Das Osmanische Reich (1299-1922)
Eine Gruppe von 2000 ogusischen Reitern zog Anfang des 13. Jahrhunderts, aus den asiatischen Hochebenen kommend, in das Reich von Rum. Ihr F�hrer war Ertugrul. In der N�he von Eskisehir traf Ertugrul zuf�llig auf Seldschuken, die gegen Mongolen k�mpften. Er f�llte eine geschichtstr�chtige Entscheidung, stellte sich aufdie Seite der Seldschuken und besiegte die Mongolen. Als Belohnung erhielt er vom Seldschukensultan eine L�nderei rund um das Schlachtfeld. Nach dem Tod Ertugruls 1280 gr�ndete sein Sohn Osman ein F�rstentum. Seine Dynastie wurde im T�rkischen Osmanli und im Arabischen Othman genannt. In Westeuropa leitete man daraus den Begriff Ottomane ab. Das Osmanische-Reich beginnt mit Ertugruls Sohn Osman.
Osmanisches Reich, t�rkisches Reich
(1291-1922), das sich auf dem H�hepunkt seiner Macht �ber drei Kontinente
erstreckte, von Ungarn im Norden bis nach Aden im S�den und von Algerien im
Westen bis zur iranischen Grenze im Osten. Den Mittelpunkt bildete das Gebiet
der heutigen T�rkei. Mit dem Vasallenstaat Krim dehnte sich das Osmanische
Reich bis zur Ukraine nach S�drussland aus. Begr�nder des Reiches und der
Herrscherdynastie ist Osman I. Ghasi.
Der erste osmanische Staat ging als Sultanat
aus einem der vielen unbedeutenden Nachfolgestaaten des ehemaligen Reiches der
Rum-Seldschuken in Kleinasien hervor. Die geographische Lage erm�glichte es dem
Gr�nder der osmanischen Dynastie, die Schw�che des Byzantinischen Reiches
auszunutzen und reiche Beute bei �berf�llen auf christliches Gebiet zu machen.
Dieser Umstand f�hrte dazu, dass Tausende turkmenischer Nomadenkrieger sowie
viele vor den Mongolen fl�chtende Araber und Perser in seine Dienste traten.
Der Aufstieg des vom Islam gepr�gten Osmanischen Reiches ist eng verbunden mit
der Anziehungskraft die dieser Staat auf die Ghasis, die K�mpfer des
Heiligen Krieges (Jihad), aus�bte, die sich den Osmanen anschlossen, weil diese
die f�hrende Rolle im Kampf gegen das christliche Byzantinische Reich im Westen
�bernahmen. Osmans Eroberungen wurden durch seinen Sohn Orhan fortgesetzt, der
1326 die Provinzhauptstadt Bursa einnahm und es zur neuen Hauptstadt machte.
Traditionell war es die Politik der Osmanen, das Reich mit milit�rischer Gewalt
nur auf das Gebiet christlicher Staaten im Westen auszudehnen, jedoch nicht mit
Gewalt gegen die turkmenischen F�rstent�mer vorzugehen. Der friedliche Erwerb
von in turkmenischem Besitz befindlichen Landes durch Kauf, Heirat oder Stiftung
von Unfrieden unter den herrschenden Dynastien wurde dagegen als Mittel zur
Expansion des Reiches akzeptiert. Auf diese Weise konnten die Osmanen gro�e
Gebiete im Westen Anatoliens ihrem Reich angliedern.
1354 eroberten sie Ankara im Zentrum
Anatoliens. Im selben Jahr besetzten die Osmanen Gallipoli (Gelibolu) auf der
europ�ischen Seite der Dardanellen, welches den Ausgangspunkt f�r ihren
anschlie�enden Vorsto� nach S�dosteuropa bildete. 1361 nahmen sie Adrianopel
(Edirne) ein, das zur neuen Hauptstadt wurde. 1389 besiegte Murad I.
die Serben in der Schlacht auf dem Amselfeld, die Osmanen nahmen Thrakien,
Makedonien und einen gro�en Teil von Bulgarien und Serbien ein.
Die Niederlage gegen den Mongolenf�rsten
Timur-i L�ng (1402) erwies sich nur als vor�bergehender R�ckschlag f�r die
Osmanen, die ihr Reich umgehend wieder aufbauten, festigten und ausdehnten. 1453
eroberte Sultan Muhammad II.
Konstantinopel (Istanbul) und machte es zur dritten Hauptstadt des Osmanischen
Reiches. Die Welle der Eroberungen setzte sich w�hrend des ganzen 16. Jahrhunderts
fort. Unter Sultan Selim I. (dem
Strengen) wurden die Safawiden aus dem Iran besiegt (1514), das Reich wurde
zudem um Ostanatolien erweitert. 1516 und 1517 wurden die Mamelucken in Syrien
und �gypten geschlagen und ihre Gebiete annektiert. Neben den Besitzt�mern der
Mamelucken eigneten sich die Osmanen auch die heiligen St�tten in Arabien an.
Die Mamelucken mussten ihren Anspruch auf das Rote Meer und den Indischen Ozean
abtreten. Selims Sohn und Nachfolger S�leiman II.,
der Gro�e, (auch der Pr�chtige) wird als der m�chtigste aller osmanischen
Herrscher angesehen. W�hrend seiner Herrschaft wurde der Irak (1534) dem Reich
eingegliedert, und die Kontrolle �ber den �stlichen Mittelmeerraum wurde
gefestigt. Durch die Annektion von Algier und �berf�lle von Piraten der
osmanischen Barbareskenstaaten drangen die Osmanen bis in den westlichen
Mittelmeerraum vor. S�leiman f�hrte osmanische Truppen weit nach Europa
hinein: Belgrad wurde 1521 erobert, die Ungarn in der Schlacht bei Moh�cs
(1526) geschlagen. 1529 blieb die Belagerung Wiens durch S�leiman erfolglos.
Staats- und
Gesellschaftsstruktur des Osmanischen Reiches
Mit den Eroberungen von S�leiman II.,
dem Pr�chtigen, erreichte das Osmanische Reich seinen H�hepunkt. Er lie� die
Regelung des Sozialwesens, der Verwaltung und der Regierung, die sich seit dem
14. Jahrhundert immer weiter
entwickelt hatten, kodifizieren und schuf so die Grundlage f�r das bis zum Ende
des Reiches geltende osmanische Recht. Aus diesen Gesetzessammlungen geht
hervor, dass die Gesellschaft in eine f�hrende osmanische Oberschicht und in
eine Klasse von Untertanen (Rajahs), die �beh�tete Herde" des
Sultans, gegliedert war.
Das grundlegende Recht des Herrschers bestand
darin, �ber die Reicht�mer des Landes zu bestimmen. Der Sultan verteilte sie
auf administrative und wirtschaftliche Einheiten und �bertrug deren Verwaltung
seinen Vertretern, die ebenfalls das Recht zum Einzug der anfallenden Steuern
hatten. Diese Beamten wurden als �Sklaven" des Sultans betrachtet; da
jedoch Sklaven in der Gesellschaft Vorderasiens den sozialen Status ihrer Herren
erwarben, stiegen sie zur eigentlichen Herrscherschicht in der osmanischen
Gesellschaft auf. Ihre Macht war begrenzt auf Funktionen, die mit der Verwaltung
der Reicht�mer des Reiches sowie mit der Ausweitung und Verteidigung der
sozialen Stellung, die dies erm�glichte, zu tun hatten.
Um diese Funktionen wahrnehmen zu k�nnen,
wurde die Oberschicht in vier grundlegende �Institutionen" oder
Fraktionen unterteilt: Die imperiale Fraktion, verantwortlich f�r den so
genannten Innen- oder Palastdienst, k�mmerte sich um den Haushalt des Sultans,
w�hrend der �Au�endienst", die Ministerien, die einem Gro�wesir als
regierendem Stellvertreter des Sultans unterstanden, die Staatsgesch�fte
leitete.
Die wichtigste Institution des osmanischen
Staates war die Armee. Die ersten Truppen der Osmanen bestanden aus der t�rkischen
Kavallerie (spahis). Je mehr Land erobert wurde, desto umfangreicher war
der Sold, den die t�rkisch-muslimischen Glaubenskrieger bekamen. Die leicht
bewaffneten Reiter reichten jedoch f�r eine effektive Kriegsf�hrung nicht aus.
Ab Mitte des 14. Jahrhunderts
begannen die Osmanen, S�ldnertruppen (aus z. B.
Sklaven und Kriegsgefangenen) zu rekrutieren. Ab dem 15. Jahrhundert
wurden christliche Jugendliche (devshirme) aus dem Balkan eingezogen. Aus
diesen Truppen (Kapikulli) gingen die Janitscharen hervor. Diese trugen
wesentlich zu den milit�rischen Erfolgen der Osmanen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts
bei.
Der osmanische Verwaltungsapparat war auf die
Bed�rfnisse der Truppen zugeschnitten. Die Provinzen bestanden aus Milit�rbezirken.
Hauptaufgabe der Beamten war es, die Timariots (zum Kriegsdienst
Verpflichtete) f�r die Feldz�ge einzuberufen. Ein Aufgabenschwerpunkt der
Zentralverwaltung lag darin, f�r die finanziellen Mittel und die Verpflegung
der Kapikulli zu sorgen. Stra�en und Br�cken wurden f�r die
Truppenbewegungen gebaut.
Die religi�s-kulturelle Fraktion vergab unter
den muslimischen Untertanen des Sultans religi�se F�hrungs�mter und trug die
Verantwortung f�r das Bildungs- und Rechtswesen. Muslimischen Beauftragten
oblag die Rechtspflege. Wichtige Positionen wurden dabei von den Kadis
besetzt, denen die Kommunalverwaltung und das Strafrecht unterstand. Die
Verwaltung bediente sich der t�rkischen Sprache, die in arabischer Schrift
geschrieben wurde.
Die herrschende Klasse bestand aus zwei
rivalisierenden Gruppen: (1) muslimische
Turkmenen, Araber und Iraner, die im 14. und 15. Jahrhundert zusammen die t�rkische Oberschicht des
Osmanischen Reiches stellten, und (2) christliche
Kriegsgefangene und Sklaven, die angeworben, zum Islam bekehrt und nach dem ber�hmten
Dewschirme-System (Knabenlese) ausgebildet wurden. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts
�bernahm letztere Gruppe die F�hrungsrolle und beherrschte die ehemalige
Oberschicht.
Die Bev�lkerung des Osmanischen Reiches war
hinsichtlich Sprache, Kultur und Religion heterogen. Die Mehrheit der Bev�lkerung
in den europ�ischen Provinzen stellten Christen der orthodoxen Kirche. In
Thrakien, Makedonien, Bulgarien, Bosnien und Albanien verbreitete sich
allerdings der Islam. In den asiatischen Provinzen bildeten Muslime die Mehrheit
der Bev�lkerung, viele von ihnen waren Anh�nger des Sufismus. Der Staat lie�
den Religionsgemeinschaften bei der Regelung ihrer Angelegenheiten freie Hand.
Die Bev�lkerung war in Religionsgemeinschaften (Millets) sowie in
wirtschaftlichen und sozialen Gilden und Z�nften organisiert. Die j�dischen,
griechisch-orthodoxen, armenischen, gregorianischen und muslimischen Millets
sowie die sp�ter hinzukommenden r�misch-katholischen, protestantischen und
bulgarisch-orthodoxen Millets erhielten eine gewisse religi�se und
kulturelle Autonomie zugebilligt. Das Gros bildeten die b�uerliche Landbev�lkerung,
etwa 15 Prozent waren Stadtbewohner.
Au�erdem standen viele Nomaden und Halbnomaden unter osmanischer Herrschaft.
Die ersten drei Jahrhunderte des Osmanischen
Reiches waren eine Zeit des Wohlstands, der sich in der Entfaltung einer reichen
Kultur widerspiegelte: in der t�rkischen Musik und Literatur (Geschichte,
Geographie und Poesie), in der Malerei und vor allem in der Architektur, deren
hohe Kunst sich vielleicht am besten in der von Sinan erbauten S�leiman-Moschee
(Istanbul) bewundern l�sst.
Niedergang
Der Niedergang des Osmanischen Reiches setzte
gegen Ende der Regierungszeit von S�leiman II.
ein und dauerte bis zum Ende des 1. Weltkrieges
an. Von offizieller Seite wurde auf den Verfall des Reiches mit zwei
unterschiedlichen Vorgehensweisen reagiert. In der Zeit der traditionellen
Reform (1566-1807) gingen die Bestrebungen in Richtung einer Wiederherstellung
der alten Institutionen, w�hrend in der Zeit der modernen Reform (1807-1918)
die alten Institutionen aufgegeben und neue, aus dem Westen kommende Vorbilder
�bernommen wurden.
Reformen und
Verluste
Erst als das Reich, von dem ihre Privilegien
und ihr Reichtum abhingen, von au�en bedroht wurde, akzeptierte die f�hrende
Schicht die Reformen. 1623 eroberte Schah Abbas I. von Persien Bagdad und den Osten des Irak und sch�rte
eine Reihe turkmenischer Revolten in Ostanatolien. Als Antwort darauf etablierte
Sultan Murad IV. erneut die alten
Herrschaftsstrukturen und erh�hte damit die Effizienz der herrschenden Klasse
und der Armee. Diese so genannten traditionellen Reformen wurden mit der
Hinrichtung von Tausenden von Personen, die des Versto�es gegen islamische
Gesetze und Traditionen schuldig befunden wurden, eingeleitet.
In der Folge gelang es, die Perser aus dem
Irak zu vertreiben und den Kaukasus zu erobern (1638). Unter Murads Nachfolger
setzte jedoch der Niedergang der Zentralautorit�t wieder ein. Der T�rkisch-Venezianische
Krieg, der im Seeangriff Venedigs in den Dardanellen seinen H�hepunkt
erreichte, f�hrte zum Aufstieg der K�pr�l�-Dynastie von Gro�wesiren, die
ein weiteres Mal mit den von Murad VI.
angewendeten Methoden dem Reichsverfall Einhalt zu gebieten und die ehemalige
Macht des Osmanischen Reiches wieder herzustellen versuchten. 1683 unternahm der
letzte Gro�wesir der K�pr�l�, Kara Mustafa Pascha, einen erneuten Versuch,
Wien zu erobern. Nach einer kurzen Belagerung fiel die osmanische Armee jedoch g�nzlich
auseinander. Diese Tatsache erm�glichte es einer neuen Europ�ischen Heiligen
Liga, Teile des Reiches zu erobern. Nach den Friedensvertr�gen von Karlowitz
(1699) mussten Ungarn und Transsilvanien an �sterreich, Dalmatien, der
Peloponnes und wichtige �g�ische Inseln an Venedig, Podolien und der S�den
der Ukraine an Polen sowie Asow und die Gebiete n�rdlich des Schwarzen Meeres
an Russland abgetreten werden.
Landgewinne und
weitere Verluste
Europ�ische
Interessen
Durch wirtschaftliche, finanzielle, politische
und diplomatische Probleme wurden die Tansimatsreformen jedoch schon bald
untergraben. Die seit kurzem industrialisierten europ�ischen Staaten ben�tigten
das Osmanische Reich als Lieferanten billiger Rohstoffe und als Absatzmarkt f�r
ihre Fertigprodukte. Durch die Kapitulationen � Vertr�ge, in denen die
Sultane Europ�ern seit dem 16. Jahrhundert
gestatteten, im Osmanischen Reich nach ihren eigenen Gesetzen und unter ihren
eigenen Konsuln zu leben � konnten die Europ�er die Osmanen daran hindern,
Importe aus dem Ausland zu begrenzen und verhinderten so einen wirksamen Schutz
der erst im Entstehen begriffenen Industrie. Da die Osmanen weitgehend von
Kapital und technischem Wissen ausl�ndischer Unternehmen abhingen, waren sie
gezwungen in den letzten Jahren des Tansimats so hohe Anleihen bei europ�ischen
Banken zu t�tigen, dass �ber die H�lfte des gesamten Staatseinkommens von den
Zinsen verschlungen wurde. Dar�ber hinaus stieg in der Bev�lkerung der Unmut
�ber die neue moderne Verwaltung.
Eine Gruppe liberal gesinnter Intellektueller
mit konstitutionellen Zielen, bekannt unter dem Namen Jungt�rken, begann
damals, eine Begrenzung der Macht der herrschenden Klasse und der Beamten sowie
die Einrichtung eines Parlaments zur Vertretung der Rechte des Volkes zu
fordern. Da die Jungt�rken von den F�hrern des Tansimats politisch verfolgt
wurden, flohen sie ins Ausland, wo sie ihre Forderungen in B�chern und Flugbl�ttern
ver�ffentlichten. Diese gelangten �ber die ausl�ndischen Post�mter, die
unter dem Schutz der Kapitulationsurkunden standen und somit osmanischer
Kontrolle entzogen waren, ins Osmanische Reich. Zur gleichen Zeit entstand in
den seit kurzem unabh�ngigen Balkanstaaten eine starke Widerstandsbewegung, die
sich die Kontrolle �ber das Gebiet Makedonien, dessen Bev�lkerung zu nahezu
gleichen Teilen aus Muslimen und Christen bestand, zum Ziel gesetzt hatte. In
Griechenland, Serbien und Bulgarien entstanden Unabh�ngigkeitsbewegungen, die
ihren Forderungen durch Terroranschl�ge Nachdruck verliehen und eine gro�e
Herausforderung f�r den osmanischen Staat darstellten.
Staatsstreich
und Verfassung
Zu diesem Zeitpunkt f�hrten eine neue
internationale Krise, ein drohender Krieg mit Russland und �sterreich und die
konstitutionellen Bestrebungen einer Gruppe von Reformern zum Sturz des Sultans
Abd �l-Asis. Nach der kurzen
Regierungszeit von Murad V. bestieg
Sultan Abd �l-Hamid II.
den Thron. Er erlie� eine Verfassung und willigte in die Bildung eines repr�sentativen
Parlaments ein, das 1877 zu seiner ersten Sitzung zusammentrat, aber bald darauf
wegen des Krieges mit Russland wieder aufgel�st wurde. Auf dem Berliner
Kongress (1878) trug Abd �l-Hamid in
Zusammenarbeit mit Gro�britannien zu einer L�sung der internationalen Krise
bei. Unter dem Eindruck der fortdauernden Bedrohung durch die europ�ischen M�chte
l�ste Abd �l-Hamid jedoch das
Parlament auf und setzte eine autokratische Regierung (1878) ein. Den Beamten
wurden die Regierungsvollmachten entzogen, die Macht im Palast konzentriert,
jegliche Opposition wurde unterdr�ckt. Abd �l-Hamid
gelang es, finanzielle Stabilit�t herzustellen und die Wirtschaft anzukurbeln,
aber die politische Unterdr�ckung rief schlie�lich die liberale
Widerstandsbewegung der Jungt�rken auf den Plan. Diese setzte die Wiedereinf�hrung
von Verfassung und Parlament in einem als Jungt�rkische Revolution (1908)
bezeichneten Aufstand durch. Der Erfolg des neuen konstitutionellen Regimes
wurde jedoch sehr schnell von einer Reihe politischer Ereignisse geschm�lert.
�sterreich annektierte Bosnien und die Herzogewina, Bulgarien gliederte
Ostrumelien ein, und in Makedonien und Ostanatolien kam es erneut zu gewaltsamen
Terrorakten.
Abd �l-Hamid
und seine Anh�nger im Palast lasteten diese Probleme dem neuen Regime an und
unternahmen im April 1909 eine Konterrevolution (Gegenrevolution). Das Parlament
wurde aufgel�st und viele der Abgeordneten verhaftet. Aber die von den Jungt�rken
angef�hrte Armee in Makedonien marschierte auf Istanbul, schlug die
Konterrevolution nieder und setzte den Sultan ab. Die nachfolgenden osmanischen
Herrscher sa�en zwar auf dem Sultansthron, hatten jedoch keine Regierungsgewalt
mehr.
Die Zeit unter
den Jungt�rken
Die Jahre zu Beginn der �ra der Jungt�rken
(1908-1918) waren die demokratischste Zeit in der Geschichte des Osmanischen
Reiches. Verfassung und Parlament wurden wieder eingesetzt und politische
Parteien zugelassen. Die st�rkste Partei war die von den Jungt�rken gegr�ndete
Partei f�r Einheit und Fortschritt; daneben entwickelte sich jedoch noch eine
Vielzahl anderer Parteien.
Die Reformen der Jungt�rken, die alle
Lebensbereiche erfassten, erreichten ihren H�hepunkt in der Trennung von Kirche
und Staat im Bildungs- und Rechtswesen sowie in der Einf�hrung der Frauenrechte
w�hrend des 1. Weltkrieges. Der
moderne Staatsapparat aus der Tansimat-Zeit wurde auf eine demokratische Basis
gestellt, Industrie und Landwirtschaft wurden gef�rdert und moderne Methoden
zur F�hrung des Staatshaushalts eingef�hrt. Der erste Balkankrieg f�hrte
jedoch zu einer Revolte innerhalb des Ausschusses f�r Einheit und Fortschritt,
worauf ein von Enver Pascha angef�hrtes Triumvirat versuchte, die
Regierungsgewalt zu �bernehmen. Es machte sich die Uneinigkeit unter den
siegreichen Balkanstaaten zunutze, um Edirne (Adrianopel) im zweiten Balkankrieg
zur�ckzugewinnen, was schlie�lich zum Gelingen des Staatsstreiches der Jungt�rken
f�hrte.
Der 1.
Weltkrieg
Zu Beginn versuchte das Triumvirat, eine
Einmischung in den 1. Weltkrieg zu
vermeiden. Aber das Angebot Deutschlands, das Reich bei der R�ckeroberung der
verlorenen Provinzen zu unterst�tzen und die Beschlagnahmung t�rkischer, in
England im Bau befindlicher Kriegsschiffe durch die Briten f�hrten das
Osmanische Reich letztendlich zum Kriegseintritt an der Seite der Mittelm�chte
im Jahr 1914. Die t�rkischen Streitkr�fte dr�ngten in der Gallipoli-Kampagne
ein ganzes Expeditionskorps erfolgreich zur�ck und nahmen es in Kut-al-Imara im
Irak gefangen. Der Feldzug auf die Sinai-Halbinsel mit dem Ziel der Eroberung
des Suezkanals und �gyptens verlief jedoch erfolglos und endete mit der von den
Briten unterst�tzten arabischen Revolte auf der Arabischen Halbinsel. Eine
britische Truppe �berfiel mit arabischer Hilfe Syrien von �gypten aus und
hatte gegen Kriegsende S�danatolien erreicht. Der Feldzug Enver Paschas in den
Kaukasus am Anfang des Krieges endete weniger wegen der Abwehr russischer
Truppen als vielmehr auf Grund seiner schlechten Organisation und gleichzeitig
ausbrechender Aufst�nde in den Ostprovinzen erfolglos. In der Folge davon
konnte Russland in Ost- und Mittelanatolien einfallen (1915-1916), bis diese
Eroberungen 1917 durch die Russische Revolution beendet wurden. Die verheerenden
Folgen dieser �berf�lle aus dem Ausland wurden durch innere Revolten,
Lebensmittelknappheit, Hungersnot und Krankheiten noch verschlimmert. Rund sechs
Millionen Menschen aller Religionsgemeinschaften, etwa ein Viertel der Gesamtbev�lkerung
des Reiches, starben oder wurden get�tet, und die Wirtschaft des Landes war
stark angeschlagen.
Besetzung und
Unabh�ngigkeitskrieg
Nach der Kapitulation des Reiches wurde die t�rkische
Regierung unter die Aufsicht der alliierten Besatzungsm�chte unter F�hrung der
Briten gestellt. Auf der Pariser Friedenskonferenz wurde die Abtretung der
Balkanprovinzen und der arabischen Provinzen beschlossen, und die vorwiegend von
T�rken bewohnten Gebiete in Ost- und S�danatolien sollten unter ausl�ndische
Kontrolle oder die Kontrolle von Minderheitengruppen kommen. Eine gro�e
griechische Streitmacht nahm 1922 Izmir ein und �berfiel S�dwestanatolien.
Nach Bekanntwerden der Massaker an der t�rkischen Bev�lkerung stellten die
Alliierten jedoch ihre Unterst�tzung f�r Griechenland ein.
In der Folge der vorgeschlagenen
Friedensregelung und als Antwort auf die Invasion Griechenlands entstand in
Anatolien unter F�hrung von Mustafa Kemal Atat�rk die t�rkische
nationalistische Bewegung. W�hrend des t�rkischen Unabh�ngigkeitskrieges
(1918-1923) widersetzte sich Atat�rk erfolgreich den Bedingungen der
Alliierten, verdr�ngte die griechischen sowie die britischen, franz�sischen
und italienischen Besatzungsm�chte und setzte eine im Frieden von Lausanne
(1923) festgelegte Regelung durch, die der T�rkei die uneingeschr�nkte
Kontrolle �ber die t�rkischen Gebiete Ostthrakien und Anatolien sicherte. Nach
diesem Erfolg wurde die Republik T�rkei mit der Hauptstadt Ankara ausgerufen,
und das Kalifat des Sultans in Istanbul h�rte auf zu existieren (1923).