Die Mettwurst
eine Studie von Kevin Kempf
Die Mettwurst ist eine der missverstandensten Früchte der Welt. Aufgrund
seiner engen Beziehung zu Schweinen ist der Mettwurstbaum zumeist in
Schlachtereien beheimatet. Der Mettwurstbaum wird bis zu sieben Meter groß und
wiegt bis zu 800 Gramm. An jedem seiner exakt 300 Arme wächst eine Mettwurst.
Das Durchschnittsgewicht einer Mettwurstfrucht beträgt 200 Gramm. Die Mettwurst
ist ein Wunder der Evolution. Sie ist die einzige Pflanze mit Ohren und Gehirn.
Ruft der Metzger "Ernte", so fallen die Früchte selbständig vom
Baum. Von ihren Freunden den Schweinen werden sie dann direkt zum Supermarkt
getragen.
Am wohlsten fühlt sich die Mettwurst bei einer Temperatur von ca. -4 Grad C.
Wird sie wärmer gelagert ist sie beleidigt und wird sauer. Im Supermarkt lebt
die Mettwurst ihren Rudeltrieb aus. Ein Rudel Mett kann durchaus bis zu 100
Exemplare fassen. Dringt eine nicht zum Rudel gehörende Frucht in das Revier
des Rudels ein, beginnt ein gnadenloser Kampf. Die unterlegende Mettwurst wird
rücksichtslos an den nächsten Interessenten verkauft.
Meist in den Kühlschränken der neuen Besitzer eingesperrt, passt sich die
Mettwurst schnell den neuen äußeren Bedingungen an. Manche Exemplare neigen
sogar zu exzessiven Partys. Wissenschaftlern ist es gelungen die Mettwurst per
Infrarotkamera beim veranstalten einer Oben - Ohne - Fete zu beobachten. Bei
eintretendem Licht erstarrt die Mettwurst sofort in einen unbeweglichen Zustand,
bei dem sie sich sofort zum eigenen Schutz in eine Art Plastikfolie
hüllt. Dies ist eine natürliche Abwehrreaktion.
Die natürlichen Feinde der Mettwurst sind der Mensch und seine Hunde. Ihnen ist
die Mettwurst hilflos ausgeliefert. Humanerweise betäubt der Mensch die dem
Tode geweihte Frucht zumeist vor dem Verzehr mit Pfeffer und Salz. Der größte
Feind des Mettwurstbaumes sind tieffliegende Helikopter. Diese arbeiten im
Gegensatz zum Menschen nicht mit Pfeffer und Salz. Deshalb hat der
"Mettwurstverband der Länder" eine Beschwerde beim
Fruchtverfassungsgericht eingelegt.
Lässt man die Mettwurstfrucht einige Monate unbeobachtet im Kühlschrank liegen,
vollzieht sich ein weiteres Wunder der Natur. Es findet eine Metamorphose von
der Frucht zum Tier statt, die mit der des Schmetterlings vergleichbar ist. Bei
Hitze und Feuchtigkeit verschnellert sich dieser Vorgang. Nach und nach
schlüpfen die kleinen Lebewesen aus der Frucht und verteilen sich mit rasender
Geschwindigkeit im gesamten Raum. Diese possierlichen Tierchen werden von den
Bewohnern des Hauses so gerne gesehen, dass einige sogleich den Kammerjäger
rufen, damit dieser auch mal einen Blick auf die niedlichen Krabbler werfen
kann. Die ca. 1cm großen Mettwursttierchen haben aber einen winzigen Nachteil.
Sie sind Fleischfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen Hunde, kleine Kinder und
schöne Frauen. Das Mettwursttierchen kann bis zum 1000fachen des eigenen
Körpergewichtes fressen und vermag sich bei entsprechender Nahrungszuführung
auf das 2000fache der eigentlichen Körpergröße auszudehnen. Das liebste Hobby
des Mettwursttierchens ist das Schreiben von Drohbriefen. Um die eigene
Haushaltskasse aufzufüllen, können analphabetische Erpresser und Wahnsinnige
solche Briefe gegen einen geringen Endpreis in Auftrag geben.
Insgesamt ist die Mettwurst eines der interessantesten Fruchttiere auf unserem
Planeten. Aus Unwissenheit oft gefürchtet und gemieden. Wer sich jedoch näher
mit diesem Fruchttier beschäftigt wird es genauso lieben wie ich es tue.
Deshalb bitte ich auch sie, sich näher mit dem Phänomen der Mettwurst zu
beschäftigen. Wissen ist Macht!