Einen
Eindruck vom Umfang des griechischen Theaterbetriebs vermitteln vielleicht
folgende Zahlen: Zwischen 500 und 400 v. Chr. dürften ca. 1500 Dramen
uraufgeführt worden sein, ein Fünftel davon wird den drei großen Tragikern,
Aischylos, Sophokles und Euripides, zugeschrieben. Jedes Jahr wurden dem
attischen Publikum 16 neue Stücke vorgeführt. Das ist aus der Situation des
Wettkampfs zu verstehen, der untrennbar mit den Dionysien und den Lenaien
verbunden ist.
Jedes Jahr gegen Ende März wurde in Athen das Fest der Dionysien gefeiert. Dabei gab es neben Prozessionen und Opferhandlungen einen dramatischen Wettbewerb (=Agon). Drei Tragödiendichter wurden vorher von einer Jury ausgewählt und konnten dann jeweils drei Tragödien und ein Satyrspiel (=Parodie auf die Tragödie) an einem Tag und unmittelbar hintereinander in einem großen Freilufttheater aufführen. Weiters wurden am vierten Tag fünf, später drei, Komödien aufgeführt. Finanziert wurde das Festival von reichen Bürgern, die vom Staat das Amt des Choregen (=Leiter und Sponsor der Theaterproduktion) übertragen bekamen, ein Amt, das sie praktisch nicht ablehnen konnten.
Eine weitere Gelegenheit zur Aufführung von Dramen gab es bei den im Jänner stattfindenden Lenaien, einem weiteren Fest zu Ehren des Dionysos. Außerhalb Athens setzte der Theaterbetrieb erst zur Zeit Alexanders des Großen im vollen Umfang ein.