Allerseelen

Lux Interna

Kammer 7

Belborn

 

sollten am 29. Januar 2005 in Bremen spielen. Als Ort hatten wir den Himmelssaal im Haus Atlantis (jetzt Hilton) in der Böttcherstraße ausgeguckt.

Leider wurde uns dieser - und auch ein weiterer - Veranstaltungsort aufgekündigt dank einiger Presseberichte. Wir wollen hier jetzt nicht das Wort "Hexenjagd" in den Mund nehmen, hätten uns aber gefreut, die Möglichkeit wahrzunehmen, die darin enthaltenen Anschuldigungen zu entkräften, was uns in einem persönlichen Gespräch zweifelsohne gelungen wäre.

So blieb letztendlich ein gemeinsames schönes Wochenende mit Musikern aus ganz Europa. Wir hoffen, die Zeiten stehen irgendwann besser für solcherart musikalische Veranstaltungen.

An dieser Stelle unser herzlicher Dank an unsere ausländischen Freunde, die das alles nun überhaupt nicht verstanden haben und sich um Räumlichkeiten bemüht haben - was dann leider an fehlender Technik scheiterte.

Und ein weiteres Dankeschön für die netten Worte der Gäste, die teilweise von weit her angereist sind und die Reise umsonst auf sich genommen haben.

Aber das ist kein Grund zur Entmutigung - um mit Bob Dylan zu sprechen: "The times they are a-changing!"

Weitermachen!

Und hier die Stellungnahme von Gerhard (ALLERSEELEN):

Zu: Bizarre Braune in Schwarz, Weser Kurier, 28.1.2005 

Dieser Artikel ist wie mancher andere in deutschen Medien sehr einseitig und undifferenziert. Meine Musik mag bizarr und farbenprächtig sein, aber sicherlich weder braun noch schwarz. Er stammt offenbar aus der Feder einer Autorin, die vermutlich ihre Informationen aus dritter Hand bezieht und offenbar niemals meine Tonkunst - darunter argentinische Tangos, andalusische Flamencos, siebenbürgische Polkas und anderes Liedgut - gehört hat oder eines meiner Interviews gelesen hat. Ich weise die Unterstellung, rechtsextrem oder faschistisch zu sein, entschieden zurück. Meine Musik ist völkerverbindend, ich arbeite mit Musikern und Musikerinnen aus vielen Ländern zusammen, aus Italien, Litauen, Katalonien, Neuschwabenland, Ungarn. Schon alleine der Name meiner Gruppe Allerseelen sollte ein deutliches Zeichen sein, daß Ideologie und Politik in meinem Werk keine Rolle spielen. Ich glaube an die bewußtseinserweiternde Kraft der Kunst. Meine Einflüsse sind Surrealismus, Symbolismus, die Kunst der Präraffaeliten. Im Vordergrund steht das künstlerische Werk, die Form und die Kraft, die Persönlichkeit. Ich habe Gedichte von Rainer Maria Rilke vertont, von Ninon und Hermann Hesse. Es gibt auch faszinierende mystische Sufi-Dichtungen, die ich sehr schätze und die ihren Weg in meine Tonkunst gefunden haben. Ricarda Huch, deren schönes Gedicht "Sturmlied" ich schon mehrmals vertont habe, zuletzt auch in einer Flamenco-Fassung, war ja auch eine vehemente Kritikerin des Dritten Reichs. Von Allerseelen gibt es ein weiteres Flamenco-Stück "Sonne golthi-ade", das auf einem Runengedicht von Friedrich Bernhard Marby beruht - dieser Dichter war in der NS-Zeit mehrere Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert. Gerade meine Liebe zu kleinen Ländern und Regionen wie das Baskenland, wie Katalonien, Korsika, Österreich, Südtirol, Slowenien und bewahrt mich davor, totalitäre oder autoritäre Strukturen und Systeme zu verherrlichen. Ich habe mich intensiv mit dem nationalsozialistischen Umgang mit Entarteter Kunst und Entarteter Musik beschäftigt und muß feststellen, daß seit einigen Jahren vor allem im deutschsprachigen Raum - Österreich, Deutschland, deutsche Schweiz - eine immer stärkere Tendenz besteht, künstlerische Freiheit dann akut einzuschränken, wenn sie dem Zeitgeist scheinbar oder tatsächlich widerspricht. Somit erscheinen die Auftritte Allerseelens in zahlreichen europäischen Ländern, in Nordamerika und Rußland als Gradmesser für den tatsächliche Grad an künstlerischer Freiheit, der in diesen Ländern herrscht oder für den Grad an einer Bereitschaft zur Differenzierung. In diesem Vergleich bilden Länder wie Deutschland und Österreich ein trauriges Schlußlicht. Selbstverständlich werden Allerseelen erneut im Raum Bremen auftreten: Wir lassen uns das Singen nicht verbieten.

Gerhard (Allerseelen), 31.1.2005

 

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