Die unabhängigen Beobachter des Völkerbundes sind sich einig: Wenn kein Wunder
geschieht, wird die Herrschaft über Europa unter 4 Großmächten aufgeteilt. Für
die nächsten Jahre erwarten die Experten, dass sich die Überlegenheit von
Russland, Österreich-Ungarn, Italien und England noch deutlicher herausbildet.
Die Ereignisse des vergangenen Herbstes lassen darauf schließen, dass der
Sultan, der Präsident und der Deutsche Kaiser mehr als diplomatisches Geschick
benötigen, um zu verhindern, dass ihre Herrschaft als Fußnote in den
Geschichtsbüchern endet. Zwar lassen historische Erfahrungen daran zweifeln,
dass es zwischen den Supermächten lange ohne Zwist zugeht. Auch eine
Widerauferstehung eines vermeintlich dem Untergang geweihten Herrschers gelänge
nicht zum ersten Mal. Doch die letzten Jahre haben auf diesem Gebiet wenig Überraschungen
geboten. Wahrscheinlicher ist das baldige Ende von mindestens 2 ehemaligen Großmächten.
Italiens Strategie: Stoff für die
Gerüchteküche
Während Österreich-Ungarn auf dem Weg nach München und im Osten mit der
Eroberung des Osmanischen Reiches beschäftigt ist, fragt sich, was Italien mit
seinen neugebauten Einheiten anfängt. Armeen in Piedmont, Venedig und Rom
warten auf ihren Einsatz, und die Triester Ostflanke bietet sich ja geradezu an.
Auch könnte der Re damit Deutschland unterstützen und den Vormarsch seiner
Konkurrenten verlangsamen. Diese drohen Italien nämlich an den Rand zu drängen,
sollte Deutschland einmal verschwunden sein. Mit Deutschland als einzigem Verbündeten
täte sich Italien schwer, eine größere Allianz mit den bedrängten Herrschern
in Frankreich und der Türkei wäre eine Möglichkeit. Offenbar ist, dass sich
Italien etwas einfallen lassen muss.
Schon werden Stimmen lauter, die Chancen für die kleinen Länder sehen, gegen
die ein oder andere Großmacht zu intrigieren.
Schlagzeilen des Appenzeller Ankündigers im Herbst 1902:
Le President in der Zange
Im Westen gerät Frankreich immer mehr unter Druck. Lange wird der Präsident
gegen das Bündnis aus England, Deutschland und Italien nicht bestehen können.
Expansion ist vorerst auch nicht zu erwarten - in Konkurrenz zur Vorherrschaft
Italiens im westlichen Mittelmeer könnte allenfalls der King treten. Dieser hat
allerdings mit der Besetzung des Kanals und der Verlegung von Truppen an die
britische Südküste die Priorität eines Frankreich-Feldzuges erkennen lassen.
Waghalsig oder Kühn? - Zar opfert
Warschau
Russland lässt den Westen gänzlich unbewacht - und wird prompt bestraft.
Warschau dürfte an den deutschen Kaiser verloren sein. Dafür hat der Zar
mittlerweile zwei Armeen und einen Flottenverband gen Skandinavien gezogen - und
sich mit einem tollkühnen Mannöver Norwegen gesichert. Die Frage lautet, ob er
es langfristig mit England und Deutschland wird aufnehmen können. Auch die
österreich-ungarische Armee in Galizien gibt zu denken. Meldungen von der
Aufkündigung des Zweibundes zwischen dem Zar und dem König und Kaiser wurden
jedoch in Wien umgehend dementiert.
Im Süden schreitet die Moskau-Wiener Kooperation unterdessen voran. Der Sultan
schickte seine Generäle zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in den Urlaub -
und verlor Bulgarien.
Fazit
Deutschland, Italien und Österreich-Ungarn stehen momentan am besten da. Alle
anderen stehen an mindestens einer Front unter Druck. Besonders spannend
versprechen der Kampf um Skandinavien und die Entwicklung am Balkan zu werden.
Die Korrespondenten des Berner Boten berichten zu Weihnachten 1901:
London: Lange Gesichter haben die Männer in den teuren
Mäntel, die in der Staatskanzlei für Expansion am Hofe King Edwards ein- und
ausgehen. Man mag sich kaum auszumalen, wie düster die Stimmung in den hohen
Sälen der altehrwürdigen Räumen ist: England ist auf dem besten Wege, seinen
Status als Großmacht zu verlieren. Die Generäle schmieden eifrig an
Flottenmanövern und Festlandinvasionen, doch herausgekommen ist dabei bisher
noch nichts. Es muss wohl ein Bündnispartner her, eine knifflige Aufgabe für
den jungen König.
Moskau: In Skandinavien kommt man nicht voran, aber der Zar hat ja im
Kaiser und König in Wien einen starken Freund gewonnen. Und dessen öffentliche
Anti-Osmanien-Propaganda dürfte in Moskau auf fruchtbaren Boden fallan.
Wien: Die Kriegserklärung an die Adresse des Sultans übertönt alle
anderweitigen Felder der Außenpolitik, die Ausrichtung ist klar: Mit Russland
gen Südosten. Spielt der Zar mit? Und lässt sich Italien von der
Flottenproduktion in Reichweite von Venedigs schönen Hafenanlagen zu einem
Alpenmarsch provozieren?
Ankara: Die Diplomaten arbeiten Tag und Nacht an einem Weg aus der Zwickmühle.
Die verstärkte Subventionierung von Russischkursen seitens der Osmanischen
Führung untermauert die Gerüchte, man suche den rettenden Bündnispartner in
Moskau.
Paris: Franzosen sind keine Pazifisten - doch für Spanien und Portugal
machen sie eine Ausnahme. Die Annektion des ohnehin schon französischsprachigen
Belgiens sowie der Streit mit Deutschland um Burgund lassen befürchten, dass
Frankreich Hiberia an Italien verliert. Die Menschen in Paris sind in Hoffnung
und Stolz ungebrochen, die freie Presse jedoch zeichnet ein anderes Bild: Der
Diplomatische Korps des Präsidenten muss sich ins Zeug legen, um im Wettbewerb
um die Vormachtstellung im Westen nicht unterzugehen, denn im Gegensatz zum
ebenfalls schwachen England muss Frankreich mit einer leichter verwundbaren
Geopositionierung umgehen, wie aus Fachkreisen verlautet.
Berlin: Mit der Besetzungen Hollands und Dänemarks wurde das
Pflichtprogramm bravourös absolviert; der Kaiser hat seine Hausaufgaben
gemacht. In der deutschen Presse mehren sich jedoch Bedenken, dass er sich
übernommen hat mit der Blockade des russischen Vormarsches, einer
antifranzösischen Ausrichtung und dem Mangel an Kooperation mit England. Wir
sind gespannt, ob Deutschland seine Vormachtstellung im Westn wird halten
können.
Rom: Auf leisen Sohlen kommt sie daher, die italienische Expansion,
jedoch: Spätkolonialistische Okkupationen in Afrika setzen Ressourcen frei, die
sich in einem fulminanten Hiberiafeldzug auszahlen könnten. Aus dem Norden
scheint keine Gefahr zu drohen, und auch in Wien hat man sich auf eine Linie
festgelegt, die den Italienern nur recht sein kann. Auf den altehrwürdigen
Straßen der antiken Hauptstadt ist von einem Aufleben römischen
Großmachtgebarens noch nichts zu spüren, doch es brodelt in den Küchen der
hiesigen Generäle - der Re weiß, was er will.
Die Zürcher Zeitung im Sommer 1901
Frankreich in der Defensive:
Nullrunde?
Der Auftakt der militärischen Auseinandersetzungen birgt Zündstoff für
die Verhandlungstische: Deutschland wird sich für den Versuch, Burgund zu
okkupieren, rechtfertigen müssen. Frankreich hat aber nicht nur den Vormarsch
der Münchener Armee zurückgestoßen, sondern durch gesammelte Kräfte Burgund
besetzt, muss sich also selbst Angriffspläne vorwerfen lassen. Italiens
Besetzung Piedmonts wird in diplomatischen Kreisen als Indiz für eine
Bündnisabsprache zwischen Rom und Berlin gewertet. Gleichzeitig käpften
französische und englische Kriegsschiffe ergebnislos um die Kontrolle über den
Kanal. Frankreich, von allen Seiten unter Druck, droht nun eine Nullrunde im
Expansionsprojekt. Ein anonymer Beobachter des Völkerbundes ließ sich wie
folgt zitieren: "Ein Schaf umzingelt von 3 Wölfen - die Wölfe müssen
erkennen, dass ihnen das keine große Beute beschert. Eine solche
Bündnisstruktur dürfte nicht lange Bestand haben."
Sultan überrascht
Dass es zu Bewegungen im Schwarzen Meer kommen würde, überrascht nicht. Eher
schon, dass der Sultan die strategisch wichtigen Gewässer zugunsten einer
unkonventionellen Strategie aufgibt. Er setzt auf Armenien und eine Flotte in
Constantinopel, der Optionen in alle Richtungen offenstehen. Russland würde mit
einem vollen Angriff auf Rumänien den Verlust Sevastopols riskieren, während
die Türkei um ihre Hauptstadt fürchten muss. Österreich dürfte dem Spiel der
Ostmächte gelassen zuschauen, während es einer Expansion um 2 wichtige Gebiete
entgegensieht.
Schlagzeilen der "La Suisse au Samedi" zu Neujahr 1901
Die Völker Europas fürchten um ihre Freiheit
Die Regenten der selbsterklärten Großmächte Deutschland, England, Frankreich,
Italien, Österreich-Ungarn, Russland und Osmanisches Reich gaben die
Zusammenarbeit mit dem Völkerbund auf und riefen ihren Anspruch auf die
Alleinherrschaft über Europa aus. Sie alle scheinen willens, ihren Anspruch gegen
jedweden Widerstand durchzusetzen - nötigenfalls mit der Macht ihrer
Streitkräfte. Unsere Korrespondenten in den Hauptstädten stimmen überein im
Tenor der düsteren Vorahnungen: Europa steht kurz vor dem Kollaps. Eine
friedliche Lösung ist nicht zu erwarten. Die Frage lautet: Wie schnell findet
der Konflikt einen Sieger, Europa einen Herrscher? Wir berichten weiter für
Sie...