6. Kapitel
Doch so sch�n wie in den
ersten Wochen blieb es nat�rlich nicht, denn der Alltag verschlang unsere
Liebe. Ich gew�hnte mich daran und genauso erging es Tom. Das Kribbeln und die
Schmetterlinge verschwanden, stattdessen stritten wir uns h�ufiger und manchmal
weigerte ich mich nach Hause zu ihm zu gehen und �bernachtete in einer Pension.
Auch in mein Zimmer, das wir zwischenzeitlich wieder zu seinem Arbeitszimmer
umfunktioniert hatten, damit wir mehr Platz in seinem Schlafzimmer hatten, zog
ich zur�ck. Es war besser so, dachte ich, dann sitzen wir uns nicht st�ndig
auf der Pelle. An einem Donnerstag, als ich von der High School zur�ckkam,
stand Tom in meinem Zimmer. �Was machst du hier?�, fragte ich �berrascht
und lie� meine Tasche auf den Boden gleiten. �Ich hab nach einer Mappe mir
wichtigen Papieren gesucht, die ich hier noch irgendwo hatte, aber ich kann sie
nirgends finden in diesem Saustall.� �Mir gef�llt�s!�, antwortete ich
gelassen. �Ja, du bist ja eh eine Chaotin.� �Was soll das jetzt hei�en?�,
warum konnte ich es ihm nicht recht machen? �Hier in deinem Zimmer kannst du
ja von mir aus machen, was du willst, aber ich hab keinen Bock, deine Klamotten,
die du in der ganzen Wohnung verstreust, aufzuheben und wegzur�umen.�, motzte
er rum. �Als ob ich das machen w�rde.�, brauste ich auf. �Nat�rlich,
spielst wieder das Unschuldslamm, oder wie?�, er wurde ebenfalls laut. �Wenn
ich aufh�ren soll, dann h�r du auf Daddy zu spielen!�, schrie ich zur�ck.
�Du bist ein Teenager, der mitten in der Pubert�t ist und ich hab die
Verantwortung f�r dich.� �Ach, mehr bin ich f�r dich nicht? Ein
pubertierender Teenie?�, ohne ein weiteres Wort verlie� ich die Wohnung. Tom
stand wie vom Donner ger�hrt da und murmelte leise. �Ach Laurie, wieso haben
wir es nur so schwer? Du bist doch mein Ein und Alles.� Ich st�rmte auf die
Stra�e und achtete gar nicht auf die heranrasenden Autos, auch nicht
auf den Typ, der hinter mir herrief, ich solle aufpassen. Erst als ich
das Quietschen von Bremsen h�rte und nur ein, zwei Meter von mir ein Auto
verzweifelt versuchte auszuweichen, realisierte ich, in welcher Gefahr ich mich
befand. Aber vor Angst konnte ich mich nicht bewegen und sah mich schon tot
unter dem Wagen liegen, als mich auf einmal jemand am Handgelenk packte und zu
sich nach hinten in seine Arme riss. Wir hatten zuviel Schwung und knallten auf
den B�rgersteig. Ich hatte mir nicht wehgetan, aber mein Schutzengel hatte beim
Aufprall vor Schmerz aufgest�hnt. Vorsichtig drehte ich mich auf den Bauch, um
ihn anzusehen, denn aufstehen konnte ich nicht, weil er mich immer noch an sich
presste und das f�hlte sich richtig gut an. Als ich in seine tiefblauen Augen
blickte, sp�rte ich, wie sich etwas in mir r�hrte, doch ich unterdr�ckte das
Gef�hl, schlie�lich war ich mit Tom zusammen. �Alles okay?�, fragte ich
ihn und guckte ihn besorgt an. �Ja, es wird schon irgendwie gehen.�, sagte
er und st�hnte leise. �Wenigstens dir geht es gut.�, er verzog das Gesicht
zu einem atemberaubenden L�cheln. Was hatte ich da f�r einen Dreamboy
aufgegabelt? �Naja, ohne dich w�re ich jetzt nicht so putzmunter. Tausend
dank, mein Schutzengel.� �H�tte ich einfach zusehen sollen, wie du unter
die R�der kommst? Ein vom Himmel gefallener Engel.� Mein Gesicht f�rbte sich
augenblicklich rot und ich wendete meine Augen von seinem Gesicht ab, das jedes
M�dchenherz h�her schlagen lie�. �Trotzdem h�tte nicht jeder so
gehandelt.�, sagte ich und bemerkte, dass wir noch immer dicht aneinander
gekuschelt auf dem Boden lagen. Langsam wurde mir die Situation peinlich und ich
versuchte mich aufzurichten, doch als ich mich mit meinen Arm links und rechts
abst�tzte und meinen Oberk�rper etwas anhob, st�hnte er laut auf. Erschrocken
hielt ich inne. �Was ist? Hab ich dir wehgetan?� Er sch�ttelte den Kopf und
presste unter Schmerzen. �Bitte, steh nicht auf. Bleib einfach da hier liegen,
dann geht es mir gleich wieder besser.� Verwirrt blickte ich ihn an, gehorchte
aber und lie� mich vorsichtig wieder nach unten sinken. Meinen Kopf lehnte ich
an seine Schulter und er strich mit einer Hand kurz durch mein Haar, die andere
lie� er unver�ndert um meine H�fte geschlungen liegen. Ich f�hlte mich wohl
und verga� den Streit mit Tom f�r eine Weile. Es muss schon seltsam ausgesehen
haben, wie wir beide dort lagen. Doch irgendwann wurde es uns beiden zu kalt und
wir gingen in eine kleine Kneipe, die gerade um die Ecke war. Da ihm immer noch
alles wehtat, bot ich an, ihn zu st�tzen, dankend nahm er an und legte z�rtlich
seinen Arm um mich, jedoch ohne sein Gewicht auf mich zu verlagern. Auch als wir
uns in der Kneipe auf eine Eckbank gesetzt hatten, nahm er seinen Arm nicht
wieder weg. �Sag mal, wie hei�t du eigentlich?�, fragte ich, nachdem wir
bestellt hatten. �Leo, Leo Candice und du? Auch wenn du f�r mich immer mein
gefallener Engel bleiben wirst, und der s��este noch dazu.� �Oh, ich bin
Laurie Jefferson.�, antwortete ich dem Tisch, denn ich traute mich nicht, ihn
anzusehen, weil er mal wieder so umwerfend l�chelte und ich davor Angst hatte,
Angst mich zu verlieben. Am besten sag ich ihm, dass ich einen Freund habe, dann
sind die Fronten schon mal gekl�rt und er f�ngt gar nicht erst an sich
Hoffnungen zu machen, �berlegte ich, w�hrend ich den hei�en Tee trank. ��hm
Leo, ich muss dir etwas sagen. Ich��, er unterbrach mich, indem er einen
Finger an meine Lippen legte. �Sag nichts!�, wisperte er und ohne
abzuwarten, k�sste er mich. Intuitiv beantworte ich den Kuss und als ich meinen
Mund kurz �ffnete, schl�pfte seine warme Zunge hinein. Ich genoss diesen
Wahnsinns-Kuss und als wir und schlie�lich voneinander l�sten, musste ich nach
Luft schnappen, weil ich so au�er Atem gekommen war. Da fiel mir siedendhei�
Tom ein und sofort bekam ich Gewissensbisse. �Du, ich muss gehen!�, rief ich
hastig, warf einen F�nf-Dollar-Schein auf den Tisch und sprang auf, als er mich
a der Jacke festhalten wollte, riss ich mich los und rannte zur T�r. �Warte
auf mich, Laurie!� Nur wenige Sekunden sp�ter hatte er mich eingeholt und
mich in seine Arme gezogen. Eigentlich wollte ich mich befreien, aber aus
irgendeinem Grund lie� ich es bleiben und zitterte vor K�lte. �Ist dir
kalt?� Er zog mich noch n�her an sich ran und k�sste wieder meine eiskalten
Lippen. Warum lie� ich das zu? Mir war noch nie in den Sinn gekommen, Tom zu
betr�gen, schon gar nicht mit einem wildfremden Typen, aber so fremd war Leo
gar nicht, schlie�lich kannte ich seinen Namen und seinen Mund, der sich auf
meinem wunderbar anf�hlte. Schlie�lich schob ich ihn entschlossen von mir weg,
als ich seinen Hundeblick sah, wusste ich, dass ich ihm nicht die Wahrheit sagen
konnte und so blieb ich stumm. �Sehen wir uns wieder?�, fragte er und
schmiegte seine Wange an meine. �Ok!�, sagte ich und schrieb mir seine
Handynummer auf. �Ich ruf sobald wie m�glich an.�, verabschiedete ich mich
eilig, bevor er mich erneut k�ssen konnte. Vor Tom�s Wohnung blieb ich noch
einmal stehen und dachte nach. Sollte ich lieber diese Nacht in einer Pension
verbringen? Doch in dem Augenblick �ffnete sich die T�r und Tom stand vor mir.
Eine Sekunde sp�ter dr�ckte er mich schon an sich und murmelte in meine Haare.
�Laurie, ich liebe dich �ber alles und hab dich so vermisst.� Als er das
sagte, begann ich bitterlich zu schluchzen, er war fast umgekommen vor Sorge und
ich knutschte wild in der Gegend herum. Naja, noch mal w�rde das nicht
geschehen, denn ich w�rde mich nie im Leben bei Leo melden. Als ich Annie von
dieser Begegnung erz�hlte, fragte sie mich direkt. �Liebst du Tom nicht
mehr?� �Doch!�, sagte ich aus tiefster �berzeugung, doch es hatte sich
etwas ver�ndert, irgendwo piepste eine Stimme: �Und was ist mit Leo?� Schon
drei Tage sp�ter war meine Erinnerung an diesen Nachmittag verwischt, und ich
bildete mir ein, alles nur getr�umt zu haben. Ich wusste ja nicht, dass ich
diesen Traum bald wieder treffen w�rde.
Ich lag gelangweilt im
Wohnzimmer auf der Couch und zappte mich durch s�mtliche TV-Kan�le. Annie
hatte heute Fecht-Unterricht und vorher musste sie zum Arzt, deshalb konnte sie
sich nicht mit mir treffen und noch �ber zwei Stunden bis Tom endlich nach
Hause kam, wie auf Kommando h�rte ich in diesem Moment wie sich die T�r �ffnete.
�Hallo, mein Schatz! Ich bin fr�her nach Hause gekommen!�, fl�tete er
durch die Wohnung. Dann trat er zu mir ins Wohnzimmer, dr�ckte mir wie gew�hnlich
einen Kuss auf die Lippen und setzte sich zu mir auf�s Sofa. �Na, l�uft was
Interessantes?�, fragte er und griff nach meiner Hand. �Nee, nur
Schrott!�, antwortete ich und g�hnte. �Du bist doch wohl nicht m�de?
Eigentlich wollte ich heute Abend mit dir ausgehen, aber du solltest dich lieber
mal ausschlafen.� �Ach Tom, ich bin hellwach. Wohin geht es denn?�, fragte
ich neugierig. �Also, ich hab heute einen alten Freund von mir getroffen, den
ich ewig nicht mehr gesehen habe. Er ist jetzt f�r �ne Weile in New York und
da hab ich gedacht, als Begr��ungsessen k�nnten wir zu Tony�s gehen.�,
abwesend begann er mit meinen Fingern zu spielen. �Sch�n, ich freue mich!�,
sagte ich und kuschelte mich etwas an ihn heran. �Aber vorher hab ich noch was
mit dir zu besprechen, am besten w�re es nat�rlich sofort.� �berrascht
blickte ich ihn an und ahnte nichts Gutes. �Hey, mach dir Sorgen, es ist nicht
so schlimm.�, lachte er als er mein verschrecktes Gesicht sah. �Um was geht
es denn?�, wollte ich wissen und versuchte mich etwas zu entspannen. �Bei
uns im B�ro ist jemand krank geworden, der sollte f�r die n�chsten zwei Tage
auf einen Lehrgang nach Washington gehen.� �Aja, was hat das mit dir zu
tun?� �Ich muss jetzt an seiner Stelle gehen. Ich hoffe, du h�lst es zwei
Tage ohne mich aus.� �Ich denke, das werd ich schaffen und Annie kann ja
auch mal hier �bernachten. Sie findet ganz sicher eine Ausrede f�r ihre
Eltern.� �Toll, dass du die Nachricht so gut aufnimmst.�, freute er sich
und gab mir z�rtlich einen Kuss. Als er meine glitzernden Augen sah, die nach
mehr forderten, nahm er mich an der Hand und wir gingen in sein Schlafzimmer, wo
wir noch eine ganze Weile im Bett kuschelten und uns fast ununterbrochen k�ssten.
Schlie�lich war es Zeit sich f�r das Abendessen mit Tom�s Freund fertig zu
machen und nachdem ich wieder stundenlang im Bad zugebracht hatte, kam ich
schlie�lich in einer hellgrauen Bluse und einem dunkelblauen Minirock wieder
heraus. �Uiii!�, pfiff Tom, der schon ungeduldig gewartet hatte. �Da muss
ich ja aufpassen, dass du Leo den Kopf nicht verdrehst.� �Was hast du
gesagt?�, fragte ich, weil ich nicht zugeh�rt hatte, sondern einen Faden aus
der Bluse gezogen hatte. �Ach, ist nicht so wichtig.�, lachte er und ich
hakte mich bei ihm ein. Im Restaurant hatten wir einen Tisch reserviert, suchend
blickte Tom sich um, konnte aber noch nirgends seinen Freund entdecken. �Er
versp�tet sich wohl. Das ist normal bei ihm.� Wir setzten uns und bestellten
schon mal etwas zu Trinken. Zwanzig Minuten waren vergangen, doch niemand war
aufgetaucht. Da ich gro�en Hunger hatte, holte ich mir die Karte und suchte mir
etwas Leckeres aus. So bemerkte ich nicht, dass jemand an unseren Tisch trat.
�Entschuldigt meine Versp�tung, aber ich hab das Restaurant nicht gefunden
und der Taxifahrer auch nicht.�, die Stimme kam mir irgendwie bekannt vor, nur
konnte ich sie nicht zu ordnen. Als ich hochblickte, um zu erfahren, zu wem
diese Stimme geh�rte, erstarrte ich. �Darf ich euch einander vorstellen?
Laurie, das ist ein sehr guter Freund von mir,
Leo! Leo, das ist Laurie, meine Freundin.� Auch in Leo�s Augen las ich
Entsetzen, doch er fing sich schnell wieder, ergriff meine Hand und sch�ttelte
sie. �Nett dich kennen zulernen.�, flachste er und ich erwiderte ganz ruhig.
�Ganz meinerseits!� In meinem
Inneren dagegen herrschte ein Wirbelsturm der Gef�hle. Trotz meiner Bef�rchtungen,
dass Leo irgendwann etwas verraten w�rde, war der Abend wirklich sch�n. Leo
war schon fast �berall gewesen und konnte stundenlang �ber seine vielen Reisen
erz�hlen. Anfangs war ich noch ziemlich befangen, aber nach einiger Zeit wurde
ich lockerer und unterhielt mich viel mit ihm. Auch seine bewundernden Blicke,
die er mir andauernd zuwarf, waren mir nicht unangenehm, denn ich versuchte sie
einfach zu �bersehen. Tom bemerkte bald, wie gut wir uns verstanden und lachte
wie ein Honigkuchenpferd. Seine Sorgen, die beiden k�nnten sich nicht
verstehen, waren v�llig unbegr�ndet gewesen. Es war schon weit nach
Mitternacht, als Tom, der die letzen Minuten geschwiegen hatte, um �ber etwas
nachzudenken, wieder sprach. �Ich hab da gerade eine gl�nzende Idee.�
�Und die w�re?�, fragte ich l�chelnd. �Was haltet ihr davon, dass Leo w�hrend
der Zeit, die ich auf dem Lehrgang bin, zu uns in die Wohnung zieht. Dann w�rst
du nicht so alleine, Laurie und du Leo k�nntest dir die Miete f�r die Pension
sparen.�, er strahlte uns an, und ich wusste gleich, dass es keine M�glichkeit
gab ihn von diesem Gedanken wegzuholen. �Von mir aus sehr gerne, aber nur,
wenn Laurie auch tats�chlich einverstanden ist. Ich w�rde verstehen, wenn sie
keine Lust hat mit einem Typen zusammen zu wohnen, den sie gerade mal einen
Abend kennt.�, meinte Leo. Tom�s bittender Blick ruhte auf mir. �Ach was,
das wird bestimmt eine tolle Zeit mit uns beiden.�, antwortete ich und lachte,
doch tief in mir drin, wusste ich, dass diese Antwort ein Fehler war, den ich
ganz sicher bereuen w�rde. Ich hatte soeben unsere Beziehung zerst�rt.
7. Kapitel
Am n�chsten Morgen stand
ich sehr fr�h auf, obwohl ich hundem�de war und gut und gerne noch eine Stunde
l�nger geschlafen h�tte, aber ich
wollte mich noch von Tom verabschieden und au�erdem musste ich in die Schule. W�hrend
ich verschlafen ins Bad tappte, wuselte er durch die Wohnung und suchte noch
tausend Sachen zusammen, denn er hatte gestern vergessen zu packen und in
weniger als zwei Stunden ging sein Flieger. Grinsend setzte ich mich an den K�chentisch
und trank einen Schluck aus seinem Glass. Igitt, Grapefruit-Saft! Aus dem K�hlschrank
holte ich mir Milch und setzte mich dann wieder hin. Nachdem ich einen halben
Croissant gegessen und mir ein Sandwich f�r die Pause geschmiert hatte, stand
ich auf um ins Bad zu gehen, aber da stand Tom und suchte verzweifelt nach
seinen Rasierklingen. �Du, ich leg mich noch mal eine Runde hin, weck mich,
wenn du gehst, ok?�, fragte ich g�hnend und legte mich wieder ins Bett,
welches noch ein bisschen warm war. �S��e, aufstehen!� �Mmmmhhh!�
�Hey, wach auf, oder willst du deinem Liebsten keinen anst�ndigen
Abschiedskuss geben.� �Doch!�, murmelte ich schlaftrunken und schlug
endlich die Augen auf. Er war fix und fertig angezogen, frisch rasiert und
duftete nach einem dieser teueren M�nnerparfums. Im Flur stand ein kleine
Reisetasche und sein mir alt bekannter Aktenkoffer. �Ich hab Leo den
Ersatzschl�ssel gegeben, ok? Er wird irgendwann im Laufe des Tages kommen.�
Ich nickte blo�, denn in meinem Hals steckte ein Klo�. Mir wurde gerade
bewusst, dass ich noch nie solange von Tom getrennt gewesen war. �Hey S��e,
ich werd dich wahnsinnig vermissen und w�hrend des langweiligen Seminars nur an
dich denken.�, z�rtlich zog er mich an sich ran und knabberte an meiner
Unterlippe. �Ich dich auch!�, erwiderte ich und konnte die Tr�nen nicht
verhindern, die mir die Wange hinunterliefen. �Baby, don�t cry!�, fl�sterte
er und k�sste mich auf diese einzige Art und Weise, seltsamerweise musste ich
diesmal an Leo denken. Schlie�lich l�ste er sich von mir, nahm sein Gep�ck,
dr�ckte mir noch einen letzten Kuss auf die Wange und verschwand durch die T�r.
Jetzt war er erstmal weg und Leo war hier, schoss es mir durch den Kopf. Ob
diese explosive Mischung gut ging? Naja, ich sollte mich besser mal f�r die
Schule fertig machen, sonst kam ich am Ende noch zu sp�t und dass war diese
Woche ziemlich oft vorgekommen. Doch als ich auf die Uhr blickte, entfuhr mir
ein Schrei. Es war kurz nach neun und die Schule hatte um Viertel vor Neun
begonnen. In gr��ter Eile zog ich mich an, f�r mehr als eine kleine Katzenw�sche
hatte ich keine Zeit und sieben Minuten sp�ter hetzte ich die Treppe hinunter,
zwei Minuten sp�ter jedoch lief ich sie wieder hoch, weil ich auf dem Weg zur
U-Bahn bemerkt hatte, dass ich meine Schultasche oben liegen gelassen hatte.
Nachmittags h�rte ich schon
im Treppenhaus laute Musik, die offensichtlich aus Tom�s Wohnung kam. Na Toll,
Leo ist schon da, dachte ich, als ich die T�r aufschloss. Drinnen dr�hnte der
Bass noch lauter und im Wohnzimmer lag Leo auf der Couch, futterte Chips und
trank Pepsi. �Hey!�, schrie ich gegen den Krach an, doch er h�rte mich
nicht. Erst als ich direkt vor ihm stand und mit meinen Armen wedelte, bemerkte
er mich, grinste und drehte die Lautst�rke etwas runter. �Hi mein Angel!�,
ich verdrehte die Augen, als er das sagte und ging erstmal in die K�che, weil
mein Magen knurrte. Leider hatte mein neuer Mitbewohner den K�hlschrank gepl�ndert
und so musste ich wohl oder �bel erst einmal in einen Supermarkt gehen, um
einzukaufen. M�rrisch schnappte ich mir den Haushaltsgeldbeutel, zog rasch
Schuhe und Jacke wieder an, rief Leo ein kurzes �Bye!� zu, das er wieder
nicht h�rte und ging wieder. Nachdem ich das Allern�tigste f�r die n�chsten
zwei Tage besorgt hatte, beschloss ich, bei Annie vorbei zu schauen. Das barg
zwar ein gewisses Risiko, weil ich jederzeit ihren Eltern �ber den Weg laufen
konnte, aber die waren sowieso nie vor zehn Uhr abends zuhause und die neuesten
Ereignisse musste ich meiner Schwester unbedingt erz�hlen. �Hi!�, strahlend
nahm sie mich in den Arm, als ich kurze Zeit sp�ter, bei ihr klingelte. �Oh
Annie, ich muss dir ziemlich viel erz�hlen!�, st�hnte ich und warf mich auf
ihr Bett, das leise knarrte. �Hast du zugenommen?�, scherzte sie und setzte
sich mir gegen�ber in einen Pl�schsessel. �Also, was gibt es?�, neugierig
blickte sie mich an. �Leo wohnt jetzt bei mir.�, fiel ich mit der T�r ins
Haus. �Was????�
�Er ist ein alter Freund von Tom und
weil der f�r zwei Tage nach Washington muss, spielt Leo sozusagen meinen
Babysitter.�, erkl�rte ich. �Oje, ob das gut gehen wird?� Ich zuckte die
Achseln, denn ich wusste es selbst nicht. Zu sagen, dass ich mich nicht zu ihm
hingezogen f�hlte, w�re eine L�ge gewesen, aber ich konnte Tom nicht einfach
so betr�gen, das brachte ich nicht �ber�s Herz und Leo hoffentlich auch
nicht.
Gegen zwanzig Uhr fuhr ich
zur�ck. Um diese Zeit waren die U-Bahnen meist v�llig �berf�llt und ich
hasste das Gef�hl so eingequetscht zu sein. Nach einer halbst�ndigen Fahrt war
ich endlich da, schob mich an den Leuten vorbei und holte erst mal wieder Luft.
Dann schleppte ich die schwere Umh�ngetasche mit den Vorr�ten die Treppe hoch.
Drei Stra�en weiter war das Mietshaus, indem Tom und ich wohnten. Seltsam, kein
Licht an, wunderte ich mich, als ich um die Ecke bog. Vielleicht ist er weg
gegangen, einen Schl�ssel hatte er ja und wenn ich Gl�ck hatte, kam er sehr sp�t
wieder und ich schlief schon. Diesmal war es ganz still, als ich die Wohnung
betrat und nachdem ich in der K�che alles einger�umt hatte, beschloss ich ein
sch�nes, hei�es Bad zu nehmen. Ich ging in mein Zimmer, zog mich aus und lief
zum Badezimmer. Normalerweise konnte ich das nicht machen, nackt herumzulaufen
und deshalb genoss ich es jetzt sehr. Nanu, wo ist denn der Lichtschalter?
Vorsichtig tastete ich mich an der Wand entlang und fand ihn schlie�lich.
KLICK! Alles wurde von glei�endem Licht erhellt. Da sah ich Leo, der eben noch
in der Wanne gelegen hatte, jetzt aber aufgesprungen war. Ich schrie auf, nat�rlich
war er entbl��t und machte sich nicht mal die M�he etwas zu verh�llen.
�Willst du zu mir ins warme Wasser?�, fragte er grinsend und streckte mir
eine Hand entgegen. Verdutzt starrte ich ihn an und �berlegte doch tats�chlich
eine Sekunde, ob ich sein Angebot annehmen sollte. Schlie�lich schaltete ich
mein Gehirn wieder ein und schrie ihn an. �Spinnst du? Wie kommst du auf so
einen Quatsch?� �Naja, wenn eine Frau vor mir steht, die so sexy aussieht,
kann ich einfach nicht anders.� Wieder dieser traumhafte Blick! Oh oh, sp�testens
jetzt sollte ich ganz schnell verschwinden, doch ich konnte mich einfach nicht
von seinen blauen Augen losrei�en. W�hrenddessen musterte er mich ziemlich
genau und sein Grinsen wurde immer breiter, je tiefer er wanderte. Irgendwann
hielt ich es nicht mehr aus, drehte mich um und rannte wortlos hinaus.
�Hey sorry! Es war nicht
so gemeint.�, h�rte ich seine Stimme keine Minute sp�ter durch meine T�r.
�Klar!�, antwortete ich ironisch und zerrte ein weites T-Shirt und ein paar
Boxershorts von Tom aus meinem Schrank. �Bitte, kann ich reinkommen!�, schon
r�ttelte er an der Klinke. �Moment!�, rief ich panisch und zog mir so
schnell wie m�glich die Klamotten an. �Was gibt�s?�; fragte ich, als ich
aus meinem Zimmer kam. Er hatte sich nur ein Handtuch um die H�ften gewickelt
und war noch klitschnass, auf dem Boden hatte sich sogar eine kleine Pf�tze
gebildet. �Ich wollte dich echt nicht zu irgendetwas auffordern. Aber ich
konnte nicht anders, als ich dich da gesehen habe. Du bist so sch�n.� Er trat
auf mich zu, doch ich wich zur�ck, ich w�rde nicht wieder auf ihn
hereinfallen. �Ich hab Hunger, du nicht auch? Wie w�re es mit Pizza?�,
rasch schob ich mich an ihm vorbei und lief in die K�che, doch mir entging sein
entt�uschter Gesichtsausdruck nicht, als ich schnell den Backofen vorheizte und
im Gefrierschrank nach der Salami-Pizza suchte. Den restlichen Abend �ber
machte er keine weiteren Ann�herungsversuche und ich war ihm sehr dankbar. Wir
guckten Fernsehen und a�en die Pizza. Da ich von gestern noch ziemlich m�de
war, ging ich schon gegen zehn Uhr ins Bett. Puh, der erste Tag w�re geschafft
und es nichts passiert. Nur noch morgen und dann ist mein geliebter Tom wieder
da, dachte ich als ich ins Bett fiel. Gleich darauf war ich eingeschlafen. Zum
Gl�ck war am n�chsten Tag Samstag, da konnte ich endlich wieder ausschlafen
und niemand w�rde mich st�ren, doch Leo drehte um halb elf die Musik derma�en
auf, dass ich sofort senkrecht im Bett stand und egal, was ich versuchte, ich
konnte nicht mehr einschlafen. Schlie�lich gab ich es auf und kam grummelnd aus
meinem Zimmer. �Guten Morgen!�, rief er gutgelaunt, �Fr�hst�ck steht in
der K�che!� Ich nickte nur und machte mir eine riesige Sch�ssel Cornflakes,
mit der ich mich zu ihm ins Wohnzimmer setzte. Er achtete gar nicht auf mich,
sondern las aufmerksam die New York Times. �Du liest Zeitung?�, wunderte ich
mich. �Nee, nur die Stellenanzeigen!�, l�chelte er, �Ich bin auf der
Suche nach einem Job.� �Achso, was stellst du dir so vor?� �Ich kann so
ziemlich alles, aber hab keine richtige Ausbildung.� �Oh, da wird es
schwierig.� �Ich find schon was, das hab ich bisher immer geschafft.�, er
vertiefte sich wieder in die Anzeigen und ich a� meine Cornflakes. �Sollen
wir heute schwimmen gehen?�, fragte er pl�tzlich in die Stille hinein. �berrascht
blickte ich ihn an. �Ok, aber ist es dir recht, wenn wir noch ein paar Freunde
von mir mitnehmen?�, ich traute ihm nicht ganz. �Klar, je mehr Leute, desto
mehr Fun!� So rief ich Annie an, die gleich zusagte und noch ein paar aus
ihrer Klasse fragen wollte. ��brigens hat Tom heute fr�h kurz angerufen.�,
sagte Leo, als er sah, wie ich gerade das Telefon auflegte. �Warum hast du mir
nicht Bescheid gesagt?�, fragte ich beleidigt. �Weil du noch geschlafen
hast!� �Hast mich ja sp�ter trotzdem geweckt.�, murmelte ich und ging in
mein Zimmer um mein Badezeug zusammen zu suchen. Zwei Stunden sp�ter trafen wir
uns am Schwimmbad. �Hi Annie!�, begr��te ich meine Schwester und umarmte
sie fest. Auch die anderen kannte ich alle vom Sehen her und nachdem ich ihnen
Leo vorgestellt hatte, konnte der nasse Spa� beginnen. Doch schon nach einer
Viertelstunde war meine Laune im Keller, denn Leo flirtete ungeniert mit Sandra,
einer von Annie�s Freundinnen. Sie sa�en am Beckenrand und knutschten, w�hrend
wir anderen Wasserball spielten und uns gegenseitig tunkten. �Da kriegt man
echt �ne Krise!�, regte ich mich auf, als ich in ihre Richtung sp�hte.
�Sei doch froh, dass er sich nicht mehr an dich ranmacht!�, meinte Annie,
der ich alles haarklein erz�hlt hatte. �Bin ich auch! Aber trotzdem� muss
er das unbedingt vor unseren Augen machen?� Sie zuckte nur mit den Schultern
und passte mir den Ball zu. Doch ich konnte mich den ganzen Nachmittag nicht
mehr konzentrieren, zu sehr besch�ftigte mich die Sache mit Leo. Als Jessy
vorschlug, Beachvolleyball zu spielen, sagte ich, dass ich ziemlich k.o. sei und
verzog mich in meinen Liegestuhl. Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete ich,
wie er Sandra fast die Zunge in den Hals steckte und gleichzeitig an dem
Verschluss ihres Bikini-Oberteils herum fummelte. Wenn er sich nicht bremsen
konnte, w�rden sie hier gleich mit einander schlafen, einfach unfassbar! Rasch
wendete ich den Blick ab, als er seine H�nde unter das Oberteil schob und ihre
Br�ste betastete. Mir reichte es, ich nahm meine Tasche und ging zu einer
Umkleidekabine um mich umzuziehen. Dann ging ich zu den anderen, die alle ersch�pft
im Sand lagen und sich eine kleine Pause g�nnten. �Ist es schlimm, wenn ich
jetzt gehe?�, fragte ich und alle verneinten. �Ist nur schade, aber wir
sehen uns bestimmt bald mal wieder!�, meinte Jessy und zwinkerte mir zu. Als
ich am Beckenrand, an dem das gl�ckliche P�rchen lag, vorbeilief, blickte Leo
kurz hoch. �Hey Laurie, wo gehst du denn hin?� �Nach Hause!�, antwortete
ich knapp ohne mich umzudrehen. �H�? Aber wie� Moment mal, warte kurz auf
mich!� Ich ignorierte ihn und ging weiter. �Sorry, Kleine! Ich hoffe, das
war nicht unser letztes Treffen!�, verabschiedete er sich von ihr, die ihn
verdutzt anstarrte und rannte nur in seinen Badeshorts hinter mir her. Keuchend
holte er mich am Ausgang ein und packte mich an den Schultern. �Warum l�ufst
du vor mir weg?�, ernst schauter er mich an. Meine Versuche seinem
eindringlichen Blick zu entweichen, scheiterten und schon wieder war ich
gefesselt von diesen traumhaft blauen Augen. �Ich laufe nicht vor dir weg,
sondern hatte einfach keine Lust mehr. Es muss sich nicht immer alles um dich
drehen, Leo.�, antwortete ich scharf und wollte mich losrei�en, aber sein
Griff wurde nur noch fester. �Du tust mir weh!�, presste ich hervor. �Tut
mir leid!�, sagte er, lie� trotzdem nicht lockerer und schob mich vor ihm her
zu einem parkenden Taxi. W�hrend der Heimfahrt sprach keiner von uns ein Wort,
erst oben in der Wohnung, als wir im Wohnzimmer sa�en, sprach er endlich.
�Mach mir und vor allem dir nichts vor. Ich hab genau gesehen, wie du die
ganze Zeit zu uns gestarrt hast.� �Hab ich gar nicht!�, bemerkte ich
trotzig. �Du warst total eifers�chtig, mein kleiner, gefallener Engel!�, er
l�chelte mich an und ich konnte nicht anders, ich musste zur�ck l�cheln,
obwohl ich ja sauer auf ihn war. In dem Moment stand er von seinem Sessel auf
und kam auf mich zu. Nein, ich konnte das nicht tun, entschlossen sprang ich auf
und wollte zur T�r laufen. �Laurie, ich hab mich in dich verliebt!�, sofort
hielt ich inne und drehte mich wieder zu ihm um. �Sag das noch mal!�, das
konnte nichts anderes als ein Traum sein. �Ich liebe dich!�, wiederholte er
und kam zu mir. Als er so nah vor mir stand, dass sich fast unsere Nasenspitzen
ber�hrten, schloss ich die Augen und hielt den Atem an. Als ich seine Lippen
auf meinen sp�rte, glaubte ich zu sterben. Es war Jahre her, dass er mich zum
letzten Mal gek�sst hatte, so kam es mir jedenfalls vor. Die letzten Male war
es ja schon atemberaubend gewesen, aber diesmal �
unbeschreiblich sch�n. �Mehr!�, hauchte ich, kaum dass er sich von
mir gel�st hatte. Ein L�cheln flog �ber seinen Mund und schon f�hlte ich ihn
wieder auf meinem. Ich wei� nicht, wie lange wir so standen und uns k�ssten,
ich hatte jegliches Zeit- und Raumgef�hl verloren. Es gab nur noch mich und
Leo, der mit seiner Zunge alles in mir zum Kribbeln brachte. Pl�tzlich fasste
er mich z�rtlich an den H�ften und hob mich hoch, jedoch ohne dass unser Kuss
unterbrochen wurde. Er trug mich in Tom�s Schlafzimmer und legte mich
vorsichtig auf dem Bett ab. Ein leidenschaftlicher Kampf zwischen unseren Zungen
entbrannte und nachdem er ihn mit Abstand gewann, durfte er sich seine Siegpr�mie
abholen. Seine rechte Hand schob sich unter mein Shirt und als die k�hlen
Finger meine Haut ber�hrten, zuckte ich kurz zusammen. �Ist es ok f�r
dich?� Ich nickte nur und wuschelte ihm durch die Haare. Schlie�lich
wanderten seine H�nde nach hinten zu meinem R�cken und ruckzuck hatte er den
BH ge�ffnet. Eigentlich h�tten bei mir jetzt alle Alarmglocken schrillen m�ssen,
doch ich beugte mich nur vor und fl�sterte ihm ins Ohr. �Mach weiter. Ich
will dich� jetzt!� Dann knabberte ich an seinem Ohrl�ppchen herum. �Hey,
das kitzelt!�, gluckste er und schob mir das Shirt samt BH �ber den Kopf. Als
er meine Br�ste zum ersten Mal ber�hrte, glaubte ich zu explodieren,
stattdessen st�hnte ich auf. Unter seinen feurigen Ber�hrungen, musste ich
immer schneller atmen und mein K�rper machte sich selbstst�ndig. Meine H�ften
rieben sich an seinen Oberschenkeln und mit meinen Fingern�geln fuhr ich �ber
seinen R�cken. Auch sein Atem wurde lauter und sein Kopf wanderte zwischen
meinen Busen, den er liebevoll liebkoste. Seine Finger suchten den Knopf meiner
Hose und hatten ihn auch bald gefunden und ge�ffnet. Mit meinem Armen st�tzte
ich mich ab, so dass er mir die Hose ausziehen konnte, als er meinen schwarzen,
transparenten Tanga sah, keuchte er. �Du bringst mich um den Verstand!�,
murmelte er und legte seine H�nde drauf. �Aaaah!�, das war zuviel f�r mich
und ich lie� mich in die Kissen fallen. Nach einigen Minuten f�hlte ich wie er
mir den Tanga z�rtlich herunterzog und dann auf den Boden fallen lie�, ich
blickte ihn an. Nanu, er war ja auch ganz nackt, hatte ich gar nicht
mitbekommen. Da sah ich etwas Gr�nes in seiner Hand aufblitzen, ein Kondom!
�Ich mache das jetzt nur, wenn du es willst.�, sagte er und blickte mich
ernst an. �Ja, Leo, tu es!�, antwortete ich mit fester Stimme und bevor ich
meine Entscheidung r�ckg�ngig machen konnte, zog ich ihn wieder zu mir runter.
Gleich darauf durchfuhr mich ein stechender Schmerz und ich schrie auf. �Keine
Sorge, das ist gleich vorbei!�, sprach er mir unter St�hnen Mut zu und begann
sich immer schneller zu bewegen. Ganz deutlich sp�rte ich ihn in mir und konnte
mich nun auch nicht mehr halten, umklammerte seinen Po mit meinen Beinen und
presste meine Lippen auf seine verschwitzte Brust. Bald hatten wir einen
gemeinsamen Rhythmus gefunden und das Zimmer war erf�llt von unserem St�hnen.
Nicht mehr lange und ich w�rde zerspringen, bef�rchtete ich, als er noch
tiefer in mich drang und mir ein Schrei entrann. V�llig gefangen in unserer
Ekstase h�rten wir nicht wie die T�r aufgeschlossen wurde und Tom fr�hlich
rief. ��berraschung! Ich bin wieder da!� Vielleicht h�tten wir in dem
Augenblick die Katastrophe noch verhindern k�nnen, aber es h�tte nichts an dem
ge�ndert, was so eben geschehen war. Erst als er die T�r zum Schlafzimmer �ffnete
und losbr�llte, wussten wir, dass wir erwischt worden waren, doch da war es
schon zu sp�t. �Was f�llt
euch ein??? Hier in meiner Wohnung!�, Tom flippte v�llig aus. Wie erstarrt
lag ich da und konnte gar nicht realisieren was passierte. Leo sprang hoch und
lief zu ihm hin. �Bitte Tom, beruhig dich!� Doch Tom schlug ihm nur eiskalt
mit der Faust ins Gesicht, so dass Leo st�rzte und liegen blieb. Er stieg �ber
den leblosen K�rper und kam auf mich zu. Rasch zog ich die Bettdecke �ber mich
und konnte nicht verhindern, dass ich losweinte. �Wie kannst du mir so etwas
antun? Ich hab gedacht, du liebst mich und kaum bin ich ein paar Tage weg, v�gelst
du wild in der Gegend herum.� Sein Blick war leer. �Ich wollte dass nicht,
Tom, denn ich liebe dich �ber alles, bitte, glaub mir!� In diesem Moment
merkte ich, dass ich log und ich musste nur noch mehr schluchzen. Traurig sch�ttelte
er den Kopf und eine einsame Tr�ne rollte �ber seine Wange. �Laurie, wir k�nnen
nichts an unseren Gef�hlen �ndern und ich will nicht krampfhaft etwas
erzwingen. Also, ich gehe jetzt f�r zwei Stunden weg und wenn ich wiederkomme,
seit ihr, du und Leo, aus meinem Leben verschwunden.� Fassungslos schaute ich
ihn an, dass konnte er nicht ernst meinen, aber als er die Wohnung verlie�,
wusste ich, dass es keinen Sinn mehr hatte. Ich hatte ihm das Herz gebrochen,
schoss es mir durch den Kopf. Wenig sp�ter erhob ich mich schwerf�llig und
ging in mein Zimmer, wo ich meine Klamotten und pers�nliche Dinge in eine
Reisetasche packte. �Mann, hat der einen Schlag drauf!�, st�hnend kam Leo
ins Zimmer und umarmte mich. Panisch riss ich mich von ihm los. �Bitte, lass
mich in Ruhe.� �Tut mir leid!�, sagte er knapp und ging wieder hinaus.
Schlie�lich h�rte ich, wie er im Wohnzimmer den Fernseher einschaltete. Mein
Gott, hat der Nerven! Endlich war ich fertig mit packen, nahm meine Jacke von
der Garderobe und schlich mich ohne Abschiedsgru� aus der Wohnung und damit aus
meinem jetzigen Leben.
8. Kapitel
5 Wochen sp�ter sa� ich in
meinem winzigen Zimmer, in einem Studentenwohnheim und versuchte f�r Englisch
einen Aufsatz zu schreiben, doch noch immer kreisten meine Gedanken um Tom, den
ich so sehr verletzt hatte. An Leo versuchte ich nicht zu denken, trotzdem
begann ich manchmal von seinen s��en Augen, seinem L�cheln und dieser
unvergesslichen Nacht zu tr�umen. �Ich krieg das nie hin!�, fluchte ich
leise und warf meinen Stift in die Ecke, als pl�tzlich mein Telefon klingelte.
�Ja!�, meldete ich mich genervt. �Du hast aber eine wunderbare Laune!�
�Oh hi Annie, ja, das liegt an den Hausaufgaben.� �Ich hab �ne gute
Therapie: Komm heut abend bei mir vorbei. Meine Eltern gehen zu einem
Staatsempfang und sind garantiert nicht vor ein Uhr nachts zuhause.� �Ok,
soll ich so gegen neun kommen?� �Ja, das w�re super!� �Jo, bis dann!�
Rasch legte ich auf und machte mich auf die Suche nach meinem Bleistift. Abends
fuhr ich mit der U-Bahn zu Annie, den Weg kannte ich bereits auswendig. Meine
Zwillingsschwester war innerhalb weniger Monate zu meiner besten Freundin
geworden, ich liebte sie �ber alles und konnte ihr jedes Geheimnis anvertrauen.
Sie war der einzige Mensch, der mich nie entt�uscht hatte oder den ich auf
tragische Weise verloren hatte. Ohne sie, das wusste ich ganz genau, konnte ich
nicht mehr leben. Annie war ein Teil von Laurie geworden, so wie Laurie ein Teil
von Annie geworden war. Endlich hatten sich unsere Teile zu einem Ganzen
zusammen gef�gt.
Durch die Dunkelheit lief
ich den Kiesweg zum Haus hinauf und klingelte, fast sofort wurde mir ge�ffnet
und ich wurde innig von Annie umarmt. �Hallo kleine Sis!�, begr��te sie
mich. �Hey, ich bin nur 2 Minuten j�nger als du!�, protestierte ich und wir
verschwanden ins Haus. �Dennis ist auch da!�, sagte sie und wurde ein
bisschen rot im Gesicht. �Hi Dennis!�, begr��te ich ihn, der im Wohnzimmer
MTV guckte. Er war seit drei Wochen mit Annie zusammen und die beiden schwebten
auf Wolke sieben, manchmal schmerzte mein Herz, wenn ich daran dachte, wie gl�cklich
die Beiden waren und wie gl�cklich ich jetzt noch mit Tom sein k�nnte, falls
die Sache mit Leo nicht gewesen w�re. Wie sonst, wenn ich etwas mit Annie
unternahm (auch wenn sie die ganze Zeit mit ihrem Freund knutschte) war der
Abend wundersch�n. Zuerst guckten wir ein Video und futterten Salami-Pizza,
danach sa�en wir wie immer auf ihrem Bett und quatschten ohne Ende. Dennis
hatte seine Arme um sie gelegt und h�rte uns schweigend zu, nur manchmal sagte
er ein paar Worte. Wir M�dchen dagegen, plapperten ohne Ende. Nat�rlich fiel
irgendwann auch der Name Leo wieder und Annie wollte wissen, wieso ich keinen
Kontakt mehr zu ihm aufnahm. �Wieso sollte ich?�, fragte ich schroffer als
beabsichtigt. �Weil du ihn liebst.�, lautete Annie�s knappe Antwort. �Tu
ich nicht!�, meinte ich. Dennis sch�ttelte lachend den Kopf und bekam einen w�tenden
Blick von mir ab. �Du bist ein hoffnungsloser Fall, Laurie und wenn du nicht
binnen einer Woche mit ihm geredet hast, dann�� �Dann?� Sie sprang auf
mich zu und begann mich durchzukitzeln. �Aaaaaaaaaaaah, Annie! H�r auf, ich
kriege keine Luft mehr.� Ich versuchte mich unter ihr hervor zu rollen, doch
sie packte meinen Arm und hielt mich fest. �Dennis, hilf mir!�, br�llte
ich, aber er machte keine Anstalten, sondern sa� nur grinsend da. Mit den
Beinen strampelnd rutschte ich weiter an den Rand, pl�tzlich machte es PLUMPS
und wir landeten unsanft auf dem Parkettboden. �Autsch!�, sagte sie und ich
musste laut lachen. Japsend krabbelte ich wieder auf�s Bett hinauf und schloss
kurz die Augen. �Ich geh mal schnell auf die Toilette!�, h�rte ich Annie
sagen und schon entfernten sich ihre Schritte auf dem Gang. �Schl�fst du?�,
fragte Dennis mich auf einmal. �Ja!�, sagte ich und behielt die Augen
weiterhin geschlossen, erst als er mich wieder durchzukitzeln begann, �ffnete
ich sie. �Ich will Annie �berraschen, kannst du mir dabei helfen?� �Du
hast mir eben auch nicht geholfen!�, schmollte ich. �Ach komm, Laurie, das
war nur�� Als ich zu grinsen begann, wusste er, dass ich ihn gerade
verarscht hatte. �Klar, helfe ich dir. Um was geht es denn?�, wollte ich
wissen. �Also, ihre Eltern kommen ja heute sehr sp�t und ich wollte mir einen
romantischen Abend machen mit Kerzen, Rosenbl�ttern auf dem Bett, leiser Musik,
nur muss sie, w�hrend ich alles vorbereite, abgelenkt werden. Kannst du das �bernehmen?�
Ich nickte und stand auf um sie auf dem Flur abzufangen. �Warte kurz, ist es
ok f�r dich? Ich meine, eigentlich hattest du dich doch auf einen Weiberabend
mit ihr gefreut, oder?� �Ach, Annie soll gl�cklich sein, das ist das
Einzige was z�hlt.�, meinte ich, als ich im T�rrahmen stand. �Ihr beiden
seid euch wirklich �hnlich, sie w�rde das gleiche �ber dich sagen.�, sagte
er freudestrahlend. �Ich wei�, wir sind Zwillinge!�, grinsend ging ich
hinaus. Eine passende Ausrede hatte ich auch schon parat. Dennis hatte Hunger
bekommen und ich wollte mit ihr einen kleinen Imbiss in der K�che zubereiten. W�hrend
sie sich mal wieder dar�ber aufregte, wie viel ein Junge essen konnte, ohne
dick zu werden, verstreute er oben in ihrem Zimmer rote Rosenbl�tter auf dem
Bett und legte eine Spur hinaus auf den Gang. Dann z�ndete er die Kerzen, die
er mitgebracht hatte, an und suchte eine CD mit langsamen Lovesongs heraus. Nerv�s
guckte ich auf die Uhr, er hatte gemeint, dass zehn Minuten reichen w�rden und
die waren jetzt um. Leider redete Annie ununterbrochen und brauchte deshalb ewig
um ein Sandwich zu machen. �Geh du schon mal vor!�, bot ich ihr an, �Ich
schmiere noch zwei und komme dann nach.� �In Ordnung!�, sie verschwand aus
der K�che und ich h�rte wie sie die Treppe hoch lief, pl�tzlich verstummten
ihre Schritte. Ah, sie hatte die Rosenbl�tter entdeckt. Ihre Zimmert�r �ffnete
sich leise und gerade noch erklang ein �Dennis, das ist ja��, da wurde die
T�r wieder geschlossen. Zufrieden nahm ich den Teller mit Broten ins Wohnzimmer
und machte mir einen gem�tlichen Abend auf der Couch. Irgendwann nickte ich ein
und schlief tief und fest vor dem flimmernden Fernseher.
War da eben ein Ger�usch
gewesen? Schlagartig war ich hellwach und guckte mich im dunklen Zimmer um, dass
nur vom Schein des Fernsehers erhellt wurde, um. Da h�rte ich es wieder, er war
ein leises Knirschen. Angst kroch in mir hinauf, als ein Leuchten vor dem gro�en
Terrassenfenster auftauchte. Ob das ein Einbrecher war? Vorsichtig schlich ich
zum Fenster und guckte hinunter in den Park. Ein k�nigsblauer Rolls Royce fuhr
gerade die Kies bestreute Auffahrt hinauf. Das waren Annie�s Eltern, aber warum
kamen sie schon so fr�h, schlie�lich war es erst� mein Blick fiel auf die
Uhr, die an der Wand neben dem Sofa hing. Halb zwei! Warum war ich blo�
eingeschlafen? Rasch �berlegte ich, wenn ich mich beeilte, konnte ich mich noch
ungesehen aus dem Haus schleichen. Doch als ich im Flur in meine Sneakers geschl�pft
war und die Jacke von der Garderobe nehmen wollte, sah ich Dennis� schwarze
Adidas und seine Lederjacke. Ich konnte meine Schwester jetzt nicht h�ngen
lassen, denn ich wusste, wenn ihre Eltern sie oben mit ihrem Freund erwischten,
war die H�lle los. Ob ich sie noch rechtzeitig warnen konnte, in dem Moment
klackerten drau�en Schuhe auf der Treppe und ich vernahm leises
Stimmengemurmel. Nun, war es zu sp�t. Pl�tzlich kam mir eine Idee, zugegeben
eine verr�ckte Idee, aber vielleicht w�rde sie funktionieren und es war das
einzige, was uns noch retten konnte. Mit ein paar Schritten verschwand ich
wieder im Wohnzimmer und schaltete den Fernseher wieder ein. Angespannt lauschte
ich, wie ein Schl�ssel ins Schl�sselloch gesteckt und umgedreht wurde. Die T�r
�ffnete sich und die beiden betraten das Haus, zogen ihre M�ntel aus und h�ngten
sie auf. Alles beobachtete ich durch einen Spalt der Wohnzimmert�r, das waren
also meine Eltern! Eine Frau Anfang Vierzig mit wasserstoffblonden halblangen
Locken, klein, schmale Figur, daneben wirkte ihr Mann nahezu riesig. Er war
bestimmt 20 cm gr��er als sie, hatte dunkle kurze Haare und war in einen
schicken Smoking gekleidet. �Annie, bist du noch wach?�, h�rte ich zum
allerersten Mal die Stimme meiner Mutter, als sie trippelnd auf�s Wohnzimmer
zulief. Oh, jetzt war es Zeit mein Schauspieltalent unter Beweis zu stellen,
dachte ich und schluckte. Licht aus der Eingangshalle durchflutete das Zimmer,
als die T�r aufgerissen wurde. �Kind, du h�ttest nicht auf uns warten
brauchen!�, sagte sie und l�chelte mich an. Da stand sie in ihrem teuren
Abendkleid, das wohl nur f�r sie geschneidert worden war, und l�chelte,
ahnungslos, dass vor ihr ihre verlorene Tochter sa�. �Ich hab noch ein
bisschen MTV geguckt, Mom!�, meinte ich und versuchte sie nicht anzustarren,
sondern blickte auf den Boden. �Achso, aber trotzdem, geh besser bald
schlafen, das schadet sonst deinem Teint!�, sie drehte sich um und ging zur�ck.
Urgh! Was war das denn f�r eine? Kein Wunder, dass Annie sie nicht mochte und
so schnell wie m�glich hier weg wollte, aber was h�tte ich denn anderes
erwarten sollen? Eltern, die ihr Kind weggeben wegen Geld, konnten nicht nett
sein. Auch mein Vater warf einen kurzen Blick herein und w�nschte mir eine gute
Nacht. �Dir auch, Dad!�, rief ich, da schaute er mich erstaunt an. �Seit
wann nennst du mich wieder Dad?�, fragte er verwundert. Ups, ich hatte schon
geahnt, dass meine Aktion scheitern w�rde. �Mich hat sie eben auch Mom
genannt. Sie ist also immer noch unsere kleine Prinzessin!�, sagte meine
Mutter, die schon an der Treppe stand. �Hast du einen kleinen sentimentalen
Anfall?�, grinste er und ging endg�ltig wieder. Puh, das war gerade noch mal
gut gegangen, dachte ich und wischte mir den Schwei� von der Stirn.
Schauspielern war wirklich anstrengend! Obwohl ich mir vorstellen konnte, dass
es l�ngst nicht so anstrengend war, wenn man nicht vor seinen Eltern, die man
zum ersten Mal sah, stand und ihnen vorgaukelte jemand anderes zu sein. Meine
Gef�hle waren total durcheinander gewirbelt, aber um dar�ber nachzudenken,
hatte ich sp�ter genug Zeit, jetzt musste ich hier erstmal weg. Eigentlich
wollte ich warten, bis die beiden in ihrem Zimmer eingeschlafen waren und mich
dann wegschleichen, aber w�hrend ich ungeduldig herumsa� und hoffte, das
gleich das Licht im zweiten Stock ausginge, h�rte ich erneut die Stimme meiner
Mutter. �Was sind das f�r seltsame Ger�usche in deinem Zimmer?�, rief sie
misstrauisch. In sekundenschnelle war ich aufgesprungen und in die Halle
gerannt, aber es war schon zu sp�t, sie hatte die T�r ge�ffnet und ich konnte
mir sehr gut vorstellen, welche Situation sie da vorfand. Ihr gellender Schrei
best�tigte meine Vermutung und ich wusste, dass wir dieses Spiel verloren
hatten. Sie hatten uns erwischt!
Wenn ich klug gewesen w�re,
h�tte ich die Beine in die Hand genommen und w�re so schnell wie m�glich und
so weit wie m�glich weggelaufen, aber ich konnte nicht anders, stieg langsam
die Treppe hinauf und ging den Gang hinab zu Annie�s Zimmer. Meine Mutter stand
kreidebleich noch immer in der T�r�ffnung und blickte auf Annie und Dennis,
die nackt aufeinander im Bett lagen. Dennis griff nach der Decke, die auf den
Boden gerutscht war und legte sie �ber sich und Annie. �Delia, ich kann dir
alles erkl�ren!�, sagte Annie in dem Moment und schaute �berrascht zu mir.
�Was ist denn passiert?�, besorgt kam mein Vater angeeilt, doch auch er
verstummte, als er sah, was geschehen war. �Wie kann das sein? Annie, du warst
doch eben unten im Wohnzimmer und jetzt liegst du pl�tzlich mit diesem
dahergelaufenen Bengel im Bett.�, Dennis erntete einen w�tenden Blick.
Verwirrt guckte er zu mir und Delia schluchzte leise auf. �Ich wusste es,
irgendwann r�cht sich Gott an uns und heute ist der Tag. Das ist ein Geist!�,
zitternd deutete sie auf mich. Beinahe h�tte ich laut los gelacht, so absurd
war dieser Gedanke. Mein Vater nahm seine Frau tr�stend in den Arm. �Es gibt
keine Geister, Schatz. F�r das alles gibt es eine sehr logische Erkl�rung.�
Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, f�hrte er sie aus dem Raum in ihr
Schlafzimmer. �Laurie, was? Wie?�, wollte Annie, die ebenfalls geschockt
war, wissen. �Guckt mal auf die Uhr. Ich hab geh�rt, wie sie zur�ck gekommen
sind und hab so getan, als ob ich du w�re, wie h�tte ich ahnen sollen,
dass�� �Guten Abend, Laurie!�, wurde ich von meinem Vater, der zur�ckgekommen
war unterbrochen. Erschrocken fuhr ich zusammen und drehte mich um. Er l�chelte
mich an, aber das war kein warmherziges L�cheln, dass von Herzen kam, nein, es
war ein kaltes, berechnendes L�cheln. �Ihr seht euch wirklich �hnlich. Mir w�re
gar nichts aufgefallen, h�tte Delia euch�, sein Blick schweifte zu Dennis und
Annie, die sich angsterf�llt an ihn klammerte, �nicht erwischt.� �Wie
lange kennt ihr euch schon?�, fragte er unvermittelt und erst wusste ich
nicht, wen er meinte. �Nachdem Tod von Grandpa und Nanny hab ich euren Namen
und eure Adresse erfahren. Noch am selben Tag bin ich hierher gekommen und hab
Annie getroffen. Wieso habt ihr ihr nie erz�hlt das es mich gibt?�, fragte
ich mit Tr�nen in den Augen. �Weil wir dich vergessen hatten, Laurie!�
Fassungslos blickte ich ihn an. �Wir hatten dich damals vergessen, genau wie
wir dich wieder vergessen werden, wenn du dieses Haus gleich verl�sst und
wieder aus unserem Leben verschwindest.�, sagte er ohne mit der Wimper zu
zucken. Dann legte er einen Arm um meine Schulter, so wie eben bei Delia, nur
packte er bei mir h�rter zu und schob mich aus dem Zimmer. �Wage es nie
wieder mein Grundst�ck zu betreten oder Kontakt zu Annie aufzunehmen. Du bist
nicht mehr meine Tochter. Sie ist zwei Tage nach der Geburt gestorben.�,
zischte er mir zu, als wir den Gang hinunter liefen. Wie in Trance erlebte ich
alles, konnte nicht erfassen, was gerade geschah. Das konnte nur ein b�ser
Traum sein. Erst Annie, die mit der Decke um ihren K�rper gewickelt, aus ihrem
Zimmer st�rzte und versuchte uns aufzuhalten, riss mich zur�ck in die Realit�t.
�Nein, Charles! Du wirst uns nicht wieder trennen. Laurie und ich bleiben
zusammen.�, rief sie leidenschaftlich. �Geh zur�ck, Annie! Du wirst deine
Strafe noch erhalten!�, widersprach er ihr und lief einfach weiter. Meine
Versuche mich loszurei�en scheiterten, er war einfach zu stark. �Wenn Laurie
geht, gehe ich auch!�, schrie sie und griff nach meiner Hand. �Annie, du
bist auch sonst vern�nftig. Tu bitte jetzt das, was ich dir gesagt habe.� Sie
sch�ttelte den Kopf und stellte sich ihm in den Weg, jedoch ohne meine Hand
loszulassen. �Ich hab meine Entscheidung getroffen, ich werde mit Laurie
gehen. Du kannst mich nicht hier in diesem goldenen K�fig halten.�, sprach
sie mit fester Stimme. �Das lasse ich nicht zu!�, donnerte er. �Du kannst
nichts machen, wenn du mich zwingst hier zu bleiben, werde ich zur Polizei
gehen. Egal, was du sagst, sie ist trotzdem dein Kind und f�r sie wirst du
sorgen m�ssen genau wie f�r mich. Ich wei� genau, dass du dann deine Firmen
und dein Verm�gen verlierst und das wirst du ganz bestimmt nicht auf�s Spiel
setzen!�, sie blitzte ihn voller Hass an. Sein Griff um meine Schulter wurde
noch einmal fester, so fest, dass ich nichts mehr in ihr f�hlte, dann lie� er
mich los. �Geh doch, renn in dein Verderben, aber komm ja nicht mehr hier
angekrochen.�, er bebte vor Zorn. Diesmal hatte er das Spiel verloren. Bevor
wir f�r immer die Villa in der Kingstreet verlie�en, zog sich Annie noch rasch
an und packte ihre wichtigsten pers�nlichen Dinge und ein paar Klamotten ein.
Die hundert Jahre alte Standuhr in der Eingangshalle schlug zwei Uhr, als wir
drei, Dennis, Annie und ich in der tiefschwarzen Nacht verschwanden.
9. Kapitel
Die ersten Tage wohnte Annie
mit mir in meinem kleinen Zimmer im Wohnheim, aber das konnte auf die Dauer
nicht so bleiben und bald darauf stand unserer Entschluss fest, wir w�rden
zusammen eine eigene Wohnung suchen. Dies erwies sich als ziemlich schwer, wer
vermietet schon eine Wohnung an zwei minderj�hrige M�dchen? Niemand, stellten
wir in den n�chsten Wochen fest, noch dazu, war Annie wegen der Sache mit ihren
Eltern recht fertig und egal, was ich versuchte, ich schaffte es nicht sie zu tr�sten.
Jeden Abend lag sie auf der Luftmatratze neben meinem Bett, drehte mir den R�cken
zu, der vom Weinen leicht bebte, aber wenn ich sie in den Arm nehmen wollte,
stie� sie mich weg und falls ich dann nicht locker lie�, verlie� sie das
Zimmer und schloss sich die ganze Nacht auf der Toilette ein. Meine Sorge um sie
wurde immer gr��er und ich begann mir Vorw�rfe zu machen. W�re ich nicht so
pl�tzlich in ihr Leben getreten, w�re alles nicht geschehen. Sie w�rde jetzt
gl�cklich wie zuvor in der prachtvollen Villa leben, ahnungslos, dass sie eine
Zwillingsschwester hatte. Meine letzte Chance war Dennis, auch wenn sie ihn in
den letzten Tagen abgewiesen hatte, gab ich die Hoffnung nicht auf, dass er der
Einzige war, dem sie sich anvertraute. �Hi Dennis! Freue mich, dass du
gekommen bist!�, begr��te ich ihn, als er sich zu mir an die Theke des
kleinen Cafes, in der N�he des Wohnheims, setzte. �Wenn es um Annie geht, w�rde
ich sogar bis ans Ende der Welt laufen!�, sagte er und ich wusste, dass er es
ernst meinte. Sie war seine gro�e Liebe. �Mir ist da gestern eine Idee
gekommen. Wie w�re es, wenn du heute abend bei uns vorbei kommst, sie ins Kino
einl�dst und dann mit ihr etwas essen gehst. Ich bin sicher, sie wird ihren
Kummer f�r eine Weile vergessen und dann ist der erste Schritt zur alten Annie
getan.�, erkl�rte ich ihm, was ich vorhatte. �Super Laurie, ohne dich w�re
Annie verloren!�, nickte er und trank sein Glas Wasser in einem Zug aus.
Ich nahm einen Pulli aus der
Kommode und stopfte ihn in meinen Rucksack. Dann blickte ich zu Annie, die auf
dem gemachten Bett lag und vor sich hin starrte. �Annie? Ist es ok f�r dich,
dass ich heute abend weggehe? Ich lasse dich ja ungern alleine, aber wir
brauchen das Geld vom Babysitten dringend.� Sie reagierte gar nicht auf mich,
sondern starrte weiterhin nur auf die Wand vor ihr. Meine G�te, ich konnte nur
hoffen, dass Dennis heute etwas ausrichtete, ansonsten musste ich einen
Psychologen f�r Annie suchen und davor graute es mir jetzt schon. �Bis sp�ter!�,
rief ich, bevor ich die T�r hinter mir zu zog. Meinen Schl�ssel versteckte ich
in einer Nische, hinter der Bodenleiste, damit Dennis ihn fand, falls Annie ihm
nicht aufmachen w�rde. Schlie�lich war sie so apathisch, dass sie noch nicht
einmal mit mir sprach. Nancy, das M�dchen, auf das ich aufpasste, war wie immer
ein kleiner Engel nur als ich beim Gute-Nacht-Geschichte erz�hlen andauernd
verstummte, weil ich an die beiden denken musste, die im Wohnheim sa�en oder
hoffentlich mittlerweile auf dem Weg ins Kino waren, quengelte sie ein wenig. Ob
ich Dennis mal auf dem Handy anrufen sollte? Besser nicht, ich wollte die beiden
auf keinen Fall bei ihrer Vers�hnung st�ren, deshalb lie� ich es bleiben und
zappte mich durch s�mtliche TV-Kan�le. Nat�rlich ahnte ich nicht, was sich in
Wirklichkeit in Zimmer 206 abspielte. Als Dennis um kurz vor acht an die T�r
klopfte, wurde ihm, wie ich es erwartet hatte, nicht ge�ffnet. So suchte er
nach der kleinen Nische und fand kurz darauf den Schl�ssel. �Hallo Annie!�,
sagte er, als er die T�r aufzog und sie auf dem Bett liegen sah. Im ersten
Augenblick warf sie ihm einen �berraschten Blick zu, doch sofort war ihr
Gesicht wieder eine starre Maske. �Was willst du hier?�, fragte sie und
guckte wieder zur Wand. �Wie w�re es, wenn wir ins Kino gehen und danach
essen? Du musst hier mal rauskommen! Au�erdem vermisse ich dich!�, erkl�rte
er sein Kommen. �Nein, ich habe keine Lust und �berhaupt, wieso machst du
das? Hat Laurie dich geschickt oder hast du Mitleid mit mir?� �Weder noch,
Annie! Ich liebe dich!�, antwortete er verzweifelt. �Das ich nicht lache!
Mich liebt niemand, genauso wie ich niemanden liebe, also ich sage das nur
einmal, verschwinde!�, das letzte Wort schrie sie. Fassungslos starrte er sie
an: �Das stimmt nicht und das wei�t du ganz genau, Laurie liebt dich, ich
liebe dich und wir machen uns wahnsinnige Sorgen um dich. Nat�rlich verstehen
wir, wie sehr es dich trifft. Niemandem f�llt es leicht, seine Eltern f�r
immer zu verlassen, aber bitte gebe dir ein bisschen M�he, wenn du es selbst
nicht willst, k�nnen wir dir auch nicht helfen.� Sie sah das Flehen in seinen
Augen, aber sie sch�ttelte nur den Kopf und sagte mit tonloser Stimme: �Es
ist Aus, Dennis! Bitte geh jetzt!� Er �ffnete den Mund um noch etwas zu
sagen, lie� es dann aber bleiben. Einen letzten tief traurigen Blick warf ihr
zu, dann drehte er sich um und ging hinaus. Annie sa� da, sie wusste, dass sie
einen Fehler begangen hatte, doch ihr Stolz verbat ihr, es wieder gut zu machen
und ihm hinterher zu rennen. Sie hatte eingesehen, dass sie mit ihren alten
Leben abschlie�en musste und das bedeutete auch, Dennis zu vergessen, redete
sie sich ein. Auch als Laurie gegen Mitternacht nach Hause kam, lie� sie sich
nichts anmerken, obwohl es schwer war, die Tr�nen zur�ck zu halten. Nat�rlich
sp�rte ich, dass meine Schwester innerlich aufgew�hlt war. Leider tat sie so,
als ob nichts passiert w�re und Fragen h�tte nichts gebracht, da sie sich
gegen�ber mir blo� mehr verschlossen h�tte. Trotzdem wurde ich das Gef�hl
nicht los, dass sie mir eigentlich etwas sagen wollte, sich nur nicht traute,
aber da konnte ich ihr jetzt auch nicht helfen. Sie wusste ganz genau, dass ich
immer f�r sie da war, egal, was passierte. Todm�de fiel ich endlich in mein
Bett, l�schte das Licht und kuschelte mich in meine Kissen. Pl�tzlich merkte
ich, dass ich noch mal ganz dringend auf die Toilette musste, so stand ich
schweren Herzens noch einmal auf und huschte auf dem dunklen Gang zur
Gemeinschaftstoilette. Als ich zur�ck ins Zimmer kam, h�rte ich leises
Schluchzen und stumm setzte ich mich neben Annie auf die Luftmatratze und nahm
sie in den Arm. �Ich� hab alles� falsch gemacht!�, weinte sie sich an
meiner Schulter aus. �Hast du nicht! Dennis wird es dir nicht �bel nehmen,
dass du heute nicht mit ihm ins Kino wolltest!�, tr�stete ich sie und strich
ihr beruhigend �ber den R�cken. �Das � meinte ich nicht! Ich� ich�
habe mit ihm Schluss gemacht!� Erst glaubte ich mich verh�rt zu haben, da sie
so genuschelt hatte, doch leider war dies nicht der Fall. �Er wird dir
verzeihen!�, meinte ich und begann selbst zu weinen. Der Schmerz, den meine
Schwester empfand, war einfach zu gro�. Wie sollten wir das blo� schaffen?
Zwei siebzehn-j�hrige allein in New York! Kein Abschluss, keine Ausbildung,
nichts! Ich hatte Angst vor der Zukunft, wenn es �berhaupt eine gab� Noch
stundenlang sa� ich da und versuchte Annie zu beruhigen, bis sie schlie�lich v�llig
ersch�pft in meinen Armen einschlief, ich kroch zu ihr unter die Decke und
legte sie dann �ber uns. Noch war nicht alles verloren, ich hatte immerhin noch
eine Zwillingsschwester, die mir wichtiger war als mein eigenes Leben.
Am n�chsten Morgen erwachte
ich vom rhythmischen Trommeln des Regens, der gegen die Fensterscheibe klopfte.
Nachdenklich blickte ich hinaus in die d�stere Landschaft. Der Himmel, die D�cher
alles war in Grau geh�llt und selbst das Licht der Stra�enlaternen, die noch
angeschaltet waren, wirkte dumpf und milchig. Im Dachgeschoss des Nachbarhauses
war ein Fenster zum L�ften ge�ffnet und im Nebenzimmer war der Rollladen noch
hinunter gelassen. Das Leben in der Stadt begann gerade wieder zu erwachen. Pl�tzlich
flog eine Taube auf den Sims vor unserem Fenster und sch�ttelte ihr triefendes
Federkleid, das schneewei� war und sich von der Umgebung so stark abhob. Ein L�cheln
flog �ber meine Lippen und ich schaute kurz zu Annie, die an mich gekuschelt
tief und fest schlief und auch als ich sie ein St�ck zur Seite schob um
aufzustehen, wachte sie nicht auf. Ich trat ans Fenster und die Taube flog,
durch meinen Schatten verschreckt, davon. Auf der Stra�e sah man vereinzelt
Autos, deren Scheibenwischer im Eiltempo �ber die Windschutzscheiben wischten.
Sie fuhren am Wohnheim vorbei und bogen ein paar Stra�en weiter ab, in Richtung
Zentrum oder sie fuhren gerade aus weiter bis sie im diesigen Nebel verschwunden
waren. Nachdem ich den morgendlichen Betrieb eine Weile beobachtet hatte, drehte
ich mich um und suchte eine Jeans und ein Shirt aus dem Schrank. W�hrend ich
mich anzog, fasste ich den Entschluss unser Leben zu �ndern. Es w�rde
schwierig und anstrengend werden, aber ich wusste, dass wir es schaffen w�rden,
wenn wir nur den Willen daf�r hatten und ein klein bisschen Durchhalteverm�gen.
Mit der B�rste fuhr ich mir ein paar Mal �ber die schwarzen Haare, schnappte
dann meine Jeansjacke, die ich gestern achtlos auf mein Bett geworfen hatte und
wollte gerade hinausgehen, als Annie mit verschlafener Stimme fragte, �Wohin
gehst du?� �berrascht drehte ich mich zu ihr um und antwortete nach kurzem �berlegen.
�Ich muss etwas nachdenken. Mach dir keine Sorgen um mich. Achja, ich bring
zum Fr�hst�ck Br�tchen mit.� Sie nickte und kuschelte sich wieder in ihre
Kissen. Ich zog die T�r hinter mir zu und lief den Flur hinunter bis zu den
Treppen. Als ich die eiserne Haust�r aufzog, blies mir ein k�hler Wind
entgegen und die Regentropfen prasselten auf meinen Kopf hinab. Erstmal w�rde
ich mir einen Job suchen und wenn ich genug verdiente, konnten Annie und ich
hoffentlich auch in eine eigene Wohnung ziehen. Wenn wir das erstmal geschafft
hatten, w�rde alles einfacher werden. Langsam schlenderte ich durch die Stra�en,
die links und rechts von meterhohen Wohnh�usern und Blocks ges�umt waren. In
den Vorg�rten bl�hten Tulpen und Schneegl�ckchen, die traurig ihre K�pfe
hingen lie�en. An einer Stra�enecke setzte ich mich auf die niedrige
Gartenmauer und starrte vor mich hin. Ich w�nschte mir manchmal, dass ich nie
von Annie und meinen Eltern erfahren h�tte. Es w�re besser, wenn ich immer
noch bei meinen Gro�eltern in Queens leben w�rde und Annie bei ihren Eltern in
der Nobelvilla. Trotzdem w�ren Nanny und Grandpa wohl ermordet worden und ich w�re
in ein Heim gekommen. Was w�re gewesen, wenn ich Tom nicht betrogen h�tte?
Wahrscheinlich s��e ich nicht im Wohnheim in einem winzigen Zimmer, aber
vielleicht w�re ich auch nicht mehr mit ihm zusammen, sondern mit Leo� Dieser
Gedanke erschreckte mich, denn trotz der vielen Sorgen, die ich im Moment hatte,
war er nicht aus meinem Kopf verschwunden. Seine wundersch�nen blauen Augen,
sein Mund, der so klasse k�ssen konnte, ich glaubte, ihn vor mir stehen zu
sehen, seine Lippen auf meinen zu sp�ren. Es wirkte so real, aber blo� der
Schatten eines Stra�enschildes fiel auf mich und der kalte Regen benetzte meine
Lippen. Vielleicht hatte Annie damals recht gehabt und ich hatte mich wirklich
in ihn verliebt, aber f�r solche Gef�hle hatte ich wirklich keine Zeit. Au�erdem,
so wie ich Leo kannte, war er mittlerweile wieder irgendwo anders, in L.A oder
in San Francisco und er hatte bestimmt eine neue Freundin, obwohl ich mir nicht
vorstellen konnte, das er �berhaupt l�nger als ein paar Tage mit ein und
demselben M�dchen zusammen sein konnte. Treue schien f�r ihn ein Fremdwort zu
sein und an so jemanden hatte ich meine Unschuld verloren. Unwillig sch�ttelte
ich den Kopf und stand von der Mauer auf, weil die Feuchtigkeit begann meine
Hose zu durchdringen. Au�erdem zitterte ich am ganzen K�rper, kein Wunder, in
der d�nnen Jacke. Mit eiligen
Schritten lief ich die Stra�e hinab und trat dann durch die Dreht�r eines
kleinen Cafes. Die Hitze der bis zum Anschlag aufgedrehten Heizung schlug mir
entgegen und ich setzte mich an einen Tisch am Fenster. Eine Kellnerin, die noch
nicht wirklich wach zu sein schien und deren tiefe Augenschatten von einer
durchzechten Nacht zeugten, kam gleich zu mir um meine Bestellung aufzunehmen.
An der Theke sa� ein �lterer Herr, der vor sich einen Teller mit Spiegelei und
eine Tasse Tee stehen hatte und in seine Zeitung vertieft war, ansonsten war das
Cafe leer. �Einen Milchkaffee bitte!�, sagte ich und spielte mit dem
Salzstreuer, der in einem Gestell neben dem Pfefferstreuer und dem �l stand.
�Kommt sofort!�, meinte sie mit schleppender Stimme und schlurfte zur�ck
hinter den Tresen. Durch die Ritzen am Fenster kam kalte Luft, aber mir war das
egal, Hauptsache ich sa� im Warmen. Obwohl ich keinen Hunger hatte, bl�tterte
ich in der Speisekarte und nachdem ich alle Gerichte durchgelesen hatte, wurde
es mir langweilig. Ich klappte die Karte wieder zu und da fiel mein Blick auf
einen Zettel, der au�en auf den Deckel geklebt war. �Qualifizierte/r
Mitarbeiter/in gesucht. Falls Interesse, bitte beim Gesch�ftsf�hrer melden.�
Dieser Laden hier hatte also einen Gesch�ftsf�hrer, h�tte ich nicht unbedingt
gedacht. Trotzdem interessierte mich dieser Job brennend und ich bezweifelte,
dass ich sehr viel harte Konkurrenz haben w�rde. Als ich an die Theke lief um
nach dem Gesch�ftsf�hrer zu
fragen, fiel mir ein, dass mir die Kellnerin, die Kaugummi kauend auf den
kleinen schwarz-wei� Fernseher starrte, noch immer keinen Milchkaffee gebracht
hatte. �K�nnen Sie mir sagen, wo ich den Gesch�ftsf�hrer finde? Und ich
hatte einen Milchkaffee bestellt�� Sie deutete ohne sich zu mir umzudrehen
auf eine T�r rechts neben der Theke und murmelte etwas von �Kommt gleich!�.
In dem Moment indem ich an die B�rot�r klopfen wollte, wurde diese von innen
ge�ffnet und die Person, die herauskam, lief direkt in mich hinein.
�Autsch!�, rief ich und taumelte benommen nach hinten, wurde aber von zwei
Armen fest gehalten. �Laurie!�, sofort erkannte ich Leo�s Stimme und als
ich in sein mir so bekanntes Gesicht hoch schaute, begann mein ganzer K�rper zu
kribbeln. Diese sanften blauen Augen, vergessen waren meine Gedanken von seiner
Untreue und seinen 1000 Freundinnen, ich versank in ihnen und der Rest der Welt
war mir v�llig gleich. �Was machst du hier?�, fragte er mich verbl�fft.
�Einen Job!�, mehr brachte ich nicht heraus. �Oh sorry, da bist du leider
zwei Minuten zu sp�t. Vor dir steht der neue Kellner des �Steward Inn�.�,
er strahlte mich an und nun sah ich neben ihm einen kleinen schm�chtigen Mann
mit Halbglatze auftauchen. Dieser nickte mir rasch zu und wandte sich dann an
die Kellnerin, die pl�tzlich anfing gesch�ftig mit einem Lappen �ber die
Theke zu wischen und die Gl�ser ordentlich hinzur�cken. �Sag mal, hast du
ein Weilchen Zeit? Wir k�nnen ja hier fr�hst�cken, wenn du magst.�, seine
Arme lagen noch immer fest um meinen R�cken, ich glaubte sogar, dass er mich
ein bisschen n�her an sich herangezogen hatte. �Ja, ist ok!�, ich befreite
mich aus seiner Umarmung und steuerte wieder auf den Fenstertisch zu. Nachdem
wir uns gesetzt hatten, rief er der Kellnerin grinsend zu. �S��e, mach uns
mal ein gro�es franz�sisches Fr�hst�ck!� Sie strahlte ihn verliebt an und
verschwand gleich hinter einer Klappt�r, die offensichtlich in die K�che f�hrte.
Es war ja klar, dass er ihr den Kopf verdreht hatte. �Und nun zu dir, mon
cherie!�, wandte er sich an mich und ich versuchte keine Miene zu verziehen,
weil ich keinesfalls eines dieser M�dchen sein wollte, die ihn umschw�rmten.
Doch als er dieses traumhafte L�cheln auf den Lippen hatte und mir tief in die
Augen blickte, warf ich meine Vors�tze �ber Bord und lachte ihn an. �Du bist
so s��! Ich bin so froh, dass wir uns hier wieder getroffen haben!�, er
klang ernst und griff nach meinen H�nden, die ich gefaltet vor mir auf dem
Tisch liegen hatte. �Ich wei�, dass es f�r dich etwas seltsam klingen mag
und vielleicht wirst du mir nicht glauben, aber du bist das erste und einzige M�dchen,
f�r das ich wirklich etwas empfunden habe.� Sprachlos schaute ich ihn an. Ich
hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit einem solchen Gest�ndnis. ��hm�
ja� also!�, begann ich herumzustottern und schlug rasch die Augen nieder, um
diesem M�rderblick zu entgehen. �Ein franz�sisches Fr�hst�ck!�, sagte
die Kellnerin lauter als n�tig und knallte die Platte mit K�se, Marmelade und
Croissants vor uns auf den Tisch, dabei verfehlte sie ganz knapp meine Hand.
Erst wusste ich nicht, was mit ihr los war, aber als sie mir dann noch einen
bitterb�sen Blick zu warf, ahnte ich, dass sie eifers�chtig war. Dabei gab er
daf�r keinen Grund, oder? Vorhin auf der Gartenmauer hatte ich mir geschworen,
erstmal mein Leben zu ordnen und f�r Liebe w�re darin f�rs Erste kein Platz
gewesen. Und jetzt war ich drauf und dran mich ernsthaft zu verlieben, falls das
nicht schon geschehen war. �Der Croissant schmeckt echt lecker. Hier probier
mal!�, er hielt mir ein St�ck Croissant, das er zuvor in Erdbeermarmelade
getunkt hatte, vor die Nase. Ich beugte meinen Kopf ein St�ck nach vorne und
nahm es vorsichtig zwischen die Z�hne, als meine Lippen seine Finger ber�hrten,
musste ich schlucken und bekam auf einmal das Gef�hl, zu ersticken. �Alles
ok?�, erkundigte er sich besorgt und leckte kurz �ber seine Fingerspitzen, an
denen noch etwas Marmelade hing. �Mmmh!�, nuschelte ich, weil ich mit dem Bl�tterteig
im Mund nicht richtig sprechen konnte. �Glaubst du eigentlich an das
Schicksal?�, fragte er pl�tzlich, nachdem wir einige Minuten still gefr�hst�ckt
hatten. �Ich wei� nicht und wenn, dann hatte ich bisher damit immer Pech.�,
antwortete ich und trank einen Schluck von meinem Michkaffee. �Entschuldige,
ich hab nicht an deine Gro�eltern gedacht.� �Wenn es nur das w�re, aber es
ist noch so viel passiert!�, so erz�hlte ich ihm von der Sache mit Annie und
ihren Eltern. Es tat gut, endlich mal mit jemandem dar�ber zu reden, denn ich
sp�rte, dass mich der Schmerz und die Sorge um meine Schwester innerlich
zerfressen hatten. Leo war ein guter Zuh�rer, er unterbrach mich kein einziges
Mal und als ich fertig war mit erz�hlen, l�chelte er mich aufmunternd an.
�Laurie, du bist wirklich stark. In deinem zarten Alter schon eine solche Last
auf dem R�cken zu tragen, ist wirklich keine leichte Aufgabe.� Seine H�nde
legten sich wieder um meine und ich f�hlte mich etwas gl�cklicher als fr�her.
Es gab noch Leute, denen ich vertrauen konnte und die mich wirklich verstanden.
�Danke Leo!�, nickte ich ihm zu und er grinste mich an. �Ich muss mich bei
dir bedanken f�r dieses wundersch�ne Fr�hst�ck. Wei�t du, ich glaube ans
Schicksal, seit ich dich eben wieder getroffen habe.� �berrascht riss ich die
Augen auf und konnte dann nicht verhindern, dass sich meine Wangen rot f�rbten.
Er war so lieb, �berh�ufte mich mit Komplimenten und wenn ich seine
himmelblauen Augen sah, wusste ich, dass er es ernst meinte und es kein dummes
Geschw�tz war um mich zu irgendetwas rumzukriegen. Mein Herz pochte und pumpte
mein Blut schneller als jemals zuvor durch meinen K�rper. Eine Hitzewelle
durchfloss mich von den Zehen bis in die Haarwurzeln, obwohl durch die Ritzen am
Fenster eiskalte Zugluft hereinkam. �Bitte Laurie, gib mir eine Chance. Ich
wei�, ich habe deine Beziehung zu Tom zerst�rt und du ahnst gar nicht, wie
leid es mir tut, aber ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt wie dich. Vom
ersten Moment an hast du mich verzaubert.� Ich las das Flehen in seinen Augen
und f�hrte einen inneren Kampf mit meinem Gewissen und meinen Gef�hlen gegen�ber
Leo. �Es ist zu viel passiert. Im Moment bin ich nicht bereit f�r eine
Beziehung!�, versuchte ich mich aus der Aff�re zu ziehen. Egal, wie sehr mein
Herz nach seiner Liebe schrie, ich durfte nicht nachgeben. Nicht jetzt, ich
konnte und wollte meinen Entschluss nicht r�ckg�ngig machen. �Lass nur
einmal deine Gef�hle sprechen!�, rief er voller Leidenschaft und bevor ich
etwas erwidern konnte, hatte er meinen Kopf zwischen seine H�nde gekommen und
presste seine Lippen z�rtlich auf meine. Automatisch �ffnete ich den Mund
einen Spaltbreit, gerade weit genug, dass sich seine Zunge hineinschl�ngeln
konnte. Sofort setzte mein Verstand aus und ich genoss den Kuss, f�hlte mich
einige Wochen in die Vergangenheit zur�ck versetzt. Meine Probleme r�ckten in
meilenweite Ferne und ich w�nschte mir, dass Leo nie wieder aufh�rte. Doch
viel zu fr�h l�ste er sich von mir und fragte mich grinsend: �Und was sagst
du jetzt?� Statt zu antworten, k�sste ich ihn wieder. �Ist deine Frage
ausreichend beantwortet?�, l�chelte ich. �Mh, kannst du es noch ein
bisschen verdeutlichen?�, sofort lag mein Mund wieder auf seinem. Irgendwann
zwischen zwei K�ssen warf ich einen Blick auf meine Armbanduhr und erschrak. Es
war bereits kurz nach eins und Annie machte sich bestimmt Sorgen, weil ich nicht
schon wieder zur�ck war. �Leo! Ich muss jetzt los! Annie wartet sicher auf
mich!�, z�rtlich streichelte ich seine Wange und gab ihm noch einen Kuss, als
er seinen Hundeblick aufsetzte. �Tut mir wirklich leid.�, ich stand auf und
zog meine Jeansjacke an, die �ber meiner Stuhllehne gehangen hatte. Sie war
ganz nass und klamm vom Regen und ich fr�stelte. Er lief um den Tisch herum und
dr�ckte mich fest an sich. �Du zitterst ja! Willst du meine Jacke haben?�
�Du bist so lieb!�, murmelte ich an seiner Schulter und nahm seine warme
Lederjacke dankbar an. �Treffen wir uns morgen?�, erwartungsvoll schaute ich
ihn an und griff noch einmal nach seiner Hand. �Auf jeden Fall! Hast du meine
Handynummer noch?� Rasch nickte ich, winkte ihm kurz zu und drehte mich in
Richtung Ausgang. Gerade wollte ich durch die Dreht�r wieder hinaus in die K�lte,
als er mir hinter rief. �Warte, darf ich dich noch begleiten?� Grinsend
drehte ich mich zu ihm um. �Klar!�, mit zwei gro�en Spr�ngen war er neben
mir und legte mir sogleich seinen Arm um die H�fte. �Jetzt wird mir
wenigstens nicht mehr kalt!�, sagte ich, als wir durch die Stra�en zum
Wohnheim liefen. Der prasselnde Regen hatte sich mittlerweile in einen leichten
Nieselregen verwandelt und der Nebel war auch fast verschwunden. Uns kamen
Menschen entgegen oder liefen hastig an uns vorbei. Wenn die Autos im schnellen
Tempo um die Kurven fuhren, spritzte das Wasser, das sich am Stra�enrand
angesammelt, hoch. Alles war wie immer, es schien sich nichts ge�ndert zu
haben, seitdem ich heute morgen den Weg zum Cafe gelaufen war. F�r mich aber
war es, als w�rde ich durch eine v�llig andere Welt laufen. Vor dem Wohnheim
angekommen, wollte ich mich endg�ltig von Leo verabschieden, doch nach kurzem
�berlegen, entschied ich, ihn mit hoch in unser Zimmer zu nehmen. Vielleicht
tut es Annie auch gut, hoffte ich. Gerade wollte ich die T�r aufschlie�en, als
mir einfiel, dass ich ganz vergessen hatte, Br�tchen zu holen. �Annie, tut
mir leid, dass ich erst jetzt komme und au�erdem hab ich��, entschuldigte
ich mich als ich die T�r aufzog, doch mir blieb der Satz im Hals stecken, als
ich Annie eng umschlungen mit Dennis auf der Matratze liegen sah. Ihre Klamotten
waren gr��tenteils im ganzen Zimmer verteilt und man konnte wirklich kaum
erkennen, wo sie aufh�rte und er begann. �Ups!�, lachte Leo, der hinter mir
eingetreten war. Erstaunt und ein wenig verlegen hob Annie den Kopf. ��hm�.
Wir haben uns wieder vers�hnt!�, sie guckte schuldbewusst und auch Dennis,
dessen Haare in alle Windrichtungen abstanden, war die Situation peinlich.
�Ich freue mich f�r dich!�, sagte ich und mir fiel tats�chlich ein
riesiger Felsbrocken vom Herzen, als ich sah, dass mit den beiden wieder alles
in Ordnung war. �Ihr k�nnt ruhig weitermachen, wir sind sofort wieder
weg!�, meinte Leo und zog mich r�ckw�rts aus dem Zimmer. �Bye!�, rief
ich noch rasch, bevor die T�r ins Schloss fiel. �Da hat sich die Frage, ob
wir zu mir oder zu dir gehen, ja erledigt!�, sprach er schelmisch grinsend,
als wir die Treppen hinunter stiegen. �Du!�, spielerisch stubste ich ihn und
dr�ckte ihm gleich darauf einen Kuss auf die Wange. �Meine Wohnung ist zwar
nicht das, was ich mir unter einer Luxussuite vorstelle, aber man kann da drin
leben.�, erkl�rte er mir, als wir zur n�chsten U-Bahn Station liefen. Es ist
schon komisch, heute Morgen hatte ich mir geschworen, ganz allein mit Annie ein
neues Leben zu beginnen und jetzt ging ich Arm in Arm mit Leo durch die Stadt
und meine Schwester war auch wieder gl�cklich mit Dennis vereint. Gerade dann,
wenn man die Liebe auf keinen Fall erwartet, trifft sie einen mitten ins Herz.
Sie gibt einem die Hoffnung, die man so dringend ben�tigt. In dem Augenblick
durchbrachen glei�ende Sonnenstrahlen die grauen Regenwolken und tauchten alles
in funkelndes Licht. Die regennassen Dachziegeln glitzerten mit den Pf�tzen auf
den Stra�en um die Wette und hinter zwei Wohnblocks sah ich einen Regenbogen,
der in allen erdenklichen Farben schilllerte. Wenn man das Ende eines
Regenbogens findet, ist dort ein Topf voller Gold, sagt man sich, aber alles
Gold dieser Welt ist nichts wert, wenn man es mit der Liebe vergleicht. Au�erdem
hatte ich meinen Topf Gold schon gefunden, er hatte die sch�nsten Augen der
Welt, in denen man sich Luftschl�sser bauen konnte, die weichesten Lippen,
weicher als Wolke sieben und ein L�cheln, f�r das ich sterben w�rde. Leo, ich
liebe dich mehr als alles andere auf dieser Welt!
Fortsetzung folgt