Elias Canetti (* 25.07.1905 † 14.08.1994)
Elias Canetti wurde am 25. Juli 1905 als Sohn des Kaufmanns Jacques Canetti und dessen Frau Mathilde in Rustschuk geboren. 1911 zieht die Familie nach Manchester, doch schon ein Jahr später, nach dem Tod des Vaters, siedelt die Familie nach Wien um. Aufgrund des Kriegspatriotismus der Österreicher verlässt die Familie 1916 dann Wien und zieht in die Schweiz bis sie 1921 nach Deutschland ziehen. Nach dem Abitur studiert Canetti ab 1924 Chemie an der Universität Wien.
Seit 1925 beschäftigt Canetti sich mit dem sozial-psychologischen Phänomen der "Masse", dessen Erforschung er sein Leben widmet. Während der Semesterferien 1928 arbeitet Canetti in Berlin bei Wieland Herzfelde als Übersetzer in dessen Malik-Verlag. Diese Tätigkeit nimmt er nach seiner Promotion ein Jahr später wieder auf. 1930 beginnt Canetti mit der Konzeption eines achtbändigen Roman-Zyklus "Comédie Humaine an Irren". Im Zusammenhang mit diesem Zyklus beendet Canetti 1931 den Roman "Die Blendung", in dem er den Konflikt zwischen Geist und Wirklichkeit als "Groteske" beschreibt. Er verfaßt sein erstes Drama "Hochzeit".
1934 heiratet Canetti Veza Taubner-Calderon. Nach dem "Anschluss" Österreichs und dem pompösen Einzug Adolf Hitlers in Wien 1938 verlässt Canetti die Stadt und emigriert über Paris nach London. 1949 wird Canetti in Frankreich mit dem "Prix International" ausgezeichnet und sein Roman "Die Blendung" ist inzwischen in fast allen europäischen Ländern veröffentlicht. Das Drama "Die Befristeten" entsteht 1952. Nach einer Reise nach Marrakesch 1954, auf der er als Begleiter eines Filmteams mitreiste, schreibt Canetti "Die Stimmen von Marrakesch - Aufzeichnungen einer Reise".
1956 wird das Drama "Die Befristeten" im Playhouse Oxford uraufgeführt. 1960 erscheint sein theoretisches Hauptwerk "Masse und Macht", an dem Canetti fast 20 Jahre gearbeitet hat. In ihm liefert er eine Analyse der Beziehung von Mensch und Gesellschaft mit Hilfe eines ethnographisch-psychologischen Ansatzes.
1963 stirbt seine Ehefrau Veza. Die Uraufführung seines ersten Dramas "Hochzeit" am Staatstheater Braunschweig 1965 gerät wegen der darin enthaltenen unkonventionellen Gedanken zur Ehe zum Theaterskandal und 1969 erscheint der Essay "Der andere Prozess - Kafkas Briefe an Felice". Canetti heiratet 1971 Hera Buscher, aus dieser Ehe geht ein Kind hervor. 1972 wird Canetti der Büchner-Preis verliehen. 1974 wird "Der Ohrenzeuge" veröffentlicht und ein Jahr später werden die gesammelten Essays unter dem Titel "Das Gewissen der Worte" herausgegeben. 1977 erscheint der erste Band seiner Autobiographie, "Die gerettete Zunge - Geschichte einer Jugend" dem 1980 der zweite Band, "Die Fackel im Ohr", folgt.
1979 wird Canetti der Orden "Pour le Mérite" verliehen, 1981 erhält er den Nobelpreis für Literatur und 1983 wird ihm das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Am 14. August 1994 stirbt Elias Canetti in Zürich.