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Die
innere Entwicklung Deutschlands unter Bismarck |
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- Die Reichsverfassung von 1871
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- Kernkompetenzen der Länder: Kulturhoheit (Schule
und Universitäten), innere Verwaltung, innere Sicherheit,
Justizverwaltung
- Das Reich ist für Gemeinschaftsaufgaben
zuständig (Außenpolitik, Militär)
- Direkte Steuern fließen den Ländern zu; Einnahmen des
Bundes: Verbrauchssteuern (Tabak, Salz, Sekt) und Zölle;
Länder müssen dem Bund Zuschüsse geben, die jährlich
festgestellt werden (Matrikularbeiträge)
- Im Bundesrat sind Vertreter der
Länderregierungen, die nicht gewählt werden (Organ der
22 Fürsten und der 3 Hansestädte). Verkörperung der Reichsgewalt; sämtliche Gesetze müssen
den Bundesrat passieren.
- Rechte des Deutschen Kaisers: Abschluss von
Verträgen mit dem Ausland, Ernennung und Entlassung des
Reichskanzlers, Kommandogewalt über die Streitkräfte
(auch Auswahl des militärischen Führungspersonals)
- Rechte des Kanzlers: Verkörperung der Exekutive;
Auflösung des Reichstags, Ausschreibung von Neuwahlen.
Sämtliche Reichsämter (z.B. das Auswärtige Amt) sind
dem Kanzler nachgeordnet. Aufgrund der Verbindung mit der
Funktion des preußischen Ministerpräsidenten kann der
Reichskanzler Initiativen im Bundesrat ergreifen.
- Rechte des Reichstags: Vorschlagen von und
Zustimmung zu Gesetzen. Strikte Trennung zur Exekutive (
kein Einfluss auf Militär, Außenpolitik und
Regierungsbildung)
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- Kulturkampf (Konflikt zwischen Staat und Kirche)
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- 1870: Das Papsttum (Papst Pius IX.) steuert eine
absolutistische Stellung innerhalb der katholischen Kirche an
(Dogmen: Unfehlbarkeit des Papstes, Universalepiskopat des
Papstes); in Deutschland lediglich Widerstand im katholischen
Bildungsbürgertum (Altkatholiken)
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Das am 18.7.1870 vom 20.
Ökumenischen Konzil verabschiedete Unfehlbarkeitsdogma
besagt, dass "der Papst als Nachfolger Petri, unter
Beihilfe des Heiligen Geistes, irrtumsfreie Lehrentscheidungen
in Sachen und Glauben und Sitten" trifft. Diese
Entscheidungen sind dabei nur "aus sich heraus, nicht auf
Grund der Zustimmung der Kirche veränderbar". Das
bisherige Mitspracherecht des Konzils war damit
beseitigt.
Für die liberalen Gläubigen in Deutschland
bedeutete die Entscheidung des Konzils einen Rückschritt und
widersprach den Überzeugungen der modernen Vernunft. Es gab
auch viele Spötter, die sich über den 'Größenwahn' des
Papstes lustig machten. Aus der Sicht von Papst Pius IX. hatte
er das erreicht, was viele Päpste vor ihm angestrebt hatten:
die absolutistische Stellung innerhalb der Kirche.
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- 1870: Auflösung des Kirchenstaates
- Der "politische Katholizismus"
im Deutschen Reich schließt sich unter der Führung von Ludwig
Windthorst am 13.12.1870 zu einer eigenen Partei, dem Zentrum, zusammen.
Programm: gegen kleindeutsche Reichseinigung, für
Selbständigkeit der Kirche, für föderativen Reichsaufbau.
- Bündnis zwischen Liberalen und Bismarck
zum
Kampf gegen den Grundsatz der Freiheit der Kirche vom Staat
(diesem Grundsatz von 1848 entsprachen Bestimmungen in der
preußischen Verfassung); für die Liberalen war die universale
Struktur des Katholizismus ein Hindernis für die "innere
Nationswerdung" (Die Zugehörigkeit zur Nation soll die
konfessionelle Zugehörigkeit überlagern)
- Aus einer Reihe von Rechtsfragen erhebt sich
die alte Machtfrage zwischen Staat und Kirche
- Maßnahmen des Staates: Einführung der
Zivilehe im Reich, staatliche Schulaufsicht in Preußen, "Kanzelparagraph",
Jesuitengesetz u.a..; die Ausführung der Gesetze wird durch
erbitterten Widerstand gehemmt.
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Die Handlungsfähigkeit
kirchlicher Würdenträger wurde durch ein Fülle von Gesetzen
eingeengt. So verfügten die "Maigesetze" des
Jahres 1873 unter anderem, dass kein Bischof oder Priester
ohne Zustimmung der Behörden eingesetzt werden dürfe. Im
Februar 1875 erklärte Papst Pius IX. die Maigesetze
für ungültig. Die Reaktion des Staates blieb nicht aus: Das "Brotkorbgesetz",
das am 22.4.1875 erlassen wurde, entzog den Gemeinden die staatlichen
Zuschüsse und sah außerdem vor, dass die Geistlichen,
die sich zum Staat bekannten, sich also gegen den Papst
stellten, von den Sanktionen ausgenommen wurden. Nur sehr
wenige Geistliche nahmen diese Möglichkeit wahr (genau: 24
von rund 4000).
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- 1878 kommt es zu einer
Verständigung mit dem neuen Papst (Leo XIII.), die Gesetze mit
Eingriffen in die Kirche werden eingestellt.
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- Bismarck und die Nationalliberalen
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- Große Verdienste der Liberalen bei der Vereinheitlichung
von Strukturen (Schaffung eines einheitlichen
Wirtschaftsraums, Währung, Verkehrswesen, Rechtswesen) sowie
bei der Erweiterung des Eisenbahnnetzes.
- 1878 Die Übersättigung des Marktes führt zur "Gründerkrise"
(Kursrutsch, Geschäftsaufgaben); keine eigentliche Rezession,
doch der Glaube an eine ständige Prosperität der Wirtschaft
verfällt; Interessengegensätze entstehen, Ruf nach dem Staat
(Zollschutz)
- 1878 Bismarck will durch eine Steuerreform, vor allem
aber durch Erhöhung der Tabaksteuer, das Defizit des
Reichshaushalts vermindern. Nationalliberale befürchten dadurch
Einschränkung des Budgetrechts des Parlaments (durch Senkung
der Matrikularbeiträge)
- Verhandlungen der Nationalliberalen mit Bismarck
scheitern an ihrem Wunsch nach größeren
Mitbestimmungsmöglichkeiten im Reichstag
- Zollpolitik Bismarcks zeigt Heterogenität
der Nationalliberalen auf: Rechter Flügel (Vertreter von
Verbänden, Schwerindustrie) tritt für die Einführung von
Zöllen ein; dies führt zum Austritt von Abgeordneten
- 1884: Abspaltung des linken Flügels der
Nationalliberalen. Linksliberale gründen die Fortschrittspartei.
Ihr Ziel ist eine parlamentarische Monarchie, alle Eingriffe
des Staates in die Gesellschaft sollen verhindert werden.
Nationalliberale stehen weiterhin zu Bismarck.
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- Die Zusammenarbeit Bismarcks mit den Konservativen und dem
Zentrum
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- Bismarck gewinnt durch Zusagen in der Schutzzollgesetzgebung
und im Budgetrecht sowie seinem Bekenntnis zum Föderalismus die
Unterstützung durch Zentrum und Konservative
- Lösung in der Steuerfrage: Reich
erhält Mehreinnahmen, doch maximal 105 Mio. Reichsmark, Rest
des Bedarfs über Matrikularbeiträge (Franckensteinsche
Klausel); jährliche Bewilligung
durch den Reichstag; Einnahmen aus direkten Steuern bleiben bei
den Einzelstaaten.
- 1879 "Zweite Reichsgründung".
Abkehr vom Freihandel, moderate Schutzzölle (Paradigmenwechsel
der Wirtschaftspolitik); neue Form des Regierens: Reichskanzler
muss für jedes Projekt nach der Mehrheit im Reichstag suchen
- 12.7. 1879: Reichstag beschließt mit
Stimmen der Konservativen und des Zentrums
moderate Zölle
auf Agrarprodukte u.a..
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- Sozialistische Arbeiterbewegung
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- Kennzeichnend für die Arbeiterklasse ist die Lohnarbeit,
doch unterschiedliche soziale Umgebung für Industrie- und
Landarbeiter (Die sozialistische Arbeiterbewegung kümmert sich
zunächst nur um die Industriearbeiter)
- Entstehen eines sozialistischen Milieus
mit eigener Lebenswelt ( eigene Freizeitkultur, homogene Art zu
arbeiten und zu wohnen)
- Kollektives Aufbegehren gegen Lohnhöhe und
Arbeitsbedingungen durch Arbeitsverweigerung.
- 1847 Karl Marx bekämpft in seinem
"Kommunistischen Manifest" das
Demokratieprinzip; er tritt für eine Revolution der
Arbeiterklasse ein und verwirft die Zusammenarbeit mit
bürgerlichen Richtungen
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Karl Marx baute in den
Jahrzehnten seiner Londoner Verbannung sein System des "wissenschaftlichen
Sozialismus" weiter aus. 1867 erschien der erste Band
seines Werkes "Das Kapital". Seine "materialistische
Geschichtsphilosophie" lehrt, dass
Rechtsverhältnisse, Staatsformen und Weltanschauungen weder
aus sich selbst zu begreifen sind noch aus der 'allgemeinen
Entwicklung des Geistes' (wie es Hegel gesehen hat), sondern
vielmehr in materiellen Lebensverhältnissen wurzeln. Indem
nun die materiellen Kräfte sich entfalten und entwickeln, der
staatliche Überbau dagegen starr bleibt, entsteht eine
Spannung, ein Widerspruch, der zu sozialen Revolution führt.
Marx will beweisen,
das das kapitalistische Wirtschaftssystem auf der ihm "immanenten
Gesetze", die er in seiner Lehre vom Mehrwert, seiner
Konzentrations-, Sozialisierungs- und Zusammenbruchstheorie
beschrieben hat, mit "Naturnotwendigkeit" dem
Untergang entgegengeht. Der Untergang des Kapitalismus ist
für Marx gleichbedeutend mit der Schaffung der für die
sozialistische Gesellschaft unerlässlichen Vorbedingungen.
Das Ziel dieser Entwicklung ist die Abschaffung des
Privateigentums an Produktionsmitteln (der Wurzel aller
Übel!) und ihre Überführung in die Hand des Staates,
d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats.
Bei aller Komplexität im Detail ist der
Grundgedanke von Marx relativ einfach zu verstehen: Die
Geschichte ist die Geschichte von Klassenkämpfen; die
Revolution des Proletariats gegen die 'kapitalistischen
Ausbeuter' ist für Marx die logische Folge der bisherigen
Geschichte - die sozialistische Erhebung ergibt sich
notwendigerweise aus dem historischen Prozess.
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- 23.5.1863 Gründung des "Allgemeinen
Deutschen Arbeitervereins (ADAV)"; an seiner Spitze
steht mit Ferdinand Lassalle ein bürgerlicher
Linksintellektueller; Ziele: allgemeines Wahlrecht und staatlich
unterstützte Produktivgenossenschaften.
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Ferdinand Lassalle (1825 -
1864), der Schöpfer der deutschen Sozialdemokratie, hoffte
auf den Reformwillen der Kapitalisten und drängte auf eine
Versöhnung mit dem Staat. |
- 28.9.1864 Gründung der "Internationalen
Arbeiter-Assoziation" (Erste Internationale). Ziel:
Vereinigung der unterschiedlichen politischen Auffassungen und
Programme.
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Karl Marx kann sich in der 'Erste
Internationale' nur schwer durchsetzen. Sein Gegenspieler, der
Russe Michail Bakunin, forderte die Zerstörung des
Staates durch Revolution. Marx lehrte dagegen: Der Staat
stirbt nach der Revolution in dem Maße ab, wie sich die
klassenlose Gesellschaft verwirklicht. |
- 7.8.1869 Schüler von Karl Marx gründen in
Eisenach die "Sozialistische Arbeiterpartei (SDAP)";
an der Spitze stehen Wilhelm Liebknecht und August
Bebel; Ziel der Partei ist die radikale Umstürzung der
Verhältnisse ("Aufstieg der Arbeiter durch Bildung ist
nicht möglich").
- 1875 Zusammenschluss von ADAV und SDAP zur
"Sozialdemokratischen Arbeiterpartei"; ab 1876
ist die Sozialdemokratie im Reichstag vertreten
- Offener Kampf zwischen dem auf Erhaltung der
überlieferten Autoritäten bedachten Reichskanzler Bismarck und
der nach einer Umgestaltung von Staat und Gesellschaft
strebenden Sozialdemokratie
- 1878 Im "Sozialistengesetz"
werden die Sozialdemokraten zu Staatsfeinden erklärt und
politisch mundtot gemacht; die Partei als solche wird nicht
verboten
- Das Erfurter Programm von 1891 der
Sozialdemokraten fordert die Abschaffung des Privateigentums an
Produktionsmitteln
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- Die Sozialpolitik Bismarcks
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- Position der Nationalliberalen: Lösung
der sozialen Frage ist nicht Aufgabe des Staates, stattdessen
Selbsthilfeprinzip, Bildung von Genossenschaften (Freiwilligkeit
der Mitgliedschaft)
- Position Bismarcks:
Freiwilligkeit
bietet keinen Schutz für die Arbeiter! Sein ursprünglicher
Plan, die Krankenversicherung nicht durch Beiträge der
Arbeiter, sondern über eine Erhöhung der indirekten Steuern zu
finanzieren, scheiterte an Interessenverbänden
(Tabakindustrie). Ersatzlösung: Versicherungsprinzip,
keine Freiwilligkeit der Mitgliedschaft, Beteiligung der
Arbeitgeber, Selbstverwaltung der Kassen.
- 1883 - 1884 Kranken- und
Unfallversicherung
- 1889 Invaliditäts- und
Altersversicherung
- Politische Absichten Bismarcks:
Förderung
der Zufriedenheit der Arbeiter (gegen die Sozialdemokratie
gerichtet), Bekämpfung der Linksliberalen (Bismarck fürchtet
Verlust seiner politischen Macht durch den Linksliberalismus)
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Die
Außenpolitik Bismarcks |
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- Strategie der Außenpolitik Bismarcks
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Ausgangslage: Stärkung
Deutschlands bedeutet Änderung im europäischen Mächtesystem;
die anderen Großmächte sahen die Gefahr, ihre eigene
Unabhängigkeit zu verlieren; Bedrohung Deutschlands
aufgrund seiner Mittellage (Gefahr eines Mehrfrontenkriegs);
Unversöhnlichkeit Frankreichs nach der Eingliederung Elsass-Lothringens
in das Deutsche Reich; weltpolitischer
Gegensatz zwischen Russland und Großbritannien in Asien;
Spannung zwischen Russland und Österreich-Ungarn auf dem
Balkan; Schwäche des Osmanischen Reiches
- Um dem "Alpdruck der Koalitionen"
gegen Deutschland zu entgehen, strebte Bismarck eine Situation
an, in der alle Mächte Deutschlands bedurften und in der ihre
Beziehungen untereinander sie von Allianzen gegen Deutschland
abhielten.
- Verzicht auf Weltpolitik
(kein weiterer
Ländererwerb, keine Kolonien)
- Ausnutzung der Gegensätze zwischen
Russland und Großbritannien bzw. zwischen Russland und
Österreich-Ungarn sollen ausgenutzt werden (ein gewisses Maß
an Spannung der anderen Mächte gegeneinander sollte jedoch
erhalten bleiben!)
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- Russland soll von einem Bündnis mit
Frankreich abgehalten werden (Politik des freundschaftlichen
Einvernehmens mit Russland)
- Österreich-Ungarn soll versöhnt werden
um Frankreich einen weiteren möglichen Bundesgenossen zu
entziehen
- Überbrückung der Interessengegensätze
zwischen Russland und Österreich-Ungarn auf dem Balkan
- Zusammenschluss von Interessen, keine
Gegensätze ideologischer Art (im 20. Jahrhundert ändert sich
dies!)
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Bismarck
wusste genau, wie er Gemeinsamkeiten mit den anderen
beiden Kaiserreichen schaffen konnte: an der republikanischen
Staatsform Frankreichs, denn noch hatten die europäischen
Monarchen die Schrecken der Pariser Kommune vor Augen. Er
stilisierte den republikanischen Staat zur Gefahr für den
Frieden in Europa. So sprachen sich Zar Alexander III.,
der Habsburger Kaiser Franz Joseph I. und Wilhelm I. in dem
Abkommen dafür aus, den "gegenwärtig in Europa
herrschenden Friedenszustand zu befestigen". |
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- 1877/78 Der Russisch-Osmanische Krieg
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- Ziel Russlands ist ein slawischer
Staatenbund unter Führung des Zaren (Panslawismus). Das
schwache Osmanische Reich ("Der kranke Mann am
Bosporus") soll zerschlagen werden, um die dort lebenden
Slawen zu befreien. Außerdem soll ein Zugang zum Mittelmeer
geschaffen werden.
- Der Krieg endet mit einem Sieg Russlands; den
Osmanen wird in San Stefano ein Frieden diktiert:
Serbien, Montenegro und Rumänien werden für unabhängig
erklärt, Bulgarien soll zum Fürstentum erhoben werden,
Russland soll Teile Rumäniens und große Gebiete in Asien
bekommen
- Großbritannien ist mit den
Gebietsansprüchen Russlands nicht einverstanden und droht mit
einem Krieg gegen Russland unter Einbeziehung der übrigen
Großmächte. Forderungen nach einem europäischen Kongress.
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- Juni / Juli 1878 Der Berliner Kongress
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- Teilnehmer: Russland,
Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich, Osmanisches
Reich, Italien, Deutschland
- Beschlüsse: Russland muss auf
die Errichtung eines Großbulgariens verzichten (Ost-Rumelien
wird nicht mit Bulgarien vereinigt); das Osmanische Reich
kehrt auf den Balkan zurück, Großbritannien garantiert
ihren asiatischen Besitz und lässt sich für die Erweiterung
der russischen Machtsphäre mit dem osmanischen Zypern
entschädigen. Österreich-Ungarn erhält als Ausgleich
und zur Sicherung gegen Serbien das Besetzungs- und
Verwaltungsrecht in Bosnien und der Herzegowina. Serbien und
Rumänien werden unabhängig.
- Bismarck hat versucht, als "ehrlicher
Makler" zu vermitteln. Es ist gelungen, die
europäischen Machtinteressen auszuhandeln. Folgenreich für
Deutschland war, dass Russland den Grund für den erzwungenen
Rückzug in der mangelhaften Unterstützung durch Bismarck
suchte. ("Ohrfeigenbrief "des Zaren: 'Nous ne oubliez
pas ..'); Scheitern des Dreikaiserabkommens.
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- 1879 Zweibund (Österreich-Ungarn und Deutschland)
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- Beide Mächte verpflichten sich, bei einem Angriff
Russlands einander Hilfe zu leisten, bei dem Angriff einer
anderen Macht Neutralität zu bewahren.
- Bismarck befürchtet, dass sich
Österreich-Ungarn in seiner Bedrohung durch die panslawistische
Bewegung (Russland) einer deutsch-feindlichen Koalition
anschließen könnte. Er sah sich vor die Aufgabe gestellt, den
Bund mit Österreich-Ungarn zu schließen, ohne dadurch die
Gegnerschaft Russlands und damit ein französisch-russisches
Bündnis hervorzurufen.
- Die Verbindung mit Österreich-Ungarn sollte
Deutschlands Position so verstärken, dass es die Unabhängigkeit
gegenüber Russland zu wahren vermochte. Außerdem sollte
ein Defensivbündnis einen Angriff Russlands auf
Österreich-Ungarn verhindern.
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- Russland, Österreich-Ungarn und Deutschland
sichern sich gegenseitig Neutralität zu, wenn es zum Krieg mit
einer vierten Macht kommt (für Deutschland war die vierte Macht
Frankreich, für Russland war es Großbritannien)
- Österreich-Ungarn anerkennt den
bestehenden Einfluss Russlands in Bulgarien an und erhält
dafür den westlichen Balkan als seine Interessensphäre zugesprochen.
- Das Bündnis deckte Deutschland gegen die Gefahr
eines Zweifrontenkrieges, war jedoch nur haltbar, wenn der
Gegensatz zwischen Russland und Österreich-Ungarn auf dem
Balkan eingedämmt war.
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- 1882 Das Bündnis Deutschlands und Österreich-Ungarns mit
Italien (Dreibund)
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- Nach dem Vertrag gilt ein Angriff
Frankreichs auf Italien als Bündnisfall für die beiden
anderen Partner. Im gleichen Fall erhält Deutschland Italiens,
aber nicht Österreich-Ungarns Hilfe. Bei dem Angriff einer
anderen Großmacht soll Neutralität bewahrt werden.
- Der Bund mit Italien richtet sich gegen
Frankreich - für den Fall eines russisch-französischen
Angriffs. Italien sollte Ersatz bieten, wenn Russland abfiel.
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- 1887 Rückversicherungsvertrag
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- 1885 Krieg zwischen Bulgarien und
Serbien, Gegensatz zwischen Russland und Österreich-Ungarn
tritt erneut auf.
- 1887 Geheimes Neutralitätsversprechen zwischen
Russland und Deutschland (für den
Fall eines französischen Angriffs auf Deutschland und eines
österreichischen auf Russland. Der Vertrag enthält die Anerkennung
der russischen Interessen in Bulgarien. Deutschland verspricht
"wohlwollendes Verhalten", wenn Russland sich gezwungen sehen
sollte, die Zugänge zum Schwarzen Meer zu verteidigen.
- Der Vertrag sichert Deutschland gegen ein
Bündnis Russlands mit Frankreich und deckt Russland gegen
einen englischen Angriff
- Bismarck entging der Notwendigkeit, für eine
der Mächte, Partei zu nehmen. Ihren Gegensatz ausnutzend,
kann er in der "Hinterhand" das Gewicht Deutschlands
zur Erhaltung des Friedens einsetzen.
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- Bismarcks Kolonialpolitik
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- In den siebziger Jahren hatte es
Bismarck abgelehnt, Kolonien zu erwerben. Grund war die
Bedrohung Deutschlands durch feindliche Koalitionen
- 1880 - 1885 Außenpolitisch günstige
Lage für Deutschland
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- Das Vertragssystem hat die europäischen
Beziehungen entspannt
- 1882 Großbritannien annektiert Ägypten
im Wettstreit gegen Frankreich, Bismarck gewinnt
Rückendeckung Frankreichs
- Interessensphären von Großbritannien
und Russland stoßen in Ost- und Mitteleuropa zusammen.
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- 1884 Erwerb von Lüderitzland
(Südwestafrika), Togo,
Kamerun, 1885 Erwerb von ostafrikanischen Gebieten,
Kaiser-Wilhelm-Land, Bismarck-Archipel, Marschall-Inseln.
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Franz Adolf Lüderitz, ein
Kaufmann aus Bremen, hatte seit 1881 an der Westküste Afrikas
Handel getrieben und war dabei auf eine Bucht gestoßen, auf
die noch kein Staat Anspruch erhoben hatte. Im Jahr 1883 hatte
Lüderitz dem König des dortigen Eingeborenenvolks die Bucht
"und das angrenzende Land" für wenig Geld und 200
Gewehre abgekauft. Seine zusätzliche Zusage, die Eingeborenen
vor den Angriffen anderer afrikanischer Stämme zu schützen,
konnte er jedoch nicht einhalten. So wandte er sich an
Bismarck. In ausgesprochener Konfrontation zu
Großbritannien, das in der Nähe seiner Kapkolonie keine
andere europäische Macht dulden wollte, sagte er Lüderitz
den Schutz zu. Bismarck veranlasste seinen Gesandten in
Kapstadt amtlich zu erklären, "dass die Erwerbungen
nördlich des Oranjeflusses unter dem Schutz des Reiches
stehen." Das Reich hatte seine erste Kolonie, das
spätere Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia.
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- Verzahnung der Innen- und
Außenpolitik Bismarcks
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- Bismarck erwartet Sogwirkung der
liberalen Politik Großbritanniens (Handlungsspielraum
des Parlaments) auf Deutschland
- Bismarck will die liberale Außenpolitik
Großbritanniens unter Gladstone lächerlich machen.
Indirektes Ziel sind die Linksliberalen in Deutschland.
Eine außenpolitische Frage wird also instrumentalisiert,
um einen innenpolitischen Gegner zu Fall zu bringen!
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