Wodan/Odin
Bei den Westgermanen Wodan, Wotan und Wuotan; oberster Gott der Asen; Herrscher der nordischen Göttergemeinschaft; Sohn von Bor und Bestla; Bruder von Vili und Ve; Gatte der Göttin Frigg. Beider Sohn war Balder. Der Beiname Allvater charakterisiert ihn als Herrn der Welt. Sein Wesen prägte sich in vielerlei Gestalt aus und seine Kompetenzen und Fähigkeiten entsprachen seinem hohen Rang. Bei den Westgermanen war er vor allem der Wütende, wie sein Name besagt, der Sturmgott der an der Spitze des wilden Heeres der Seelen durch die Lüfte jagt. Odins “Wut” war im Sinne von Extase zu verstehen. Er war außer sich, ein Gott des Rausches bis zur Selbstvergessenheit und Selbstaufgabe, wie sie sich in der kriegerischen Gefolgschaft der Berserker äußerte. Doch durchstreifte er auch als friedlicher, einäugiger Wanderer die Erde und besuchte unerkannt die Menschen, den großen Schlapphut tief ins Gesicht gezogen. Seine Attribute waren der zielsichere durch die Luft fliegende von Zwergen gefertigte Speer Gungnir, der Reichtum vermehrende Ring Draupnir, sowie das von Loki gezeugte achtbeinige Pferd Sleipnir, das schnellste der Welt. Auf seinen Schultern saßen die Raben Hugin und Munin, die ihm alle auf ihren Flügen erkundeten Geheimnisse zuflüsterten. Zu seinen Füßen lagen die beiden Wölfe Freki und Geri. Odin war Herr der Schlachten, der auf Darstellungen als gepanzerter und bewaffneter Krieger erschien, und Totengott. Mit seinem Speer kennzeichnete er diejenigen, die zum Tode auf dem Schlachtfeld bestimmt waren und ließ sie von den Wallküren nach Walhall tragen, wo sie wieder zum Leben erweckt wurden. Daher der Beiname “Walvater”. Gott der Dichtkunst und der Dichter. Daher war ihm die Runenmagie eigen und die Kunst der Zauberei durch Worte, die ihm den Gestaltwandel und die Überwindung weiter Räume von einem Moment zum anderen ermöglichte. Diese Fülle von Gaben vereinte das Hehre mit dem Listigen und Überheblichen, was Odin dem bäuerlichen Thor hervorkehrte, das Gewalttätige und Besessene mit höchster weisheit. Odin erschuf mit seinen Brüdern Vili und Ve, in andere Zusammenstellung mit Hörnir und Lodur, das erste Menschenpaar und ordnete die Welt in ihre Reiche. Aber auch er war nicht unsterblich und unterlag dem Schicksal. Am tag der Götterdämmerung wurde er von Wolf Fenrir verschlungen. Und es war ihm nicht beschieden in eine neue Welt zu kommen.