Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit jeweils vier Versen. Alle drei Strophen bilden jeweils einen umarmenden Reim nach dem Schema (abba, cddc�.). Gem�� dem Reimschema liegen bei bb weiblichen, aa m�nnliche Kadenzen vor. Dies ist bedeutsam f�r den Redefluss im Zusammenhang mit dem gegebenen Metrum. Das Metrum ist ein vierf��iger Troch�us und ist relativ gleichm��ig und ist in Einklang mit der nat�rlichen Sinnbetonung, dem Rhythmus, so dass das Gedicht im Zusammenhang mit dem troch�ischen Metrum ruhig wirkt. Diese Regelm��igkeit bewirkt zur Bewegung und Dynamik des Gedichtes und deutet ebenfalls auf das Zerbrechen der Form im Expressionismus hin.
Das Tempus ist im Wesentlichen das Pr�senz, was die Unmittelbarkeit des Geschehens vermittelt.
Trakl benutzt in seinem Gedicht sofort auffallende expressionistische Vokabular, die f�r Expressionismus typisch ist, wie ,,kommt ans Tor auf dunklen Pfaden� (V.6), �Golden bl�ht der Baum��(V.7), �Aus der Erde k�hlen Saft�(V.8). Dadurch erreicht Georg Trakl ein Zersprengen des Traditionellen.
Desweiteren treten auch einige Verben auf ,,l�utet� (V.2), ,,bl�ht� (V.7), ,,versteinert�(V.10),
,,ergl�nzt�(V.11) , die zur Dynamik des Gedichtes beitragen. Eine d�stere Farbe �dunklen Pfaden� unterstreicht ebenfalls die d�stere Stimmung. Trakl benutzt au�erdem horizontale Bez�ge, wie (V.1),, Wenn der Schnee ans Fenster f�llt� und ,,Golden bl�ht der Baum der Gnaden� (V.7) und vertikale Bez�ge �Wanderer tritt still herein� , ,, Auf dem Tische Brot und Wein� (V.12) , die durch klangliche und optische Mittel verst�rkt werden k�nnen.
In dem Gedicht beschreibt das lyrische-Ich einen Wanderer, der an einem Winterabend ein Haus erreicht und zum Abendbrot eintritt. Es ist unklar, wer dieser Wanderer ist, aber es scheint kein normaler Wanderer zu sein. Desweiteren wirkt das Gedicht sehr religi�s und es k�nnte die Zeit um Weihnachten sein.
In der ersten Strophe schildert der Autor einen Winterabend: Es schneit, die Glocken l�uten und in den H�usern werden zu Abend gegessen. Alles wirkt in Ordnung und in gewisser Weise idyllisch. Mit dem Wort �Wenn� (V.1) dr�ckt Trakl am Anfang des Gedichtes seinen Wunsch oder seinen Traum in dieser Strophe aus.
Die zweite Strophe beschreibt das Ankommen eines Wanderers aus der Dunkelheit an das Tor eines Hauses. Im Haus ,,bl�ht der Baum der Gnaden� (V.7) , womit wohl der Weihnachtsbaum gemeint ist. In dieser Strophe benutzt Trakl einige Metapher. Aufgrund der Jahreszeit ist mit der Metapher � Baum der Gnaden�, wie schon angesprochen, der Weihnachtsbaum gemeint, der golden das Zimmer erhellt. Mit dem Weihnachtsbaum, der aus der k�hlen Erde entwurzelt wurde, wurde ein �Teil Natur� in das Haus gebracht.
In der letzten Strophe betritt der Wanderer das Haus ein und ist eingeladen zu einem festlichen Abendessen. Der ins Haus eintretende Wanderer, k�nnte Gott oder Jesus sein. Er tritt still ein, ohne dass die drinnen sitzenden Menschen es merken, dennoch sp�ren sie, dass er da ist. Der personifizierte �Schmerz�(V.10), der die Schwelle versteinert, l�sst die Menschen wahrnehmen, dass Gott (oder Jesus) da ist bzw. sie f�rchten sich auch vor ihm und haben deshalb gro�en Respekt vor ihm. Au�erdem l�sst Gott die Menschen befolgen um nachzudenken und sich ihres Lebens bewusst zu werden. Das k�nnte mit dem Begriff �versteinert� gemeint sein. Seine Anwesenheit l�sst dann, nachdem er eingetreten ist, im �bertragenen Sinne den Raum erhellen und die Menschen sich ihres christlichen Glaubens bekennen, das Abendmahl mit �Brot und Wein�(V.12) wird gefeiert.
In den Versen 2,7,11 wurde die �bliche Satzstellung von Subjekt-Pr�dikat-Objekt ver�ndert.
Dies har zur Folge, dass das erste Wort des Verses besonders unterstrichen wird und seine Wichtigkeit hervorgehoben wird. So wird zum Beispiel das lange �L�uten� der Abendglocke in den Vordergrund gestellt und auch die goldene Farben, die vom Weihnachtsbaum ausgeht, bekommt eine wichtige Rolle.
In der dritten Strophe wird das Verb �ergl�nzen�(V.11) besonders hervorgehoben.
Es liegen einige Chiffren in dem Gedicht vor, vor allem �Brot und Wein�(V.12). Dadurch will der Dichter die Darreichung von Brot und Wein als Symbole des K�rpers und des Blutes Christi darstellen. Als letztes Abendmahl bezeichnet man das im neuen Testament geschilderte Mahl Jesu mit seinen J�ngern, das die Aufforderung enth�lt, �zu meinem Ged�chtnis� das Brot zu essen und den Wein zu trinken.
Trakl galt Zeit seines Lebens als verhaltensgest�rter, drogenabh�ngiger und depressiver Mensch, der vor allem mit dem ausbrechenden ersten Weltkrieg nicht zurechtkam und an einer �berdosis Kokain starb. Er hatte Sehnsucht nach einer heilen Welt und erkennt diese in der Natur, doch Trakl verzweifelt daran, als der Kriegsausbruch sich deutlich bemerkbar machte. In Trakls Schaffensepoche, dem Expressionismus (1910-1925), war Lyrik vor allem Ausdruck der Konfrontation mit dem Grauen.
In seinem Gedicht �Ein Winterabend� wird Trakls Sehnsucht nach einer religi�sen Erl�sung deutlich. Auch in seinem Leben hofft der Autor auf das Ankommen von Gott aus der Dunkelheit, so wie es im Gedicht beschrieben wird.
Doch Trakls schwierige Lebensumst�nde, wie zum Beispiel seine Arbeit als Milit�rapotheker lassen ihn nur noch mehr verzweifeln und er sucht eine letzte Erl�sung durch Kokain.