Erasmus von Rotterdam (1469 bis 1536 nach Christus)


 

Kirchenkritiker und bedeutender Vertreter des europäischen Humanismus.

Der niederländische Theologe, am 27. Oktober 1469 in Rotterdam geboren, ließ sich 1492 zum Priester weihen und studierte 1495-99 in Paris, dann in England und Italien, wo er 1506 zum Doktor der Theologie promovierte. Bereits 1500 verfaßte er die Sprichwörtersammlung "Adagia" und 1511 die berühmte Satire "Encomion Moriae" (Lob der Torheit), eine ironische Lobrede auf die Engstirnigkeit der Scholastik und die kirchlichen Mißstände.

Durch seine Kritik an der Kirche und der scholastischen Theologie war der Humanist ein Wegbereiter der Reformation, blieb aber stets auf Distanz und sah sich in einer überlegenen, vermittelnden Position. Erasmus wollte das Christentum und die Antike in einer Synthese vereinen, indem er das "reine Evangelium" im Sinne eines theologischen Rationalismus zu erfassen suchte. Zum Bruch mit Luther kam es durch sein Festhalten an der menschlichen Willensfreiheit.

Seine Streitschrift "Vom freien Willen" (1524) beendete dann die Verbindung von Humanismus und Reformation. Mit der 1516 in Basel erschienenen ersten Druckausgabe des Neuen Testamentes in griechischer Sprache, die Luthers Bibelübersetzung zugrunde liegt, hat Erasmus die Reformatoren jedoch nachhaltig beeinflußt.

Er starb am 12. Juli 1536 in Basel, seinem Wohn- und Zufluchtsort im Alter.

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