Gottfried von Straßburg

 

Gottfried von Straßburg: Dieser Name steht für einen Mann, der einen berühmten Liebesroman verfasste, über dessen Leben man heute aber kaum etwas genaues weiß.

 

Man nimmt an, dass er zwischen 1170 und 1215 gelebt hat. Ihm wird das höfische Versepos "Tristan und Isold" <tristan.htm> zugeschrieben, das etwa um 1210 entstand. In der Manessischen Handschrift findet man noch drei weitere Werke unter seinem Namen (ein lehrhaftes Gedicht über Armut, ein Minnelied sowie ein Marienlied), jedoch werden ihm diese von Literaturhistorikern abgesprochen.

 

So hinterlässt Gottfried uns nur das berühmte Epos "Tristan und Isold". Eigentlich trug es damals noch keinen Titel, weil dies damals nicht üblich war, er wurde später ergänzt. Gottfried von Straßburg ist aber nicht der Urheber dieses Werkes, denn er übersetzte nur eine bereits vorhandene Quelle und weitete sie aus. Vermutlich nahm er die bekannte Fassung eines Mannes namens Thomas d’Angleterre (auch Thomas von Britanje <britanje.htm>). Dieser war ein französischer Dichtersänger und fertigte diese Geschichte, die auf der Tristan-Sage der französischen èTrouvres <trouve.htm> basiert, in französischer Sprache an. Gottfried machte sich daran, diese Vorlage in alemannischer Sprache widerzugeben. Er tat dies in einer Form, von der viele sagen, sie sei formvollendet. Deshalb gilt er als ein bedeutender Dichter des Mittelalters.

 

Allerdings schaffte Gottfried es nicht, dieses Epos zu vollenden. Unter Berufung auf die Fortsetzung des Ulrich von Türheim, die etwa 20 bis 25 Jahre später entstand, wird angenommen, dass Gottfried starb, bevor er das Werk zu Ende bringen konnte. Neben Ulrich von Türheim setzte noch ein weiterer Dichter das Werk fort, Heinrich von Freiberg. Dort findet sich jedoch nicht der Hinweis auf das Ableben Gottfrieds. Das liegt wohl daran, dass diese Fortsetzung erst um 1290 entstand.

 

Viele Literaturhistoriker nahmen das Epos, um dort nach weiteren Hinweisen über den Autor und sein Leben zu finden. Ich werde nur die aufgreifen, die mir selbst ersichtlich wurden.

 

Sicherlich wird Gottfried eine Schule besucht haben, denn dort lernte er lesen und schreiben, die Grundlage für einen Dichter, der ein solches Werk vollbringt. Sicher ist auch, dass er dort die lateinische Sprache gelernt haben wird, denn dies war die Sprache der Gelehrten. Doch er muss auch der französischen Sprache mächtig gewesen sein, weil er ohne sie nicht eine französische Vorlage hätte verwenden können.

Seine Bildung weist darauf hin, dass er in guten Verhältnissen lebte, denn seinerzeit konnte es sich nicht jeder leisten, seine Kinder in die Schule zu schicken. Eventuell verkehrte er später auch am Hofe, wo er viel von dem dortigen Leben erfuhr und dies in das Epos mit einbrachte. Auf jeden Fall zeigt uns dieser Text, wie die Menschen damals lebten und welche Werte in dieser Zeit vorherrschten.

 

Gänzlich unbekannt ist dagegen, welchen Beruf er ausübte. Fest steht nur, dass er neben seiner Arbeit noch viel freie Zeit gehabt haben muss, um dichten zu können. Über sein Leben erfährt man nur, dass er sich schon im Alter von elf Jahren verliebt haben muss, denn er beschreibt in seinem Text die Höhle, in die Tristan und Isolde ziehen. In diese kommt man nur hinein, wenn die Türe mit Liebe geöffnet wird. Er erwähnt aber auch, dass er nie in Cornwall war, wo sich diese Höhle befindet. Dies erscheint äußerst rätselhaft, was aber zu diesem Mann passt, stellt er doch schließlich selbst ein Rätsel für die nachfolgenden Generationen dar.

 

 

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