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Die
Revolution 1848 in Frankreich |
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- Verhältnisse vor der Revolution
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- Der König war in Frankreich Oberhaupt des Staates und Inhaber der
exekutiven Gewalt. Das Recht zur Gesetzesinitiative
teilte er mit der Pairs-Kammer und der
Abgeordnetenkammer.
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Die Pairs-Kammer bestand aus
den vom König auf Lebenszeit ernannten Personen. Die Mitglieder der
Abgeordnetenkammer wurden nach einem durch Zensusbestimmungen
stark beschränkten aktiven Wahlrecht gewählt. Im Jahr 1846 gab es
bei 35 Millionen Einwohnern ca. 240.000 Wahlberechtigte. Die
Verbindung von politischem Einfluss und wirtschaftlicher Macht
in der Hand einer kleinen Schicht des Besitzbürgertums sorgte
in der Bevölkerung für Unzufriedenheit. Deshalb wurden Forderungen nach einer Reform des Zensuswahlrechts,
im zweiten Halbjahr 1847 sogar nach einem allgemeinen und gleichen
Wahlrecht erhoben.
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- Wirtschaftliche Notlage breiter
Bevölkerungsschichten
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- Infolge der schlechten Ernten 1845 und
1846 war ein großer Teil des Kleinbauerntums nicht mehr in
der Lage, selbst den eigenen Bedarf an Lebensmitteln zu decken. Von den Preiserhöhungen für Kartoffeln und
Getreide profitierten in der Landwirtschaft nur wenige
Großbetriebe.
- Die wirtschaftliche Not der städtischen
Bevölkerung war besonders groß, weil die Preiserhöhungen für
Nahrungsmittel mit der Absatzkrise von Gewerbe und Industrie
zusammenfielen. Diese Absatzkrise war für Lohndruck
und Arbeitslosigkeit verantwortlich. Die höheren Preise
für Nahrungsmittel waren die Ursache dafür, dass die privaten
Haushalte den Kauf handwerklicher Produkte stark einschränken
mussten. Dies bedeutete wiederum eine Notlage des Handwerks.
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Die wirtschaftliche Notlage des
größten Teils der Bevölkerung ließ den Unmut über die
Selbstbereicherung der kleinen bürgerlichen Oberschicht steigen.
Dabei kam es zu einer Allianz von Pariser Intellektuellen mit
dem Kleinbürgertum.
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- Die Pariser Februarrevolution 1848
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- Im Verlauf des Februars kam es in Paris immer
wieder zu Massendemonstrationen von Arbeitern und Studenten.
Am 22. Februar gab es erste Zusammenstöße mit der
Nationalgarde. Barrikaden wurden gebaut.
Da die Nationalgarde
nicht bedingungslos hinter der Regierung stand, wurde am nächsten Tag
das Militär eingesetzt. Bei einem Zusammenstoß des Militärs mit
den Demonstranten gab es 52 Tote. Dies gab den Anstoß zum allgemeinen
Aufstand des Kleinbürgertums und der "Unterschichten".
- Die aus dem gehobenen Bürgertum rekrutierte
Nationalgarde solidarisierte sich mit den Aufständischen und sorgte
für einen relativ unblutigen Sieg der Revolutionäre. König Louis
Philippe dankte am 24.2. zugunsten seines Enkels ab, doch die
Massen erzwangen die Proklamation der Republik und die Bildung einer
provisorischen Regierung. Am 2. März wurde das allgemeine Wahlrecht
eingeführt.
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In der 'Provisorischen Regierung'
waren sowohl gemäßigte Liberale - wie zum Beispiel der
romantische Dichter Lamartine - als auch Sozialisten wie der
sozialistische Theoretiker Louis Blanc vertreten. Dies führte
zur inneren Widersprüchlichkeit dieser Regierung.
Louis Blanc erließ das Dekret über das Recht auf
Arbeit. Unter seiner Führung wurden noch im Februar zum Kampf
gegen die Arbeitslosigkeit "Nationalwerkstätten"
eingerichtet, in denen 10.000 Arbeitslose auf Staatskosten mit
öffentlichen Aufgaben beschäftigt wurden. |
- Die Landbevölkerung hat sich der Pariser
Revolution nicht angeschlossen, da sie sich vor kommenden
sozialistischen Maßnahmen - wie zum Beispiel vor einer Enteignung
ihres Landbesitzes zugunsten der eigentumslosen Pariser
Unterschichten -, fürchtete.
- Am 23.4.1848 fanden nach allgemeinem Wahlrecht
die Wahlen zu einer 'Verfassungsgebenden Nationalversammlung'
statt. Die gemäßigten Liberalen, die ihren Wahlkampf mit konservativen
Parolen geführt hatten, gewannen 600, die Sozialisten lediglich 100
der 900 Sitze im Parlament. Die Royalisten gewannen 200 Mandate.
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Die Bevölkerung in den Provinzen
hatte fast ausschließlich die großbürgerliche Schicht
gewählt, die vor der Revolution das politische Leben Frankreichs
geprägt hatten. - Die bisherigen Honoratioren hatten vor der Wahl
ihre lokale Machtstellung zur Beeinflussung der kleinen Leute
ausgenutzt. Das von den Republikanern (den linken Liberalen und den
Sozialisten) durchgesetzte allgemeine Wahlrecht hatte sich letztlich
zu ihren Ungunsten ausgewirkt.
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- Am 5.5.1848 setzte die Nationalversammlung ein
kollektives Staatsoberhaupt in Gestalt einer fünfköpfigen
"Kommission für die Exekutivgewalt" ein, in der auch das
Kleinbürgertum und die Arbeiterschaft vertreten war.
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- Die "Pariser Junischlacht"
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- Der linke Flügel der Liberalen und die Sozialisten
waren nicht bereit, die Wahlniederlage hinzunehmen. Die Not, der
Hunger und das Elend unter den Arbeitern und Gesellen, den kleinen
Handwerkern und Ladenbesitzern in Paris hatte nach der
Februarrevolution eher noch zugenommen. Als am 21. Juni das staatliche
Arbeitsbeschaffungsprogramm (die Arbeit in den Nationalwerkstätten) nicht mehr erweitert
wurde, verursachte dies einen revolutionären Flächenbrand. Sogar der
sich in einer Existenzkrise befindliche untere Mittelstand beteiligte
sich jetzt an der Erhebung,. Eine einheitliche Leitung des Aufstandes
gab es nicht!
- Die Regierung setzte Militär gegen die
Aufständischen ein. Ende Juni bricht der Aufstand zusammen. Auf der
Seite der Aufständischen gab es mehr als 3000, beim Militär 1600 Tote.
Der Niederlage folgte ein Strafgericht mit höchster Grausamkeit.
- Große Teile der Bevölkerung in den Provinzen hatten
während des Aufstandes ihr Eigentum in Gefahr gesehen. So wurde dessen
Niederschlagung allgemein begrüßt.
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Die Reaktion, bestehend aus dem
Finanz- und Großbürgertum, hatte also gesiegt!
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Die
Märzbewegung im deutschen Südwesten und im Rheinland |
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- Situation vor dem Ausbruch der revolutionären Erschütterungen
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- Bürokratische Bevormundung der Bürger, Beschränkung
der politischen Mitspracherechte, Vorrang des Adels, politische Macht
in der Hand einer kleinen bürgerlichen Oberschicht.
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Die "Untertanenschaft" war zwar an
der politischen Willensbildung beteiligt, aber nach Besitz
und Bildung gestaffelt; die Mehrheit der Bevölkerung besaß kein
Recht zur Mitgestaltung der Politik.
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- Die Rechte des Parlaments (der Kammern)
und aller anderen Repräsentativkörperschaften waren so beschränkt,
dass sich ein immer größerer Gegensatz zwischen dem Vorgehen der
Monarchen und den politischen Vorstellungen der Abgeordneten
(den
Repräsentanten) herausbildete. Die liberalen und demokratischen
Forderungen in den Kammern wurde zunehmend durch die politische
Öffentlichkeit unterstützt (Publizistik, politische Vereine)
- Aufbrechen gesellschaftlicher und
sozialer Konflikte. Der soziale Wandel war von der technologischen
Revolution ausgelöst worden (Übergang von der Agrar- zur
Industriegesellschaft).
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- Forderungen nach Reformen
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- Ende Februar 1848 greift die von Frankreich
ausgehende revolutionäre Unruhe der Bevölkerung auf den deutschen
Südwesten und das Rheinland über. Der Unmut der Bevölkerung über die
politische und soziale Situation äußerte sich in Volksversammlungen,
Massendemonstrationen und Straßentumulten.
- Am 27.2. fordert der radikale Demokrat Gustav
von Struve in einem Manifest an den badischen Landtag
Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle Klassen der Gesellschaft. Im
einzelnen verlangt er: 1. Aufbau von Volksmilizen (Abschaffung der
stehenden Heere), 2. Pressefreiheit 3. Schwurgerichte nach dem Vorbilde
Englands, 4. Sofortige Herstellung eines deutschen Parlaments.
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Insgesamt ist der Inhalt des
Manifests gemäßigt. Die sozialpolitischen Forderungen des
Offenburger Programms vom
12.9.1847 und auch die Forderung nach Einführung des allgemeinen
Wahlrechts wurden zu diesem Zeitpunkt nicht wiederholt. - Auch für
die Forderungen in den anderen südwestdeutschen Staaten und im
Rheinland sind in den Anfangstagen der Bewegung gemäßigt.
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- Der Umfang der erhobenen Forderungen erhöhte sich
bald. Auf Antrag des radikalen Demokraten (Republikaners) Friedrich Hecker
wurde der Forderungskatalog Struves um folgende Punkte erweitert:
Aufhebung der Reaktionsgesetze des Deutschen Bundes, die Vereidigung
des Heeres auf die Verfassung, Gleichberechtigung der Konfessionen,
Aufhebung der Reste des Feudalwesens, gerechte Verteilung der
öffentlichen Lasten. Der badische Landtag selbst verlangte die
Umbildung der Regierung durch die Ernennung von Ministern, die
das "Vertrauen des Volkes" genießen. Der Kölner Bund der
Kommunisten forderte: Gesetzgebung und Verwaltung durch das Volk,
allgemeines gleiches Wahlrecht auf allen Ebenen des öffentlichen
Lebens, Rede- und Pressefreiheit, freies Vereinigungsrecht sowie
"Schutz der Arbeit und Sicherstellung der menschlichen Bedürfnisse für
alle, vollständige Erziehung aller Kinder auf öffentliche Kosten".
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- In den Städten erschöpfte sich die
Märzbewegung weitgehend in Volksversammlungen, Demonstrationen und
Massenpetitionen
- In einigen ländlichen Gebieten im Süden
Deutschlands (Südschwarzwald, Odenwald) kam es zu massiven
Bauernunruhen. Ursache dafür war, dass die "Standesherren" noch
immer ein erhebliches Maß hoheitlicher Rechte in Justiz und Verwaltung
hatten und aufgrund ihrer privilegierten Stellung Jagd- und
Fischereirechte besaßen. Auch den Zehnten konnten sie noch einfordern.
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Die Bauern versuchten, die
Grundherren zum Teil mit Gewalt zu einer Befreiung von den
unerträglich gewordenen Lasten zu bewegen. Außerdem verlangten sie
ein Mitspracherecht in Angelegenheiten der Gemeinde. Eine allgemeine
Umverteilung des Eigentums wurde jedoch nicht gefordert.
In Baden reagierte die Regierung auf Bauernunruhen
dadurch, dass sie am 10.3.1848 den Kammern einen Gesetzesentwurf
über die endgültige Aufhebung feudaler Lasten vorlegte. Unter dem
gewaltsamen Druck der Bauern fanden sich auch die Standesherren zu
erheblichen Zugeständnissen bereit. |
- Das Besitzbürgertum zeigte sich von den
sozialen und republikanischen Untertönen erschreckt und forderte von
der Regierung eine möglichst rasche Unterdrückung der revolutionären
Bewegung.
- Die Märzbewegung verlief in den meisten
deutschen Klein- und Mittelstaaten ähnlich. Die Proteste veranlassten
die Regierungen zum Zurückweichen. Mit Ausnahme von Bayern wurden die
Märzforderungen ohne nennenswerten Widerstand von den
Herrschern bewilligt. Wortführer der liberalen Opposition wurden in
die neuen Regierungen (Märzministerien) aufgenommen.
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Die Märzbewegung hatte innerhalb von
gut zwei Wochen Politiker an die Macht gebracht, die bereit waren,
die "Märzforderungen" auf dem Wege der Reformpolitik zu erfüllen,
zugleich aber entschlossen waren, allen republikanischen und
sozialrevolutionären Bestrebungen entgegenzutreten. |
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- Das politische Programm der Märzministerien
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- In der Zeit des Vormärz waren sich Länderregierung und
Abgeordnetenkammer quasi als Gegner gegenüber gestanden. Jetzt änderte
sich der Stil des politischen Umgangs miteinander. Eine
parlamentarische Regierungsweise entstand: Minister konnten sich nur
so lange in der Regierung halten, als ihre Maßnahmen von dem Willen
der Mehrheit der Abgeordneten getragen wurden. - Die Verfassung selbst
hatte sich nicht geändert!
- Liberale Reformpolitik auf dem Boden der
bestehenden Verfassungen. In enger Zusammenarbeit mit den Kammern
wurden Gesetze verabschiedet über die Presse-, Vereins- und
Versammlungsfreiheit, die Einsetzung von Bürgerwehren, die Einsetzung
von Geschworenengerichten, den Ausbau der kommunalen Selbstverwaltung,
die Befreiung der Kirchen von staatlicher Aufsicht. Feudale
Herrenrechte, wie zum Beispiel das Jagdrecht auf bäuerlichem Besitz,
wurde aufgehoben.
- Zu den Zielen der Märzministerien gehörte die
Umwandlung des Deutschen Bundes in einen deutschen Nationalstaat
mit freiheitlicher Verfassung.
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Der Bundestag wollte die Führung im
Prozess der nationalstaatlichen Einigung Deutschlands übernehmen.
Schon am 8. März hatte er "eine Revision der Bundesverfassung auf
wahrhaft zeitgemäßer und nationaler Grundlage" für notwendig
erklärt. |
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Die
Revolution in der Habsburger Monarchie |
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- Revolutionäre Bewegungen in Wien
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- In Wien waren es neben der Opposition der
niederösterreichischen Stände zunächst die gesellschaftlichen und
gewerblich-industrielle Vereinigungen der Stadt, welche die
Einberufung einer Volksvertretung für den Gesamtstaat Österreich
verlangten. Die gemäßigten Forderungen dieses liberalen Bildungs- und
Besitzbürgertums wurden am 11.3.1848 den Ständen übergeben. Zur
gleichen Zeit stellten die Studenten die "Märzforderungen" zusammen
(sie sind im allgemeinen mit den oben beschriebenen Forderungen der
revolutionären Bewegung in den deutschen Klein- und Mittelstaaten
vergleichbar).
- Am 13. März veränderten die aus den Wiener
Vorstädten herbeiströmenden Handwerksgesellen und Arbeiter das Bild
der bis dahin sehr gemäßigt ablaufenden (sog. "mondänen")
Revolution. Als sie das Ständehaus plünderten, gab das Militär die
ersten Schüsse ab. Dies war das Signal zum allgemeinen Aufstand und
zur Errichtung von Barrikaden.
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Fürst Metternich war für
hartes militärisches Vorgehen zur Niederschlagung des Aufstandes,
konnte sich jedoch gegen Erzherzog Johann nicht durchsetzen, der für
die Bewilligung der Anliegen des Volkes eintrat. Metternich tritt
am 13. März zurück.
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- Unruhen und eine förmliche Belagerung der Wiener
Hofburg erzwangen am 15. März eine kaiserliche Proklamation, in der
eine konstitutionelle Verfassung für den österreichischen Staat
verbindlich zugesagt wurde. Am 25. April wurde diese Verfassung
verkündet und ohne Mitwirkung einer gewählten Volksvereinigung durch
einseitigen Regierungsakt in Kraft gesetzt.
- Mitte Mai erzwangen neue Unruhen in Wien
(der Kaiser verließ am 17.5. seine Hauptstadt) die Aufhebung
der oktroyierten Verfassung und die Ausschreibung von Wahlen für einen verfassungsgebenden Reichstag. Der erste österreichische
Reichstag wurde am 22.7. von Erzherzog Johann, dem vom Kaiser
während der Zeit seiner Abwesenheit die Regentschaft übertragen worden
war, eröffnet.
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Wegen unterschiedlicher
Rechtsverhältnisse in den einzelnen Ländern der Monarchie und auch
wegen Verständigungsschwierigkeiten (rund ein Viertel der
Abgeordneten verstand die
deutsche Sprache nicht!) gestaltete sich der Gesetzgebungsprozess
äußerst langsam.. |
- Anfang Oktober 1848 bricht die Revolution in
Wien erneut aus. Teile der Nationalgarde und der Wiener Garnison
verbündeten sich mit den aufständischen Arbeitern und
Handwerksgesellen. Am 28.10. beginnt der Sturm der kaisertreuen
Truppen unter Fürst Windischgrätz auf Wien. Am 31.10. war die Stadt
erobert. Durch den Einsatz des Militärs hatte die Gegenrevolution
gesiegt!
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- Der Erhebung der Nationalitäten
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- Unter der Herrschaft der Habsburger lebten mehr
als zehn Nationalitäten unterschiedlicher Sprachen und
Konfessionen. Das "System Metternich" ignorierte die nationalen
Kollektivrechte und hielt mit Pressezensur, Polizei- und Spitzelwesen
das gesamte Staatswesen in einem trügerischen Ruhezustand. Unter dem
Einfluss der Französischen Revolution hatte der Genuese Giuseppe
Mazzini schon 1834 die Selbstbestimmung der Völker propagiert. Der
Ausbruch der Februarrevolution 1848 in Paris wurde auch von den Völkern des
Kaiserreichs Österreich als Signal zu einer Erhebung gegen das "ancien
régime" verstanden.
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Das Recht auf Selbstbestimmung der
Völker verband sich mit dem Ziel der Errichtung von
Nationalstaaten. Für den Vielvölkerstaat Österreich hätte dies eine
Aufsplitterung in mehrere Staaten bedeutet. Andererseits sollten
Staaten, die als Teile einer Nation galten, vereinigt werden. Wenn
man bedenkt, dass beispielsweise das im Gesamtverband der Habsburger
Monarchie stehende Königreich Ungarn auch wieder aus verschiedenen
Nationalitäten bestand, so häufte sich ungeheures Konfliktpotential
(z.B. über die Zugehörigkeit eines Territoriums) an. An den
entstehenden nationalen Konflikten sollte der Traum vom
"Völkerfrühling" 1848 zerbrechen. In Ungarn geschah dies gründlicher
als in jedem anderen europäischen Staat.
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- Im Königreich Ungarn verlangte Lajos
Kossuth am 3. März für alle Länder der Habsburger Monarchie die
Verantwortlichkeit der Minister gegenüber der Volksvertretung. Nach dem Rücktritt Metternichs am 12. März wurde eine
allgemeine Nationalbewegung ausgelöst, deren Ziel eine
Demokratisierung der ungarischen Staats- und Gesellschaftsordnung
wurde. Anfang April sah sich die österreichische Regierung gezwungen,
die fast vollständige Selbständigkeit des Königreichs Ungarn
zuzugestehen.
- Träger der böhmischen Nationalbewegung waren
die Bildungsbürger in der Hauptstadt Prag sowie Kleinbürger und
Studenten. Nach
Zugeständnissen der Wiener Regierung befand sich auch Böhmen auf dem
Weg zu einem unabhängigen multinationalen Staat, der nur noch locker
über das gleiche Herrscherhaus mit Österreich verbunden sein würde.
- Am 2. Juni 1848 wurde in Prag der Slawenkongress
eröffnet, bei dem die Slawen der Habsburger Monarchie
Gleichberechtigung für alle Nationalitäten forderten und die
Eingliederung in einen deutschen Nationalstaat ablehnten. Gleichzeitig
betonten sie ihre Loyalität zum österreichischen Kaiserhaus.
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Unter dem Eindruck des Kongresses
verstärkten die Prager Demokraten, zu der viele Studenten gehörten,
ihre tschechisch-nationalistische Agitation unter den Kleinbürgern
und Arbeitern. Am 13. Juni brach in Prag ein Aufstand aus, der nach
drei Tagen durch die von Fürst Windischgrätz geführten Truppen
niedergeschlagen wurde. Die Unterwerfung Prags war der
erste Sieg der Gegenrevolution in Mitteleuropa!
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- Die Einheit Italiens sollte aus dem
Zusammenschluss von Einzelstaaten entstehen, die mit Ausnahme Piemonts
nicht-nationalen Dynastien unterstellt waren. So war die italienische
Nationalbewegung darauf angewiesen, die österreichische Herrschaft in
Oberitalien zu beseitigen. Der oberitalienische Aufstand wurde durch
das Königreich Piemont militärisch unterstützt. Auch Papst Pius
IX., der Großherzog von Toskana und der König von Neapel schickten
Truppenkontingente für den Kampf gegen die Habsburger. Mit Ausnahme
eines kleinen Festungsgürtels an der Etsch brach die österreichische
Herrschaft in Mailand und in Venedig Ende März 1848 zusammen. Im weiteren
Verlauf des Jahres gewannen die Österreicher wieder die Oberhand. Am
25.6.1848 siegte der österreichische Feldmarschall Radetzky bei
Custozza über die Italiener. Am 6. August wird Mailand, das
Zentrum des Aufstandes, zurückerobert. Durch Einsatz des Militärs
hatte die Gegenrevolution gesiegt!
- Der ungarische Aufstand wird erst im
August 1849 durch einen russisch-österreichischen Zangenangriff
niedergeworfen (Kapitulation von Világos).
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Die
Revolution in Preußen |
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- In Berlin spielte sich die Unruhe in der Bevölkerung
auf zwei verschiedenen Ebenen ab, die sich jedoch zunehmend ineinander
verschoben: 1. die soziale Erregung unter den in der wirtschaftlichen
Krise arbeitslos gewordenen Arbeiter und Handwerksgesellen 2. die
politische Erregung im Streit um die Rolle und Funktion des 'Vereinigten
Landtags'.
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König Friedrich Wilhelm IV. glaubte an
seinem historisch-romantisch begründeten Ständeparlament festhalten zu
können, zeigte sich jedoch verhandlungswillig.
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- Unter dem Eindruck der Februarrevolution in Paris und ersten Unruhen
in der Bevölkerung Berlins bewilligt der König am 6. März 1848 die lange
verweigerte regelmäßige Einberufung des 'Vereinigten Landtags'.
Aber es ist bereits zu spät: die öffentliche Meinung lehnt die
ständische Vertretung ab. Die allgemeinen 'Märzforderungen'
(siehe oben) werden gebilligt. Am 8. März wurde die Aufhebung der
Pressezensur angekündigt. Doch die Unruhe der Berliner Bevölkerung war
nicht zu besänftigen. Staatliche Stellen notierten mit Sorge "die
veränderte, herausfordernde, beinahe freche Haltung" der unteren
Schichten, insbesondere der Handwerksgesellen.
- Massenentlassungen in der Berliner Industrie und Panikkäufe an
der Börse bildeten den Hintergrund für die zunehmende öffentliche
Unruhe. Am 13. März erscheint ein Flugblatt, in dem Abhilfe gegen
Not und Arbeitslosigkeit, Schutz vor Wucher und Ausbeutung sowie die
Einrichtung eines Sozialministeriums gefordert wurden. Am Abend
desselben Tages kommt es bei einer Massenversammlung in Berlin zu
Zusammenstößen zwischen Demonstranten und dem Militär zu den ersten
Verwundeten.
- Unter dem Eindruck des Sturzes von Fürst Metternich in Österreich
(12.3.1848) verkündete der Kronrat am 18. März die Einberufung
des 'Vereinigten Landtags' für den 2. April zu Beratungen über eine
neue preußische Verfassung. Darüber hinaus wurden Zugeständnisse an
die liberalen und nationalen Bewegungen in ganz Deutschland
gemacht (man fragt sich, mit welchem Recht!): Umwandlung Deutschlands in
einen Bundesstaat, Reform der Bundesverfassung im Einvernehmen von
Regierungen und Völkern, sofortige Einberufung einer vorläufigen
Nationalvertretung aus Mitgliedern der einzelstaatlichen Landtage,
Verkündung
konstitutioneller Verfassungen in Österreich und Preußen.
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Trotz aller Zugeständnisse hielt die preußische
Regierung an dem Grundsatz fest, dass den bestehenden
Verfassungsorganen die Ausarbeitung einer neuen Verfassung
übertragen werden sollte. Ein prinzipieller Neubeginn durch Wahlen für
ein - preußisches und deutsches - Parlament wurde abgelehnt. |
- In den Augen der Bevölkerung Berlins wurden die Zugeständnisse des
Königs dadurch entwertet, dass es keine Zusicherung über den Rückzug
des Militärs aus Berlin gab, dessen Vorgehen große Empörung
ausgelöst hatte. Bei einer Demonstration vor dem Berliner Schloss am
18.3. (also an dem Tag, an dem die Zugeständnisse gemacht wurden) wurde
der Abzug der Soldaten offen gefordert. Der König beantwortete dies mit
dem Befehl, den Platz vor dem Schloss durch das Militär räumen zu
lassen. Dabei fielen Schüsse, die Menge strebte auseinander und
innerhalb von Stunden entstanden in Berlin Hunderte von Barrikaden.
Barrikadenkämpfe folgten.
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Die aus allen Bevölkerungsschichten
zusammengesetzte revolutionäre Bewegung in Berlin hatte das
gemeinsame Ziel, die Herrschaft des Militärs zu brechen.
Dadurch sollte der Weg zur Liberalisierung des Staates freigemacht
werden.
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- Am 19.3.1848 erfolgt die Proklamation des Königs "An meine lieben
Berliner": Der Rückzug der Truppen aus der Hauptstadt wird zugesagt.
Friedrich Wilhelm IV. stellt sich an die Spitze der nationalen
Reform (der Reform Deutschlands). In einem weiteren Aufruf ("An mein
Volk und die deutsche Nation" vom 21.3.) steht der Satz "Preußen geht
fortan in Deutschland auf". Der König flieht nach Potsdam.
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Die preußische Revolution soll durch die
deutsche Nationalstaatsbewegung überwunden werden. Doch Preußen
blieb der Schauplatz einer eigenen Entwicklung.
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- Am 29.3. wird eine Regierung mit liberalen Ministern
(Camphausen, Hansemann) eingesetzt. Zeitgleich mit der deutschen
Nationalversammlung (siehe unten!) tritt am 22. Mai eine nach nahezu
allgemeinem und gleichem Wahlrecht aber in einem indirekten
Wahlverfahren gewählte 'Preußische Nationalversammlung' zusammen.
- Eine Aufgabe der 'Preußischen Nationalversammlung' bestand darin, eine
Verfassung für Preußen zu verabschieden. Die Demokraten (ca.120 der
insgesamt 402 Abgeordneten) legten unter anderem einen Entwurf zu
einer allgemeinen Gemeindeordnung vor, welche sowohl die
bisherigen Unterschiede zwischen den Provinzen als auch die Unterschiede
zwischen Stadt und Land aufgehoben hätte. Ständische Privilegien
wären aufgehoben worden. Der Entwurf sollte eine konstitutionelle
Monarchie auf breiter demokratischer Basis begründen. Der König sollte
uneingeschränkt Inhaber der ausführenden Gewalt bleiben.
- Der König stand den demokratischen Entwürfen der 'Preußischen
Nationalversammlung' von vornherein ablehnend gegenüber. Zusammen mit
seinen engsten konservativen Beratern, der 'Kamarilla'
entwickelte er ein regelrechtes Kampfprogramm. Danach wären Gesetze
zur Einschränkung von Versammlungs-, Vereinigungs- und Pressefreiheit
erlassen worden. Stattdessen sollte eine Verfassung auf ständischer
Grundlage
vorgelegt und im Falle eines Widerstandes der Nationalversammlung
oktroyiert werden.
- Das Zusammentreten der 'Preußischen Nationalversammlung' ließ die
Unruhen in Berlin nicht abflauen. Die
katastrophale Wirtschaftslage führte zum Zusammenbruch zahlreicher
Fabriken und Handelshäuser und damit zum weiteren Anstieg der
Arbeitslosenzahl. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und die Ausgabe von
Brotmarken seitens der Stadtverwaltung zeigten kaum Erfolg. Aufgrund der
sozialen Unzufriedenheit kam es immer wieder zu Massendemonstration
und gewaltsamen Ausschreitungen.
- Den Aufruhr vom 31.10.1848 in Berlin nahm Friedrich Wilhelm IV.
zum Vorwand, um die 'Preußische Nationalversammlung' am 9. November zu
vertagen und für Anfang Dezember in die kleine Provinzstadt Brandenburg
einzuberufen. Die protestierenden Abgeordneten mussten sich der
angedrohten Gewalt beugen. Am 5. Dezember löste die neue Regierung (die
liberalen Minister waren entlassen worden!) die Versammlung auf und
verkündete gleichzeitig eine neue Verfassung.
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Die oktroyierte Verfassung beschnitt nur wenige
Grundrechte. Auch das allgemeine Wahlrecht wurde - zunächst -
übernommen. Eine Bestimmung in der Verfassung erlaubte es der Regierung,
Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, wenn das Parlament nicht
versammelt war. Im Mai 1849 wurde unter Berufung auf dieses
Notverordnungsrecht das Dreiklassenwahlrecht eingeführt. |
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Die
Frankfurter Nationalversammlung |
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- Die 'Frankfurter Nationalversammlung' war neben den
Staaten des 'Deutschen Bundes' ein weiterer Schauplatz der Revolution.
- Die Erfolge der Märzrevolution im Südwesten
Deutschlands und im Rheinland führten dazu, dass vom 31. März bis 3. April
1848 in Frankfurt eine sehr ungleich zusammengesetzte, ihr Mandat nur aus
der Revolution ableitende, Versammlung, das Vorparlament,
zusammentrat. Das Vorparlament beschließt die Einberufung einer von der
ganzen Nation zu wählenden Versammlung, die kraft ihrer Wahl eine
Reichsverfassung schaffen sollte.
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Im Vorparlament kam es zu ersten
Auseinandersetzungen zwischen den gemäßigten Liberalen und den
Demokraten. Die radikalen Demokraten (Friedrich Hecker, Gustav von Struve) bestanden auf allgemeinen Wahlen und eine sofortige Ausrufung
einer Republik. Die gemäßigte Mehrheit schreckte vor dem revolutionären
Akt, sich als permanenten Aktionsausschuss zu konstituieren, zurück. Die
Entscheidung für die Wahl der Nationalversammlung sollte nur im
Einvernehmen mit dem Deutschen Bundestag gefasst werden.
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- Am 1.5.1848 wurde die Frankfurter
Nationalversammlung in allen Staaten des 'Deutschen Bundes' gewählt.
Die Wahl der einzelnen Abgeordneten erfolgte nach den Grundsätzen der
Persönlichkeitswahl, d.h. sie war, allgemein, gleich, unmittelbar und geheim.
Unter den ca. 800 Abgeordneten befanden sich zahlreiche bekannte
Persönlichkeiten (Arndt, Jahn, Dahlmann, Jakob Grimm, Ludwig Uhland, Ketteler, Döllinger und andere). Die Eröffnung der Nationalversammlung
erfolgte am 18. Mai in der Paulskirche. Heinrich von Gagern, der
hessische "Märzminister", wurde zum Präsidenten gewählt.
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Da es noch keine Parteien gab, setzten
sich die Abgeordneten im Parlamentssaal je nach ihrer politischen Einstellung
auf eine bestimmte Seite (wie in Frankreich üblich!). Ganz rechts - vom Präsidenten aus gesehen -
saßen die ca. 40 Konservativen, die keine Veränderung der
bestehenden Verfassung anstrebten (die Rechte). Ganz links hatten die
ca. 50 radikalen Demokraten ihre Sitze, welche neben einem
allgemeinen Wahlrecht für eine Ausrufung einer einheitlichen
deutschen Republik (Abschaffung der Monarchie, gegen föderalistische
Bestrebungen) plädierten. Zur 'Linken' gehörten auch die 55
gemäßigten Demokraten (für allgemeines Wahlrecht auch unter der
Staatsform der Monarchie). Zwischen der rechten und linken Seite des
Parlaments nahmen die 290 Liberalen Platz. Entsprechend ihrer
politischen Einstellung zum Umfang und Ausgestaltung der Grundrechte,
zum Wahlrecht (harte oder moderate Zensusbestimmungen) und zur
Einrichtung eines Bundesstaates (Mitspracherecht der Einzelstaaten bei
einer monarchischen Staatsgewalt in Deutschland) gab es innerhalb der
Liberalen verschiedene Gruppierungen: die gemäßigten Liberalen
(120 Sitze, möglichst viele monarchische und föderalistische Elemente in
einer Reichsverfassung), das rechte Zentrum der Liberalen
(40 Sitze), die fortschrittlichen Liberalen (130 Sitze, den
gemäßigten Demokraten nahe stehend.) - Daneben gab es eine große Zahl
von Abgeordneten, die nicht bereit waren, sich einer Gruppierung
anzuschließen und damit festzulegen. Zwei
Drittel der Abgeordneten gehörten dem akademischen Bürgertum an.
Der Adel und das Besitzbürgertum stellte etwa 15 Prozent der
Parlamentarier. Die Handwerker hatten nur wenige, die Arbeiter gar
keinen Vertreter. |
- Die Regierungen der deutschen Staaten hatten ihre
Zustimmung zur Wahl und Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung
gegeben, als sie den revolutionären Ereignissen hilflos ausgesetzt waren.
Mit der Festigung der Stellung der Monarchen zeigte sich, dass die
Regierungen nicht mehr gewillt waren, mit dem Parlament
zusammenzuarbeiten. Auch in allen Fragen der Schaffung einer
gesamtdeutschen Zentralgewalt stieß die Nationalversammlung auf den
Widerstand der Regierungen.
- Das nationale Reich sollte ein
nationaler Bundesstaat werden. Das Verhältnis des Vielvölkerstaates
Österreich zu einem nationaldeutschen Reich war das entscheidende Problem.
Lösungen wie die Verbindung eines engeren, nur 'Deutsch-Österreich'
einbeziehenden und eines weiteren, alle habsburgischen Länder umfassenden
Bundes hätten die Einheit der Monarchie zerstört. So schien im September
1848 als einzige
realisierbare Möglichkeit für Österreicher wie Nationaldeutsche der
Verzicht auf den Anschluss der Gesamtmonarchie und die Konstituierung
eines „kleindeutschen“ Reiches zu sein.
- Über die Beratung der Grundrechte zerrann die Zeit, in der die Bildung einer nationalen Gesamtstaatgewalt noch
möglich gewesen wäre. Die provisorische Reichsgewalt mit dem
Reichsverweser Erzherzog Johann von Österreich konnte ihren Anspruch auf
eine nationalstaatliche Souveränität über die erstarkten Einzelstaaten
nicht mehr durchsetzen.
- Ziel der auf das Besitz- und Bildungsbürgertum
gestützten Liberalen in der Nationalversammlung war es nun, einer
einzelstaatlichen Großmacht die dauerhafte Führungsrolle in einem
nationalen Bundesstaat zu übergeben. Am 27./28.3.1849 einigten sich
'kleindeutsche Demokraten' und 'kleindeutsche Liberale' auf ein
Erbkaisertum und darauf, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die
deutsche Kaiserkrone anzubieten. Beide Gruppierungen hatten erhebliche
Zugeständnisse gemacht: die Demokraten hatten für ein Erbkaisertum
gestimmt, die Liberalen hatten ein allgemeines Wahlrecht hingenommen.
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Friedrich Wilhelm IV. lehnt die Kaiserkrone
ab. Ihre Annahme hätte fast mit absoluter Sicherheit einen
machtpolitischen Konflikt mit Österreich und Russland bedeutet,
die gerade gemeinsam die nationale Erhebung der Ungarn niedergeschlagen
hatten. Außerdem hasste der preußische König die Revolution; er wollte
diesen "imaginären Reif nicht", der "aus Dreck und Letten gebacken", an
dem "der Ludergeruch der Revolution klebte", die von Volkssouveränität
und Parlamentarismus sprach.
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- Die Ablehnung Friedrich Wilhelms IV. ist das Signal zum
Austritt der meisten Abgeordneten aus der Frankfurter
Nationalversammlung und zur Erhebung der radikalen Demokraten.
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Die radikalen Demokraten fanden zunächst
im "Rumpfparlament" in Stuttgart ihren Stützpunkt und gingen nach dessen
Auflösung in Sachsen, in Baden und in der Pfalz zur offenen
Revolution über. Preußische Truppen unter dem Prinzen Wilhelm
unternahmen einen förmlichen Feldzug gegen die Heere der Revolution. Die Reste der Revolutionäre werden in Rastatt
eingeschlossen, belagert und zur Aufgabe gezwungen wurden. Die Anführer,
soweit sie in Gefangenschaft geraten, werden erschossen. |
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| Viele der im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
verankerten Grundrechte gehen auf die Revolution von 1848 zurück.
Vielfach heißt es, die Revolution von 1848 sei gescheitert. Richtig ist,
dass die damals beschlossene Verfassung nie in Kraft trat. Richtig ist auch,
das die Berliner Reichsverfassung von 1871 keinen Grundrechtskatalog
enthielt. Doch schon die Weimarer Nationalversammlung von 1919 und
noch stärker der Bonner Parlamentarische Rat von 1948/49 übernahmen
viele Formulierungen von der Frankfurter Paulskirchenversammlung. Darf man
etwas gescheitert nennen, was heute geltendes Recht ist? Muss man nicht von
einem späten Triumph sprechen? Der heutige Rechtsstaat Deutschland hat alte
Wurzeln in der eigenen Geschichte! |