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Die ersten Jahre der Weimarer Republik 1919 - 1923 |
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- Die deutsche Bevölkerung ist sich in dem Glauben einig,
dass eine Erfüllung des Versailler Vertrags in seinem
vollem Umfang undurchführbar ist.
- Großes Etatdefizit, zunehmende
Geldentwertung. Ursachen: Erhöhung der
Geldmenge während des Krieges (Kriegsanleihen auf Pump), Finanzierung des
Wiederaufbaus, Einfuhrbedarf für Wirtschaft und Ernährung,
Reparationen.
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Maßnahmen:
Beseitigung der Finanzhoheit der Länder, Vereinheitlichung
und Ausbau des Steuersystems: Reichseinkommenssteuer mit
einem Steuersatz bis zu 60%, Besteuerung des
Vermögenszuwachses von 1914-1919, Erhöhung der
Erbschaftssteuer, einmaliges 'Reichsnotopfer'. Staatliche
Festsetzung der Agrarpreise. Federführend bei den meisten
dieser Maßnahmen war Matthias Erzberger (Zentrum).
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- Rechtskreise halten Deutschland "im Felde
unbesiegt"; sie klagen jede
"Erfüllungspolitik" an.
- März 1920: Unter Mitwirkung von Ludendorff versucht der
ehemalige Führer der Vaterlandspartei, Kapp, durch einen
Staatsstreich eine Regierung zu bilden (Putsch von rechts!).
Die Reichswehr greift nicht ein. Die Putschisten gelingt es
nicht, den Staatsapparat für sich zu gewinnen. Am 15.3.1920
rufen die Gewerkschaften zum Generalstreik auf. Am 17.3. wird
die Kapp-Regierung abgesetzt.
- Das Reparationsproblem
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- Die Siegermächte einigen sich Anfang 1921 in Paris und
London auf einen Zahlungsplan, der innerhalb von 42 Jahren
Reparationen von jährlich zwei bis sechs Milliarden
Goldmark vorsieht.
- Das Kabinett von Joseph Wirth (Zentrum) versucht der
Reparationspflicht nachzukommen, gerät jedoch in immer
größere Schwierigkeiten. Walther Rathenau (zuerst
Wiederaufbau-, dann Außenminister) versucht, Deutschland
durch ein Abkommen über vermehrte Sachlieferungen anstelle
der Reparationszahlungen zu entlasten. Ende 1921 ist
Deutschland wegen zunehmender Geldentwertung nicht mehr in
der Lage, die "Erfüllungspolitik"
fortzusetzen.
- Die Konferenz von Genua im Frühjahr 1922 bringt keine
Lösung der Reparationsfrage. Rathenau verstimmt die
Westmächte zusätzlich durch den Rapollovertrag mit
Russland am 16.4.1922. Die westlichen Siegermächte befürchten eine
Allianz zwischen Deutschland und Russland.
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Im Vertrag von Rapallo
verzichten beide Seiten auf materielle Ansprüche. Diplomatische
Beziehungen werden vereinbart, ebenso die Erneuerung der
Wirtschaftsbeziehungen. Zusätzlicher Geheimvertrag: Gemeinsame
Zerschlagung des polnischen Staates, Ausbildung deutscher Soldaten
in der Sowjetunion). |
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- Ringen um die Frage: Erfüllungspolitik oder Kampf gegen
den Versailler Vertrag.
- Politische Morde: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
(Januar 1919), Matthias Erzberger (1921), Walther Rathenau
(Juni 1922)
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Bei der Reichstagwahl am
6.6.1920 verloren die Demokraten (SPD, DDP, Zentrum).
Ihr Stimmenanteil betrug jetzt nur noch 43,6 Prozent (1919: 76,1
Prozent). Die Monarchisten (DNVP, DVP) bekamen 29 Prozent
der Stimmen (1919: 14,7 Prozent). Die von der SPD abgespaltenen
Parteien, die USPD und die KPD, erhielten zusammen 20 Prozent
der Stimmen. Mit diesem Ergebnis deutet sich ein Scheitern
des parlamentarischen Regierungssystems - das ja auf
Mehrheit beruht - bereits an.
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- Ruhrkampf und Reichskrise im Jahr 1923
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- Vorgeschichte des Ruhrkampfs
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- In Frankreich ist man überzeugt, dass sich Deutschland
der Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen böswillig
widersetzt; die Entwertung des Francs soll durch die
deutschen Zahlungen überwunden werden.
- Raymond Poincaré glaubt, Deutschland durch Besetzung und
wirtschaftliche Ausbeutung des Ruhrgebiets zur
Vertragstreue zwingen zu können. Aus seinem
Sicherheitsbedürfnis heraus ist es außerdem im Interesse
Frankreichs, Deutschland im Ruhrgebiet (Schwerindustrie!) zu
schwächen.
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- Ruhrbesetzung und Ruhrkampf
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- 1923 wird das Ruhrgebiet durch französisch-belgische
Truppen besetzt.
- Das Reichsministerium Cuno-Rosenberg proklamiert den
passiven Widerstand.
- Im Hochsommer 1923 führt der passive Widerstand zum
völligen Verfall der Mark; das Reich steht finanziell vor
dem Zusammenbruch.
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Die Regierung in Berlin
finanziert den passiven Widerstand durch Erhöhung der
Geldmenge (Drucken von Geldscheinen). Dies heizt die
Inflation zusätzlich an. Die Löhne können mit den Preisen
nicht mehr Schritt halten. Die Gewerkschaften unterstützen
den passiven Widerstand, verlieren jedoch zunehmend die
Kontrolle über ihre Mitglieder. |
- Der neue Reichskanzler Gustav Stresemann (von August bis
November 1923) muss am 26. September die Einstellung des
passiven Widerstands anordnen.
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- Die Autorität der Reichsregierung wird von allen Seiten
angegriffen.
- Im besetzten Westen versuchen Separatisten mehrmals, Teile
des Rheinlands vom Reich zu lösen. Dies scheitert am
Widerstand der reichstreuen Bevölkerung.
- In Bayern wird den Weisungen der Reichsregierung nicht
mehr Folge geleistet. Es besteht die Gefahr, dass sich
partikularistische Kräfte mit dem Nationalsozialismus
vereinigen. Am 8./9. November wagt Adolf Hitler einen
Staatsstreich, der allerdings kläglich scheitert. Die NSDAP
wird verboten.
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Am 27.9. wird der Notstand
für das ganze Reich ausgerufen. Um die Funktionsfähigkeit
der Regierung sicherzustellen, übergab der Reichstag am
23.10.1923 der Exekutive für drei Wochen außerordentliche
Vollmachten. (Es ist das erste Ermächtigungsgesetz in
Deutschland - das Parlament hatte sich praktisch selbst
entmachtet). Reichspräsident Ebert übergab Kanzler
Scheidemann die Notverordnungsvollmacht. In dieser Zeit
werden von der Regierung. Scheidemann 36 Gesetze und
Verordnungen zur Wiederherstellung der staatlichen Ordnung
und zur Stabilisierung der Wirtschaft in die Wege geleitet.
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- Um die Jahreswende 1923/24 entspannt sich die Lage. Es
gelingt, die Mark zu stabilisieren; unter Mitwirkung des
Reichsbankpräsidenten wird die "Rentenmark"
geschaffen.
- Die Stabilisierung der Währung erfordert harte Opfer:
300.000 Beamte, Angestellte und Arbeiter des Reiches werden
entlassen. Da die frühere Mark nur in geringem Maße
aufgewertet wird, werden die Vermögenswerte des
bürgerlichen Mittelstands und der kleinen Sparer weitgehend
vernichtet (wichtig für deren späteres Wahlverhalten!).
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Die Jahre der
Entspannung 1924 - 1929
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- Ein internationaler Sachverständigenausschuss unter dem Vorsitz
des amerikanischen Bankiers Dawes schlägt für die ersten Jahre
wesentlich geringere deutsche Reparationen vor. Der Beginn der
Zahlungen wird durch ein internationales Darlehen, vor allem aus
Zeichnungen der USA, erleichtert.
- Deutschland muss zur Sicherung der
Reparationszahlungen eine Verkehrssteuer einführen
und Schuldverpflichtungen auf die Industrie und die Reichsbahn
zugestehen.
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- Die Locarnopolitik Stresemanns und Briands (1925/26)
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- Stresemann und Briand streben eine deutsch-französische
Verständigung an. Sie werden von dem englischen Außenminister
Austen Chamberlain unterstützt.
- Das Ergebnis der Politik Briands und Stresemanns sind die
Locarnoverträge vom Oktober 1925. Im Dezember werden sie in
London unterzeichnet.
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- England garantiert die deutsch-französische
Grenze, lehnt
es jedoch ab, sich auch für die deutsche Ostgrenze zu
binden.
- 1925 verzichtet Deutschland freiwillig auf Elsass-Lothringen; außerdem anerkennt es die
Demilitarisierung des Rheinlands
- Das Reich verzichtet gegenüber Polen und der
Tschechoslowakei auf eine gewaltsame Änderung des
Besitzstands.
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- Nach der Annahme des Dawes-Plans wird im August 1925 das
Ruhrgebiet geräumt.
- Im Gespräch von Thoiry im September 1926 streben Briand und
Stresemann eine Gesamtregelung der deutsch-französischen
Beziehungen an (wirtschaftliche Zusammenarbeit, Lösung der
Saarfrage, Beschleunigung der Räumung des Rheinlands).
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- Der Völkerbund und der Briand-Kellogg-Pakt
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- Eine Folge der Locarnopolitik ist der
Eintritt Deutschlands in
den Völkerbund (1925). Dieser spielt als Ort eines ständigen
Gedankenaustausches über Fragen der Europa- und Weltpolitik eine
nützliche Rolle. Wegen der Erfordernis der Einstimmigkeit in
seinen Gremien ist die Handlungsfähigkeit und der Einfluss
begrenzt.
- 1927 schlägt der amerikanische Staatssekretär
Kellogg einen
Weltvertrag vor, in dem die Staaten sich verpflichten sollen,
jeglichen Krieg zu ächten. Der Briand-Kellogg-Pakt wird am 28. August
1928 zunächst von 15 Staaten unterzeichnet. Bis zum Tag des
Inkrafttretens des Übereinkommens, am 24. Juli 1929, traten 45
weitere Staaten bei.
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Das
Kernstück des Pakts war sein erster Artikel. Er markierte die
historische Zäsur: "Die Hohen vertragsschließenden
Parteien erklären feierlich im Namen ihrer Völker, dass sie
den Krieg als Lösung internationaler Streitfälle
verurteilen und auf ihn als Werkzeug nationaler Politik in ihren
gegenseitigen Beziehungen verzichten." Der beschwörende
Appell im zweiten Passus, wonach künftig alle Streitigkeiten
oder Konflikte, "welcher Art oder welchen Ursprungs sie
auch sein mögen", niemals anders als "durch
friedliche Mittel" gelöst werden sollten, deutete den
Wendepunkt an.
Die Vertragsparagraphen mit den sehr allgemein
formulierten Absichtserklärungen waren kaum
rechtsverbindlich. Da es keine Instanz gab, die etwaige
Verstöße ahnden konnte, hing alles von der Vertragstreue der
Unterzeichnerstaaten ab. Problematisch war außerdem, dass der
Vertrag nur den Angriffskrieg ächtete. Wo die Grenzen
zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg verlaufen sollten,
blieb unklar. Letztlich trug der Pakt nichts zur weltweiten
Sicherheit und Abrüstung bei. Was als noble Idee begann, wurde
bereits elf Jahre später von der rauhen Wirklichkeit eingeholt.
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- Innere Entwicklung Deutschlands 1924 - 1929
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- Die Entspannung der Weltlage nach 1924 verstärkt in
vielen Ländern die konservativen Tendenzen in der Innen-
und Sozialpolitik
- In Deutschland übernimmt das Kabinett Luther (mit
Stresemann als Außenminister) am 15.1.1925 die Regierung.
Es stützt sich auf das Zentrum, die Deutsche Volkspartei (DVP),
die Deutsche Demokratische Partei (DDP) und die
Deutschnationalen.
- Die Deutschnationalen lehnen die Annahme der
Locarnoverträge ab und scheiden deshalb im Herbst 1925 aus
der Regierung aus. Für die verbleibende "kleine
Koalition" wird es immer schwieriger im Reichstag eine
Mehrheit zu finden.
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- Im Februar 1925 stirbt Friedrich Ebert; ein neuer
Reichspräsident muss gewählt werden.
- Im zweiten Wahlgang (26.4.1925) stehen sich der Kommunist Thälmann, der frühere Reichskanzler und Zentrumsführer
Marx als Sammelkandidat der republikanischen Parteien und
Generalfeldmarschall von Hindenburg als Kandidat der Rechten
gegenüber. Hindenburg erhält die meisten Stimmen (14,7
Millionen). Marx bekommt 13,75 Millionen Stimmen, Thälmann
1,9 Millionen.
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Aufgrund des Stimmenanteils der KPD
hatten die Demokraten (SPD, DDP, Zentrum) nun auch das
Amt des Staatsoberhaupts, das angesichts der großen
Vollmachten, die ihm die Verfassungsgebende Versammlung
verliehen hatte, von besonderer Bedeutung war, verloren. Die Monarchisten
(DNVP, DVP) waren ihrem Ziel, wieder die Staatsgewalt zu
übernehmen, einen Schritt näher gekommen. Den Vollmachten des Reichspräsidenten
standen die Befugnisse des Reichstags gegenüber, in dem
die Monarchisten keine Mehrheit hatten. Außerdem ließ die
außenpolitische Lage innenpolitische Experimente nicht zu.
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- Seeckt und die Reichswehr
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- Der Chef der Reichswehr, General von Seeckt, bemüht sich,
die Truppe von der Politik fernzuhalten. Dem mit einer
starken monarchischen Tradition behafteten Offizierskorps
gelingt es jedoch nicht, eine innere Beziehung zur Republik
zu entwickeln.
- Seeckt hält, wie sein Nachlass bezeugt, einen
Wiederaufstieg Deutschlands ohne Krieg für undenkbar. Sein
Versuch, eine "schwarze Reichswehr" aus
freiwilligen Verbänden aufzustellen, erregt das Misstrauen
der Westmächte.
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Weltwirtschaftskrise und
Aufstieg des Nationalsozialismus 1929 - 1933
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- Weltwirtschaftskrise und New-Deal-Politik der USA
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- Die vom Ausland, insbesondere von den USA, gewährten
kurzfristigen Kredite (16 Milliarden Mark) übersteigen die
geleisteten Reparationszahlung bei weitem. Es kommt zu einer
trügerischen Scheinblüte der deutschen Wirtschaft.
- Im Winter 1928/29 steigt die Zahl der Erwerbslosen in
Deutschland auf zwei Millionen. Die sozialen Gegensätze
verschärfen sich.
- Am 24. Oktober 1929 kommt es in Wallstreet in New York zum
Börsenkrach. Die damit beginnende Weltwirtschaftskrise lähmt
das gesamte Wirtschaftsleben; überall muss der Staat als
Nothelfer eingreifen. Die Tendenz zur Diktatur erhält von
der wirtschaftlichen Seite einen ungeheuren Auftrieb.
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- Der wirtschaftlichen Krise in den USA ging eine Zeit
blinder Überproduktion voraus; das Kreditvolumen war im
Vertrauen auf weitere "Prosperity" ungesund
überhöht.
- Im Herbst 1929 sehen sich die Banken zur
Zahlungseinstellung gezwungen. Neben der Finanzkrise kommt
es zu einer lang andauernden Agrarkrise.
- Der neue Präsident, Franklin Delano Roosevelt (gewählt
1932) leitet umfassende staatliche Hilfsmaßnahmen ein. Die
Politik des New-Deal bringt weitgehende staatliche Eingriffe
in das Wirtschaftsleben; sie nähert sich einer
Wirtschaftskontrolle durch den Staat und nimmt Einfluss auf
die sozialen Verhältnisse.
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- Deutschland drängt ab 1928 auf eine endgültige Lösung der
Reparationsfrage. Außerdem wird versucht, die Räumung des
Rheinlands zu erreichen.
- Das Ergebnis der deutschen Bemühungen ist der Young-Plan. Er
sieht insgesamt 59 Jahreszahlungen in Höhe von durchschnittlich
1,9 Milliarden Mark vor. Dafür erlangt Deutschland die Verfügung
über die Reichsbahn zurück. Das Rheinland wird bis Juni 1930
(statt 1935) geräumt.
- Nach Stresemanns Tod am 3. Oktober 1929 verschlechtert sich die
Lage Deutschlands im Innern. Die Rechtsparteien, die
Deutschnationalen unter Führung des Großindustriellen Hugenberg
und die Nationalsozialisten, kämpfen gegen die Annahme des
Young-Plans. Bei einer Volksabstimmung im Dezember 1928 erhalten
sie jedoch nur 13,8 Prozent der Stimmen
- Ab 1930 findet sich im Reich keine arbeitsfähige Mehrheit; der
Radikalismus von rechts und links nimmt stark zu. Die Regierung
kann sich nur noch mit dem Notverordnungsrecht des
Reichspräsidenten (Artikel 48 der Verfassung) behaupten.
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Am 27.3.1930 war die
Regierung des Sozialdemokraten Müller wegen Streitigkeiten
über die Finanzierung des Staatshaushalts zurückgetreten.
Diesen Anlass benutzte Hindenburg, einen neuen Kurs
einzuschlagen. Die Monarchisten, die Inhaber der
Staatsgewalt bis Oktober 1918, sollten unter Einsatz der präsidialen
Vollmachten wieder an die Macht gelangen. Hindenburg und die
DNVP hatten vereinbart, sich nach dem Rücktritt Müllers nicht
mehr zu bemühen, eine von einer parlamentarischen
Mehrheit getragene Regierung zu bilden. Nach Artikel
53 der Verfassung war es dem Reichspräsidenten möglich,
einen Reichskanzler seiner Wahl zu ernennen, der dann eine
Minderheitsregierung bilden konnte. Das Parlament musste dem
Amtsantritt eines Reichskanzlers nicht zustimmen. Falls der
Reichstag den Gesetzesvorlagen nicht zustimmte, konnte der
Reichspräsident nach Artikel 48 Gesetze in Form von
Verordnungen erlassen. Allerdings konnte das Parlament
durch seinen Einspruch diese Notverordnungen wieder aufheben. In
einem solchen Fall war es jedoch dem Reichspräsidenten
nach Artikel 25 möglich, den Reichstag aufzulösen. Bis
zum Antritt eines neuen Reichstag konnten ungefähr drei Monate
vergehen. Während dieser Zeit konnten die präsidialen Maßnahmen
nicht aufgehoben werden - weil es eben keinen Reichstag gab.
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- Die Kanzlerschaft Brünings und Wiederwahl Hindenburgs
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- Am 1. April 1930 wird der Zentrumsabgeordnete Brüning
Reichskanzler; schon bei seiner Ernennung hatte er die Auflösung
des Reichstags angekündigt falls seine Gesetzesvorlagen keine
Mehrheit finden sollten. Dieser Fall trat bereits am 16. Juli ein
- der Reichstag wurde aufgelöst.
- Nach der Reichstagsauflösung ziehen die
Nationalsozialisten (NSDAP) mit einem Stimmenanteil von 18,3
Prozent in die Volksvertretung ein (1928: 2,6 Prozent). Die
Deutsche Demokratische Partei (DDP) erleidet starke Verluste. Zentrum und Sozialdemokraten behaupten sich.
- Die Wirtschaftskrise in Industrie und Landwirtschaft macht 6 bis
7 Millionen Menschen arbeitslos.
- Als die ausländischen Kredite zurückgezogen werden, bricht die
'Darmstädter und Nationalbank' zusammen. Die Regierung sieht sich
gezwungen, vorübergehend alle Banken zu schließen.
- Brüning sieht sich zu Steuererhöhung, Gehaltskürzung,
Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung und der Verminderung
der öffentlichen Ausgaben gezwungen.
- 1932 muss der Reichspräsident neu gewählt werden. Der
84jährige Hindenburg erhält, dieses Mal als Kandidat der
gemäßigt republikanischen Parteien, im zweiten Wahlgang (10.
April) die Mehrheit, und zwar 19,4 Millionen = 53 Prozent der
Stimmen. Seine Gegner Hitler und der Kommunist Thälmann
erhalten
13,5 Millionen = 36,8 bzw. 3,7 Millionen = 10,2 Prozent der
Stimmen.
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Hindenburg versuchte, mit seiner
Kandidatur die unter sich zerstrittene Rechte wieder
zusammenzuführen. - Bei der 'Harzburger Front' war es zu
wirklichen Einheit der Rechten gekommen. So war es den Rechten
nicht gelungen, sich auf einen Kandidaten zu verständigen. Hitler
präsentierte sich bei der Wahl als Vertreter der Rechten, nicht
als Parteiführer. Der Plan der 'Monarchisten', von
den 'Demokraten' wieder die Staatsgewalt zu übernehmen, wurde
von den Nationalsozialisten vereitelt. Die Nationalsozialisten
wollten keine Verfassungsreform - sie wollten eine Diktatur. |
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- Die Kanzlerschaft von Papens und die Ernennung Hitlers
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- Am 30. Mai 1932 wird Brüning durch den Reichspräsidenten
gestürzt. Hindenburg ist von ostpreußischen Grundbesitzern
beeinflusst, die Brüning anfeinden, weil er nicht die geforderte
Reichsunterstützung für die Entschuldung des ostelbischen
Großgrundbesitzes zur Verfügung stellt.
- Unter Brünings Nachfolger von Papen und dem
General von
Schleicher setzt sich das politische Chaos fort. von Papen ist
Katholik, neigt aber zur politischen Rechten; er glaubt, die
Nationalsozialisten zur Mitarbeit gewinnen zu können.
- Das "Kabinett der Barone" bringt trotz zweimaliger
Auflösung des Reichstags niemals eine Mehrheit hinter sich.
- Die Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 bringen der NSDAP 230
Sitze (13,7 Millionen Stimmen). Erneute Auflösung des Reichstags.
Neuwahlen
im November zeigen, dass 90 Prozent der Nation die Regierung Papen
ablehnen. Die Stimmen für die Nationalsozialisten gehen auf 11,7
Millionen zurück. Die KPD wächst auf sechs Millionen
- Außenpolitisch kann Papen gewisse Erfolge verzeichnen: Im
Juni
1932 wird unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise die Beendigung
der Reparationszahlungen beschlossen. Im Dezember 1932 wird der
Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung in der Rüstung
anerkannt.
- Da von Papen von allen Seiten abgelehnt wird, muss ihn Hindenburg
- widerwillig - entlassen. Nachfolger wird Reichswehrminister von
Schleicher.
- Der abgesetzte Papen führt über Kreise der Schwerindustrie und
der Finanz (Bankier Schröder) eine Annäherung zwischen den
Deutschnationalen (Hugenberg) und den Nationalsozialisten (Hitler)
herbei. Ende 1933 setzt er bei Hindenburg die Entlassung
Schleichers durch.
- Am 30. Januar 1933 beruft Hindenburg Adolf Hitler zum
Reichskanzler.
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