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Die V�lkerst�mme im Norden Deutsch=Ostafrikas Von Oberleutnant, kommandiert beim Reichskolonialamt Mit 358 Abbildungen im Text, 21 ganzseitigen Tafeln und einer Karte BERLIN Seiner Hoheit Verzeichnis der Abbildungen nach Photogrammen * Abb. 2 / 250. Der Mawensi (zum Kilimandscharo geh�rig). * Abb. 3 / 251. Dichter Urbusch am Kilimandscharo. * Abb. 4 / 252. Felsblock in der Masai-Steppe. * Abb. 5 / 253. Der Meru- Berg, im Vordergrunde Milit�rstation Aruscha. * Abb. 6 / 254 Felskuppen auf den n�rdlichsten Ausl�ufern des Kilimandscharo. * Abb. 7 / 255 Am Tschalla-See. * Abb. 9 / 256 u. 257. Masai-Krieger (K�rperbau und Gestalt). * Abb. 10 / 258 Masai-Krieger (K�rperbau und Gestalt). * Abb. 12 / 259.13 Kopfbildung, Haartracht und Schmuck der Masai-Krieger. * Abb. 14 / 260. Zopfflechtender Masai-Krieger. * Abb. 15 / 261. Masai-Krieger (Tracht und Speer). * Abb. 16 / 262. Masai-Krieger (Schmuck, Tracht und Speer). * Abb. 17 / 263. Masai-J�nglinge (Kopfschmuck und Tracht). * Abb. 18 / 264. Masai-J�nglinge (Kopfschmuck und Bewaffnung)/ * Abb. 19 / 265 u. 266. Masai in Kriegsschmuck und Waffen (M�tze aus L�wenfell.) * Abb. 20 / 267 Masai-Krieger (Schmuck und Tracht). * Abb. 21 / 268. Masai-Krieger (Tracht, Schmuck und Waffen). * Abb. 22 / 269 Masai-Krieger (tracht, Schmuck und Speer). * Abb. 23 / 270. Kleidung und Schmuck der Masai-Krieger. * Abb. 24 / 271. Tracht und Waffen der Masai-Krieger. * Abb. 25 / 272. Masai-Krieger (Schmuck, Haartracht und Kleidung). * Abb. 26 / 273. Masai-Krieger. * Abb. 27 / 275. Aeltere Masai-M�nner (Kleidung). * Abb. 28 Tafel XVIII Masai-Weiber bei der N�harbeit. * Abb. 29 / 276. Aeltere Masai-M�nner (Schmuck). * Abb. 30 / 277. Masai-Speere (�ltere und neuere Formen). * Abb. 31 / 278. Masai-Weib (Sch�delbildung). * Abb. 32 / 179. Haartracht Schmuck und Tracht der Masai-M�dchen. * Abb. 33 / 280. Masai-M�dchen (K�rperbau und Gestalt). * Abb. 34 / 281. Masai-M�dchen (K�rperbau und Gestalt). * Abb. 35 / 282. Masai-M�dchen (K�rperbau und Gestalt). * Abb. 36 / 283 Haartracht, Schmuck und Kleidung der Masai-Frauen. * Abb. 37 / 284. Schmuck einer jungen Masai-Frau. * Abb. 38 / 285 Abnehmen der eisernen Drahtspiralen. * Abb. 39 / 286. Abnehmen der eisernen Drahtspiralen. * Abb. 40 / 287. Abnehmen der eisernen Drahtspirelen. * Abb. 41 / 288. Schmuck der Masai-Frauen und -M�dchen. * Abb. 42 / 289. Schmuck und Tracht der �lteren Masai-Weiber. * Abb. 43 / 290. Schmuck u. Tracht einer Masai-Frau. * Abb. 44 / 291. Schmuck der Masai-Frauen. * Abb. 45 / 292. Schmuck und Tracht der Masai-Frauen. * Abb. 46 / 293. Schmuck und Bemalung der Masai-Frauen und -M�dchen. * Abb. 47 / 294 u. 295. Kleidung der Masai-Frauen. * Abb. 48 / 296. Schmuck und Tracht der kleinen Masai-M�dchen. * Abb. 49 / 297. Masai-Kinder. * Abb. 50 / 298. Masai-Rinder. * Abb. 51 / 299. Masai-Kraal in der Steppe. * Abb. 52 / 300. Im Masai-Kraal. * Abb. 53 / 301. Masai-Ehepaar auf der Wanderung. * Abb. 54 / 302. Tanz der Masai-M�dchen. * Abb. 55 / 303. Masai-Mischblut am Meru-Berg. * Abb. 56 / 304. Masai-Mischblut am Meru-Berg. * Abb. 57 / 305. Masai-Misdlblut am Meru-Berg. * Abb. 58 / 306. Ndorobbo-Mann(K�rperbau und Gestalt). * Abb. 59 / 307. Ndorobbo-Mann(K�rperbau und Gestalt). * Abb. 60 / 308. Ndorobbo-Mann(K�rperbau und Gestalt). * Abb. 61 / 309. Ndorobbo-J�ngling (K�rperbau, Gestalt und Ohrschmuck). * Abb. 62 / 310. Ndorobbo-J�nling(K�rperbau und Gestalt). * Abb. 63 / 31l. Ndorobbo-Mann (Tracht). * Abb. 64 / 312. Schmuck und Tracht der Wandorobbo-M�nner. * Abb. 65 / 313. Wandorobbo-M�nner Schmuck, Haartracht und Kleidung (Rechts ein H�uptling mit umgeh�ngter Schnupftabaksdose). * Abb. 66 / 314. Wandorobbo-M�nner mit ihren Kindern. * Abb. 67 / 315. Wandorobbo-Frauen. * Abb. 68 / 316. Wandorobbo-Fruen. * Abb. 69 / 317. Wandorobbo-Frauen und -Kinder. * Abb. 70 / 318. Vor einem Wandorobbo-Kraal. * Abb. 71 / 319. Wdndorobbo-Kinder. * Abb. 72 / 320. Wandorobbo-Kinder. * VI. Die Masai und Wandorobbo. Das Volk, das mir w�hrend meiner ganzen vierj�hrigen afrikanischen T�tigkeit am interessantesten war, sind die Masai. Der Wunsch, sie und die von ihnen bewohnten wildreichen Jagdgr�nde kennenzulernen, veranla�ten mich seinerzeit, auf meinen Heimatsurlaub zu verzichten und weiter teilzunehmen an den strapazenreichen Arbeiten der Grenzexpedition durch dieses hochinteressante Gebiet hindurch bis zum Indischen Ozean. Ein eigenartiger Zauber liegt in dem Wort ,,Masai". Sind sie doch als der kriegerischste aller ostafrikanischen St�mme bekannt und haben sowohl den englischen wie auch den deutschen Schutztruppen in vielen K�mpfen schwere Verluste beigebracht. Selbst das Schnellfeuer der Hinterlader hat oft den Ansturm der nur mit Hieb - und Stichwaffen ausger�steten Masai nicht abwehren k�nnen. Auf die umwohnenden Eingeborenen aber hat der Ruf: ,,Die Masai kommen" zum mindesten dieselbe Wirkung wie seinerzeit bei den R�mern das Wort: ,,Hannibal ante portas". Der pers�nliche Schneid der Masaikrieger, die nicht davor zur�ckschrecken, dem K�nige der Tiere in freier Steppe nur mit dem langen Speer in der Faust gegen�berzutreten, und ihre kriegerischen Tugenden m�ssen in jedem Mann vollste Sympathie erwecken. Ich gestehe ganz ehrlich, da� sowohl mein Freund Captain T. T. Behrens von der englischen Grenzkommission wie ich die Hoffnung hegten, uns einmal mit solchen Gegnern im Kampfe zu messen. Noch ein weiterer Umstand trat hinzu, der uns reizte, die Grenzexpedition durch die Masaisteppe hindurchzuf�hren; galt sie doch in dieser Gegend wegen Wassermangels und wegen des Fehlens ackerbautreibender St�mme f�r unpassierbar. Au�erdem war uns bekannt, da� der damalige Gouverneur von Trotha, der nicht einmal wie wir an eine ganz bestimmte Marschrichtung gebunden war, sondern im Bogen weiter s�dlich die Steppe durchquerte, dieses nur mit Opfern an [318] Menschenleben, Reit- und Lasttieren erm�glichte, so da� auch das Reichskolonialamt lebhaftes Bedenken hatte, uns durch dieses unwirtliche Gebiet ziehen zu lassen, bis Goldfunde in unmittelbarer N�he der Grenze eine Vermessung derselben dringend erforderlich machten.Waren dies Momente, die auf uns Europ�er einen hohen Reiz aus�bten und in uns das Verlangen erweckten, Land und Leute kennenzulernen, so verhielt es sich gerade umgekehrt bei unseren Tr�gern, den sonst sehr t�chtigen und leistungsf�higen Wassukuma. Sie sahen in einem Zug durch diese Steppe nur ein h�chst gefahrvolles Unternehmen, bei dem ihnen st�ndige �berf�lle der kriegslustigen Masai bevorstanden. Hatten sie doch selbst schon h�ufig in ihrer Heimat Ussukuma r�uberische Einf�lle zu erdulden gehabt. Nur der Autorit�t unseres Expeditionsleiters, des Hauptmanns Schlobach, der fr�her ihr Stationschef war, gelang es, sie zu dieser Durchquerung zu verpflichten. Wie es auch lediglich seiner Umsicht und Tatkraft zuzuschreiben ist, da� die uns gestellte Aufgabe, wenn auch unter gro�en Anstrengungen und Entbehrungen, zur vollsten Zufriedenheit des Reichskolonialamtes gel�st wurde. Am Rande des �ber 300 m tief fast senkrecht abfallenden Utimbaruplateaus stehend, lassen wir die Blicke in sehnsuchtsvoller Erwartung dessen, was uns die n�chsten Monate bringen werden, nach Osten schweifen. Unter uns breitet sich schier endlos die mit hohem Gras und Akazienbusch bestandene Masaisteppe, und in ihr sehe ich mit meinem guten Buschglase deutlich zahlreiche Wildherden, aber soweit das Auge reicht keinen Menschen. In vorsichtig z�gerndem Schritt, fest auf den Bergstock gest�tzt, steigen wir den Steilabfall des Plateaus hinab und befinden uns jetzt in der Masaisteppe. Es ist hier nicht der Ort, die Eindr�cke zu schildern, die mir gleich am ersten Tage das so au�erordentlich wechselreiche Bild der Tierwelt bereitete; nicht die Empfindungen, die in mir ausgel�st wurden, als ich gleich in der ersten Nacht die gewaltig packenden T�ne eines br�llenden L�wen horte. Der so eigenartige Zauber der Masaisteppe hielt mich gleich vom ersten Tage an umfangen, und immer wieder dr�ngte sich mir die Frage auf, wann werde ich mit dem ersten Masai zusammentreffen, und wann werde ich den ersten L�wen strecken? So unglaublich es klingt: ich habe erst die ganze Masaisteppe durchqueren m�ssen, um dann endlich am Nordhange des Kilimandscharo in Leitokitok die erste Masainiederlassung zu finden. Auch nicht einer von uns 15 Europ�ern der gemeinsamen deutsch-englischen Grenzexpedition, die wir doch stets mit nur ganz kleiner bewaffneter Macht getrennt marschiert sind und gearbeitet haben, ist mit den Masai zusammengesto�en. Der Grund lag einmal darin, da� die Masai schon kurze Zeit nach dem Eintreffen der Grenzexpedition am Ostufer des Viktoria-Sees genau [319] unterrichtet waren von der St�rke und Zahl der Europ�er, und da� sie es deshalb nicht f�r ratsam hielten, einen Angriff zu unternehmen, um so mehr, als es bei uns ja nichts zu holen gab und wir auch nichts von ihnen wollten. Die andere Ursache hatten wir wohl darin zu suchen, da� mitten in der Steppe dicht an der Grenze das Gouvernement einen Offizierwanderposten errichtet hatte, der von Leutnant (jetzt Oberleutnant) von Wiese und Kaiserswaldau gef�hrt wurde. Mit seiner kleinen aber hervorragend disziplinierten Askaritruppe zog er ununterbrochen in anstrengenden M�rschen im Grenzgebiet umher und hielt so die Masai in Schach. Sein weiteres, nicht zu untersch�tzendes Verdienst bestand darin, da� er sich das volle Vertrauen der sonst so scheuen und europ�erfeindlichen Wandorobbo erwarb und stets �ber landeskundige F�hrer verf�gte, was nie so dringend erforderlich war f�r das Vorw�rtskommen unserer Karawane, wie gerade hier in dem wasserarmen und unbewohnten Gebiet. Da� in bewohnten Gegenden sich mit gro�er Schnelligkeit und Genauigkeit die Nachrichten �ber den Anmarsch einer Karawane im Lande verbreiten, haben wir bereits geh�rt; geradezu erstaunlich aber war es, da� durch diese weiten unbewohnten Gefilde in kurzer Zeit die Kunde von dem Anmarsch der Grenzexpedition bis zum Kilimandscharo gelangt [320] war, und zwar vollkommen richtig, was die Zahl der Europ�er anbelangte, nur die St�rke unserer bewaffneten Macht war viel zu hoch angegeben worden. Die Tr�ger dieser Botschaft waren zweifellos die Wandorobbo.Die Bezeichnung Masaisteppe f�r das weite von den Masai und auch den Wandorobbo bewohnte Gebiet, das etwa zwischen dem 34. und 38. L�ngengrad, sowie dem 3. Grad n�rdlicher und 6. Grad s�dlicher Breite liegt, erweckt die falsche Vorstellung, da� wir es hier nur mit einem Steppenland zu tun haben. Wohl finden wir weite Gras- und Buschsteppen, wie am Mara, bei Olgo� und an vielen anderen Punkten, aber in diesen wieder Hochplateaus und stark zerkl�ftete Gebirge von �ber 2000 m Durchschnittsh�he, so da� wir bei unserer Durchquerung nach h�chstens zweit�gigem Marsche durch Steppenland wieder einen Gebirgszug vor uns hatten, und das war unsere Rettung. Denn zur Trockenzeit konnte man vergeblich in der Steppe nach Wasser suchen; ja selbst das Graben in den ausgetrockneten Flu�betten blieb ergebnislos. Stets jedoch [321] fanden wir -- oft allerdings erst nach langem m�hseligem Suchen -- in den Bergen Wasser.Die Hauptschwierigkeit bei Durchquerung dieses Gebietes bestand darin, da� wir durch unsere Arbeit an eine bestimmte Marschroute gebunden waren und unsern Weg nicht mit R�cksicht auf die Wasserstellen [322] w�hlen konnten. Oft kamen meine F�hrer zu mir und baten mich: ,,Herr, wir m�ssen nach S�den; wenn wir diese Richtung beibehalten, werden wir nie Wasser finden." Das Wort ,,ngare medi", kein Wasser, das wir so oft zu h�ren bekamen, wirkte stets auf uns Europ�er, noch mehr aber auf die armen, nach langem Marsche ermatteten Tr�ger recht niederdr�ckend.Ich entsinne mich deutlich eines Tages: die Trockenzeit hatte ihren H�hepunkt erreicht, um 6 Uhr fr�h waren wir von unserm Lagerplatz abmarschiert und zogen schon 7 Stunden in der sonnendurchgl�hten, verdorrten Steppe lautlos, matt und stumpfsinnig dahin, ohne die geringste Aussicht auf Wasser. Mehrere Male hatten wir ausgetrocknete Flu�betten passiert, an deren Struktur man erkennen konnte, wie hier zur Regenzeit wildsch�umende Wassermengen dahingebraust waren. Jetzt fanden wir selbst durch Nachgraben nicht einen Tropfen Wasser. Acht Stunden zogen wir bereits durch die Steppe, da kam mein F�hrer zu mir und sagte: ,,Herr, wenn wir jetzt nicht nach S�den marschieren, dann m�ssen wir verdursten." Ich hatte jedoch nicht im S�den zu arbeiten, sondern im Norden. Wir gingen also nach Norden weiter. Um 5 Uhr nachmittags machte ich an einem H�gel mit meiner v�llig ermatteten Karawane Halt und suchte mit dem Glase die Gegend ab. Hierbei fand ich am Hange eines H�henzuges in zwei Kilometer Entfernung eine kleine Stelle mit frischem gr�nen Gras. Sofort begab ich mich dorthin und entdeckte zu unserer gr��ten Freude eine, allerdings nur tropfenweise rieselnde Quelle. Um 12 Uhr nachts hatte auch der letzte Tr�ger seinen Krug gef�llt. H�ufig mu�ten wir froh sein, nach angestrengten zehnst�ndigen M�rschen unser Lager an einer Wasserstelle aufzuschlagen, die weiter nichts wie eine dunkelbraune Fl�ssigkeit enthielt, in der vielleicht kurz vorher noch sich ein Nashorn gew�lzt hatte. Jedoch ohne Besinnen st�rzte sich alles auf diesen T�mpel und sog mit gierigen Z�gen das h�chst zweifelhafte Na�. Betrachten wir uns ganz kurz die sogenannte Masaisteppe dort, wo die Grenzexpedition sie ber�hrt hat: Vom Utimbaruplateau aus marschieren wir durch lichte Akaziensteppe, die im Durchschnitt 1350 - 1400 m hoch liegt, mit zum Teil niedrigem, zum Teil meterhohem Grasbestand, und erreichen nach 4 - 5 Stunden den Maraflu� (Tafel XVII), der s�dlich Schirati in den Viktoria-See m�ndet. In dieser Steppe liegen Weidepl�tze und am Tikitei, dem Nebenflu� des Mara, Tr�nken der Bakulia. Die Steppe selbst ist sehr wildreich, vorherrschend finden wir Jimera, Swala (Schwarzfersenantilope), Thomsongazellen und am Mara selbst Wasserb�cke; daneben noch zahlreiche kleine Antilopenarten. Nach Durchquerung [323] des Mara setzen wir den Marsch durch welliges Steppenland fort und treffen hier, nur einen Tagemarsch �stlich des Flusses, die ersten Spuren k�rzlich verlassener Wandorobboniederlassungen und am n�chsten Tage bereits einen bewohnten Kraal. Achtlos w�ren wir an dem ganz im dichten Buschwerk versteckten Dorf vor�bergegangen, wenn uns nicht das Bl�ken der Schafe angelockt h�tte. Der n�chste Tagemarsch bereits brachte mich wieder an ein Wandorobbolager, in dessen unmittelbarer N�he ich auf einer saftigen, gro�en Wiese das Lager aufschlug. Einges�umt ist mein Lagerplatz von gro�en Bosketts, die gerade jenem Teil der Masaisteppe, den ich in den letzten zwei Tagen durchquert hatte, ein so eigenartiges Gepr�ge geben; dicht vor mir liegt der steil 2200 m hoch ragende Gipfel des Kogaberges, den wir als trigonometrischen Punkt benutzten. Er geh�rt zu einem Gebirgsstock, der hier auf unserer Route zum erstenmal die zum Teil h�gelige zum Teil ganze flache Steppe unterbricht und das kleine, klare B�chlein, das mir zu F��en pl�tschert, mit Wasser versorgt. Hier fand ich bei dem �ltesten der Wandorobbo ein sehr liebensw�rdiges Entgegenkommen; er lie� mir sogar einen Hammel �berreichen und gab mir Gelegenheit [324] zum Erwerb verschiedener interessanter ethnographischer Gegenst�nde und zu photographischen Aufnahmen.Von hier aus zieht sich ein mehrfach unterbrochener Gebirgsstock von 2200 m Durchschnittsh�he in s�dlicher Richtung auf Olgo� zu bis etwa auf 10 km an dasselbe heran. Die dazwischenliegenden L�ngs - und Quert�ler zeigen meist lichten Baum- und Buschbestand, zum Teil sind sie aber auch, ebenso wie die H�nge, mit undurchdringlichem Dickicht bewachsen, wodurch das Besteigen der Berge au�erordentlich erschwert wird. Hat man nicht das Gl�ck, auf Nashorn- oder B�ffelpfaden durchzukommen, so ist stundenlanges Arbeiten mit Axt und Buschmesser n�tig, um sich einen Weg zu bahnen. Das Betreten der Nashorn- und B�ffelpfade ist nicht ungef�hrlich. Verschiedene Male kamen uns Nash�rner entgegen oder B�ffel brachen, w�tend schnaubend, in unmittelbarer N�he von uns durch das Dickicht, so da� einem meiner Wandorobbof�hrer die Situation zu ungem�tlich wurde und er spurlos im Dickicht verschwand, um nicht wiederzukommen. Der schon vorstehend erw�hnte Offizierposten Olgo� liegt 40 km von der Grenze entfernt. Er ist auf einem freiliegenden steinigen H�gel, der guten Umblick gestattet, errichtet. Folgen wir vom Berge Koga aus dem Verlauf der Grenzlinie, so haben wir auf dem 90 km langen Weg bis zum Ostafrikanischen Graben ein stark zerkl�ftetes Gebirgsland, das im Durchschnitt 2200 m hoch ist, aber auch Berge von 2500 m aufweist, zu durchqueren. Vom Posten Olgo� aus f�hrt uns ein bequemerer Weg durch die 33 km breite, au�erordentlich wildreiche, leichtgewellte Grassteppe. Bei Oliondo erreichen wir dann wieder Gebirgsland. Zwischen den Bergen, vor allem an dem Flusse Bolloledi, liegen noch kleinere wildreiche Gras- und Buschsteppen, die infolge ihrer H�henlage von fast 2000 m ein durchaus gesundes, nahezu europ�isches Klima aufweisen; hier traf ich wiederholt Wandorobbo. An einem idyllisch sch�nen Fleck, unmittelbar neben einer klaren Quelle und nahe dem l�wenreichen Bolloledi befand sich unser Verpflegungsdepot Mundorossi. In der Anlage dieser drei bis vier Tagem�rsche voneinander entfernten Depots bestand f�r uns die einzige M�glichkeit, die Masaisteppe zu durchqueren. Es bedurfte der langj�hrigen Erfahrung und der F�higkeit des Hauptmanns Schlobach, monatelang voraus disponieren zu k�nnen, um diese Depots richtig anzulegen und rechtzeitig mit Verpflegung zu versorgen. Wir waren bei unserer trigonometrischen und topographischen T�tigkeit v�llig von ihnen abh�ngig. Der Weitermarsch nach Osten war infolge des fortw�hrenden Bergauf und Bergab und durch das dichte Gestr�pp und Buschwerk, das wir in den T�lern und auf den Bergh�ngen fanden, sehr beschwerlich. [325][326] Von Mundorossi aus haben wir in drei angestrengten Tagem�rschen den Westrand des ostafrikanischen Grabens erreicht und genie�en hier auf dem Oldonjo-Sambu einen prachtvollen Anblick. Dicht vor unsern F��en st�rzt der Steilabfall von 2022 m H�he fast senkrecht ab bis zu einer Tiefe von 620 m. Weit unten blinkt in der grellen Tropensonne wei�schimmernd der Spiegel des fast 60 km langen Natronsees; kein Lufthauch kr�uselt seine glatte Fl�che und eigenartig wirkt auf uns, die wir jetzt tagelang durch die �ppigste Baum- und Buschvegetation marschiert sind, die v�llige Kahlheit und D�rre seiner Ufer. Diese Wirkung wird noch erh�ht durch den Anblick des in starrer Nacktheit vor uns auf dem jenseitigen Ufer in fast 3000 m H�he steil emporragenden, viel zerrissenen, m�chtigen Blockes des Vulkans Oldonjo-Gelei.Der See selbst ist eingefa�t von einem schmalen wei�en Band; es ist die Ablagerung des Natronsalzes. Dicht neben diesem wei�en Saume erblicke ich am ganzen Nordufer einen rosaschimmernden Streifen, den ich mir anfangs von meinem hohen Standorte aus nicht erkl�ren kann, bis mein gutes Buschglas mir Aufschlu� gibt; es sind unz�hlige Flamingos, die dort im seichten Wasser einherstolzieren und sich mit ihren langen H�lsen und krummen Schn�beln vom Grunde des Sees ihre Nahrung holen. Der Abstieg zum ostafrikanischen Graben erfolgt in zwei sehr steilen Terrassen. Trotzdem der Weg in zahlreichen Serpentinen sich nach unten windet, ist er doch noch so steil, da� mancher Tr�ger mit seiner Last -- gerade nicht zum Vorteil dieser -- ausgleitet. Endlich auf der Sohle des Grabens am Nordufer des Sees angelangt, empf�ngt uns eine Gluthitze, wie wir sie seit Verlassen der K�ste, also seit 21/2 Jahren, nicht empfunden haben. Kein Luftzug verschafft uns K�hlung und sengend hei� strahlt der kahle rotbraune Boden die Sonnenglut zur�ck; er war so stark erhitzt, da� meine Tr�ger trotz ihrer Hornhaut unter den F��en mit ihren schweren Lasten im Laufschritt bis zum Wasser eilten und in diesem weitermarschierten. Wie wir jetzt deutlich wahrnehmen konnten, ist der See au�er mit Flamingos noch mit zahlreichen Pelikanen und Reihern bev�lkert. Auch in der Nacht k�hlte es sich nicht ab, au�erdem wurden wir derartig von Moskitos geplagt, da� meine Tr�ger sich gar nicht zur Ruhe begaben, sondern die ganze Nacht am Feuer sa�en und versuchten, durch den Rauch die Moskitos zu verjagen. Ja, einige Tr�ger liefen sogar, um sich von ihren Peinigern zu befreien, in den See hinein. Zum Gl�ck kamen wir bald wieder in h�hergelegene Gegenden und 30 km �stlich des Natronsees befanden wir uns wieder in Gebirgsland von 2000 m Durchschnittsh�he. Mit Ausnahme des Natronsee - und Amboseliseegebietes ist die Masaisteppe, dort wo ich sie kennen lernte, [327] gesund, vor allem aber in den gebirgigen Teilen, so da� sie mit ihren weiten, zu Viehweiden hervorragend geeigneten Grassteppen sehr wohl besiedelungsf�hig ist, vorausgesetzt, da� Verkehrswege geschaffen werden.Auf dem Weitermarsch nach Osten treffen wir wieder, wie westlich des Natronsees, Gebirgsz�ge abwechselnd mit welligem und h�geligem [328] Steppenland, in dem sich zahlreiche Wildherden tummeln und aus dem zwei gewaltige Massive emporragen. Es ist der dunkle, steil abfallende 2570 m hohe Oldonjo-Erok und der 2600 m hohe Longidoberg. Beide sind bewaldet und vor nicht langer Zeit, wie deutliche Spuren zeigten, hatten dort noch Elefanten gehaust. Von hier f�hrt uns der schmale, erst von unsern Tr�gern angelegte Weg in gleichm��igem Fall zu einer breiten flachen Grassteppe von nur 1200 m Durchschnittsh�he, in der die Njiris�mpfe und der Amboseli-See liegen. Hier befinden sich wieder gute Weidepl�tze f�r ungez�hlte Wildherden. Vor allem zieht sich zur Trockenzeit das Wild aus der wasserlosen Steppe an diesen st�ndigen Wasserstellen zusammen, und die L�wen haben an den Tr�nken ein bequemes Jagen.Nach Durchquerung dieser etwa 30 km breiten Grassteppe, die in ihrem �stlichen Teil in einen dichten Buschwald �bergeht, stehen wir am Fu�e des Kilimandscharo (Abb. 249 und 250), der mir aus dem vortrefflichen Werke des Professors Hans Meyer bekannt war und den aus eigener Anschauung kennen zu lernen jeden, der die packenden Schilderungen dieses Forschers gelesen hat, reizen mu�. Leider ist das Haupt des Berges fast immer in Wolken geh�llt und stets nur w�hrend der Regenzeit liegt er zu fr�her Morgenstunde in seiner ganzen majest�tischen Pracht vor uns. Schon einmal hatte ich den �berw�ltigenden Anblick dieses m�chtigen Bergriesen genossen. Es war s�dlich vom Berge Longido; wie bei unserer angestrengten T�tigkeit �blich, hatte ich bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang mein Lager verlassen und marschierte durch eine weite offene Buschsteppe nach Osten in Richtung auf den Kilimandscharo. Bald zeigte sich vor uns tief unten am Horizonte der erste fahlgraue D�mmerstreifen. -- Die Leute, die behaupten, da� es in den Tropen keine D�mmerung gibt, sind nicht mit offenen Augen durch das Land gegangen; wohl ist sie k�rzer wie hier bei uns, doch gibt es eine Morgenund Abendd�mmerung. -- Das Tagesgrauen wich einer schwach rosaroten F�rbung, die immer intensiver wurde, bis die ersten Strahlen der h�her steigenden Sonne den Osten in purpurne Glut tauchten. Jedoch nicht durch dieses sch�ne Naturschauspiel, das wir ja schon so oft genossen hatten, wurde unser Auge gebannt, sondern durch ein weit packenderes, bisher noch nicht geschautes: Vor uns in einer Entfernung von 90 km lag in v�lliger Klarheit das 6000 m hohe, mit ewigem Eis und Schnee bedeckte Haupt des Kilimandscharo. Scharf hoben sich die Umrisse dieses gewaltigen Blockes ab und es machte auf uns, die wir 4000 m tiefer standen, den Eindruck, als rage er mit seinem m�chtigen breiten Schneehaupte bis in den Himmel hinein. Nicht in schneeiger Wei�e sahen wir seinen Gletschermantel, sondern von der aufgehenden Sonne mit einem zarten rosafarbenen Hauch �bergossen, und wie mit der aufsteigenden Sonne der Horizont selbst intensivere T�ne annahm, so war auch bald das riesige Schneehaupt wie mit Purpur �berzogen. Ein Bild, das wohl nur wenige geschaut haben und das den wenigen f�r ihr ganzes Leben unverge�lich bleiben wird, ein Bild, das Meister Kuhnert, der Beherrscher [330] afrikanischer Farbent�ne, so herrlich wiedergegeben hat. Mit der h�hersteigenden Sonne verbla�ten die roten und rosa Tone und der Firnenkranz des Bergriesen lag in blendender Wei�e vor uns. Nur kurze Zeit konnten wir dieses herrliche Naturschauspiel genie�en. Aus dem breiten Urwaldg�rtel, der den ganzen Kilimandscharo umgibt, stiegen wallende Nebel auf, die sich zu Wolken verdichteten und bald den Gipfel eingeh�llt hatten, so da� nur noch der dunkle, breite untere Block sichtbar blieb.Der Weitermarsch unmittelbar am Nordhange des Vulkans entlang war recht beschwerlich und zeitraubend durch die zahlreichen tief eingeschnittenen und h�ufig noch dicht bewachsenen Taler, die in die Ebene f�hren. Die wie riesige Zungen sich vom Kilimandscharo im gleichm��igen sanften Abfall erstreckenden H�nge sind unmittelbar am Massiv des Berges mit dichtem, hochst�mmigem Urwald bewachsen. Er saugt wie ein Schwamm die Niederschlage auf und h�lt sie fest; ohne ihn w�re der Kilimandscharo �de und unfruchtbar. An die Urwaldzone schlie�t sich eine Region mit dichtem, bis zu drei Meter hohem Urbusch, der nur auf Elefantenpfaden oder mit Axt und Buschmesser zu durchdringen ist. Hochst m�hsam war hier das Topographieren; um die gen�gende Fernsicht zu gewinnen, mu�ten meine Tr�ger erst in stundenlanger Arbeit das Dickicht niederlegen (Abb 251). Nach Beendigung dieser Aufnahmen langte ich in unserem astronomischen Beobachtungslager Leitokitok an, das unmittelbar am Urwaldrande, ja schon unter den schattigen, weitverzweigten B�umen desselben lag. Hier machte sich die Nahe des ewigen Schnees deutlich f�hlbar. Angenehm erfrischende K�hle herrschte selbst zur Mittagszeit, so da� wir w�hrend unseres ganzen Aufenthaltes nur europ�ische Kleidung trugen. Bitter kalt wurde es bei den n�chtlichen Beobachtungen, trotzdem unser Lager nur 1860 m hoch lag. Ein eisiger Wind wehte Nacht f�r Nacht zu uns her�ber, so da� die Finger am Instrument erstarrten und wir Blechgef��e mit gl�hender Holzkohle in unserer N�he aufstellten, um arbeiten zu k�nnen. Eine hocherfreuliche Nachricht erhielt ich bei meinem Eintreffen in Leitokitok, n�mlich die, da� nur zwei Stunden von hier entfernt sich eine gr��ere Masainiederlassung befinde. Also endlich treffe ich sie doch noch! Ein Jahr lang war ich nun in der Masaisteppe herumgezogen und hatte vergeblich nach ihnen ausgesp�ht. Am n�chsten Morgen bereits versuchte ich mit den Leuten F�hlung zu gewinnen; ich schickte Boten zu ihnen mit der Aufforderung, sie m�chten zu mir ins Lager kommen, sie w�rden auch Geschenke erhalten. Stolz lie�en sie mir sagen, wenn ich etwas von ihnen wollte, m�chte ich zu ihnen kommen. Was blieb mir weiter �brig. Ich mu�te sie kennen lernen, m�glichst gr�ndlich sogar, also war ich gen�tigt zu ihnen zu gehen. Wohl trieben sich t�glich Masaiweiber [331] genug in unserem Lager herum, aber kein Krieger kam, und anderen Bekanntschaft lag mir doch besonders.Abb. 9 / 256 u. 257. Masai-Krieger (K�rperbau und Gestalt). Abb. 10 / 11 Masai-Krieger (K�rperbau und Gestalt). Sofort nach Beendigung meiner astronomischen Arbeiten marschierte ich in die Steppe hinab und schlug mein Lager unmittelbar neben [332] der Masainiederlassung auf. Doch damit war ich noch lange nicht am Ziel. Erst mu�te ich an den H�uptling und an die Krieger zahlreiche Geschenke verteilen ehe sie mir gestatteten, sie, ihre Weiber, M�dchen und Kinder zu photographieren. Von Leitokitok aus behielt ich dann noch mehrere Monate F�hlung mit ihnen und habe mit gro�em Interesse das Leben dieses mir hochsympathischen Stammes, so weit es meine karg bemessene freie Zeit erlaubte, studiert.Die Masai, Langsch�del wie die Wahima (Watussi), geh�ren zur semitischen Rasse, deren Heimat die arabische Halbinsel ist. Der Grund ihrer Wanderung war, wie bei den Wahima, durch Ueberv�lkerung entstandener Raum- und Nahrungsmangel. So sahen sie sich gezwungen, neue Weidegr�nde aufzusuchen Von Norden kommend, den Nil stromauf ziehend, gelangten sie schlie�lich auf ihrem Zuge in die weiten Grasl�nder der heutigen Masaisteppe und fanden hier vortreffliches Weideland und Raum f�r ihr Nomadenleben. die umwohnenden zahlreichen, Akkerbau treibenden Eingeborenen boten ihnen gute Gelegenheit, ihre kriegerischen Neigungen zu bet�tigen. Eine offene Frage ist die: F�hrten die Masai, wie die Wahima, bei ihrem Einfall in das Land Rinderherden mit sich oder nicht? Da sie ein Hirtenvolk sind, genau wie die Wahima, so ist wohl anzunehmen, da� sie mit ihren Rindern diesen Zug unternahmen und da� diese gleichfalls zur Sangagruppe geh�rten. Dagegen spricht allerdings, da� man jetzt bei den Masairindern nicht mehr die Merkmale der Sanga-Rasse [333] findet; es sind durchweg Zebu-Rinder. Ber�cksichtigt man aber, da� die Masai durch zahlreiche Raubzuge immer wieder frisches Blut in ihre Herden brachten, so kann doch die M�glichkeit vorliegen, da� sie mit ihren Sanga-Rindern in das Land kamen, da� aber durch die so h�ufige Vermischung mit dem erbeuteten Vieh im Laufe der Jahrhunderte die charakteristischen Merkmale dieser Rasse v�llig schwanden.Auf die Geschichte der Masai will ich hier nicht weiter eingehen. Ich verweise jeden, der sich hierf�r interessiert, auf das vortreffliche Merker'sche Buch. In nachstehender Beschreibung beschr�nke ich mich lediglich auf das von mir Gesehene und Erfragte. Zu meiner Freude traf ich bei meinen Nachforschungen wiederholt Leute, die mir von Merker und seiner Forschert�tigkeit berichteten. Geradezu verbl�ffend wirkte auf mich die ganz selbstverst�ndlich klingende Frage eines Kriegers von [334] Leitokitok, der mich beobachtete, wie ich meinen photographischen Apparat aufstellte. Er kam auf mich zu mit den Worten: Ach, du willst uns photographieren?" Auf meine erstaunte Frage, woher er das wisse, erwiderte er mir: ,,Ja, hier war vor nicht langer Zeit der bana Schillingsi (Herr Schillings), und hat uns auch photographiert." -- Und ich hatte mir eingebildet, im dunklen Afrika zu sein!Die Sch�delbildung und Gestalt der Masai veranschaulichen die Abbildungen 256, 257, 258, 259 und folgende. Wir sehen hier ebenso typische Langsch�del wie bei den Wahima. Das l�ngliche Gesicht zeigt feingeschnittene, h�bsche und intelligente Zuge. Die Stirn ist gut gew�lbt; die Nase schmal mit d�nnen, flachen Fl�geln und geradem oder leicht gew�lbtem Rucken. Die Augen sind mandelf�rmig, die Lippen gut geschwungen, voll, aber dabei nie wulstig. Die wohlgeformten Ohren sind mittelgro�, werden aber leider, wie nachstehend geschildert, stark verunstaltet. Die Gestalten der Masai sind proportionierter, als die der �berschlanken Wahima, denn der feine Knochenbau tr�gt gut entwickelte Muskeln, die infolge des Kriegshandwerks wohl ge�bt sind und dem ganzen K�rper Straffheit und Elastizit�t verleihen. Wie bei den Wahima, so f�llt uns auch bei den Masai ihre selbstbewu�te Haltung auf, die bedingt ist durch ein au�erordentlich stark entwickeltes National- und Rassebewu�tsein. So erkennt er den Europ�er absolut nicht als h�herstehend an, bewahrt auch ihm gegen�ber sein Selbstbewu�tsein, das h�ufig sogar in Unversch�mtheit ausartet. Die Hautfarbe zeigt ein verschieden get�ntes Schokoladenbraun. Weitere charakteristische Merkmale sind die langen Arme und Beine, zierliche d�nne Hand- und Fu�gelenke, schmale H�nde und F��e, schlanke, lange Finger mit leichtgew�lbten, schmalen, langen Nageln. Wie die Wahima, so bewahren sich auch die Masai selbst im vorger�ckten Mannesalter ihre Schlankheit. T�towierung ist, allerdings nur in bescheidenem Ma�e, gebr�uchlich. Es handelt sich hierbei lediglich um Ziernarben, die durch Schnitte mit einem kleinen scharfen Messer oder auch dem Rasiermesser ausgef�hrt werden. Eine Behandlung der Schnittwunden mit �tzenden Mitteln findet nicht statt, so da� die T�towierung nur wenig hervortritt und dem fl�chtigen Beschauer garnicht auff�llt. Die gebr�uchlichsten Formen sind Lyra und Hufeisen, doch finden wir auch Stricht�towierung. Meist wird sie auf dem Oberarm, seltener auf dem Bauche angebracht. Eine weitere ,,Versch�nerung" ist das Entfernen der unteren beiden Schneidez�hne. Sie werden in fr�hester Jugend bereits mit dem Messer gelockert, dann mit der Hand entfernt. Beim Zahnwechsel wird dieser Eingriff wiederholt. Es handelt sich hierbei fraglos um eine alte religi�se [335] Sitte, deren Bedeutung ich aber selbst bei den Dorf�ltesten nicht mehr erfragen konnte. Sie gaben mir vielmehr als Grund an: Sie entfernten diese beiden Z�hne, damit in der Zahnreihe eine L�cke entst�nde, durch die sie beim Bier- und Milchtrinken in langem Strahl spucken k�nnten.An der schlanken schmalen Hand tragen sie lange Fingern�gel, die nicht abgeschnitten, sondern abgebissen werden, wenn sie zu lang sind. [336]Schon in fr�her Kindheit werden die Ohrl�ppchen mit einem Akaziendorn durchstochen und der unmittelbar dar�ber befindliche Knorpel durchschnitten. Das Dehnen und Erweitern geschieht dadurch, da� sie Holzpfl�cke, anfangs von kleinem, dann immer gr��erem Durchmesser, einsetzen. Ohrlappen, die, in dieser Weise gedehnt, bis auf die Schultern herabh�ngen, sind nicht selten. Ferner ist bei den Masai das Durchl�chern des oberen Randes der Ohrmuschel Sitte. Ueber die Art dieser Verunstaltung verweise ich auf das Kapitel V ,,Die Bakulia". Au�er den soeben erw�hnten Gebr�uchen �ben die Masai noch die Beschneidung, und zwar beider Geschlechter. Die Beschneidung der Knaben erfolgt erst dann, wenn sie kr�ftig genug sind, in den Kriegerstand einzutreten; das ist in der Regel im Alter zwischen 116 Jahren, doch kann sie bei besonders gut Entwickelten auch fr�her stattfinden. Mit vollzogener Beschneidung rechnen sie zu den Erwachsenen. S�mtliche Knaben eines Distriktes werden an einem und demselben Tage beschnitten. Dieser Tag wird nach Beratungen der Altesten von diesen festgesetzt. Die Knaben feiern schon Wochen vorher dieses f�r sie so bedeutsame Fest, das sie zur Aufnahme in den bevorzugten Kriegerstand berechtigt, durch T�nze und Gesang in ihren und in befreundeten Kraalen. Am Tage vorher wird dem Knaben das Kopfhaar rasiert; Fellumhang und Schmuck legt er ab und tr�gt daf�r nur einen langen, von seiner Mutter angefertigten Lederschurz. Am Beschneidungstage selbst versammeln sich s�mtliche Knaben bereits vor Sonnenaufgang an dem vereinbarten Orte. Dieser liegt in der N�he eines Kraals und wird von den Alten, die berufsm��ig die Beschneidung aus�ben, bestimmt. Mit R�cksicht auf die recht schmerzhafte Operation w�hlt man die fr�heste Morgenstunde und die Knaben begie�en sich noch gegenseitig zur Abh�rtung den Penis mit kaltem Wasser. Kein weibliches Wesen darf sich in der Nahe der Beschneidungsst�tte aufhalten, dagegen wohnen die Krieger diesem Akte bei und besp�tteln und beschimpfen die Knaben, die nicht standhaft und lautlos die Schmerzen ertragen. Wer schreit, erh�lt einen Spottnamen und wird von den Kriegern mit Verachtung gestraft. Diese erstreckt sich sogar noch auf die Eltern des Knaben. Die Beschneidung wird mit einem kleinen, spitzen, zweischneidigen Messer folgenderma�en ausgef�hrt: Die �u�ere Haut des Gliedes wird zur�ckgezogen und dann das innere Blatt der Vorhaut dicht hinter der Eichel mit dem Messer ringsherum durchschnitten. Hierauf gleitet die Eichel in der verl�ngerten Haut zur�ck, die jetzt oben eingeschnitten wird dort, wo die Eichel hindurchtreten soll. Von der Haut, welche auf diese Weise unter der Eichel lang herabh�ngt, wird die H�lfte abgetrennt, der �brige Teil wachst in 14 Tagen zusammen und erscheint nach der Heilung wie ein [337] Z�pfchen. Die Betreffenden sitzen mit gespreizten Beinen auf ihrem Lederschurz. Ein blutstillendes oder heilendes Mittel wird nicht angewandt; man begn�gt sich damit, nach der Operation den Penis mit Milch abzuwaschen. [338]
Naturgem�� wird dieser so hoch bedeutsame Akt der Beschneidung auch geb�hrend gefeiert. Die gl�cklichen V�ter sind die Gastgeber; in ihrem Kraal versammeln sich alle umwohnenden Masai und lassen sich in recht ausgiebigem Ma�e mit Fleisch und Honigbier bewirten. Bei diesen Festen geht es recht lebhaft zu; es wird viel gescherzt und gelacht und tapfer gezecht. Die Krieger br�sten sich mit ihren Heldentaten und geben ihr Urteil ab �ber die kriegerischen F�higkeiten der heute Beschnittenen. Die V�ter unterhalten sich voll freudigen Stolzes �ber die kommenden Taten der S�hne und �berschlagen schon im Geiste, wie sich ihr Besitz durch deren Kriegsz�ge mehren wird. Bis in die Nacht hinein, so lange es noch etwas zu essen und zu trinken gibt, sitzen die Alten schwatzend und zechend beisammen. Den Kriegern wird das Erz�hlen jedoch bald langweilig und sie begeben sich mit den jungen M�dchen auf den Tanzplatz und vergn�gen sich hier mit Tanz und Gesang. Gegen 10 Uhr etwa kehren sie in ihren Kraal zur�ck. Die jungen M�dchen erbitten sich noch Milch f�r ihre Liebhaber und begeben sich dann gleichfalls in den Kriegerkraal. Die Haartracht ist recht verschieden. Wir haben sie, vor allem die eigenartige Zopffrisur der Krieger, bereits bei den Bakulia kennen gelernt, die sie ja erst von den Masai �bernommen haben. In jedem Kriegerkraal finden wir nur einen derartigen Haark�nstler, der gleichfalls zu den Kriegern geh�rt und nur im Nebenamt die T�tigkeit eines Friseurs aus�bt. Die Abbildung 260 veranschaulicht uns einen solchen beim Zopfflechten. Verheiratete M�nner und Knaben rasieren die Haare des �fteren. Als Rasiermesser dient ein angesch�rftes Eisenblech. Die Haare werden zum Rasieren eingefettet oder auch nur mit Wasser angefeuchtet. Ferner rasiert man Augenbrauen und Achselhaare; die Schamhaare werden mit einer Pinzette oder auch nur mit den Fingern ausgerissen. Bei den jungen Kriegern finden wir auch noch die bereits bei den Bakulia geschilderte per�ckenartige Haartracht, die darin besteht, da das nat�rlich gewachsene, halblange Haar in zahlreiche kurze dicke Str�hnen gedreht wird, die h�ufig noch mit einer roten Pomade zusammengehalten werden. Oft sehen wir bei den Kriegern, wie es uns die Abbildungen 261 und 262 zeigen, auch ganz kurzes Haar, das sie mindestens jeden Monat einmal abrasieren. Selten konnte ich die bei den Bakulia beschriebene Sitte feststellen, da� sie sich n�mlich um den Kopf herum einen schmalen Streifen der Kopfhaare abrasieren. Wie bei dem hamitischen Volk der Wahima (Watussi) k�nnen wir auch hier bei den Masai beobachten, da� sie ein leichtgewelltes, weiches Haar haben, im Gegensatz zu dem krausen, harten Wollhaar der Bantuneger. [339]Recht zahlreich und phantastisch ist der Schmuck der Masai, in erster Linie der Kriegsschmuck. Auf dem Kopf tragen sie, wie es uns die Abbildung 263 veranschaulicht, Fellm�tzen, in der Regel aus Affenfell--bevorzugt wird hierbei der Kolobusaffe--, oder auch, wie wir es bei dem J�ngling rechts auf derselben Abbildung sehen, einen ganz eigenartigen [340] Schmuck, den ich nur selten beobachten konnte. Er besteht darin, da an einem langen Stock, der auf dem Kopfe festgebunden wird, die wei�en Haare des Kolobusaffen befestigt werden, so da� das Ganze dem Haarbusch bei unseren Paraden nicht un�hnlich ist.Sehr h�ufig ist der schon in den Kapiteln IV und V geschilderte Gesichtsrahmen, der sowohl Kriegs- wie Tanzschmuck ist. (Abb. 264, rechts). Zwei oval ausgeschnittene Lederplatten werden aufeinandergen�ht und in diese eng aneinander Strau�enfedern eingef�gt; am h�ufigsten finden wir schwarze, doch kommen auch Gesichtsrahmen mit wei�en Strau�enfedern vor oder solche aus schwarzen Federn, die nur oben eine gr��ere wei�e tragen. Der begehrteste Kriegsschmuck, den in jedem Kriegerkraal nur wenige, besonders schneidige Leute tragen, ist die auf den Abbildungen 265 und 266 sichtbare L�wenfellm�tze. Erst drei Tage bevor ich diese Aufnahme machte, hatte dieser mutige Bursche den L�wen in freier Steppe bei Leitokitok am hellen lichten Tage, v�llig, allein, mit seinem. Speere durch einen kr�ftigen, gut gezielten Blattsto� gestreckt und sich aus der M�hne des kapitalen Tieres die Kopfbedeckung hergestellt. Einen der st�rksten Schlachtochsen mu�te ich daran wenden, um diesen sch�nen und seltenen Kopfschmuck von dem Manne erwerben zu k�nnen, und auch dies erst nach stundenlangen Verhandlungen. Anstelle der L�wenm�hnenm�tzen finden wir h�ufig solche aus Hundsaffenfell, die jenen bei fl�chtiger Betrachtung au�erordentlich �hnlich sind. Mit einem Riemen um Stirn und Kinn werden diese M�tzen festgehalten. W�hrend sonst die N�harbeiten nur von den Frauen ausgef�hrt werden, stellt diese Kopfbedeckung sich der Krieger selbst her. [341] Eine N�hnadel in unserm Sinne kennt er nicht, sondern benutzt zum Durchstechen des Felles eine Ahle und zieht dann mit der Hand den Faden, der aus einer gedrehten Rindersehne besteht, durch das Loch hindurch.Seltener tragen sie den bereits im Kapitel IV geschilderten und abgebildeten Kopfschmuck, der aus einer W-f�rmig gebogenen Liane besteht und noch mit Federn, zuweilen auch Perlenstickerei verziert ist. [342] (Vergleiche Abb. 141 auf Seite 191). Ein anderer von mir beobachteter Kopfschmuck ist die gleichfalls schon im Kapitel V geschilderte M�tze, hergestellt aus einem Rindermagen deren R�nder h�ufig noch mit kleinen Perlen recht geschmackvoll ben�ht sind, meist in den Farben rot und wei�, und die mit der bekannten roten Tonpomade eingefettet ist.Als Ohrschmuck tragen sie in den L�chern der oberen Ohrmuschel kleine Holzpfl�cke oder Holzst�bchen, an deren Stelle selten Stacheln des Stachelschweines treten, Ringe, kleine 10-20 cm lange Eisenkettchen, an einem kleinen Drahtringe auch zuweilen ein St�ck abgeschliffene Muschelschale. Der gebr�uchlichste Schmuck des Ohrlappens besteht aus einer 3-4 cm langen Drahtspirale, von der zahl reiche Eisenkettchen herabh�ngen. Sind diese nur kurz, so werden sie, wie wir es auf Abbildung 257 und 267 sehen, mit der roten Tonpomade derart verschmiert, da� sie vollkommen zusammenkleben und ein einziges St�ck bilden. Die l�ngeren Kettchen h�ngen frei herab oder werden um den Hals geschlungen. Anstelle dieses Schmuckes treten auch ovale Scheiben aus d�nnem Zinkblech (Abb. 262), oder U-f�rmig gebogene St�cke aus Kupferdraht, die in kleinen K�gelchen enden (Abb. 268). Der Halsschmuck besteht aus zahlreichen [343] verschiedenartigen Ringen. So finden wir einfache Eisendrahtringe, die vorn noch einige kleine Ketten tragen, Perlketten aus kleinen bunten (bevorzugt wei�e und rote) und aus erbsengro�en farbigen Perlen, aus l�nglichen, mehrfarbig gemusterten Perlen, auch Kr�nze, gedreht aus den wohlriechenden Wurzeln einer Liane. Die Perlen reiht man auf F�den bestehend aus Rindersehne, zuweilen auch auf d�nnen Draht.Um die Ober arme legen die M�nner Perlenb�nder, und zwar hier h�ufig an zwei Stellen, dicht unter der Achsel und dicht �ber dem Ellbogengelenk. Daneben auch schmale Lederb�nder, die mit Perlen ben�ht sind. Ein eigenartiger Schmuck der nur am linken Oberarm getragen wird, ist eine Spange aus Rinderhorn, Schafhorn, selten auch aus dem Horn des Nashorns, die zwei dornartige Forts�tze hat und mit d�nnem Eisendraht, oft auch Kupferdraht umwickelt wird (Abb. 259, links und 269); an dieser Spange h�ngen h�ufig noch kleine Perlenoder Eisenkettchen herab. Bei Tanz und Krieg wird ein etwa meterlanger gedrehter Fellstreifen vom Leoparden, Schakal oder Ginsterkatze angelegt. Um die Handgelenke tragen sie gleichfalls Perlenketten oder Ringe aus Eisen- oder Kupferdraht. W�hrend wir jetzt fast nur noch Glasperlen finden, hatten sie fr�her eiserne, die in der Weise hergestellt wurden, da� man kleine Drahtringe breitklopfte. Einen recht eigenartigen Unterarmschmuck veranschaulicht uns die Abbildung 270, rechts. Es ist eine lange Manschette bestehend aus zahlreichen Perlenb�ndern. Sie kennzeichnet uns einen besonders beg�terten Mann, der in freigiebiger Weise sein Hab und Gut mit seinen Kameraden teilt, als ihr Wohlt�ter eine besonders geachtete Stellung einnimmt und zum Danke von denen, die er beschenkt hat, derartige Perlenb�nder erh�lt. Die Finger schm�cken sie mit Ringen. Teils sind dies aus drei bis [344] f�nf Windungen bestehende von Eisen- oder Kupferdraht, teils aus Eisenblech, die l�ngliche Forts�tze haben, so da� ein derartiger Ring oft den ganzen Finger bedeckt. Die Blechringe sollen �brigens nicht Masaisitte, sondern erst von den Wakamba und Wakikuju �bernommen sein. Die Anordnung der Ringe erfolgt in der Weise, da� der erste auf den Mittelfinger der rechten, der zweite auf den der linken Hand gesteckt wird, und die �brigen in beliebiger Reihenfolge auf die anderen Finger verteilt werden.Um die H�ften legen sie gleichfalls Perlenketten und als Tanzund Kriegsschmuck einen Lederg�rtel, der von den Lieblingsm�dchen des Kriegers in recht geschmackvoller Weise mit kleinen buntfarbigen Perlen ben�ht ist. Um das Knie tragen sie wiederum Perlenketten oder auch Fellschlaufen, deren eines Ende etwa 5 cm lang herabh�ngt. Zum Krieg und Tanz binden sie um die Unterschenkel Streifen aus dem h�bschen Fell des Kolobusaffen, so da� der wei�haarige Behang oft bis auf die Erde f�llt (Abb. 262 und 269). Um die Fu�gelenke legen sie seltener kleine Perlenketten, h�ufiger aber d�nne Lederb�nder mit der behaarten Seite nach au�en, die oft mit kleinen eisernen Schellen versehen sind. Man sagt, da� sie dadurch bezwecken, beim Marsch durch die Steppe die im Grase versteckt liegenden Raubtiere aufzuscheuchen, oder auch da� sie im Kriege von den Anf�hrern getragen werden, um bei den n�chtlichen M�rschen die Leute zusammenzuhalten. Nur zum Tanz dient die auf Abbildung 26 um den Oberschenkel gebundene, gro�e l�ngliche eiserne Schelle. Bei Kriegs- und Tanzfesten reiben sie den ganzen K�rper mit der schon mehrfach erw�hnten roten Tonpomade ein. In diese Bemalung zeichnen sie mit dem Finger alle m�glichen Figuren in Strich- und Schlangenlinien, vor allen Dingen auf den Beinen. Eine besondere Zeichnung wenden die Krieger an, die einen Feind erschlagen haben; sie bestreichen ihren K�rper streifenweise abwechselnd mit roter und wei�er Erde. Auch eine Gesichtsbemalung Konen wir oft bei ihnen feststellen, und zwar ist es ein Dreieck, das von den Nasenfl�geln bis etwa zur Mitte der Backe reicht. Die Kleidung besteht aus Tierfellen, doch sind diese jetzt schon durch von H�ndlerkarawanen eingef�hrte Stoffe vielfach verdr�ngt. Die Bekleidung der M�nner, in erster Linie aber der Krieger, besteht aus einem nicht enthaarten Umhang aus Kalbfell, der in folgender einfacher Weise hergerichtet wird: Die Felle werden an kleinen Holzpfl�cken auf dem Boden ausgespannt und getrocknet. Darauf entfernt man mit einem Messer die noch etwa anhaftenden Fleisch- und Fetteilchen, dann reibt man es gr�ndlich mit Butter ein und walkt es. Ein derartiges [345] Kleidungsst�ck f�hlt sich fettig und weich an. Die Bearbeitung und Herstellung der Fellkleidung ist Sache der Frauen.Der Umhang der Krieger, der etwa 60-70 cm breit und 120 cm lang ist, wird in recht geschmackvoller Weise hergestellt. Man nimmt hierzu die gl�nzenden Felle ganz junger K�lber und n�ht mehrere von ihnen zusammen. Meist wird dieses Kleidungsst�ck noch von dem Lieblingsm�dchen des Kriegers mit ein oder zwei Reihen von roten und wei�en kleinen Perlen ben�ht. Selten nur kommt es vor, da� andere Felle, z. B. das der Meerkatze, zur Verarbeitung genommen werden. Der Umhang wird auf der rechten Schulter zusammengeknotet und l��t die rechte H�fte frei, damit der Krieger ungehindert an das dort befindliche Schwert heran kann. Der rechte Arm bleibt somit auch unbedeckt, den linken stecken sie zuweilen, besonders bei k�hler, nasser Witterung, noch mit unter das Fell. (Abb. 271, 272,273 u. 274.) Bei den �lteren M�nnern sehen wir dieselbe Art des Fellumhangs (Abb. 275 und 276), nur wird auf dessen Herstellung und vor allem auf das Zusammenn�hen der einzelnen Fellst�cke weniger Sorgfalt gelegt, auch sind sie nicht mit Perlen geschm�ckt und meist l�nger. H�ufig tragen sie anstelle dieser behaarten Fellkleidung enthaarte Felle, wie wir sie bei den Weibern kennen lernen werden. Nur die Krieger und Knaben, nicht aber die �lteren M�nner legen als weiteres Kleidungsst�ck ein Sitzleder an. Es wird an einem Riemen oder auch gleich am Schwertgurt getragen, hergestellt wird es aus [346] Rindoder Kalbleder. Es hat eine dreieckige Form, ist jedoch nicht geradlinig, sondern etwas abgerundet zugeschnitten. Die Au�enseite zeigt meist geschmackvolle Verzierungen von Perlenstickerei, auch sind h�ufig noch kurze Eisenkettchen an dem oberen Rande angen�ht. Zweck ist. wie der Name es ja schon sagt, das Ges�� gegen Dornen und Schmutz zu sch�tzen.Selbst bei k�hler Witterung und bei Regen sieht man die Krieger nur mit einem Fellumhang bekleidet, wahrend die �lteren M�nner h�ufig noch ein Fellunterkleid tragen (Abb. 275). Knaben tragen gleichfalls nur einen Fellumhang �hnlich wie die Krieger, doch ist er bei ihnen k�rzer. Als Fussbekleidung finden wir die allgemein �bliche Sandale, hergestellt aus m�glichst dicker Rinderhaut; in der Regel verwendet man hierzu das R�ckenst�ck eines Ochsenfelles. Befestigt wird diese Sandale am Fu� durch ein Lederband, das zwischen der gro�en und der zweiten [347] Zehe liegt und mit einem zweiten Lederband verknotet ist, das �ber Spann und Ferse lauft.Die Hauptwaffe der Masai ist der sch�ne, lange eiserne Speer, den wir auf den Abbildungen 261, 262, 263, 264, 265, 266, 269, 27(), 271, 277 deutlich wiedergegeben sehen.. Wir unterscheiden an ihm drei Teile: [348] Das lange, schlanke eiserne Blatt, den Holzgriff, der beim echten Masaispeer nicht gro�er sein soll, als da� ihn die Faust gerade umfassen kann, und der die Verbindung herstellt mit dem dritten Teil, dem langen massiven eisernen Schuh. Spitze sowohl wie Schuh sind mittels eiserner T�llen auf den kurzen Holzschaft aufgesetzt.
Noch nicht lange f�hren die Masai diesen eigenartigen Speer, sondern er hat sich erst im Laufe vieler Jahre aus anderen Speerformen heraus entwickelt. Abbildung 277 stellt einige alte Modelle dar und den allm�hlichen �bergang zu der heutigen Speerform. Die �lteste ist wohl die mit der breiten blattf�rmigen Spitze, die man heute so gut wie garnicht mehr findet Das Blatt wurde allm�hlich l�nger, behielt aber immer noch eine Breite von 10--15 cm. Der Holzschaft war erheblich l�nger wie heute und der eiserne Schuh k�rzer. Erst nach und nach wurde das Blatt schlanker und l�nger, der Holzschaft kurzer und der eiserne Schuh l�nger, bis sich hieraus die nun schon seit vielen Jahren bestehende Speerform entwickelt hat. Die drei Speere ganz rechts auf dem Bilde sind �brigens keine eisernen sondern Holzspeere. Die Krieger fertigten sich diese an, als ihnen seitens der Milit�rstation Aruscha infolge verschiedener Bluttaten das Tragen der eisernen Speere verboten wurde. Die Abmessungen des heutigen Speeres sind die folgenden: Das Blatt zeigt eine L�nge von etwa 80--90 cm, ist nur etwa 2--3 cm breit, mit einer starken Mittelrippe versehen, und mi�t an seiner unteren umfangreichsten Stelle nur 4 cm in der Breite. Der Holzschaft ist nicht langer [349] wie 10 bis h�chstens 15 cm und an ihm sitzt der etwa meterlange Schuh. Die Spitzen sind stets sorgf�ltig poliert und zum Schutze gegen Rost mit einer d�nnen Fettschicht versehen.Hergestellt werden diese Speere von einer besonderen Kaste, den Schmieden, die man wohl mit zum Stamme der Masai rechnet. die aber eine untergeordnete Stellung einnehmen, ja oft sogar mi�achtet sind. Ihre Kraale liegen --abseits von denen der Masai. Sie werden eben nur geduldet, weil man sie ihrer Kunst wegen gebraucht. Nie wird ein Masai einem Schmied Gastrecht gew�hren, noch dessen Gastfreundschaft in Anspruch zwischen Masai und Angeh�rigen der Schmiedekaste ist verboten. Man sagt sogar, da� selbst der au�ereheliche Umgang mit der Tochter eines Schmiedes dem Masai Ungl�ck bringen wurde. Nicht nur von den Masaischmieden werden diese sch�nen Speere gefertigt, sondern auch von den Handwerkern der umwohnenden Negerst�mme, vor allem von den Wadschagga. An der Form des unteren Blattendes jedoch soll sich feststellen lassen, wo der Masaispeer angefertigt worden ist, denn wir finden hier herzf�rmig abgerundete Blattenden, Abb. 73. Masai-Krieger. geschweifte l�ffelf�rmige und schlie�lich geradlinige. Auch der Schuh ist verschieden gearbeitet, denn neben der gebr�uchlichsten ganz runden Form finden wir auch Speere, die dicht unterhalb der T�lle etwa handbreit eine vierkantige Form zeigen, auf deren Flachen man oft noch besondere Marken eingeritzt findet, die dem Eigent�mer das Erkennen seiner Waffe erm�glichen sollen. [350]Mit gro�em Stolz f�hrt der Masai seine sch�ne Waffe und w�rde sich nur h�chst ungern von ihr trennen. Auch zu den Tanzfesten sehen wir sie meist in seiner Rechten. Dann ist sie h�ufig, teils nur zum Schmuck, teils aber wohl auch um Verletzungen anderer durch die scharfe Spitze zu verhindern, mit kugelf�rmigem Fellkopf versehen (Abb. 269 und 271). Man kann sich denken, da� dieser Speer in der kriegsge�bten Hand eines Masaikriegers eine Tod und Verderben bringende Waffe ist. Wie sicher sich die Krieger im Besitz ihres Speeres f�hlen geht daraus hervor, da� sie ohne zu zaudern selbst dem K�nig der Tiere in offener Steppe entgegentreten, und mehr wie einmal ist mir berichtet worden, da� ein kapitaler M�hnenl�we von einem Masai gespeert sei. W�hrend meines kurzen Aufenthaltes in Nairobi im Jahre 1902 durchzog ein Masaikrieger die Stra�en dieser Stadt und bot das noch frische Fell eines m�nnlichen L�wen und dazu den krummgebogenen Speer, mit dem er in der Nacht vorher das Tier gestreckt hatte, zum Kauf an. Eine andere gef�rchtete Waffe, die wir als Masainachahmung bereits bei den Wageia und Bakulia kennen gelernt haben, ist das eiserne zweischneidige Schwert. Auch dieses hat sich, �hnlich wie der Speer, erst im Laufe der Jahr zehnte vom kurzen breiten Dolch bis zur heutigen Form entwickelt. Das etwa 75 cm lange Schwert ist mit einem gerippten Holzgriff versehen und seinem Zweck als Hiebwaffe entsprechend so [351] gebaut, da� der Schwerpunkt der kr�ftigen, an der Spitze breiten, sich nach hinten verj�ngenden Klinge nach vorn gelegt ist. Getragen wird das Schwert in einer Lederscheide, die sorgf�ltig aus Rinderfell gearbeitet und meist rot gef�rbt ist (Abb. 259 und 268). Die L�ngsnaht befindet sich in der Mitte der R�ckseite. Etwa zwei handbreit vom oberen Ende entfernt ist auf der Vorderseite eine Leder�se angebracht, durch welche der Leibriemen gezogen wird. Er ist gleichfalls aus Rinderhaut angefertigt und endigt in einem schmalen Lederst�ck, das durch eine entsprechende Oese gezogen wird. Man tragt das Schwert auf der rechten Seite und es wird auch mit der rechten Hand gezogen.Als weitere Hiebwaffe f�hren die Masai eine aus hartem Holz gefertigte Keule, die derartig aus einem St�ck gearbeitet ist, da� der schlanke runde Griff in einer schweren Keule endigt (Abb. 268). Sie wird von den Leuten stets getragen, auch dann, wenn sie Speer und Schwert ablegen. Eine Bedeutung als Kriegswaffe hat sie wohl nach Entwickelung des Dolches zum Schwerte nicht mehr, sie kommt jetzt nur bei Pr�geleien in Anwendung, kann aber, von kr�ftiger Faust gef�hrt, den [352] Tod des Gegners verursachen, zum mindesten aber, was recht h�ufig vorkommt, ein Zerschmettern der Knochen zur Folge haben. Diese Keulen sind etwa 1/2 m lang und ihr Kopf hat einen Durchmesser von mindestens 6 cm.Selten sieht man die Krieger auch mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, stets jedoch f�hren die �lteren Masai diese. Sie verwenden sie zur Verteidigung des eigenen Kraals und gegen Raubtiere. Die Pfeile sind vergiftet. Die etwa 11/ m langen Bogen sind leicht gekr�mmt und an den Schenkeln verj�ngt. Die Sehne ist aus Rindersehnen hergestellt. Der Pfeil tragt eiserne Spitzen verschiedenster Form; die h�ufigste ist die lanzettf�rmige. Weiter finden wir solche, die mit Widerhaken versehen sind, oder andere, deren eiserner Schaft zahlreiche, durch Einkerbung entstandene kleine Widerhaken aufweist. Die Spitze wird in den h�lzernen Schaft eingelassen. Das untere Ende des Pfeiles ist zum auflegen auf die Bogensehne eingekerbt und mit einer dreifl�geligen Befiederung versehen, die aus den Federn des Aasgeiers hergestellt wird. Selten finden neben den Eisenspitzen auch dornartige Spitzen aus hartem Holz Verwendung. Das Gift ist das durch Auskochen von Rinde und Holz durch die Wandorobbo gewonnene Pflanzengift. �ber seine Herstellung spreche ich bei den Wandorobbo. Man tr�gt die Pfeile in einem Kocher, der aus Rindleder genaht und mit einem aufgest�lpten, gleichfalls gen�hten Lederdeckel geschlossen wird. Besondere Erw�hnung verdient noch, da� die Masai es verschm�ht haben, sich mit Feuerwaffen zu versehen, trotzdem sie in zahlreichen K�mpfen mit der Schutztruppe wiederholt Gelegenheit hierzu hatten. Als Schutzwaffe dient ihnen der Schild. Auch dieser hat im Laufe der Zeit eine ver�nderte Form erhalten. W�hrend in fr�heren Jahren die Masai nur kleine Rundschilde von etwa 30 cm Durchmesser f�hrten, die ich jetzt fieberhaft nicht mehr bei ihnen antraf, zeigt die heutige Form eine H�he von etwa 1--1,20 m und eine Breite von 500 cm. Sie bestehen meist aus der au�erordentlich dicken und widerstandsf�higen B�ffel - und Giraffenhaut und nur in Ermangelung dieser aus Rinderfell. Zur gr��eren Haltbarkeit ist der nach au�en umgebogene Rand mit einem Lederstreifen eingefasst. Der leicht gew�lbte Schild erh�lt Form und Halt durch eine kr�ftige h�lzerne L�ngsrisse. An dieser befindet sich in der Mitte auch der Griff. Er ist auf der Innenseite mit einem St�ck weichen Schaffells abgef�ttert, um so die Hand besser zu sch�tzen. Die Vorderseite tragt in recht geschmackvoller Anordnung das mehrfarbige Wappen, meist in den Farben schwarz, wei�, rot, zuweilen aber auch nur in den beiden Farben schwarz und wei�. Doch hiermit nicht genug, haben viele Schilde noch auf der Innenseite eine [353] Bemalung. Sehr selten kommt auch als vierte Farbe grau hinzu. Die Farben werden auf folgende Weise gewonnen: Schwarz aus der zerstampften Kohle von K�rbisschale, wei� aus einer wei�en Kalkerde, rot aus einer Mischung von Blut und Pflanzensaft, und grau endlich aus gepulverten verkohlten Rinderknochen.Die Bemalung, die aus Strichen, Dreiecken, Rhomben und Kreisausschnitten besteht, ist keine willk�rliche, sondern hat ihre bestimmte Bedeutung. Der in der Mitte des Schildes (Abb. 266) verlaufende gemalte schmale L�ngsstreifen dient nur zum Schmuck, richtet sich ganz nach dem Geschmack des Schildeigent�mers und hat weiter keine Bedeutung. Dagegen hat die auf der vom Beschauer aus linken Schildseite angebrachte Bemalung ihre Bedeutung, und zwar eine sehr wichtige: sie stellt das Kriegerzeichen dar. Es wird in roter Farbe aufgetragen und [353] findet sich auch zuweilen auf beiden Seiten des Schildes; dann zeigt die andere Schildh�lfte das Spiegelbild desselben. Meist jedoch, wie wir es hier auf unserer Abbildung sehen, tr�gt die andere Schildh�lfte eine schwarze bogenf�rmige Bemalung, die das Geschlechtswappen zeigt.Die beschnittenen J�nglinge legen wohl dieselbe Bewaffnung an wie die Masaikrieger, werden aber vorl�ufig noch nicht als vollwertige Streitgenossen betrachtet, sondern m�ssen sich diese Stellung erst durch einen erfolgreichen Kriegszug erk�mpfen. Als �u�eres Abzeichen daf�r, da� sie noch nicht in den Kriegerstand Aufnahme gefunden haben, f�hren sie auf ihren Schilden auch nur ganz einfache Bemalung schwarz und wei� und d�rfen erst nach bestandener Probe das rote Kriegerzeichen hinzuf�gen. Sehr erstaunt war ich, da� die Masai, die Kinder der so au�erordentlich wildreichen Jagdgefilde, keine J�ger sind. Dies hat seinen Hauptgrund darin, da� sie ein reines Hirtenvolk sind und als solches Wildfleisch verschm�hen. Die Folge hiervon wiederum ist, da� die Wildherden in N�he ihrer Kraale absolut nicht scheu sind. So kann man wiederholt das ungemein reizvolle Bild beobachten, da� friedlich neben, ja zuweilen sogar zwischen den Rinderherden der Masai gro�e Rudel von Zebras, Gnus, Grant - und Thomsongazellen �sen. Die verheirateten Masai haben nur Interesse daf�r, ihre Viehherden zu pflegen, und das [356] Sehnen und Trachten der Masaikrieger geht lediglich darauf hinaus, diesen Besitzstand durch r�uberische Ueberf�lle der Nachbarn zu mehren Ich werde an dieser Stelle eine ganz kurze Schilderung �ber den Verlauf eines Kriegszuges einflechten:Nur wenige Monate vertragen die Krieger das Nichtstun in ihren Kraalen, trotzdem die Zeit ausgef�llt wird durch zahlreiche Gelage und Tanzfeste, und auch die jungen M�dchen nach besten Kr�ften bem�ht sind, den Kriegern den Aufenthalt in ihrem Kraal so angenehm wie m�glich zu gestalten. Ja auch Besuche in der Nachbarschaft und aus der Nachbarschaft, die h�ufig stattfinden, k�nnen die Krieger die Reize eines Feldzuges nicht vergessen machen. Die angesehensten unter ihnen setzen sich mit dem Sprecher des Kriegerkraals, der eine f�hrende Rolle einnimmt und sich in erster Linie durch Intelligenz, dann aber auch durch Kriegst�chtigkeit auszeichnet in Verbindung und fordern von ihm, beim H�uptling die Genehmigung zu einem Kriegszuge zu erwirken. Inzwischen nehmen sie F�hlung mit benachbarten Kriegerkraalen und versichern sich der Teilnahme dieser. In l�ngeren Beratungen wird ein genauer Feldzugsplan entworfen. Nicht immer ist hier eine schnelle Einigung zu erzielen, vor allem dann nicht, wenn es sich um Bek�mpfung eines kriegst�chtigen Nachbarn handelt und der Ausgang des Zuges ein fraglicher ist. Sind sich jedoch die F�hrer einig, so werden die �brigen warnenden oder abratenden Stimmen bald zum Schweigen gebracht, im �u�ersten Falle dadurch, da� man sie "Feiglinge" schimpft, ein Wort, das kein Masaikrieger ertragen kann. Erst nach v�llig ausgearbeitetem Kriegsplan und wenn die Beteiligung aller Krieger sichergestellt ist, tr�gt der F�hrer dem H�uptling den Plan vor. Dieser erteilt nun seinen guten Rat und genaue Vorschriften �ber die Ausf�hrung des Kriegszuges. Das kann er mit gutem [356] Recht tun, denn seine Aufgabe ist es, sich dauernd �ber die umwohnenden V�lkerst�mme auf dem Laufenden zu halten. Nach l�ngerer gewandter Rede, die oft orakelhaft ist, besonders was den Ausgang des Kriegszuges anlangt, �berreicht er den F�hrern noch einige Kriegsamulette und entl��t sie dann mit seinen Segensw�nschen.In den Kriegerkraalen wird ihre Ankunft schon mit gro�er Spannung erwartet. Kaum haben sie von ihren F�hrern die zustimmende Antwort des H�uptlings erhalten, so legt jeder von ihnen ein Kriegsamulett an, bestehend aus mehreren Lederstreifen, die aus dem Schurz ihres Lieblingsm�dchens herausgeschnitten und von jener noch mit aufgen�hten Perlen verziert werden. Jeder, der dieses Amulett tr�gt, ist zur Beteiligung am Kriegszuge verpflichtet. Sollte er trotzdem aus Furcht zur�ckbleiben, so wird er nicht allein mit Verachtung gestraft sondern ist vogelfrei und jeder Krieger darf ihn niederschlagen. Jedoch der Aufbruch findet nicht sofort statt, vielmehr halten sie erst tagelange, ja bei besonders starken Gegnern wochenlange Feste ab. die fern der Kriegerkraale im Busch gefeiert werden, und zwar nur von den Kriegern ohne Beteiligung der jungen M�dchen, die im Kraal zur�ckbleiben. Gro�e Mengen Rindfleisch werden in dieser Zeit verzehrt, vermischt mit der Fleischbr�he genie�en sie au�erdem noch Verschiedene nervenerregende Mittel, die zum Teil so stark sind, da� sie regelrechte Tobsuchtsanf�lle zur Folge haben. Derartige Mittel sind die Rinde von Albizzia anthelmintica, Myrica kilimandscharica und die Wurzel von Acacia abyssinica (nach Merker). Zweck dieser nervenpeitschenden Mittel soll fraglos sein, den Tatendurst der Krieger zu erh�hen. Auch wird diese Vorbereitungszeit dazu benutzt, Waffen, Kriegsschmuck und Kleidung in Ordnung zu setzen. W�hrend der Zeit und auch w�hrend des Kriegszuges selbst beten die M�tter f�r ihre S�hne und die jungen M�dchen begleiten ihre T�nze mit Bittges�ngen F�r ihre Krieger. Nach Beendigung des Vorbereitungsfestes kehren die Krieger nur noch auf wenige Stunden in ihren Kraal zur�ck, um hier ihre Ausr�stung zu vervollst�ndigen und sich noch Verpflegung f�r den Marsch mitzunehmen. nie Angeh�rigen haben sich dort zum Abschied versammelt. Die V�ter tragen in der Rechten eine Kalebasse mit Honigbier, in der Linken eine mit Milch, die Frauen in der Rechten nur ein Milchgef��. Mit lauter Stimme flehen sie Gott um seinen Segen, versch�tten hierbei einen Teil aus den K�rbisflaschen und besprengen die Krieger. Es erfolgt jetzt der Aufbruch und nach dem ersten, nur 2 - 3 st�ndigen Kriegsmarsch lagern sie bei Sonnenuntergang in freier Steppe. Einige der mitgef�hlten linder werden geschlachtet und deren Fleisch am Feuer gerostet. Auch bestreichen sie jetzt die blanken Speere mit Erde oder [357] umwickeln sie mit Gras, damit ihr Blinken sie nicht verr�t. Schon w�hrend des Waldfestes haben sich die Krieger immer zu zweien zusammengetan mit dem gegenseitigen Gel�bde, einander in Not und Gefahr beizustehen und, falls einer von ihnen im Kampfe fallen sollte, seine Waffen zu retten. Gleich am ersten Marschtage gliedert sich die ganze Kriegerschar in Gruppen zu 10--20, die man etwa mit unsern Korporalschaften vergleichen kann. Jede Gruppe lagert, kocht und i�t zusammen und errichtet sich auch zur lacht ein durch Dornengestr�pp befestigtes kleines Lager. Am Abend vor dem liberal f�llt die Befestigung fort und sie lagern im Halbkreis derart, da� die Speere in die Erde gesteckt und gegen diese die Schilde gelehnt werden. Unter ihrem Schutze verbringen sie, angetan mit ihren Waffen, die Stunden bis zum �berfall. Unter der Kriegerschar befinden sich ein oder auch mehrere Aeltere, die in der Kunst der Wundheilung bewandert sind.Bald nach Einbruch der Dunkelheit werden Sp�her entsandt, um die Oertlichkeit, vor allem aber den Stand der Rinderherden genau zu erkunden. Kurz vor dem feindlichen Dorf verstecken sie ihre Waffen im Busch und ahmen Tracht und Kleidung der zu Ueberfallenden nach. Im [358] festen Glauben an die ihnen vom H�uptling mitgegebenen Amulette, die den Krieger angeblich unsichtbar machen, bewegen sie sich mit gro�er K�hnheit im feindlichen Dorfe. Haben sie alles gen�gend erforscht, so kehren sie schleunigst zu der Kriegerschar zur�ck, die nur ein bis zwei Stunden entfernt lagert, und bringen zum Beweise frischen Rindermist und auch den Rindern ausgerissene Schwanzhaare mit.Der Angriff erfolgt in f�nf verschiedenen Trupps. Bald nach Mitternacht brechen sie auf, jedem Trupp voraus gehen Patrouillen, die dicht am feindlichen Dorf in den hohen B�umen versteckt Umschau halten. Drei kleine Abteilungen, bestehend aus den schneidigsten und t�chtigsten Kriegern, setzen sich nun in den verschiedenen Richtungen auf das feindliche Dorf zu in Bewegung. Ihnen folgt ausgeschw�rmt das Gros der Krieger, an deren �u�ersten Fl�geln sich wiederum besonders t�chtige und zuverl�ssige Leute befinden. Der Trupp, der zuerst auf die Viehherden st��t, ruft die anderen durch weithin hallende, gellende Rufe herbei. W�hrend die vordersten Abteilungen mit dem Gegner noch im blutigen Handgemenge liegen, wird von den nachfolgenden Trupps das Vieh schnell fortgetrieben. Aufgabe einer vierten Abteilung ist es, den Weg hierf�r freizuhalten. Gefangene machen die Masai nicht. Alles was ihnen in den Weg kommt, wird niedergemetzelt, Weiber hingegen und Kinder werden geschont. Nur selten kommt es vor, da� sie auch Frauen mitf�hren, diese werden aber nicht u Sklaven gemacht, sondern von dem Betreffenden, der sie erbeutet hat, geheiratet. Mitten in freier Steppe wird jetzt ein mit Dornenumz�unung befestigtes Lager errichtet und in diesem das Vieh untergebracht. Einige Rinder werden sofort geschlachtet und verzehrt, denn noch ist die ganze Kriegsbeute Gemeingut. In Einm�rschen geht es nun noch vor Sonnenaufgang weiter. Bewundernswert ist ihre Ausdauer im Marschieren und ihre Geschicklichkeit, mit den Rindern fertig zu werden. Nur wenige Masai setzen sich an die Spitze der Herden, pfeifen in langgezogenen T�nen durch die Z�hne und die Tiere folgen ihnen wie die Hunde, auch dann, wenn es im beschleunigten Tempo durch das Land geht. Auf dem Marsch gegen den Feind sind Tagesleistungen von 70---80 km absolut nicht selten. Ebenso erstaunlich ist ihre F�higkeit, lange Zeit ohne Wasser auszukommen So f�hlen sie nie, im Gegensatz zu allen anderen Negerst�mmen, auf ihrem Marsche Wasserkalebassen mit. Man sieht es dieser schneidigen Schar an, da� sie nur f�r den Krieg trainiert ist und im Ertragen von Strapazen alle anderen weit �bertrifft. Zustatten kommt diesen Naturkindern allerdings auch. da� sie verwachsen sind mit dem Steppenlande und hier [359] jedes Fleckchen Erde genau kennen. Sie wissen, wo die Quelle - und sei sie noch so klein - rieselt, sie wissen, wo auch im trockenen Bachbett durch Nachgraben Wasser zu finden ist. ja sogar wo sich in alten, hohlen B�umen, vor allem den Affenbrotb�umen, Wasser angesammelt haben k�nnte, und wenn dies versagt, so kennen sie gen�gend wasserreiche Knollen und Wurzeln, deren Kauen gen�gt, ihren Durst zu l�schen.Ebensowenig wie Vorrat an Wasser f�hren sie Nahrungsmittel mit sich. Tagelang gen�gt ihnen als einzige Nahrung der wilde Honig. Sie finden ihn mit Hilfe eines Kuckucks, der durch sein Rufen die Bienenst�cke verr�t. Als Lohn �berl��t man ihm die ausgekauten Waben. Haben die Krieger mit ihrer Beute mehrere Tagem�rsche im beschleunigten Tempo zur�ckgelegt, so da� sie sich vor dem etwa nachdr�ngenden Feinde sicherf�hlen k�nnen, dann erfolgt seitens der F�hrer die Verteilung der Beute. S�mtliche K�mpfer erhalten die gleiche Anzahl von dem geraubten Vieh, nur denen, die sich besonders im Kampfe ausgezeichnet haben, sowie den vorangegangenen Kundschaftern werden noch besondere St�cke als Belohnung zugesprochen. Bei der Verteilung gibt es oft blutige K�pfe, da viele versuchen, ihren Kameraden einige St�cke fortzunehmen. In den Kraalen der Verheirateten Ist es inzwischen recht still geworden. Die Eltern, die in Sorge sind um das Leben ihrer S�hne, beten t�glich und bringen hierbei Trankopfer mit Milch dar. Auch in den Kriegerkraalen geht es naturgem�� ruhiger zu, jedoch nehmen die jungen M�dchen den Kriegszug nicht allzu tragisch. Das einzige ist, da� sie die [360] T�nze mit Bittges�ngen f�r ihre Liebsten und Freunde begleiten. W�hrend der Abwesenheit der Krieger versuchen die halberwachsenen Knaben in den Kriegerkraal einzubrechen und mit den jungen M�dchen anzub�ndeln, werden aber von diesen mit St�cken in die Flucht gejagt.Abb. 33 / 280. Masai-M�dchen (K�rperbau und Gestalt). Glaubt man, da� die R�ckkehr der Kriegerschar nahe bevorsteht, so wird flei�ig von erh�hten Punkten aus Umschau gehalten. Kaum sind in der Ferne die ersten Staubwolken sichtbar, so eilt alles, in erster Linie aber die jungen Frauen und jungen M�dchen, den Heimkehrenden [361] entgegen. Zuweilen beteiligen sich n�mlich auch noch die j�ngsten und kr�ftigsten der Verheirateten an diesen Z�gen. Es findet eine au�erordentlich herzliche Begr��ung statt. Gro�e Trauer herrscht bei den Eltern der im Felde Gefallenen, weniger gro� ist diese aber bei den jungen M�dchen, denn haben sie auch augenblicklich ihren Liebsten verloren. so tr�sten sie sich damit, da sie bald einen neuen finden.Abb. 34 / 281. Masai-M�dchen (K�rperbau und Gestalt). Abb. 35 / 282. Masai-M�dchen (K�rperbau und Gestalt). Die gesamte Beute wird gro�m�tig von den Kriegern verteilt. Den Hauptanteil erhalten die Eltern, 1--2 Milchk�he schenkt jeder seinem [362] Lieblingsm�dchen und den Rest den Verwandten, die ihm besonders nahe stehen. Ist die Beute nicht so gro�, alle zu bedenken, so wird dies beim n�chsten Kriegszuge nachgeholt, und die Angeh�rigen, die diesmal leer ausgehen, finden dann Ber�cksichtigung. Denn lange w�hrt die Friedenspause ja nicht, bald treibt ihr kriegerischer Sinn sie wieder hinaus zu neuen Taten.Selten nur werden die Masai angegriffen. Meist erfahren sie rechtzeitig von diesem Vorhaben, denn durch ihre Kundschafter bleiben sie st�ndig in F�hlung mit den umwohnenden St�mmen. Sie beobachten hierbei folgendes Verteidigungssystem: Kaum ist von den Kundschaftern die Meldung von einem bevorstehenden Angriff �berbracht, so werden in der wahrscheinlichen Anmarschrichtung kleine Vorposten von sechs bis acht Mann ausgestellt, die von �bersichtlichen erh�hten Punkten aus das Vorgel�nde beobachten. Au�erdem wird, um ein Durchsto�en des Feindes zu verhindern, ein flei�iger Patrouillengang aufrechterhalten. Naturgem�� richtet sich der Ansturm des Gegners auf die Rinderherden und hier erfolgt auch die Verteidigung. Die Hauptmacht der Masaikrieger h�lt sich in der N�he der Herden verborgen und wartet hier, bis der Angreifer sich des Viehs bem�chtigen will. Dann st�rzen sie vor, und aus dem sich nun entspinnenden erbitterten Handgemenge gehen sie fast immer als Sieger hervor. Eine andere Taktik besteht darin, da� sich ein Teil der Krieger mitten in der Rinderherde versteckt und die �brigen dem Feinde einen Hinterhalt legen. Auch hier kommt es erst zum Kampf, wenn die Angreifer sich bereits bei den Rindern befinden. Einfacher w�re es wohl. wenn die Masai ihrem Gegner, sobald sein Anmarsch gemeldet ist, entgegenziehen und ihn in offener Feldschlacht zur�ckwerfen w�rden. Jedoch sie verfolgen mit ihrer Kampfesweise einen bestimmten Zweck: Der Gegner, der sich bereits im Besitze der Rinder glaubt, wird, angestachelt durch seine Beutegier, zu l�ngerem Ausharren bewogen, und somit haben sie Gelegenheit, ihm erheblich gr��ere Verluste beizubringen als im offenen Felde, und ihm das Wiederkommen f�r immer oder doch f�r lange Zeit zu verleiden. Die Masai sind nicht nur schneidige Draufg�nger, die im pl�tzlichen n�chtlichen Ansturm den Feind �berrennen, sondern auch ganz verschlagene Burschen, die mit Kriegslist den Gegner zu t�uschen wissen und sich so den Angriff wesentlich erleichtern. Das beweisen die besonders in fr�heren Zeiten stattgehabten zahlreichen �berf�lle von Karawanen. Auch hier arbeiten sie erst mit Kundschaftern, deren Rolle zuweilen die Wandorobbo �bernehmen. Sie gesellen sich zu den Karawanenleuten und versuchen mit ihnen ein freundschaftliches Verh�ltnis anzukn�pfen. Im [363][364] Laufe der Unterhaltung erz�hlen sie ihnen so ganz nebenbei, da� weit und breit keine Masai zu sehen seien, einen �berfall habe man also garnicht zu bef�rchten. So marschieren sie oft tagelang mit der Karawane und lagern auch des Nachts bei den Tr�gern. Es dauert nicht lange, so sind die Fremdlinge in Sicherheit gewiegt und der geeignete Zeitpunkt zum Angriff ist gekommen. Einer der Kundschafter geht zur�ck und ruft die Krieger herbei, die dann im n�chtlichen �berfall die ahnungslos schlafende Karawane �berrumpeln.Wie schon aus der ganzen Kampfesweise hervorgeht, kennen sie keine Kriegserkl�rung. Offizielle Friedensschl�sse sind selten, kommen aber doch zuweilen vor. Wir m�ssen hier Friedensschl�sse unterscheiden, die nur zum Schein mit dem Gegner vollzogen werden, um ihn in Sicherheit zu wiegen, und ernstgemeinte. Letztere gehen sie aber nur dann ein, wenn der Feind besonders m�chtig ist, ihnen also unbequem werden kann, oder wenn er ganz in ihrer Nahe wohnt und sie auf freundnachbarlichen Verkehr mit ihm zwecks Austauschens von Vegetabilien angewiesen sind. Dementsprechend verschieden sind auch die Zeremonien beim Friedensschlu�. Im ersten Falle wird folgenderma�en verfahren: Die Masai schicken einige Alte, die zum Zeichen der friedlichen Absicht in der rechten Hand Grasb�schel tragen und ein mit Perlenketten geschm�cktes Schaf mit sich fuhren, zu dem feindlichen H�uptling. Dieser, hocherfreut, nunmehr mit den so gef�rchteten Gegnern in Frieden leben zu k�nnen, gibt ihnen einige Dorf�lteste mit. In N�he des Masaikraals wird nun im Beisein s�mtlicher Masaikrieger feierlich Blutsfreundschaft zwischen den .�ltesten beider Parteien geschlossen. Sie sitzen hierbei einander gegen�ber und machen sich gegenseitig einen Schnitt in den linken Unterarm. Das hervorquellende Blut wird mit einem St�ck ger�steten Fleisches abgewischt und verzehrt. Im zweiten Falle, also bei einem wirklich ernstgemeinten Friedensschlu�, besteht die Zeremonie darin, da� nach vorheriger Vereinbarung durch abgesandte �lteste ein Platz zwischen den Wohnst�tten der beiden Parteien bestimmt wird. Hier finden sich die Abgeordneten mit je einem Weib und deren S�ugling ein. Zuerst schlie�en die beiden Frauen Blutsfreundschaft, jedoch wird der Schnitt nicht auf dem Unterarm, sondern auf dem Bauche ausgef�hrt. Ist dies geschehen, so tauschen beide Weiber die S�uglinge aus und legen sie f�r kurze Zeit an ihre Brust. Dann nimmt jedes Weib wieder ihr Kind zur�ck und die feierliche Handlung eines ernstgemeinten Friedensschlusses ist beendet. Das was ich �ber Sch�delbildung, Gestalt und K�rperbau bei den M�nnern gesagt habe, gilt auch f�r die Weiber. Einen besonders typischen Masaisch�del zeigt uns das Weib auf Abbildung 278. [365]Nach Anschauung der Masai ist der K�rper eines Weibes sch�n, wenn er wohlproportioniert und schlank ist, dabei aber gutgerundete Formen zeigt. Soll eine Masaifrau als sch�n gelten, so darf sie in erster Linie nicht fett sein. Die Gliedma�en d�rfen nicht mehr Rundung besitzen [366] als n�tig ist, um den K�rper nicht eckig erscheinen zu lassen. au�erdem verlangen sie von einer Masaisch�nen ein ovales Gesicht, blendend wei�e Z�hne, dunkles Zahnfleisch, eine m�glichst helle Hautfarbe, starke H�ften, aber kein vorspringendes Ges��, und eine tiefe Nabelgrube. nie Lippen sollen nicht zu stark sein; als besonders sch�n gelten dunkle und schmale. Sehr kr�ftig entwickelte Muskulatur an Armen und Waden halten sie f�r unsch�n; man sagt von ihren Besitzern, da sie keine reinen Masai sondern Mischbluter oder Neger seien. Ein weiteres Sch�nheitsideal sind beim weiblichen Geschlecht zarte Knochen, kleine, schmale H�nde und F��e und wohlgeformte, stehende, halbkugelige Br�ste. Die jungen M�dchen bemalen h�ufig ihren Oberk�rper mit einer roten Pomade, um die Formen noch wirkungsvoller hervortreten zu lassen.T�towierung ist bei den Frauen �blich, jedoch nicht allgemein vorgeschrieben, und es handelt sich hierbei auch nur um Ziernarben. Da sie nicht mit einer �tzenden Fl�ssigkeit eingerieben werden, so treten sie nur wenig aus der Haut heraus und fallen dem fl�chtigen Beschauer nicht auf. Ein T�towieren der Arme habe ich nie beobachtet, dagegen h�ufiger kreis-, ornament- und lyraf�rmige T�towierung auf dem Bauch und eine kreisf�rmige Punktt�towierung um die Br�ste. Wie bei den Knaben so werden auch bei den M�dchen im fr�hesten Alter die beiden mittleren unteren Schneidez�hne mit einem Messer gelockert und dann mit der Hand entfernt. Beim Zahnwechsel wird dieser Vorgang wiederholt. Die Verunstaltung der Ohren, oder, wie die Masai es nennen, deren Versch�nerung, wird in genau derselben Weise erzielt wie bei den M�nnern. Auch bei den Masaim�dchen findet eine Beschneidung statt, jedoch macht man von ihr bei weitem nicht so viel Aufhebens wie von der Beschneidung der Knaben. Ein bestimmtes Alter f�r diesen Akt ist nicht vorgeschrieben, meist jedoch findet er zwischen dem 12. und 14. Lebensjahre statt. Die jungen M�dchen, die, wie wir sp�ter noch h�ren werden, im Kriegerkraal ein freies und ungebundenes Leben fuhren, verlassen diesen und begeben sich zu ihrer Mutter, sobald sie merken, da� sie sich zum Weibe entwickeln. Mehrere M�tter verabreden nun, die Beschneidung ihrer Tochter gemeinschaftlich vornehmen zu lassen. Findet demn�chst eine Knabenbeschneidung statt, so wartet man bis zu diesem Tage; jedoch wird die Handlung nicht auf demselben Platz gemeinschaftlich mit den Knaben vollzogen, sondern an einem entfernten Orte, h�ufig auch in der m�tterlichen H�tte. Die Operation wird von einer weisen Frau ausgef�hrt und besteht in einem einfachen Abtrennen der Klitoris mit einem kleinen, scharfen Messer; meist benutzt man hierzu das Rasiermesser. Am Tage vorher [367] wird dem jungen M�dchen noch das Kopfhaar abrasiert. An Stelle ihrer bisherigen Kleidung tritt ein langer, schmuckloser Lederschurz, auf dem die Betreffende bei der Beschneidung sitzt. Vorher hat die weise Frau noch mit kaltem Wasser den zu operierenden Teil unempfindlich gemacht. Blutstillende oder heilende Mittel finden keine Anwendung; die ja auch [368] nur unbedeutende Wunde wird mit Milch gewaschen. W�hrend des Heilungsprozesses verweilt das junge M�dchen in der Hatte seiner Mutter. Wie bei den Knaben, findet auch hier ein Beschneidungsfest statt. S�mtliche Weiber des Kraals werden von den V�tern der Beschnittenen mit Fleisch und Honigbier bewirtet.Die Haartracht der Masaiweiber ist die denkbar einfachste. Sie rasieren den Kopf sehr h�ufig, so da� ihr Haar selten langer wird wie einen Zentimeter. Zuweilen konnte ich bei jungen M�dchen auch eine Tonsur beobachten (siehe Abb. 279, links) und bei jungen Frauen, da� sie um das Haupt herum einer. etwa drei Finger breiten Streifen abrasieren. Als Rasiermesser dient ein gesch�rftes St�ckchen Eisenblech. Vor dem Rasieren fetten sie das Haar ein oder feuchten es auch nur mit Wasser an. Au�erordentlich reich ist der Schmuck der Masaiweiber, vor allem aber der jungen Frauen. Besonders auffallend sind gro�e, schwere eiserne Drahtspiralen, die um den Hals, um Arme und Beine getragen werden (Abb. 283 und 284). Diese werden von besonderen K�nstlerinnen um die betreffenden Stellen gelegt und nur w�hrend der Schwangerschaft abgenommen. Die Abbildungen 285, 286 und 28/ zeigen uns, in welcher Weise sie die Drahtspiralen anlegen. Es geh�rt wirklich eine ganz eigenartige Geschmacksrichtung dazu, sich mit diesem schweren Schmuck Tag und Nacht bis an das Lebensende herumzuschleppen. Die Enden der Hals-, Arm- und Beinspiralen werden meist noch mit einer Umwickelung von d�nnem Kupfer- oder Messingdraht geschm�ckt. Doch hiermit nicht genug, tragen sie um den Hals noch, wie die Abbildung 288 zeigt, zahlreiche Ringe und Ketten. Neben Ringen, die aus der wohlriechenden Wurzelrinde einer Liane gedreht sind, tragen sie solche aus Eisendraht, an denen vorn zuweilen d�nne Eisenkettchen h�ngen. Daneben Perlenketten aus erbsengro�en wei�en oder blauen, ferner aus kleinen bunten--meist wechselt rot und wei� hierbei ab--oder aus l�nglichen bohnengro�en Perlen, die teils wei�, teils mehrfarbig gemustert sind. Weniger von den jungen Frauen und M�dchen, dagegen recht h�ufig von den alten Weibern werden, wie es uns die Abbildung 289 zeigt, zahlreiche lange Perlenketten aus ringf�rmigen blauen und gr�nen Perlen getragen. Auch die bereits bei den Bakulia geschilderten, etwa drei Zentimeter breiten flachen Lederriemen, die mit bunten Perlen in geschmackvollen Mustern ben�ht sind, k�nnen wir als Halsschmuck beobachten. Meist haben diese Ringe in der Mitte noch einen etwa talergro�en Ansatz, der ganz dicht mit Perlen bestickt ist und auf die Brust herabh�ngt. Sehr reich ist der Ohrschmuck. In dem durchlochten oberen Ohrmuschelrand tragen sie B�ndel von 18 d�nnen, 10--12 cm langen Eisenkettchen. [369] Seiner Schwere wegen legen die Weiber auch diesen Schmuckh�ufig �ber den Kopf (Abb. 288, Mitte). In den durchl�cherten und erweiterten Ohrl�ppchen haben sie an einem d�nnen Lederriemen gro�e Doppelspiralen aus Messingdraht (Abb. 283 und 284). Die Ohren waren [370] nicht in der Lage diese Last zu tragen, sondern wurden, wie ich es in mehreren Fallen beobachten konnte, durchrei�en, wenn nicht zur Unterst�tzung und zur Entlastung der Ohrlappen �ber den Scheitel ein Lederriemen oder eine Schnur, zuweilen auch ein d�nnes Eisenkettchen siehe Abb. 290) gelegt w�rde. Zuweilen ziehen sie noch quer aber den Scheitel von Ohr zu Ohr Perlenketten aus roten und wei�en kleinen Perlen (Abb. 291).H�ftschmuck wird nicht angelegt. Um die Fu�gelenke tragen sie Ringe, meist aus Eisen-, zuweilen auch aus Messing- oder Kupferdraht. Eine besonders sch�ne und vornehme Masaifrau ist derartig mit Schmuck beladen, da� sie sich nur mit schwerf�lligem Gang vorw�rtsbewegen kann. An den Fingern sehen wir Ringe aus drei bis f�nf Windungen von Eisen- und Kupferdraht (Abb. 288, rechts). H�ufig endigen diese noch in Spiralen, die auf der Au�enseite des Fingers liegen. Die Zahl der Ringe richtet sich naturgem��, wie auch der ganze Schmuck, nach der Wohlhabenheit des Mannes. So sehen wir Frauen, die gar keine Ringe tragen, und wieder andere, die an allen Fingern, einschlie�lich der Daumen, mit Ringen geschm�ckt sind. Als besonderer Schmuck tritt noch bei Tanzfesten hinzu ein Bemalen der Gesichter mit roter oder wei�er Erde (Abb. 293). Die Kleidung der Weiber besteht durchweg aus Fellen. Stoffbekleidung, die wir wohl h�ufiger bei den M�nnern finden, hat bei den Frauen, wie wir es ja schon im Kapitel I bei den Wahima (Watussi) kennen gelernt haben, noch keinen Anklang gefunden. Sie legen zwei gro�e Fellsch�rzen an, �ber deren Herstellung ich bereits gesprochen habe. Meist bestehen sie aus zusammengen�hten Ziegenh�uten, zuweilen aber auch aus Rinderfellen. Die eine tragen sie um die H�fte derart, da� sie von einem Lederriemen, der h�ufig noch mit kleinen bunten Perlen ben�ht ist, festgehalten wird, oder auch ohne Riemen, indem sie das Fell fest anziehen und die Enden nach innen hineinstecken. Das zweite gr��ere Fell wird auf der rechten Schulter zusammengeknotet, um die H�ften oft noch mit einem Lederriemen zusammengehalten und l��t die linke Brust, Schulter und Arm frei (Abb. 283, rechts, 294 und 295). Zuweilen sind die Felle, in erster Linie aber das Unterkleid, sehr geschmackvoll am �u�eren Rande mit kleinen bunten Perlen --auch hier werden die roten und wei�en bevorzugt--in zwei - bis vierfacher Reihe umn�ht (siehe Abb. 2/9 und Tafel XVIII). Die jungen M�dchen sind nur mit einem gro�en Fell bekleidet, das besonders sorgf�ltig hergestellt, meist rot gef�rbt und stets am unteren Saume mit Perlenschn�ren eingefa�t ist. Locher im Fell werden durch eingesetzte kleine Fellst�ckchen geschlossen, die h�ufig noch mit einem [371] Perlkranz eingefa�t sind. Das Zubereiten und die Naharbeit ist Aufgabe der Weiber, die sorgf�ltigen Perlenstickereien werden aber in der Regel von den M�dchen ausgef�hrt.Auch die Kinder, vor allem aber die kleinen M�dchen, tragen schon reichen Schmuck, wie es uns die Abbildung 296 veranschaulicht. Ihre Kleidung entspricht derjenigen der Erwachsenen, d. h. die Knaben gehen [372] mit einem umgeh�ngten Stuck Fell oder Zeug bekleidet, wahrend die kleinen M�dchen bereits gro�e, sauber hergestellte und mit Perlen umn�hte Fellschurzen anlegen.Die Masai sind nur Hirten; Ackerbau ist ihnen v�llig fremd. Ihr ganzer Stolz sind die Rinderherden, sie zu mehren ist der Hauptzweck ihrer zahlreichen Kriegszuge. Wir sehen bei ihnen nur das Buckelrind, von diesem auch keine reinen Vertreter, sondern infolge ihrer vielen Raubz�ge eine starke Vermischung (Abb. 298). Die Euter sind ziemlich klein und der t�gliche Milchertrag �bersteigt kaum zwei Liter. Es wird zweimal gemolken, morgens und abends. Beim Melken ist, wie wir es ja schon fr�her kennen gelernt haben, stets das Kalb dabei; die Weiber stellen sich hierbei �ber dasselbe und halten den Kopf zwischen ihren Knien. Die Kuh leckt liebevoll das Kalb, glaubt, da� dieses sauge und steht infolgedessen ruhig. Man melkt nicht ganz aus, sondern la�t die K�lber [373] noch saugen. Wenn diese ganz jung sind, werden sogar nur zwei Strich ausgemolken.Einem so ausgesprochenen Hirtenvolk wie die Masai, sind nat�rlich auch die Regeln der Zuchtwahl bekannt. Bullenk�lber, die man nicht zur Zucht verwenden will, werden verschnitten und zwar geschieht dies schon im Alter von zwei Wochen. Ausgewachsene Bullen, die sich nicht so entwickelt haben, da� sie zur Zucht geeignet sind, werden noch nachtr�glich kastriert, indem man die Samenstr�nge mit einer Keule zerklopft. In gleicher Weise wird bei Eseln, Ziegen und Schafen verfahren. Bullen und Bocke mit unnat�rlichem Geschlechtstrieb werden geschlachtet. Weitere Haustiere sind Ziegen, Schafe und Esel. H�hner werden nicht gehalten. Von Ziegen gibt es zwei verschiedene Rassen: eine gr��ere und eine kleinere. Die erstere soll erst durch ihre Raubzuge in Unjamwesi eingef�hrt sein. Sie sind kurz geh�rnt, die Spitze der H�rner ist leicht nach hinten gebogen. Nur bei den B�cken sehen wir gr��ere und st�rkere H�rner. Die Schafe sind Fettschwanzschafe, von denen man gleichfalls nicht eine bestimmte Rasse vorfindet, sondern verschiedene Kreuzungen. Sie haben ein grobes, dichtes Haar und schlapp herabh�ngende Ohren. [374]Die Esel haben ein hellgraues Fell, kurze schwarzhaarige Mahne und als charakteristisches Merkmal I eine schwarze Binde, die aber Schulter und Racken l�uft. Sie sind au�erordentlich z�he und ausdauernd, werden von den Masai zwar nur als Lasttiere benutzt, sind aber, wie ich das an vielen Exemplaren dort drau�en feststellen konnte, sehr gut als Reittiere zu verwenden. Mit ihrem kr�ftigen, gedrungenen K�rperbau erinnern sie stark an das Zebra. Ebenso wie wir es bei den Waffen kennen gelernt haben, erhalten auch die Rinder Eigentumsmarken; sie bestehen aus Schnitten oder aus einem Brand. Kuhglocken in der bereits bei den Wageia geschilderten Form finden wir h�ufig, doch werden sie meist nur den Ochsen umgeh�ngt, seltener den K�hen. Die Rinder sowie das Kleinvieh werden von gr��eren Knaben unter Aufsicht �lterer M�nner geweidet. Erstaunlich ist es, wie diese Hirten mit dem Vieh umzugehen verstehen. Es gehorcht ihrem Pfiff und Zuruf, ja oft kann man beobachten, da� die Herden nur wenigen voraneilenden pfeifenden und rufenden Hirten folgen, selbst wenn es im sch�rfsten Tempo durch die Steppe geht.
Vor Tagesgrauen bereits wird die Wanderung angetreten. Noch in dunkler Nacht werden die K�he gemolken, dann setzen sich die Rinderherden in Bewegung, ihnen folgen die Ziegen und Schafe, und erst nach ihnen kommen die K�lber. Die jungen Tiere, die den Strapazen des Marsches ]376] noch nicht gewachsen sind, werden getragen. Ganz zum Schlu�folgen die Weiber und Kinder mit den Packtieren. Auch die Jugend beteiligt sich am Tragen, fast jedes Kind schleppt noch irgendein Hausger�t mit. Die einzelnen Trupps werden gesch�tzt durch seitlich marschierende Krieger. Die schon vorher ausgew�hlte neue Wohnst�tte liegt in der Regel nicht weiter als einen Tagemarsch entfernt. Gleich am Morgen nach dem Eintreffen wird der neue Kraal gebaut. Sie beginnen damit, einen Dornenverhau in Gro�e der anzulegenden Niederlassung herzustellen und in ihm das Vieh unterzubringen. Erst dann wird allm�hlich zum H�ttenbau geschritten. Stets liegen die Masaikraale in Nahe der Wasserpl�tze. Sie sind im Kreise angeordnet, so da� sich H�tte an H�tte mit nur geringen Zwischenr�umen reiht, die durch Dornenhecken geschlossen werden. Jeder Kraal enth�lt 20--50 H�tten; die Haupteing�nge, die etwa vier Meter breit sind und einander gegen�ber liegen, schlie�t man zur Nachtzeit mit einem starken Dornenverhau. Die H�tten werden, wie es von einem Nomadenvolk auch nicht anders zu erwarten ist, in fl�chtigem, schnellen Bau von den Weibern errichtet. Den ovalen Grundri� ziehen sie erst mit dem Fu� vor. Irgendwelche Hilfsmittel, um die Abmessungen der H�tte festzulegen, gebrauchen sie nicht, haben doch die Frauen schon von fr�hester Kindheit an der Mutter beim H�ttenbau oft geholfen. Alsdann stecken sie Stangen, [377] Aeste oder auch Schilf--je nach dem Baumaterial, das sie in Nahe des neuen Wohnplatzes finden--in kurzen Abst�nden in den Erdboden, verflechten sie durch Ruten, so da� ein gitterartiges Untergestell entsteht. und biegen sie in 11/o m Hohe zu einem flachen Dach zusammen.An geeigneten saftigen Weidepl�tzen fehlt es in der Masaisteppe ja nicht, ebensowenig an nat�rlichen Salzlecken, die dadurch entstehen, da� in einer Bodensenke das Regenwasser den salzhaltigen Boden auslaugt und nach Verdunstung eine kleine Salzkruste zur�ckla�t. Wie wir es ja auch schon bei den Wahima (Watussi) kennen gelernt haben, wandern die Masai mit ihrem Vieh, sobald der eine [375] Weideplatz abgegrast ist. Gro�e Schwierigkeiten verursacht das nicht, daswenige Hausger�t und das geringe sonstige Gep�ck ist bald auf die Esel verteilt; selten werden auch noch Ochsen und K�he als Lasttiere verwandt. Einen gro�en Teil tragen �brigens die Weiber selbst. Den d�rftig errichteten Kraal, dessen Herstellung wir weiter unten kennen lernen werden, lassen sie ohne Bedenken im Stich, denn in kurzer Zeit ist eine neue Wohnst�tte errichtet. Die Abmessungen einer derartigen H�tte betragen im Durchschnitt etwa vier Meter in der L�nge, drei Meter in der Breite. Als Bedachung dienten fr�her, ehe die Rinderpest Tausende dahingerafft hat, nur deren Felle. Jetzt wird die H�tte erst mit langhalmigem Gras leicht eingedeckt und alsdann etwa zolldick mit frischem Rindermist bestrichen. Nur schadhafte Stellen bedeckt man zum Schutze gegen das eindringende Regenwasser nachtr�glich mit Rinderh�uten. Die Schlafst�tte f�r Mann und Weib besteht aus einem Polster von trockenem Gras. Auf dieses werden zwei enthaarte Rinderh�ute gebreitet. In einer Ecke der H�tte befindet sich ein Stall f�r junge K�lber, doch kommt es auch vor, da� sie noch besondere kleine St�lle anbauen. Die Feuerstelle befindet sich neben dem Eingang; dieser wird zur Nachtzeit mit einem Dornenverhau geschlossen. [378] Das Hausger�t ist, wie bei jedem Nomadenvolk, recht einfach und beschr�nkt sich auf das Notwendigste. In jeder H�tte befinden sich etwa zwei bis drei Kocht�pfe aus Ton und mehrere gro�e und kleine K�rbiskalebassen, die zur Aufnahme der Milch, zum Buttern und f�r das Honigbier bestimmt sind. Wir sehen alle m�glichen Gr��en und Formen, am h�ufigsten hohe und schlanke. Meist legt man um die Kalebassen auch einige schmale, mit Kaurimuscheln verzierte Lederstreifen, um ihre Haltbarkeit zu erh�hen. Die Milchgef��e werden t�glich zur Reinigung mit Rinderurin ausgesp�lt und des �fteren noch ausger�uchert. Die K�rbispflanzen, aus denen die Kalebassen gewonnen werden, sind das einzige Gew�chs, das die Masai bei ihren Kraalen anbauen.Zum Aufbewahren des Honigs benutzen sie ein selbst angefertigtes Gef��, das aus einem ausgeh�hlten Holzstamme von etwa 20 cm Durchmesser besteht und oben und unten mit einem Deckel aus Rinderhaut geschlossen wird. Zum Transport von Lebensmitteln dienen gro�e und kleine Lederbeutel. Die h�lzernen E�n�pfe verschiedener Form und Gr��e, die sie gebrauchen, sind nicht von ihnen gefertigt, sondern von den umwohnenden Ackerbauern eingetauscht. Dasselbe gilt auch von den niedrigen, vierbeinigen runden Holzschemeln. Einige Messer, mehrere Kochl�ffel und Holzkellen zum Umr�hren und eine kleine Axt vervollst�ndigen die Ausr�stung der H�tte. Das Hauptnahrungsmittel der Masai sind Milch, Fleisch und Blut, seltener Vegetabilien, die sie von den umwohnenden Ackerbauern einhandeln. Die Milch wird nicht gekocht, sie trinken sie in frischem oder in saurem Zustande, und zwar nicht allein Kuh-, sondern auch Schafmilch. Blut genie�en sie frisch oder geronnen; sehr beliebt ist auch eine Mischung von Milch und Blut. Letzteres wird den lebenden Rindern abgezapft und zwar in folgender Weise: Man bindet dem Tier einen Riemen um den Hals, so da� sich vor dem Riemen das zum Herzen zur�ckstr�mende Blut in der gro�en Vene staut. Der Riemen darf aber nicht zu fest angezogen werden, damit die Atmung nicht beeintr�chtigt wird. Dann schie�t ein Mann aus unmittelbarer N�he einen Pfeil mit kolbenf�rmig dicker Spitze, in der ein kleines St�ckchen scharfes Eisenblech steckt, in die geschwollene Vene. Das Blut spritzt in kr�ftigem Strahl heraus und wird in einer K�rbisflasche aufgefangen. Durch einfaches L�sen des Riemens bringt man die Blutung zum Stehen. Von einem starken Stier erhalten sie auf diese Weise jedesmal ungef�hr 4--5 Liter Blut, bei einer Kuh die H�lfte; die Operation kann, ohne dem Tier zu schaden, alle Monate wiederholt werden. Das Fleisch kochen sie und W�rzen es h�ufig mit den bereits bei den Vorbereitungsfesten zum Kriegszuge erw�hnten Zus�tzen, oder sie stecken das Fleisch auf einen Stock und rosten es am offenen Feuer. [379] Butter gewinnen sie in der bekannten Weise durch Sch�tteln der abgesch�pften Sahne in einer gro�en Kalebasse. Sie wird jedoch, ganz wie bei den Wahima, nicht genossen, sondern dient als Tauschartikel, zum Herstellen der roten Tonpomade und zum Geschmeidigmachen der [380] Felle. Von dem geschlachteten Tier lassen sie das Fett aus und verwenden es zuweilen als Zutat f�r die anderen Speisen, noch h�ufiger aber genie�en sie es im reinen Zustande. Sehr �ngstlich achten die Masai darauf, da niemals Milch und Fleisch in enge Ber�hrung kommen, weil nach ihrer Ansicht die Kuh dadurch erkranken und keine Milch mehr geben wurde. So darf nie ein Topf, in dem Fleisch gekocht wird, f�r die Milch verwandt werden oder umgekehrt. Aus gleichem Grunde nehmen sie an dem Tage einer Fleischmahlzeit keine Milch zu sich. Auch am Tage nach dem Genu� von Fleisch trinken sie nicht unmittelbar die Milch, sondern erst vorher noch einen Schluck Blut. Sehr ungern verkaufen sie Milch, in der Besorgnis, da� gegen ihre Speisegesetze versto�en werden k�nnte. So leidenschaftliche Fleischesser die Masai auch sind--in erster Linie genie�en sie Rindfleisch, daneben aber auch Ziegen- und Schaffleisch--so verschm�hen sie g�nzlich Wild, V�gel und Fische. Die Honiggewinnung ist Aufgabe der �lteren Masai, die mit ihren gro�en Ledertaschen in die Steppe ziehen und die Stocke der wilden Bienen ausnehmen. H�ufig wird der Honig auch von den Wandorobbo eingehandelt. Sie genie�en ihn roh und unvermischt, au�erdem bereiten sie aus ihm nach Zusatz von Wasser ein Bier, das einen 3 - 5 t�gigen G�rungsproze� durchmacht und stark berauschend ist, so da� die Masaitrinkgelage meist mit v�lliger Bezechtheit, sowohl der M�nner wie der Weiber, enden. Daneben trinken sie auch aus Bananen oder H�lsenfr�chten hergestellte Biere, die sie jedoch nicht selbst zubereiten, sondern von den umwohnenden Ackerbauern kaufen. An Vegetabilien genie�en sie gekochte Su�kartoffeln (Bataten), unreife gekochte Bananen, Mais, Bohnen, Eleusine und Sorghum, die s�mtlich eingehandelt werden. W�chentlich etwa einmal treffen in den Masaikraalen mit Vegetabilien beladene �ltere Frauen und M�nner ein, die oft tageweit hierher marschieren m�ssen. Es beginnt nun ein stundenlanges, mit viel Geschrei verbundenes Feilschen, bis jede Hausfrau das von ihr Begehrte gegen Butter, Fleisch oder Felle eingetauscht hat. W�hrend die Verheirateten sehr oft vegetabilische Kost zu sich nehmen, wird sie von den Kriegern v�llig verschm�ht. Diese genie�en nur Milch als Hauptnahrung, daneben Fleisch. Ein weiteres Genu�mittel, das aber gleichfalls nur von den Verheirateten genommen wird, ist der von den Ackerbauern eingehandelte Tabak. Die M�nner rauchen, schnupfen und kauen ihn, die Frauen rauchen zwar nicht, doch kauen und schnupfen sie. Die 'Tabakspfeife besteht aus dem t�nernen Kopf und dem Holzrohr. Letzteres stellen sie sich selbst her, die K�pfe kaufen sie von den Ackerbauern. Der Kautabak ist der gleiche wie der Rauchtabak. Der Schnupftabak wird aus [380] dem Rauchtabak gewonnen, indem man ihn erst fein schneidet und dann mit einem Stein zerreibt. H�ufig setzt man auch noch etwas gepulverte Rinde und Salz hinzu. Den fertigen I abak f�llen sie in B�chsen, die meist aus Holz-, Schilf- oder Bambusst�cken bestehen und mit eingebrannten Mustern verziert sind. nie Enden werden mit je einem Lederdeckel, der oft noch durch bunte Perlenstickerei verziert ist, geschlossen. Man tr�gt diese Tabaksdosen an einem eisernen Kettchen, einem Draht oder Lederband um den Hals. Auch aus Rinder- und Schafhorn, seltener aus Nashorn verfertigen sie derartige Tabaksdosen. Als Wertmesser gilt bei den Masai naturgem�� in erster Linie das Vieh. In neuerer Zeit sind durch die Handlerkarawanen bereits Tauschartikel, wie Messing- und Kupferdraht, Glasperlen, sowie Baumwollstoffe und bunte T�cher, eingef�hrt; unter sich handeln die Masai aber auch heute noch nur mit Vieh. So zahlt man f�r einen fetten Schlachtochsen eine weibliche Ferse, f�r einen Esel f�nf Ziegen, und f�r eine gro�e Ziege [382] oder ein Schaf erh�lt man ein etwa zwei Monate altes Kalb. Ein eiserner Speer kostet zwei Ziegen oder einen Ochsen, eine gro�e Viehglocke oder eine kleine Axt kauft man f�r eine Ziege. Ich will hier noch einiges �ber die Eisengewinnung und seine Verarbeitung anf�gen, soweit sie sich von der Art, die ich im Handwerkerkapitel schildere, unterscheidet. Bemerkenswert ist die abweichende Form des Blasebalges, der aus zwei l�nglichen, vorn spitz zulaufenden S�cken aus Ziegen- oder Schaffell besteht. Der vordere Teil dieser enth�lt eine etwa 20 cm lange Holz- oder Eisenrohre, zuweilen auch eine ausgeh�hlte Astgabel, und an diese endlich schlei�t sich die t�nerne D�se. Der hintere Teil jedes Sackes zeigt einen Schlitz, der durch zwei kleine Holzleisten eingefa�t wird. Die Bedienung der Blaseb�lge erfolgt mit der Hand durch einen �lteren Mann oder ein Weib derart, da� sie abwechselnd die beiden Schlitze �ffnen und schlie�en. Noch eine zweite Art Blasebalg ist bei den Masaischmieden gebr�uchlich, sie besteht aus einer h�lzernen Schussel, die unten ein Luftrohr hat, das gleichfalls in eine t�nerne D�se m�ndet. �ber diese Sch�ssel ist luftdicht ein Fell gebunden, das zur Erzeugung des Luftzuges auf - und niederbewegt wird. Die Eisengewinnung erfolgt hier nicht in einem Hochofen, sondern im offenen Feuer. Wie bereits bei Schilderung der Krieger erw�hnt, verheiraten die Masai sich erst, wenn sie aus dem Kriegerstande austreten, also etwa mit 230 Jahren. Sie verloben sich jedoch bereits im Alter von etwa 20 Jahren mit einem 10 - 12 j�hrigen M�dchen. Hat der Br�utigam das Jawort der Braut, so begibt sein Vater sich zu deren Mutter und wirbt im Namen seines Sohnes. Ist diese und auch der Vater einverstanden, so wird dem M�dchen, zum Zeichen da� sie verlobt ist, der Kopf mit Fett eingerieben. Der gute Ton bei den Masai verlangt es, da� das Brautpaar w�hrend der ganzen Verlobungszeit nicht in Ber�hrung kommt. Der Br�utigam lebt als Krieger in einem Kriegerkraal, die Braut mit ihren Gespielinnen in einem anderen. Wird sie, was naturgem�� sehr h�ufig vorkommt, w�hrend der Verlobungszeit schwanger, so gilt das als ein Versto� gegen die guten Sitten und f�hrt meist zur Aufhebung der Verlobung. Vor der Heirat ist der Rest des Heiratsgutes, von dem bereits ein Teil bei der Verlobung ausgezahlt ist, zu entrichten. Es besteht in der Regel aus drei K�hen, einem Ochsen, einigen Ziegen und Schafen und f�nf T�pfen Honig. Der Ochse, die Ziegen und die Schafe dienen zum Hochzeitsschmaus, ebenso der gelieferte Honig, aus dem Bier gebraut wird. [383] Fr�her betrug das Heiratsgut erheblich mehr - etwa 10 K�he und ist erst, nachdem die Rinderpest die Herden der Masai stark vermindert hat, so gering geworden. Es kommt jetzt auch vor, da� arme Masai nur eine Kuh zahlen. Besondere Sch�nheiten sowie T�chter von einflu�reichen Leuten stehen etwas h�her im Preise. F�r kinderlose Witwen und ebenso f�r kinderlose geschiedene Frauen zahlt man denselben Preis wie f�r junge M�dchen. F�r die n�chster) Frauen ist das Heiratsgut in gleicher H�he zu entrichten wie f�r die zuerst geheiratete Hauptfrau. Verl��t eine Frau ihren Mann und kehrt zu ihren Eltern zur�ck, so haben diese, falls sie ihre Tochter wieder aufnehmen, (las Heiratsgut zur�ckzuzahlen. Nicht gestattet ist eine Ehe zwischen Blutsverwandten, ebensowenig darf der Mann die Schwestern seines Weibes heiraten. Die Zahl der Frauen richtet sich lediglich nach dem Verm�gen des Mannes, in der Regel hat der Masai vier bis sechs. Die Hochzeitsfeier besteht, wie allgemein �blich, in einem Schmaus, verbunden mit Trinkgelage und Tanz. H�ufig w�hrt sie mehrere Tage, am ersten wird ein Rind geschlachtet, am n�chsten Ziegen oder Schafe. Bei dem Festessen selbst sitzen alle Anwesenden in einem gro�en Kreis beisammen; auf der einen Seite der Br�utigam mit den M�nnern, auf der anderen die Braut mit den Weibern und Kindern der Anverwandten. [384] Nach dem Fest zieht sich das junge Ehepaar in die neuerbaute H�tte zur�ck. Es ist �blich, da� der Mann einem oder auch zweien seiner alten Kampfgenossen das jus primae noctis gew�hrt. Er darf dieses nicht, wenn es gefordert wird, verweigern und kann sich dem h�chstens dadurch entziehen, da� er seine Hochzeit ganz im Stillen begeht. Kaum hat das junge Paar sein Heim betreten, so wird von der Mutter des Mannes ein kleines Kind dorthin gebracht und in den Scho� des Weibes gesetzt, die ihm etwas Milch zu trinken gibt. Durch diese Handlung glaubt man einen g�nstigen Einflu� auf die Fruchtbarkeit der Frau auszu�ben. F�hlt das Weib sich schwanger, so trennen sich die Ehegatten. W�hrend der ganzen Schwangerschaft und auch sp�ter bis nach beendeter S�ugezeit, also bis das Kind etwa ein Jahr alt ist, darf die Frau weder mit dem Ehemann noch mit irgendeinem anderen Manne geschlechtlichen Verkehr �ben. Auch mu� sie in dieser Zeit ihren Schmuck ablegen, um nicht andere M�nner in Versuchung zu f�hren. Kurz vor der Geburt darf der Ehemann nicht mehr auf Reisen gehen oder in den Krieg ziehen, sondern hat sich in Nahe des Kraals oder in diesem aufzuhalten; das Betreten der H�tte seines Weibes ist ihm jedoch verboten. Die Geburt findet im Beisein von Weibern der Verwandtschaft mit Unterst�tzung einer weisen Frau statt. Man sieht die Geburt von Knaben lieber als die von M�dchen. Besonders gro�e Freude herrscht, wenn die Frau Zwillinge zur Welt bringt. Die Weiber des Kraals feiern die Geburt durch Gesang und Tanz, der gl�ckliche Vater hat zu diesem Fest einen Ochsen und Honigbier zu liefern. H�ufig wahren diese Feste mehrere Tage. [384] Mi�gestaltete und besonders schw�chliche Kinder werden gleich nach der Geburt get�tet. Sobald es der Zustand der Mutter wieder erlaubt, kann sie die H�tte verlassen, die der Vater erst nach 10 Tagen betreten darf. Hat er mit einer anderen Frau geschlechtlich verkehrt, so ist es ihm untersagt, am n�chsten Tage den S�ugling anzur�hren, denn dieser wurde krank werden. Wahrend es nicht selten vorkommt, da� der Ehemann seine Frau pr�gelt, wird das Kind mit gro�er Liebe und Sorgfalt aufgezogen. Schlage sind au�erordentlich selten. werden, wenn sie erforderlich sind, auch nicht von dem Vater, sondern nur on der Mutter verabfolgt, und zwar in der Regel mit der flachen Hand oder mit dem Lederg�rtel auf den entsprechenden K�rperteil. Die ehelichen Verh�ltnisse der Masai sind recht locker. Au�er seinen Ehefrauen h�lt er sich meist noch einige Nebenfrauen. Diese rekrutieren sich aus Witwen, die sich nicht wieder verheiraten d�rfen oder k�nnen und den Beruf einer Nebenfrau als gute Versorgung betrachten. Es ist n�mlich den Witwen, welche S�hne haben, nicht gestattet wieder zu heiraten. Jede Frau hat ihre eigene H�tte und bewohnt diese mit ihren Kindern. Die zuerst geheiratete ist die Hauptfrau; ihre Aufgabe ist es, die anderen zu beaufsichtigen und zur Arbeit anzuhalten. Ebensowenig wie der Mann die eheliche Treue h�lt, erwartet er es von seinem Weibe. Nicht selten ist es, da� die Masai ihre Weiber austauschen. Einen Beweis daf�r, wie wenig dem Masai der Begriff ,,eheliche Treue" bekannt ist, hatte ich in Leitokitok. Hier trafen t�glich in unserm Lager zahlreiche Masaifrauen ein, angeblich um an unsere Soldaten und Tr�ger Milch zu verkaufen. Doch war das Mitbringen einer Kalebasse Milch nur ein Scheinman�ver und h�tte ihnen auch nur wenige Heller oder Perlen eingebracht. Der Umstand, da� sie nach mehrst�ndigem Aufenthalt mit reichen Perlengeschenken, oft auch noch mit Stoffen beladen das Lager verlie�en, war ein Beweis daf�r, da� sie aus einem [386] anderen Grunde das Lager aufgesucht hatten; sicherlich mit Wissen ihrer Ehegatten, wenn nicht gar auf deren Gehei�. Charakteristisch f�r die sittliche Anschauung der Masai ist noch, da� widernat�rliche Unzucht und Abtreibung allgemein �blich sind und da� auch die Notzucht nicht bestraft wird. Sodomie mit Eseln wird besonders von den �lteren Knaben getrieben, die mit den jungen M�dchen noch nicht in geschlechtlichen Verkehr treten d�rfen. Das Tier wird hierbei von vier Knaben gehalten. Eine eigenartige Auffassung hat der Masai von der Gastfreundschaft, die wohl bei keinem anderen Volke in so ausgedehntem Ma�e gehandhabt wird wie hier. Die Masai gehen, um sich die Zeit bis zum n�chsten Kriegszuge zu vertreiben, sehr h�ufig auf Reisen. Kommen sie in einen befreundten Kraal, so sehen sie sich erst pr�fend um, gehen dann auf eine H�tte zu und stecken vor dem Eingang ihren Speer in den Boden. Hiermit geh�rt sie ihnen mit lebendem und totem Inventar, der Wirt schl�ft in dieser Nacht in einer anderen H�tte. Genau umgekehrt ist es, wenn ein Weib zu Besuch kommt. [387] Im Kraal der Verheirateten herrscht meist gro�er Stumpfsinn. Das bi�chen Arbeit verrichten die Weiber, der Mann geht h�chstens zuweilen hinaus, sich um die Rinder zu k�mmern. Gegen 1 Uhr mittags nehmen sie die Hauptmahlzeit; M�nner und Weiber essen getrennt. Nach dem Essen schlafen sie etwa eine Stunde und dann versammeln sie sich in [388] der Regel zu einem Brettspiel. Nur bei Festen oder auch in hellen Mondscheinn�chten wird gesungen und getanzt. M�nner und Weiber tanzen in getrennten Gruppen. Sehr gern gesehen ist der Besuch von Kriegern, die stets etwas Abwechslung in das einf�rmige Familienleben bringen. Verlassen wir jetzt den langweiligen Kraal der Verheirateten und begeben uns in den interessanteren Kriegerkraal. In jedem Distrikt finden wir meist nur einen, der s�mtliche Krieger beherbergt. Er unterscheidet sich �u�erlich durch nichts von den �brigen. Bewohnt wird er meist von 50--100 Kriegern, der fast doppelten Zahl junger M�dchen und einigen M�ttern. Aufgabe der letzteren ist es, die h�uslichen Arbeiten zu verrichten und die K�he zu melken. Durch die M�dchen finden sie hierbei nur wenig Unterst�tzung, denn diese sind in erster Linie zur Unterhaltung der Krieger da. Auch die Anlage des Kriegerkraals ist Aufgabe der M�tter. Jeder Krieger hat sein Lieblingsm�dchen. Solange er zu Hause ist, wohnt sie bei ihm, k�mmert sich um sein Vieh und fertigt ihm Schmucksachen an. Auch soll sie ihm w�hrend dieser Zeit die Treue halten. Verl��t er aber auch nur auf einen Tag den Kraal, so fallt letztere Verpflichtung fort. Den H�uptling von Leitokitok, mit dem ich mich �ber diese eigenartigen Zust�nde unterhielt, fragte ich: ,,Warum heiraten denn [388] die Krieger nicht die M�dchen, das w�re doch viel Vern�nftiger, als hier in freier Liebe mit ihnen zusammenzuleben ?" Auf meine Frage gab mir der Mann eine sehr verst�ndige Antwort: ,,Die Krieger ziehen F�r uns ins Feld, lassen sich F�r uns erschlagen und versorgen uns mit Vieh; von ihrer T�chtigkeit h�ngt der Wohlstand des ganzen Stammes ab. Wir wollen aber, da� sie leichten Herzens in den Kampf ziehen und nicht durch Sorge um Weib und Kind an der Aus�bung ihres Berufes gehindert werden." Zur Friedenszeit verlebt der Krieger nur Feiertage. Irgendwelche Arbeit oder eine Besch�ftigung, die au�erhalb des Kriegshandwerkes steht, ist unter seiner Wurde. Das Leben im Kraal spielt sich etwa in folgender Weise ab: Kurz vor Sonnenaufgang beginnen die M�tter mit dem Melken des Viehs, wobei sie zuweilen von den jungen M�dchen unterst�tzt werden. Alsdann treiben die Knaben das Vieh auf die Weide. Erst zwischen / und 8 Uhr erheben sich die Krieger von ihrem Lager und nehmen die erste Mahlzeit, bestehend aus frischer Milch, zu sich. Die Weiber fegen den Kraal und verrichten sonstige Hausarbeiten. Etwa um 1 Uhr mittags findet die Hauptmahlzeit statt, die meist aus Fleisch besteht. Am Nachmittage ziehen die Krieger mit ihren M�dchen unter einen gro�en, schattigen Baum und unterhalten sich hier mit Tanz und Gesang. [390] Der gebr�uchlichste Tanz ist folgender: Die M�dchen gehen mit kurzen, stampfenden Schritten in einer Reihe nebeneinander auf die gleichfalls in einer Reihe stehenden Krieger zu. Sie knicken hierbei taktm��ig in den Knien ein und bewegen Oberk�rper und Arme ruckartig nach dem Takt der Musik. In der Regel endet der Tanz damit, da die jungen M�dchen, deren Liebhaber augenblicklich abwesend sind, sich in kurzen Hochsprangen auf einen Krieger zubewegen. Dieses Hochh�pfen soll eine Aufforderung sein zu einem Zusammentreffen noch am selben Abend. Springt er gleichfalls in die Hohe, so hei�t das soviel als: ,,Ich werde kommen." Kurz vor Sonnenuntergang kehren alle in den Kraal zur�ck. Bald ist auch das Vieh zur Stelle und wird zum zweiten Male gemolken. Dann nehmen sie die Abendmahlzeit ein, die wiederum nur aus frischer Milch [391] besteht. Nach dem Essen wird bis gegen 10 Uhr abends getanzt, es sei denn, da� besondere Feste oder auch schone mondhelle Nachte die Jugend noch langer zusammenhalten. Nach dem Tanz ziehen sich die Krieger mit ihren M�dchen in die H�tten zur�ck. Aufgabe der �lteren Knaben ist es, bei dem Vieh zu wachen. Tiefe Stille liegt �ber dem Kraal, nur zeitweise unterbrochen durch das klagende Geheul einer Hy�ne, das Bellen eines Schakals oder durch L�wengebr�ll. Nicht selten ereignet es sich, da� ein L�we mit m�chtigem Satze �ber die Dorneneinz�unung springt, um sich ein Rind zu holen. Dann St�rzen auf das Geschrei der Wache die Krieger mit ihren Speeren heraus und stechen den R�uber nieder. Oft mu� einer oder der andere Krieger dieses mutige Vorgehen mit dem Tode b��en, jedoch fast immer wird dem L�wen das Rind wieder abgejagt. Zuweilen befolgt der hungrige L�we eine andere Taktik: Ohne zu br�llen schleicht er auf leisen Sohlen um den Kraal. Das Vieh wittert ihn, jagt hin und her, ja bricht auch zuweilen in seiner Todesangst durch die Dornenumz�unung hindurch und eilt in die Steppe. Das hat der L�we nur bezweckt, denn hier ist es ihm ein Leichtes, sich seine Beute zu holen. In den meisten Fallen jedoch wird die Wache durch das unruhige Hinund Herrennen der Rinder beizeiten aufmerksam gemacht, schlagt L�rm, und die mit Speeren bewaffneten M�nner eilen hinaus und verjagen den R�uber. Von verschiedenen Seiten ist es angezweifelt worden, da� die Masai pers�nlichen Mut besitzen, weil sie ihre Kriegszuge stets in n�chtlichem �berfall ausf�hren. Nach meiner �berzeugung ist dies nur ein Zeichen von Klugheit, denn warum sollten sie so t�richt sein, einem vorher gewarnten und vorbereiteten Gegner am hellen Tage in offener Feldschlacht gegen�berzutreten? Die Art und Weise, wie sie selbst zur Nachtzeit, nur mit ihren Speeren bewaffnet, dem von allen Negern so gef�rchteten K�nig der Tiere zu Leibe gehen, durfte ein Beweis daf�r sein, da� sie hohen pers�nlichen Mut besitzen. Wie ich bereits kurz erw�hnte, hat die Rinderpest gro�e Verheerungen unter dem Masaivieh verursacht. Hierdurch sind viele Familien g�nzlich verarmt und mu�ten eines elenden Hungertodes sterben, andere retteten sich zu den umwohnenden Ackerbauern, ergriffen gleichfalls diesen Beruf und vermischten sich mit ihnen. Die Abbildungen 303, 304 und 305 zeigen uns derartige Mischlinge, die am Fu�e des Meruberges wohnen. Wieder andere verarmte Masai haben sich den Wandorobbo angeschlossen und sind, wie diese, J�ger geworden. Die Wandorobbo, �ber die ich jetzt noch einiges sagen werde, geh�ren zu derselben Rasse wie die Masai, zum Teil sind es ia auch, wie wir soeben geh�rt haben, verarmte Angeh�rige dieses Hirtenvolkes. [392] Abb. 58 / 306. Ndorobbo-Mann(K�rperbau und Gestalt). Abb. 59 / 307. Ndorobbo-Mann(K�rperbau und Gestalt). Nur der Not gehorchend haben sie zu Pfeil und Bogen gegriffen und sind zu gewandten und listigen J�gern geworden. Da� sie viel lieber, wie ihre h�herstehenden Vettern, Hirten w�ren, geht daraus hervor, da� sie keine Gelegenheit vor�bergehen lassen, sich Vieh zu erwerben. Man kann einem Ndorobbo kein wertvolleres Geschenk geben, als eine Kuh. Stellt man ihm diese in Aussicht, so ist er, wie mein t�chtiger F�hrtensucher, Tag und Nacht zu den anstrengendsten Dienstleistungen bereit. [393] Das scheue, verborgen in der weiten Steppe, nur von und mit dem Wilde lebende Volk hat sich fast v�llig von fremdem Einflu� und fremder Kultur frei gehalten. B�r Kopfbildung, Gestalt, T�towierung und Haartracht brauche ich nichts Besonderes anzuf�hren; ich verweise auf das �ber die Masai Gesagte. Die sehnige, schlanke Gestalt eines Ndorobbo, der sich als besonders t�chtiger Pfadfinder sowie als gewandter und unerschrockener J�ger erwies, zeigen uns die Abbildungen 306, 307 und [391] 308. Ihm verdanke ich es, da� ich nach langen, vergeblichen Bem�hungen endlich auf L�wen zu Schu� kam. Abb. 60 / 308. Ndorobbo-Mann(K�rperbau und Gestalt). Abb. 61 / 309. Ndorobbo-J�ngling (K�rperbau, Gestalt und Ohrschmuck). Auch die Beschneidung findet in derselben Weise und im gleichen Lebensalter statt wie bei den Masai. Die Abbildungen 309 und 310 zeigen uns einen Ndorobboj�ngling, der kurz vor der Beschneidung steht. Er tragt einen eigenartigen Ohrschmuck, der aus der Frucht eines Steppenstrauches hergestellt ist. �ber den Schmuck der M�nner ist ebenfalls nichts Neues zu sagen, er ist nur bei weitem nicht so reich wie bei den Masai. Dies liegt einmal an ihrer Armut und ferner daran, da� auffallender, blitzender Zierrat sie bei Aus�bung ihres J�gerhandwerks st�ren w�rde. Aus dem gleichen Grunde tragen sie keine Ringe an den Fingern. Die Kleidung besteht durchweg aus Fellen. Selten handeln sie von den Masai Umh�nge aus Kalbfell ein, meist stellen sie sich solche aus Antilopenh�uten selbst her. Besonders bevorzugt wird wegen seines glatten Haares und seiner sch�nen Farbe das Fell der Schwarzfersenantilope. W�hrend altere M�nner meist noch ein langes Unterkleid tragen. sind die j�ngeren stets nur mit dem kurzen Fellumhang bekleidet, den wir auf Abbildung 311 sehen. Sie verschm�hen jedes weitere Gewand, weil sie dadurch bei Aus�bung der Jagd gehindert wurden. Als Fu�bekleidung finden wir gleichfalls die Sandale (Abb. 312, rechts). Ihre Hauptwaffen sind Bogen und Pfeil, die sie meisterhaft zu handhaben verstehen. Erstere sind etwa 11/2 m lang, an den Enden leicht geschweift und haben eine Sehne aus Tiersehnen. Sie besitzen eine au�erordentlich starke Federkraft und tragen infolgedessen weit, F�r den Nichtge�bten sind sie aber recht schwer zu sannen. So gelang es mir nicht bei wiederholten Versuchen, zur Freude der Wandorobbo, den Bogen voll zu spannen, d. h. bei ausgestrecktem linken Arm die Sehne mit der rechten Hand bis fast an das Ohr zur�ckzuf�hren. Die Pfeile sind dreifl�gelig, haben einen Einschnitt zum Aufsetzen auf die Bogensehne und tragen vorn eine stark vergiftete eiserne Spitze, die meist lanzettf�rmig ist. Nur in Ausnahmefallen verfertigen sich die Wandorobbo diese Pfeilspitzen selbst, meist werden sie von den Masaischmieden oder auch bei umwohnenden St�mmen eingehandelt. Zuweilen verwenden sie als Pfeilspitzen einen geh�rteten Holzdorn, der nat�rlich gleichfalls vergiftet ist. Ferner sah ich bei ihnen h�lzerne Wurfspeere, die allerdings nicht allgemein �blich sind. Sie tragen vorn eine lose eingesetzte vergiftete Eisenspitze. Die Handhabung dieses Wurfspeeres ist derart, da� die Leute sich an die schlafenden Tiere bis auf kurze Entfernung heranpirschen und dann die Waffe auf das Tier schleudern. Hierbei fallt der Schaft zu Boden und nur die vergiftete Spitze bleibt im K�rper stecken.[395] Es d�rfte von Interesse sein, hier etwas �ber Pfeilgifte zu H�ren. Nachstehende Ausf�hrung verdanke ich der Liebensw�rdigkeit des Herrn Dr. M. Krause, der sich bereits seit acht Jahren mit Untersuchung der Pfeilgifte besch�ftigt und wohl mit Recht als Autorit�t auf diesem Gebiete gilt: Abb. 62 / 310. Ndorobbo-J�nling(K�rperbau und Gestalt). ,,Die Volker des �stlichen Afrikas benutzen haupts�chlich die Gifte von Acocanthera, eine Apocynacee, die von der Somalik�ste bis zur Nord [396] grenze Natals verbreitet ist und die nach den neuesten Zusammenstellungen, wie aus der Flora of tropical Africa zu ersehen ist, haupts�chlich in 3 Arten vorkommt: abyssinica, venenata und spectabilis. Die t�dliche Dosis des isolierten Giftes ist au�erordentlich gering und schwankt bei den einzelnen Giften der Volker Afrikas zwischen /l00 und 7/100 Milligramm pro Kilo Meerschwein. Dr. Krause, der Wandorobbopfeile von der Expedition des Regierungsrats Busse untersuchte, konnte feststellen, da� diese Pfeile auch haupts�chlich die Glycoside von Acocanthera venenata enthielten. Die Pfeilgifte der Volker Ostafrikas sind haupts�chlich Herzgifte und nur aus Pflanzen hergestellt. W�hrend z. B. in Togo auch Schlangengifte Verwendung finden, werden in S�dwestafrika, au�er verschiedenen Pflanzengiften, solche aus K�ferlarven (Diamphidia locusta) benutzt. Seine Untersuchungen ergaben, da� 20 Jahre alte Gifte noch dieselbe t�dliche Dosis enthielten wie frisch aus frika angekommene, im Gegensatz zu der oft aufgestellten Behauptung, da� sie mit der Zeit an Wirksamkeit verlieren. Eine Zerst�rung des Giftes konnte nur durch Schimmelpilze stattfinden, wenn der Belag sehr feucht geworden ist. Er kann aber auch von Anfang an nur eine geringe Wirkung gehabt haben, wenn n�mlich die Eingeborenen beim Abkochen der Pflanzen diese zu hoch erhitzen, da Einmal das Erw�rmen in saurer L�sung oder Erhitzen auf 104� C. resp. Fermentation zerst�rend wirkt." Die Zubereitung des Giftes ist Aufgabe der M�nner. Sie entfernen sich mehrere tausend Meter von ihrem Lager und sammeln hier Aste und Wurzeln der Acocanthera abyssinica, spalten diese in daumendicke St�cke und sch�tten sie in einen halb mit Wasser gef�llten Topf. Hier werden sie mehrere Stunden lang gekocht. Glaubt man das Holz gen�gend ausgelaugt zu haben, so nimmt man es heraus und verdickt durch weiteres Einkochen die Fl�ssigkeit zu einem z�hen Brei, der schwarz ist und wie Pech aussieht. Bei der T�tigkeit des Giftkochens darf kein weibliches Wesen zugegen sein. ja nicht einmal in die Nahe kommen, denn sofort w�rde nach Auffassung der Wandorobbo das Gift seine t�dliche Wirkung verlieren. Dies tritt sogar dann schon ein, wenn die Frau w�hrend der Giftbereitung mit einem anderen Manne geschlechtlich verkehrt. Ist das Gift gekocht, so tut man es in einen h�lzernen Topf oder in einen Lederbeutel und h�ngt es zusammen mit dem Kocher, in dem sich die bereits vergifteten Pfeile befinden, auf einen Baum in der Nahe des Lagers. Bei Regenwetter jedoch bringen sie es in die Hatte eines alten Weibes, das aber so alt sein mu�, da� sie f�r geschlechtlichen Verkehr nicht mehr in Frage kommt. Der zum Giftkochen benutzte Topf wird kr�ftig aufgescheuert und kann dann wieder als Kochtopf f�r die [397] Bereitung der Speisen benutzt werden. Die Pfeilspitzen sowohl als auch ihr eiserner Schaft werden mittels eines kleinen Holzspatels mit dem Gift bestrichen. Die ziemlich dick aufgetragene Schicht wird durch Umwicklung mit einem d�nnen Fellstreifen gesch�tzt. Wie bereits von Herrn Dr. Krause kurz erw�hnt, ist die Wirkung dieses Giftes eine au�erordentlich starke und erheblich schnellere wie beim Schlangengift; sie besteht in einer Aufhebung der Herzt�tigkeit. Bei mittelgro�en Antilopen tritt der Tod bereits nach mehreren Minuten ein, bei Elefanten kommt es allerdings vor, da� die J�ger tageweit folgen m�ssen, bis das riesige Tier dem Gift erlegen ist. Wie au�erordentlich stark die Wirkung ist, davon noch folgendes Beispiel: Ich traf am Mara einen Trupp Wandorobbo, die ersten die ich sah. Sie waren soeben im Begriff auf Jagd zu gehen. Ich winkte sie heran und betrachtete ihre Waffen. Als ich den Kocher �ffnete und einen Pfeil herausnehmen wollte, hielt mir einer der J�ger den Arm fest und sagte mir, ich d�rfte die Pfeile nicht vorn an der Spitze ber�hren, weil die geringste Hautwunde gen�gen w�rde, um eine Vergiftung herbeizuf�hren. [398] Noch eine weitere Waffe findet zuweilen bei ihnen Anwendung: es ist ein Sto�- oder Wurfspeer, den sie sich in einfacher Weise derart herstellen, da� sie ihr scharfes Schwert an einen langen Stock binden. Sie sto�en es dem schlafenden Wild in die Seite, lassen es dann stecken, und das fl�chtig werdende Tier sto�t mit dem Schaft gegen B�ume und Str�ucher und rei�t sich die Wunde immer gr��er. Die Spitzen der Pfeile sowohl wie der Speere tragen eingefeilte Eigentumsmarken, so da� man beim Auffinden eines geschossenen Wildes ohne weiteres den J�ger feststellen kann. Auf die Jagd gehen sowohl die �lteren wie die j�ngeren Wandorobbo, jedoch erfolgt hier eine praktische Teilung. Das anstrengende Pirschen in der weiten, freien Steppe ist Aufgabe der j�ngeren, wahrend die �lteren sich an den Wasserstellen auf Anstand setzen. Da zur Abgabe eines guten Schusses mit dem Bogen der J�ger sich auf drei�ig bis vierzig Schritt dem Wilde n�hern mu�, so geh�rt zur Pirsche in offener Steppe sehr viel Ausdauer und Gewandtheit. Besonders sorgf�ltig mu� der Ndorobbo auf den Wind achten, da von seinem K�rper, der niemals mit Wasser in Ber�hrung kommt, ein sehr kr�ftiger Duft ausgeht. Des weiteren mu� er mit gro�er Vorsicht pirschen, damit die scharf �ugenden Antilopen ihn nicht erblicken. Hebt sich doch seine schwarzbraune Haut sehr scharf von der strohgelben Steppe ab und fehlt ihm doch g�nzlich die M�glichkeit, sich dem Gel�nde anzupassen, wie sie dem Europ�er der Khakianzug gibt. Zuweilen jagen die Wandorobbo mit Unterst�tzung von Hunden, die den F�hrten folgen, bis der J�ger das Wild erblickt. Dann legt er seinen Fellumhang ab, um sich besser heranschleichen zu Konen, und der Hund bleibt bei dem Kleidungsst�ck zur�ck. Ist das Wild getroffen, so treten die Hunde zum zweitenmal in T�tigkeit. Ihre Aufgabe ist es, die Schwei�f�hrte aufzunehmen. Au�erdem warnen sie den J�ger vor den im Grase versteckt liegenden Raubtieren. Die �lteren Wandorobbo, die sich nicht mehr kr�ftig genug F�hlen, im freien Pirschgang das Wild zu erlegen, bauen sich an den Tranken aus Asten und Gras eine Deckung und setzen sich hier an. Kaum haben die durstigen Tiere mit gierigen Z�gen begonnen das erquickende Na� zu schl�rfen, so schnellt auch schon der Giftpfeil von der Sehne. Das getroffene Wild eilt davon, meist mit ihm das ganze Rudel, doch kommt es auch vor, da� die anderen Tiere, die noch nichts von der Anwesenheit des Sch�tzen bemerkt haben und das Fl�chten des angeschossenen nicht weiter beachten, ruhig an der Tr�nke verharren und so dem verborgenen J�ger Gelegenheit geben, noch ein oder zwei weitere St�cke anzuschie�en. Die Verfolgung der Schwei�f�hrten nimmt er nicht selbst auf, sondern. �berl��t sie j�ngeren Kr�ften, h�ufig sogar den Knaben. [399] Jedoch die Hunde sind nicht unbedingt n�tig, um selbst im schwierigen Gel�nde die Fahrten zu verfolgen, denn der Ndorobbo, der von fr�hester Jugend an weiter nichts getan hat, als zu jagen, besitzt selbst einen ganz hervorragenden Sp�rsinn und ein selten scharfes Auge. Hierf�r hatte ich einen deutlichen Beweis: Es war bei Mundorossi. Noch vor Sonnenaufgang ging ich mit meinem Ndorobbof�hrer in Richtung auf ein L�wengebr�ll im beschleunigten Tempo zu. Bald waren wir an der Stelle, wo nach Ansicht meines F�hrers der L�we vor etwa einer halben Stunde gebr�llt hatte. Es war am Rande des Bolloledi. Jedoch w eit und breit war nichts zu sehen, auch konnte ich nicht die geringste Spur auf dem harten Erdboden, der nur mit einer kurzen Grasnarbe bedeckt war, bemerken. Mein F�hrer lief in geb�ckter Haltung wie ein Sp�rhund hin und her; es dauerte nicht lange, so stutzte er und kniete auf dem Boden. Auf meine Frage, was er denn entdeckt habe, antwortete er lakonisch: ,,L�we." Ich legte mich nun gleichfalls auf den Erdboden, doch war es mir, trotzdem ich doch schon verschiedene L�wenf�hrten gesehen hatte, absolut nicht m�glich, auch nur das geringste zu entdecken, bis mir mein F�hrer aus wenigen kleinen umgebogenen Crashalmen den Abdruck einer starken L�wentatze herauskonstruierte. Jetzt war es auch mir deutlich ersichtlich. Wir nahmen die F�hrte auf, verloren sie noch einige Male, fanden sie aber, dank des Scharfsinns meines F�hrers, immer wieder, und eine Stunde sp�ter lag der L�we. Die dritte Art der Jagdaus�bung (wir haben sie schon bei einigen bereits geschilderten V�lkern kennen gelernt) ist die Treibjagd; Knaben und junge M�nner ziehen in die Steppe hinaus und jagen den in d�nner Sch�tzenlinie gedeckt liegenden M�nnern das Wild zu. Anerkennen mu� man bei ihnen, im Gegensatz zu anderen, nicht berufsm��igen J�gern, da� sie den Tieren keine Schlingen legen und auch keine Gruben und Fallen verwenden. Dies ist aber nicht auf eine edlere Regung zur Schonung des Wildes zur�ckzuf�hren, sondern beruht lediglich auf der praktischen Erw�gung, da� die in Fallen, Schlingen und Gruben gefangenen Tiere, noch ehe der J�ger an Ort und Stelle ist, dem Raubzeug zum Opfer fallen. Sehr bedauerlicherweise sind die Wandorobbo keine weidgerechten J�ger. Ohne Bedenken bringen sie, nur geleitet von dem Gedanken, m�glichst schnell und m�glichst viel Fleisch zu gewinnen, Muttertiere und K�lber zur Strecke. Mit der Vertilgung von Raubzeug befassen sie sich nicht. Sein Fleisch genie�en sie ja doch nicht, warum sollen sie also hiermit unn�tz Zeit verlieren ? Die so au�erordentlich zahlreichen Wildherden der Masaisteppe ern�hren sowohl den zweibeinigen wie den vierbeinigen J�ger. Nicht nur List und Gewandtheit sowie z�he Ausdauer bei weiten Pirschg�ngen zeichnen diese Berufsj�ger aus, sondern auch ein pers�nlicher Schneid, der uns wieder ihre nahe Verwandtschaft mit den Masai deutlich zeigt. So gehen sie, ohne zu zaudern, selbst zur Nachtzeit dem L�wen, der das Fleisch gewittert hat und beutegierig ihr Lager umkreist, nur mit dem Speer in der Faust zu Leibe. An das Flu�pferd, ia sogar an das Nashorn schleichen sie sich heran und sto�en ihm den Speer in die Flanke. Die Wildarten, auf die die Wandorobbo jagen, sind: Elefanten, Nashorn, Flu�pferd, Zebra, Schweine, s�mtliche Antilopen -- von der riesigen Giraffe bis zur zierlichen Zwergantilope--, Hasen, Klippschliefer und Strau�e; letztere weniger ihres Fleisches als der Federn wegen, die sie an die Masai verkaufen.
�ber Gestalt, Haartracht, Schmuck und Kleidung der Wandorobboweiber ist gleichfalls nichts Neues zu berichten; ich verweise wieder auf die Schilderung der Masaifrauen. Zu bemerken w�re nur, was ja auch [401]die Abbildungen 315 und 316 veranschaulichen, da� der Schmuck armer ist. Nie werden wir bei den Wandorobbo so aufgeputzte und begehrte Dorfsch�nheiten finden wie in den Masaikraalen. Auch bei den Wandorobbom�dchen findet in gleicher Weise und im gleichen Alter wie bei den Masai eine Beschneidung statt. Haben wir schon bei dem Hirtenvolk der Masai mit R�cksicht auf ihr Nomadenleben eine recht fl�chtige Dorfanlage und einen d�rftigen H�ttenbau kennen gelernt, so finden wir eine noch einfachere Bauart in den Kraalen der Wandorobbo, denn noch h�ufiger wie die Masai wechseln sie ihre Wohnpl�tze. St�ndig ziehen sie mit den Wildherden, die ihnen sowohl Nahrung wie Kleidung liefern, in der Steppe umher. Durch diese Lebensart bedingt ist auch die Notwendigkeit, in kleineren Gemeinden zusammenzuleben . Eine eigentliche Kraalanlage kennen sie nicht, sie bauen ihre k�mmerlichen H�tten meist in dichtes Geb�sch hinein. Die zu ihrem Lager [402] f�hrenden Pfade und Wildwechsel werden durch Dornengestr�pp geschlossen. Man kann in unmittelbarer N�he eines Wandorobbokraals vorbeimarschieren, ohne etwas von dessen Anwesenheit zu bemerken, es sei denn, wie ich es erlebte, da� das Bl�ken der Schafe einem die Stelle verr�t. Selten wohnen mehr als drei Familien in einem derartigen Lager zusammen. Die Form der aus Zweigen und Gras hergestellten H�tten ist die gleiche wie bei den Masai (siehe Tafel XIX und Abb. 318). Die Zwischenr�ume werden, falls sie nicht durch Anlehnung an nat�rlichen Busch bereits geschlossen sind, durch Dornenverhaue ausgef�llt; zum Schutze gegen Regen bedeckt man das Dach mit Wildh�uten. K�nnen wir bei den Masai schon eine recht einfache Ausstattung der H�tte feststellen, so sehen wir bei den Wandorobbo eine noch gr��ere Beschr�nkung auf das notwendigste Hausger�t. Enthaarte Wildfelle, die, auf den Boden gelegt, die Lagerst�tte bilden und auch zum Zudecken benutzt werden, einige gr��ere und kleinere Kochtopfe aus Ton, mehrere Holzn�pfe, ein Honigtopf, zwei bis drei K�rbisflaschen f�r Trinkwasser und Honigbier, ein kleinerer lederner Beutel zum Einsammeln des Honigs, einige gr��ere Ledertaschen zum Fleischtransport, zum gleichen Zwecke mehrere starke und breite Lederriemen, gleichfalls aus Wildfellen geschnitten, ein aus den Rindenfasern des Affenbrotbaumes hergestellter Strick zum Heraufziehen und Herablassen der auf die B�ume geh�ngten Bienenk�rbe, eine kleine Axt und einige Messer ist alles, was wir im Innern einer Wandorobboh�tte vorfinden. Das Anfertigen der Kochtopfe ist Arbeit der Weiber. Die rohe einfache Form stellen sie mit der Hand ohne Drehscheibe her. au�erdem ist es ihre Aufgabe den Kraal zu bauen und die Felle herzurichten. Nachdem Fleisch- und Fetteilchen entfernt sind, werden sie mit zahlreichen Holzpfl�cken auf den Boden gespannt und so getrocknet. Die Felle, die zur Bekleidung der Weiber verwandt werden, enthaaren und walken sie in der bereits bei den Masai geschilderten Weise. Die Naharbeit wird gleichfalls wie bei den Masai mit Ahle und Tiersehne ausgef�hrt. Eine Wandorobbofamilie, mit Ausnahme der beschnittenen jungen M�dchen, die in besonderen H�tten zusammenwohnen, hat nur eine H�tte. Auch hier hat jeder Ndorobboj�ngling sein Lieblingsm�dchen. Wahrend die Masai keine Fr�haufsteher sind, sondern warten, bis die Sonne den Tau getrocknet hat, verlassen die Wandorobbo bereits vor Sonnenaufgang ihren Kraal, um beim ersten fahlen D�mmerschein sich am Wild zu befinden, da jetzt die Tiere noch eifrig �sen und ein Heranpirschen leichter machen als einige Stunden sp�ter, wo sie nicht so sorglos sind. Ihre einzige Wegzehrung besteht aus einem St�ckchen gekochten oder gerosteten Fleisch. Gehen die M�nner nicht auf Jagd, so hocken sie im Lager, rauchen und schwatzen oder sind mit Schnitzarbeit besch�ftigt. Denn ihre Aufgabe ist es, die Bienenk�rbe, Bogen und Pfeile herzustellen. Bald nach Tagesanbruch beginnt auch die T�tigkeit der Frauen und Kinder. Sie verlassen den Kraal und holen Brennholz und Wasser herbei, um das Essen zu bereiten; es besteht aus gekochtem Fleisch. Man bewahrt es nicht in den H�tten auf, sondern, damit es sich besser halt, h�ngt man es, in lange Streifen geschnitten, an einen hohen Baum in N�he des Kraals. Dies ist die Morgenmahlzeit; an sie reihen sich im Laufe des Tages noch verschiedene andere, vorausgesetzt da� genug Vorrat vorhanden ist, denn die Wandorobbo nehmen nicht, wie die anderen St�mme, ihre Nahrung zu bestimmten Tagesstunden zu sich, sondern essen solange der Vorrat reicht. Es ist ganz erstaunlich, wie riesige Mengen Fleisches die Leute vertilgen Konen. Ist doch auch schon von fr�hester Jugend an ihr Magen an Fleischgenu� gewohnt und bleibt dieses w�hrend ihres ganzen Lebens ihr Hauptnahrungsmittel. Meist wird das Fleisch gekocht gegessen, h�ufig auch gerostet, seltener roh. Auch die bei den Masai geschilderten nervenerregenden Zutaten zu dem Fleisch finden bei den Wandorobbo Anwendung, allerdings nicht in so ausgedehntem Ma�e wie dort. Wiederholt sah ich, wenn meine Leute das von mir erlegte Wild teilten, da� die Wandorobbo sich hierbei gleich einige Fleischst�cke abschnitten und sofort verzehrten. Ja ich konnte sogar beobachten, da� die Wandorobbo sich das Fleisch vom L�wen geschlagener und von ihm schon halb verzehrter Antilopen abschnitten. Daneben genie�en sie, allerdings nicht als Hauptnahrung, sondern nur um etwas Abwechselung in den K�chenzettel zu bringen, auch Vegetabilien, die sie gegen Fleisch und �Tierfelle von den umwohnenden Ackerbauern eingetauscht haben. M�nner, Frauen und Kinder essen gemeinsam, auch wird f�r die ganze Familie in einem Topfe gekocht. Ebenso nimmt der J�ngling mit seinem Lieblingsm�dchen zusammen die Mahlzeit ein, die ihm letztere zubereitet hat. Jedoch genie�t man das Essen nicht gleich aus dem Topf, in dem es gekocht ist, sondern sch�ttet es in kleine Holzschalen, von denen jeder eine besitzt. Weitere Genu�mittel sind Honig und Honigbier, das sie genau in derselben Weise zubereiten wie die Masai. Den jungen unverheirateten Wandorobbom�nnern ist es verboten, Honigbier zu trinken. Den Honig gewinnt man aus den auf B�umen geh�ngten Bienenk�rben. Sie zu beaufsichtigen und ihren Inhalt rechtzeitig zu entleeren, ist Aufgabe der �lteren M�nner. In gro�er Zahl und in weitem Umkreise kann man solche K�rbe sehen. Ihre Herstellung ist bei dem au�erordentlich d�rftigen Handwerkszeug der Wandorobbo recht m�hselig. Etwa meterlange und 30 cm dicke Holzstamme werden roh behauen, so da� sie sich nach dem Ende zu etwas konisch verj�ngen. Hierauf beginnt die Arbeit des Aush�hlens mittels Axt und Messers. Ist dies geschehen, so schneidet man zwei starke Holzscheiben zum Schlie�en der beiden Oeffnungen; jede erh�lt zwei Fluglocher. Um die Mitte dieser Holzrohre legt man eine Schlinge, an der mit dem schon vorher erw�hnten Bastseile der Bienenkorb an einem Hakenast aufgeh�ngt wird. Wie die Pfeil- und Speerspitzen, so erhalten auch die Bienenk�rbe Eigentumsmarken. Will man den Korb entleeren, so ist es erforderlich, die Bienen erst daraus zu vertreiben. nies geschieht durch ein stark qualmendes Feuer, das unten angelegt wird. Hierauf werden von einem Mann, der auf den Baum gestiegen ist, an dem Seile die Bienenk�rbe vorsichtig zur Erde herabgelassen. Beim Ausnehmen des Honigs bleibt etwa ein Viertel zur�ck, damit die Bienen wiederkommen. Leider verliert der Honig durch den R�ucherproze� sehr an Geschmack und hat meist eine dunkelbraune Farbe, auch findet man in ihm noch oft tote Bienen und Larven. Trotzdem war ich stets hocherfreut, von den Wandorobbo Honig einhandeln zu Konen; durch einmaliges Kochen und Filtrieren wurde er sehr wohl genie�bar. Zur Gewinnung des Honigs suchen sie ferner in der Steppe Bienenst�cke auf, die sich in hohlen B�umen befinden, und vertreiben die Bienen gleichfalls durch Ausrauchern. Auch Tabak, den sie nicht selbst bauen sondern einhandeln, dient als Genu�mittel, aber nur bei den Verheirateten. Die M�nner rauchen ihn aus rohgeformten Tonpfeifen, kauen ihn wohl auch und verwenden ihn ferner, zu Pulver zerrieben und mit etwas Steppensalz und Fett vermischt, als Schnupftabak. Die Frauen rauchen selten, kauen und schnupfen jedoch den Tabak gern. Haben die J�ger einmal, was allerdings sehr selten vorkommt, kein Gl�ck auf der Jagd gehabt, so begn�gen sie sich, ihr Leben mit Honig, wilden Frachten und Wurzeln zu fristen. Nach besonders reicher Jagdbeute gehen alte Wandorobbom�nner und -Weiber zu den umwohnenden Ackerbauern, um Vegetabilien einzuhandeln. Wildh�ute sowohl wie Fleisch und Steppensalz werden in gro�e Ledertaschen verpackt oder mit Hilfe der schon geschilderten starken Riemen zu Bandeln zusammengeschn�rt, und oft wandern sie tageweit bis zur N�chsten Ansiedelung. Hier gehen sie von Hatte zu Hatte und bieten ihre Waren an. Es beginnt, wie es der Neger gern tut, ein langes Feilschen, doch stets finden sie Abnehmer, denn Fleisch ist f�r die Ackerbauer eine seltene Delikatesse, und auch die Felle, ganz besonders aber das Salz Sch�tzen sie sehr. Lange handeln sie um das Wildbret, und es geht hierbei nie ohne Kostproben ab, denn der mi�trauische Neger pr�ft erst sehr sorgf�ltig, ob die Wandorobbo nicht den Versuch machen, ihm Fleisch von Raubtieren, das er nicht genie�t, zu verkaufen. Als Wertmesser treten au�er den soeben erw�hnten noch hinzu, die Z�hne der erlegten Elefanten und Flu�pferde sowie die H�rner des Nashorns. Erst in neuester Zeit ist den Wandorobbo deren hoher Wert durch H�ndler--in erster Linie Inder und Araber--bekannt geworden. Fr�her gaben sie das kostbare Elfenbein f�r einen Spottpreis an die Masai ab, wurden h�ufig sogar gezwungen, es ihnen als Tribut zu entrichten. Ueber die ehelichen Verh�ltnisse der Wandorobbo l��t sich dasselbe sagen wie bei den Masai, mit dem geringen Unterschied, da� die armen Wandorobbo nur eine Frau besitzen, seltener zwei und in ganz wenigen Ausnahmefallen deren drei. Auch hier ist der Grund, wie gesagt, nur Armut, nicht etwa eine andere Moral. Gleich nach der Beschneidung verlobt sich der J�ngling mit einem acht - bis zehnj�hrigen M�dchen, lebt aber von diesem getrennt und mit einem anderen M�dchen zusammen. In den Ehestand treten die Wandorobbo dann erst, wenn sie ihre Bl�tezeit hinter sich haben und sich gewisserma�en zur Ruhe setzen wollen. Das Heiratsgut, von dem ein geringer Teil bereits bei der Verlobung gezahlt wird, mu� kurz vor der Hochzeit ganz entrichtet werden. Es besteht in der Regel aus f�nf Topfen Honig, f�nf Bienenk�rben, einem halben Elefanten mit dazugeh�rigem Sto�zahn und der H�lfte einer gr��eren Antilope. Kinderlose Witwen kosten dasselbe, dagegen ist ein von ihrem Manne verjagtes Weib umsonst zu haben. Ist der Br�utigam zu arm, um das Heiratsgut aufbringen zu Konen, so hat er, wie wir es ja in �hnlicher Weise schon bei den Ackerbauern kennen gelernt haben, seinem Schwiegervater eine Reihe von Monaten als J�ger Dienste zu leisten. Wenn dieser zu hartn�ckig ist, so Da� es zu einer Einigung betreffs des Heiratsgutes nicht kommt, dann holt sich der Br�utigam einfach seine Braut heimlich, nat�rlich im Einverst�ndnis mit dieser. Wie die Masai tauschen die verheirateten Wandorobbo ihre Weiber aus, in der Regel nur f�r sechs bis zehn Monate. Das Hochzeitsfest findet in der �blichen Weise statt wie bei den Masai geschildert. Auch hier mu� der junge Ehemann einem oder zweien seiner Jagdgenossen das jus primae noctis gewahren. Wahrend der Schwangerschaft hat der Ehemann seine Frau gut zu behandeln und darf sie nicht schlagen. In dieser Zeit ist ihr der Genu� des Fleisches von gefallenem oder von einem Raubtier geschlagenem Wild verboten. Will sie Angeh�rige in einem benachbarten Kraal besuchen, so bestreicht sie vorher ihre Stirn mit wei�em Ton, um dadurch ihren Zustand kenntlich zu machen. W�hrend der letzten zwei Monate vor ihrer Entbindung darf sie nur noch in m��igen Portionen Fleisch genie�en. Die Geburt erfolgt in der bereits bei den Masai geschilderten Weise. Auch hier werden mi�gestaltet Kinder gleich nach der Geburt get�tet. Die jungen Wandorobbo fahren bei weitem nicht ein so beschauliches Dasein wie die Masaikrieger. Selten nur h�rt man in ihren Kraalen fr�hlichen Gesang, denn die von der anstrengenden T�tigkeit des Pirschganges m�den Leute begeben sich fr�hzeitig zur Ruhe. Nur an mondhellen Abenden versammelt sich die Jugend innerhalb des Kraals zu einem Tanz, wahrend die Alten, vor den Hatten sitzend, bei einer Flasche Honigbier ein Plauderst�ndchen verbringen. Der Tanz wird ganz �hnlich wie bei den Masai von Gesang begleitet, der durch schrille Triller unterbrochen ist, doch besteht er nur in einem Anheben der Fersen, die Tanzenden bleiben auf der Stelle und bewegen sich nicht aufeinander zu. Der Grund liegt wohl einfach darin, da� im engen Wandorobbokraal nicht Raum genug f�r andere Tanze vorhanden ist. Selten dehnen sich diese Feste l�nger als bis zehn Uhr aus, dann begeben sich die jungen M�nner mit ihren M�dchen in ihren benachbarten kleinen Kraal. Die Krankheiten, an denen die Wandorobbo leiden, sind neben Brust- und Leibschmerzen, die recht h�ufig sind, Durchfall, Verstopfung, Gonorrhoe, Lues, Windpocken, Elephantiasis und Fieber. Selten kommt es vor, da� sie ihre Toten im Kraal nahe der Hatte bestatten. Sie tun dies dann aus Piet�t, damit der Tote noch die Gespr�che seiner Angeh�rigen h�ren und den Duft ihrer Mahlzeiten genie�en kann. In der Regel jedoch werfen sie einfach die Leichen nur einige hundert Meter von dem Kraal entfernt in den Busch und �berlassen sie dort den Hy�nen. Nur ganz kurz habe ich das so eigenartige und interessante Volk der Wandorobbo hier skizzieren k�nnen, doch d�rfte diese Schilderung wohl zur Gen�ge bewiesen haben, da� sie enge Verwandte der Masai sind, sich andererseits aber infolge ihres so grundverschiedenen Berufes, ihrer Abgeschlossenheit in weiter, freier Wildsteppe und ihrer Scheu, mit anderen Stammen in Ber�hrung zu kommen, ihre Eigenart bewahrt haben. Wie die unz�hligen vielartigen Wildherden, die sich hier tummeln, wie der L�we, den ich nie so zahlreich wieder wie in diesen Gefilden angetroffen habe, so geh�ren auch die Wandorobbo, die Kinder der Steppe, dazu, das Gesamtbild der so au�erordentlich reizvollen Masaisteppe zu vervollst�ndigen. Keiner, der je dies Gebiet durchquert und das so eigenartige Naturvolk kennen gelernt hat, wird es je vergessen. |
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