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I.

Die semitische Einwanderung nach Afrika. - Von den �ltesten Einwanderern zeugen nur noch Spuren. - Sp�tere Einwanderer: Wahuma und Watussi, Tatoga, Masai, �gypter. - Die Masai als Semiten. - Die Juden sind somatisch keine Semiten.

Die Masai geh�ren zu der gro�en semitischen V�lkerfamilie, deren Urheimat die arabische Halbinsel, als die Kinderstube der Semiten, ist. Hungersnot, infolge von �berv�lkerung, mit der die Ertragsf�higkeit des armen Bodens nicht Schritt zu halten vermochte, war wohl die Ursache, welche die einzelnen semitischen V�lker nach und nach, im Laufe von Jahrtausenden, aus jenen alten Wohngebieten vertrieb und sie zwang, neue Weidegr�nde aufzusuchen. Der auf diese Weise aus dem Norden der arabischen Halbinsel herausgedr�ngte V�lkerstrom nahm im wesentlichen zwei Wege: ein Teil wanderte �ber die afrikanisch-asiatische Landbr�cke in den dunkeln Erdteil, der andere behielt die Nordrichtung bei und blieb in Asien.

Nach dem Bild, das die innerafrikanischen Semitenv�lker heute dem Forscher darbieten, kann man nicht annehmen, da� von den �ltesten Einwanderern noch bestehende Gemeinwesen oder auch nur unvermischte Individuen erhalten sind. Dagegen steht zu erwarten, da� man bei einer gr�ndlichen Durchforschung der ans�ssigen Negerv�lker um den �quator herum noch Spuren von ihnen finden wird. Solche Spuren d�rften bestehen im Vorhandensein einer gr��eren Anzahl von Individuen, in denen sich durch die Energie der Vererbung ein ausgesprochener semitischer Typus erhalten hat; ferner im Vorhandensein oder wohl [2] richtiger �berwiegen der den Semiten eigent�mlichen ethnograpbischen Grundz�ge und schlie�lich auch von Resten ihrer Sprache. Letztere setze ich hier absichtlich erst an dritte Stelle, da ihr bisher noch bei der Rassenbestimmung, auch von Mischrassen, zu viel Wert beigelegt wird und die Linguistik die Entscheidung, welcher Menschenrasse ein Volk zuzuz�hlen ist, noch viel zu oft f�r sich allein in Anspruch nimmt. Da� ein Volk seine Sprache wechselt, steht in der Geschichte durchaus nicht vereinzelt da. Man denke nur an die Westgoten in Spanien oder - was uns n�her liegt - an die Deutschen in Ungarn und in den Ostseeprovinzen, um sich klar zu werden, was wenige Jahrzehnte in dieser Beziehung zu leisten verm�gen. Was aber die V�lker heutzutage tropfenweise verabfolgen, wurde im Altertum, wo oft genug das ganze geistige Leben von den Priestern der Staatsreligion ausging, schneller und gr�ndlicher erreicht.

Doch kehren wir wieder nach dem Innern Afrikas zur�ck.

�ber die semitischen V�lker Ostafrikas fehlen uns vorderhand noch die n�tigen Grundlagen, um die Reihenfolge ihrer Einwanderung genau zu bestimmen.

Da sind z. B. die Wahinda und Wahuma, deren Einreihung in die semitischen Einwanderungen nach Afrika noch sehr unsicher ist. Die, welche sie als Semiten erkannt haben, halten sie f�r die �ltesten nachweisbaren Einwanderer. Ich mu� mich eines Urteils enthalten, da ich diese V�lker nicht pers�nlich kenne, und beschr�nke mich darauf, folgendes zur Erw�gung zu geben. Die somatischen Merkmale beider V�lkerschaften, die Energie in der Reinerhaltung ihres Blutes, ihre Herrscherstellung �ber niedriger stehende V�lker, das verstreute Wohnen der einzelnen Familien unter den Negern scheinen mir darauf hinzudeuten, da� sie nicht als die letzten �berreste eines in ihrer jetzigen Heimat oder nahe derselben untergegangenen Volkes aufgefa�t werden k�nnen. Wenn man annehmen darf, da� sie etwa als Handelsagenten der bereits ans�ssig gewordenen �ltesten �gypter den Nil aufw�rts ins Herz Afrikas vordrangen und sich hier festsetzten, so w�rde dies meines Erachtens nicht nur ihre physischen und psychischen Eigenschaften, sondern auch den Umstand, da� sie einen Bantu-Dialekt sprechen und ferner ihr Verh�ltnis zu den andern afrikanischen Semiten erkl�ren. Eine Analogie hierzu, die allerdings infolge der europ�ischen Okkupation nicht zu demselben Ausdruck kommen konnte, bildet die Stellung, welche sich arabische H�ndler an mehreren Stellen Inner-Afrikas erworben hatten und die ohne jenes Hindernis sich wohl zweifellos schnell zu der f�hrenden Rolle von H�uptlingen entwickelt haben w�rde. Die soziale Stellung der Wahuma �ber den Watussi k�nnte dann darin begr�ndet sein, da� erstere �gypten sp�ter verlie�en und infolge des Autbl�hens der dortigen Kultur eine veredelte Bev�lkerungsschicht vertreten, oder aber auch darin, da� sie einer h�heren Kaste angeh�rten.

Unter den �brigen Semitenv�lkern Ostafrikas halte ich f�r eins der �ltesten von den noch reinen beziehungsweise wenig oder nur in gewissen Kasten mit Negern vermischten die Tatoga, von denen die bei Iraku und Ufiomi wohnenden von den K�stenleuten und den ans�ssigen Nachbarv�lkern Wataturu, von den Masai [3] El ataturu genannt werden, w�hrend man die in der Nachbarschaft Usukumas lebenden als Wagamrita oder El gamrit bezeichnet. Soweit ich feststellen konnte, sind sie die �ltesten nachweisbaren Bewohner der ostafrikanischen Steppen, aus denen sie dann von den Masai verdr�ngt wurden. Ihres Viehs beraubt, wurden sie zu J�gern, und als dann die ersten Masaitrupps selbst verarmten und die Viehzucht mit der Jagd vertauschten, suchten sich die Tatoga ans�ssig zu machen. Leicht ist ihnen das nicht geworden. Nach der Erinnerung der Leute scheinen sie die ersten Versuche der Se�haftwerdung am Meruberg gemacht zu haben. Von da wurden sie durch die verarmenden Wakuafi, dem zweiten Einwanderungstrupp des Masaivolkes verdr�ngt und suchten darauf neue Wohnpl�tze in der Nachbarschaft von Usukuma. Reibereien mit den dortigen Eingeborenen scheinen der Grund dazu gewesen zu sein, da� ein Teil von ihnen wieder nach S�dosten zur�ckwanderte und sich nach einem vergeblichen Versuch, in Umbugwe einzuziehen, in der N�he von Iraku und Ufiomi niederlie�. Wie wenig es ihnen gelungen ist, den �bergang vom Nomaden zum Ackerbauer zu vollenden, erhellt daraus, da� sie so ziemlich die in Schmutz verkommensten Schwarzen sind, die ich jemals angetroffen habe, und da� sie noch immer von den altans��igen Nachbarv�lkern schmarotzend leben.

Sp�ter als die Tatoga sind, meines Erachtens, die Masai, deren Schilderung die vorliegende Studie gewidmet ist, nach Afrika eingewandert. Ich komme im zweiten Kapitel des vierten Abschnitts zu der Annahme, da� die Einwanderung der Masai nicht nach der Zeit der vierten Pharaonendynastie stattgefunden haben d�rfte.

Eine der letzten semitischen Einwanderungen auf dem Weg �ber die Landenge von Suez ist im Altertum die derjenigen �gypter, welche dort die Begr�nder jener hohen Kultur wurden. Sie verschlossen das Tor Afrikas f�r weitere Einwanderungen gro�er Volksmassen. Von nun an ging daher der V�lkerstrom aus Arabien im wesentlichen nach Norden. Wohl hat es nicht an Versuchen sp�ter aus Arabien gedr�ngter Semiten gefehlt, der alten Stra�e folgend, nach Afrika einzudringen. Doch das m�chtige �gypten verhinderte dies - zum Heile jener V�lker. Die alten Israeliten h�tten daher den �gyptern dankbar sein sollen, da� sie ihre Wanderung aufhielten, anstatt sich dar�ber zu beklagen, da� sie von jenen zur Arbeit herangezogen wurden, die ihnen als freien und arbeitsscheuen Nomaden ja allerdings nicht leicht geworden sein mag. [4] Im Punkte der Zugeh�rigkeit der Masai zu den Semiten erscheinen noch einige Worte n�tig, zumal sie von fr�heren Reisenden - soweit ich deren Arbeiten kenne - stets f�r Hamiten angesprochen wurden. Ein Volk ist in bezug auf seine Rasse nach drei Gesichtspunkten zu beurteilen: nach seinen somatischen Merkmalen, seiner Psyche und ihren sichtbaren �u�erungen und schlie�lich nach seiner Sprache. In ersterer Richtung hat Prof. Dr. v. Luschan bereits die Masai als Semiten erkannt. Im zweiten Punkt glaube ich es im folgenden nachzuweisen, und was die Sprache betrifft, so wird eine leider noch immer nicht erschienene Studie Deeg's dar�ber Klarheit schaffen.

Es sei mir hier gestattet, einem noch ziemlich allgemeinen Irrtum entgegenzutreten. Wenn der Laie von Semiten H�rt, so denkt er in der Regel an Menschen, deren �u�eres dem der heutigen Juden gleicht oder sehr �hnlich ist. Dies ist nun durchaus falsch, denn die Juden sind in ihrer Allgemeinheit keine Semiten mehr. Sie waren es als starkes Nomadenvolk; aber bereits w�hrend des �bergangsstadiums vom Nomadentum zu einer halben, zeitweisen Se�haftigkeit begann die Blutmischung, die nach vollendeter Ans�ssigwerdung besonders energisch wurde und dadurch die K�rperform sehr stark ver�nderte und zu einer neuen ausbildete.

Die Semiten sind hohe, schlanke Gestalten mit sympathischen, feingeschnittenen Gesichtsz�gen, schmalen, oft gro�en, aber nicht unsch�nen Nasen, kleinen nicht selten geradezu zierlichen F��en und H�nden.

Unter den heutigen Juden ist der reine Semitentypus wohl nicht h�ufig vertreten. Am reinsten scheinen ihn mir noch die Juden von Aden aufzuweisen. Die Mehrzahl der jetzigen Juden dagegen zeigt mehr oder weniger deutlich [5] charakteristische Merkmale der Hethiterrasse, von der wir wissen, da� eins der zu ihr geh�rigen V�lker, die Mitani, bereits zu Anfang des 2. Jahrtausends ein m�chtiges Reich bildete, dessen Grenzen nach S�den bis zum Libanon reichten und die bereits fr�her schon Volksscharen nach S�den vorgeschickt haben d�rften. �ber das Schicksal dieser Vorl�ufer geben uns weder �gyptische noch assyrische Berichte noch eigene Denkm�ler oder Inschriften Kunde, so da� Wir vorl�ufig wohl annehmen d�rfen, da� sie in fremden V�lkern - der Semitenrasse - aufgegangen sind, wobei sie diesen ihre unsch�nen somatischen Eigenschaften vererbten. Diese kennen wir in ihrer Urspr�nglichkeit nur in den uns hinterlassenen Denkm�lern. Danach ist der Hethitertyp charakterisiert durch stark brachycephale K�pfe, dunkles Haar, dunkle Augen, gro�e gebogene fleischige Nase, eine stark zur�cktretende Stirn, hervortretende Backenknochen, grobe Knochen und einen dadurch bedingten plumpen K�rperbau.

Die oben den Semiten zugeschriebenen somatischen Merkmale finden wir nun weder bei jedem Masai, noch ihre Gesamtheit in der Mehrzahl der Masai vertreten. Diese zeigt vielmehr den obigen Typus in einer mehr oder weniger vergr�berten Form, die indes ein ge�btes Auge unschwer als semitisch erkennt und von der der nigrito-semitischen oder semito-nigritischen Mischv�lker zu unterscheiden vermag und die auch der Neuling nicht als �negerhaft� ansprechen wird.

Es sei schon hier vorausgeschickt, da� ich die Masai f�r die Nachkommen desjenigen nomadisierenden Semitenvolkes halte, dem das Hirtenvolk der �ltesten Ebr�er angeh�rte. Diese Vermutung glaube ich im Folgenden - besonders im vierten Abschnitt der vorliegenden Studie - begr�ndet zu haben.

 

II.

Die ostafrikanischen Steppen als Wohngebiet des Masaivolkes. - Seine Einwanderung in drei Heerhaufen. - Deren K�mpfe. - Einteilung und Verteilung des Landes unter Masai, Wakuafi, Wandorobo und deren Stellung zueinander. - Einflu� des Masaivolks auf die ans�ssigen Volksst�mme. - Vermischung mit Negern. - Die somatischen Merkmale der drei Zweige des Masaivolks zeigen ihre Rassen-, die ethnographischen ihre Volksgemeinschaft.

Zwischen dem 34. und dem 38. L�ngengrad, sowie dem 3 n�rdlicher und dem 7 s�dlicher Breite finden wir in Deutsch- und Britisch-Ostafrika gro�e Steppen, die oft nach ihren Bewohnern als die Masaisteppen bezeichnet werden. Begrenzt werden sie durch H�gell�nder, die besonders von ans�ssigen Negerst�mmen meist d�nn bewohnt und mehr oder weniger gut bebaut sind. Die Terrainbildung der Steppen ist bald flach, bald wellig oder wogenhaft, bald h�gelig und in diesem Fall meist durch vulkanische T�tigkeit bestimmt. Besonders drastisch tritt dies am Kenia, Kilimandscharo, Meru und Ol Donjo l'Enig ai hervor, bei welch letzterem z. B. auf einem eng begrenzten Raum [6] zwischen dem Steilabfall des Muti�k-Plateaus, den Gilei - und Timbati-Bergen sich H�gel an H�gel reiht und fast jeder die Ruine eines Kraters tr�gt oder birgt, ein Landschaftsbild, wie wir es von Photographiert des Mondes her kennen.

Die Ausdehnung der Steppen machte sie in Verbindung mit dem vorhandenen Ma� von Niederschl�gen und Wasserpl�tzen zu einem f�r ein viehz�chtendes Nomadenvolk mehr als ausreichenden Gebiet. Der sehr salzhaltige Boden bringt vorz�gliche Futtergr�ser hervor und liefert an unz�hligen Stellen Salzlecken.

Soweit die Geschichte, die Erinnerung und �berlieferung der Menschen dieser Gegenden zur�ckreicht, und sicher noch viele, viele Jahrhunderte l�nger, waren und sind jene Steppen bis auf den heutigen Tag der Tummelplatz des Masaivolkes. Auf der Wanderung oder richtiger langsamen Schiebung kam es von Norden aus der Urheimat, die im n�rdlichen Teile der arabischen Halbinsel zu suchen ist. Erst am �quator h�rte der Zug gen S�den auf. Die Masai fanden hier nicht nur Steppengebiete, wie sie solche f�r ihre Herden n�tig hatten, sondern auch Volksst�mme, wie sie sie als Opfer ihrer Kriegsz�ge zu ihrem eigenen Fortbestehen brauchten.

Der Ackerbauer findet seine Nahrung im Boden; der, welcher Ackerbau und Viehzucht treibt, findet in ersterem gen�gend Lebensunterhalt auch zu Zeiten, welche der Viehzucht ung�nstig sind, und kann durch die festeren Handelsbeziehungen, die er seiner Se�haftigkeit verdankt, die zur Vermeidung einer zu weit gehenden Inzucht des Viehs n�tigen neuen Zuchttiere erwerben. Ein kulturarmes Nomadenvolk, welches einzig und allein vom Vieh lebt, ist dagegen viel ung�nstiger gestellt. Schon um die Herden vor Degeneration zu sch�tzen, ist die st�ndige Zufuhr von Zuchttieren in gr��erem Umfang eine unabweisbare Notwendigkeit. Weiter droht durch die periodisch auftretende und in Afrika leider fast niemals erl�schende Rinderpest und andere Seuchen dem Viehz�chter sehr oft der Untergang, wenn er keine Gelegenheit hat, in solchen F�llen seine Verluste m�glichst rasch zu ersetzen und vor�bergehend auch vegetabilische Nahrung zu erhalten. Steppenv�lker sind aggressiv, und bei kulturarmen V�lkern geht im allgemeinen Macht immer vor Recht. In den an den R�ndern der Steppen gelegenen und in den von ihnen eingeschlossenen Bergl�ndern wohnen nun Negerst�mme, die den durch feste Organisation und einen hervorragenden Grad von Stammesd�nkel zusammengehaltenen und �u�erst beweglichen Masai gegen�ber einmal sehr unbeweglich, dann aber auch nur innerhalb ihrer eigenen St�mme durch einen gr��eren oder geringeren Grad herdenhaften Gehorsams verbunden sind. Sie sind gew�hnt, auch in ihren ans�ssigen Nachbarn ihre geborenen Feinde zu sehen, leben untereinander auch auf kleinem Raum, da oft jedes Dorf selbst�ndig ist, st�ndig im Kampf, und mu�ten so f�r die Masai erw�nschte Nachbarn sein, von denen diese jederzeit sowohl Vegetabilien, als auch, was von besonderem Wert war, Vieh bekommen konnten. [7]

In drei m�chtigen Heerhaufen, die sich in gro�en Zeitr�umen folgten, kam das Masaivolk von Norden zum �quator gezogen. Die lange �rtliche und zeitliche Trennung voneinander, ihr verschieden langer Aufenthalt in der neuen Heimat Ostafrika und die dadurch bedingte verschiedene Gestaltung ihres Schicksals lassen sie uns heute als drei Zweige des Masaivolkes erscheinen.

Die Reste des am fr�hesten eingewanderten Trupps sind die As�, allgemeiner bekannt unter dem Namen Wandorobo (eine Bantu-Bildung aus dem Masaiwort El dorobo = die Armen), von denen sie nur einen Teil bilden.

Obwohl die �berlieferung der As� nichts von einem ehemaligen Viehbesitz zu berichten wei�, mu� man doch, besonders nach ihrer Ethnographie annehmen, da� sie als viehz�chtende Nomaden einwanderten und als solche gro�e Teile der Steppen in Besitz nahmen. Gegenseitige Kriege, Viehseuchen und schlie�lich die Bedr�ngung durch die Tatoga schw�chten die As� derartig, da� es dem zweiten Masaitrupp, den El kuafi, deren erste Abteilungen die El lumbua und deren sp�tere die El muli waren, bei seiner Einwanderung leicht wurde, die Abgewirtschafteten ganz zu verdr�ngen. Ein Teil von ihnen fand Zuflucht bei umwohnenden Ackerbauern, in denen sie aufgingen, ein anderer bei seinen Bedr�ngern, die sie als Stammesgenossen aufnahmen; der Rest dagegen zog sich in die W�lder und B�sche der Steppen zur�ck, wo er noch heute in gro�er D�rftigkeit durch Jagd ein armseliges Leben fristet.

Das Schicksal der As� sollte aber auch den El kuafi nicht erspart bleiben. Nach einer l�ngeren Periode, in der sie mit den Tatoga um die Herrschaft in den Steppen rivalisierten, stellte sich wieder zu mehreren Malen die Rinderpest ein und brachte wie damals Armut und Tod. Und wieder wie damals blieb das eine Ungl�ck nicht allein. Von Norden her wanderte der dritte Trupp, die El masai (S. ol masani), ein und es schien, als ob er schnell durch blutige K�mpfe das Vernichtungswerk der Seuchen vervollst�ndigen wollte. Doch die Anwesenheit der Tatoga, die stellenweise noch ebenso m�chtig als gef�rchtet waren, lenkte die Kriegslust der Masai ab. Sie verbanden sich mit den El kuafi zum gemeinsamen Kampf gegen jene. Die El kuafi erkannten den H�uptling (ol oiboni) der Masai auch als den ihrigen an und scheinen lange Zeit mit jenen im besten Einvernehmen gestanden zu haben. Dann - so erz�hlt die �berlieferung - fand ein M�dchen, Namens Matango aus der Familie des ol oiboni Sitonik - sie wird meist als Schwester, seltener als Tante desselben bezeichnet - Gefallen an dem Mitglied einer zu Sitonik gekommenen Gesandtschaft von El kuafi-Kriegern und ging mit ihrem Liebhaber davon. Als sie ihm einen, Sohn gebar, riefen die El kuafi diesen zu ihrem ol oiboni aus und k�ndigten gleichzeitig dem Sitonik den Gehorsam. Hiermit begannen die Kriege zwischen Masai und El kuafi. Sie f�llten - wie es scheint - die ganze erste H�lfte des 19. Jahrhunderts aus und fanden vereinzelt noch in dessen zweiter H�lfte statt. Einer der Entscheidungsk�mpfe war bei Kisongo, sechs Marschstunden westlich des Meruberges, wo nachher die H�uptlinge der Masai ihren st�ndigen [8] Wohnsitz nahmen. Die Vertriebenen gingen in die zerkl�fteten W�lder des Meruberges, wo sie lange in steter Fehde mit den Masai lebten bis sie der H�uptling Mbatyan vollst�ndig unterwarf und zu Frondiensten zwang. Andere K�mpfe fanden statt bei Nguruman, n�rdlich des Natronsees; die Reste der Besiegten leben noch dort, vermischt mit Wasegedju aus dem nahen Sonjo. Die Tr�mmer der in der Serengeti-Steppe Unterlegenen findet man in Taveta, Kahe, Aruscha-tschini. In der N�he des Kenia, in und um Kikuyu, fanden wohl die ersten K�mpfe zwischen Masai und El kuafi statt und f�hrten zur Se�haftmachung der letzteren.

Einer der letzten gro�en Zusammenst��e war in der Steppenlandschaft Sogonoi; die Besiegten flohen nach Ngujuka und dann weiter nach Useguha und Manga, wo sie unter dem H�uptling 'Lema eine Niederlassung gr�ndeten.

Von den Unterlegenen nahmen die Masai einzelne wenige in ihre Gemeinschaft auf. Die �brigen spalteten sich. Ein - gr��erer - Teil wurde ans�ssig und bildete in der Nachbarschaft fremder St�mme einige Kolonien oder ging in andern St�mmen auf. Ein anderer - kleinerer - Teil fristete das Leben zun�chst eine Zeitlang von der Jagd, bis es ihm gelang, durch Raubz�ge gegen ans�ssige V�lkerschaften wieder in den Besitz von Vieh zu kommen. Sie leben heute wieder ganz wie fr�her und unterscheiden sich von den Masai nur durch den Namen El muli. Die ans�ssig gewordenen dagegen werden von den Masai als El lumbua und auch als El kuafi - wohl weil sie den Hauptteil der alten El kuafi bilden - bezeichnet. Die Karawanenleute nennen sie danach Wakuafi, w�hrend sie zwischen El muli und Masai keinen Unterschied machen und auch die ersteren mit dem Namen der letzteren belegen.

Im Gegensatz zu den rein erhaltenen El muli sind die El lumbua aller Niederlassungen mehr oder weniger stark vermischt. Stellenweise ist der Grad der Vermischung so gro�, da� man auf den ersten Blick kaum die dem Masaivolk charakteristischen somatischen Merkmale erkennt; stellenweise ist er aber auch noch so gering, da� eine Vermischung sich �berhaupt erst durch eingehende Untersuchung feststellen l��t.

Ein letzter Teil schlie�lich wurde zu J�gern, die El asiti. Dies ist der zweite Zweig der Wandorobo der dritte und j�ngste, die El gasurek, ist aus den Masai selbst hervorgegangen, indem die durch Viehseuchen Verarmten zu einem neuen Nahrungserwerb gezwungen wurden.

Noch bis vor siebzehn Jahren waren die Masai die Herren der weiten Steppen in Deutsch- und Britisch-Ostafrika, als die europ�ische Okkupation darin Wandel schaffte. Das ganze von ihnen bewohnte Land ist in drei Provinzen geteilt. Die Provinz Kisongo umfa�t diejenigen Steppengebiete, welche s�dlich der nach Osten und Westen verl�ngerten Verbindungslinie der Bergspitzen des Kilimandscharo und Meru liegen. N�rdlich davon liegt die Provinz Loita und noch weiter nach Norden, das Gebiet des Naiwascha-Sees einschlie�end, die Provinz Ol bruggo. In fr�heren Zeiten scheint ein Es serenget genannter Teil von [9] Loita vor�bergehend eine eigene Provinz gebildet zu haben. jede Provinz (ol oscho 'bo == eine Provinz) ist in Distrikte (en gob = das Land) eingeteilt, und diese wieder in Landschaften. Die meisten ihrer Namen sind Eigennamen, die sich nicht �bersetzen lassen; andere sind nach �rtlichen Eigent�mlichkeiten gew�hlt z. B. Quellen, B�chen, H�geln, Bergen, B�umen usw. Nach den einzelnen Provinzen oder Distrikten nennen sich ihre Bewohner h�ufig und sprechen dann von Kisongo-Masai, Loita-Masai, Serengeti - oder auch Kiteto -, Moibo -, Sogonoi-Masai usw. Diese Bezeichnung hielten fr�here Reisende oft irrt�mlich f�r Stammesnamen. �hnlich ist das Wort ol oikob mi�deutet worden, indem man es f�r einen Stammesnamen hielt und von ol oikob-Masai und ol oikob-Wakuafi sprach. E1 oikob (S. ol oikobani) hei�t Totschl�ger, rohe, gewaltt�tige Menschen und ist ein Schimpfwort, womit die Wandorobo Wakuafi und die Masaischmiede (el konono) ihre Unterdr�cker, die Masai benennen. Fischer �bersetzt das Wort irrt�mlich mit �Besitzer des Landes�; dies w�rde aber ol oben l en gob hei�en.

Die Wakuafi leben in ihren Kolonien als mehr oder weniger friedliche se�hafte Ackerbauer. Wo sie nach ihren Niederlagen friedliche Nachbarn fanden, sind auch sie ruhig geworden. Wo sie dagegen in enger Ber�hrung mit den Masai blieben und ihren fortw�hrenden Raubz�gen ausgesetzt waren, erhielt sich in ihnen die alte Kriegslust. Ein Beispiel hierf�r ist die Bev�lkerung des Meruberges in den Landschaften Gro�-Aruscha und Meru. Trotz einer sehr betr�chtlichen Vermischung mit Wadschagga vom nahen Kilimandscharo haben sie ihre urspr�nglichen Charaktereigenschaften vollst�ndig behalten. Ihre Herrschsucht, Raublust und Verschlagenheit gleicht der der Masai, an Mut �bertreffen sie sie dagegen noch. Ihre mehrfachen �berf�lle auf die Lager von Europ�ern und Handelskarawanen zeigen sie als R�uber. Das Verh�ltnis zwischen Wakuafi und Masai ist im allgemeinen kein schlechtes. Diese betrachten die andern als Stammesgenossen, wenn auch als minderwertige, weil sie den Boden bearbeiten und nur geringen Viehbesitz haben. Pack schl�gt sich, Pack vertr�gt sich! und vertragen m�ssen sich beide immer wieder� da die Masai sie als Lieferanten von vegetabilen Lebensmitteln nicht mehr entbehren k�nnen, nachdem die Rinderpest Ende der achtziger Jahre wieder so verderblich unter den Herden hauste.

W�hrend man bei den Wakuafi noch deutlich ihre einstige Macht und Gr��e erkennen kann, ist dies bei den As� ganz und gar nicht mehr der Fall. Die meisten von ihnen, ebenso wie die El asiti, leben scheu und versteckt im Steppenbusch in �rmlichen kleinen Gras- und Laubh�tten, zu denen man nur auf verborgenen Pfaden gelangt. Ihre Nahrung besteht in Wild, welches sie durch Giftpfeile und vergiftete Wurfspeere erlegen, Honig, Ackerbauprodukten, die sie im Tauschverkehr einhandeln, verschiedenen wildwachsenden Beeren, Wurzeln und Kr�utern. Wo sie in der N�he der Masai wohnen, leben sie in einer gewissen Abh�ngigkeit von ihnen. Eine Karawane, die durch die Steppe zieht, bleibt den �berall umherstreifenden Wandorobo sicher nicht verborgen. [10] Ihr Verrat l��t sie den beutedurstigen Masai bald zum Opfer fallen. Durch ihre Armut und das ver�chtliche Bestreben, durch Erlegung von Wild den Mangel an Schlachtvieh zu ersetzen, stehen die Wandorobo zwar besonders tief in der Sch�tzung der Masai, doch verleugnen diese den Zusammenhang mit ihren alten Stammesgenossen nicht soweit, da� sie nicht einzelnen Wandorobo ebenso wie El lumbua und El muli eine Aufnahme in ihre Gemeinschaft gew�hrten.

In j�ngster Zeit rechnen sich noch allgemein zu den El dorobo, ohne sich aber zu einem der drei Zweige - As�, El asiti, El gasurek - zu z�hlen, solche Masai, die sich nach Verlust ihres Viehs von der gro�en Gemeinschaft abgesondert haben und in kleinen Kraalen in verh�ltnism��iger Armut leben. Oft wohnen sie zusammen mit einigen Wakuafi, manchmal findet man auch eine oder einige Wandorobo-Familien unter ihnen. Ihr Besitz besteht aus einigen K�hen und Eseln, ein paar Ziegen und Schafen. Da sie hiervon nicht leben k�nnen, so bauen sie noch stellenweise Mais, Bataten usw. an und liegen auch der Jagd mit Pfeil und Bogen ob.

Der Einflu�, welchen das Masaivolk auf die ans�ssigen V�lker, die an den Grenzen der von ihm durch Jahrhunderte beherrschten Steppen wohnen, ausge�bt hat und noch aus�bt, ist sehr gro�. Waren es fr�her die Wandorobo so sind es jetzt die Wakuafi und Masai, deren Einflu� sich die Umwohnenden beugen m�ssen. Was das Masaivolk zu dieser Herrenstellung bef�higte, ist seine relativ h�here Kulturstufe; was ihm die Erreichung dieser Stellung erm�glichte, seine straffe Organisation und sein Kriegssinn. Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, weshalb die Kultur der Masai eine h�here ist, als die der einzelnen umwohnenden Neger. Es sei nur darauf hingewiesen, da� bei fast allen diesen, im Gegensatz. zu jenen, Geister- und Aberglaube in den krassesten Formen zu finden ist, ebenso wie alle daraus folgenden Verbrechen, wie Abtreibung der Leibesfrucht, Kindesmord etc., allt�gliche Erscheinungen sind. Aber auch ein kulturlich h�her stehendes Volk wie die Masai, mit ihrer absolut doch recht niedrigen Kultur, wurde in friedlichem. Nebeneinanderleben nie zu einer dominierenden Stellung gekommen sein. Das Mittel zu deren Erreichung waren die dauernd und r�cksichtslos gef�hrten Kriege. Ihre k�hnen Raubz�ge imponieren den Negern gewaltig, weshalb diese, um selbst f�r Masai gehalten und als solche gef�rchtet zu werden, bei Kriegsz�gen deren Tracht annahmen. Der unfreiwillige Eintritt in diese Negerst�mme seitens vieler Masaiweiber und kinder, die bei den fortw�hrenden Kriegen den Nachbarn oft zur Beute fielen, sowie der notgedrungene Verkehr derer, die bei angrenzenden Ackerbauern Hilfe und Unterschlupf fanden, wenn ihnen die periodisch wiederkehrenden Seuchen ihren Viehstand dahingerafft hatten, schufen Verh�ltnisse, die sich in dem Sinne einer allgemeinen Masaisierung gestalteten. Den jungen Negern schien das freie, faule, nur Krieg und Raubz�gen gewidmete Dasein der Masaikrieger erstrebenswert, und die M�dchen fanden die sch�nen schlanken Masaigestalten begehrenswerter [11] als die M�nner ihres eigenen Stammes, welche in ihrer oft abschreckend h��lichen und wilden Negerhaftigkeit und durch den h�ufig vollst�ndigen Mangel an Haut- und K�rperpflege in krassem Gegensatz zu den sympathischen, oft fein geschnittenen und h�bschen Z�gen und den gut geformten Gliedern jener stehen. So gaben die Masai viel von ihrem Blut an andere St�mme, und man findet heute beinahe in allen V�lkerschaften, die mit ihnen in engere Ber�hrung gekommen sind, Gestalten, die man auf den ersten Blick fast f�r reine Masai halten k�nnte. Da� auch verschiedene ihrer Sitten und Worte ihrer Sprache Eingang bei den Negern fanden, ergibt sich

W�hrend einige Reisende wenigstens noch eine gewisse Verwandtschaft zwischen den drei Zweigen anerkennen, wollen andere zwischen ihnen derartig gro�e somatische Unterschiede beobachtet haben, da� man an ihrer Rasseneinheit zweifelhaft werden k�nnte und sich fragt, ob nicht die Wandorobo und die Wakuafi einzelner Kolonien zu den Negern zu rechnen seien. Dieser Irrtum erkl�rt sich daher, da� jene Reisende nur oberfl�chlich mit ihnen in Ber�hrung [12] gekommen sind, von einzelnen Individuen auf die Allgemeinheit zu weit gehende Schl�sse zogen, da� sie stark mit Negern durchsetzte Wakuafi f�r rein, und stark mit Masaiblut vermischte Neger f�r Wakuafi hielten.

Bei der somatischen Betrachtung der drei Masaizweige ist folgendes zu ber�cksichtigen. Der zuletzt eingewanderte Trupp, die eigentlichen Masai, haben sich als Rasse recht rein erhalten. Sie huldigten so gut wie nie dem sonst �berall in Afrika �blichen Raub von Weibern und Kindern im Kriege, sie verheirateten sich nicht mit Negerinnen und nahmen auch keine Neger in ihre Gemeinschaft auf.

Daher zeigen sie die dem Masaivolk eigent�mlichen Rassenmerkmale am deutlichsten. Dasselbe galt von den Wakuafi bis zu dem Zeitpunkt, wo sie se�haft wurden. Sie brauchten dann aber nicht nur Ersatz f�r das verlorene Vieh, sondern auch viele in der Bodenbereitung ge�bte H�nde. Deshalb schleppten sie auf Kriegsz�gen nicht nur wie bisher das Vieh des Feindes, sondern auch seine Weiber und Kinder mit. Der Grad der Vermischung zwischen Wakuafi und Negern ist in den einzelnen Wakuafiniederlassungen sehr verschieden. Die Vermischung ist naturgem�� im allgemeinen dort am st�rksten, wo die Wakuafi bereits am l�ngsten se�haft sind, am geringsten und oft kaum [13] oder noch gar nicht bemerkbar, wo sie erst in der letzten H�lfte des 19. Jahrhunderts se�haft wurden. Hemmend auf die Vermischung haben die Viehseuchen gewirkt, die den Wakuafi immer wieder neue Masaielemente zuf�hrten. Ob und was f�r fremdes Blut das einzelne Individuum hat, kann man durch sorgf�ltiges Ausfragen �ber den Stammbaum in vielen F�llen ziemlich genau feststellen. Bei den Wandorobo die fernab von den Negern, mitten im unwirtlichsten Steppenbusch wohnen, hat zum gro�en Teil wahrscheinlich �berhaupt keine Vermischung mit Negerblut stattgefunden, wogegen allerdings eine solche mit den zu den stammverwandten Tatoga geh�rigen Saosk a aus Gr�nden historischer und linguistischer Natur sowie nach der �berlieferung mit Sicherheit angenommen werden mu�. Auch eine Degeneration durch Inzucht erscheint von vornherein ausgeschlossen, da sie immer wieder Zuzug von Masaiweibern und -kindern hatten, deren M�nner und V�ter in der Hungersnot nach einer Viehseuche umgekommen waren.

 

Abb. 2 Drei Masaifrauen.

Untersucht man nach diesen Gesichtspunkten und unter Ausscheidung aller F�lle, in denen eine Vermischung nachgewiesen oder nicht auszuschlie�en ist, die somatischen Merkmale der drei Masaizweige, so kommt man zu dem Schlu�, da� man eine homogene Rasse vor sich hat. Ihre charakteristischen Merkmale sind die folgenden: die K�rper sind gro� und schlank. Sie erscheinen indes nicht unsch�n mager, sondern gew�hren vielmehr den Eindruck eleganter, elastischer Beweglichkeit. Die d�nnen feinen Knochen sind mit gut entwickelten Muskeln umgeben, die zwar deutlich, aber der Schlankheit entsprechend, nicht aufdringlich hervortreten. Besonders sch�ne Formen sieht man bei jungen M�dchen. Sie sind gracile, schlanke Gestalten, deren Glieder nur gerade soviel Rundung aufweisen, um sie anmutig erscheinen zu lassen. Ungegliederte, unsch�ne F�lle findet man eigentlich nur bei �lteren Frauen. Die Hautfarbe variiert zwischen tief dunkelbraun und hellem Schokoladenbraun. Die K�pfe sind hoch und schmal, das ovale Gesicht hat oft feingeschnittene, sympathische Z�ge und ist weniger prognath als bei Negern, nicht selten auch orthognath. Die hohe, schmale Stirn ist gut gew�lbt, die Augen sind mandelf'�rmig, gerade oder etwas schr�g. Die Nase ist gestreckt, schmal und an der Wurzel flach oder sehr m��ig tief gegen die Stirn abgesetzt. Die Fl�gel sind d�nn und sehr flach, die L�cher rundlich bis l�ngs-oval, seltener quer-oval. Der Nasenr�cken ist gerade, manchmal leicht konvex. Die Lippen sind voll, ohne direkt wulstig zu erscheinen. Wulstige, dicke Lippen sind etwas so seltenes und auffallendes, da� sie ihrem Besitzer den Namen Lebeleb == Dicklippe (oder eigentlich: L�rm, lautes Ger�usch) eintragen. Die Ohren sind, abgesehen von der durch das Tragen von schweren Schmuckst�cken hervorgerufenen Hyperplasie des oberen Ohrrandes und Ohrl�ppchens, klein. Das Haar ist �ber die Kopfhaut gleichm��ig verteilt, was sich am deutlichsten bei k�rzlich rasierten K�pfen zeigt. Oft scheint das Haar �b�schelst�ndig�, doch ist dies k�nstlich herbeigef�hrt. Erst in einer L�nge von i bis 3 cm kr�uselt es sich leicht und gelangt [14] fast nie zur vollkommenen Kr�uselung. Die Arme und besonders die Beine sind sehr lang, die Handgelenke d�nn, H�nde und F��e, besonders bei weiblichen Individuen, klein, schmal und zart, die Finger sind schlank und oft auffallend lang und schmal, die Fingern�gel lang, schmal und leicht gew�lbt.

Abb. 3 Junge Masai. 2 und 4 reinbl�tig, 3 mit Negerblut, 1 zweifelhaft.

War die Rassenzugeh�rigkeit der drei Zweige anthropologisch nachzuweisen, so kann man ethnographisch einen noch engeren Zusammenhang feststellen, der zu der �berzeugung f�hren mu�, da� alle drei auch demselben Volk angeh�ren. Die Verschiedenheit in ihren Hauptbesch�ftigungen scheint allerdings auf den ersten Blick eine scharfe Trennung zu kennzeichnen. Wie oben bereits angedeutet, kann man diese Unterschiede aber leicht erkl�ren durch das folgerichtige Verhalten eines Volkes von gleichen Sitten und Gewohnheiten unter ungleichen �u�eren Verh�ltnissen. Der in der Gier nach Fleischnahrung begr�ndete Hang zur Viehzucht und das daraus notwendig werdende Nomadenleben war gemeinsam. Mu�ten die Wandorobo dulden, da� ihr Viehstand den Seuchen und Raubz�gen der starken Wakuafi zum Opfer fiel, so mu�ten sich diese unter dem Druck der noch m�chtigeren Masai aus der freien Ebene zu festen Wohnsitzen in die Berge fl�chten. Sicherten die Wakuafi durch das Aufgeben des Wanderlebens die Reste ihres Viehstandes, so konnten die Wandorobo durch das Opfer ihrer Herden ihr liebgewonnenes Nomadenleben als J�ger weiterf�hren; und beide brauchten der Fleischnahrung nicht zu entsagen. [15]

Wenn man auch im allgemeinen in der V�lkerkunde mit Schlu�folgerungen aus linguistischen Grundlagen sehr vorsichtig sein soll, so erscheint es hier doch gestattet, f�r die Zusammengeh�rigkeit der drei Zweige zu einem Volk auch auf ihre Sprache hinzuweisen.

In der Tat finden wir bei Masai und Wakuafi dieselbe Sprache mit der Einschr�nkung, da� letzteren bei der Menge von Masaidialekten je nach Lage ihrer Landschaft bald dieser, bald jener eigen ist, w�hrend der sehr viel wandernde Masai wohl fast alle Dialekte versteht. Nebenher ist den Wakuafi stellenweise noch je nach dem Grad ihrer Vermischung mit Negerst�mmen eine Sprache dieser mehr oder weniger gel�ufig. Von den Wandorobo sprechen die El gasurek nur die Sprache der Masai, w�hrend die As� und die El asiti noch ein eigenes Idiom haben, welches an sp�terer Stelle kurz besprochen werden soll.

Entsprechend der Gleichheit in der Sprache, sind die Zahlworte bei Masai und Wakuafi dieselben, w�hrend die As� und El asiti nur f�r wenige Zahlen eigene Worte haben, im allgemeinen aber immer die bei den andern beiden Zweigen gebrauchten anwenden. Eine vollkommene �bereinstimmung aller drei Zweige findet man in ihren religi�sen Anschauungen und der bei beiden Geschlechtern �blichen Art der Beschneidung. Die eigent�mliche Beschneidung der Knaben wird �berhaupt bei keinem andern Volk ge�bt, mit Ausnahme eines Geschlechtes der dem Masaivolk nahe verwandten Tatoga. Auch bei Geburt und Tod haben alle drei dieselben Gebr�uche, w�hrend sich in ihren �brigen Sitten nur unwesentliche Abweichungen finden, die lediglich in der Verschiedenheit ihrer �u�eren Lebensf�hrung begr�ndet sind. Der schlagendste Beweis f�r die Zusammengeh�rigkeit der drei Zweige liegt aber in ihrer Abstammung.

Das Volk in seiner Gesamtheit teilt sich in drei gro�e St�mme, die 'L aiser, die El mulelyan und die El mengana, von denen sich jeder aus einer Anzahl Geschlechter zusammensetzt, und Vertreter eines dieser Geschlechter ist sowohl jeder As�, wie jeder Ol kuafi und Ol masani.

Wenn wir uns nun weiterhin mit der Ethnographie der Masai im besonderen, die auch zugleich die der Wakuafi ist, besch�ftigen, so fassen wir damit die ethnographischen Grundz�ge des gauzen Volkes zusammen; das Hervorheben einzelner Unterschiede, die sich im Laufe der Zeit und unter dein Einflu� ver�nderter Verh�ltnisse bei den Wandorobo herausgebildet haben, bleibt dem dritten Abschnitt vorbehalten.

I

St�mme, Geschlechter, Untergeschlechter. - Das En gidon-Geschlecht. - Der H�uptling: seine Regierung und Politik, Zaubermedizinen, Stammbaum, Dorf, Zeremoniell, Speisen. – Die Zauberer. - Das El kibor�n-Geschlecht. - Die Regenmacher.

Jeder Stamm (en gischomi) teilt sich, wie schon erw�hnt, in eine Anzahl Geschlechter (ol gelata, el gelat). Bei diesen unterscheidet man wieder Haupt (ol gelata kitok) und Untergeschlechter (ol gelat' ate). Nach der religi�sen Legende ist das Verh�ltnis der drei St�mme zueinander das von Br�dern, w�hrend die Geschlechter eines Stammes zu diesen im Verh�ltnis der S�hne zum Vater stehen. Hierin liegt der Grund f�r die Anschauung, wonach die zu einem Stamm geh�rigen Personen in einem verwandtschaftlichen Verh�ltnis zueinander stehen, weshalb z. B. eine Heirat zwischen Angeh�rigen des Haupt- und eines seiner Untergeschlechter, sowie zwischen deren der Untergeschlechter desselben Hauptgeschlechtes unstatthaft ist.

Die Einteilung, wie sie nach den �bereinstimmenden Mitteilungen von As�, Wakuafi und Masai den gr��ten Anspruch auf Richtigkeit zu haben scheint, ist die folgende:

Stamm: 'L aiser.

Geschlecht:

En gidon oder El oibonok,

 

El bargenetti,

 

El bartimaro;

Untergeschlecht

El bedes,

 

El dibiliti,

 

El egoio,

 

El barsabuggo,

 

El morinjero,

 

El barsanga,

 

' L eng-adji-nanjugi,

 

El gumarin,

 

El barsingo.

Geschlecht:

El ugumoi;

Untergeschlecht:

Es sidaio.

 

[17]

Stamm: El muleljan.

Geschlecht:

El mugurere;

Untergeschlecht:

El barsinde,

 

El barserengo,

 

El barsegero,

 

El bartelle,

 

El kibujuni,

 

El barmagua.

Geschlecht:

El masangua

Untergeschlecht:

El muingo.

 

An den Stamm der El muleljan angeschlossen:

Geschlecht:

El mamasita;

Untergeschlecht:

El monai,

 

El gejani,

 

El marawasch,

 

El bar-lanata.

Geschlecht:

El magesan;

Untergeschlecht:

El Kiboron

 

El bartelele

Geschlecht:

'N darasero;

Untergeschlecht:

El meboni,

 

El gidogu, auch 'L aisi genannt.

 

Stamm El mengana.

Geschlecht:

'L oitajuk;

Untergeschlecht:

Es seroiginigi,

 

El barsois,

 

'L endjage,

 

El gissikol,

 

El mohono oder El moschono,

 

El magarau,

 

El barmangig,

 

Es sumaga,

 

El barselle;

Geschlecht:

El marumai;

Untergeschlecht:

El gore,

 

El maguberia,

 

El bodjus,

 

El gura,

 

El eberet (s. sp�ter IV, 1),

 

El merani,

 

El mossedjua,

 

Es siria.

 

[18]

Die 'L aiser und El muleljan stehen in einem gewissen Gegensatz zu den El mengana, die sie halb sp�ttisch, halb schimpfend auch 'N dalata-gutok) oder Enig-adji-nagul-alai) nennen, und bezeichnen sich zum Unterschied von diesen als Eng adji el masai. Als Grund daf�r erz�hlt die �berlieferung, da� einst die El mengana eine gr��ere Zeitspanne hindurch von den beiden andem St�mmen getrennt gewesen seien und bei der Wiedervereinigung unangenehm aufgefallen waren, weil sie das g�ttliche Gebot, welches das T�ten weiblichen Viehs f�r den Genu� verbietet, nicht mehr beachtet h�tten. Daher entstanden obige Spitznamen, die, frei �bersetzt, �gierige Vielfra�e� bedeuten.

Die El bedes und El gore werden nicht selten als El aisegela bezeichnet, ein Name der nach dem eines Kriegerf�hrers, Os segel, gebildet ist. Als Grund f�r die Zusammenfassung wird angegeben, da� Angeh�rige der zwei Untergeschlechter einst ber�chtigte Viehdiebe waren.

Das hervorragendste Geschlecht, nicht nur des 'L aiser-Stammes, sondern des ganzen Masaivolkes, sind die En gidon, weil zu ihnen sowohl die Familie des H�uptlings (ol oiboni), als auch die der Zauberer (el goiatek) geh�ren. Die Bezeichnung �H�uptling� ist eigentlich nicht ganz richtig, da der ol oiboni nicht unmittelbar herrscht und keine wirkliche Staatsgewalt aus�bt. Er regiert nur mittelbar; der feste Glaube seiner Untertanen an sein Prophetentum und seine �berirdische F�higkeit der Zauberei gibt ihm einen Einflu� auf die Geschicke des Volkes. Despotismus und Grausamkeit, wie wir sie bei allen Negerherrschern finden, ist ihm fremd. Er ist weniger ein Regierender, als vielmehr ein Nationalheiliger oder ein Patriarch, in dem auch die Wakuafi und As� ihr Oberhaupt sehen. Von seiner geheiligten Person spricht das Volk in scheuer Ehrfurcht, und kein Unberufener wagt es, dem Gewaltigen unter die Augen zu treten, So hielten sich die auf der Milit�rstation Moschi lebenden Masai w�hrend der Anwesenheit Zendeos, als dieser sie Anfang 1896 besuchte, versteckt, und mein Masaidiener wagte es nicht, weder eine Bestellung an Zendeo, noch an einen bei diesem sitzenden Begleiter auszurichten.

Das Ziel der Politik des H�uptlings ist die Einigkeit und St�rkung der Masai. Indem er die Raublust der Krieger sich in Z�gen gegen fremde St�mme austoben l��t, sch�tzt er das eigene Volk vor verheerenden B�rgerkriegen, zu denen die endlosen Reibereien der Distrikte untereinander dauernd Anla� geben w�rden. Diesen Einflu� erm�glicht ihm der Glaube, da� ein Sieg nur durch die geheime Macht der Kriegsmedizin, welche nur er allein herzustellen versteht, erreichbar ist und eine Niederlage unfehlbar kommen mu�, wenn er sie voraussagt. Weder er noch seine n�chsten Verwandten ziehen mit in den Krieg. Gegen Seuchen und Krankheiten gibt er Heilmittel - in der Regel in Form [19] von Zaubermedizinen - und ordnet Bittfeste zu Ehren des Masaigottes 'Ng ai an. Die Weissagungen liest er aus einem Orakelspiel nach Art des Abz�hlens an den Kn�pfen. Aus einem mit ledernem Deckel versehenen Rinderhorn (Fig. i) nimmt er eine Handvoll kleiner Flu�kiesel, legt einen oder einige davon beiseite und wirft den Rest zur�ck. Nachdem er dies mehrere Male wiederholt hat, verk�ndet er seinen Seherspruch, der oft genug mit pythischer Zweideutigkeit abgefa�t ist. Das Spiel hei�t ebenso wie das Geschlecht eni gidon. Die W�rde des ol oiboni ist erblich und hat sich bis auf die j�ngste Zeit vom Vater auf den �ltesten Sohn der Hauptfrau vererbt. Das Zeichen seiner W�rde ist eine eiserne Keule.

�ber den Stammbaum der El oibonok wissen die Masai nicht viel zu erz�hlen. Die ersten vier oder f�nf Namen, welche er enth�lt, geh�ren H�uptlingen, welche in der Urzeit herrschten. Diese Namen sind.- Kidonoi, Geriga, Bargumbe (Barnjumbe) und Lesigirieschi. Die folgenden H�uptlinge sind geschichtlich und entstammen der Neuzeit. Der erste von ihnen Kibebete scheint zu Anfang des 19. Jahrhunderts regiert zu haben; ihm folgte sein Sohn Sitonik, diesem folgte Subet und diesem Mbatyan. Nach dessen Tode spalteten sich die Masai. Ein Teil stellte sich unter Lenana, den �ltesten Sohn der Hauptfrau, der vor dem Regierungsantritt Mbatyans geboren wurde, der andere unter Zendeo, der des Alten Lieblingssohn und von ihm zu seinem Nachfolger bestimmt war. Die Leute erz�hlen, da� Lenana den Zendeo in �hnlicher Weise um die Erbfolge betrogen hat, wie Jakob den Esau um das Recht der Erstgeburt. Wurde die T�uschung hier durch das umgebundene Ziegenfell erreicht, so erm�glichte sie dort das Dunkel der H�tte, in der der alte, schwache Mbatyan auf dem Krankenlager ruhte. Er glaubte den Zendeo vor sich zu haben und unterrichtete den Lenana in den geheimen K�nsten des ol oiboni. Beide sind nun erbitterte Feinde, die zum Unheil des Masaivolkes einen dauernden B�rgerkrieg unterhalten. Lenana, ein jetzt ungef�hr 49 Jahre alter Mann, lebt mit seinem Anhang in Britisch-Ostafrika in der N�he der Bahnstation Nairobi, w�hrend der zehn Jahre j�ngere Zendeo mit seinen Horden die Steppen Deutsch-Ostafrikas bewohnt. Beide sind nur Scheingestalten im Vergleich zu ihrem Vater, der in der Reihe der H�uptlinge einen hervorragenden Platz eingenommen hat. Unter ihm haben die Masai ihre letzte Bl�tezeit erlebt. Nachdem seine Vorfahren Sitonik und Subet die Wakuafi bezwungen hatten, galt es f�r ihn, die sich immer wieder Erhebenden niederzuhalten und so zu schw�chen und zu knechten, da� von ihnen den Masai keine Gefahr mehr drohen konnte. Durch ein gut organisiertes Spioniersystem hielt sich Mbatyan dauernd �ber die Verh�ltnisse der Gegner unterrichtet, so da� die raublustigen Krieger immer gerade in diejenige Wakuafiniederlassung einfallen konnten, in welcher ein Kriegszug [20] gegen die Masai vorbereitet wurde. Am meisten machten hier die Wakuafi des Meruberges zu schaffen, welche in den zerkl�fteten Bergw�ldern sichere Verstecke f�r Weiber und Vieh fanden, w�hrend die M�nner �berf�lle auf benachbarte Masaikraale unternahmen. Schlie�lich gelang es aber doch, der Meruleute Herr zu werden; ja sie wurden sogar so m�rbe, da� sie ihren Unterdr�ckern Frondienste leisteten. Man mu� ber�cksichtigen, mit welch tiefer Verachtung alle M�nner des Masaivolkes auf jede Art von Arbeit blicken, die sie f�r etwas schimpfliches, mit der Mannesw�rde nicht zu vereinbarendes halten, um zu verstehen, was ein solcher Erfolg bedeutet. Tausende von Arbeitern forderte Mbatyan, und gehorsam zogen sie in endlos langen Reihen, M�nner, Weiber und Kinder, nach der westlich des Berges liegenden Steppenlandschaft Kisongo wo der M�chtige gleich seinen Vorfahren residierte. Dort mu�ten sie einen langen Wasserkanal graben, wobei - noch eine besondere Erniedriegung die M�nner in Reih und Glied mit den Frauen zu arbeiten hatten. Immer mehr schwoll den Masai, durch diese und andere Erfolge ermutigt, der Kamm, und immer weiter dehnten sie ihre Kriegsz�ge aus. Es waren nicht nur die Negerst�mme des Innern, die unter ihrer Raub- und Mordlust zu leiden hatten, sie drangen sogar bis ins unmittelbare Hinterland der K�ste und kamen direkt an die K�stenst�dte Mombasa, Tanga, Bagamoyo und andere heran.

 

Abb. 2 Zendeo, der jetzige H�uptling der Masai.

Der Glaube an die Zaubermittel zu Heilzwecken, welche Mbatyan den Hilfesuchenden gab und deren quantitativer Hauptbestandteil das nach Vanille riechende gepulverte Holz der ol mogongora-Liane war, sa� so tief im Volke, [21] da� es den Leuten oft wirkliche Heilung ihrer Leiden gebracht haben soll. Ein hervorragendes Verdienst hat sich Mbatyan durch Erfindung einer Schutzimpfung gegen Lungenseuche der Rinder erworben. Nach den �bereinstimmenden Erz�hlungen Zendeos und vieler alter Masai hat Mbatyan schon mehrere Jahre vor seinem Tode das erst nach demselben erfolgte Auftreten der Rinderpest und die darauf folgende Bek�mpfung der Masai durch die Europ�er vorausgesagt. Im �u�eren dieses Mannes verriet nichts seine Macht. Auf einer hageren, mittelgro�en Figur sa� ein unsch�ner Kopf, dessen Gesicht noch besonders durch das Fehlen eines Auges - angeblich ein Geburtsfehler verunstaltet wurde. Dieser letztere Umstand hat zur Entstehung der Sage gef�hrt, da� der H�uptling stets ein�ugig sein m�sse und der Vater dem ihm sp�ter folgenden Sohn schon im Kindesalter ein Auge zerst�re. Noch absto�ender wurde das Gesicht durch einen sp�rlichen, leicht ergrauten Vollbart. Im Gegensatz zu den andern M�nnern darf sich n�mlich der ol oiboni ebensowenig wie die weiter unten erw�hnten el goiatek und el kiboron den Bart auszupfen, weil sie durch das Entfernen der Barthaare ihre �berirdischen Kr�fte verlieren w�rden.

Das H�uptlingsdorf besteht aus einer gro�en Anzahl nahe zusammen liegender Kraale, von denen mehrere dem ol oiboni mit seinen zahlreichen Weibern zur Wohnung dienen. Mbatyan hatte ungef�hr 200 Frauen, der noch junge Zendeo hat deren erst 20. Kein fremder Mann darf diese Wohnkraale des H�uptlings und seiner Frauen betreten oder sich in ihrer n�chsten N�he zeigen. Dicht daneben befinden sich die �brigen Kraale, deren einer f�r Beratungen und Empf�nge bestimmt ist und in dem einige �ltere, dem H�uptling nahestehende M�nner als seine Gehilfen und Ratgeber (el dunganak oirorie ol oiboni) mit ihren Familien wohnen, w�hrend die andern von Kriegern bewohnt sind, die den Schutz des Dorfes und auf den M�rschen des H�uptlings dessen Leibwache bilden. In seinen letzten Lebensjahren, w�hrend deren Mbatyan geistig gest�rt war, brachte er oft monatelang in freier Steppe, in einer kleinen Laubh�tte, zu, um die in gr��erem Kreis die ihn begleitenden Krieger lagerten. Das Zeremoniell im H�uptlingslager ist sehr einfach. Der Ankommende wird von einem der im Dorf herumlungernden M�nner in den Beratungskraal gef�hrt, wo er den H�uptling erwartet. Sobald dieser erscheint, erhebt sich der Fremde, geht ihm entgegen und reicht ihm mit dem �blichen Gru� die Hand, wobei aber nicht diese, sondern deren Gelenk umfa�t wird. Nach beendeter Besprechung, f�r die keine besonderen F�rmlichkeiten bestehen, verabschiedet er sich mit dem allgemeinen Abschiedsgru�.

An Speisen nimmt der ol oiboni nur am Feuer ger�stete Ziegenleber, Milch und Honig zu sich, da er durch jede andere Nahrung �die F�higkeit des Weissagens und der Bereitung wirksamer Zaubermittel einb��en w�rde.� Von diesen K�nsten soll auf seinen Sohn Lenana sehr wenig und auf Zendeo noch weniger �bergegangen sein, wodurch es um so erkl�rlicher wird. da� die [22] Masai heute von hunderterlei Wundertaten, die Mbatyan angeblich verrichtet hat, erz�hlen. Danach konnte er gro�e B�ume durch seinen blo�en Willen umwerfen, oder er lie� durch seine Begleiter die H�tte, in der er sich befand, anz�nden und stand, nachdem sie abgebrannt war, unversehrt aus der Asche auf.

Aus dem Enn gidon-Geschlecht erg�nzen sich ferner, wie bereits erw�hnt, die Zauberer oder Medizinm�nner (ol goiatiki, el goiatek) deren mehrere in jedem Distrikt wohnen. Auch ihre W�rde vererbt sich vom Vater auf den Sohn, der indes meistens erst nach seiner Verheiratung in die ganze Geheimkunst eingeweiht wird. Das im Leben der Masai wichtigste Zaubermittel, die Kriegsmedizin, versteht der ol goiatiki nicht zu machen. An ihn wendet man sich vielmehr nur bei Krankheitsf�llen von Menschen und Vieh, in denen die bekannten Heilmittel versagen, oder die man auf Zauberei b�ser Nachbarn zur�ckf�hrt, sowie zur Ermittelung unbekannter Misset�ter (Diebe, M�rder usw.).

Eine besondere Besprechung verlangt noch vom El muleljan-Stamm das Geschlecht der El kiboron, die nach der Anschauung des ganzen Volkes bei 'Ng ai, dem Gott der Masai, in besonderer Gunst stehen, die sie in erster Linie zu den Tr�gern der religi�sen �berlieferungen gemacht hat. Entsprechend ihrer Stellung bei 'Ng ai zeichnen sie sich durch eine relative Friedfertigkeit aus. Die jungen Krieger ziehen zwar auch mit denen anderer Geschlechter auf Raubz�ge aus, doch scheinen sie dabei jede unn�tige Roheit oder Grausamkeit, worin die andern oft wetteifern, zu vermeiden. Die Sucht nach Streitigkeiten, H�ndeln und Schimpfereien, ein hervorstechender Zug im Charakter des jungen Masai, ist ihnen fremd. F�r ihre Tugend lohnt sie Gott, indem er ihre Herden gegen Raubtiere und Diebe sch�tzt. Da� eines ihrer Rinder von einem L�wen geschlagen oder sonstwie gestohlen wird, soll noch nicht vorgekommen sein. Besonders gesch�tzt werden die ' El kiboron von allen andern Masai wegen ihrer F�higkeit Regen herbeizuf�hren. Verfasser sah eines Tages in der N�he eines Masaikraals einen solchen Regenmacher bei der �Arbeit�. Er lag auf dem Erdboden unter einem gro�en Lederschurz, wie ihn die Greise tragen, so da� man nur ein schwaches Bewegen der Arme sehen und ab und zu ein leises Murmeln h�ren konnte. Nach einer Weile stand er auf und erkl�rte, da� �bald� Regen kommen w�rde. Da ich in den sechs Stunden davon entfernten Lager w�hrend der vergangenen Nacht Regen gehabt hatte, so ist es sehr wahrscheinlich, da� er auch hier nicht mehr lange ausgeblieben ist und dadurch die Ehre jenes Regenk�nstlers rettete.

Die nur geringf�gigen Abweichungen in den Sitten des El kiboron-Geschlechtes verglichen mit denen der andern Geschlechter, sollen bei den einzelnen Abschnitten besprochen werden.

 

 

 

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