Hansaplast Marathon 2000

Ergebnisliste ---- Analyse ---- Hamburg Marathon

F�r diesen Marathon in Hamburg habe ich viereinhalb Monate strukturiertes Training nach Peter Greif(PG) durchgef�hrt. Dieses Vorhaben hatte ich schon vor dem Frankfurter Marathon geplant, um einfach zu testen, wie sinn- und wertvoll ein strukturiertes Training f�r mich ist. Gleichzeitig hatte unsere Familie beschlossen zu diesem Zeitpunkt jeder f�r sich Urlaub zu machen, da in Hessen Osterferien angesagt ware.
Nachdem der November als Regenerationsmonat im Trainingsplan stand, habe ich mit Beginn Dezember alle Trainingseinheiten mit dem Ziel Hamburg 2000 vor Augen absolviert. Das Training war ausgezeichnet aufgebaut, so dass ich besonders in den Monaten Januar, Februar, M�rz eine deutliche Leistungsverbesserung verzeichnen konnte.
Da mein Trainer nun mal fernab sitzt und er ja auch keine Trainingskontrolle durchf�hren kann, habe ich eine eigene Trainingskontrolle entwickelt. Im Prinzip ganz einfach. Bestimmte Trainingsstrecken (5-20km) bin ich bei gleichen Puls durchgelaufen und habe dazu meine km-Geschwindigkeiten aufgenommen. Dabei konnte ich eine kontinuierliche Verbesserung der Schnelligkeit bei gleichem Puls in den Vorbereitunsmonaten feststellen.
Ebenso habe ich an zwei Halbmarathons teilgenommen, um meine Leistungsf�higkeit unter Wettkampfbedingungen zu testen. Im Februar (13.2.) konnte ich trotz widriger Verh�ltnisse in Bertlich mit 1:32 eine neue Bestzeit erzielen, die ich einen Monat sp�ter (11.3.) in Frankfurt mit 1:29 nochmals verbessern konnte. Dies waren auch die einzigen Wettk�mpfe, die ich in dieser Vorbereitungszeit auf mich genommen habe.
Schon im Dezember hatte ich mich mit Werner aus Aurich abgesprochen, dass wir den Marathon zusammen laufen wollten und uns eine Zeit zwischen 3:05 und 3:15 vorgenommen. Wobei mein Trainingsplan auf eine Zielzeit von 3:15 ausgerichtet war. Mein Wunsch war allerdings eine 3:10 und da man ein wenig Tr�umen darf, habe ich mir die 3:05 als Traumergebnis vorgestellt. Gem�� der Faustformel 2*HM-Zeit+10Minuten war ich f�r meine Wunschzeit einen Monat vor dem Marathon gut pr�pariert.

Das Training verlief bis auf eine einw�chige Dienstreise im Januar nach Moskau, wo an ein Training bei bis zu -25C nicht zu denken war, sehr kontinuierlich. Allerdings habe ich gemerkt, dass mich diese Trainingsunterbrechung ca. 2-3 Wochen "gekostet" hat. Solange hat es n�mlich gedauert, bis ich wieder die Trainingszeiten bezogen auf den gleichen Puls erzielte, die ich vor der Dienstreise schon drauf hatte.
In den letzten 8 Wochen vor dem Marathon, habe ich mein Training von 5 Einheiten auf 6 Einheiten pro Woche umgestellt. Zus�tzlich wurde der Trainingsplan von PG exakt auf Hamburg ausgerichtet. W�hrend der Vorbereitungszeit blieben ich mit Werner st�ndig in Kontakt, um unsere Trainingsfortschritte auszutauschen und um uns auch gegenseitig zu motivieren. Denn gerade in den dunklen Monaten, war es f�r mich nicht immer einfach alleine im Wald herumzulaufen und Werner, der berufliche intermittierend alle 3-4 Wochen f�r 2-3 Wochen auf einer �lbohrinsel, musste dort auf dem Laufband "rumturnen".
Die letzten zwei Wochen vor dem Start in Hamburg waren dann allerdings wieder durch berufliche Rahmenbedingungen gepr�gt. Gleichzeitig hatte ich begonnen mein Training von abends auf morgens umzustellen, damit sich mein K�rper an "Vormittagsbelastungen" gew�hnen konnte. Ein zweit�giges Seminar in Paris (Disneyland) konnte ich noch gut in die Trainingsplanung integrieren. Die Woche vor dem 16.4. befand ich mich auf einem sehr anstrengenden Seminar in M�nchen. Das Seminar ging von morgens 8:30 bis abends 23:00, wobei ich abends nicht zum Essen kam und auch gar keinen Hunger gehabt habe. Das "Abbau-Training" fand immer zwischen 6Uhr und 8Uhr statt. Da das Seminar sehr interessant und informativ war, habe ich die Doppelbelastung, wenig Schlaf mit wenig Essen und Training gar nicht richtig wahrgenommen.
Am Freitag 14.4. flog ich direkt zu Freunden von M�nchen nach Hamburg. Dort bin ich dann abends noch ein wenig in Moorburg herumgelaufen, um anschliessend mit einem riesigen Hunger unz�hlige Brote zu verschlingen. Christiane und Volker, meine Gastgeber, hatten dann auch f�r Samstag die richtigen Nudelpakete eingekauft durch die ich mich langsam durchkaute.
Nach einem kurzen Lauf am Samstag mittag, fuhr ich in die Innenstadt, wo ich mich mit Werner auf der Messe treffen wollte, um uns pers�nlich kennen zu lernen und noch ein wenig �ber die Renntaktik zu schnacken und nat�rlich auch die Startunterlagen abzuholen. Kompliment an die Hamburger Organisation, die besonders mit dem S/U-Bahn-Ticket eine tolle Erleichterung f�r diese zwei Tage schuf.
Werner erkannte mich im Vorbeilaufen - dank der ausgetauschten Bilder - und wir liefen gemeinsam etwas in den Hallen herum und machten dann einen Treffpunkt f�r den morgigen Lauf aus. Das Wetter versprach nicht gerade angenehm zu werden. Deswegen erstand ich noch ein etwas windfesteres klimatisiertes "T-Shirt".
Fr�hzeitig ins Bett und fr�hzeitiges Aufstehen waren angesagt, da der Lauf ja schon um 9 Uhr gestartet wurde. Fr�h um sieben waren selbst auf den "Aussenstattionen" der S-Bahn eine Reihe von Gleichgesinnter zu erkennen und der Informationsaustausch war schnell im Gange. An der einzigen Umsteigestation war dann die �berraschung perfekt als sich Hunderte auf den Bahnsteig dr�ngelten und nur mit Sonderz�gen die Massen abgefertigt werden konnten.
Trotzdem kam keine Hektik unter den Anwesenden auf, sondern das Ganze wurde von der humorvollen Seite angegangen und von �berall konnte man Gel�chter und freudige Stimmung vernehmen. Teilweise wurden Rolltreppen entgegen der Laufrichtung erst�rmt, um schnell aus den Gew�lben der U-Bahn zu entkommen. Langsam wurde es knapp f�r mich. Die Umkleidekabine und die Kleiderabgabe waren jedoch schnell gefunden, so dass danach nur noch der Treffpunkt mit Werner zu finden war.
Dank seiner Gr�sse konnte ich Werner gut erkennen, (Bild01: Werner (rechts) und ich vor dem Start)
und wir fingen an, uns langsam warm zu laufen. Werner hatte A1 und ich C1 als Startgruppe, doch dass st�rte uns weniger, da wir uns beide auf A1 festgelegt hatten. Nach einigen ruhigen Trabrunden und Dehnungs�bungen begaben wir uns an den Start, um die Inline-Skater losflitzen zu sehen. Wie rasant die losrasten und wie schnell sich die ersten Gruppen bzw. Z�ge bildeten war f�r mich mehr als beeindruckend.
Als die Flitzer weg waren, blieben uns gerade noch 5 Minuten in unseren Startblock zu kommen. Aber wie und wo? Die Strasse war hermetisch mit Z�unen abgesperrt. Der B�rgersteig mit Menschen vollgestellt. Also hetzten wir durch die Menschenleiber Richtung Umkleider�ume, wo ein Durchgang sein musste. Die Zeit tickte, der Puls kletterte, der Durchgang immer noch nicht in Sicht. Da noch ein paar Nachz�gler, das Schlupfloch war gefunden und dann hurtig in die richtige Startgruppe einordnen. Etwa eine Minute blieb uns noch, um noch einmal richtig durchzuatmen und wieder ruhiger zu werden.

Wir hatten uns ans Ende der Startgruppe gestellt, um nicht von den ganz Schnellen mitgerissen zu werden. Der Startschuss fiel und die Masse geriet ziemlich schnell in Trab, nach nur etwa 20 Sekunden waren die Startmatten erreicht und wir fingen an im Pulk der Massen mitzulaufen. (Bild02: Startgruppe A1 ist losgefegt)
Von hinten �berholten uns schon eine Reihe von L�ufern, aber mein Puls zeigte 150 und das war schnell genug.
Bei der ersten km-Anzeige wollte ich meinen Augen nicht trauen, obwohl wir uns noch locker unterhielten, passierten wir den 1.km nach 4:04min. Viel zu schnell, langsam bremsten wir ab. Aber erst nach beim 4.km hatten wir unseren Rhythmus gefunden, was etwas durch die leicht fallende und steigende Strecke erschwert wurde. Danach pendelte sich unsere km-Zeit zwischen 4:25 und 4:28 ein. Bis km 10 hatten wir dann noch eine netten Tempomacher aus Slowenien vor uns, mit dem wir uns kurz unterhielten und der leider bei der Trinkaufnahme km 10 hinter uns zur�ckblieb.
Bei km 15, ich lief rechts nahe an der Bordsteinkante tauchte vor mir eine Dame im mittleren Alter (so wie ich ungef�hr) etwa 165 gro�, gut kompakt, im langen Mantel, im guten Trab auf leicht erh�hten, klapperten Schuhen mit Handtasche �ber dem Arm und Trinkflasche in der Hand vor mir auf. Als ich zu ihr sagte, da� es vielleicht sicherer f�r sie w�re, auf dem B�rgersteig zu laufen, meinte sie nur, da� sie vor uns jemand einholen m��te, um die Trinkflasche abzugeben. Das f�hrte zur allgemeinen Erheiterung aller, die dieses kurze Zwiegespr�ch mitbekommen haben.
Gerade die Stimmung vorher am Fischmarkt und an der Aussenalster war trotz des k�hlen Wetters fantastisch. Meine Hamburger Freunde wollten mich auf der rechten Seite an der Aussenalster unterst�tzen. Aber wie ich sp�ter erfahren haben, haben sie es vom Ausgang der U-Bahn-Station nur auf die linke Seite geschafft. Trotzdem haben sie mir lauthals zugerufen, was im allgemeinen Trubel sch�n unterging.
Ja das k�hle Wetter. Meinen K�rper hatte ich gut dagegen gesch�tzt und war lange nicht so beeintr�chtigt, wie viele der L�ufer, die sich mutig in kurzer Hose und Hemdchen ins Rennen gest�rzt hatten. Doch die Getr�nke machten mir erhebliche Schwierigkeiten. Die vorbereiteten Wasserbecher (und es gab keinen warmen Tee) k�hlten im Wind so aus, dass ich richtige Schmerzen beim Trinken hatte und nur etwa ein Drittel meiner sonstigen Ration zu mir nahm.
Die Durchgangszeit von 1:33:21 beim HM war hervorragend, besonders da ich mich noch richtig fit f�hlte. Das Tempo konnte ich unbedenklich weiter laufen, da sich mein Puls konstant zwischen 155 und 161 - also um meine 80% Hfmax(159)-Marke bewegte. Ab km 21 liefen wir so um 4:25min/km. Werners Puls zeigte jedoch eine st�ndige Aufw�rtsbewegung, so dass er bei km 26 abreissen lies, um nicht zu �berpowern.
Meine Essenration 1 und 2 (Power-Gel-Bar) hatte ich gut hinunterbekommen. Bei km 30 hatte ich jedoch Schwierigkeiten mit dem 3.ten P�ckchen, da das Wasser so eiskalt war, dass ich nicht genug trinken konnte und das P�ckchen fast unbenutzt entsorgte musste. Bei km 33 kam ich etwas in Tr�umen und merkte erst am abfallenden Puls, dass ich langsamer wurde und was der Gegenwind noch unterst�tzte. Nun holte ich immer mehr L�ufer und L�uferinnen ein, die uns im ersten Drittel enteilt waren. So k�mpfte ich mich von L�ufer zu L�ufer.
Bei km 36 ereilte mich dann das Schiksal, obwohl vom Kreislauf und Atmung noch voll leistungsf�hig bemerkte ich bei einer versuchten Beschleunigung, dass sich meine Wadenmuskeln verkrampften. Mist, Scheibenkleister und sonstiges fuhr mir durch den Kopf. Die unzureichende Fl�ssigkeitszufuhr hatte mir das eingebrockt, davon bin ich felsenfest �berzeugt. So hangelte ich mich wie auf einem Drahtseil zwischen Krampfvermeidung und einer Tempoverringerung hin- und her. (Bild03: Startnummer 4024 bei ca. km 37)

Mein geringer werdender Puls zeigte mir an, dass ich da noch Reserven gehabt h�tte. Nachdem ich bis km 36 auf einer Endzeit von 3:06h gelegen hatte, wollte ich wenigstens unter 3:10h bleiben. Inzwischen hatte ich bei km 38 die Bodygards von Herrn Kelly und ihn �berholt, als der Drahtseilakt immer komplizierte wurde. Innerhalb Km 41 und 42 liess ich es dann auf der Steigung sehr ruhig angehen und habe allein auf diesen 2km etwa 1 Minute verloren in dem der km-Schnitt auf etwas �ber 5min anstieg.
Deswegen war ich schon froh hinter der letzten Kurve das Zielbanner zu sehen und in 3:08:47 den Marathon in Best- und Wunsch aber nicht in der Traumzeit vollendet zu haben. Ich habe noch ein Weilchen auf Werner gewartet, muss ihn aber im Get�mmel �bersehen haben, da er nur ein paar Minuten nach mir ins Ziel lief.
Kaum war ich im Ziel, versp�rte ich einen unwahrscheinlichen Heisshunger. Diesen habe ich dann nach einem geruhsamen Umkleiden an der n�chsten Tankstelle durch den Kauf von Mars, Snickers, Nuts im ersten Anlauf gestillt. Bei meinen Freunden futterte ich die n�chste Nudelportion, Salat, Kuchen, Schokolade..... Daran habe ich gesehen, dass ich wahrscheinlich viel zu wenig in der Woche vorher gegessen hatte.

Obwohl ich alleine in Hamburg war, ergab sich f�r mich eine sch�ne Begebenheit zweitausend Kilometer s�d�stlich in Griechenland. Zu dem Zeitpunkt, wo ich in Hamburg in den Strassen herumhetzte, besuchte meine Frau den Ort Marathon und war auf der Suche nach einem sch�nen Marmorstein, der jetzt meinen Schreibtisch ziert.

Die n�chsten Tage befand ich mich "l�uferisch" in einer einzigen Leere und brauchte noch eine ganze Weile, um daraus zu kommen, um mich f�r das Training richtig motivieren zu k�nnen und das Training auf das n�chste Ziel auszurichten.

Werner und ich haben uns nach dem Rennen "zusammentelefoniert" und uns abgesprochen, dass dies nicht der letzte gemeinsame Lauf sein sollte und besonders da Werner schon f�r Oktober Frankfurt in Visier hatte, um dort seine angestrebte Zeit zu verwirklichen.

Hosted by www.Geocities.ws

1