Come
little angel break my heart
1.
Kapitel
�Fuck ey, wieso treff ich
nie?�, w�tend knallte Mikey den dunkelblauen Basketball gegen die Wand eines
grauen Hauses, das direkt neben dem Basketball-Platz stand. Seine fast schwarzen
Augen blitzten vor Zorn und sein sonst so ausdrucksloses Gesicht war verzerrt.
�Keep cool!�, rief ich ihm arglos zu, sprang von dem Balken, auf dem ich die
ganze Zeit gesessen hatte, herunter und lief zu ihm. �Haha, der Witz war gut!
Wie sollen wir n�chste Woche gegen die Spanixxx gewinnen? Jess hat den Fu�
gebrochen, Dave ist in Urlaub, da bleiben kaum noch gute Spieler �brig!�,
erwiderte er ziemlich mutlos. �Aber den besten Spieler der Welt habt ihr!�,
meinte ich, mit einem L�cheln auf den Lippen und schmiegte mich an ihn. �Ach
Francesca��, seine Arme legten sich um meine H�ften und er zog mich ein St�ck
n�her. Z�rtlich gab er mir einen Kuss und ich �ffnete bereitwillig meinen
Mund, so dass seine weiche Zunge eindringen konnte. Wir waren erst seit zwei
Monaten zusammen, aber ich empfand, glaube ich, zum ersten Mal wirklich etwas f�r
einen Jungen. Naja, wenn man von der Sache mit Jamie damals absah. Mit Mikey war
es ganz anders, als mit all den anderen fr�her. Er war, trotz dass er genau wie
ich hier im Ghetto, lebte, eine liebe und einf�hlsame Pers�nlichkeit, die sich
dennoch behaupten konnte. Kein Wunder, schlie�lich war er 1,90 m gro�, hatte
ein geiles Sixpack, das ich, wann immer ich konnte streichelte und liebkoste. Au�erdem
sah er unversch�mt gut aus, seine blonden, l�ngeren Haare fielen ihm in die
Augen, so dass er immer zu blinzeln musste und wenn er l�chelte, konnte man
meinen, er w�re aus einer Zahnpasta-Werbung entsprungen. Das war so ein Witz
von uns. Irgendwann w�rde Mikey von einem Produzenten entdeckt werden, ein
kleines Werbefilmchen f�r Perlwei� drehen und �ber Nacht ber�hmt werden. Die
M�dchen w�rden nachts nicht mehr schlafen k�nnen, weil sie die ganze Zeit an
ihn denken mussten und mein Mikey w�rde sich vor Angeboten aus Hollywood nicht
mehr retten k�nnen. Achja, das wunderbare Hollywood mit den Sch�nen und
Reichen. Von dem Fenster meines Zimmers, das ich mir mit meiner Schwester
Samantha und meinem Bruder Alex teilte, konnte man die wei�en Buchstaben sehen
und manchmal sa� ich abends auf dem Fensterbrett, lie� meine F��e
herausbaumeln und starrte hin�ber in die �bessere Welt�. Wie gerne w�re
ich auch eine ber�hmte Schauspielerin, aber was sollten sie schon mit einem
Ghetto-Kind? Mikey meinte zwar immer, dass ich das s��este Gummib�rchen sei,
an dem er je geknabbert h�tte, aber ich wollte ihm das nicht so recht abkaufen.
Denn wenn ich in den Spiegel guckte, sah ich ein d�nnes M�dchen mit
aschblonden Haaren, die in leichten Wellen bis auf die Schulter hinab fielen.
Meine Augen waren auch mehr grau als blau und ich wette, so M�dchen, wie mich
gab es tausende in Kalifornien. �Nichts Besonderes!�, hallte die Stimme
meines Vaters in meinem Kopf wieder. Das hatte er fr�her immer geschrieen, wenn
er zu viel getrunken und sich dann mit mir gestritten hatte. Vor drei Jahren war
er schlie�lich verschwunden und hatte meine Mutter mit einem riesigen
Schuldenberg und drei Kindern sitzen gelassen. Sie musste daraufhin drei Jobs
annehmen und das Geld reichte trotzdem hinten und vorne nicht. Ich, als die �lteste,
war f�r den Haushalt und meine kleinen Geschwister verantwortlich. Diese Zeit
war sehr hart gewesen, nicht nur der ganze Stress zuhause und wieder schweiften
meine Gedanken ab, zu dem Sommer in den Bergen, zu Jamie mit den schwarz
gelockten Haaren und den gr�nen Augen� Unsere Lage hatte sich schlagartig
verbessert, als meine Mom Alfred Simons kennen gelernt hatte, zuerst hatte ich
ihn nicht gemocht. Er war so alt, seine Kinder, l�ngst erwachsen, lebten quer
�ber den ganzen Kontinent verstreut, seine Frau irgendwo in Minnesota unter der
Erde. Als meine Mom mir eines Tages sagte, dass sie ihn heiraten wollte, war ich
aus allen Wolken gefallen und hatte mich auch ganz sch�n quer gestellt. Ich war
sogar bei der Hochzeit nicht aufgetaucht, sondern mit ein paar Freunden
schwimmen gewesen. Da hatte ich auch Mikey kennen gelernt. Erstmal hatten wir
ihn ganz sch�chtern aus der Ferne beobachtet, aber als er uns angel�chelt und
uns gewunken hatte, wurden wir mutiger. Alicia, meine beste Freundin und ich,
hatten ihn am Eisstand angesprochen und er war sofort total lieb gewesen. Mir
hatte er sogar ein Eis spendiert und ich sp�rte schon die ersten Schmetterlinge
in meinem Bauch herumflattern, doch dann verriet mir eine von einem Ohr zum
anderen strahlende Alicia, dass sie sich total in Mikey verliebt hatte und ich,
um sie nicht zu verletzen, versuchte meine Gef�hle zu unterdr�cken. Die ersten
Wochen ging das auch gut, wir trafen uns regelm��ig mit den Ghetto-Kings, so
nannte sich die Clique, die zum gr��ten Teil aus Basketball-Spielern bestand
und ich flirtete heftig mit einem dunkelh�utigen Typen, namens Claude, w�hrend
Alicia weiterhin Mikey anhimmelte, der interessierte sich leider nicht
sonderlich f�r sie und eines Abends passiert es. Wie jeden Nachmittag waren wir
am Basketballplatz gewesen und hatten dort rumgehangen, Claude und ich hatten
vor versammelter Mannschaft geknutscht und als ich mich au�er Atem von ihm l�ste,
sah ich blo� noch, wie Alicia und Mikey um die Ecke bogen. Nat�rlich freute
ich mich, dass sie ihn endlich rumgekriegt hatte, aber es versetzte mir einen
Stich ins Herz, wenn ich daran dachte wie gern ich jetzt an ihrer Stelle w�re.
Was tat man nicht alles f�r Freundschaft? Meine Laune war ungef�hr bei � 75�
C und um die anderen nicht zu nerven, beschloss ich, nach Hause zu gehen.
Diesmal umarmte ich Claude nur kurz und den anderen rief ich ein �Bye!� zu,
das im Tumult, um den Korbleger von Jess aber unterging. Ich musste einen Umweg machen, um nicht, wie ich mir gerade
lebhaft vorstellte, an dem verliebten P�rchen vorbei zu kommen, doch als ich am
Supermarkt die Kreuzung �berqueren wollte, h�rte ich wie hinter mir jemand
meinen Namen rief. �Francesca, warte mal!�, keuchend rannte Mikey auf mich
zu. Ganz knapp vor mir bremste er, packte feste meine Schultern und blickte mir
tief in die Augen. �Wo ist Alicia?�, fragte ich, von seinen dunklen Augen
gleichzeitig verwirrt und verzaubert. �Ist mir egal!�, erwiderte er und
bevor ich noch etwas sagen konnte, hatte er sich nach vorne gebeugt und mir
einen Kuss gegeben. Kaum sp�rte ich seine Lippen, verga� ich die Welt
ringsumher, dieser Moment, der nur wenige Sekunden anhielt, war bis dahin einer
der sch�nsten in meinem Leben. Es sollten noch viele solcher Momente folgen und
gerade eben erlebte ich denselben Zauber wie damals, bis wir von Jess, der
humpelnd auf den staubigen Platz kam, gest�rt wurden. �Hey, ihr zwei
Turteltauben!�, begr��te er uns grinsend und wedelte mit einer seiner Kr�cken
durch die Luft. �Jess, du bist ein Idiot!�, grinste Mikey und wir wussten,
dass er das nicht wirklich ernst gemeint hatte. �Wollt eigentlich mal fragen,
wie das mit dem Spiel gegen die Spanixxx genau ist? Hast du schon eine
Mannschaft aufgestellt?�, fragend blickter er Mikey an und der verdrehte die
Augen. �Junge, erst brichst du dir den Fu�, weil du nicht Roller fahren
kannst und dann kommst du an und fragst nach der Mannschaft.�, seine Stimmer
wurde lauter und Jess zuckte nur entschuldigend mit den Schultern. �Ich werd
das Spiel wohl absagen m�ssen!�, brummte mein Freund, b�ckte sich, um den
Basketball aufzuheben und warf auf den Korb. Der Ball knallte gegen den
Eisenring und flog zur�ck. Sofort kniff er die Augen zusammen und verzog sein
Gesicht und ich ahnte, dass die n�chsten S�tze garantiert nicht jugendfrei
sein w�rden. �Dieser verfickte Ball will einfach nicht in diesen
Hurenkorb!!!� Diesmal bem�hte ich mich erst gar nicht ihn zu beruhigen,
sondern sagte nur kurz etwas zu Jess, der da stand wie ein winselnder Hund.
Mikey schnappte sich den Ball ein zweites Mal und feuerte ihn mit aller Kraft
wieder auf den Korb und jetzt traf er auch. Mit einem Jubelschrei sprang er in
die Luft, lief dann die Arme zur Siegerpose erhoben einmal im Kreis herum und
verbeugte sich vor einem imagin�ren Publikum. Jess grinste bl�de vor sich hin
und ich war froh, dass Mikey wieder fr�hlicher war. Wie sehr ihn so was
beeinflusste, erschreckte mich manchmal. Von der einen auf die andere Sekunde
war er ein w�tender Gartenzwerg, der kurz darauf wieder ein braver Goldhamster
war. Man wurde nicht so recht schlau aus ihm und er konnte auch unheimlich
aggressiv sein. Bei einem Spiel hatte er den einen halb ins Koma gepr�gelt,
eigentlich w�re er daf�r verurteilt worden, aber der milde Richter hatte ihn
noch mal laufen lassen. All das war passiert, bevor ich Mikey kennen gelernt
hatte und seit wir beide zusammen waren, war er immer der liebe und sanfte Boy
gewesen, ich konnte mich also nicht beklagen. Rasch warf ich einen Blick auf
meine Armbanduhr und fuhr erschrocken zusammen. Vor zehn Minuten h�tte ich Alex
vom Kindergarten abholen sollen. Wenn ich mich jetzt nicht beeilte, w�rde dass
�rger geben, aber gewaltigen. �Ich muss! Alex wartet!�, rief ich hastig,
gab Mikey einen fl�chtigen Abschiedskuss, winkte kurz in die Richtung von Jess
und flitzte zum Zaun, der den ganzen Sportplatz umgab. Ich kletterte unter ihm
durch und lief die Stra�e hinunter. An der Ecke wollte ich ohne mich
umzuschauen �ber die Stra�e gehen, doch pl�tzlich h�rte ich das schrille
Quietschen von Bremsen und ein junger Hispanic mit schwarzen, ganz kurzen Haaren
br�llte mich zornig aus seinem Cabrio an. �Bist du blind?�, er trug eine
schwarze Sonnenbrille und aus den Boxen des dunkelblauen Autos dr�hnten
irgendwelche Hiphop-Beats. �Nein, aber du kannst kein Auto fahren!�,
konterte ich, denn ich konnte es auf den Tod nicht ausstehen, wenn mich solche
Deppen bl�d von der Seite anmachen. �Wenigstens wei� ich, wie man eine Stra�e
�berquert ohne ins n�chste Auto rein zu laufen!�, er drehte die Boxen etwas
leiser. Der hielt sich wohl f�r was Besseres, aber nicht mit mir. Gerade wollte
ich etwas Fieses erwidern, als sich pl�tzlich alles um mich drehte und zu einem
dumpfen Farbenbrei verlief. Oh nee, ich glaub, ich setze mich besser, dachte ich
und lie� mich einfach so auf den Bordstein plumpsen, eher, da wo ich den
Bordstein vermutete. �Alles ok?�, seine Stimme klang auf einmal nicht mehr w�tend,
sondern schon ein klein wenig besorgt. T�ren �ffneten sich und fielen knallend
wieder zu. �Soll ich dich ins Krankenhaus bringen?�, er stand genau neben
mir oder kniete sogar, so genau, konnte ich ihn nicht ausmachen. Schon schei�e,
wenn man blind ist und sein Leben nur nach den Ger�uschen und Ger�chen
orientieren muss. �Nee, mir geht�s gut!� Ich lass mir doch nicht von so
jemandem helfen. Erst f�hrt der mich an und dann will der mich in seinem Cabrio
verschleppen. Haha, Krankenhaus, ich lach mich weg, der f�hrt mich �berallhin,
nur nicht ins Krankenhaus. Notgeile Sau, aber mit so Typen werde ich locker
fertig. Obwohl ich immer noch nicht wieder richtig sehen konnte, sprang ich auf
und schwankte hin und her. �Warte, lass mich dir helfen.�, er legte seine
Hand auf meinen Arm und das war f�r mich der Ausl�ser. Schwindelanfall hin
oder her, ich musste hier weg. �Lass deine Pfoten von mir!�, ich riss mich
los und rannte wieder ohne zu gucken �ber die Stra�e, aber diesmal war mir
kein Auto im Weg.
Ich suchte in den Taschen
meines hellgr�nen Rucksacks nach dem Haust�rschl�ssel und Alex stand Kaugummi
kauend neben mir. Zum Gl�ck hatte alles noch geklappt und wir waren vom
Kindergarten, der in einem anderen Viertel lag direkt hierher gelaufen zum Block
95D � unserem Zuhause. Schlie�lich fand ich das kleine klimpernde Schl�sselb�ndel
mit dem rosa Flaumtier dran, dass mir Alicia letztes Jahr zum Geburtstag
geschenkt hatte. Da der Aufzug wie fast immer defekt war, liefen wir die Treppen
in den f�nften Stock hinauf, das gibt Kondition, Leute! �Hallo ihr zwei!�,
empfing uns meine Mom, die in der K�che stand und Zwiebeln f�rs Abendessen
klein schnitt und gleichzeitig mit jemandem telefonierte. Auf dem Herd kochten
gluckernde Nudeln. Hm, lasst mich raten, was es heute gibt� Spaghetti? Aus dem
Wohnzimmer h�rte ich den Fernseher und als ich kurz hineinschaute, sah ich
Samantha, die mit einer Barbie-Puppe auf dem Arm auf dem Teppich vor dem
Fernseher sa� und mit riesigen Glubschaugen darauf starrte und leise etwas vor
sich hin brabbelte. �Du machst dir noch die Augen kaputt, setz dich etwas
weiter weg!�, ermahnte ich meine kleine acht-j�hrige Schwester, die aber
keine Anstalten machte auf mich zu h�ren. Oh Gott, wie w�rde das erst in der
Pubert�t werden? Mit den H�nden in den Taschen meiner ausgebeulten Baggies
lief ich in die K�che und machte es mir auf der Eckbank bequem. �Ja, also
Margaret, das mit Freitag ist �berhaupt kein Problem. In Ordnung, bye!�,
verabschiedete sich meine Mutter von ihrer besten Freundin und legte mit einem
leisen Piepsen auf. �Es ist Post f�r dich gekommen!�, sagte sie, als sie
sich kurz zu mir umdrehte und Tr�nen aus ihren Augen wischte. �Nicht weinen,
Mom! Es ist bestimmt nichts Schlimmes!�, erkl�rte ich zwinkernd und ging raus
in die Diele, wo auf einer kleinen Kommode normalerweise die Post lag.
Zwischen zwei Werbesendungen und einer Rechnung guckte ein hellgelber
Briefumschlag heraus, der schon ziemlich l�diert aussah, au�en drauf war ein
Aufkleber mit meinem Namen und meiner Adresse. Rasch riss ich ihn auf und
faltete den wei�en Briefbogen auseinander.
Liebe
Francesca,
wir freuen uns dir mitteilen
zu k�nnen, dass du vom st�dtischen Rat zu unserer Stars on Earth-Aktion ausgew�hlt
wurdest. Tausende Jugendliche aus der Gegend um Los Angeles hatten an der
Auslosung teilgenommen, aber nur du und wenige andere das Gl�ck zu gewinnen. Um
kurz etwas �ber den Ablauf zu erz�hlen, ab dem 17. Mai beginnt die Stars on
Earth-Woche, in der du zu einigen Presseterminen und Partys gehen wirst, nat�rlich
immer an der Seite deines Stars. Ein genauerer Terminplan liegt bei. Nach der
Woche wird dein Star eine Art Patenschaft f�r dich �bernehmen und dich in
regelm��igen Abst�nden besuchen kommen. Mit dieser Aktion wollen wir
Jugendlichen, die es nicht leicht im Leben haben, einige gl�ckliche Momente
bescheren.
Also wir werden uns am Begr��ungsabend
ab 19 Uhr bestimmt sehen. Dort wirst du auch erfahren, wer dein Pate ist.
Viele
Gr��e
Dein
Stars on Earth-Team
Verwirrt schaute ich auf den
Briefumschlag und vergewisserte mich, dass auch wirklich ich gemeint war. Dann
las ich mir den Brief ein zweites Mal durch, denn glauben konnte ich nicht, was
ich zuvor gelesen hatte. �Mom, wei�t du was das ist?�, ich kam zur�ck zu
ihr und wedelte mit dem Blatt vor ihrer Nase herum. �Kennst du eine
Organisation, die sich Stars on Earth nennt?�, fragend schaute ich sie an.
�Ja, die k�mmert sich um Kinder, die nicht unbedingt reich und wohlhabend in
irgendeiner Luxussuite leben.�, erkl�rte sie und tat die Zwiebeln in einen
kleinen Topf, wo schon eine rote Br�he vor sich hink�chelte. �Die haben mir
einen Brief geschrieben!�, erz�hlte ich weiter. �Sch�n, ich hab dich da
letztes Jahr angemeldet und mich schon gewundert, wieso du noch keine Infos
erhalten hast.�, sie wusch ihre H�nde und trocknete sie an ihrer Sch�rze ab,
die schon ganz sch�n fleckig war. �Du hast was?�, ungl�ubig sch�ttelte
ich den Kopf. Das war so typisch f�r meine Mutter. Sie entschied die Dinge
immer �ber mich hinweg und ich
durfte, da ich von nichts eine Ahnung hatte, alles am Ende ausbaden. �Naja,
auf jeden Fall krieg ich irgendeinen Star als Paten und ab dem 17. Mai ist eine
Patenwoche.�, fasste ich den Brief in groben Worten zusammen und wollte auf
dem Kalender mit den Seerosen, der jedes Jahr bei uns in der K�che hing,
schauen, wann der 17. Mai war. �Was???�, entsetzt starrte ich auf das
Kalenderblatt. Das durfte ja nicht wahr sein, der Tag war heute. Das hie� in
genau zwei Stunden musste ich auf diesem Begr��ungsabend sein. �Wieso k�nnen
die mir nicht fr�her Bescheid sagen?�, st�hnte ich und ging schon mal in
Gedanken die Kleider durch, die ich anziehen k�nnte. ��hm, der Brief lag
ganz unten im Briefkasten und so wie der aussieht, lag der da eine ganze Weile.
Bestimmt zehn Tage!�, meinte meine Mutter und r�hrte die So�e um, tat noch
etwas Gew�rz dazu und ich verfluchte heimlich wieder mein chaotisches Leben.
�Ich geh mal gucken, was ich anziehe!�, erkl�rte ich und verlie� die K�che.
In meinem Zimmer, das ich mir mit meinen Geschwistern teilen musste, lag Alex
auf meinem Bett und spielte mit seinen Plastiksoldaten. �Kannst du nicht auf
deins gehen?�, fragte ich genervt und kickte einen kleinen Ball weg, der
direkt vor meinen F��en lag. �Nee, da liegen deine Klamotten!�, verk�ndete
er grinsend und deutete auf das Stockbett, indem er unten und Sam oben schlief.
Mein Gesicht f�rbte sich rot und ich schob
drei Paar Jeans und einige T-Shirts herunter. Mit einem leisen Plumpsen
fielen sie auf den Boden, der sowieso schon �bers�t war, mit dem Spielzeug der
Kleinen. Dann trat ich an den Kleiderschrank, dessen T�ren ich quietschend �ffnete
und blickte mich suchend um. Was war geeignet? Elegant sollte es sein, aber
nicht zu protzig, sexy aber nicht zu billig. Oh Gott, das war wirklich eine
schwierige Entscheidung. Schlie�lich griff ich nach einem hellblauen
Jeanskleid, das knapp bis zu den Knien ging und nicht zu tief ausgeschnitten
war, dazu w�rde ich die neue Ballonm�tze aufziehen, die ich mir vorgestern
gekauft hatte. Zufrieden ging ich ins Bad, duschte mich schnell und begann mich
zu schminken. �So jetzt noch ein bisschen Lipgloss und ich bin fertig!�,
sprach ich mit mir selbst und drehte den Deckel von dem Stift ab, um ihn
aufzutragen. In dem Augenblick h�rte ich wie die Wohnungst�r aufgeschlossen
wurde und Alfreds Stimme ert�nte �Ich bin endlich zuhause!� Meine Mom kam
sofort aus der K�che und zwitscherte: �Hallo mein Schatz, ich freue mich,
dass du wieder da bist.� Eltern konnten wirklich nervig sein, besonders, wenn
du deinen Stiefvater nicht wirklich magst, aber mittlerweile hatte sich das Verh�ltnis
zwischen Alfred und mir ein wenig gebessert. Wir konnten nun miteinander leben,
trotzdem w�rde nie eine enge Vater-Tochter-Beziehung daraus entstehen, denn er
war nun mal nicht mein leiblicher Vater. Nicht das ich meinen Erzeuger vermissen
w�rde, er hatte mir nie das Gef�hl gegeben, dass er mich liebt, aber Alfred
war eben der zweite Mann meiner Mutter, sonst nichts. Manchmal stritten wir uns,
weil er versuchte in die Vaterrolle zu schl�pfen und ich ihm zeigte, dass er
das nicht f�r mich war. Dann zog ich f�r ein paar Tage zu meinen Gro�eltern
und Jamima und wenn ich schlie�lich wieder kam, hatten sich die Gewitterwolken
in unserer kleinen Wohnung l�ngst verzogen. Meine Mom rief alle zum Essen, aber
da ich sowieso gleich los musste und es dort sicherlich ein Buffet geben w�rde,
ignorierte ich sie und ging in mein Zimmer, wo ich rasch Make-up, Portemonnaie
und einige andere Dinge, die man als Frau so braucht, wenn man ausgeht, in
meinen kleinen Lederrucksack steckte. �Ich werde jetzt gehen!�, schrie ich
in Richtung Wohnzimmer und �berpr�fte ein letztes Mal mein Aussehen. Naja, ich
sah nun mal nicht aus wie Cindy Crawford. �Wohin?�, fragte Albert und ich
konnte den strengen Ton aus seiner Stimme heraus h�ren. �Zum Er�ffnungsabend
der Stars on Earth-Woche!�, erkl�rte ich, obwohl ich genau wusste, dass er
von nichts eine Ahnung hatte und ein zweites Mal nachfragen w�rde. �Was ist
das?�, kam auch wie aus der Pistole geschossen, meine erwartete Frage. �Ich
werds dir gleich sagen, Schatz, aber lass Francesca, sonst kommt sie noch zu sp�t!�,
schaltete sich meine Mutter ein und ich dankte ihr im Stillen. �Sei sp�testens
um Mitternacht wieder da!�, ermahnte mich Albert noch, bevor ich die T�r
hinter mir zu zog.
Bitte nicht noch eine Rede,
schickte ich ein Sto�gebet zum Himmel und st�hnte auf, als ein �lterer Herr
im schicken Anzug die kleine B�hne des Festsaals betrat. Auch die restlichen G�ste
schienen nicht begeistert, sie waren eigentlich alle in meinem Alter und
warteten gespannt darauf, welchen Star sie als Paten bekamen. Ich nippte an
meiner Cola und wollte kurz auf die Toilette verschwinden, als der Mann endlich
etwas sagte. �Nun, nachdem wir euch mit so vielen Reden gelangweilt haben,
kommen wir zum spannenden Teil des Abends, die Verteilung der Paten!� Sofort
wandte ich meinen Kopf wieder zur B�hne und sah wie im Hintergrund zwanzig St�hle
aufgestellt wurden. �Jeder Star wird aus dieser Tombola einen Zettel ziehen,
auf dem der Name eines von uns ausgew�hlten Jugendlichen steht, so wird durch
den Zufall des Gl�cks der Pate ermittelt.�, erkl�rte er uns nun die simplen
Spielregeln. �Aber bevor das Spiel beginnt, werde ich euch noch die
Stars vorstellen!� An der Seite �ffnete sich ein Vorhang und von grellem
Scheinwerferlicht angestrahlt, trat Mariah Carey heraus. Sie winkte und setzte
sich l�chelnd auf einen der St�hle. Als n�chstes kamen Joshua Jackson und
Elijah Wood und setzten sich ebenfalls hin. Mein Herz pochte, es ist schon
seltsam mit diesen ber�hmten Leuten in einem Saal zu sein und wenn ich mir
vorstellte, mit einem von ihnen eine ganze Woche zu verbringen, wurde mir ganz
warm. Immer mehr Stars betraten die B�hne, sagten manchmal ein paar Worte und
setzten sich schlie�lich auf ihren Platz. �Als n�chstes m�chte ich
Erik-Michael Estrada von der Band O-Town begr��en!�, sprach der Moderator
und deutete wieder auf die �ffnung im Vorhang. O-Town, den Namen hatte ich in
letzter Zeit h�ufiger geh�rt, das war doch eine Boygroup, oder? �Es freut
uns sehr, dass er an diesem Projekt teilnimmt, denn eigentlich ist die Band im
Augenblick auf Promotion-Tour.�, er plapperte weiter und mir stockte der Atem,
als ich sah, wer da mit einem strahlenden L�cheln die B�hne betrat. Ein junger
Hispanic und seine Haare waren so kurz, dass man ganz deutlich die Kopfhaut
durchsehen konnte, das war der Typ von heute Nachmittag! Diesmal trug er
schwarze Stoffhosen und ein beiges Hemd mit einem Muster, das in H�he der Brust
verlief. Wieso mussten eigentlich immer solche Arschl�cher, die sich bestimmt
kein bisschen um das Leben der Kinder k�mmerte, an solchen Aktionen teilnehmen?
Ganz einfach, sie wollen der �ffentlichkeit beweisen, wie sozial engagiert sie
sind, obwohl das eine aalglatte L�ge ist und bei dem Typen sowieso. �Beginnen
wir jetzt mit der Verlosung!�, riss mich der �ltere Herr aus meinen Gedanken
und ich schaute aufmerksam auf eine junge Dame, in einem kurzen schwarz
glitzernden Kleid, die eine durchsichtige Kugel, die auf einem rollenden Gestell
festgemacht war, auf die B�hne schob. Ganz deutlich konnte ich erkennen, wie
dieser Erik-Michael ihr dabei auf den Hintern glotzte. Sag ich doch, der ist
notgeil! Zum Gl�ck machte Elijah Wood den Anfang und zog ein junges M�dchen,
das h�chstens vierzehn war und jubelnd auf ihn zu rannte. Man konnte ganz
deutlich die Reste des Salats zwischen den Brackets ihrer Zahnspange h�ngen
sehen und als sie ihn zur Begr��ung umarmte, warf sie Elijah fast um. Stars
wie Cameron Diaz, Vanessa Carlton, Jennifer Lopez, Enrique Iglesias, P. Diddy
und Michael Jordan folgten. Jedes Mal der gleiche Ablauf, sie drehten an einem
Hebel und mischten so die Zettelchen in der Plastikkugel, dann zogen sie mit
geschlossenen Augen einen heraus, doch leider stand nie mein Name darauf. Die
Sitze leerten sich, denn die Stars gingen meistens mit ihren neuen Sch�tzlingen
an einen Tisch oder sie verlie�en die Veranstaltung ganz um sich irgendwo in
einem Cafe besser kennen zu lernen. Es war nicht schlimm, dass ich noch keinen
Paten hatte, schlie�lich sa�en noch ein paar echte Superstars da oben, die ich
wirklich gerne kennen lernen wollte, na ja, alle bis auf den Hispanic, der seine
schmierigen Blicke nicht von der freundlichen Assistentin nehmen konnte. Schlie�lich
erhob er sich und lief ohne die F��e zu heben zur Kugel, wohl um cool und l�ssig
zu wirken, aber ich konnte da nur grinsen. Mich interessiert es nicht, wen der
zieht, nur wird mir die Person ganz sch�n Leid tun, dachte ich und weil mein
Magen leise knurrte, beschloss ich mich am Buffet voll zu stopfen. Gerade hatte
ich mir einen Teller und ein Messer genommen, da h�rte ich, wie mein Name laut
ins Mikrofon gesprochen wurde �Francesca Mirelli!� Klirrend fiel mir beides
aus der Hand und ich drehte mich wie vom Donner ger�hrt zur B�hne um. Erik
stand da, in der einen Hand das schwarz gl�nzende Mikro, in der anderen einen
kleinen, hellgrauen Zettel. Sein Blick schweifte suchend �ber die Menge und ich
w�nschte mir, sofort im Erdboden zu versinken. Wie konnte es das Schicksal nur
so grausam mit mir meinen? Ich hatte die geniale Idee mich still und leise
hinaus zu schleichen und nach Hause zu gehen, hatte er halt Pech und w�rde
keinen Sch�tzling (auch keinen m�nnlichen) haben, an dem er sich aufgeilen
konnte, denn der war bestimmt bi, so wie der herumlief. Mein Problem w�re es
dann nicht mehr, aber ich wollte gerade unauff�llig zur T�r laufen, als die
Stimme des Moderators aus den Boxen schallte. �Wo ist denn Francesca Mirelli?
Sie soll bitte so schnell wie m�glich auf die B�hne kommen!� Da fiel mir
ein, dass ich mich am Einlass in eine Liste eingetragen hatte und wenn ich jetzt
die Party verlie�, w�rde das auffallen und irgendjemand w�rde mir sicherlich
folgen. So musste ich wohl oder �bel kapitulieren, es gab kein Entrinnen mehr,
ich musste zu Erik auf die B�hne. W�hrend ich so langsam wie es nur ging auf
die B�hne zu lief, man konnte fast den Eindruck bekommen, ich w�rde r�ckw�rts
laufen, zog ich mir die Ballonm�tze tiefer in die Stirn. Vor den drei Stufen,
die hinauf f�hrten, blieb ich noch einmal kurz stehen und holte tief Luft. Das
leise Ratschen meiner Turnschuhe hallte in meinen Ohren wieder wie das Grollen
eines Donners und schlie�lich stand ich vor ihm. Meinen Blick starr auf den
dunkelroten Gummiboden der B�hne gerichtet. �Hi!�, eine gebr�unte Hand mit
langen schmalen Fingern schob sich in mein Blickfeld. Einfach ignorieren,
Francesca, redete ich mir selbst zu und konzentrierte mich auf einen Kaugummi,
der auf dem Boden klebte. �Hey! Bist du taub?�, wieso ging der Typ
eigentlich davon aus, dass ich Probleme mit meinen Sinnesorganen hatte?
�Nee!�, entgegnete ich, tat aber immer noch so, als ob seine Hand nicht da w�re.
��hm, begr�� doch Erik mal!�, versuchte der Moderator die Situation zu
retten und schubste mich in Eriks Richtung. Leider hatte der Typ trotz seines
Alters noch eine unheimliche Kraft, denn ich flog direkt gegen Erik, der
reflexartig seine Arme um meine H�ften schlang, damit ich nicht hinfiel. So h�tte
vielleicht ein zuf�lliger Zuschauer gedacht, aber dieses Arschloch wollte nur
an meinem Hintern rumfummeln. �Finger weg, du kannst anderen Girls �berall
rumgrabschen, aber nicht bei mir!�, rief ich emp�rt und er lie� mich merkw�rdigerweise
auch sofort los. Rasch trat ich zwei Schritte zur�ck um aus seiner Reichweite
zu entkommen und sah jetzt erst das Entsetzen in seinen Augen. Nanu, hatte ich
etwas verpasst? Im Saal war es totenstill geworden und alle starrten zu uns
beiden hinauf auf die B�hne. Sa� eine Spinne auf meinem Kopf? Vorsichtig
tastete ich �ber den Scheitel, aber da war nichts. Gut, denn wenn es eine Sache
gibt, die ich hasse, dann ist das eine haarige Spinne. Leises Tuscheln ging
durch die Menge und ich konnte einige verstohlen grinsen sehen. Einen riesigen
Pickel hatte ich auch nicht auf der Nase, aber vielleicht Erik? Ich blinzelte
kurz zu ihm r�ber, nein, seine Haut war glatt und bestimmt seidenweich. Oje,
die haben was in den Champagner getan, ich finde etwas gut an ihm. Gerade
versuchte ich mir vorzustellen, dass Erik ganz viele eitrige Pickel hatte und
die Hautporen einen Durchmesser von einem Zentimeter hatten, da kam von der
rechten Seite ein Mann, in einem schwarzen T-Shirt, auf dem gro� und fett �Security�
geschrieben stand und winkte mich mit Erik an den seitlichen Ausgang, der
wahrscheinlich zum Backstagebereich f�hrte. Der Moderator ergriff wieder das
Wort. Auch wenn das Mikrofon in seinen H�nden nicht eingeschaltet war,
verstanden ihn sogar die, die ganz hinten standen, weil sich erneut Stille �ber
den Saal gesenkt hatte, als er zu sprechen begann. �So, und jetzt wird der n�chste
gl�ckliche Gewinner gezogen und zwar von Mariah Carey.� Seine Miene wirkte
noch immer etwas d�ster und verkl�rt, aber er �berspielte dies mit einem
verzerrten L�cheln. Hinter der B�hne lag ein langer, dunkler Gang und w�re
nicht der riesige Securitytyp dabei, h�tte ich echte Angst, ganz allein mit dem
Kinderf*****. Nichts f�r ungut Erik, du bist halt wie du bist. Eigentlich hatte
ich erwartet, dass wir in irgendein riesiges Zimmer mit Pool und Sauna gef�hrt
w�rden oder so, aber nein, der Typ �ffnete schlie�lich eine T�r und k�hle
Nachtluft schlug uns entgegen. �Bye!�, schon trampelte er den Weg zur�ck.
�hm Leute, sollte das etwa ein Rausschmiss sein? Erik schien das nicht
besonders zu interessieren, er kramte in seiner Hosentasche herum. Das sieht
aus, als ob der sich grad einen runterholt. Jaja, Selbstbefriedigung ist besser
als �berhaupt kein Sex, normalerweise h�tte ich die Bemerkung laut
ausgesprochen, aber diesmal dachte ich erst nach, bevor ich sprach und man
konnte den Satz auch als eindeutige Aufforderung sehen und das war sie auf
keinen Fall. Endlich zog er die Hand wieder heraus und Chrom blitzte auf, ah
eins von diesen neuen, superteueren Handys. Superstars k�nnen sich so was eben
leisten und auch Leute, die nicht den gleichen Status wie sie inne haben
ignorieren, konnten sie sehr gut, wie mir im Augenblick auffiel. Na gut, ich war
sowieso m�de und hatte keinen Bock mehr auf diese Veranstaltung. Deshalb drehte
ich Erik einfach den R�cken zu und lief ohne mich zu verabschieden nach drau�en.
Erstmal gucken, wo ich bin, dachte ich mir und suchte nach einer U-Bahn
Haltestelle, aber irgendwie war das eine ziemlich verlassene Gegend. Da h�rte
ich Schritte hinter mir und Erik rief: �Wart mal, Francesca, wo willst du denn
hin?� �Geht dich nichts an!�, keifte ich und legte einen Zahn zu, doch er
holte mich mit einem kleinen Spurt locker ein. So locker wohl doch nicht, denn
er musste erstmal ein bisschen verschnaufen und ich hab immer geglaubt, beim
Tanztraining bekommt man Kondition. W�hrend wir still neben einander herliefen,
verdunkelten Wolken den hellgelben kreisf�rmigen Mond und die glitzernden
Sterne, gleich darauf fielen die ersten Regentropfen und ich fluchte, dass ich
keine Jacke mitgenommen hatte. Ist bestimmt nur ein kurzer Schauer, hoffte ich
und �berkreuzte die Arme vor der Brust. Kurz darauf goss es wie aus K�beln und
der klitschnasse Jeansstoff klebte auf meiner Haut und triefende Haarstr�hnen
hingen mir ins Gesicht. Was ein Gl�ck war hier nirgends ein Spiegel, ich wollte
gar nicht wissen, wie sehr mein Make-up verschmiert war. �Ich ruf jetzt ein
Taxi!�, brach Erik neben mir abrupt die Stille, die nur vom Rauschen des
Regens gest�rt wurde. Er blieb stehen und tippte auf den Tasten seines Handys
herum. Das Display leuchtete kurz auf und ich konnte ein dumpfes Tuten
vernehmen. Sich jetzt in den Polstern eines warmen Taxis zur�ck zu lehnen, war
ein sehr sch�ner Gedanke, solange man nicht daran dachte, wer neben einem
sitzen w�rde, au�erdem hatte er mich gar nicht gefragt, ob ich mitfahren
wollte und ich war viel zu stolz, um ihn zu fragen. So lief ich weiter durch die
tiefschwarze Nacht und sah mich nur einmal nach Erik um, der stehen geblieben
war und das Handy am Ohr hatte. Gut, es schien ihm nicht aufzufallen, dass ich
nicht mehr bei ihm war. Es w�rde ihn kein bisschen interessieren, auch wenn ich
nun von irgendwelchen brutalen Stra�engangs �berfallen und ausgeraubt werden w�rde,
was hoffentlich nicht geschah. Denn hier gab es wirklich niemandem, der mir
helfen k�nnte. In den meisten H�usern war es dunkel, nur hinter manchen
verschlossenen Fensterl�den brannte Licht, keine Menschenseele war auf der Stra�e
zu sehen und langsam wurde es mir etwas unheimlich. Endlich entdeckte ich eine
Bushaltestelle und ich beschleunigte meine Schritte. Bald w�rde ich zuhause
sein, mir einen Tee kochen und mich in mein gem�tliches Bett kuscheln, mein
Blick wanderte �ber die Fahrzeiten der Busse, die an der Haltestelle in einem
Glaskasten und sofort erstarrte ich. �Samstags halten die Busse nicht an
dieser Haltestelle!�, las ich mir laut vor, denn ich konnte nicht wirklich
glauben, was da stand. Wie konnte man blo� so viel Pech an einem Abend haben?
Noch nicht mal etwas gegessen hatte ich, wie mir mein Magen nun lautstark verk�ndete.
Mir blieb wohl nichts anderes �brig, als ein Taxi zu finden und das in dieser
Gegend. Vielleicht sollte ich irgendwie versuchen, auf eine belebtere Stra�e zu
kommen, doch ich kannte mich hier �berhaupt nicht aus und w�rde mich von daher
verirren. Lieber stellte ich mich ein Weilchen unter das Vordach eines Gem�seladens
auf der gegen�berliegenden Seite und betete, dass es sogar mal einen
Taxi-Fahrer hierher in dieses scheintote Viertel verschlug. Ich wurde zwar nicht
mehr nass, aber das klamme Kleid hing an mir wie ein Sack und ich fror
bitterlich. Nach einer Weile hob ich die eiskalten, steifen H�nde an mein
Gesicht und pustete hei�e Luft hinein. Viel w�rmer wurde mir nicht, aber es
lenkte mich etwas von der K�lte ab. Wenn nicht gleich ein Auto um die Ecke bog,
w�rde ich wahnsinnig werden, dachte ich w�tend und kickte einen Stein auf die
Stra�e. In dem Augenblick wurde ich von zwei hellen Lichtern geblendet. Freudig
blickte ich auf und sah wie ein Wagen langsam in die Stra�e einbog. Wow, es war
sogar ein Taxi, m�glicherweise war heute doch mein Gl�ckstag. H�tte mal in
mein Horoskop schauen sollen� Als es ungef�hr auf meiner H�he war, trat ich
unter dem sch�tzenden Dach hervor und winkte wild mit den Armen. Fast sofort
bremste es und die Beifahrert�r �ffnete sich. Mein Gesicht verzog sich, als
ich sah, wer ausstieg. Mein notgeiler Superstar, verfolgte der mich heute
irgendwie? �Das nenn ich Zufall!�, sagte er und wies mit der Hand auf die
hintere Sitzbank. �Los steig ein!� Ich sch�ttelte den Kopf, so dass die
Tropfen von meinen Haaren in alle Richtungen spritzten. �Ich fahr dich nach
Hause!�, erkl�rte er und ich sah, wie der Regen �ber seine Stirn lief.
�Nee, ich warte auf ein Taxi!�, beharrte ich st�rrisch. �Francesca, das
ist ein Taxi!�, entgegnete er etwas genervt. �Ich nehme das n�chste!�,
sagte ich und wollte mich wegdrehen. �Oh mann, du bist echt eine bl�de
Kuh!�, er klang richtig w�tend. Verwirrt schaute ich ihn an, mit so einer
Antwort hatte ich nicht gerechnet. �Kann dir ja wohl egal sein!�, erwiderte
ich beleidigt und ging zur�ck unter das Dach. Warum war der Typ �berhaupt hier
aufgekreuzt? Da h�rte ich das Schlagen einer T�r und der Motor des Autos, der
aufheulte. Das Ger�usch entfernte sich immer weiter, bis man es kaum noch h�ren
konnte. Puh, er war weg. Leider zeigten mir leise Schritte das Gegenteil. �Es
war nicht so gemeint!�, ruckartig drehte ich mich zu ihm um und blitzte ihn
zornig an. �Wieso sagst du es dann?�, ok, wenn er w�sste, was ich �ber ihn
dachte, t�te ihm die Beleidigung ganz sicher nicht Leid. �Wei� nicht!�, er
hatte seine H�nde mal wieder in den Hosentaschen vergraben, aber diesmal hatte
ich keine fiesen Hintergedanken. �Aha!�, mehr brachte ich nicht heraus,
sondern drehte mich einfach zur Seite, so dass ich nicht mehr anschauen musste.
Wieso hatte er sich nicht wieder ins warme Taxi zur�ckgesetzt und war weiter
gefahren? Das h�tte ich auf jeden Fall von ihm erwartet, aber nicht, dass er
hier in der K�lte mit mir warten w�rde. Langsam kamen mir Zweifel, ob ich Erik
nicht falsch eingesch�tzt hatte. Ok, unser Start war nicht der beste gewesen,
aber das hie� nicht, dass er ein schlechter Mensch war, oder? Stop, lass dich
nicht gleich von solchen Typen blenden, er war doch blo� hier geblieben, weil
er hoffte, hier w�rde ihn niemand beobachten, wenn er sich an ein junges M�dchen
ranmachte, aber da lag er falsch, denn ich wusste mich sehr gut zur Wehr zu
setzen. �Sorry!�, es war nicht mehr als ein Murmeln und ich glaubte im
ersten Moment, es w�re nur das Rascheln der Bl�tter gewesen, die vom Wind �ber
die Stra�e gefegt wurden. Langsam drehte ich mich zu ihm um, er hatte die
Schultern nach oben gezogen und den Kragen der Jacke hoch geschlagen, trotzdem
sah ich, dass er fr�stelte. Unsere Blicke trafen sich und mein Herz begann zu
klopfen. Ich hatte noch nie in meinem Leben so wundersch�ne Augen gesehen,
jetzt hier in der Nacht gl�nzten sie in tiefem Schwarz, aber ich dachte mir,
dass sie in Wirklichkeit braun waren. Noch v�llig gefangen von diesen
traumhaften Augen trat ich ein, zwei Schritte auf ihn zu. Seine Lippen verzogen
sich zu einem kleinen L�cheln, das man fast nicht bemerkte, aber ich sah auch,
dass seine Augen l�chelten und das war das Wichtigste daran. Unwillk�rlich
begann ich zu strahlen und sein L�cheln wurde breiter. �Wollen wir noch mal
von vorne anfangen?�, fragte er und ich hauchte ein leises �Ja!�. Diesmal
ergriff ich die gebr�unte Hand, die mir hingestreckt wurde und sch�ttelte sie
einmal kr�ftig.
2. Kapitel
Das Klingeln des Weckers
riss mich aus meinen Tr�umen. Schlaftrunken tastete ich nach dem quietschgelben
Teil und schaltete es aus. Immer dann, wenn es am sch�nsten ist. Gerade hatte
ich wieder an gestern Abend gedacht, nachdem Erik und ich noch ein wenig unter
dem Dach gewartet hatten, waren wir losgelaufen und haben nach einem Taxi-Stand gesucht. Eine total verr�ckte Aktion,
wenn man an die Gegend denkt, aber was sollten wir sonst machen? Schlie�lich
hatten wir zwar keinen Stand gefunden, aber eine Telefonzelle, in dir wir uns zu
zweit quetschten und gerade als ich das Telefonbuch durchbl�tterte, fiel Erik
ein, dass er ja sein Handy dabei hatte. Ich h�tte ihn am liebsten erw�rgt,
dann h�tte ich auch wenigstens genug Luft zum Atmen gehabt in der Telefonzelle.
Aber ich lie� es doch bleiben, als er mich mit seinen schokobraunen Augen
entschuldigend anguckte. Langsam glaubte ich, dass er wirklich ein netter Typ
war und vielleicht war es nicht so schlecht, dass er mein Pate war. Es gab
bestimmt jede Menge Girls in meiner Klasse, die total auf die Boys von O-Town
standen und ich konnte, wenn die Ferien in zwei Wochen vorbei waren, vor ihnen
angeben. Als das Taxi endlich da war, musste ich dem Fahrer erkl�ren, wie man
den Weg zu unserem Wohnblock fand und irgendwie war es mir peinlich, dass Erik
sah, in was f�r einem erb�rmlichen Viertel ich lebte. Auch ganz fest die Augen
zu kneifen und hoffen, dass das graue Blockgeb�ude nicht mehr da ist, wenn man
sie wieder �ffnet, half nichts. Haha, wer h�tte das auch erwartet? Da ich
nicht wollte, dass er sich allzu genau hier umschaute, verabschiedete ich mich
nur mit einem hastigen �Bye!� und schlug mit einem lauten Knall die Autot�r
hinter mir zu. Dann flitzte ich durch den nun nur noch feinen Nieselregen auf
den Block zu und in den Hauseingang von 95D hinein. Dort lie� ich mich erst
einmal auf die unterste Treppenstufe fallen und verschnaufte ein wenig. In
Sachen Kondition stand ich Erik wohl in nichts nach. Schlie�lich erhob ich mich
von der eiskalten Treppe und fuhr mit dem Aufzug hinauf zu unserer Wohnung. Das
gibt �rger, wenn Mom sieht, wie ich aussehe, dachte ich und schloss so leise
wie m�glich die Haust�r auf. �Bin wieder da, aber ich gehe sofort ins
Bett!�, rief ich schnell und schlich den Flur hinunter zum Kinderzimmer, doch
zu sp�t. Meine Mom stand schon in Morgenmantel und darunter ihr weitestes
Nachthemd vor mir und blickte mich stirnrunzelnd an. �Wieso bist du so nass,
Francesca?� �Es hat geregnet!�, erkl�rte ich und wollte mich zwischen ihr
und der Wand vorbei schieben. �Los auf ins Bad und raus aus dem Zeug. Lass dir
ein hei�es Bad ein, ich komme gleich wieder, muss nur rasch in die K�che einen
Tee f�r dich kochen.�, schon war sie in der dunklen K�che verschwunden.
Genau das wollte ich verhindern, genervt ging ich ins Bad und begann mich
auszuziehen.
Ich stieg aus dem Bett und
stolperte fast �ber eine Barbie von Sam. �Sam??? Wo bist du, du kleiner
Satansbraten?� Wenn der Tag schon so anfing, war das kein gutes Zeichen. Da
Sam nicht auftauchte, b�ckte ich mich selbst, hob die Puppe auf und warf sie in
irgendeine Ecke, wo ich garantiert nicht dr�ber stolpern w�rde. Mein
allererster Weg morgens f�hrte normalerweise in die K�che, wo ich mich mit
Kornflakes voll stopfte, doch gerade als ich eine Sch�ssel aus dem Schrank
holen wollte, br�llte Alex von irgendwo ohrenbet�ubend �Auaaaaa! Sam, h�r
auf!� Ich lie� die Sch�ssel, Sch�ssel sein und rannte in die Richtung, wo
ich die beiden vermutete, ins Wohnzimmer. Die beiden sa�en auf der Couch und
Samantha hatte Alex mit einer Hand den Arm umgedreht, mit der anderen schwenkte
sie triumphierend die Fernbedienung in die H�he. �Sam, lass Alex los, aber
dalli!�, rief ich w�tend und br�llte ihren Namen noch einmal, als sie nicht
sofort auf mich h�rte. Endlich lie� sie etwas lockerer und Alex konnte sich
befreien, fiel dabei von der Couch und begann bitterlich zu weinen, w�hrend Sam
wie eine Hexe kicherte. �Hey!�, ich beugte mich zu meinem kleinen Bruder
herunter und strich ihm �ber die Haare. �Bitte sei mal still!�, wandte ich
mich an Sam, die nur noch mehr kicherte. �Die soll aufh�ren!�, brachte Alex
unter Tr�nen erstickter Stimme hervor und heulte erneut los wie ein
Schlosshund. Das war ja zum Haare raufen, j�ngere Geschwister sind das
Schlimmste, was es gibt. Gerade wollte ich Sam mit Hausarrest drohen, als das
Telefon klingelte. Ich sprang auf und lief in den Flur. �Mirelli! Oh hi Erik,
wie geht�s?�, ich war �berrascht seine Stimme zu h�ren, da pl�rrte im
Hintergrund Alex. �Francesca, Sam ist gemein zu mir!� �Moment mal.
Erik.�, rief ich in den H�rer, legte dann meine Hand auf die Sprechmuschel
und schrie, so laut ich konnte. �Sam, ich warne dich, du kriegst Hausarrest
bis du alt und grau bist und wenn ich jetzt noch einen Ton von irgendeinem von
euch h�re, gibt es ein Donnerwetter!� �Aber��, vernahm ich Alex,
unterbrach ihn jedoch sofort �Ruhe, hab ich gesagt!� Ich glaub, ich brauche
echt Konditionstraining. Rasch holte ich tief Luft und sprach wieder ins
Telefon. �So Erik, jetzt bin ich f�r dich da.� �Was war denn da im
Hintergrund los, hat sich angeh�rt wie Mord und Toschlag!�, erwiderte er
lachend und ich verzog das Gesicht, zum Gl�ck konnte er das nicht sehen, denn
ich sah furchtbar aus, bemerkte ich, als ich jetzt in den Spiegel guckte.
Verstrubbelte Haare, ungewaschenes Gesicht und dazu diese Grimasse! �Das waren
nur Alex und Samantha, meine kleineren Geschwister!�, f�gte ich nach kurzem Z�gern
hinzu. �Achso!�, na sehr interessiert klang das nicht, obwohl er doch danach
gefragt hatte. �Was gibt�s denn, dass du mich so fr�h am morgen st�rst?�,
wollte ich wissen und spielte mit dem Telefonkabel herum, das zur Steckdose f�hrte.
�Ich wollte fragen, ob du mit mir fr�h�� Huch, was war jetzt los? Die
Verbindung war unterbrochen, aber ich h�rte auch kein Tuten, nichts. Die
Leitung war tot. Verwirrt starrte ich auf den H�rer und dann aufs Telefon.
Stromausfall war es auch keiner, denn im Wohnzimmer lief noch immer munter der
Fernseher. Einer von diesen schrecklichen Kinder-Cartoons, mit schrillen Farben,
komischen Tieren, die die ganze Zeit rumquieken und einer sinnlosen Handlung.
Ich gebe es zu, ich hatte fr�her auch alles getan um keine Folge von Sailor
Moon zu verpassen, aber das war auch etwas ganz anderes gewesen, oder? Da
entdeckte ich das Problem, ich hatte aus Versehen, den Stecker herausgezogen und
ohne Strom lie� es sich nicht so gut telefonieren. Rasch steckte ich ihn wieder
hinein und hoffte, dass Erik ein zweites Mal anrufen w�rde. Ungeduldig
trommelte ich auf dem kleinen Regal herum, auf dem neben dem Telefon und einigen
B�cher noch eine Schneekugel, in der eine Ballerina auf ihren Zehenspitzen
stand, die Arme anmutig erhoben und den R�cken kerzengerade, lag. Die Kugel war
ein Geschenk meines leiblichen Vaters gewesen, er hatte sie meiner Mutter vor
Jahren zum Valentinstag geschenkt und sie hing sehr dran, auch wenn Alfred sie
immer grummelnd musterte, wenn er daran vorbei lief. Ich griff nach ihr und sch�ttelte
sie leicht, statt wei�em Schnee, fiel silbriges Glitzerpuder auf die
Primaballerina herab und sammelte sich in kleinen H�ufchen auf dem Boden. Pl�tzlich
schrillte das Telefon und ich lie� vor Schreck die Kugel fallen, die mit einem
lauten Klirren in tausend Teile zersprang.
Oh Gott, meine Mutter w�rde mich killen, schoss es mir durch den Kopf
und ich sah angstvoll, wie sich die Lache immer weiter auf dem Teppich
ausbreitete. Das Telefon klingelte ein zweites Mal und ich hob ab, verga� aber
mich zu melden, sondern hielt den H�rer blo� gegen mein Ohr gepresst.
�Hallo?�, ert�nte Erik�s Stimme. �Ja, hier ist Francesca!�, meldete
ich mich und malte mir in Gedanken schon mal meine Beerdigung aus, denn meine
Mutter w�rde mich einen Kopf k�rzer machen, wenn sie sah, was passiert war.
�Wieso war denn die Leitung eben unterbrochen?�, fragte er. Von wegen
Frauen sind neugierig, da lachen ja die H�hner, nee, die H�hne. �Wei�
nicht!�, antwortete ich unbestimmt und verteilte mit der Fu�spitze das
Glitzer noch ein wenig auf dem Boden. Iiih, das bleibt ja kleben! Ich humpelte
auf einem Bein ins Bad und wusch in der Badewanne das Silber von meinem Fu�.
�Also, was ich dich fragen wollte, h�ttest du Lust mit mir fr�hst�cken zu
gehen?� Ups, Erik war ja noch dran, den hatte ich ganz vergessen. �Ja klar,
wo und wann?�, zum Gl�ck h�rte er nicht, wie in dem Moment mein Magen
knurrte. �Bei Dennys? Ich kann dich abholen�, erwiderte er prompt. �Geht
klar, ich bin in einer Viertelstunde startklar. Bis dann!�, und schon hatte
ich das Gespr�ch beendet. Herrje, wieso hatte ich Viertelstunde gesagt? Ich
wusste ganz genau, dass ich das niemals schaffen w�rde, schlie�lich musste ich
noch den Flur putzen, meine Geschwister zu den Nachbarn bringen und mich chic
machen. Da musste Superman her oder Superwoman. Ich lief ins Wohnzimmer,
schnappte mir erst Alex und steckte ihn unter die Dusche und dann Sam, der ich
in Rekordzeit Jeans und ein T-Shirt anzog und ihr befahl, sich keinen Zentimeter
von ihrem Platz auf der Couch zu r�hren. Bevor ich Alex anzog, warf ich ein
paar Taschent�cher auf den gro�en, dunklen Fleck, neben dem Regal im Flur und
ging ins Bad. Zehn Minuten sp�ter sa�en zwei ordentlich gekleidete und wie
zwei Engel strahlende Kinder vor mir, fehlte blo� noch der Heiligenschein. An
jeder Hand eins stand ich schlie�lich vor der T�r von Mr and Mrs Aberglade und
dr�ckte auf den Klingelknopf. Die T�r wurde aufgerissen und Mrs Aberglade begr��te
uns �berschw�nglich. Freudig bat sie die Kleinen hinein, die ihr auch sogleich
folgten, als sie etwas von Schokoladenkuchen erw�hnte, den sie eben gebacken
hatte. Schwei� gebadet ruhte ich mich eine Minute auf der Couch in unserer
Wohnung aus und machte mich dann daran, das Glitzerpulver im Flur aufzuwischen.
Was f�r eine Schweinerei, ich fluchte und warf den Lappen schlie�lich �rgerlich
gegen die Wand, als er an ihr herunter auf den Boden rutschte, sah ich die
deutlich silbrig gl�nzende Spur an der wei�en Tapete. Oh nein, das konnte ja
gar nicht mehr schlimmer werden. Da schellte die Klingel und ich st�hnte auf.
Nein, ich mach jetzt nicht auf, muss Erik halt ein paar Minuten warten. Gerade
wollte ich in mein Zimmer gehen und mich umziehen, da klingelte es wieder,
diesmal nahm er aber den Finger nicht mehr vom Knopf. �Jaja, ich komm
gleich!�, rief ich, obwohl mir niemand antworten konnte und schob mir das Top
�ber den Kopf. Pl�tzlich verstummte das nervt�tende Ger�usch und ich atmete
erleichtert auf. Na endlich hatte er es kapiert. Wo war jetzt das blaue Shirt?
Suchend schaute ich mich um, ich war mir sicher, dass es hier irgendwo lag. Ich
w�hlte in einem Stapel T-Shirts, bis ich merkte, dass das Sam�s Klamotten
waren. Ok, bevor ich noch mehr Zeit verlor, zog ich erst die Shorts aus, die ich
zum Schlafen getragen hatte. Gerade warf ich sie in einem schwungvollen Bogen
auf mein ungemachtes Bett, da fiel mir ein, dass ich das T-Shirt vorhin im Bad
gesehen hatte. Nur in Unterw�sche lief ich �ber den Flur und hin�ber ins Bad.
�Ah, da ist es ja!�, strahlend griff ich nach dem Shirt, das �ber einem
Handtuchhalter gehangen hatte und �berlegte, ob ich nicht besser noch die Z�hne
putzen sollte. Mir w�re es ganz sch�n peinlich, wenn ich vor Erik Mundgeruch h�tte
und deshalb schnappte ich mir unsere elektrische Zahnb�rste. Leise surrend
bewegte sie sich in kleinen Kreiselbewegungen �ber meine Z�hne und der wei�e
Schaum lief mir das Kinn hinunter und tropfte ins Waschbecken. �So fertig!�,
redete ich mit mir selbst und betrachtete das Zahnpasta-L�cheln im Spiegel.
Erik hat sich auch nicht mehr gemuckst, der hat es, glaub ich, gelernt, dachte
ich und ging zur�ck ins Zimmer. Pfeifend �ffnete ich die T�r und erstarrte,
da stand er Mr Obercool h�chstpers�nlich mitten im Raum und starrte mich an.
�Aaaaaaah!�, mein Schrei gellte durchs ganze Haus und ich versuchte
verzweifelt mit dem Shirt in der Hand etwas zu verdecken. �Hi Francesca!�,
begr��te er mich grinsend. �Raus!�, br�llte ich und deutete w�tend auf
den Flur, dabei rutschte das Shirt weg und fiel auf den Boden. Ohne sich auch
nur ein St�ck zu bewegen stand Erik weiterhin da und ich bemerkte, wie sein
Blick neugierig �ber meinen K�rper glitt. �Sofort!�, setzte ich noch hinzu
und blitzte ihn zornig an. �Jaja!�, abwehrend hob er die Arme, kam aber
endlich in die G�nge. Im Vorbeigehen meinte er noch �Sch�nen Tanga hast du
da an, der steht dir!� und rannte dann fast hinaus. War auch besser f�r ihn,
sonst h�tte ich f�r nichts garantieren k�nnen. Am liebsten w�re ich ihm nach
gelaufen und h�tte ihn gefoltert und dann langsam und qualvoll umgebracht, aber
nicht, wenn ich halbnackt hier herumstand. Noch immer auf hundertachtzig zog ich
mir das Shirt �ber und schl�pfte in die Jeans, die zerknittert auf dem Boden
lag. Ich hatte mir doch gedacht,
dass der Tag eine Katastrophe werden w�rde. Mit grimmiger Miene trat ich hinaus
auf den Flur und wollte Erik die Meinung geigen, aber er war verschwunden. Ups,
hatte ich ihn etwa so sehr angepflaumt, dass er die Flucht ergriffen hatte?
Nein, das konnte ich mir bei ihm nicht vorstellen, der war viel zu notgeil, als
das er kein bisschen �rger in Kauf nehmen w�rde. Einen gro�en Schritt �ber
die Pf�tze im Flur und schon warf ich einen Blick ins Wohnzimmer. Ah, da sa�
er auf der Couch und guckte die Powerpuff-Girls. Wie war das mit den
hirnrissigen Cartoons gewesen? Kopfsch�ttelnd kam ich zu ihm und stellte mich
direkt zwischen ihn und den Fernseher. �Was sollte das eben?�, er reckte
seinen Kopf nach rechts und versuchte an mir vorbei zu gucken. Meine G�te, der
verhielt sich echt wie ein pubertierender Teenager. Dumme Filmchen gucken und
keine Antwort geben, wenn man gefragt wird. �Erik!�, meine Stimme wurde
lauter. �Du bist nicht durchsichtig, Francesca!�, erwiderte er seelenruhig
und ich starrte ihn verbl�fft an. Nee, doch kein Teenager, aber er hatte ganz
sch�ne Starall�ren, der Gute! �Das ist meine Wohnung, falls du das vergessen
hast.�, erkl�rte ich spitz und griff nach der Fernbedienung, um das Ger�t
auszuschalten, doch Erik war schneller und hielt sie hinter seinen R�cken
versteckt. Das Spielchen kannte ich von Sam und Alex und so leicht w�rde ich
nicht aufgeben. Entschlossen beugte ich mich nach vorne und fasste mit den H�nden
nach seinem rechten Arm, den er gegen seinen R�cken presste. Wild zerrte ich
daran und gerade als er sie loslie� und ich die Fernbedienung endlich in meinem
Besitz hatte, sp�rte ich seine Finger an meinen Rippen, die mich kitzelten.
�Hilfe!�, schrie ich los und wollte mich aus seinem Griff befreien, doch ich
hatte keine Chance. Ohne auf mein Flehen zu h�ren, kitzelte er mich
erbarmungslos durch. �Bitte aufh�ren!�, keuchte ich, als ich mit meinem
Oberk�rper halb auf dem Boden und noch halb auf der Couch hing und Erik mit
seinem ganzen Gewicht auf mir drauf sa�, aber er ignorierte mich und seine H�nde
krabbelten an meinen Armen hinauf bis zu meinem Hals. Woher wusste der, dass ich
im Nacken so empfindlich bin, fragte ich bin verzweifelt, als pl�tzlich eine �berraschte
Stimme fragte, was hier los sei. Mein Kopf fuhr nach oben und ich sah meine Mom,
die in der Wohnzimmert�r stand und uns verwirrt musterte. �Ha-hallo Mom, das
ist Erik, mein Pate!�, erkl�rte ich und sp�rte, wie mein Gesicht, das
ohnehin schon ger�tet war, sich noch dunkler f�rbte. �Aha!�, meinte sie
nur und ich wusste, dass sie einige b�se Hintergedanken hatte, die sie nicht
aussprach. Da lie� Erik mich los, ich rutschte ganz von der Couch herunter und
plumpste unsanft auf den Boden. So was nennt man also dann Kavalier. Ich
richtete mich auf, warf ihm einen b�sen Blick zu, den er mit einem zuckers��en
L�cheln erwiderte und nun ebenfalls aufstand. �Wir haben uns ja vorhin schon
kennen gelernt.�, er ging auf meine Mutter zu und reichte ihr h�flich die
Hand. Achtung, sonst rutschst du noch auf deiner eigenen Schleimspur aus. Aber
irgendetwas lie� mich an seinen Worten stutzen, wieso vorhin? �Hab ich was
nicht bekommen?�, fragte ich und stellte mich jetzt auch zu den beiden, die
flei�ig Smalltalk betrieben. �Ach, du hast vorhin nicht aufgemacht und da ist
deine Mutter gekommen. Sie war so nett und hat mir ihren Schl�ssel
geliehen.�, fasste Erik zusammen und ich verstand endlich, wie er in unsere
Wohnung herein gekommen war. Nicht das ich gedacht h�tte, er w�re durch ein ge�ffnetes
Fenster eingestiegen oder er h�tte das Schloss an der T�r geknackt, obwohl das
wirklich nicht schwer gewesen w�re, ich hatte das auch schon hinbekommen, aber
wenn man sich seine zarten H�nde ansah oder sie sogar auf den eigenen Armen f�hlte,
verwarf man so einen Gedanken sofort wieder. Die Tussen in meiner Schule w�rden
vor Neid erblassen, wenn sie h�rten, dass ich mit einem Boy von O-Town
rumgemacht hatte, na ja, es war nicht ganz die Wahrheit, aber so in etwa,
stimmte es schon. �Francesca?� �Was?�, meine Mutter hatte mich
irgendetwas gefragt, aber ich war so in Gedanken vertieft gewesen, dass ich sie
nicht geh�rt hatte. �Was ist mit meiner Schneekugel passiert?�, ihre
eisgrauen Augen schossen Blitze auf mich und ich wollte mich am liebsten in
einem kleinen Mauseloch verkriechen. ��hm� �h� das war��, stotterte
ich, als mich Erik unterbrach. �Das war ich, Mrs Simons und es tut mir auch
furchtbar Leid, ich bin manchmal wirklich ungeschickt!�, er zog eine Schnute
und man konnte ihm fast glauben, dass er nichts lieber t�te, als es r�ckg�ngig
zu machen. �Nat�rlich ersetze ich sie Ihnen!�, f�gte er noch hinzu und
klimperte mit den Wimpern. Hatte der etwa Mascara drauf? Pr�fend schaute ich
ihn an und als er dies bemerkte, grinste er und zwinkerte in meine Richtung.
�Ach, das brauchen Sie nicht. Die Kugel w�re eh n�chste Woche auf dem
Flohmarkt gelandet!�, tat meine Mutter das als Bagatelle ab. Stand ich heute
irgendwie auf dem Schlauch oder war sie etwa auch zu den Schleimern Jehovas �bergetreten?
Wenn sie w�sste, dass ich eigentlich ihr Allerheiligstes kaputt gemacht hatte,
w�re sie ganz bestimmt an die Decke gegangen, aber bei Erik verlangte sie noch
nicht mal einen Ersatz. �Wenn Sie meinen� Ach Francesca, ich glaube, wir m�ssen
jetzt mal los. Ich hab einen Tisch reserviert!�, wandte er sich schlie�lich
an mich und ich nickte, erleichtert, hier endlich wegzukommen. Schnell schl�pfte
ich in meine Turnschuhe, die so locker sa�en, das sie mir fast von den F��en
rutschten, riss meine Jacke vom Kleiderb�gel an der Garderobe, so dass dieser
scheppernd auf den Boden fiel und �ffnete die Wohnungst�r weit. �Bye Mom,
ich komm heute sp�t, muss noch bei Mikey vorbeischauen!�, verabschiedete ich
mich von ihr und verlie� dann hinter Erik die Wohnung. Wir fuhren mit seinem
schicken, roten Cabrio zu Dennys. Unterwegs fragte ich ihn, wieso er gestern
nicht damit bei der Veranstaltung abends gewesen war. �Weil die Bremsen nach
einer ziemlich gewagten Aktion nicht mehr richtig funktioniert haben!�, erkl�rte
er und ein Grinsen umspielte seine Lippen. �Oh, �hm, sorry!�, entschuldigte
ich mich. �Ist kein Problem, weil der Wagen eh nur gemietet ist!�, lachte er
und wir bogen auf den Parkplatz vor dem gro�en Fr�hst�cksrestaurant ein.
Innen drin suchten wir uns einen Platz am Fenster und nahmen auf den dunkelroten
Ledersitzen Platz, die quietschten, wenn man sich ein bisschen bewegte, wie ich
das hasste! Das war aber auch das Einzige, was es an Dennys auszusetzen gab,
denn das Essen war spitze und mit nichts anderem auf der Welt zu vergleichen.
�Was m�chtest du denn?�, fragte Erik, w�hrend er die knallbunt gestaltete
Speisekarte studierte, die ich l�ngst auswendig kannte, au�erdem wollte ich
sowieso nur eine Sache essen. �Pancakes!�, antwortete ich, wie aus der
Pistole geschossen und er musste wieder mal grinsen. Wenn es nicht immer meine
Bemerkungen w�ren, die ihn zum lachen brachten, h�tte ich es ja super
gefunden, weil er so n�mlich tausend Mal s��er aussah, aber ich wurde das Gef�hl
nicht los, er w�rde mich auslachen. Da kam die Bedienung, die unsere Bestellung
aufnahm, Erik entschied sich f�r Baked Beans mit Toast. Wenn ich da nur dran
dachte, sp�rte ich wie mir das Essen wieder hoch kam, auch wenn ich, so wie
jetzt, noch gar nichts gegessen hatte. �Ich wollte mich �brigens noch
bedanken!�, meinte ich pl�tzlich und Erik warf mir einen fragenden Blick zu.
�Na, das du eben f�r mich gelogen hast.�, erkl�rte ich es ihm. �Ach, die
Sache mit der Schneekugel.�, erinnerte er sich. Ja genau, du hast auch kein
sehr gutes Ged�chtnis, oder? �Wenn deine Mom erfahren h�tte, dass du das
warst, w�re die H�lle los gewesen, denk ich mal, und bei mir hat sie gar
nichts gesagt. Das hat dir eine Menge �rger erspart, oder?�, wollte er
wissen. �Ja, deshalb will ich mich ja auch bedanken!�, sagte ich grinsend
und auch er musste lachen. Ist schon witzig, wie viel der auf einmal lachen
konnte, gestern war er ganz anders drauf gewesen. �Ich wette, meine Mom wird
jetzt allen, die uns besuchen kommen, ganz stolz erz�hlen, wer ihre Schneekugel
zerst�rt hat, die sie von meinem Daddy geschenkt bekommen hat. Das letzte, was
sie an ihn erinnert.�, meinte ich und sog an der Cola, die uns eben gebracht
worden war. �Lebt dein Vater nicht mehr bei euch?�, fragte er nach, doch
bevor ich antworten konnte, warf er dazwischen: �Entschuldige, so was fragt
man nicht.� �Nein, ist okay, ich erz�hl es dir gerne.�, widersprach ich
ihm und erkl�rte in zwei, drei S�tzen unsere famili�re Lage. Nachdenklich
starrte Erik auf den Tisch und ich glaube fast, er h�tte mir gar nicht zugeh�rt,
weil er keinen Ton sagte, als er mir pl�tzlich direkt in die Augen blickte.
�Du denkst jetzt bestimmt, das ist doch typisch f�r ein Ghetto-Kind.�,
sagte ich und konnte mich nicht von dem Schokoladenbraun seiner Augen loseisen.
�Nein, soll ich dir mal was erz�hlen, Francesca? Ich war selbst eins, dieser
so genannten Ghetto-Kinder. Sorry, aber ich mag den Ausdruck nicht, f�r mich
klingt er, wie ein Schimpfwort.� Ich nickte, noch immer von seinen magischen
Augen angezogen, genauso ging es mir auch. �Also, ich bin in den Bronx in New
York aufgewachsen, das ist wirklich keine Nobelgegend gewesen, aber ich habe
dort gerne gelebt, denn ich hatte Freunde, auf die ich mich wirklich verlassen
konnte und zu denen ich auch heute noch Kontakt habe, obwohl ich soweit weg
lebe.�, berichtete er mir ein wenig aus seinem Leben. Aufmerksam h�rte ich
ihm zu und seine Stimme klang so wundersch�n. Wenn er singt, muss sie sich noch
viel besser anh�ren, �berlegte ich und bat ihn dann spontan, mir etwas
vorzusingen. Ich wei�, es klingt verr�ckt so etwas zu fragen und bei jedem
anderen Star h�tte ich stundenlang herumgedruckst, bevor ich nur einen vern�nftigen
Satz zu Stande brachte, aber bei Erik war das v�llig anders. Nun gut, wir
hatten uns am Anfang nicht sehr leiden k�nnen, aber je mehr ich �ber ihn
erfuhr, desto gr��er wurde mein Vertrauen zu ihm und ich dachte schon voller
Trauer ans Ende dieser Woche, denn dann w�rde er wieder zur�ck fliegen und
sein Leben als Superstar genie�en und an seiner Karriere basteln, w�hrend ich
hier in einem winzigen Armenviertel in LA verk�mmerte. Wahrscheinlich h�tte er
mich sogar in ein paar Wochen wieder vergessen. Francesca? Nein, den Namen hab
ich noch nie geh�rt. In mir wehrte sich etwas gegen diesen Gedanken, so offen
wie Erik gerade mit mir sprach, w�rde er mich doch nicht so schnell wieder aus
seinem Kopf streichen, oder? Apropos Gespr�ch, hatte er mich eben etwas
gefragt? �Wie bitte?�, fragte ich ihn und der Ausdruck in seinen Augen wurde
etwas verwirrt. �Ich hab nichts gesagt. H�rst du schon irgendwelche Stimmen,
die dich verfolgen?�, belustigt fummelte er an der Serviette herum, die neben
dem Messer und der Gabel an seinem Platz lagen. Ach was, jetzt machte er wieder
Scherze �ber mich. Eigentlich wollte ich ja jetzt beleidigt sein oder vielmehr
so tun, als ob, aber in dem Moment kam unser Essen und ich st�rzte mich wie
eine ausgehungerte Hy�ne auf die Pancakes. Nat�rlich sch�ttete ich eine
Unmenge von Ahornsirup dr�ber und dieses Mal bemerkte ich seinen feixenden
Blick nicht, musste mich viel zu sehr auf das Fr�hst�ck konzentrieren.
�Guten Appetit!�, sagte ich noch rasch, bevor ich mir den ersten Bissen in
den Mund schob. Sp�ter redeten wir noch ewig und ich gab meine letzten Zweifel
Erik k�nnte ein notgeiler Typ sein, der mit jedem Girl in die Kiste springen w�rde,
auf. �Oh, schon so sp�t?�, �berrascht sah ich auf der Uhr, die �ber dem
Tresen hing, das es bereits kurz nach vier Uhr war und wir seit f�nf Stunden
hier sa�en. Zwischen durch hatten wir noch zu Mittag gegessen und dann zum
Schluss ein paar Donuts verdr�ckt. �Ich muss jetzt gehen!�, meinte ich und
es tat mir wirklich leid, weil es wundersch�n gewesen war, mit ihm hier gem�tlich
zu sitzen und zu quatschen, so sch�n, dass die Zeit wie im Flug vergangen war.
�Warte, ich fahre dich!�, bot er mir an und ich strahlte. �Das ist echt
lieb!�, wir liefen zu seinem Wagen und fuhren denselben Weg zur�ck, den wir
gekommen waren. Der Fahrtwind wehte mir die Haare ins Gesicht und ich musste
dauernd aufpassen, dass sie nicht in meinen Mund flogen und ich darauf
herumkaute. Genug gegessen hatte ich heute schon! Gerade als Erik in unsere Stra�e
einbiegen wollte, rief ich dazwischen. �Warte! W�re es f�r dich ein gro�er
Umweg, woanders hinzufahren? Ich hatte jemandem versprochen ihn zu besuchen!�
�Kein Problem!�, entgegnete Erik und ich dirigierte ihn zum Basketballplatz.
Mikey stand am Rand und starrte Stirn runzelnd zum Cabrio, das langsam die Stra�e
entlang fuhr. Wie war der denn heute drauf? Okay, ich war etwa eine Stunde zu sp�t,
aber musste er gleich so w�tend gucken? Ich h�tte nicht �bel Lust, Erik
einfach weiter fahren zu lassen, aber so gemein war ich dann doch nicht.
�Okay, du kannst hier halten!�, sagte ich und stieg, nachdem er gebremst
hatte, aus. Rasch eilte ich um das Auto herum und wieder sah ich Mikeys m�rrisches
Gesicht und ich wei� nicht, wieso, aber ich beugte mich zu Erik, denn ich war
gerade neben seiner Fahrert�r angelangt und gab ihm einen Abschiedskuss auf die
Wange. Verwundert starrte mich Erik an und noch bevor ich mich umdrehte, sp�rte
ich schon die zornigen Augen von Mikey, die sich in meinen R�cken bohrten. Pah,
das geschah ihm gerade recht! Ich hasste es, wenn er gleich den eifers�chtigen
Macker spielte und gegen�ber allem und jedem zeigen musste. Dieses Girl ist
meine Freundin und geh�rt nur mir alleine. Meine Aktion war da jetzt zwar nicht
die Allerschlauste gewesen, aber daran konnte ich auch nichts mehr �ndern.
�Was soll das denn?�, fragten beide Jungs fast gleichzeitig und w�re die
Situation nicht so gespannt gewesen, h�tte ich laut losgelacht. �Darf ich
mich nicht mal von meinem Chauffeur verabschieden?�, fragte ich genervt in
Richtung Mikey, der sich nun gen�hert hatte, aber noch durch den Zaun von mir
getrennt war. �Nicht so!�, erwiderte er und den Blick, den er Erik zu warf,
h�tte den t�ten k�nnen. �Ist es dir lieber, wenn ich ihn auf den Mund k�sse?
Oder vielleicht ein Zungenkuss?�, ich drehte mich zu Erik und beugte mich gef�hrlich
nah zu seinem Gesicht herunter. Bevor es jedoch zum �u�ersten kommen konnte,
zog der sein Gesicht ein St�ck zur�ck und musterte mich. �Lass das!�, er
wirkte genauso w�tend wie Mikey und jetzt war ich die, die verwirrt war. ��hm
was?�, aber er antwortete mir nicht, sondern bat mich ein St�ck von seinem
Auto wegzugehen, weil er losfahren wollte. �Erik, ich��, hustend sah ich
blo� noch, die Rauchwolke, die aus dem Auspuff kam. Super gemacht, Francesca!
Nicht nur dein Freund ist sauer, sondern auch Erik! Wieder einmal �berlegte
ich, dass es wirklich besser gewesen w�re, wenn ich heute Morgen im Bett
geblieben w�re. Wie konnte man so d�mlich sein? Vor seinem Freund mit jemandem
rummachen, den man kaum kannte, kein Wunder, dass sie jetzt beide sauer auf mich
waren. �Mikey��, traurig schaute ich zu ihm r�ber, doch er drehte sich
zur Seite und ignorierte mich. Mit einem ziemlich schlechten Gewissen schlich
ich nach Hause und auch Alfreds Geschreie, weil ich in der K�che nicht aufger�umt
hatte, lies mich kalt. Den heutigen Tag konnte man echt aus dem Kalender
streichen.
Nachts im Bett �berfiel
mich das schlechte Gewissen und ich w�lzte mich hin und her, bis ich mir fest
vornahm, mich am n�chsten Tag bei beiden zu entschuldigen, denn ich sah ein,
dass meine Aktion kindisch gewesen war und ich niemandem einen Gefallen damit
getan hatte, am wenigsten mir selbst. Am Morgen des darauf folgenden Tages
konnte ich ausschlafen, denn meine Mutter war mit meinen Geschwistern ins
Schwimmbad gefahren und Alfred arbeitete. Doch ich konnte es nicht wirklich
genie�en, zu sehr besch�ftigte mich der �rger mit Erik und Mikey, so stand
ich um kurz nach neun auf, zog mich an und schnappte mir einen zartroten Apfel
aus der Obstschale im Wohnzimmer. Ich biss hinein und der Saft spritze zur
Seite, mampfend verlie� ich die Wohnung und lief die Treppe hinunter, weil der
Aufzug noch immer kaputt war. Drau�en schien die Sonne und es w�rde bestimmt
ein wunderbarer Tag werden, perfekt um am Basketballplatz abzuh�ngen oder mit
Erik ein Picknick im Wald zu machen. Oh Gott, wie kam ich denn auf so eine verr�ckte
Idee? Langsam schlenderte ich die Stra�e hinunter, bog um die Ecke und warf den
nur zur H�lfte gegessenen Apfel in ein Geb�sch, da mir der Appetit vergangen
war. Stattdessen �berlegte ich mir schon mal, was ich zu Mikey sagen wollte.
�Hey Mikey, na wie geht�s?�, so zu tun, als ob gestern nichts passiert
war, w�re wirklich dumm, denn ich hasste es, wenn wir uns nicht �ber einen
Streit aussprachen und entschuldigten, weil ich immer das dumpfe Gef�hl hatte,
dass es eine Barrikade zwischen uns aufbaute und ein wenig unsere Beziehung
zerst�rte. �Es tut mir so unendlich Leid!�, nein, das klang ganz sch�n
geschleimt und das wollte ich nicht, zwar w�rde Mikey sagen, dass es in Ordnung
ist, aber tief in seinem Innern w�rde er mir die Sache nicht so schnell
verzeihen. Er war nun mal ein sehr nachtragender Mensch. Vielleicht hab ich auch
Gl�ck und er ist gar nicht dort, dann w�rde ich wieder nach Hause gehen und
Erik anrufen und das war nicht unbedingt besser. Eigentlich vom Regen in die
Traufe, weil ich bei ihm noch weniger einsch�tzen konnte, wie er auf eine
Entschuldigung reagierte, obwohl gestern hatten wir uns wirklich gut verstanden,
na ja, bis ich dann die wundersch�ne Situation kaputt machen musste. W�re ja
auch mal verwunderlich, wenn ich irgendetwas richtig machen w�rde, dachte ich
traurig und musste seltsamerweise an Jamie denken. Ich konnte nichts dagegen
tun, dass mir dieser Idiot noch immer im Kopf rumspukte. Das Schlimmste war, ich
musste mir eingestehen, dass ich auch heute nach den ganzen Ereignissen von
damals, ein bisschen in ihn verliebt bin. Nicht dass ich Mikey nicht lieben w�rde,
aber es war ein gro�er Unterschied zu der Beziehung, die Jamie und ich damals
gef�hrt hatten, aber ich liebte Mikey wirklich aufrichtig und w�rde nie auf
die Idee kommen ihn zu betr�gen. Genau in dem Moment schoss mir Erik durch den
Kopf und ich sah ihn ganz deutlich vor mir. Seine Lippen, die zu einem leichten
L�cheln verzogen waren, das bis zu seinen Augen reichte und seine zarten H�nde,
mit denen er mich gestern in unserem Wohnzimmer gekitzelt hatte. Ich f�hlte
schon eine G�nsehaut, die sich meinen R�cken hinauf schlich, wenn ich blo�
daran dachte, doch da lief ich zwischen zwei H�usern vorbei und war endlich am
Basketballplatz angekommen. Meine Schritte wurden kleiner und langsamer, bis ich
schlie�lich ganz stehen blieb und von meiner Position aus, Mikey musterte, der
mit dem R�cken zu mir stand und auf den Korb zielte. Nat�rlich gelang ihm
dieser Wurf perfekt und ich wollte eigentlich applaudieren, lie� es aber dann
bleiben, weil ich mich erstmal bei ihm entschuldigen sollte. Er hob den Ball
auf, drehte sich um und entdeckte mich am Zaun. Verwirrt blickte er mich an und
f�r einen Moment sah es aus, als wolle er auf mich zu laufen und mich umarmen,
aber er entschied sich anders und schaute mich blo� an. Die Stirn hatte er in
Falten gelegt und seine Augen zusammen gekniffen, was mich mehr erschreckte, war
sein Mund, der nicht mehr als eine schmale Linie war. Er war noch genauso w�tend
auf mich wie gestern und ich ahnte, dass es ein hartes St�ck Arbeit sein w�rde,
bis er mir verziehen hatte. Ein Seufzen entwich meiner Kehle und ich kletterte
�ber den Zaun und kam die letzten Meter zu ihm r�ber. �Hallo Mikey!�, begr��te
ich ihn und er nickte mir nur zu. Na toll, das war ein gro�artiger Anfang.
�Ich� ich� wollte mich wegen gestern entschuldigen. Das war nicht in
Ordnung gewesen und ich h�tte es nicht tun sollen.�, begann ich mit meiner
Entschuldigung und senkte den Blick, weil ich nicht in seine eiskalten Augen
schauen konnte ohne noch mehr herum zu stottern, wahrscheinlich h�tte ich gar
kein Wort mehr heraus gebracht, wenn ich den verletzten und beleidigten Ausdruck
in ihnen gelesen h�tte. �Hast du aber!�, warf er ein und prellte den Ball
einmal auf den Boden. Das laute Ger�usch lie� mich zusammen zucken, aber ich
sprach unbeirrt weiter. �Mich interessiert Erik kein bisschen, wir sind nur
befreundet, denn die einzige Person, die ich liebe, das bist du!�, ich hoffte,
dass ihm das ein kleines L�cheln entlocken w�rde, da er es mochte, wenn man
ein wenig �bertrieb und ihm Komplimente machte. �Na ja��, ich schielte
kurz zu ihm hoch und wusste, dass ich es geschafft hatte. �Wenn es nicht noch
mal vorkommt, will ich mal nicht so sein und dir verzeihen!�, er breitete die
Arme aus und ich lief erleichtert auf ihn zu und presste mich an seinen vom
Basketball spielen aufgew�rmten K�rper. Komischerweise musste ich dabei an
Eriks wundersch�ne Augen denken, die mich gestern beim Fr�hst�ck die ganze
Zeit �ber aufmunternd angeguckt hatten. Ich blieb noch etwa zwei Stunden bei
ihm und beobachtete wie er flei�ig trainierte, manchmal spielte ich auch mit,
aber ich mag es nicht, wenn ich die ganze Zeit verliere und gegen Mikey konnte
man nur verlieren, als schlie�lich Jess humpelnd auftauchte und die beiden
anfingen �ber Autos zu quatschen, wollte ich mich verziehen. �Also ich werde
jetzt mal gehen!�, rief ich vom Zaun, wo ich gesessen hatte und sprang auf den
Boden. �Och schade, wieso denn jetzt schon?�, Mikey schaute mich bittend an
und streckte seine Hand aus. Grinsend ging ich auf ihn zu und legte meine Hand
in seine und dr�ckte sie fest. �Ich muss noch einkaufen gehen!�, log ich
ganz frech und hoffte, dass ich nicht allzu rot wurde, aber wenn ich ihm die
Wahrheit erz�hlt h�tte, dass ich mich auch bei Erik entschuldigen wollte, w�re
er bestimmt wieder an die Decke gegangen und das wollte ich auf jeden Fall
verhindern, wir hatten uns doch gerade erst wieder vers�hnt. Rasch gab ich ihm
einen Abschiedskuss aus dem aber ein l�ngerer Zungenkuss wurde, weil mich Mikey
nicht weglie�, doch dann schob ich ihn sanft weg, verabschiedete mich von Jess
und lief �ber den Platz zum Tor. Als ich ein St�ck gegangen war, hatte ich pl�tzlich
keine Lust mehr auf ein Telefongespr�ch mit Erik, das konnte ich sp�ter noch
machen, sondern wollte stattdessen ein wenig durch die breiten Stra�en L.A.�s
spazieren, dort, wo die Reichen und Sch�nen lebten. Mit der n�chsten U-Bahn
fuhr ich nach Beverley Hills, als ich die Treppen aus der d�steren Station
herauf gestiegen war, blickte ich mich neugierig um. Es faszinierte mich jedes
Mal aufs Neue, die wundersch�nen und offensichtlich teueren Geb�ude zu sehen,
auch wenn sie mich manchmal traurig stimmten, weil ich ganz genau wusste, dass
ich nie in einem solchen Haus leben w�rde, sondern ein Ghetto-Kind bleiben w�rde,
dass sich ihr Zimmer mit ihren zwei Geschwistern teilen muss. Um die d�steren
Gedanken zu vertreiben, bog ich in eine riesige Einkaufsstra�e ein, die Park
Avenue. Hier reihte sich eine Designer-Boutique an die n�chste und die
schillernden Kleider in den Schaufenstern lie�en mich Baukl�tze staunen.
Besonders ein Ballkleid, das an einer schmalen, aus goldener Pappe geschnittenen
Puppe hing, hatte es mir angetan. Es bestand aus cremefarbener Seide, die im
Licht der Scheinwerfer, die es beleuchteten, sanft gl�nzte. Tr�ger besa� es
keine und auch der Ausschnitt war sehr gewagt, aber es gefiel mir wirklich, nur
als ich zum Preisschild, das da neben auf dem Boden stand, blickte, fielen mir
fast die Augen aus dem Kopf. 3000 Dollar, davon konnte unsere Familie locker ein
halbes Jahr von leben und andere gaben es in zehn Minuten f�r ein Kleid aus,
das sie nicht mehr als zwei Mal trugen, weil es danach nicht mehr in war. So
lief ich weiter, bestaunte jedes Schaufenster und ahnte nicht, dass mir die gr��te
�berraschung an diesem Tag noch bevor stand. Ich war schon ein Weilchen
gelaufen und kam gerade an einem Cafe vorbei, an den Tischen drau�en sa�en nur
vereinzelt ein paar junge Leute, denn wir hatten halb eins und die meisten waren
nun zuhause zum Mittagessen, weil ich hier auch garantiert niemanden kannte,
achtete ich nicht sonderlich auf diese Menschen. Da sah ich aus den Augenwinkeln
ein P�rchen, vor ihnen auf dem Tisch stand eine gro�e Platte mit allerlei K�stlichkeiten,
die mir das Wasser im Munde zusammen laufen lie�en, besonders wenn ich daran
dachte, dass ich heute au�er einem Apfel noch nichts gegessen hatte. Doch die
beiden waren viel zu sehr mit sich besch�ftigt, als dass sie sich um das Essen
k�mmern konnten. Ich konnte von hier ja nicht so viel erkennen, aber er war
gerade dabei, mit seiner Zunge jeden kleinsten Fleck in ihrem Mund zu erkunden
und sie genoss es sichtlich, auch seine Finger, die sich in ihren langen,
schwarzen Haaren vergruben hatten. Sie waren bestimmt gl�cklich, dachte ich und
blieb kurz stehen um das Paar vertr�umt zu beobachten. Genau in dem Moment l�ste
er sich kurz von ihr und drehte seinen Kopf so, dass ich sein Gesicht sehen
konnte. Oh mein Gott, ich traute meinen Augen nicht und blinzelte mehrmals, aber
es blieben dieselben braunen Augen, die vor Gl�ck strahlten, die gleichen s��en
Lippen, die leicht schimmerten, er fuhr sich mit der Hand �ber den rasierten
Kopf und setzte den Kuss dann fort. Das war wirklich Erik! Der Mann, mit dem ich
gestern beim Fr�hst�ck so viel gelacht hatte, sa� heute mit einem anderen
Girl in einem Nobelcafe und tat ganz andere Sachen, die nicht gerade jugendfrei
waren. Pah und bei dem hatte ich mich entschuldigen wollen. Wusste ich doch,
dass alle Typen gleich sind und bei einer scharfen Tusse ganz schnell schwach
werden. Wut stieg in mir auf und ich schoss zornige Blitze auf Erik, die ihn
umbringen w�rden, wenn Blicke t�ten konnten, was sie aber leider nicht taten.
W�re ich nun weiter gelaufen und h�tte die beiden einfach ignoriert, w�re es
nicht so schlimm geworden, aber als ich sah, wie er mit seinen schmierigen
Fingern anfing an ihrem Hintern herumzufummeln, brannten bei mir alle
Sicherungen durch und ich rannte ins Cafe, direkt auf sie zu. �Du Schwein!�,
br�llte ich ihn an und er riss �berrascht den Kopf herum und blickte mich
verwirrt an. �Hast du nichts Besseres zu tun, als mit einer dummen Bitch rum
zu machen?�, beschimpfte ich ihn weiter, doch er schien immer noch nicht zu
verstehen, was ich von ihm wollte. �Francesca, was machst du denn hier?�,
mehr brachte er nicht heraus, denn ich unterbrach ihn schon wieder. �In wie
viel M�dchen hast du denn deine Zunge schon rein gesteckt, seitdem du in L.A.
bist?�, fragte ich bissig. �Was redest du da?� �Oder wo hast du sie
sonst noch rein gesteckt? Du bist total pervers, wei�t du das?�, ich schrie
ihn wieder an und machte meiner Wut endlich mal wieder richtig Luft. �Du bist
echt durchgeknallt!�, er sch�ttelte den Kopf und warf einen Blick zu seiner
Partnerin, die hilflos zwischen ihm und mir hin und her guckte. �Lass dich
besser nicht auf ihn ein. Du bist f�r ihn nur eine schnelle Nummer, mehr
nicht!�, wandte ich mich nun an sie und sah wie Erik w�tend nach Luft
schnappte. �Das geht echt zu weit, du kannst doch nicht einfach hier hinein
platzen und mein Date kaputt machen!�, hob er die Stimme an. �Ach Date nennt
sich das heute, also bei mir hei�t das immer noch One-Night-Stand!�, ich
geriet nun richtig in Rage und bemerkte auch, wie sehr ich das M�dchen
verunsicherte, denn sie war nun ein St�ck von Erik abger�ckt und hatte seine H�nde
von ihrem Po geschoben. Jetzt blieb ihm wohl die Spucke weg, denn er starrte
mich nur mit weit aufgerissenem Mund an. �Hab ich also recht?�, triumphierte
ich, doch er antwortete nicht, sondern schloss nur den Mund, aber der geschockte
Ausdruck in seinen Augen blieb. �Dir reicht wohl Selbstbefriedigung nicht
mehr? Aber gib es auf, dich nimmt niemand so h�sslich wie du bist, noch nicht
mal f�r Geld.�, beleidigt ich ihn weiter und nun feuerte er auch wieder zur�ck.
�Halt die Klappe und verzieh dich!�, seine Stimme vibrierte vor Emp�rung.
�Werde ich jetzt auch machen!�, das fremde M�dchen griff nach ihrer
Handtasche, die auf dem Stuhl neben ihr lag und rauschte an mir vorbei. �Hey
Lynn, warte doch. Du warst nicht gemeint!�, rief er ihr verzweifelt hinterher,
aber sie ignorierte ihn und stieg in ein Taxi, das gerade die Stra�e entlang
gefahren war. �Was sollte das eben?�, er blickte mich zornig an und ich
zuckte blo� mit den Schultern. �Endlich hab ich mal wieder eine Frau gefunden
und du verbaust mir alle Chancen bei ihr.�, warf er mir vor. �Sie war
sowieso nur ein Flirt f�r dich!�, erwiderte ich gereizt. �Nein! Wir haben
uns gek�sst, ist das so schlimm?�, genervt verdrehte er die Augen. �Kuss?
Das ich nicht lache, du bist fast bei ihr im Magen gelandet und wenn das mit
euch in dem Tempo weiter gegangen w�re, h�ttet ihr gleich miteinander gepoppt.�,
entgegnete ich und wurde wieder etwas lauter. �Bl�dsinn, wir hatten ein
bisschen Spa�, sorry, wenn dir das nicht passt, aber das ist nicht mein
Problem.�, sagte er auf einmal ganz ruhig. Huch, was war denn jetzt mit dem
los? Hatte der sich an unserem Streit aufgegeilt, war nun gekommen und hing
deshalb so ersch�pft in seinem Stuhl? Na, dann hatte er ja das, was er wollte
und musste sich heute mal nicht selbst befriedigen. Fest von meiner Theorie �berzeugt
schmetterte ich die n�chste Beleidigung. �So notgeil bist du also schon, ich
hab echt gedacht, du w�rst nicht so, aber der erste Eindruck ist nun mal doch
der richtige.� Mit diesen Worten drehte ich mich auf den Hacken um und rannte
rasend vor Wut aus dem Cafe, nat�rlich h�rte ich noch wie er mir hinterher
schrie. �Ja genau, hau ab und eins sag ich dir, ich will dich nie wieder
sehen!�
Ich konnte nicht anders, ich
ergriff die Flucht. Es tat so weh seine Worte zu h�ren, vor Wut verzerrt und
das Schlimmste war, ich konnte ganz genau sp�ren, wie ernst es ihm damit war.
Meine F��e trugen mich einfach fort und pl�tzlich stand ich wieder unten in
der U-Bahn Station. An der Wand lehnte ein junger Mann mit Aktentasche unter dem
Arm, der mich verwirrt anschaute. Kein Wunder, bestimmt waren meine Haare total
zerzaust und meine Klamotten zerknittert und das hier in Beverley Hills. Man
konnte mich nicht von einem gew�hnlichen Stra�enpenner unterscheiden, mehr war
ich f�r die Leute von hier auch nicht, schlie�lich war ich ein Ghetto-Kind und
f�r Erik, der als gefeiertes Mitglied in er ber�hmten Band jede Menge Erfolg
hatte, war ich auch nur ein l�stiges Staubkorn gewesen, das er aber nun feins�uberlich
von seinem blitzblanken Jackett entfernt hatte, dabei hatte er selbst einmal in
den Bronx von New York gelebt. Aber an so etwas denkt er nicht mehr, seine
Vergangenheit ist ihm garantiert peinlich, mich wundert es sowieso, dass er mir
das erz�hlt hat. Ich k�nnte es ja an irgendeinen Pressemenschen erz�hlen, der
daraus eine Schlagzeile macht, daran hatte unser
Ich-bin-ja-so-cool-und-alle-Girls-liegen-mir-zu-F��en-und-ich-darf-in-jeden-Hals-meine-Zunge-reinstecken-weil-ich-ja-so-notgeil-bin-Superstar
nicht gedacht. Noch immer ganz sch�n geladen stieg ich in die U-Bahn ein, die
gerade an der Station hielt und lie� mich auf einen Ledersitz fallen, der an
der Seite aufgeschlitzt war. Automatisch wanderten meine Finger zu dieser Stelle
und fingen an das herausquellende Schaumgummi zu zerbr�seln. Wieso war ich blo�
hierher gefahren? Gerade hatte ich begonnen Erik zu vertrauen und nun war alles
wieder zerst�rt, aber wenn er sich nun immer so verhielt wie heute, konnte ich
doch wirklich froh sein, dass ich ihn so schnell durchschaut hatte. Trotzdem
machte sich kein Gl�cksgef�hl in mir breit, im Gegenteil mein Herz f�hlte
sich an wie ein riesiger Felsbrocken und ich w�rde mich am liebsten im
kleinsten Mauseloch verkriechen, das es gab. Zum Gl�ck war ich bald zuhause,
dann konnte ich mich in meinem Zimmer verstecken und die Welt au�erhalb
vergessen und somit auch meine ganzen Probleme. Da h�rte ich wie eine steife,
nervt�tende Computerstimme die n�chste Haltestation der U-Bahn aufrief.
�Chester Avenue, Glendale!� Sie wiederholte es einmal und verstummte dann
wieder. Oh nein, jetzt war ich vor lauter Aufregnung auch noch in die falsche
Bahn gestiegen. Das war nun wirklich bl�d gelaufen und von Glendale gab es nur
schlechte Verbindungen nach Westwood, wo ich lebte. Gerade stand ich auf, weil
die Bahn mit einem sanften Ruck gehalten hatte und sich quietschen die T�ren �ffneten,
da fiel mir ein, dass ich eigentlich meine Oma und Jamima besuchen konnte, die
in Pasadena lebten, von hier waren das blo� noch vier oder f�nf Stationen und
wenn ich schon mal in der Gegend war. Au�erdem hatte ich Jamima ewig nicht mehr
gesehen, obwohl ich mir vorgenommen hatte, sie mindestens einmal in der Woche zu
besuchen. Daraus war nat�rlich nichts geworden, meistens war mir ein Date mit
Mikey dazwischen gekommen und wenn ich ehrlich bin, hatte mich das schlechte
Gewissen nur ganz kurz gezwickt. Erst wenn ich es endlich mal wieder geschafft
hatte und hier heraus nach Pasadena gekommen war und sah, wie gro� meine Maus
inzwischen schon war, sp�rte ich die Wehmut, die mir das Herz schwer machte.
Jedes Mal merkte ich, wie sie mir mehr entglitt, ich war f�r sie nur noch eine
Besucherin, die hereinschneite, sie im Arm hielt und mit ihr spielte, eine
willkommene Abwechslung, aber ich war nicht das, was ich eigentlich f�r sie
sein sollte. Eine liebende Mutter, die sich um ihre Tochter k�mmerte. Diese
Rolle hatte Nanny f�r mich �bernommen und ich war ihr dankbar f�r alles, was
sie bisher geleistet hatte, denn ich war felsenfest davon �berzeugt, dass
Jamima es bei ihr besser hat, als sie es bei mir jemals haben k�nnte. Am
liebsten h�tte ich sie selbst aufgezogen, aber dagegen hatte sich Alfred
geweigert. Meine Eltern waren schon aus allen Wolken gefallen, als sie erfahren
hatten, dass ich schwanger war und dann auch noch von einem Jungen, der
vierhundert Kilometer entfernt lebte und mit dem ich im Moment keinen Kontakt
hatte. Alfred wollte mich zwingen abzutreiben, doch zum Gl�ck konnte meine Mom
ihn nach zwei Wochen, in denen er mich furchtbar qu�lte, �berzeugen, denn
ansonsten h�tte ich wohl nachgegeben, da ich den psychischen Druck, den Alfred
auf mich ausge�bt hatte, nicht l�nger h�tte ertragen k�nnen. Immer wieder
dieselben zerm�rbenden S�tze. �Francesca, du ruinierst dir dein Leben, wenn
du jetzt ein Kind bekommst.� Oder �Du bist viel zu jung und kannst gar nicht
die Verantwortung f�r so etwas tragen.� Etwas, wie konnte er ein Lebewesen
nur etwas nennen? Immer wieder hatte ich ihm widersprochen, versucht zu zeigen,
dass ich sehr wohl bereit war f�r ein Baby, in Wirklichkeit aber war es mir
nicht um das Kind gegangen, sondern darum, dass dies das Ergebnis der sch�nsten
Nacht war, die ich je erlebt hatte. Voller Sehnsucht und Trauer dachte ich an
Jamie, meine gro�e Sommerliebe, Jamima�s Vater. Mein Blick verd�sterte sich,
als ich an ihn dachte. Wie sch�n
hatte ich mir alles vorgestellt und dann zerplatzte dieser Traum wie eine
Seifenblase. Ich wollte ihm erst von dem Kind erz�hlen, wenn ich sicher war,
das alles glatt verlaufen w�rde und endlich schien es, als ob ich meine Eltern,
besonders Alfred, �berzeugt h�tte und w�hlte aufgeregt Jamie�s Nummer, doch
da kam die Ern�chterung, eine fremde Stimme meldete sich und erkl�rte mir,
dass die Familie Daughton vor einigen Wochen weggezogen war, wohin, wusste sie
auch nicht. Tut� tut� tut, ich presste den Telefonh�rer auf die Station.
Nein, das konnte nicht sein. Ich wollte nichts mehr h�ren, nichts mehr sehen.
Wochenlang lag ich lustlos auf meinem Bett und starrte an die Decke, dorthin wo
Samantha�s Glitzersterne hingen, die sie vor Jahren, als Alex noch nicht auf
der Welt gewesen war und sie ihr eigenes Bett auf dieser Seite und ich meins auf
der anderen hatte, hingeklebt hatte. Eines Tages klingelte es an der Wohnungst�r,
ich h�rte, wie meine Mutter kurz mit jemandem sprach und dann Schritte �ber
den Flur, die auf meine T�r zu kamen. Statt einem Klopfen, das ich erwartet h�tte,
vernahm ich eine bekannte Stimme, die ich, wie mir schien, seit Jahren nicht
mehr geh�rt hatte, Jamie! �Francesca? Kann ich reinkommen?� Nat�rlich
konnte er, mein Herz klopfte und ich sp�rte zum ersten Mal seit Monaten wieder
diese einmaligen Schmetterlinge. Halt moment, ich sah bestimmt furchtbar aus.
Rasch schnappte ich mir meinen Handspiegel und guckte hinein. Oh Gott, ein
Monster konnte nicht schlimmer aussehen. Mit der B�rste fuhr ich mir ein paar
Mal durchs Haar und versuchte mit Puder meine gl�nzende Nase und die dunklen
Augenringe zu verdecken. In einer weiten Jogginghose und einem T-Shirt �ffnete
ich die T�r und l�chelte. �Hi Jamie!� Er hatte sich seit ich ihn das letzte Mal
im Reisebus gesehen hatte, kaum ver�ndert. Dieselben
funkelnden, blauen Augen, das gleiche schwarze Haar, das sanft gewellt war,
etwas k�rzer trug er es allerdings als damals.
�Hi!�, erwiderte er und ich versank in seinem L�cheln. Es gab nichts
S��eres auf dieser Welt, als wenn er l�chelte. Dabei verzogen sich seine
Lippen nur ein wenig nach oben und das Wei� seiner Z�hne blitzte durch den
schmalen Spalt seines Munds. In seinen Wangen bildete sich auf jeder Seite ein
kleines Gr�bchen, �ber das ich immer sanft gestrichen war, wenn ich ihn gek�sst
hatte. Aber diese gl�cklichen Zeiten waren vorbei oder bedeutete sein heutiges
Kommen etwa Hoffnung f�r unsere damalige Beziehung? Mein Herz pochte lauter und
ich w�rde mich nicht wundern, wenn er es sogar h�ren konnte. �Ich wollte mit
dir �ber das da reden!�, seine schmale Hand, die bis jetzt in der hinteren
Tasche seiner engen Levis-Jeans vergraben war, deutete auf meinen Bauch, der
sich deutlich als kleine W�lbung unter meinem T-Shirt abzeichnete. Irgendetwas
gefiel mir an seiner Art zu sprechen nicht, seine Wortwahl st�rte mich. Weshalb
sagte er �das da�? Er wusste doch genau, dass das sein Kind werden w�rde,
deswegen war er auch hergekommen, oder? �Ja?�, fragend blickte ich in seine
Augen und verlor mich mal wieder in ihnen. So war es auch am ersten Tag im
Sommercamp gewesen. Da ich alleine hingefahren war und seltsamerweise jeder
seinen besten Freund oder seine beste Freundin mitgebracht hatte, stand ich
einsam in der Mitte des Platzes, neben mir eine gro�e, schwarze Reisetasche,
die ganz staubig von der Fahrt war und auf meinem R�cken einen kleinen Rucksack
voll gepackt mit dem Krims Krams, den ich unterwegs ben�tigt hatte. Pl�tzlich
stand er vor mir, so als ob ein Engel ihn dorthin gezaubert h�tte. �Hallo,
ich hei�e Jamie und du?�, stellte er sich vor und streckte mir freundlich die
Hand entgegen, doch ich konnte gar nicht reagieren, zu sehr nahm mich der
Anblick seiner Augen gefangen. Nun sah ich seine Hand erneut ausgestreckt vor
mir, aber diesmal nicht als Begr��ungsgeste, sondern sie wies anklagend auf
den runden Bauch, mit dem ich mich ein paar Wochen abm�hte und wegen dem mir
meine ganzen Klamotten nicht mehr passten. Au�erdem sch�mte ich mich f�r ihn,
wenn ich hinaus ging und die Leute hinter meinem R�cken fl�sterten, tat das
unheimlich weh und heute wurde mein Leben wieder durcheinander gewirbelt durch
ihn, meine gro�e Liebe. �Also, das ist��, er stockte kurz, r�usperte
sich und sprach erst dann weiter �Das ist wirklich meins?� Fast h�tte ich
lauthals aufgelacht, aber in Anbetracht der Situation lie� ich es doch bleiben.
�Es kommt niemand anderes in Frage, du warst mein Erster und bist mein
Einziger bis jetzt geblieben, Jamie!�, erkl�rte ich mit ged�mpfter Stimme,
weil ich keine Lust hatte, von irgendjemandem belauscht zu werden, denn es ging
nur Jamie und mich etwas an. �Na ja, es h�tte ja sein k�nnen��, er lie�
den Satz in der Luft h�ngen und starrte nachdenklich auf den Fu�boden. In mir
keimte mittlerweile der Verdacht auf, dass er sich nicht wirklich �ber das Kind
freute, im Gegenteil, er wollte es �berhaupt nicht haben. �Und wie hast du
dir das gedacht?�, fragte er pl�tzlich in die Stille hinein und richtete
seinen Blick wieder auf mich. Oh Gott, diese Augen! �Was habe ich mir wie
gedacht?�, zwar konnte ich mir vorstellen, was er meinte, aber ich wollte es
mit meinen eigenen Ohren h�ren, ich wollte es von ihm pers�nlich h�ren, dass
er nicht gl�cklich dar�ber war Vater zu werden. �Wir beide und das Baby!�,
erkl�rte er und trippelte nerv�s mit dem rechten Fu�, der in einem wei�en
Turnschuh steckte, auf dem Teppich herum. �Ich wei� es nicht, ich hab dich
vor ein paar Wochen versucht zu erreichen, aber ihr seid umgezogen und ich hatte
deine neue Nummer nicht.�, abrupt h�rte ich auf zu sprechen. Wieso war Jamie
auf einmal zu mir gekommen? Zwar hatte er am Ende des Sommercamps versprochen
sich bei mir zu melden, aber das hatte er nie getan. Nat�rlich war ich vor
Liebeskummer halb umgekommen, wenigstens Alicia hatte sich um mich gek�mmert
und mich liebevoll getr�stet. Dank ihr, ging es mir nach einer Weile wieder
besser, doch dann kam der n�chste Schock. Ich war schwanger! �Ja� ich habe
letztens mit Jeffrey telefoniert und der sagte mir, dass eine Mrs Simons bei ihm
angerufen hat und meine Adresse und Telefonnummer haben wollte, wegen einer
dringenden Angelegenheit. Also hab ich Jeffrey alle Daten gegeben und zwei Tage
danach, hat deine Mom bei mir angerufen und mir die ganze Geschichte erz�hlt.
Au�erdem hat sie mich gebeten hierher zu kommen und mit dir �ber alles zu
sprechen und nun ja, hier bin ich jetzt!�, schloss er seine l�ngere Rede ab
und l�chelte mich wieder mit diesem unglaublichen L�cheln an, aber meine
Lippen waren nicht mehr als eine schmale Linie und ich starrte ihn aus kalten
Augen heraus an. Das war der Grund gewesen. Es ging ihm nicht um Verantwortung
oder sogar Freude auf das Kind, nein, er hatte sich die 400 km herbem�ht, weil
meine Mom ihm ins Gewissen geredet hatte. Mein kleiner Funken Hoffnung war in
weniger als einer Minute wieder erloschen, denn ich sah ein, dass es keinen Sinn
mehr hatte, Dinge, die l�ngst beendet waren, wieder aufzurollen. Doch ich
wollte es einmal h�ren, einmal zur Best�tigung, dass ich und das Kind ihm v�llig
egal waren. �Du m�chtest das Kind nicht, oder? Wehe, du l�gst! Ich will
endlich die Wahrheit wissen!�, diesmal machte ich mir keine M�he meine Stimme
zu d�mpfen. �Nein, deswegen bin ich auch hier. Ich f�nde es besser, wenn du
abtreiben w�rdest. Du bist noch so jung und dem doch gar nicht gewachsen.�
Steckte er etwa mit meinen Eltern unter einer Decke? Er begr�ndete alles mit
genau denselben Thesen, ich konnte es nicht glauben. �Du bist ein Feigling,
ich hatte dich gebeten, offen zu mir zu sein und was machst du? Du kommst mit
der du-bist-doch-noch-viel-zu-jung-tour, aber das zieht bei mir nicht. Das
kannst du gleich vergessen!�, ich stand kurz davor laut los zu br�llen. Sein
Gesicht wirkte nun betroffen und ich dachte mir, dass ich ihn durchschaut hatte,
denn er murmelte kleinlaut etwas, das ich nicht verstand. �Was? Rede bitte
lauter!�, unterbrach ich sein Gemurmel br�sk. �Okay, wenn du die Wahrheit
wissen willst� Meinetwegen brauchst du dieses Kind nicht bekommen, weil ich
mich nicht darum k�mmern werde, wenn du daran Spa� hast, dich mit kreischenden
B�lgern herum zu schlagen und ihre dreckigen Windeln zu wechseln, ist das dein
Problem und nicht meins. F�r mich warst du ein netter Ferienflirt, aber ich
habe nie mit irgendwelchen Konsequenzen gerechnet, schon gar nicht, dass ich
Nachwuchs bekomme. Das ist mir echt zu abgedreht! Mach was du willst, aber nerv
mich nicht damit.�, auch in ihm begann die Wut zu brodeln und je l�nger er
sprach, desto deutlicher wurde mir sein wirklicher Charakter, vor dem ich so
lange die Augen verschlossen hatte. �Nein, das werde ich auch nicht, weil wir
uns hoffentlich nie wieder sehen werden, wenn du gleich wieder durch diese T�r
gegangen bist.�, ich zeigte mit dem ausgestreckten Zeigefinger den Gang
hinunter auf die Wohnungst�r. �Keine Angst, ich werde ab heute einen gro�en
Bogen um L.A. und kleine Kinder machen.�, schon hatte er sich umgedreht und
stiefelte in Richtung Flur. Das letzte was ich von ihm sah oder besser las, war
der Spruch, der hinten auf seinem T-Shirt aufgedruckt stand. �Born to be
wild!�
Traurig starrte ich aus dem
Fenster, mittlerweile war die U-Bahn aus dem dunklen, monotonen Untergrund
heraus gekommen und fuhr nun als Stra�enbahn durch die Vorstadt. Gro�e, graue
Reihenh�user mit winzigen Vorg�rten, in die ein, zwei Blumenbeete gequetscht
waren, f�gten sich zu einem langweiligen Bild zusammen. Na ja, besser als die
Wohnbl�cke, in denen ich wohnte und hier gab es bestimmt nicht so viel Gewalt
und Kriminalit�t wie bei uns im Ghetto. Man konnte sich das hier gar nicht
richtig vorstellen, ob sie das �berhaupt kannten? In einer so friedlichen
Gegend, wo abends um zehn bereits �berall die Lichter ausgingen und am
Wochenende der B�rgersteig gekehrt wurde. Bald w�rde ich da sein, ich konnte
von hier aus schon die Haltestelle sehen, von der es nur noch zwei Stra�en bis
zu Nannys Haus waren. Obwohl ich verzweifelt versuchte nicht an Jamie zu denken,
spukte er mir weiterhin im Kopf herum und ich wusste, dass es eine L�ge war,
wenn ich behauptete kein bisschen mehr f�r ihn zu empfinden. Seine blauen
Augen, seine schwarzen Haare, sein L�cheln, ich konnte ihn einfach nicht
vergessen. Daf�r war die Zeit mit ihm zu einschneidend und pr�gend f�r mich
gewesen. Au�erdem w�rde mich Jamima immer an ihn erinnern, sie war ihrem Vater
n�mlich wie aus dem Gesicht geschnitten und ich schaute sie manchmal
minutenlang an und flog in der Zeit zur�ck zu diesem Sommer, in dem ich mein
erstes Mal erlebte. In dem Moment stoppte die Bahn und die T�ren �ffneten sich
weit. Ich stieg aus und ein warmer Wind wehte mir die Haare, die aus dem Zopf,
den ich mir heute Morgen gemacht hatte, gerutscht waren, aus dem Gesicht. Mehr
als 5 Minuten brauchte ich nicht, schon stand ich auf der Terrasse des kleinen
zweist�ckigen, gelb gestrichenen Hauses und presste meinen Daumen fest auf die
Klingel. Dumpfes L�uten erschallte aus dem Innern und gleich darauf wurde die T�r
auch schon ge�ffnet. �Hallo Nanny!�, begr��te ich sie strahlend.
�Francesca, dich habe ich ja ewig nicht gesehen.�, sie dr�ckte mich fest an
sich und ein schwerer Duft von Vanille umgab mich. Sie besa� dieses Parfum seit
ich lebte, nie hatte sie anders gerochen und das war eine Sache, die ich so an
ihr liebte. �Es tut mir leid, auch wegen Jamima!�, entschuldigte mich, als
ich mit ihr in den Flur trat und rasch meine Schuhe abstreifte. Nanny antwortete
nicht, sondern ging vor mir her in die gem�tliche Wohnstube, von der es eine
direkte Verbindung in die K�che gab. �Willst du Tee oder Kaffee?�, sie
verschwand mit ihrem Oberk�rper in einem Schrank und ich stand abwartend am
Esstisch und trommelte mit den Fingerspitzen darauf herum. ��hm Tee!�,
erwiderte ich und mein Blick schweifte durch den Raum. Hier hatte sich nichts
ver�ndert. Dieselben blau-wei� gestrichenen Holzschr�nke, die
Esstisch-Garnitur bestand aus dunklem Birkenholz, alles war mir so vertraut.
�Du kannst dich ruhig setzen!�, sie tauchte mit ger�teten Wangen wieder auf
und wirbelte gleich wieder herum, um das Wasser f�r den Tee aufzusetzen.
Gehorsam lie� ich mich auf die Eckbank plumpsen, die unter mir leicht knarrte.
Oje, ich sollte wirklich mal wieder ein paar Pfund abnehmen. �Wo ist
eigentlich Jamima?�, fragte ich sie beil�ufig. �Sie schl�ft grad, wei�t
ja, sie h�lt immer von zwei bis um vier ihren Mittagschlaf.� Nein, das hatte
ich nicht gewusst, beim letzten Mal war sie normalerweise erst gegen f�nf m�de
und quengelig geworden. Wie sich die Zeiten doch �ndern. �Willst du auch
etwas essen? Ich glaube, vom Mittagessen ist noch ein wenig was �brig. Pancakes
mit Ahornsirup!�, sie zwinkerte mir zu, da sie genau wusste, wie sehr ich
dieses Essen verg�tterte, besonders, wenn sie es nach ihrem Geheimrezept
gemacht hatte. �Klar, ich habe heute sowieso noch nichts Richtiges
gegessen.�, dankbar schaute ich sie an und sofort erhob sie sich wieder von
dem Stuhl, auf den sie sich eben gesetzt hatte und holte den Teller, der mit
einer durchsichten Folie abgedeckt war, aus dem K�hlschrank. Dazu stellte sie
mir die Flasche mit Ahornsirup auf den Tisch und legte Besteck daneben. �Guten
Appetit w�nsch ich dir!�, sie nahm wieder auf dem Stuhl gegen�ber von mir
Platz. �Danke!�, nuschelte ich und schnitt bereits ein gro�es St�ck ab, um
es mir in den Mund zu schieben. �So, dann erz�hl doch mal. Was hast du die
ganze Zeit gemacht?�, auffordernd blickte sie mich an und ich schluckte
schnell den Bissen herunter und verschluckte mich beinahe daran. �Also,
ich��, begann ich die Erlebnisse der letzten Wochen zu erz�hlen. Nat�rlich
lie� ich die Geschichte mit Erik nicht aus, auch den Streit von eben berichtete
ich ihr und erst jetzt merkte ich, wie sehr mich die Sache verletzt hatte. Nanny
war zu mir auf die Bank gerutscht und hatte mir tr�stend einen Arm um die
Schulter gelegt. �Ach Kleine, das sieht schlimmer aus als es eigentlich ist,
glaub mir.�, versuchte sie mich aufzumuntern. �Ich wei� nicht so recht. Er
hat gesagt, dass er mich nie wieder sehen will und das hatte sehr ernst
geklungen!�, erwiderte ich d�ster. �Dir liegt viel an ihm, nicht?�,
fragte sie, doch ich zuckte nur mit den Achseln. �Weich mir nicht aus,
Francesca. Ich merke, dass du mehr f�r ihn empfindest als nur Freundschaft.�,
sagte sie pl�tzlich. Langsam lie� ich die Gabel sinken und schaute sie ungl�ubig
an. �Das stimmt nicht, wir sind oder besser waren Freunde.�, widersprach ich
ihr, aber nicht aus tiefstem Herzen, irgendwo in mir rief eine kleine Stimme:
�Du magst ihn mehr als einen normalen Kumpel.� �L�g dich nicht selbst an,
du hast dich in ihn verliebt, auch wenn du es noch nicht akzeptieren willst,
gegen deine Gef�hle bist du machtlos.� Wie Recht Nanny hatte, ahnte ich
selbst, aber ich konnte es mir nicht eingestehen. Nicht nachdem, was heute
Morgen passiert war. Au�erdem gab es immer noch Mikey, mit dem ich mehr als gl�cklich
war. Wieso sollte ich mich auf einmal in Erik verlieben? �Ich glaube, Jamima
ist aufgewacht und weint.�, schnell stand ich auf und verlie� den Raum. Im
Flur blieb ich an die Wand gelehnt stehen und atmete erstmal aus. Puh, war das
eine beklemmende Situation da drin gewesen. Weil ich genau wusste, dass Nanny
jetzt nicht locker lassen w�rde, wenn ich sofort zur�ckk�me, stieg ich lieber
die ausgetretenen Stufen in den ersten Stock hinauf und schlich auf Zehenspitzen
in Jamimas Zimmer. Nat�rlich war es nur ein Vorwand gewesen, denn meine kleine
Maus lag friedlich schlafend in ihrem Kinderbettchen. Die himmelblaue Bettdecke
auf der gelbe Sterne und ein Mond abgebildet waren, hatte sie bis zum Kinn hoch
gezogen. Ein wenig gr��er war sie und ihre Haare waren l�nger, es erf�llte
mein Herz mit Schwermut, zu sehen wie meine Tochter aufwuchs ohne wirklich meine
Tochter zu sein. Ich beugte mich nach vorne, �ber den Rand ihres Bettes und
streichelte sanft ihre blasse, fast wei�e Wange. Wie jedes andere Kind ging sie
viel raus an die frische Luft, aber sie wurde nicht braun, das war bei Jamie
genauso gewesen. Nein, ich wollte nicht schon wieder an ihn denken, aber wie
sollte das gehen? Vor mir lag sein identisches Abbild, genauso hatte er sicher
ausgesehen als kleines Kind. Da �ffnete Jamima pl�tzlich ihre Augen und sie
blinzelten mich in klarem, funkelndem Blau an. Dieses Mal verkniff ich mir mit
aller Kraft in irgendeiner Weise an ihren Vater zu denken. �Na, mein Schatz,
hast du gut geschlafen?�, fl�sterte ich und strich ein zweites Mal sanft �ber
ihre Wange. Die Antwort war ein verschlafenes G�hnen und ich musste grinsen.
Dann hob ich sie sachte aus dem Bett und presste ihren warmen K�rper an mich.
Seltsamerweise wanderten meine Gedanken wieder zu Erik, wieso war ich heute
Morgen blo� so ausgerastet? H�tte ich nicht cool reagieren k�nnen? Wenn ich
einfach weiter gelaufen w�re und so getan h�tte, als ob nichts geschehen w�re,
w�re ich jetzt nicht so ungl�cklich. Endlich hatte ich es vor mir selbst
zugegeben, mir machte dieser Streit mit Erik sehr wohl mehr aus, als ich vorher
gesagt hatte. Da begann Jamima an einer meiner Haarstr�hnen zu ziehen und sie
quiekte fr�hlich, als ich aufschrie. �Jamima, lass das!�, ich entwand ihr
mit einer schnellen Bewegung mein Haar und schob es hinters Ohr zur�ck. �Du
kannst froh sein, dass du noch so klein bist und nicht so Probleme hast wie
deine Mama. Ich hoffe auch, dass dir so was nie passieren wird.�, bedr�ckt
guckte ich sie an, doch sie strahlte mich mit ihrem kindlichen so strahlend an,
dass ich nicht anders konnte, ich musste einfach wieder l�cheln. Mein kleiner
Sonnenschein, sie ahnte nicht, wie schlecht es mir ging, trotzdem munterte sie
mich mehr auf, als dass man es mit Worten h�tte schaffen k�nnen. Es kam mir
vor, als ob ich eine Ewigkeit mit ihr dort gestanden hatte, mitten in ihrem
kleinen Zimmer zwischen den vielen Pl�schtieren und dem restlichen
Baby-Spielzeug. Schlie�lich ging ich mit ihr auf dem Arm wieder runter. Meine
Nanny sa� auf dem Sofa, schaute fern und strickte dabei einen knallroten Pulli.
�Hey!�, sagte ich, w�hrend ich herein kam und ein wenig unschl�ssig an der
T�r stehen blieb. �Wieso stehst du immer herum? Du machst mich damit ganz
nerv�s.�, meinte sie zu mir und ich setzte mich in einen Ledersessel, der
schr�g neben der Couch stand. Eine Weile sa�en wir still da und starrten auf
den Fernseher, nur das regelm��ige Klappern der Stricknadeln und gelegentliche
Brabbellaute von Jamima waren die einzigen Ger�usche. �Alles wieder
klarer?�, brach sie auf einmal die Stille und schaute mich aus ihren
durchdringenden gr�nen Augen an. �Nicht wirklich!�, sie war einer der
wenigen Menschen, mit denen ich wirklich �ber meine Probleme sprechen konnte.
Eigentlich gab es da nur Alicia, meine beste Freundin, die aber im Moment ihren
Vater besuchte, der in der N�he von Boston lebte, leider w�rde sie erst am
Wochenende zur�ckkommen und meiner Nanny konnte ich auch alles anvertrauen. Bei
Mikey war das schon wieder eine andere Sache, ich liebte ihn, das stand au�er
Frage, auch wenn meine Gef�hle im Augenblick ganz sch�n durcheinander
gewirbelt waren, aber ich konnte ihm nicht alles erz�hlen und auf keinen Fall
etwas �ber Erik oder die Geschichte mit Jamie. Er war sowieso schon eifers�chtig
genug und wenn ich daran dachte, was ich gestern mit ihm abgezogen hatte, �berkam
mich wieder ein schlechtes Gewissen. Au�erdem hatte er keine Ahnung davon, dass
ich Mutter war und das sollte auch so bleiben. Dummerweise dachte er deshalb
auch, dass ich noch Jungfrau war und ich sp�rte, dass langsam die Zeit gekommen
war, in der wir diesen entscheidenden Schritt in unserer Beziehung wagen
sollten, aber vorher w�rde ich ihm noch ein paar Dinge erkl�ren m�ssen.
Wahrscheinlich w�rde ich nicht drum herum kommen, ein wenig was von Jamie zu
erz�hlen, aber nur ein paar Fakten und nicht, was daraus entstanden war, denn
ich wusste nicht, wie er darauf reagieren w�rde und ehrlich gesagt, wollte ich
das niemals ausprobieren, daf�r war mir meine Beziehung zu wertvoll. F�r
nichts auf dieser Welt w�rde ich sie riskieren, au�er vielleicht f�r ein paar
schokobrauner Augen, die mich freundlich anblickten.
Fortsetzung folgt