Eumeniden
(griechisch:
die Wohlwollenden, Gnädiggesinnten),
in der griechischen Mythologie alte Geister oder Göttinnen der Erde, die mit der
Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wurden, aber auch bestimmte moralische und
soziale Funktionen wahrnahmen. Die Eumeniden wurden in Athen, in Kolonos und in
Ländern außerhalb Attikas verehrt. Obwohl man ihrem Namen verschiedentlich die
Bedeutungen „die Freundlichen", „die Ehrwürdigen" und „die Gnädigen" gab, wurden
die Göttinnen gewöhnlich als gorgonengleiche Kreaturen mit Schlangenhaaren und
Augen, aus denen Blut tropfte, dargestellt. Ihr Erscheinungsbild erklärt sich
aus ihrer späteren Identifizierung mit den Erinnyen, den drei Rachegöttinnen aus
der Unterwelt. In seinem Stück Die Eumeniden erzählt der athenische Dramatiker
Aischylos die gnadenlose Verfolgung Orestes' durch die Erinnyen, nachdem dieser
seine Mutter Klytämnestra getötet hatte, um den Tod seines Vaters, des Königs
Agamemnon, zu rächen. Die Erinnyen jagten Orestes den ganzen Weg bis nach Athen.
Dort wandte dieser sich an die Göttin Athena, die den Vorsitz über seinen Prozeß
vor dem Areopag führte und die entscheidende Stimme abgab, die zu seinem
Freispruch führte. Nach seinem Prozeß übernahmen die Erinnyen eine neue Aufgabe
als Schützerinnen der Gerechtigkeit und wurden seitdem Eumeniden genannt.