Der Grüne Heinrich

Heinrich, der wegen seines grünen Rocks der »Grüne« genannt wird, wächst nach dem frühen Tod des Vaters bei seiner bescheidenen, aufopferungsvollen Mutter in einfachen Verhältnissen auf. Seine Kindheit ist geprägt von naiver, fantasievoller Religiosität; er hat »ganz innerliche Anschauungen« der Dinge, doch kommt er damit auch in Konflikt mit der Realität. Ein brutaler Lehrer versteht seine Naivität als Provokation; ein geschäftstüchtiger Mitschüler nützt seine Unerfahrenheit und sein kindliches Geltungsbedürfnis aus, wobei seine Unfähigkeit zum Umgang mit Geld zum ersten Mal hervortritt. Als er sich, fasziniert vom gemeinschaftlichen Aufmarsch, an die Spitze eines gegen einen Lehrer gerichteten Demonstrationszugs setzt, wird er zu Unrecht als Rädelsführer betrachtet und für immer von der Schule ausgeschlossen.

Heinrich zieht zu Verwandten in ein Dorf und beschließt, sich der Malerei zu widmen. Der künstlerische Werdegang wird zum mühsamen Prozeß der Wirklichkeitsaneignung. Während seines Landaufenthalts erfährt er die Liebe in zwei gegensätzlichen Formen: Mit der stillen, kindlichen Anna fühlt er sich, bei großer Schüchternheit und Befangenheit, innig verbunden; für die ältere, sinnliche Judith entwickelt er leidenschaftliche erotische Gefühle.

Nach seiner Rückkehr in die Stadt geht er bei dem Kunstmaler Habersaat in die Lehre, der eine regelrechte Bilder-Fabrik betreibt. Erst als er durch Zufall dem Maler Römer begegnet, wird ihm klar, daß er sich bisher völlig falsche Begriffe vom Wesen der Kunst angeeignet hatte, und er beginnt jetzt, die Grundlagen der Malerei zu erlernen. Doch Römer erweist sich als psychisch krank, und es kommt zum Bruch.

Nach dem plötzlichen Tod Annas und nachdem er einen kurzen Militärdienst abgeleistet hat, verläßt Heinrich die Schweiz, um in Deutschland Maler zu werden. In einer süddeutschen Stadt lernt er die Maler Erikson und Lys kennen, die drei werden »die besten Freunde von der Welt«. Als Ferdinand Lys sich gegenüber einem Mädchen, das ihn aufrichtig liebt, unerklärlich grausam verhält, fordert ihn Heinrich zum Duell und fügt dabei dem Freund eine Wunde zu, an der dieser einige Zeit später sterben wird. Der Freundeskreis zerbricht, und nach einer tiefen künstlerischen Krise beginnt Heinrich, an der Universität Vorlesungen zu hören, die seinen geistigen Horizont entscheidend erweitern.

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