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Das neue Weltbild
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- Der französische Philosoph René Descartes (1596 - 1650) hat
das Weltgefühl seiner Zeit in ein System gebracht (cartesianisches
System). Er versuchte, durch bloßes Denken die Eigenschaften und
Existenzgesetze von noch nicht vorhandenen wirklichen Dingen zu finden.
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- Mit der von ihm entwickelten analytischen
Geometrie wurde es möglich, die Eigenschaften jeder Kurve in
einer Gleichung auszudrücken, deren Hauptbestandteile aus zwei
veränderlichen Größen, den Koordinaten, gebildet werden. Dies
bedeutete nichts anderes, als die Realität in ein
Koordinatensystem einzufangen, von dem aus sie mit dem Verstand jederzeit
bestimmt werden kann. - Dies ist uns durch die Schulausbildung in
Fleisch und Blut übergegangen, für die damals lebenden Menschen war es
neu.
- Die Erkenntnisse aus der Mathematik werden von
Descartes auch auf die Metaphysik übertragen. Der oberste
Grundsatz, den Descartes aufstellt, lautet: Alles ist
zweifelhaft.
Selbst wenn wir berechtigt sein sollten, an etwas zu zweifeln,
steht dieser unser Zweifel fest. So gelangt Descartes zu der
Folgerung "Ich zweifle, daher bin ich" und, da alles
Zweifeln Denken ist, zu dem Satz "Ich denke, daher bin
ich" (cogito ergo sum).
- Nach Descartes ist im Grunde die gesamte
physische und metaphysische Welt ein mathematisches Problem. Aus
dem Denken erhellt sich für ihn die Tatsache des menschlichen Ich
und der ganzen Welt. Die analytische Methode zerlegt die gegebene
Realität zunächst in ihre "Elemente", um sie dann
wieder "richtig" zusammenzusetzen. Die Welt kann kann
also korrigiert werden.
- Descartes wendet sich jedoch nicht von Gott ab.
Grundsätzlich kann der Mensch nicht irren, wenn er dem zustimmt,
was er klar und deutlich erkannt hat. In Irrtum kann er nur
verfallen, wenn er von der göttlichen Gabe der Erkenntnis nicht
den richtigen Gebrauch gemacht hat.
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- Der Absolutismus, den zum Beispiel Ludwig XIV. von Frankreich
aufrichtete, folgte aus dem cartesianischen System, das ein Zentrum
fordert, von dem aus alles einheitlich und methodisch beherrscht und
gelenkt wird. Der König ist der von Gott und der Vernunft eingesetzte
Mittelpunkt des irdischen Koordinatennetzes: an ihm hat sich alles zu
orientieren.
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Erst ist der König da, dann der Staat,
wie zuerst das Koordinatenkreuz da ist und dann erst die realen
Punkte, Linien und Flächen. Der zeitgenössische Historiker Bossuet
erklärt in einer Abhandlung, der ganze Staat, der gesamte Wille des
Volkes sei im König beschlossen, nur wer dem König diene, diene dem
Staat. Diese Auffassung wurde sowohl von der großen Masse des Volkes
als auch von den Intellektuellen vertreten.
Von seiner 'Allgewalt' teilte Ludwig XIV.
Einzelpersonen oder Volksgruppen so viel mit, wie ihm beliebte; er
konnte den abgegebenen Machtanteil aber jederzeit an sich
zurücknehmen. Das Einspruchsrecht des Parlaments wurde mittels
eines bloßen Erlasses beseitigt. Nach eigenem Gutdünken hob der
König Gerichtsurteile auf, verfügte die Verhaftung solcher
Untertanen, die ihm missliebig waren, und setzte Sondergerichte ein, die
nach seinem Willen entscheiden mussten. Die Allgewalt des Souveräns
erstreckte sich auch auf den Glauben und das Wirtschaftsleben
("Ein König, ein Gesetz, ein Glaube").
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Die Situation des
Deutschen Reiches nach dem Westfälischen Frieden von 1648
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- Durch die Neuordnung der politischen und kirchlichen
Verhältnisse 1648 hat der Kaiser seine Oberhoheit im Reich
verloren.
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Nach dem Tod Kaiser Ferdinands III.
im Jahre 1657 wurde die Kaiserwürde 1658 auf Leopold I. aus
dem Hause Habsburg
übertragen. |
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- Deutschland setzte sich aus einer Reihe größerer und kleinerer
Souveräne zusammen, unter denen dem Kaiser nur der Vorsitz
zustand. Das Bündnisrecht, das die deutschen Fürsten beim
Friedensschluss erhalten hatten, führte zur Machtkonkurrenz
untereinander und mit anderen europäischen Staaten. Der Kaiser
war auf wechselnde Bündnisse mit den anderen Reichsfürsten
angewiesen.
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Kaiser Leopold I. und der Kurfürst
von Brandenburg (Friedrich Wilhelm - 'der Große Kurfürst' -),
nach dem Westfälischen Frieden die mächtigsten Herrscher im Reich,
waren bald miteinander, bald gegeneinander verbündet, wie die
jeweilige Lage dies erforderlich machte. Verträge wurden - überall
in Europa - nur für eine bestimmte Situation geschlossen. |
- Jeder der ca. 250 fürstlichen Monarchen war im Alleinbesitz
der Herrschergewalt und in keiner Weise an die Mitwirkung oder
Zustimmung der Stände gebunden. Adel und hoher Klerus genossen
fast überall Steuerfreiheit und stützten daher das System.
- Beim Reichstag (ab 1663 tagte er permanent in Regensburg)
ließen sich die Fürsten durch ihre Gesandten vertreten. Der Kaiser
war in allen wichtigen Angelegenheiten - so auch in Steuerfragen -
an den Reichstag gebunden. Nur sehr selten kamen Beschlüsse über
politische, gesetzgeberische oder finanzielle Maßnahmen zustande.
Die Gestaltung einer Reichspolitik war praktisch unmöglich.
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Erst mit dem Ende des Heiligen Römischen
Reiches deutscher Nation im Jahre 1806 endete auch der "immerwährende
Reichstag" in Regensburg. In diesen 143 Jahren entwickelte er sich
zu einem flexiblen Instrument, das zur Lösung der Konflikte zwischen den
Ländern und Territorien des Reiches beitrug. |
- Die Reichsarmee war nur noch eine Art
Koalitionsarmee jener selbständigen Herrscher, die sich sowohl
miteinander als gegeneinander und mit auswärtigen Mächten,
insbesondere mit Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Polen
verbündeten. Nur gegen die Türken hielten sie, wenigstens dem
Grundsatz nach, zusammen. - Die Einnahmen, die der Kaiser aus
seinen Erblanden bezog, reichten nicht aus, die Kosten des
Heerwesens zu bestreiten.
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In der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts werden die Verhältnisse in Deutschland
weniger durch irgendeine deutsche Macht, einen deutschen
Herrscher, als vielmehr durch die französische Regierung
beeinflusst (insbesondere durch Ludwig XIV., welcher von
1661 bis zu seinem Tode die 'absolute' Gewalt über Frankreich
ausübte).
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Die
Angriffskriege Frankreichs 1648 - 1697
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- Kardinal Richelieu (1585 -1642), seit 1624 leitender
Minister, ist der eigentliche Begründer des absolutistischen
Einheitsstaats und der Vormachtstellung Frankreichs in
Europa. Durch die
Unterstützung der Schweden im Dreißigjährigen Krieg gelang es
ihm, den Ring des Hauses Habsburg um Frankreich zu sprengen. Vor
seinem Tod 1642 hatte er den Abschluss des Westfälischen Friedens
zugunsten Frankreichs vorbereitet.
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"Die Vernunft muss die
Richtlinie für alle sein", erklärte Richelieu, und durch
Vernunft kam er zu der Überzeugung, dass nur die Vollendung der
absoluten Königsgewalt Frankreich zur ersten Macht der Welt
erheben könne. |
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- Als Ludwig XIII. 1642 starb, war der neue König, Ludwig XIV.,
fünf Jahre alt. Seine spanische Mutter, Anna von Österreich,
führte die Regentschaft. Kardinal Mazarin (1602 - 1661), der Nachfolger
Richelieus, veranlasste durch seine absolutistische Innenpolitik
den Adelsaufstand der Fronde. Außenpolitisch führte er
Frankreich weiter zur europäischen Vormachtstellung. 1648 war er
Vertreter Frankreichs beim Abschluss des Westfälischen Friedens,
1659 schloss er den Pyrenäenfrieden mit Spanien ab.
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Als der Westfälische Friede
abgeschlossen wurde, war der Krieg Frankreichs mit Spanien noch
nicht beendet. Mazarin gewann die Hilfe Englands (unter
Lord-Protektor Oliver Cromwell). Ein Bündnisvertrag mit einer
Reihe deutscher Fürsten, die "Rheinische Allianz",
war gegen den deutschen Kaiser gerichtet und sollte diesen daran
hindern, die Spanier zu unterstützen.
England, das gerade mit dem Aufbau
eines Kolonialreichs beschäftigt war, wollte Spanien, das bereits viele Besitzungen
in Übersee besaß, einen mächtigen Gegner auf dem Kontinent
entgegenstellen.
So halfen englische Truppen dem französischen Feldherrn Turenne,
die Spanier bei Dünkirchen entscheidend zu schlagen (1659). Im
gleichen Jahr wurde der Pyrenäenfrieden geschlossen. Frankreich
löste nun endgültig Spanien in der Rangfolge der europäischen
Mächte ab. |
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- Der Tod von Kardinal Mazarin im Jahr 1661 machte der Einrichtung
des Ersten Ministers ein Ende. Ludwig XIV. rief die
führenden Männer des Staates zusammen und sagte ihnen:
"Jetzt ist es Zeit, dass ich herrsche. Sie werden mich mit
Ihrem Rat unterstützen, wenn ich Sie darum ersuche."
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Der Ministerrat wurde auf
drei Personen beschränkt: Le Tellier (Krieg), Lionne
(Außenpolitik), Colbert (Finanzen). Mit diesen Männern führte
der junge König eine
autoritäre Regierung.
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"Tun Sie alles, was meinem Ruhme dienen
kann!" schrieb Ludwig XIV. an einen seiner Minister. Der
Ruhm war eine Realität, er war die natürliche
Begleiterscheinung einer Staatsform, in welcher der Herrscher
sich nicht dem Land, sondern nur sich selbst verantwortlich
fühlte. Der Staat bestand in der Person des Herrschers, die
öffentlichen Mittel gehörten ihm, auch das Blut und die
Arbeitskraft seiner Untertanen. - Ludwig XIV. hatte die beste
Armee Europas, er war bereit, sie zu seinem Ruhme einzusetzen.
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- Die Reunionskriege Ludwigs XIV.
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- Devolutionskrieg (1667/68): Nach dem Tod seines
Schwiegervaters, Philipp IV. von Spanien, erhob Ludwig
Anspruch auf die südlichen Provinzen der spanischen Niederlande.
Begründet wurde der Anspruch durch das 'Devolutionsrecht'
(einem rein privaten Vorzugsrecht, das im Erbfall für die Kinder
erster Ehe in einigen Teilen der spanischen Niederlande galt). Als
1667 französische Truppen unter Turenne in die spanischen
Niederlande einmarschierten, verbündeten sich diese mit England
und Schweden. Der König brach das Unternehmen ab und behielt im Frieden
von Aachen (1668) die Städte Lille und Dünkirchen.
- Holländischer Krieg (1672 - 1678)
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- Den Krieg gegen
Holland (die Niederlande) hatte Ludwig XIV. durch Bündnisse mit England, Schweden
und einigen Reichsfürsten vorbereitet. Die Holländer
wurden von Franzosen und Engländern zunächst überrannt.
- Als es Generalstatthalter Hollands, Wilhelm
III. von Oranien, gelang, eine Koalition mit dem Kaiser,
dem Deutschen Reich, Brandenburg und Spanien zustande zu
bringen, verstärkte sich der Widerstand. Die Truppen des
französischen Marschalls Turenne verwüsteten die Pfalz;
die mit Frankreich verbündeten Schweden wurden 1675 bei Fehrbellin
von den Brandenburgern geschlagen.
- Im Frieden von Nymwegen (1678/79)
erhielt Frankreich 10 elsässische Reichsstädte, die
Freigrafschaft Burgund, Cambrai, Valenciennes u.a.. Holland
erhielt sein Land zurück.
- Frankreich fühlte sich strategisch
gefestigt. Ludwig XIV. hielt es angesichts seiner
Machtfülle und der gleichzeitigen Schwäche des Deutschen Reiches nicht
mehr nötig, weitere Kriegserklärungen ergehen zu lassen.
1680 setzte er die sogenannten. 'Reunionskammern' ein, die für Gebiete,
die er okkupieren wollte, irgendwelche Rechtsfiktionen
aufstellten. Zahlreiche deutsche Städte wurden mitten im
Frieden von französischen Truppen besetzt (Saarbrücken,
Straßburg, Trier u.a.).
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- Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688 - 1697)
Ohne
Kriegserklärung brachen die französischen Armeen unter dem Kommando
des Generals Ezéchiel de Mélac im September 1688 in Deutschland ein
und machten die Pfalz zu einem Streifen der „verbrannten Erde“, der
den Truppen der Gegner die Versorgungsgrundlage entziehen sollte.
Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms und Hunderte von kleineren
Ortschaften wurden verwüstet. Das Heidelberger Schloss wurde zerstört.
In Speyer wurden die Gebeine der Kaiser aus ihren Gräbern gerissen,
die Bevölkerung wurde in die Wälder getrieben oder gar getötet. Erst
am Jahresende formierten sich die Truppen des Schwäbischen Kreises
(Truppen aus Württemberg, Baden und 31 Reichsstädten*), die sich bis
dahin in Ungarn im Abwehrkampf gegen die Türken befunden hatten. In
den meisten Treffen zu Lande blieb Frankreich siegreich, aber es
zeigte sich bestrebt, Entscheidungsschlachten zu vermeiden. 1689 wurde
der offizielle Reichskrieg gegen Frankreich erklärt.
Zur
See geriet es in Bedrängnis. Die Flotte wurde von den Engländern bei
La Hougue vernichtet (1692)
*Der
Reichstag in Regensburg hatte 1681 unter dem Eindruck der wachsenden
Türkengefahr die Errichtung eines stehenden Heeres beschlossen, das
die einzelnen Reichskreise - so auch der 'Schwäbische Kreis'
- zu stellen hatten.
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- Als Ludwig XIV. 1686 als Schwager der
Elisabeth Charlotte von Orléans (Lieselotte von der Pfalz)
Erbansprüche auf die Pfalz erhob, bildete sich das Bündnis
von Augsburg, zu dem sich der Kaiser, Spanien, Schweden,
Brandenburg, Sachsen, Hannover, Holland und Savoyen
vereinigten. Schließlich trat auch noch England diesem Bündnis
bei.
- Ohne Kriegserklärung brachen im September
1688 die Armeen
Ludwigs XIV. unter dem Kommando des Generals de Mélac in Deutschland ein und
und machten die Pfalz zu einem "Streifen der verbrannten
Erde", der den gegnerischen Truppen die Versorgungsgrundlage
entziehen sollte.
Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms und viele kleinere
Ortschaften wurden zerstört.
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Erst Ende 1688 formierten
sich die Truppen des 'Schwäbischen Kreises' (Truppen
aus Württemberg, Baden und 31 Reichsstädten, die sich bis
dahin in Ungarn im Abwehrkampf gegen die Türken befunden
hatten. |
- In den meisten Schlachten blieb Frankreich
siegreich. Große Entscheidungsschlachten zu Land gab es nicht. Zur
See wurde die Flotte Frankreichs bei La Hougue
vernichtet. Die Überspannung der französischen Kräfte
zwang Ludwig zum Einlenken.
- Im Frieden von Rijswijk (1697)
musste Frankreich alle rechtsrheinischen Eroberungen und die
meisten durch die Reunionskammern getätigten Annexionen
zurückgeben. Das Elsass mit Straßburg blieb französisch.
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Der
schwedisch-polnische Krieg (1655 - 1660)
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- Durch die Beschlüsse des Westfälischen Friedens hatte Schweden
einen großen Teil der Ostseeländer für sich gewonnen. Auch an
der Nordseeküste hatte es Besitzungen erworben.
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Die Größe des territorialen
Besitzes entsprach nicht der wahren Macht des Staates.
Das Land war arm, die Staatshaushalt wies einen erheblichen
Fehlbetrag auf. Zur Aufrechterhaltung der äußeren
Machtstellung hatte Schweden ein Heer von 50.000 Mann, für
dessen Unterhalt immer mehr die finanziellen Mittel fehlten. So
lag der Gedanke nahe, - entsprechend der damaligen Praxis - das
Heer bei weiteren Eroberungen für sich selbst sorgen zu lassen.
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- 1654 entsagte Königin Christine dem Thron, um zum
katholischen Glauben übertreten zu können. Auf dem Thron folgte
ihr Vetter, der Pfalzgraf von Zweibrücken, als Karl X. Gustav
(1654 - 1660).
- Karl X. nahm 1655 den Anspruch des in Polen regierenden
katholischen Wasa Johann II. Kasimir auf die schwedische
Krone zum Anlass, um in Polen einzufallen.
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- Nach der Eroberung
Warschaus und Krakaus durch die Erhebung des polnischen Adels in
Bedrängnis gebracht, gewann Karl X. den Kurfürsten Friedrich
Wilhelm von Brandenburg (den großen Kurfürsten) für sich,
indem er ihm einen großen Teil seiner Erwerbungen in Polen anbot.
Am 28.-30.10.1656 siegte das schwedisch-brandenburgische Heer bei
Warschau über die Polen, deren Widerstandskraft nicht jedoch
dadurch nicht gebrochen wurde.
- Der Kaiser und Dänemark wollten den Machtgewinn Schwedens
bei einer vollständigen Niederlage Polens nicht dulden. Der
Kaiser schickte ein Hilfsheer, Dänemark erklärte Schweden den
Krieg. Auch der Kurfürst von Brandenburg sollte in die Koalition
gegen Schweden einbezogen werden. Am 10.9.1657 kommt es zum Vertrag
von Wehlau , in dem Brandenburg gegen Zusicherung der
Souveränität über Preußen (das spätere Ostpreußen) und gegen
Abtretung eines Teils von Pommern auf die Seite Polens übertrat.
- Karl X. drang bis Kopenhagen vor, König Friedrich III. von
Dänemark musste im Februar 1658 den Frieden von Roeskilde
unterzeichnen. Der Versuch Karls X., Dänemark nach diesem
Friedensschluss vollständig niederzuwerfen, bewirkte die
Gegenreaktion Brandenburgs, Österreichs und Polens in Holstein
und Jütland. Eine niederländische Flotte wurde zum Schutz
Kopenhagens eingesetzt.
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- Nach dem Sieg der Verbündeten und nach dem Tod Karls X. wurde
im Mai 1660 in Oliva der Friede zwischen Schweden,
Brandenburg, Polen und Kaiser Leopold I. unterzeichnet. Im Juli
folgte in Kopenhagen der Friede zwischen Dänemark und Schweden.
Der Besitzstand vor dem Krieg wurde wiederhergestellt. Brandenburg
wurde seine Souveränität im Herzogtum Preußen garantiert.
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Die Rolle Österreichs
als Erbland des Kaisers
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- Leopold I. folgte 1654 seinem Vater
Ferdinand III. als Herrscher in den österreichischen
Erblanden. 1658 wurde er zum Kaiser gewählt. Der Verfall
der Staatsmacht, der nach dem Westfälischen Frieden
begonnen hatte, setzte sich unter Leopold I. fort. Auch die
Wirtschaftskraft Österreichs verfiel.
Staatsbedürfnisse mussten aus
Anleihen gedeckt werden.
- Leopold I. hatte eine hohe Meinung von
seiner Würde, ließ sich jedoch in seiner Politik von
seinen Beratern, insbesondere der Geistlichkeit leiten.
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- Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde der
gesamte deutsche Besitz des Hauses Habsburg in einer Hand
vereinigt. Die Bedeutung des Staatenkomplexes entsprach
jedoch nicht seiner Größe. Die drei Ländergruppen (Deutsch-Österreich,
Böhmen mit Mähren und Schlesien, Ungarn mit seinen
Nebenländern) hatten jeweils eine andere Gesetzgebung und
Wehrpflicht.
- Ein
Haupthindernis für die Einigung bildeten die Stände, die in
jedem Land besonders bestanden.
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- Bevor Leopold I. im Jahr 1658 zum
Kaiser gewählt wurde, musste
er - unter dem Einfluss Frankreichs - das Wahlversprechen
abgeben, die spanischen Habsburger in ihrem Krieg gegen
Frankreich weder in Italien noch in den südlichen Niederlanden
zu unterstützen. Die Verluste seiner spanischen Verwandten
konnte er deshalb nicht vermeiden.
- Am schwedisch-polnischen Krieg (1655
- 1660) nahm Leopold seit 1657 auf polnischer Seite teil.
Nach dem Sieg der Verbündeten (dem Reich, Österreich,
Brandenburg, Polen, den Niederlanden, Dänemark) gegen das
von Frankreich unterstützte Schweden wurde im Mai 1660 der
Frieden von Oliva unterzeichnet, bei dem der Besitzstand vor
dem Krieg wiederhergestellt wurde.
- Der Gegensatz zu Frankreich zog Leopold I.
in die Reunionskriege (Holländischer Krieg 1672 -
1678, Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688 - 1697)
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Die
Türkenkriege 1662 - 1739
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- In den Kriegen von 1662 - 1664
kämpfte Kaiser Leopold I. unglücklich. Obwohl R. Graf von Montecuccoli die Türken bei St. Gotthard an der Raab schlagen konnte, brachte der
Friede von Eisenburg, den Leopold I., bedrängt von Ludwig XIV. von Frankreich, abschließen
musste, für die Österreicher den Verlust der Städte Großwardein u. Neuhäusel.
- Erste Erfolge der christlichen. Staaten gegen das Osmanische. Reich brachte der
Große Türkenkrieg 1683–1699. 1683 standen die Türken vor Wien, das von Graf Starhemberg verteidigt wurde. Unter dem
polnischen König Johann Sobieski entsetzte ein aus kaiserlichen, bayerischen., sächsischen.
und polnischen. Truppen bestehendes Heer nach dem Sieg am Kahlenberg (12. 9. 1683)
die Stadt Wien.
- Karl V. von Lothringen eroberte Ofen (1686)
und siegte bei Mohács (1687); Belgrad wurde genommen (1688). Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (der
»Türkenlouis«) fiel in Bosnien und Serbien ein. Die Türken konnten jedoch Belgrad zurückerobern, da die
kaiserlichen Truppen zum Teil durch die Grenzkämpfe gegen Ludwig XIV. im Westen gebunden waren.
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- Kriegsentscheidend war die Schlacht
bei Zenta am 11.9.1697, in der Prinz Eugen von Savoyen
die Türken schlagen konnte. In dem Frieden von
Karlowitz (1699) gewann Österreich Ungarn,
Siebenbürgen und Slowenien und begründete damit
seine Großmachtstellung.
- Ein Versuch des Osmanischen Reichs,
seine großen Verluste rückgängig zu machen, war der
Angriff auf den Peloponnes (1714). 1716 griff der
Kaiser auf der Seite Venedigs, das 1685 - 1687 den
Peloponnes erobert hatte, in den Krieg ein. Nach dem
Sieg bei Peterwardein (1716) durch Prinz Eugen und der
Eroberung Belgrads (1717) endete der Krieg im Frieden
von Passarowitz (1718) mit weiteren Gebietsabtretungen
des Osmanischen Reichs. Der Banat von Temeschwar, die
Kleine Walachei sowie der Norden Serbiens und Bosniens
fielen an Österreich.
- 1735 - 1739 kämpfte der Kaiser
gemeinsam mit Russland gegen die Türken. Im Frieden
von Belgrad (1739) musste Österreich die 1718
eroberten Gebiete mit Ausnahme des Banats wieder
herausgeben.
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Der Spanische
Erbfolgekrieg (1701 - 1714)
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- Mit dem Tod Karls II. im Jahr 1700 waren
die spanischen Habsburger ausgestorben. In seinem Testament
hatte er Philipp von Anjou, einen Enkel Ludwigs XIV. von
Frankreich, als Alleinerbe eingesetzt. Kaiser Leopold I.
aus der österreichischen Linie des Hauses Habsburg erhob ebenfalls Anspruch
auf das Erbe.
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Zunächst sah es so aus, als
ob es sich lediglich um die Fortsetzung des alten Zwistes
zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg gehen würde. Da
die 'Beute' jedoch nicht nur den Herrschaftsbereich der
spanischen Krone in Europa, sondern auch die riesigen
Besitzungen Spaniens in der Neuen Welt umfasste,
sah Großbritannien seine überseeischen Interessen
gefährdet und stellte sich auf die Seite des Kaisers und
Österreichs. - .
Die Kolonialpolitik, die bisher in den
internationalen Auseinandersetzungen keine große Rolle
gespielt hatte, trat nun in den Vordergrund.
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- Da Ludwig XIV. seinem Enkel, Philipp von
Anjou, auch das Erbrecht auf den französischen Thron
einräumte, eröffnete sich die Möglichkeit eines
Zusammengehens der spanischen Weltmacht mit Frankreich und
damit einer bourbonischen Hegemonie in Europa.
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Ludwig XIV. ließ nicht nur
die Verwicklungen mit Großbritannien auf sich zukommen,
sondern war im Gefühl seiner 'Gottgleichheit' so
arrogant, sie noch herauszufordern. Er verletzte den in
Großbritannien regierenden Wilhelm von Oranien schwer,
indem er den im Exil lebenden Vertreter des Hauses Stuart als englischen König
anerkannte. Als er dazu noch widerrechtlich einige Plätze
in den Niederlanden besetzte, brachen die Feindseligkeiten
offen aus. |
- Am 7.9.1701
kam es zu einer Allianz zwischen Österreich,
Großbritannien und den Niederlanden, an der auch das
römisch-deutsche Reich beteiligt war. Später schloss sich
auch Portugal der Allianz an.
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Der Krieg wurde mit großer
Erbitterung und nach allen Regeln einer neuen Kriegskunst
geführt. Da die Gegner Frankreichs den von dem
Festungsbauer Vauban erstellten
Verteidigungsgürtel fürchteten, suchten sie den
Bewegungskrieg und die Entscheidungsschlacht auf offenem
Feld. Die großen Feldherren Ludwigs hatten schwache
Nachfolger gefunden, während Großbritannien und das
Reich ihm geniale Oberbefehlshaber wie Marlborough
und Prinz Eugen entgegenstellen konnten. Es zeigte
sich auch bald, dass die materiellen und personellen
Ressourcen Frankreichs durch die vielen Kriege nahezu
erschöpft waren. |
- Frankreich wurde bei Höchstädt und
Blenheim (1704), bei Ramillies (1706), Turin (1706), und
Oudenarde (1708) geschlagen. Es wurde auf seine
Grenzen zurückgedrängt.
- Nach dem Tod Leopolds I. im Jahr 1705 wurde
sein Sohn, Joseph I., zum römisch-deutschen Kaiser
gewählt. Er führte den Krieg gegen Frankreich mit
verstärkter Intensität. Durch Zugeständnisse an die
Protestanten in Schlesien verhinderte er ein Bündnis Karls XII.
von Schweden mit Frankreich (1707).
- 1709 kommt es zu Friedensverhandlungen,
die jedoch daran scheitern, dass die Alliierten die
Wiederherstellung der Grenzen des Westfälischen Friedens
forderten. Im gleichen Jahr siegen Marlborough und Prinz
Eugen bei Malplaquet erneut über die französischen Streitkräfte.
- 1710 wurde in Großbritannien das
'Ministerium des Krieges' gestürzt. Ein kriegsmüdes
Tory-Ministerium kam an die Macht, Malborough wurde vom
Kriegsschauplatz abberufen. Der Tod Kaiser Joseph I.
am 17.4.1711 veränderte die politische Lage vollständig.
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- Großbritannien und die Niederlande
sahen die Gefahr einer Vereinigung Österreichs und
Spaniens in der Hand des Habsburgers Karl (als Karl
VI.). Sie waren nun bereit, mit Frankreich Frieden zu
schließen.
- 1713 schloss Großbritannien mit
Frankreich den Frieden von Utrecht, dem sich
die Niederlande, Portugal und Savoyen anschlossen.
Dadurch wurden der Kaiser und das Reich 1714 zum
Frieden von Rastatt gezwungen, in dem sie auf
Straßburg und die Sicherung der Westgrenze verzichten
mussten.
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Großbritannien
erhielt Gibraltar und Menorca. Frankreich
musste in Nordamerika Neufundland, Neuschottland und
die Hudsonbai an Großbritannien abtreten. Philipp
von Anjou erhielt (als Philipp V.) Spanien.
Mailand, Neapel und die spanischen Niederlande kamen
an Österreich. Holland (die
nördlichen Niederlande) erhielt das Besatzungsrecht
in einer Reihe von Festungen an der
französisch-belgischen Grenze. Savoyen bekam
Sizilien zugesprochen.
Mit den Friedensschlüssen war das
von Großbritannien angestrebte Gleichgewicht auf dem Kontinent
wiederhergestellt. Der Gewinn Frankreichs aus seinen
endlosen Angriffskriegen war gering. Ludwig XIV. hat
wohl zu spät - oder gar nicht - verstanden, dass
der Machtkampf zwischen Frankreich und Habsburg
keinen Gewinn, sondern Vorteile für die dritte
große Macht, Großbritannien, brachte.
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Der Aufstieg Preußens |
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- Die Situation nach dem Dreißigjährigen Krieg
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- Im Westfälischen Frieden 1648 erhielt Brandenburg Hinterpommern
und einige geistliche Territorien. Allerdings musste es das durch
Erbschaft erworbene Vorpommern mit Stettin an die Schweden
abtreten. Preußen, der Ordensstaat, über den die Hohenzollern
ebenso wie über Brandenburg herrschten, stand noch unter
polnischer Oberhoheit.
- Der weit verstreute Besitz war ein Gewirr von Ländern, verschieden
regiert, verschieden verwaltet und verschieden besteuert. Das
Finanzwesen der Besitzungen war ungeordnet. Dieser Partikularismus
wurde von den Landständen noch gefördert.
- Während des Krieges war Brandenburg abwechselnd von den
Kaiserlichen und von den Schweden verwüstet worden. Auch das
eigene Heer plünderte unmittelbar nach dem Krieg das Land aus.
Die Bevölkerungsverluste betrugen ca. 50 %. Die meisten
Äcker waren unbestellt, die wirtschaftliche Lage daher schlecht.
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- Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg - der Große Kurfürst
- (1640 - 1688)
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- Die oberste Zielsetzung des Kurfürsten war es, seine
Besitzungen zu einem einheitlichen Staat zu verschmelzen.
Er setzte gegen den Widerstand der Stände die landesherrliche
Steuerhoheit durch, schuf ein stehendes Heer und eine zum Teil
absolutistische Verwaltung. Die Wirtschaftspolitik war
merkantilistisch. Seine Religionspolitik zielte auf Kirchenfrieden
zwischen den Lutheranern und der reformierten Minderheit, der er
selbst angehörte.
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Der Große Kurfürst vermittelte
Preußen den strengen calvinistischen Geist, dessen Losungsworte
Pflicht, Disziplin und Entsagung waren.
Als Ludwig XIV. im Jahr 1685 das Edikt von
Nantes aufhob und dadurch den Protestanten das Recht zur
Ausübung ihrer Religion in Frankreich entzog, gab der Große
Kurfürst 15.000 Hugenotten eine neue Heimat in
Brandenburg. Die sollte ein wesentlicher Faktor für den
wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung des Landes werden. |
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- Die Außenpolitik des Großen Kurfürsten
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- Schon 1641 hatte Kurfürst Friedrich
Wilhelm einen Frieden mit Schweden geschlossen, um
Gelegenheit für den Wiederaufbau des Landes zu haben.
Brandenburg-Preußen blieb jedoch weiterhin Krisengebiet.
- 1647 und 1651marschierten Truppen des
Großen Kurfürsten in das Herzogtum Berg ein, auf das er
Ansprüche erhob. Beide Unternehmungen endeten mit einem
militärischen Desaster. 1660 kam es zu einem Erbvergleich,
bei dem der Status quo beibehalten wurde.
- Im schwedisch-polnischen Krieg (1655
- 1660) wechselte der Große Kurfürst mit blitzartiger
Schnelligkeit die Fronten und kämpfte hintereinander auf
der Seite Schwedens, dann auf der Seite Polens. Militärisch
hatte der Kurfürst die Schweden schon bezwungen, doch
Frankreich verhinderte als Signatarmacht des Westfälischen
Friedens den Verbleib des besetzten Vorpommerns bei
Brandenburg. Die Polen anerkennen die Souveränität
Brandenburgs in Preußen. Die 'Umklammerung' durch Schweden,
aus der er sich der Kurfürst befreien wollte, blieb
bestehen.
- Als protestantische Macht stand
Brandenburg-Preußen im Holländischen Krieg
(1672-1678) zunächst an vorderster Front gegen Frankreich.
Am 6.6.1673 schloss der Große Kurfürst einen
Separatfrieden mit Frankreich ab. Die Franzosen zogen sich
als Gegenleistung aus Kleve zurück.
- Als Ludwig XIV. im Jahr 1674 die Pfalz
verwüstete, kam Friedrich Wilhelm seinem Eid als
Reichsfürst nach und zog erneut gegen den französischen
König ins Feld. Die Abwesenheit seines Heeres nutzten die
Schweden aus, um in Brandenburg einzufallen; der Kurfürst
eilte zurück und besiegte am 18.6.1675 bei Fehrbellin die
schwedische Armee. 1678 besetzte Friedrich Wilhelm
Vorpommern. Im Frieden von Saint-Germain.Laye
(19.6.1679) musste Vorpommern wieder an Schweden
zurückgegeben werden.
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Dank seiner
Unzuverlässigkeit (das sogenannte "brandenburgische
Wechselfieber" war ein geflügeltes Wort in ganz
Europa) hatte Friedrich Wilhelm keinen sonderlichen Ruf.
Die ständigen Konflikte, teilweise von ihm selbst
ausgelöst, machte das erschöpfte Land des öfteren zum
Kriegsgebiet. Manchen Gewinn, so vor allem das zweimal
eroberte Vorpommern, musste er wieder hergeben - und doch
sicherte er sich durch sein geschicktes Lavieren zwischen
den europäischen Mächten fast unbemerkt eine
Schlüsselstellung in der europäischen Politik.
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- Friedrich III., Kurfürst von Brandenburg seit 1688, als Friedrich
I. König in Preußen (1701 - 1713)
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- Herrschaftssystem und Regierungsstil
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- Friedrich III./I. arbeitete selbst intensiv
in den Ratsgremien (Geheimer Rat, Geheimer Kriegsrat) mit.
Er hatte außerdem eine Reihe qualifizierter Ratgeber. Die
Entscheidung in grundsätzlichen Fragen (z.B. in
außenpolitischen Fragen, in Fragen der Wirtschafts- und
Finanzpolitik ) hat Friedrich III./I. jedoch
allein getroffen. Dies gilt auch für die Entscheidung, das
Königtum anzustreben.
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Friedrich III./I. strebte
eine Gleichstellung mit anderen Königshäusern an. Es
ging ihm um die Erhöhung seiner Achtung. In einem
europäischen Mächtesystem, in dem es auf Über- und
Unterordnung, auf Souveränität oder Nicht-Souveränität
ankam, war die Königskrone für einen Fürsten, der im
'Konzert der Großen' mitreden wollte, politisch
notwendig.
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- Neigung zu ausgeprägtem höfischen
Regierungsstil, Prachtsucht.
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Friedrich III:/I. begründete
den Ausbau des Hofes und den Umbau des Berliner Schlosses
mit einer 'Necessität' - es ging ihm, ganz im
Zeitgefühl des
absolutistischen Zeitalters, um die Erhöhung seiner
Achtung, seines Ruhmes. |
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- 18.1.1701 Kurfürst Friedrich III. krönt
sich in Königsberg zum König Friedrich I. in Preußen.
"Preußen" wird die Bezeichnung für den
Gesamtstaat.
- Aufnahme von protestantischen
Flüchtlingen, vor allem aus Frankreich (Hugenotten).
- Die Verfolgung des Ziels, mit den
europäischen Königshäusern gleichrangig zu werden, musste
teuer bezahlt werden. Immer neue und höhere Steuern wurden
erlassen (Krönungssteuer, Schlossbausteuer, Kriegssteuer,
Legationssteuern für die teuere Gesandtschaften u.a.).
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Zur Finanzierung der Kriege
(z.B. in den südlichen Niederlanden) war der preußische
Staat auf Subsidien des Auslands angewiesen.
Die Verwaltung des Staates war
der Last der Organisation nicht immer gewachsen, so dass
es mehrmals zu Krisenerscheinungen kam. Hungersnot und
Krankheiten forderten um 1710 in Ostpreußen hohe
Menschenverluste. |
- Förderung von Kunst und Wissenschaft
(Gründungen: 1694 Universität Halle, 1696 Akademie der
Künste in Berlin, 1700 Gesellschaft der Wissenschaften).
Seine Berater waren von Pufendorf und Leibniz.
- Durch die Unterstützung der Habsburger im
Spanischen Erbfolgekrieg erlangte Friedrich III./I. die
Zustimmung Kaiser Leopolds I. zur Erhebung des außerhalb
der Reichsgrenzen gelegenen Herzogtums Preußens zum Königreich.
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- Friedrich Wilhelm I., König von Preußen (1713 - 1740)
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- Herrschaftssystem und Regierungsstil
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- Monarchisches Selbstverständnis,
unbedingter Anspruch auf Selbstregierung; der Anspruch
des Autokraten auf unbeschränkte Souveränität
richtete sich gegen die verbliebenen ständischen
Positionen.
- Beendigung der verschwenderischen
Hofhaltung, die sein Vater betrieben hatte.
- Regime strenger Sparsamkeit zur Ordnung der
zerrütteten Staatsfinanzen
- Charakter: religiöse Verankerung
seiner Persönlichkeit (Nähe zum Pietismus wie zum
Calvinismus), ausgeprägte militärische Neigungen, pflichteifrig, fähig, aber oft
hart und jähzornig, dem kulturellen Leben fernstehend,
fordert von allen Untergebenen schwere Opfer.
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- Verwaltungsreform: Schaffung einer straffen, von fähigen
Beamten geführten einheitlichen Verwaltung des Staatswesens (Generaldirektorium, Kriegs-
und Domänenkammern)
- Heeresreform: Schaffung eines stehenden Heeres von 80.000
Mann ("Soldatenkönig")
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König Friedrich Wilhelm I.
schuf die Basis seines Regierens mit der Militarisierung
der Gesellschaft. Jeder für die Wirtschaft
entbehrliche Untertan musste Heeresdienst leisten. Alle
verfügbaren Finanzmittel wurden zur militärischen
Aufrüstung verwendet. Das Credo lautete: Nur wenn
Preußen militärisch mit den großen Staaten Europas auf
einer Ebene steht, kann es sich im Mächtesystem
behaupten. |
- Finanzreform: Strenges
Sparprogramm. Die Staatsausgaben mussten sich nach den
Einnahmen richten; Verzicht auf die Mittel des Staatskredits
und der Staatsverschuldung. Durch Streichungen und
Kürzungen bei der Hofhaltung konnte er seine militärischen
und wirtschaftspolitischen Ziel ohne Steuererhöhungen
realisieren.
- Beseitigung der Reste ständischer
Vorrechte. Der Adel wurde stärker zum Staatsdienst
herangezogen, vor allem zum Offiziersberuf.
- Großzügige Förderung der Besiedlung
Ostpreußens
- Lenkung der Industrie nach den
Grundsätzen des Merkantilismus. So wurde zum Beispiel die
Textilindustrie durch Schutzzölle sowie Ein- und
Ausfuhrverbote staatlich gelenkt.
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- Im Spanischen Erbfolgekrieg erwirbt er
Obergeldern
- Im Nordischen Krieg (Friede von Stockholm
1720) erwirbt er Vorpommern.
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Im Nordischen Krieg, der von
1700 bis 1721 dauerte, ging es um die Herrschaft in der
Ostsee und ihren Randländern in Nord- und Osteuropa. Eine
aus Dänemark, Sachsen, Polen und Russland bestehende
Koalition kämpfte gegen Schweden. Ab 1713 kämpften
auch Preußen und Hannover auf der Seite des Bündnisses.
Die wichtigsten Ergebnisse der Friedensschlüsse von 1720
und 1721 waren: an Russland fielen Livland, Estland
und ein Teil Kareliens. Preußen gewann Vorpommern
zwischen Oder und Peene mit Stettin. Schweden verlor seine
beherrschende Stellung im Ostseeraum an Russland. |
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