Der böhmisch-pfälzische Krieg (1618 - 1623)


  • Herrschaftssystem und Machtverhältnisse in Böhmen um 1618
  • Wahl des Königs durch die Landstände. Huldigung nach erfolgter Wahl. Usus war, dass der in den österreichischen Erblanden der Habsburger regierende Landesfürst zum böhmischen König gewählt wurde. 
Innerhalb des römisch-deutschen Reichs bildete Österreich mit Böhmen das Landesfürstentum des Kaisers. Der Habsburger Kaiser Matthias (1612 - 1618) stimmte 1617 der Wahl des streng katholischen Erzherzogs Ferdinand (und späteren Kaisers Ferdinand II.) zum König von Böhmen zu.
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  • Unter den Landständen nahm der hohe Adel eine führende Position ein. Die Stände forderten ein Mitspracherecht in der Regierung und weitgehende Unabhängigkeit in ihrem Territorium. Ein großer Teil des Adels war evangelisch.
Kaiser Matthias hatte den evangelischen Ständen Zugeständnisse in Sachen Religionsfreiheit, Kirchenbau und Kirchenbesitz gemacht. Trotzdem kam es immer wieder zu Spannungen mit den Katholiken; diese verstärkten sich nach der Wahl Ferdinands zum böhmischen König.  
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  • Die Forderung nach Religionsfreiheit verband die evangelischen Landstände in Böhmen mit den evangelischen Reichsständen in Deutschland. Darüber hinaus hatten beide die Schwächung der Zentralgewalt (König bzw. Kaiser) zum Ziel.
  • Der Aufstand in Böhmen
  • Äußerer Anlass für den Aufstand war, dass eine von Protestanten errichtete Kirche aufgrund rechtlicher und politischer Maßnahmen der Katholiken wieder abgerissen werden musste. Auf einer Protestversammlung organisierten die evangelischen Stände eine eigene ständische Regierung.
     
  • 26.5.1618: Die Unruhen in Böhmen erreichen im Prager Fenstersturz ihren Höhepunkt. Die revoltierenden Stände übernehmen die Macht. Ein von ihnen ausgerufener Landtag konstituierte ein 'Regiment' von dreißig Direktoren und übertrugen ihm die Landesverwaltung. Außerdem wurde ein eigenes Heer aufgestellt.
Zwei hohe kaiserliche Beamte und ihr Sekretär wurden auf dem Hradschin durchs Fenster in die Tiefe geworfen. Da sie auf einem Misthaufen landeten, kamen sie mit dem Leben davon.
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  • Im Juli 1619 schlossen sich die Landstände mit den Ständen der zur böhmischen Krone gehörenden Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz zu einer Konföderation zusammen.
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  • In der Verfassung, die sich die Landstände gaben, werden die politischen Rechte des Königs stark eingeschränkt.
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  • 22.-27.8.1619: Die böhmischen Stände erklären den Landesfürsten Ferdinand für abgesetzt. Am 4.11.1619 wird Friedrich V. von der Pfalz zum böhmischen König gekrönt. Der Adel im habsburgischen Teil von Ungarn schließt sich dem Aufstand der Konföderierten und der mit ihnen verbündeten österreichischen Stände an.
Kurz nach der Wahl des neuen Böhmenkönigs wird der Landesfürst der rebellierenden Länder, Ferdinand II., mit den Stimmen der Kurfürsten (außer der des Pfälzers) in Frankfurt zum deutsch-römischen Kaiser gewählt.
  • Der Kampf Kaiser Ferdinands II. gegen die Aufständischen in Böhmen
  • In seiner Funktion als Landesfürst will Ferdinand II. in den Erb- und Kronlanden ein relativ einheitliches Staatswesen aufbauen. Die monarchische Staatsgewalt soll verstärkt werden. Außerdem strebt Ferdinand II. eine katholische Restitution an.
Ferdinand II. fasste seine weltliche Regentschaft als Aufgabe im Dienst der Religion auf. Seine andersgläubigen Landsleute sollten mit Gewalt zum katholischen Glauben gezwungen werden.
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  • In seinem Kampf gegen die Aufständischen in Böhmen versicherte sich Ferdinand II. der finanziellen Unterstützung Spaniens und des Papstes (Paul V.). Der Statthalter der - damals halb selbständigen - südlichen Niederlande entsandte spanisch-niederländische Truppen nach Böhmen. Auch die unter bayerischer Führung stehende politisch-militärische Vereinigung der katholischen Reichsstände, die Liga, verbündete sich mit Ferdinand.
Die Vereinigung der evangelischen Reichsstände, die Union, konnte sich nicht dazu entschließen, ihr Bundesoberhaupt, den Kurfürsten von der Pfalz (den König von Böhmen) zu unterstützen. Union und Liga vereinbarten im Juli 1620, sich gegenseitig im Reich nicht anzugreifen; hinsichtlich der Unterstützung des Kaisers in Böhmen (bzw. der Aufständischen) konnte sich jeder Reichsstand nach seinem eigenen Gutdünken verhalten.

Der katholische Herzog Maximilian I.  von Bayern forderte für seine Militärhilfe vom Kaiser zusätzliche Territorien. . Seine Forderungen waren so hoch, dass sie vom Kaiser nur erfüllt werden konnten, wenn der böhmische Aufstand niedergeschlagen wurde.

Den Habsburgern gelang es, auch einen evangelischen Landesfürsten, Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen auf ihre Seite zu ziehen. Auch ihm wurden territoriale Zugewinne zugesichert.
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  • Friedrich V. von der Pfalz hatte fast keine Bundesgenossen. Am 8.11.1620 wurde er in der Schlacht am Weißen Berg von der ligistischen Armee des Herzogs von Bayern unter Führung des Generals Tilly und einem kaiserlichen Kontingent geschlagen. - Der nun als 'Winterkönig' verspottete Friedrich V. flieht in die Niederlande.
  • Auswirkungen der Schlacht am Weißen Berg
  • Der Kampf zwischen Landesfürsten und den Landständen war zugunsten der Landesfürsten entschieden. Böhmen und Mähren verlieren ihre Teilautonomie und werden direkt der Amtsgewalt des Monarchen unterstellt. Die landesfürstliche Stellung konnte in Richtung auf den Absolutismus erweitert werden.
     
Am 21.6. 1621 werden fast alle Direktoren der ständischen Revolutionsregierung umgebracht. Innerhalb der Gesellschaftsordnung treten durch Konfiskationen und Auswanderungen beträchtliche Umschichtungen ein. Ein großer Teil des böhmischen und mährischen Adels schlägt sich nun auf die Seite der Habsburger.
  • Kaiser Ferdinand II. war nun in der Lage, für die nächste Zukunft zusammen mit der katholischen Liga den Gang der Politik und die Kriegsführung wesentlich mitzubestimmen.
       
  • Sieg des Katholizismus und der Gegenreformation über den mit den Ständen eng verflochtenen Protestantismus. Auch im Reich bekommt der Kaiser und der Katholizismus neuen Auftrieb.
Der staatliche Befehl, entweder katholisch zu werden oder auszuwandern ging zunächst an die Calvinisten, später an alle Anhänger der evangelischen Konfessionen. Bei dieser Regelung berief sich Kaiser Ferdinand II. auf das bereits beim Augsburger Religionsfrieden von 1555 reichsrechtlich sanktionierte Religionsbestimmungsrecht der Landesfürsten.

Der niedersächsisch-dänische Krieg 1625 - 1629


  • Die Mächtekonstellation in Europa
  • Spanien 
  • Bund Spaniens mit Bayern, der katholischen Liga und dem Kaiser.
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  • Ziel, durch Rückgewinnung der 'Generalstaaten' (der nördlichen Niederlande) die Vormachtstellung gegenüber Frankreich weiter auszubauen.
1621 war der Waffenstillstand zwischen Spanien und den Generalstaaten abgelaufen. Sowohl Spanien als auch die Generalstaaten hofften, durch die Wiederaufnahme des Krieges Vorteile herauszuschlagen.
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  • Spanien unterstützt die Herrscher Österreichs und Bayerns bei der Rekatholisierung ihrer Länder.
     
  • Frankreich
  • Ziel, unabhängige europäische Großmacht zu werden.
Spanien war im Besitz der südlichen Niederlande, zu denen noch Luxemburg und erhebliche Anteile des heutigen Frankreich gehörten. Herzog Richelieu (später Kardinal) setzte sich zum Ziel, die "Einkreisung" Frankreichs  zu sprengen.
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  • Um das vorgegebene Ziel zu erreichen, suchte Frankreich - unter der Federführung von Richelieu - die habsburgischen Positionen entlang der französischen Ostgrenze, in Italien und im Reich zu schwächen.
     
Richelieu versuchte sowohl Dänemark als auch Schweden für eine kriegerische Unternehmung in Deutschland zu gewinnen. Geschickt nutzte Richelieu das Machtstreben des dänischen Königs, Christian IV., aus. Dieser war als Herzog von Holstein zugleich deutscher Reichsfürst und 'Kreisoberster' der im niedersächsischen Reichskreis zusammengeschlossenen deutschen Fürsten. Christian IV. war vor allem daran interessiert, die evangelischen Bistumslande in Norddeutschland zu gewinnen.
 
  • Die Fortführung des Krieges
  • Nach der Flucht Friedrichs V. von der Pfalz in die Niederlande (1620) setzten seine fürstlichen Söldnerführer (Herzog Christian von Braunschweig, Graf Ernst von Mansfeld) den Kampf um die Oberpfalz und die pfälzischen Kurlande am Rhein fort. Da sie sich dort nicht lange halten konnten, zogen sie mit ihren Truppen nach Norddeutschland.  Die kaiserlich-ligistischen Truppen unter Tilly rückten nach.

Von den ausländischen Mächten tritt lediglich König Christian IV. von Dänemark dem Kaiser und der Liga mit bewaffneter Macht entgegen (1625). Schweden wollte sich (noch) nicht am Krieg beteiligen. Frankreich leistete Subventionszahlungen an Dänemark.

Auch einzelne Reichsstände versuchten, ein weiteres Vordringen des Kaisers in ihre Interessensphären zu verhindern.
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  • 1625 Albrecht von Wallenstein erhält den Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen.
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  • April - August 1626: Wallenstein besiegt die Dänen an der Dessauer Brücke. Der Feldherr der katholischen Liga, Tilly, behält in der Schlacht von Lutter am Barenberg die Oberhand.
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  • 1627 nimmt Wallenstein dem dänischen König seine letzten Positionen in Schlesien und in Niederdeutschland ab.
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  • Kaiser Ferdinand II. erlässt am 6.3.1629 das Restitutionsedikt: Sämtliche nach 1552 säkularisierten geistlichen Güter sollen an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden. Den katholischen Reichsständen wird erlaubt, in ihren Territorien gegen die Protestanten vorzugehen.
Mit dem Edikt hatte Ferdinand II. den Bogen überspannt. Betroffen waren Calvinisten und Lutheraner. Die Lutheraner unter ihrem Anführer, dem Kurfürsten Johann Georg von Sachsen, treten nun auf die Seite der Gegner des Kaisers.
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  • 22.5.1629 Im Frieden von Lübeck scheidet Christian IV. aus dem Krieg aus. Dänemark wahrt seinen territorialen Bestand.
Die beiden Herzöge von Mecklenburg, die auf der Seite Christians IV. gekämpft hatten, wurden von Ferdinand II. geächtet. Ihr Titel und auch die Herzogtümer wurden auf Wallenstein, der zuvor schon zum Herzog von Friedland ernannt worden, übertragen.
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  • Unmittelbar nach dem Lübecker Frieden ging Kaiser Ferdinand II. daran, die Restitution (Rückgängigmachung der Säkularisation) durchzuführen.
Im Jahr 1618 hatten im nord- und mitteldeutschen Raum die meisten Reichs- und Landesbistümer evangelische Bischöfe, die zum großen Teil aus regierenden landesfürstlichen Dynastien stammten. Diese bischöflichen Stühle sollten nun - gestützt auf die Waffen der Armeen -  mit Katholiken besetzt werden. Wegen der großen Anzahl der säkularisierten Klöster war auch Süddeutschland - insbesondere Württemberg - von der Restitution betroffen.
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  • Das Erstarken der Macht des Hauses Habsburg hatte Rückwirkungen auf das Verhalten Schwedens, Frankreichs und der Reichsfürsten. Auch Maximilian von Bayern, der Anführer der katholischen Liga, verfolgte seine Interessen als Reichsfürst.
     
  • Gustav II. Adolf von Schweden fühlte sich konfessionell und politisch bedroht. Er war überzeugter Anhänger des Luthertums und fürchtete ein Vordringen des Katholizismus über Norddeutschland nach Schweden. Politisch sah er durch das Vorgehen des Kaiser und der mit ihm verbündeten Liga seine Pläne, ein Imperium in Nordeuropa aufzubauen, gefährdet. Insbesondere schreckt ihn ein mögliches Bündnis zwischen dem Kaiser und dem katholischen Polen, mit dem er sich im Krieg befand.
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  • Kardinal Richelieu befürchtete eine Fortsetzung der "Einkreisung" Frankreichs durch das Haus Habsburg.
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  • Die Reichsstände gingen - über die konfessionellen Grenzen hinweg - gemeinsam in Opposition gegen den Kaiser. Im Grunde hatten sie dieselben politischen Interessen: die Wahrung ihrer Rechte und ihres Besitzes und, wenn möglich, auch deren Erweiterung.
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  • Maximilian von Bayern war grundsätzlich reichs- und kaisertreu, legte jedoch Wert auf seine Selbständigkeit als Reichsfürst. Sein Heer versetzte ihn in die Lage, dem Kaiser als starker Partner gegenüberzutreten. Die Stärkung der kaiserlichen Macht nach dem Lübecker Frieden empfand Maximilian als Gefahr für seine reichsrechtliche Stellung. In dieser Situation wurde er zum Gegenspieler des Kaisers.
Seine Bindung an den katholischen Glauben hinderte Maximilian von Bayern nicht daran, sich für die Interessen seines Staates mit Nachdruck einzusetzen. So verfolgte der bayerische Kurfürst stets seinen Vorteil als Territorialherr und ließ sich unter diesem Aspekt auf engere Kontakte mit Frankreich ein.

Der schwedische Krieg 1630 - 1635


  • Juli - November 1630 Wallenstein wird auf dem Kurfürstentag in Regensburg entlassen. Die kaiserliche Armee wird auf die Hälfte reduziert. Der Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen wird an Tilly übertragen.
Herzog Maximilian I. von Bayern und auch die anderen Reichsfürsten verfolgten schon lange das Ziel, dem Kaiser mit Wallenstein die Stütze seiner Macht zu berauben. Maximilian drohte Kaiser Ferdinand II., ihm die Unterstützung der Liga zu entziehen, falls er Wallenstein nicht entlassen werde.
  • 23.1.1631 Frankreich verpflichtet sich zu hohen Geldzahlungen an Schweden. Schweden verspricht als Gegenleistung mit einem starken Heer (36.000 Mann) Krieg gegen den Kaiser zu führen.
Die Hilfestellung Frankreichs für Schweden macht deutlich, dass es aus europäischer Perspektive bei dem Unternehmen Gustav Adolfs darum ging, die Stellung des Hauses Habsburg im Reich zu schwächen. 
 

Bei Gustav Adolf vermengten sich religiös-konfessionelle mit reinen machtpolitischen Motiven. Er wollte nicht nur die deutschen Protestanten unterstützen, sondern auch Territorien erobern. Keinesfalls wollte er den Reichsfürsten zu größerer politischer Freiheit verhelfen. 

  • Die Schweden dringen in die weltlichen Fürstentümer östlich der Elbe, in Schleswig-Holstein, Pommern, Brandenburg und Kursachsen ein, obwohl in diesen Territorien der Protestantismus nicht gefährdet war.
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  • 17.11.1631 Die Schweden schlagen Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld in der Nähe von Leipzig. Gustav Adolf verfolgt die Truppen des Kaisers und der Liga bis an den Main und den Rhein.
Richelieu sah nach dem Sieg Gustav Adolfs die französische Interessensphäre am Oberrhein unmittelbar gefährdet und suchte den Einmarsch der Schweden nach Südwestdeutschland mit diplomatischen Mitteln zu verhindern. Seine Bemühungen, einen Neutralitätsvertrag oder einen Waffenstillstand zwischen Schweden und der Liga zu erreichen, scheiterten.
 
  • 15.12.1631 Wallenstein erhält erneut das Kommando über die kaiserlichen Truppen
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  • Im Frühjahr 1632 marschieren die Truppen Gustav Adolfs durch Württemberg nach Bayern und greifen die Katholische Liga an. In der Schlacht bei Rain (15.4.1632) wird Tilly tödlich verwundet. Die Katholische Liga löst sich auf.
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  • Im Herbst 1632 dringt das kaiserliche Heer unter Wallenstein nach Sachsen vor. In der Schlacht bei Lützen am 16.11.1632 fällt Gustav Adolf. Die Schlacht selbst hatte keinen Sieger.
     
Wallenstein hatte am 1.11.1632 Leipzig erobert und seine Soldaten ins Winterquartier entlassen - zu früh, denn Gustav Adolf griff noch einmal an. Überstürzt musste er seine Truppen wieder zusammenrufen. Manche Heeresteile kamen zu spät - wie Feldmarschall Graf Pappenheim mit seinen Reiterregimentern. 5000 Kaiserliche und 6000 Soldaten der schwedischen Armee fielen in der Schlacht.

Mit dem Tod Gustav Adolfs verlieren die Schweden ihre bisher einheitliche militärische und politische Führung. Von nun an ändern sich die Machtverhältnisse in Deutschland.

  • Der schwedische Kanzler, Axel Oxenstierna, setzte den Kampf in Deutschland fort. Durch eine Verbindung mit den protestantischen Reichsständen, dem am 23.4.1633 geschlossenen 'Heilbronner Bund', versucht er, Schwedens Stellung in Deutschland zu festigen.
     
  • 25.2.1634 Ermordung Wallensteins in Eger.
Wallenstein hatte versucht, sich in der Heeresführung vom Kaiser unabhängig zu machen. Die Regierung in Wien versicherte sich daraufhin der Loyalität seines Offizierkorps gegenüber dem Kaiser. So kam es dazu, dass Wallenstein von seinen eigenen Offizieren umgebracht wurde.
  • 5./6.9.1634 In der Schlacht bei Nördlingen siegen kaiserlich-ligistische und spanische Truppen über die Schweden. Die schwedische Vorherrschaft in Süddeutschland ist damit beendet.
Nach der Schlacht bei Nördlingen lösen sich die meisten protestantischen Fürsten vom Heilbronner Bund. Die meisten von ihnen neigen dazu, untereinander und mit dem Kaiser Frieden zu schließen. 
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  • 30.5.1635 Prager Frieden zwischen Kaiser Ferdinand II. und den Reichsständen (Versuch einer rein innerdeutschen Lösung des Verfassungsproblems).
     
  • Das Restitutionsedikt  wird für vierzig Jahre außer Kraft gesetzt.
Der Konfessionsstand von 1627 wird zur Norm erhoben, d.h. kirchliche Rechte und Besitzungen verbleiben bei derjenigen kirchlichen Einrichtung (Pfarrei, Kloster, Stifts- oder Domkirche) bei der sie 1627 gewesen waren. Der Gottesdienst wurde so gehalten, wie er 1627 gehalten worden war.

Das 'Normaljahr' war sowohl für die Protestanten als auch für die Katholiken erträglich. Die Protestanten hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine großen Einbußen erlitten.

  • Paritätische Besetzung des Reichskammergerichts durch Katholiken und Protestanten
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  • Zugeständnisse der Reichsstände hinsichtlich der verfassungsrechtlichen Stellung des Kaisers: Verzicht auf das Bündnisrecht untereinander, Verzicht auf das Aufstellen eigener Armeen, Oberbefehl des Kaisers über die Reichsarmee.
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  • Zugeständnisse des Kaisers lagen in der Vergabe von Territorien und Konzessionen: Verbleib der ehemals pfälzischen Territorien bei Bayern, Nieder- und Oberlausitz an Kursachsen u.a.
  • Die meisten Reichsstände akzeptierten den Prager Frieden. Er blieb jedoch ohne Wirkung, weil nun Frankreich in den Krieg eingriff.
Jetzt zeigte sich, wie stark Deutschland in den Kampf um die Vorherrschaft in Europa eingebunden war. Weder der Kaiser noch die Reichsstände waren in der Lage, einen Frieden im Reich herbeizuführen. Sowohl Frankreich als auch Spanien wollten eine starke Reichsmacht verhindern und erzwangen deshalb eine Fortsetzung des Krieges in Deutschland.

Französisch / schwedischer Krieg 1635 - 1648


  • Unter dem Eindruck des Prager Friedens schien Schweden zunächst dazu geneigt, bei Erstattung der Kriegskosten in Verhandlungen über einen schwedisch-deutschen Frieden einzutreten. Kaiser Ferdinand II. und Richelieu wirkten jedoch einer Verständigung entgegen.
Der Kaiser bestand auf einem sofortigen Abzug der schwedischen Truppen. Frankreich beschloss, nun auch militärisch in das Kriegsgeschehen einzugreifen und bot Schweden seine militärische Unterstützung an. Am 28.4.1635 schließen sich Frankreich und Schweden zu einer förmlichen Allianz zusammen.

Richelieu befürchtete, dass die Habsburger nach einem Frieden zwischen den deutschen Protestanten, Schweden und den Generalstaaten, Frankreich angreifen würden. Durch die Stützung Schwedens hielt er sie von einem Frieden mit dem deutsch-römischen Kaiser ab.

  • Am 19.5.1635 erklärt Frankreich Spanien den Krieg. Durch Provokationen Frankreichs veranlasst (französische Truppen waren bis an den Rhein vorgerückt) kam es am 18.9.1935 zur Kriegserklärung Kaiser Ferdinands II. an Frankreich. 
Frankreich befand sind nun mit beiden habsburgischen Linien im Krieg, nicht jedoch mit dem Reich.
  • Frankreich verpflichtet sich mit Herzog Bernhard von Weimar und Landgraf Wilhelm V. von Hessen zwei deutsche Fürsten, die jeweils ein Heer von 10.000 Mann besaßen. Beiden werden hohe Belohnungen versprochen.
     
  • Kaiser Ferdinand II. stirbt am 15.2.1637. Sein Sohn, Ferdinand III. schließt sich zum Zweck gemeinsamer Kriegsführung jetzt fester mit Spanien zusammen. So können 1638 die Truppen der Franzosen und Herzog Bernhards im Elsass und am Mittelrhein zurückgedrängt werden.
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  • Seit 1640 zeigt sich das militärische Übergewicht der Gegner des Kaisers. In konzentrischen Angriffen dringen schwedische Armeen vom Norden und die französischen Heere vom Westen nach Deutschland vor. Auch Spanien hat seit 1640 hohe Verluste zu verzeichnen.
Die missliche Lage Kaiser Ferdinands III. ging zum Teil darauf zurück, dass einzelne Reichsstände - trotz der Abmachungen des Prager Friedens - separat ihren Frieden bzw. ihren Waffenstillstand mit den ausländischen Mächten machten (Brandenburg, Kursachsen, für kurze Zeit auch Bayern). 
   
  • Seit 1640 zeigen sich bei den Reichsständen Symptome der Kriegsmüdigkeit. Man wünschte sich Frieden, selbst um einen hohen Preis. 1641 setzen die ersten Friedensverhandlungen ein. 1644/45 treten sie in ihre letzte Phase.
     

Der Westfälische Friede 1648


  • Der Westfälische Friede trat mit seiner Unterzeichnung am 24.10.1648 in Kraft.
Die Friedensregelungen wurden formell in zwei aufeinander abgestimmten Verträgen festgelegt: einem in Münster unterzeichneten Abkommen zwischen dem Kaiser und dem König von Frankreich und einem Parallelabkommen zwischen dem Kaiser und der Königin von Schweden, das in Osnabrück unterzeichnet wurde. Das Reich trat als Vertragspartner nicht in Erscheinung, da Schweden und Frankreich die Auffassung vertraten, dass sie mit dem Kaiser, nicht jedoch mit dem Reich Krieg geführt hätten. Die deutschen Reichsfürsten waren jedoch in die Verträge eingebunden.
 
  • Innerdeutsche Regelungen
  • Kirchlich-konfessionelle Fragen
In den Konfessionsfragen war der Kaiser bereits 1635 in Prag vom Restitutionsedikt abgerückt. Im Prager Frieden hatten die Vertragspartner das Jahr 1627 zur Norm für die Fixierung der konfessionellen Verhältnisse festgelegt. In Münster und Osnabrück einigte man sich jetzt auf das 'Normaljahr' 1624. Der konfessionelle Besitzstand sollte so bleiben, wie er am 1. Januar 1624 gewesen war.

In Reichsstädten, in denen die Bevölkerung sowohl aus Katholiken als auch aus Protestanten bestand, durften beide Konfessionen nebeneinander bestehen.

Der Calvinismus wurde als religiöses Bekenntnis neben dem Luthertum und dem Katholizismus anerkannt.

 
  • Fragen der Reichspolitik und der Reichsverfassung
  • Alle Reichsfürsten, die infolge der Reichsacht ihr Territorium verloren hatten, werden wieder in ihr Landesfürstentum eingesetzt.
  • Der Kaiser wird in seiner Politik und in seinen Gesetzesvorhaben an die Zustimmung der Reichsstände gebunden. Die Territorien werden für souverän erklärt.
Schon Richelieu (er starb 1642) war es darum gegangen, die Macht des Kaisers im Reich zu beschränken. Kardinal Mazarin setzte diese Strategie fort. Parallel lief das Streben der Reichsstände, eine größere politische Unabhängigkeit zu erreichen.
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  • Freies Bündnisrecht der Reichsstände mit der einschränkenden Bestimmung, dass sich Bündnisverträge nicht gegen Kaiser und Reich richten durften.
       
  • Die Wahl zum Römischen König zu Lebzeiten des regierenden Kaisers wird verboten.
     
  • In Religionsfragen musste im Reichstag jede Konfession für sich beraten. Beide Gruppen besaßen die gleiche Stimme. Damit sollten Kampfabstimmungen verhindert werden.
Die Inhaber der Staatsgewalt begannen, sich von den Konfessionen zu lösen. Sie hatten wohl festgestellt, dass sich bei einer Politik im strengen Dienst eines Bekenntnisses die Gefährdungen im Innern und auch gegenüber ausländischen Mächten verstärkten.
  • Bestimmungen für einzelne Territorien
  • Kursachsen erhielt als Lohn für seine kaisertreue Politik Ober- und Niederlausitz, die bis dahin zur böhmischen Krone gehört hatten
  • Mecklenburg erhielt die Bistümer Ratzeburg und Schwerin. Brandenburg erhielt Hinterpommern.
     
  • Die Oberpfalz wurde endgültig der Münchener Linie der Wittelsbacher zuerkannt. Damit hat sich das Territorium Bayerns wesentlich erweitert.
Es gab noch weitere territoriale Verschiebungen innerhalb Deutschlands, die hier nicht weiter aufgeführt werden. Allgemeiner Grundsatz war, dass die Veränderungen zu Lasten Österreichs, des pfälzischen Kurstaates und - vor allem - der geistlichen Reichsstände gingen.
  • Territoriale Verschiebungen zugunsten Frankreichs und Schwedens
  • Frankreich erhielt die Besitzrechte der Habsburger im Elsass. Dazu erwarb der französische König noch die Festung Breisach. Außerdem gingen die lothringischen Reichsbistümer Toul, Verdun und Metz in französischen Besitz über.
     
  • Schweden sicherte sich mit Wismar und Stettin zwei Ostseehäfen. An Territorien erhielt Schweden gegen die Ansprüche Brandenburgs Vorpommern mit der Insel Rügen. Außerdem erlangte es den Landstreifen zwischen der Elb- und Wesermündung (Bremen, Verden). Schweden erhielt den Status eines deutschen Reichsstandes.
  • Frankreich und Schweden wurden als Garanten des Friedens anerkannt. Dadurch wollten sie das Reich unter Kontrolle halten. Ständige Interventionen wurden möglich.
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  • Der Frieden war 1648 noch nicht vollständig. Im Westen tobte der Konflikt zwischen Frankreich und Spanien noch über ein Jahrzehnt, bis nach dem Pyrenäenfrieden 1659 der Krieg auch für den Nordosten Frankreichs, die spanischen Niederlande, das Elsass und Burgund zu Ende war. 
     

Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs


  • Die Regionen in Deutschland waren vom Krieg unterschiedlich hart betroffen. An den Auswirkungen des Krieges hatten insbesondere Südwestdeutschland beiderseits des Oberrheins, Württemberg, die Pfalz, Franken, Hessen, Thüringen, das Gebiet an der mittleren Elbe mit Magdeburg, Brandenburg und Pommern zu leiden. Zu den Schongebieten gehörten das westliche Niederdeutschland und die Alpenländer.
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  • Nach Schätzungen schrumpfte die Bevölkerung in Deutschland von 16,5 Millionen im Jahr 1618 auf 10,5 Millionen im Jahr 1648. Die Landbevölkerung ging um ca. 40 Prozent, die städtische Bevölkerung um ca. 25 Prozent zurück, doch große regionale Unterschiede. Die meisten Menschen erlitten den Tod nicht durch unmittelbare Waffengewalt, sondern durch nur mittelbar vom Kriegsgeschehen beeinflusste Ereignisse.
     
  • Epidemische Infektionskrankheiten (von den zeitgenössischen Chronisten unterschiedslos als "Pest" benannt).
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  • Tod durch Hunger und Kälte
Das seit Wallenstein von allen Krieg führenden Mächten praktizierte Kontributionssystem bedeutete eine kaum zu ertragende Belastung. Bei diesem System waren die Truppenführer dazu angehalten, Sold und Verpflegung aus der Bevölkerung herauszuholen. Die durchziehenden Soldaten zerstörten durch Raub und Brand den Besitz der Landbewohner und entzogen ihnen dadurch die Nahrungsgrundlage. Vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen litten zunehmend an Unterernährung, die häufig zum Tod führte. Ein Flucht in eine nahe gelegene Stadt nutzte wegen den dort herrschenden Seuchen oft wenig.
 
  • Die Bevölkerung und das Kriegselend
  • Der Blick des Menschen war im 17. Jahrhundert nicht nur auf das Zeitgeschehen sondern auch auf Zeit und Ewigkeit gerichtet. Man sah sich selbst in eine überweltliche Ordnung hineingestellt und fühlte sich darin geborgen. Das Kriegselend wurde von der Mehrzahl der Menschen als ein von Gott gesendetes und als ein nur mit dessen Hilfe zu überwindendes Schicksal verstanden. 
Die Mehrheit sah das Kriegselend als Folge menschlicher Verfehlungen oder himmlischer Ratschlüsse. An der göttlichen Lenkung der Welt wurde zumeist nicht gezweifelt. 
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  • Trotz des demütigen Hinnehmens des widrigen Schicksals waren die Menschen vom Kriegsgeschehen aufgewühlt und erschüttert. Dies beweist die Reaktion der Betroffenen im volkstümlichen und geistlichen Lied, in der Lyrik (Andreas Grypius u.a.) und im Roman (Hans Jakob von Grimmelshausen u.a.). Auch Chroniken und Lebensbeschreibungen geben darüber Auskunft.
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