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Der Buchladen
Margot summte leise vor sich hin, w�hrend sie die Kartons mit neu angelieferten B�chern auspackte. Sie liebte diese Arbeit, wie sie jede T�tigkeit in diesem Buchladen liebte. In ihrem Buchladen. Selbst so etwas wie der Kampf mit den Kartons, ihr w�hrend ihrer Ausbildung verha�t, machte ihr eigenes kleines Reich zur Ausgrabungsst�tte f�r Wunder. Neugierig drehte Margot eines der noch in Folie eingeschwei�ten B�cher in den H�nden und versank darin, den Klappentext zu studieren, als eine Kundin sie mit leiser Stimme ansprach. Freundlich l�chelnd k�mmerte Margot sich um ihre Anfrage. Sie standen gerade am Regal mit esoterisch angehauchten Historienromanen, als die T�r aufschwang, begleitet vom ungest�men Klingeln der Ladenglocke, und mit einem eisigen Wind-sto� eine weitere Kundin in das kleine Gesch�ft geweht wurde. Wie auf ein geheimes Kommando hin blickten Margot und ihre Kundin auf und starrten der Frau entgegen. Nat�rlich war es eine Frau, dazu h�tte es Margots Blick nicht bedurft; in ihren Buchladen kamen ausnahms-los Frauen. Frauen, die vor der Realit�t in die W�rme und den wohligen Geruch der B�cher flohen, die in den phantastischen Geschichten versanken. Frauen, die von ihren M�nnern geschlagen wurden, von ihren Kindern genervt, von ihren Schwiegerm�ttern angefeindet und von ihren Chefs bel�stigt. Doch diese Frau, die so selbstsicher in den Buchladen trat wie ein Raubtier in sein angestammtes Jagdrevier, war anders als die verhuschten grauen M�uschen, die Margot so leid taten. Sie war etwa einssiebzig, wirkte durch ihr Auftreten aber gr��er, fast einsch�chternd. Ihr kurzes Haar war dunkel gef�rbt. Sie trug eine schwarze Jeans und ein schwarzes vorn geschn�rtes Mieder, das das blasse Tal zwischen den Br�sten aufreizend hervorblitzen lie�. Auf der hellen Haut ihres Dekollet�s ruhte schwer ein Kreuz mit roten Steinen, Ringe blitzten an mehreren Fingern, silbern und golden mit tiefroten Rubinen, und Armb�nder mit dunklen Perlen zierten die schlanken Handgelenke. Margot folgte der fremden Frau mit den Augen, wie sie zielstrebig auf ein Regal zusteuerte und aufmerksam die Buchr�cken studierte. Pl�tzlich zog ein L�cheln ihre dunkelrot geschminkten Lippen in die Breite, und Margot durchfuhr ein eiskalter Schauder; f�r einen Moment glaubte sie in den Mundwinkeln zwei lange, spitze Eckz�hne schneewei� und m�rderisch aufleuchten zu sehen. Sie blinzelte und schaute noch einmal hin - nein, nur ein normales, menschliches Gebi�. Vielleicht hatte sie nur der Ausdruck des L�chelns irritiert, dieses w�lfische, triumphierende Grinsen. Margot versuchte einen Blick auf das Buch zu erhaschen, das die Frau aus dem Regal gezogen hatte und mit ihren langen, blassen Fingern streichelte, als sei es eine unbezahl-bare Kostbarkeit. Sie war nicht wirklich �berrascht, als sie erkannte, da� es ein Vampirroman war. Margot lie� ihre aktuelle Kundin kommentarlos stehen, was die versch�chterte Frau ebenso kommentarlos hinnahm. Mit ihrem ruhigen, lautlosen Gang n�herte sie sich der "schwarzen Frau", wie sie sie im Geiste getauft hatte. Sie schien v�llig versunken in die Betrachtung des schwarz eingebundenen Buches, und Margot glaubte, sie w�rde sie nicht kommen h�ren. Umso �berraschter war die Buchh�ndlerin, als die fremde Frau pl�tzlich den Kopf hob und Margot direkt in die Augen sah. "Augen wie ein Wald bei Nebel", fuhr es Margot durch den Kopf. Gr�nbraun mit einem Schleier von geheim-nisvollem Grau, der sie undurchdringlich machte. Dennoch verliehen sie dem Betrachter den Eindruck, als k�nnten sie bis auf den Grund seiner Seele sinken. Margot sp�rte eine brennende R�te in ihren Wangen auf-steigen. Ihr Herz schlug hart, fast schmerzhaft gegen ihren Brustkorb. Was geschah mit ihr? Wurde sie von dieser seltsamen Frau hypnotisiert? Beinahe f�hlte sie sich so, und Margot versp�rte den Drang, ihren Kopf mit der honigblonden M�hne zu sch�tteln, um ihre Gedanken wieder in die richtigen Bahnen zu bringen. "Kann ich Ihnen helfen?" fragte sie mit ihrer melodischen Stimme, und es erleichterte sie, da� man ihr nicht anh�rte, wie sehr die "schwarze Frau" sie verwirrte. Die Angesprochene blickte sie weiterhin mit ihren gro�en, katzenhaften Augen an und lie� sich Zeit mit einer Antwort. Schlie�lich �ffnete sie ihre gl�nzenden Lippen, weitete sie zu einem wissenden L�cheln und sagte mit einer leisen, geisterhaft klingenden Stimme: "Nein, danke. Ich habe schon gefunden, wonach ich gesucht habe."
Liebevoll r�ckte Margot noch ein paar B�cher im Regal mit den Neuerscheinungen zurecht. So, nun standen sie aufgereiht wie Soldaten. Zeit, den Laden abzuschlie�en und nach Hause zu gehen, in ihre kleine Wohnung im obersten Stock des gleichen Hauses. Margot l�chelte, als sie noch einen pr�fenden Blick durch den aufge-r�umten Laden warf. Pl�tzlich jedoch gefror das L�cheln auf ihren Lippen. Ihr Blick war auf das Buch mit dem schwarzen R�cken gefallen, das, welches diese seltsame Kundin heute in der Hand gehabt hatte. Sie hatte es nicht gekauft, sondern einfach nur an seinen Platz zur�ckgestellt und Margots Buchladen ohne ein weiteres Wort verlassen. Merkw�rdig. Margot fragte sich, was sie wohl wirklich hier gesucht hatte. Be-stimmt war es nicht das Buch gewesen. Nein, da steckte etwas anderes dahinter, da war Margot sich ganz sicher. W�hrend sie den Schl�ssel im Schlo� der gl�sernen Eingangst�r drehte, gr�belte sie immer noch erfolglos �ber die merkw�rdige Frau nach. Sie drehte der T�r den R�cken zu und machte sich auf den Weg zum Hinterausgang, um �ber den Hof zu der schmalen Treppe zu gelangen, die in ihre Wohnung f�hrte. Drau�en, auf der regennassen Stra�e, fuhr mit heulenden Sirenen ein Krankenwagen an ihrem Laden vorbei. Das laute Tat�-tata lie� beinahe das Geb�ude erzittern und ertr�nkte jedes andere Ger�usch. Jedes.
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Emilia lie� sich in einen Sessel fallen, der zusammen mit ein paar anderen bunten St�hlen eine gem�tliche Sitzecke bildete. Puh, der erste Tag in ihrem eigenen Buchladen war ganz sch�n anstrengend gewesen! Sie wollte sich eine wohlverdiente Pause g�nnen, als sie pl�tzlich auf dem Fu�boden, in der N�he der Hintert�r, ein Buch liegen sah. Es mu�te wohl heruntergefallen sein, w�hrend sie mit Putzeimer und Besen durch den Laden gewirbelt war... �chzend, aber mit einem L�cheln auf den Lippen, stand sie wieder auf um es an seinen Platz zu r�umen. Einen ganz schwarzen Einband hatte es, sah ja richtig zum F�rchten aus! In diesem Moment erklang die Ladenglocke. Emilia war mit ihren Gedanken so weit weg; ihr fiel nicht auf, da� sie die Ladent�r eigentlich verschlossen hatte. Automatisch rief sie �ber die Schulter:"Entschuldigung, aber wir haben noch nicht er�ffnet - erst morgen fr�h!" Eine leise, geisterhaft klingende Stimme antwortete:"Das macht nichts - ich habe ohnehin schon gefunden, wonach ich gesucht habe..." |
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