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Deutschland unter
Kaiser Wilhelm II.
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- Die Entlassung Bismarcks (1890)
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- Nach dem Tod Wilhelms I. und der kurzen
Regierung Friedrichs III. wird Wilhelm II. 1888 deutscher
Kaiser
- Konflikt zwischen dem Kaiser und Bismarck hat
starke persönliche Wurzeln; zunächst nur
Generationengegensatz, danach Konflikte über die Stellung des
Kaisers im Reich: Wilhelm II. will die Führungsposition im
Reich, Bismarck sieht im Kanzleramt nicht nur ein ausführendes
Organ.
- Wilhelm II. will allmähliche Entmachtung
Bismarcks (um einer späteren Mythenbildung vorzubeugen). Er
reserviert sich zunächst - an Bismarck vorbei - ein
eigenes politisches Thema, das Arbeiterschutzprogramm.
Weitere Provokationen des Kaisers (preußischen Königs):
Preußische Minister werden - unter Umgehung Bismarcks - einzeln
zur Berichterstattung gebeten, Einberufung eines neuen
Handelsministers in Preußen (Bismarck hatte diese Funktion
provisorisch übernommen).
- Bismarck entscheidet sich zum offenen Kampf. Er
entschließt sich, einen innenpolitischen Konflikt zu schüren um
sich dann als Retter zu präsentieren: Nach den Gewinnen der
Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen im Februar 1890 strebt
er eine Verschärfung des Sozialistengesetzes an. Damit
gerät er in Gegensatz zum Kaiser, der mit seinem
Arbeiterschutzprogramm die Arbeiter für sich gewinnen will.
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Auch der Reichstag war mit
einer Neuauflage des Sozialistengesetzes nicht
einverstanden. Am 25.1.1890 fiel der Entwurf im Parlament
durch: Die Nationalliberalen scherten aus der Koalition mit
den beiden konservativen Parteien aus - das
"Kartell" war zerbrochen. Die Wahlen machten diesen
Bruch offensichtlich: Die Kartellparteien (Konservative
und Nationalliberale) verloren ihre Mehrheit. Mit 19,7 Prozent
der Stimmen wurden die Sozialdemokraten stärkste Partei. Das Mehrheitswahlrecht
verhinderte, dass sich der Stimmenanteil in Mandate umsetzen
ließ. Die SPD erhielt lediglich 35 Sitze. Das Zentrum
erhielt mit nur 18,6 Prozent Stimmenanteil 106 Mandate.
Die
"Wahlarithmetik" konnte den Niedergang der
Machtposition nicht verhindern: er hatte die Mehrheit
verloren. Bald sollte auch das Zerwürfnis mit dem jungen
Kaiser, der "selbst regieren" wollte, unüberwindbar
werden. |
- Nach den Verlusten der Kartellparteien bei den Reichstagswahlen
versucht Bismarck eine Zusammenarbeit der Konservativen mit
dem Zentrum herbeizuführen. Der Kaiser verübelt die
Gespräche Bismarcks mit Windthorst (dem Vorsitzenden des
Zentrums), für ihn war das Zentrum "die fünfte Kolonne
Roms".
- Am 18.3.1890 wird Bismarck entlassen.
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Auszüge
aus dem Entlassungsgesuch Bismarcks vom 18.3.1890: "Eure
Majestät geruhten ... mir bezüglich meiner dienstlichen
Berechtigungen Grenzen zu ziehen, welche mir nicht das Maß
der Beteiligung an den Staatsgeschäften, der Übersicht über
letztere und der freien Bewegung in meinen ministeriellen
Entschließungen und in meinem Verkehr mit dem Reichstag und
seinen Mitgliedern lassen, deren ich zur Übernahme der
verfassungsmäßigen Verantwortlichkeit für meine amtliche
Tätigkeit bedarf. .... Nach gewissenhafter Erwägung
der Allerhöchsten Intentionen, zu deren Ausführung ich
bereit sein müsste, wenn ich im Dienst bliebe, kann ich nicht
anders als Euere Majestät zu bitten, mich aus dem Amte des
Reichskanzlers und des Preußischen Ministers der Auswärtigen
Angelegenheiten in Gnaden und mit der gesetzlichen Pension
entlassen zu wollen."
Am 20.3. erhält Bismarck ein Antwortschreiben
Kaiser Wilhelms II. Auszüge: "Mit tiefer Bewegung
habe ich ... ersehen, dass Sie entschlossen sind, von den
Ämtern zurückzutreten, welche Sie seit langen Jahren mit
unvergleichlichem Erfolge geführt haben. ... Wenn Ich ... in
vollem Bewusstsein der folgenschweren Tragweite Ihres
Rücktritts jetzt genötigt bin, Mich mit diesem Gedanken
vertraut zu machen, so tue Ich dies zwar betrübten Herzens,
aber in der festen Zuversicht, dass die Gewährung Ihres
Gesuches dazu beitragen werde, Ihr für das Vaterland
unersetzliches Leben und Ihre Kräfte so lange wie möglich zu
schonen und zu erhalten." |
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- Das "persönliche Regiment" Kaiser Wilhelms II.
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- Persönlichkeit Wilhelms II: Reiner Egozentriker, keine politische
Grundidee, sprunghafte Persönlichkeit, Sucht nach öffentlicher
Anerkennung, keine Weltanschauung, braucht Beifall der
Öffentlichkeit, keine einheitliche und folgerichtige Politik,
eigenmächtige und impulsive Handlungen und Reden.
- Wilhelm II. möchte sein "eigener Kanzler"
sein (die beiden ersten Nachfolger Bismarcks fügen sich weithin
dem kaiserlichen Willen). Er aktiviert Kompetenzen, die ihm nach der
Verfassung zustehen, jedoch unter Wilhelm I. nicht in Anspruch
genommen wurden.
- Für den Kaiser ist das Heer die Grundlage seiner
Herrschaft. Die Stellung des Militärs ist in der
Verfassung nicht geregelt, keine Kontrolle durch den Reichstag.
Das Militär ist nur über die Person des Kaisers in das
Gesamtsystem des Staates integriert. Nur der Kaiser konnte militärische und
politische Interessen aufeinander abstimmen.
- Der Kaiser hat den Oberbefehl über das Militär; auf
der Ebene der Generalität nimmt er die Stellenbesetzung vor.
Für Militär und Marine hat der Kaiser eigene Büros
(Militärkabinett, Marinekabinett), mit denen er seine Macht
ausüben kann. Zentrale Bedeutung der Personalpolitik des
Kaisers auch im zivilen Bereich. Anspruch des Kaisers, Personen seines Vertrauens zu
ernennen.
- Militärische und zivile Gewalt müssen auf der
Ebene des Budgets kooperieren. Die Budgetbewilligung ist eine
Befugnis des Reichstags. Dort gibt es immer wieder Kraftproben.
- Für die Deutschen ist der Kaiser das einzige
Symbol für die Reichseinheit. Der Sehnsucht der Deutschen nach einem Symbol
für den Nationalstaat kam Präsentationsbedürfnis des Kaisers
entgegen (Reisekaiser).
- Mit Bismarck hatte das Reich seinen Koordinator verloren
Die nachfolgenden Reichskanzler waren nicht in der Lage,
einen ständigen Interessenausgleich zwischen Kaiser, Reichstag
und Einzelstaaten herbeizuführen. Nicht zuletzt durch die
Einflussnahme des Kaisers wurde die deutsche Außenpolitik
unberechenbar.
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- Die Politik des "Neuen Kurses"
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- Die Reichskanzler nach der Entlassung Bismarcks: von Caprivi
(1890 -1894), von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894 - 1900),
von Bülow (1900 - 1909), von Bethmann-Hollweg (1909
- 1917). Die beiden ersten Nachfolger Bismarcks fügen sich
weitgehend dem Willen des Kaisers. Reichskanzler von Bülow
versucht den Kaiser durch höfische Geschmeidigkeit zu lenken,
kann aber auf die Dauer "Zwischenfälle" nicht
vermeiden.
- Genereller Wandel der außenpolitischen Rahmenbedingungen: Der
Spielraum der Diplomaten wird in allen europäischen Staaten
dadurch eingeschränkt, dass sie zunehmend auf nationalistische "pressure
groups" Rücksicht nehmen müssen. Darunter leidet die
Kompromissbereitschaft der Staaten. Dies führt u.a. zu starren
Frontbildungen der unter den Staaten geschlossenen Bündnisse.
- Die Kündigung des geheimen Rückversicherungsvertrags mit
Russland
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- Das Angebot Russlands auf Verlängerung des Vertrags
wird abgewiesen. Die Nichtverlängerung war in Deutschland
durchaus populär: Sozialdemokraten und Linksliberale
lehnten einen Vertrag mit dem despotischen System in
Russland ab (nur die Konservativen traten für eine
Verlängerung ein!).
- Verlagerung der Entscheidungsfindung auf den
Beamtenapparat: Das Auswärtige Amt gewinnt den
schwankenden Kaiser für die Kündigung des Vertrags.
Geheimrat Friedrich von Holstein strebt eine Annäherung
an Großbritannien an. Ein Bündnis wird jedoch von
Großbritannien abgelehnt.
- Auswirkung auf die Beziehung zwischen Russland und Frankreich wird nicht bedacht. Russland wird an die Seite Frankreichs
getrieben. Der französisch- russische Zweibund wird mit dem
Besuch der französischen Flotte in Kronstadt (1891)
eingeleitet, 1892 durch eine Militärkonvention
fortgeführt, 1894 durch förmlichen Vertrag vollendet.
Gefahr eines Zweifrontenkriegs für Deutschland.
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- Ringen zwischen agrarischen und industriellen Interessen;
Linksliberale und Sozialdemokraten treten für den Übergang zum
Industriestaat und die Beseitigung der Schutzzölle ein. Zentrum,
Nationalliberale und Konservative wollen eine lebensfähige
Landwirtschaft erhalten.
- Die Handelsverträge Caprivis setzen vorübergehend die
Schutzzölle herab und fördern durch ein Netz von
Meistbegünstigungsverträgen die Entwicklung des Außenhandels.
Aktive Exportförderung. Die Einfuhr von Getreide aus Russland
trifft die Interessen der preußischen Agrarier. Rückendeckung der
industriefreundlichen Politik durch den Kaiser.
- Aus Protest gegen Caprivi gründen die Agrarier den "Bund
der Landwirte", der in der Hauptsache den
getreideanbauenden Großgrundbesitz vertritt.
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- Heeres- und Flottenpolitik
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- von Caprivi bewilligt 1892 die
zweijährige
Dienstzeit für Fußtruppe
- Der Bau der Kriegsflotte ist das persönliche
Werk Wilhelms II. und des Admirals Tirpitz. Das
Flottenprogramm ist ein Programm der imperialistischen
Weltpolitik. Mit der
zweitstärksten Flotte (nach der englischen) sollte
Deutschland in der Lage sein, auf der Nordsee der
englischen Flotte entgegenzutreten. Bei einem Kampf sollen
der englischen Flotte solche Verluste beigebracht werden,
dass seine Machtstellung gefährdet wird. Dieses Risiko
soll Großbritannien von einem Seekrieg mit Deutschland
abschrecken. Die Flottenfrage belastete das
deutsch-englische Verhältnis schwer.
- Admiral von Tirpitz (er wurde vom Kaiser geadelt!)
gelang es, im Reichstag immer wieder Mehrheiten für die Finanzierung
des Flottenbaus zu erhalten. Mit seinem "Nachrichtenbuereau"
mobilisierte er wirksam die öffentliche Meinung. 1899
wurde ein Flottenverein gegründet, der die
Forderungen von Tirpitz zunächst weitgehend
unterstützte, sich jedoch nach und nach verselbständigte
und stark nationalistisches Gedankengut aufnahm
(Populistischer Nationalismus).
- Das Bautempo für die
Schiffe war mit drei Schiffen pro Jahr relativ langsam;
bei diesem Tempo wäre das Ziel erst nach 25 Jahren zu
erreichen gewesen. Nach einem Qualitätssprung der
englischen Schlachtschiffe ("Dreadnoughts") muss
auch die deutsche Flotte nachgerüstet werden.
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- Deutschland nimmt bewusst am Imperialismus teil
und fordert seinen "Platz an der Sonne". Die
"Weltpolitik" tritt an die Stelle der begrenzten
Kolonialpolitik Bismarcks. Der Nationalismus
gewinnt an Bedeutung.
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Das
Feld, auf dem der Monarch Profil und Prestige
erlangen wollte, war die Außenpolitik; er wollte Kolonien
- um nahezu jeden Preis. Im November 1897 besetzten
deutsche Marinetruppen das Fort Tsingtau in
der chinesischen Bucht von Kiautschou, wo auch
Russland Rechte beanspruchte. Nach drei Wochen
diplomatischer Aktion von Bernhard von Bülow,
des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, gab die
russische Regierung nach, und Deutschland hatte
seinen chinesischen Stützpunkt. Der spektakuläre
Erfolg weckte neue Ambitionen.
Der riskante Kurs der deutschen
"Weltpolitik" trug viel zu der fatalen
Isolierung bei, in die das Deutsche Reich mehr
und mehr geriet. Im Sommer 1914 war für die
maßgeblichen deutschen Politiker der Krieg der
einzige Ausweg, aus dieser "Umklammerung"
herauszukommen. |
- Der Bau der Bagdadbahn bringt Deutschland in enge
Verbindung mit dem Osmanischen Reich, führt aber in ein Gebiet, in
dem es mit englischen und russischen Interessen
zusammentrifft.
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- Die Wahlkreiseinteilung benachteiligt die
Großstädte obwohl diese aufgrund der zunehmenden
Industrialisierung das Übergewicht über das Land
bekommen haben (um 1880 lebt über die Hälfte der
Bevölkerung von der Landwirtschaft; 1910 sind es nicht
mehr ganz drei Zehntel). Eine Änderung wird nicht
vorgesehen - auch eine Art von Politik.
- Dreiklassenwahlrecht in Preußen (eine Stimme der
dritten Klasse (3,2 Millionen Wähler) hat kaum ein
Zehntel des Gewichts einer Stimme der ersten Klasse
(293.000 Wähler). Auch hier wurde keine Änderung
durchgeführt.
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- Kampf der Arbeiter um Anerkennung des
Streikrechts, um die Rechtsfähigkeit ihrer
Organisationen, um die Reform des Arbeitsrechts
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Im Jahr 1890 wurde der 'Erste
Mai' zum erstenmal als "Festtag der
Arbeit" gefeiert. An diesem Tag manifestierte sich
das neue Selbstbewusstsein der Arbeiter. Der Beschluss
zu der Kundgebung am 1. Mai 1890 stammte aus dem
Gründungstreffen der 'Zweiten Internationale'
1889 in Paris. |
- Der Kaiser erweckt anfangs Hoffnungen auf den
Ausbau des Arbeitsschutzes durch Regelung der Arbeitszeit,
durch Ausbildung von Schiedsgerichten für Streitigkeiten
zwischen Arbeitern und Unternehmern, durch Einschränkung
von Frauen- und Kinderarbeit. Dann bedroht seine "Zuchthausvorlage"
die praktische Ausübung des Koalitionsrechts der Arbeiter
(der Reichstag lehnt sie allerdings ab!).
- In der sozialen Versicherungsgesetzgebung bleibt Deutschland
führend.
- Soziale Reformbewegungen stellen sich die Frage,
wieweit Bewegungsfreiheit und Initiative des Individuums
neben dem Schutz der Schwachen in der Gesellschaft
möglich sind und wie die individuelle Willkür
eingeschränkt werden kann.
- Die christlichen Kirchen wenden sich zunehmend
der sozialen Frage zu. 1891 fordert Papst Leo XIII. in der
Enzyklika 'Rerum novarum' eine Wiederherstellung
der durch Kapitalismus und Individualismus gestörten
Harmonie des gesellschaftlichen Lebens. Der "Volksverein
für das katholische Deutschland" wird zum
Träger sozialer Arbeit. Auf evangelischer Seite fordert Friedrich
Naumann eine soziale und demokratische Gesinnung,
welche die geistigen Werte der Vergangenheit in die Welt
des Kapitalismus hinüberretten soll.
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Machtkampf der
Weltmächte 1898 - 1904
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- Mit den Vereinigten Staaten und Japan entstehen zwei neue
Großmächte. Der Vorrang Europas wird fragwürdig.
- Der imperialistische Drang der Großmächte nach Machterweiterung
führt zu neuen weltpolitischen Spannungen und zur Verschärfung der
in Europa vorhandenen Gegensätze.
- Vereinigte Staaten von Amerika
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- 1898 Der Krieg mit Spanien endet mit dem Erwerb Kubas
und der Philippinen; im gleichen Jahr Annexion von Hawaii.
- 1901 Präsident Roosevelt strebt eine Vormachtstellung
auf dem amerikanischen Kontinent an, vor allem in
Mittelamerika (u.a. durch den Bau des Panamakanals)
- Im Fernen Osten geraten die Vereinigten Staaten in Gegensatz
zu Japan.
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- Bis 1867 ein Feudalstaat. Unter amerikanischem Zwang öffnet
der Kaiser sein Land dem Handel und verwandelt es zu einer
modernen Großmacht.
- Gefahr der Überbevölkerung. Kampf Japans mit Russland um die
Vormachtstellung in Ostasien. Hauptdruck des
Expansionsstrebens richtet sich gegen das naheliegende Festland
Asiens: Korea, Mandschurei, Nordchina.
- Der Krieg mit China (1895) endet mit einem Sieg Japans.
Russland, Frankreich und Deutschland zwingen Japan auf den
Erwerb von Korea und Port Arthur zu verzichten.
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- Gruppierungen und Gegensätze zwischen den alten Großmächten
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- Die Versöhnung Deutschlands mit Frankreich scheitert
an der elsass-lothringischen Frage.
- Für Deutschland ist Österreich-Ungarn der
einzige verlässliche Partner. Dieser "Zweibund" ist
defensiv gegen Russland gerichtet. Der
"Dreibund" (mit Einschluss Italiens) richtet sich
gegen einen Angriff Frankreichs.
- Schwächung Österreich-Ungarns wegen interner Nationalitätenkonflikte. Wert als Bundesgenosse für
Deutschland sinkt.
- Gegensatz zwischen Russland
und Österreich-Ungarn.
Russischer Wunsch nach Hegemonie unter den slawischen Völkern,
nach Vormacht auf dem Balkan und der Verfügung über die
Meerengen.
- Das Bündnis zwischen Russland und Frankreich
richtet sich für Frankreich gegen Deutschland, für Russland
gegen England.
- Die Politik Italiens ist von Großbritannien, der
stärksten Seemacht im Mittelmeer, abhängig. Italien verspricht
Frankreich 1897 im Kriegsfall neutral zu bleiben
(Frankreich begünstigt dafür die Besetzung von Tripolis durch
Italien). Der Dreibund wird dadurch entwertet.
- Bis 1904 Koloniale Meinungsverschiedenheiten zwischen Großbritannien und Frankreich
wegen der Beherrschung Ägyptens und Marokkos.
- Bis 1907 steht Russland mit seinen
Expansionsbestrebungen in Asien im Interessengegensatz zu Großbritannien.
- Um 1900 rechnet das Deutsche Reich mit dem weltpolitischen
Gegensatz Großbritanniens zu Russland und Frankreichs.
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- Das Ende der Isolierung Großbritanniens
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- Das Streben nach Sicherheit hat Großbritannien ab 1898 (vor
dem Burenkrieg!) dazu veranlasst, seine Isolationspolitik
aufzugeben.
- Scheitern der Bündnisverhandlungen zwischen Deutschland und
Großbritannien (1898 - 1901). Dieses Scheitern ist der
Auftakt für die Ententepolitik Großbritanniens geworden.
- 1902 schließt Großbritannien ein Bündnis mit Japan,
das gegenseitige Neutralität beim Angriff einer, Bündnishilfe
beim Angriff von mehr als einer Macht auf den Partner
verspricht. Beide Staaten wollen eine russische Hegemonie in
Ostasien verhindern. (Russland hatte bereits die Mandschurei
besetzt und trat Japan auch in Korea als Rivale
entgegen.)
- Gedeckt durch das Bündnis mit England beginnt Japan
1904 den Krieg mit Russland; am 8.2.1904 wird das in
russischem Besitz befindliche Port Arthur okkupiert; 1905 siegt
Japan über die
europäische Großmacht. Im Frieden von Portsmouth gewinnt Japan
die Oberhoheit über Korea; die Mandschurei muss
an China zurückgegeben werden. Nach seiner Niederlage in
Ostasien konzentriert sich die russische Politik wieder
auf Europa (Balkan!).
- Mit der englisch-französischen Entente von 1904
beginnt Großbritannien auch in Europa aus seiner Isolierung
herauszutreten. Verständigung über alle kolonialpolitischen
Streitfragen. Großbritannien gesteht Frankreich besondere
Interessen an Marokko zu, Frankreich anerkennt die englische
Machtstellung in Ägypten. Die "Entente cordiale"
ist kein Bündnis.
- Die englisch-russische Entente von 1907 sollte dem
Ausgleich der Gegensätze in Asien dienen. England verzichtet
auf direkte Einflussnahme in Tibet. Afghanistan bleibt neutraler
Pufferstaat. Der Norden Persiens wird russisches, der Süden
englisches Einflussgebiet.
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Europäische Krisen 1904
- 1914
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- Mit der 'Entente cordiale' von 1904 hatten
Großbritannien und Frankreich ihre kolonialen
Auseinandersetzungen um Marokko entschärft: Frankreich
hielt sich aus Ägypten heraus, das Empire ließ den Franzosen
freie Hand in Marokko. 1905 leitet Frankreich die "friedliche
Durchdringung" Marokkos ein.
- Am 31.3.1905 fordert Kaiser Wilhelm II. in Tanger eine
internationale Konferenz zur Regelung der "Souveränität
Marokkos"
- 1906 Konferenz von Algeciras: Deutschland muss
Frankreichs Vorrecht in Marokko anerkennen - eine diplomatische
Niederlage von höchstem Rang.
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Anstatt,
wie beabsichtigt, einen Keil zwischen Frankreich und
Großbritannien zu treiben, fand sich das Deutsche Reich nun
selbst in der Isolation. Die diplomatische Niederlage
verstärkte das subjektive Gefühl einer zunehmenden
Einkreisung Deutschlands |
- 1911 Frankreich entsendet wegen innerer Unruhen in
Marokko ein Expeditionskorps nach Fez. Deutschland reagiert mit
der Entsendung des Kanonenboots Panther
("Panthersprung")
- Frankreich lehnt den Anspruch Deutschlands auf Abtretung von
ganz Französisch-Kongo ab. Bedingungslose Unterstützung
Frankreichs durch England.
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- 1908/09 Österreich-Ungarn annektiert Bosnien
und die Herzegowina und stößt dabei auf den Widerstand Serbiens.
Serbien wird von Russland unterstützt. Unter deutschem Druck
(Deutschland will seinen letzten Bündnispartner nicht
verlieren!) und durch die Vermittlung Großbritanniens muss
Russland nachgeben.
- Russland unterstützt die Bildung eines Bundes der
Balkanstaaten mit dem Ziel, die Osmanen aus Europa zu
verdrängen. Im ersten Balkankrieg (1912/13) erleidet das
Osmanische Reich eine schwere Niederlage gegen diesen "Balkanbund".
Im zweiten Balkankrieg wird Bulgarien durch Serbien,
Griechenland und Rumänien vernichtend geschlagen. Österreich-Ungarn empfindet die Vergrößerung Serbiens als
eine Bedrohung.
- Der Ausbruch eines Krieges zwischen Russland und
Österreich-Ungarn wird durch englische und deutsche Vermittlung
"in letzter Sekunde" verhindert (Botschafterkonferenz
in London).
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- Das Deutsche Reich und Großbritannien
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- Deutschland fürchtet die "Entente cordiale"
zwischen Großbritannien und Frankreich als Instrument der
Einkreisung; Großbritannien fürchtet eine deutsche Hegemonie
in Europa.
- Großbritannien fürchtet (ab 1904) vom deutschen
Flottenbau eingeholt und überflügelt zu werden.
- Ab 1908 neue Verständigungsversuche: Deutschland
wünscht einen Vertrag über die Neutralität Großbritanniens
in einem europäischen Krieg; Großbritannien fordert Begrenzung
der deutschen Flotte. Der letzte große Verständigungsversuch
scheitert 1912 (Haldane-Mission).
- Ab 1913 Rüstungswettlauf der großen Landmächte
Europas
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