Die Götterdämmerung
Die Götter hatten kein ewiges Leben, denn auch ihnen stand der Untergang bevor; in der Götterdämmerung, in der die ganze jetzige Welt nebst den Göttern untergeht. Da werden Riesen, die von den guten Göttern überwunden und gefesselt worden waren, ebenso Loki, von ihren Fesseln befreit und erheben sich zu ihrem letzten Kampf gegen die Götter. Keiner der Kontrahenten überlebt die Schlacht, die Welt geht in Flammen auf. Aber nach diesem Weltenbrand erhebt sich aus dem Meer eine neue, schönere Erde, ein neues, goldenes Zeitalter bricht an. Dann kommt der "starke von oben", der unbekannte oberste Gott, der allen Streit schlichtet und heilige Gebote gibt, die ewig gelten.
Dies ist eine sehr christliche Auffassung der Welterneuerung, darauf zugeschnitten, dem Volk nicht den ursprünglichen Sinn des Weltunterganges, ähnlich der christlichen Apocalypse nahezubringen, sondern schlicht und einfach die Existenz der alten Götter zu beenden und den neuen, christlichen Gott als Retter der Welt und einzigen Herrn anzubetenden.
Die nordische Variante der Götterdämmerung hieß Ragnarok. Da Balder tot war und Loki gefesselt, wußte Odin, daß die Zeit von Ragnarok nicht mehr fern sein konnte. Das Licht und die Wahrheit waren zerstört. Obwohl das Böse eingesperrt war, wußte er, daß dieses wacklige Gleichgewicht nicht lange erhalten bleiben konnte. Er konnte fühlen, wie sich die Ballance der Erde verlagerte. Er wußte, das Ende war nahe. Zu lange hatten die Asen Loki in ihrer Mitte geduldet, zu oft hatten sie auf seine Ratschläge gehört, welche nur Schlechtes bewirkten. Jetzt, da Loki nach Midgart verbannt war, war Odin sicher, daß Lokis Bosheit langsam in die Herzen und Gedanken der Menschen sinken würde. Nach Balders Tod gab es nichts mehr, das die Verbreitung des Bösen aufhalten konnte.Odin sah, wie sich die Menschen bekämpften, Familien sich gegenseitig ausrotteten, Inzucht trieben und ihrem Haß und Ärger freien Lauf ließen.Während dieser Zeit vergaß die Menschheit die Zivilisation, die sie erschaffen hatte und kehrte in frühere Zeiten zurück. Dann kam die Zeit von Fimbulvetr. Für drei Jahre wurde die Erde von einem unendlichen Winter heimgesucht, Die Kälte war unerträglich, fast alle Kreaturen der Welt verhungerten und erfrohren. Als der Winter schließlich endete, war alle Liebe und Freundschaft verschwunden, Nur die mit den schwärzesten und ungezähmtesten Herzen waren übriggeblieben. Dann kam das Zeitalter des Wolfes, die Wölfe Skoll und Hati, die jeden Tag die Sonne und den Mond jagten, waren gestärkt durch die Menschenopfer der vergangenen Schlachten. Sie wurden so groß und schnell, daß sie die Wagen mitsamt ihrer Lenker der Gestirne, die sie vorher gejagt hatten einholten und auffraßen, die Sonne, der Mond und die Sterne hörten auf zu scheinen und die Welt wurde in Finsternis gehüllt. Diese magische Finsternis löste alle Fesseln der Gefangenen und Loki und die Riesen waren befreit und rüsteten sich zum Kampf gegen die Götter. Heimdall bließ sein Horn und erweckte damit nicht nur die Asen und Vanen, sondern auch die Seelen der Verstorbenen, welche ich Wallhall weilten. Loki, die Riesen und alles Schlechte der Welt brach über die Götter und die Seelen ein. Alle Mächte waren versammelt, die Schlacht begann und dauerte lange, am Ende war alles zerstört, alle waren tot, bis auf Surtr, der Flammenriese, das erste lebende Wesen auf der Welt, mit seinem Flammenschwert schleuderte er das Feuer von Muspellsheim in alle Winkel der Erde und vollendete die Zerstörung, der auch er nicht entging. Sol, die kurz vor dem Tod ihrer Mutter Skoll geboren wurde, machte die Wiedergeburt der Welt möglich, sie nahm einen neuen Streitwagen und ließ die Sonne wieder über den Himmel reisen. Diese neue Sonne erschuf reichlich neues Leben und zwei Menschen, die Ragnarok verborgen überlebt hatten, stiegen aus ihren Versteck hervor, die Frau hieß Lif und der Mann Lifthrasir, sie bauten die Welt wieder auf, nach und nach kamen mehr Überlebende der Schlacht zum Vorschein, Vidar der stille Gott und Wali, der Rächer Balders, sie trafen auf Magni und Modi, die Söhne Thors und bauten einen neuen Himmel, auch Vili, der Bruder von Odin hatte überlebt, Balder und Hod wurden wiedergeboren. Diese sieben Götter bauten wieder auf, was Asgard gewesen war, den schönsten Ort nannten sie Gimli. Von hier aus herrschten Sie als neue Götter über die neue Welt, aus der alles Schlechte getilgt war.