Die monarchische Restauration in Europa (1851 - 1860)


  • Europa: Ringen zwischen alten und neuen Mächten. Die alten Gewalten erlangen noch einmal die Oberhand: es herrscht zunächst der Geist der monarchischen Restauration. Gegen Ende des Jahrzehnts dringen die liberalen und nationalen Ideale wieder durch.
  • Deutschland
 
  • Souveräne der Länder sind gegen die Einheit Deutschlands (Furcht vor Machtverlust).
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  • 1850 Nach dem Scheitern des Versuchs der Paulskirche, ein Deutsches Reich zu gründen, versucht Friedrich Wilhelm IV. eine kleindeutsche Lösung durch Verhandlung mit den Fürsten. Als Österreich nicht einverstanden ist, gründet er eine  "Preußische Union" mit eigener Verfassung; es kommt zu zwei Bundesregierungen, die eine unter preußischer, die andere unter österreichischer Führung.
     
  • Konflikt Preußens mit Österreich: Österreich will eine Bundesexekution gegen die mit ihrem Landesherrn um die Verfassung kämpfenden Kurhessen durchführen, Preußen bestreitet ihm das Recht dazu, weil es den Deutschen Bund nicht anerkennt.
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  • Russland stellt sich auf die Seite Österreichs. Preußen ist gezwungen, mit Österreich den Vertrag von Olmütz zu schließen (November 1850): es gibt die Union auf und willigt in die Wiederherstellung des alten, unter österreichischem Vorsitz stehenden Deutschen Bundes ein.
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  • Restauration in den 36 Einzelstaaten und auf Reichsebene
     
  • Im Preußen wird jede freie politische Regung unterdrückt; die Verfassungsreform vom 30. Mai 1848 ersetzt das gleiche Wahlrecht durch das Dreiklassenwahlrecht.
Nach der Höhe der Steuern wurden die Wähler in drei Klassen eingeteilt, die jeweils ein Drittel der Abgeordneten bestimmten. Schon bei der Wahl im Juli 1848 bestimmten so 17,3 Prozent der Wahlberechtigten als Angehörige der ersten beiden Klassen zwei Drittel des preußischen Landtags - die begüterte Minderheit hatte das Parlament fest im Griff.
  • Die Industrialisierung macht große Fortschritte. Hochkonjunktur von 1850 - 1860. Die Zahl der Eisenbahnen und Dampfschiffe, der Fabriken und der Banken vermehrt sich stark. Ausbreitung der Telegraphie. Im Vergleich zu Österreich war Preußen wirtschaftlich stärker (wirtschaftlich gesehen gab es durch den Zollverein bereits eine kleindeutsche Lösung).
     
  • Österreich
 
  • Die Verfassung wird wieder aufgehoben. Absolutistische und zentralistische Regierungsweise.
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  • Vielvölkerstaat - von Forderungen nach Freiheit der Völker bedroht. Ziel des Kaisers war die Einheit des Staates.
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  • In den Gemeinden wird die Selbstverwaltung wieder beseitigt.
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  • Zentralisierender Faktor war die Bürokratie, Fachminister stehen an der Spitze einer für das Reich einheitlichen Verwaltung.
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  • Bauernbefreiung wurde nicht rückgängig gemacht; Bauern konnten Land erwerben = Steigerung der Agrarproduktion = Steigerung der Kaufkraft.
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  • Beseitigung der Binnenzollgrenzen, Ausbau des Verkehrswesens
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  • Chronische Finanznot des Staates (Armee und Bürokratie verschlingen große Summen).
     
  • Frankreich
 
  • 2.12.1851 Louis Napoleon Bonaparte, ein Neffe Napoleons I., gewählter Präsident der Republik, löst durch einen Staatsstreich die Nationalversammlung auf. Unterstützung durch Kirche und Armee. Am 2.12.1852 wird er aufgrund einer Volksabstimmung als Napoleon III. Kaiser der Franzosen.
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  • Napoleon III. gilt als Repräsentant des einheitlichen "Volkswillens" (der volonté générale); er erhebt sich über Parteiengegensätze.
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  • Gesamte Staatsmacht liegt bei Napoleon III. (demokratischer Cäsarismus); ihre Grundlage ist das Plebiszit (Napoleon III. verdankt seine Wahl den zumeist konservativ eingestellten Bauern). 
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  • Bonapartismus: plebiszitäre Diktatur, praktisch politische Entmündigung der Bourgeoisie
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  • Kirche erhält großen Einfluss auf das Erziehungswesen
     
  • Der Krimkrieg (1854-56)
 
  • Russland unter Zar Nikolaus I. möchte das Osmanische Reich, den "kranken Mann am Bosporus" beerben.
  In einem Ultimatum fordert Zar Nikolaus I. den Schutz durch Russland für alle unter türkischer Herrschaft lebenden orthodoxen Christen. Als diese Forderung zurückgewiesen wird, besetzen russische Truppen die unter türkischer Herrschaft stehenden Fürstentümer Moldau und Walachei. Dem folgt von türkischer Seite die Kriegserklärung
  • England will das Osmanische Reich zur Sicherung seines Seewegs nach Indien erhalten. Das weitere Vordringen des russischen Reiches soll verhindert werden. Die englische Politik wird von Frankreich unterstützt (Napoleon III. sah Gelegenheit, sich als Befreier Europas vom russischen Despotismus zu präsentieren).
  Als Russlands Flotte vor der türkischen Küste vor Anker geht, sieht England sich als Seemacht herausgefordert. Gemeinsam mit Frankreich stellt es sich an die Seite der Türken. Ein Expeditionscorps wird auf die Krim entsandt.

Durch Truppenkonzentrationen an der russischen Grenze band Österreich starke russische Truppen, ohne in den Kampf einzugreifen.

   

Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hält sein Land aus dem Konflikt heraus. Er glaubt, Russland gegenüber noch eine Dankesschuld aus den Tagen der Befreiungskriege gegen Napoleon zu haben. Infolge der unverhohlenen Parteinahme für Russland wächst in England die anti-preußische Stimmung.

  • Der Krieg wird auf der Krim ausgefochten. Unter großen Verlusten, vor allem durch die Cholera, die unter den englischen Soldaten wütet, wird die russische Festung Sewastopol nach elfmonatiger Belagerung eingenommen. Damit war die Entscheidung im Krimkrieg gefallen.
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  • Im Frieden von Paris (1856) sieht sich Russland aus Finanznot dazu gezwungen, das Protektorat über die Donaufürstentümer aufzugeben und auf eine eigene Flotte im Schwarzen Meer zu verzichten. Das Schwarze Meer wird für neutral erklärt.
  Der Krimkrieg verschob die Machtverhältnisse zugunsten Englands und Frankreich. Russland verlor seine Machtstellung. Die Türkei verlor an Souveränität, blieb aber bestehen.
 
  • England
  • Mit dem Ende des Krimkrieges beginnt die Blütezeit der Viktorianischen Ära. England entwickelt sich zur ersten Handels-, Industrie- und Kapitalmacht der Welt.
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  • Die Aufhebung der Kornzölle leitet die Ära des radikalen Freihandels ein; 1860 fallen die letzten Schutzzölle
  • Die Parlamentsreform von 1867 bindet das Wahlrecht an die Führung eines Haushalts im eigenen Hause oder einer Wohnung mit 10 Pfund Miete (Erweiterung der Wahlberechtigten). 

     

  • Weitere liberale Reformen: mehr Gleichheit der Konfessionen (Universitäten werden für alle Glaubensrichtungen geöffnet), Verbesserung der Volksschulbildung, Heeresreform u.a..
     

Liberalismus und nationaler Staat (1859 - 1871)


  • Die Einigung Italiens (1859 - 1861)
  • 1850 Größtenteils landesfremde Dynastien in den italienischen Partikularstaaten. Sieben souveräne Staaten, die Lombardei und Venetien gehörten zu Österreich. Daneben der Kirchenstaat und das Königreich Sizilien. Keine staatliche Zusammenhänge, nur schwache liberale Bewegung, rückständige Sozialstruktur, viele Geheimbünde.
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  • Liberale Verfassung im Königreich Sardinien-Piemont bleibt bestehen; Ministerpräsident Cavour erkennt, dass Einheit Italiens nur durch Vertreibung Österreichs mit Hilfe einer auswärtigen Macht zu erreichen ist 
  • Nationalbewegung durch Rückbesinnung auf die Antike (ehemals mächtiges Römisches Reich).
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  • Napoleon III. bietet sich Gelegenheit, Prestige durch Waffenruhm und Zuwachs an Land zu erlangen; er verbündet sich mit Cavour.

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  • 1859 Siege Frankreichs gegen Österreich bei Magenta und Solferino; Frieden von Villafranca: Österreich tritt die Lombardei an Napoleon III. ab, der sie an Sardinien weitergibt.
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  • 1861 Ausrufung des Königreichs Italien - ohne Venetien und ohne Rom
Auf den Beschluss des erstmals gewählten gesamtitalienischen Parlaments nahm der piemontesische König Vittorio Emanuele II. am 17.3.1861den Titel "König von Italien" an. Das Königreich Piemont-Sardinien war die treibende Kraft hinter der Einigung Italiens gewesen. Der erste König Italiens nannte sich weiterhin "der Zweite", eine Bezeichnung, die deutlich machte, dass ihm die Familientradition seines Hauses Savoyen wichtiger war als die Krone Italiens. Schon zu Lebzeiten ein Mythos, wurde Emanuelle II. nach seinem Tod im Jahre 1878 wurde er zum "padre della patria", zum "Vater des Vaterlandes" stilisiert.
 
  • Die "Neue Ära" in Preußen
  • 1858 Wilhelm von Preußen übernimmt unter dem Titel Prinzregent die volle Regierungsgewalt (Friedrich Wilhelm IV. war geistig erkrankt).
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  • Der "Italienische Krieg" wirft die nationale Frage auch in Deutschland wieder auf; Öffentliche Meinung: Frankreich widersetzt sich der deutschen Einigung.
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  • Schaffung eines nationalen Reiches schien ohne Lösung des Dualismus (Preußen, Österreich) nicht möglich. Das Versagen Österreichs gegenüber Frankreich lässt die Idee der Paulskirche, die Lösung der deutschen Frage durch Preußen, neu aufleben.

     

  • Neuwahlen in Preußen bringen großen Siege der Liberalen, die bereit sind, mit der Krone zusammenzuarbeiten. Wilhelm will von wirklichem Mitregieren des Parlaments nichts wissen.
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  • Konflikt zwischen Prinzregent und Abgeordnetenhaus wegen Heeresreform: Wilhelm besteht auf dreijähriger Dienstzeit der Rekruten. Grundsätzlich ging es um die Stellung des Heeres im Verfassungsstaat.
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  • Ein radikaler Flügel spaltet sich von den Altliberalen ab und gründet die Deutsche Fortschrittspartei in Preußen; sie will mit der Ministerverantwortlichkeit das parlamentarische System einführen und die Verfassung im Sinne der Demokratie ausgestalten.
     

Die Gründung der preußischen Hegemonie in Deutschland


  • Der Verfassungskonflikt in Preußen
  • 1860 - 1862 Das Abgeordnetenhaus lehnt die von Wilhelm I. angestrebte Heeresreform ab. Ein Budgetgesetz kommt nicht zustande. Als der politisch weitgehend isolierte König abdanken will, erklärt sich Bismarck bereit, auch gegen das Abgeordnetenhaus zu regieren. Daraufhin beruft ihn der Monarch am 22.9.1862 zum preußischen Ministerpräsidenten.
Bis zu seiner Ernennung hatte Bismarck von sich das Bild eines provozierend auftretenden "Landjunkers" vermittelt, der die noch ganz im Sinn des Absolutismus interpretierten Rechte des Monarchen vertrat und kompromisslos die 'alte Ordnung' verteidigte. Für viele Zeitgenossen war Bismarck der Wortführer völlig anachronistischer "feudaler" Prinzipien und Interessen.
 

Begonnen hatte Bismarck seine öffentliche Laufbahn 1847 als nachgerückter Abgeordneter der Ritterschaft im preußischen Vereinigten Landtag, in dem er sich sogleich auf der äußersten Rechten positionierte. Als einer der Wortführer der Gegenrevolution war er auch im 'Gothaer Unionsparlament' vertreten. Zum Lohn für sein energisches Eintreten für die Krone in diesem Parlament wurde Bismarck von König Friedrich Wilhelm IV. zum preußischen Gesandten beim Deutschen Bundestag in Frankfurt ernannt. In diesem Amt verweigerte er eine enge Zusammenarbeit mit der österreichischen Präsidialmacht. Er wollte, wie er selbst sagte, keinesfalls die "Rolle des Juniorpartners Österreichs" spielen.

König Wilhelm I., ein Gegner von radikalen Positionen, wollte Bismarck zunächst an ein festes, klar formuliertes Regierungsprogramm binden. Nachdem ihm Bismarck seine bedingungslose Unterstützung zugesagte, ließ er dieses Vorhaben fallen. Damit hatte der neu ernannte Ministerpräsident einen "Blankoscheck" für die Führung seines Amtes erreicht.

  • Bismarck: Lücke in Verfassung gibt Regierung das Recht, vorerst die Steuern ohne Zustandekommen eines Budgetgesetzes zu erheben (offener Verfassungskonflikt!)
     
  • Abgeordnetenhaus wird aufgelöst; Fortschrittspartei fordert zur Steuerverweigerung auf. Die Regierung antwortet mit Pressezensur.
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  • Verfassungskonflikt in Preußen ist als - andere - Form einer Revolution anzusehen, 1863 allerdings erfolglos.
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  • Bismarck konnte den Abschluss des Konflikts nur erreichen, weil er aufgrund seiner außenpolitischen Erfolge die Opposition niederhalten konnte.
  • Die Außenpolitik Bismarcks bis 1866
  • Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Ernennung erklärte Bismarck: "Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden - das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen - sondern durch Eisen und Blut."
     
Bis 1862 hatte Preußen auf dem Gebiet der Außenpolitik die bestehende Ordnung verteidigt. Es war insbesondere als Verbündeter Österreichs und Russlands und als Gegner Frankreichs aufgetreten. Im Kreis der europäischen Großmächte hatte Preußen in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts keine große Rolle gespielt: Am Krimkrieg und der darauf folgenden Friedenskonferenz war Preußen nicht beteiligt. Auch beim Krieg Österreichs gegen Frankreich um die Zukunft Italiens stand es abseits.

Unter dem Druck der liberalen Mehrheit im Parlament war es Bismarck 1862 nicht möglich, über eine militärische Machtpolitik zu einer Lösung der deutschen Frage zu kommen. Sein Aufruf zu einem innenpolitischen Burgfrieden im Interesse einer gemeinsamen Außenpolitik wurde von den Liberalen zurückgewiesen. Bismarck ging nun einen anderen Weg: er präsentierte sich als Verfechter des Status quo und des Bewahrers konservativer Prinzipien in Europa.

 
  • Frankfurter Fürstentag 1863: Einberufen der deutschen Fürsten durch Österreich zur Beratung einer Bundesreform. Großteil der deutschen Fürsten ist großdeutsch und föderalistisch gesinnt. Versammlung verläuft, da der preußische König  auf Anraten Bismarcks fernbleibt, ergebnislos. Mit dieser "Taktik" werden die Grundlagen für eine europäische Lösung der deutschen Frage geschaffen.
     
  • Konvention Alvensleben
  • Januar 1863: Polen erheben sich gegen russische Herrschaft. Bismarck nimmt für Russland Stellung und gewinnt dadurch das Vertrauen des Zaren
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  • Militärkonvention: Gegenseitige Hilfe Russland - Deutschland
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  • Gesichtspunkte Bismarcks: russische Neutralität in der Zukunft, Vermeidung eines französisch-russischen Bündnisses. 
  • Die schleswig-holsteinische Frage
 
  • 1852 Londoner Protokoll: Herzogtümer Schleswig und Holstein dürfen Dänemark nicht einverleibt werden, jedoch wird eine gemeinsame Thronfolge für Dänemark und die Herzogtümer festgelegt (europäische Garantie).
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  • 1863 Durch eine neue dänische Verfassung wird Schleswig ein Teil des dänischen Staates 
     
  • Bismarck fordert Zurücknahme der Gesamtstaatsverfassung. Sein wirkliches - geheim gehaltenes - Ziel: Annexion der Herzogtümer durch Preußen.
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  • 1864 Österreich und Preußen rücken in Schleswig ein
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    Bismarck hatte Österreich mit dem Hinweis auf gemeinsame Interessen bewogen, zusammen mit Preußen militärisch zu intervenieren.
  • 1865 Vertrag von Gastein: Preußen erhält die Verwaltung Schleswigs, Österreich die Verwaltung Holsteins.

Bismarck brachte Österreich über die Frage des künftigen Schicksals der von Dänemark an Österreich und Preußen abgetretenen Herzogtümer immer stärker in die Abhängigkeit von Preußen. Der Versuch Österreichs, sich daraus zu befreien, führte schließlich zum Krieg.
 

Bismarck hatte mit großer Nüchternheit die preußischen Machtinteressen verfolgt. Generell zeigt sich hier und auch in der künftigen Außenpolitik Bismarcks die Ausprägung eines rein machtstaatlichen Denkens, das sich von allen weltanschaulichen Bindungen, seien sie liberaler und konservativer Natur, gelöst hat.

  • Der Krieg von 1866
 
  • Primäres Ziel Bismarcks war, die Hegemonie Preußens in Deutschland zu gewinnen. Außerdem sollte Österreich aus dem Deutschen Bund hinausgedrängt werden. Nachdem Bismarck sich überzeugt hatte, dass die letztlich entscheidende Machtfrage auf friedlichem Weg nicht zu lösen war, entschloss er sich zum Krieg gegen Österreich.
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  • Napoleon III. begünstigte die Ausdehnung Preußens in Norddeutschland um ein Gegengewicht gegen Österreich zu schaffen; er sagte Bismarck seine Neutralität zu.
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  • Mittelstaaten stehen auf der Seite Österreichs (Furcht von Mediatisierung durch Preußen); Bündnis Preußens mit Italien
     
  • 14. Juni 1866 Preußen erklärt den "Deutschen Bund" für aufgelöst. Damit begann der Krieg.
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  • 3. Juli 1866 Preußischer Sieg bei Königgrätz 
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  • Prager Frieden: Bismarck verzichtet auf österreichisches Gebiet. Österreich gibt seine Zustimmung zur Errichtung des Norddeutschen Bundes und verzichtet auf seine Anrechte auf Schleswig-Holstein. Auflösung des Deutschen Bundes. Österreich gibt Venetien an Italien ab.
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  • Friedensschlüsse mit Baden, Bayern und Württemberg. Auch hier verzichtet Bismarck auf Landabtretungen.
     

Der Weg zur Reichsgründung 1866 - 1871


  • Indemnitätsvorlage 
  • Sofort nach dem Krieg von veranlasst Bismarck das Parlament, den ohne Budget geleisteten Staatsausgaben nachträglich zuzustimmen; Ziel Bismarcks war die Beilegung des inneren Konflikts angesichts der künftigen Aufgabe: der Lösung der nationalen Frage.
    Bismarck bot der liberalen Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses, also seinem bisherigen innenpolitischen Gegner, ein Bündnis und künftige Zusammenarbeit an. Dieser innenpolitische Kurswechsel Bismarcks wirkte - angesichts seiner Vergangenheit - in Deutschland als Sensation.
     

    Es war Bismarck klar, dass nur ein Teil der Liberalen seinem Vorschlag folgen würde. Man kann ihm deshalb unterstellen, dass er die Liberalen spalten und dadurch schwächen wollte. Andererseits konnte Bismarck nur durch ein Bündnis mit den Liberalen hoffen, den Süden Deutschlands als Bundesgenossen Preußens zu gewinnen. Schon vor der Ernennung zum Ministerpräsidenten hatte er in einem Gespräch geäußert, es gebe in Mitteleuropa nur einen Alliierten für Preußen, "wenn es denselben zu erwerben und behandeln verstände": "das deutsche Volk".

  • Indemnitätsvorlage spaltet die liberale Fortschrittspartei: Ein Teil, der sich in der Nationalliberalen Partei formiert, unterstützt Bismarck. Der andere Teil, die Linksliberalen (weiterhin Fortschrittspartei) tritt für ein völlig liberalen Nationalstaat ein. 
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  • Auch die Konservativen spalten sich: Die Altkonservativen haben zwei Einwände gegen Bismarck: 1) Verletzung der Legitimität der Fürsten, 2) Indemnitätsvorlage ist Zugeständnis an Liberalismus, ebenso das demokratische Wahlrecht. Der andere Teil der Konservativen formierte sich in der Freikonservativen Partei; sie schwenkte auf Bismarcks Politik ein
     
  • Der Norddeutsche Bund
  • Annexionen: Hannover, Kurhessen, Nassau und die Reichsstadt Frankfurt werden in die preußische Monarchie einverleibt. Die übrigen Staaten nördlich des Mains treten mit Preußen in den Norddeutschen Bund.
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  • Verfassung: Organe des Bundes sind: 1. der erbliche Bundespräsident 2. der Bundesrat und 3. der Reichstag. Erblicher Bundespräsident ist der König von Preußen. Der Bundesrat setzt sich aus Vertretern der Regierungen der Bundesstaaten zusammen; er besitzt die eigentliche Regierungsgewalt des Bundes. Das Volk war nicht der Souverän! Der Reichstag ist ein nach allgemeinem, direktem, gleichem und geheimem Wahlrecht gewähltes Parlament (nicht Dreiklassenwahlrecht wie in Preußen!); er ist an der Gesetzgebung beteiligt. Reichstag und Bundesrat muss bei einem Teil der Gesetze zustimmen, z.B. bei der Budgetbewilligung. Keinen Einfluss hatte das Parlament auf auf außen- und militärpolitische Fragen.
     
  • Den Norddeutschen Bund sieht Bismarck als eine Übergangslösung an. Das Ziel ist die Einigung mit den süddeutschen Staaten. Ein erster Schritt: Ab 1867 sind auch süddeutsche Staaten im Zollparlament vertreten (Weg zur wirtschaftlichen Einheit!).
  • Das Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich 1866 - 1870
  • Die Stellung Napoleons III. gegenüber seiner heimischen Opposition wird wegen seiner außenpolitischen Misserfolge immer schwieriger; um seinen Thron zu halten, darf er ein Übergreifen der norddeutschen Einigung auf Süddeutschland nicht zulassen.
     
  • Der Versuch Napoleons III.. Luxemburg zu erwerben und seinen Einfluss auf Belgien auszudehnen, scheitert.
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  • Konflikt zwischen Frankreich und Preußen um die spanische Thronkandidatur. Bismarck unterstützt die Kandidatur des Erbprinzen von Hohenzollern. Nach Kriegsdrohung Frankreichs zieht der Erbprinz seine Kandidatur zurück. Frankreich fordert den preußischen König auf, sich zu verpflichten, dass auch in Zukunft kein Hohenzoller die spanische Krone annimmt. König Wilhelm, der in Ems zur Kur weilt, lehnt ab. Er lässt den Vorgang an Bismarck telegraphieren. Dieser zieht die "Emser Depesche" in kürzere, schärfer wirkende Sätze zusammen und veröffentlicht sie. Darauf erfolgt die französische Kriegserklärung an Preußen.
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  • Die süddeutschen Staaten treten an die Seite des Norddeutschen Bundes. Für sie ging es um einen "Krieg der Völker" (Nationalkrieg). Außerdem sollte Elsass-Lothringen zurückgewonnen werden
     
  • Deutsch-französischer Krieg 1870/71
  • 2. September 1870: Ein Teil des französischen Heeres wird zu Kapitulation bei Sedan gezwungen. Gefangennahme des Kaisers führt zum Sturz des Kaisertums und zur Einsetzung einer "republikanischen Regierung der nationalen Verteidigung". Der Kabinettskrieg war zu Ende.
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  • Gambetta organisiert Massenerhebung in Frankreich.
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  • Die Anstrengungen, die Frankreich im Volkskrieg macht, bleiben vergeblich. Im eingeschlossenen Paris herrscht Hungersnot. Kapitulation Frankreichs führt zum Waffenstillstand.
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  • Vorfriede von Versailles: Bismarck besteht auf Abtretung von Elsaß-Lothringen; Kriegsentschädigung: 5 Milliarden Franken
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  • Friede von Frankfurt a.M. am 10. Mai 1871 bestätigt diese Abmachungen.
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  • Rückwirkungen des verlorenen Krieges führen zum Aufstand der "Kommune" in Paris
     
  • Die Gründung des Deutschen Reiches 1871
  • Ruf nach nationaler Einheit. Auffassungen über die Form des künftigen Reiches sind verschieden
  • Die Liberalen, mit ihnen der Kronprinz und der Großherzog von Baden, denken an einen Einheitsstaat mit verantwortlicher Regierung und einem Oberhaus
  • Die Konservativen wollen die Reichskompetenzen beschränkt sehen - im Interesse der Erhaltung Preußens.
  • Bismarck will - um die Stabilität des künftigen Reiches zu sichern - keinen direkten Zwang auf die Einzelstaaten ausüben. Einzelstaatliche Rechte sollten gewährt werden, sofern die Lebensinteressen der Nation nicht geschädigt werden.
     
  • Verständigung Bismarcks mit den süddeutschen Staaten. Bayern und Württemberg erhalten "Reservatsrechte" in Militär-, Steuer- und Postwesen.
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  • Präsidialrechte des Königs von Preußen, wie er sie im Norddeutschen Bund besitzt, werden auf alle deutschen Staaten ausgedehnt.
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  • 18. Januar 1871: Kaiserproklamation  von Versailles durch die deutschen Fürsten (25 Einzelstaaten); Gründung eines Bundes, also durchaus Reichseinigung von unten.
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  • Bismarck erfüllte mit dem Nationalstaat nur eine Forderung der Bourgeoisie; die andere Forderung, das Mitspracherecht, wurde nicht erfüllt
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