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BGL 2000

Dieser BGL-Lauf stand eindeutig unter der Motto "Viele neue Erfahrungen gesammelt".

Erstaunen und ungläubiges Kopfschütteln erzeugte mein zum BGL eingeladener Gast bei mir, als er trotz Absprache in den letzten 10 Tagen auf zahlreiche Kontaktversuche nicht mehr reagierte und ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben nicht auftauchte.

Die letzten 3 Tage vor Freitag habe ich mit lockerem Auslaufen verbracht, wobei meine Beine zwar etwas schwer wirkten, aber vor Wettkämpfen war das mein typisches Anzeichen von Nervosität.

Freitag der 9.6.

Freitag früh gegen 5 Uhr wachte ich auf und dachte: "Das darf nicht wahr sein", als ich beim Schlucken leichte Druckbeschwerden verspürte, die nach dem Aufstehen noch leicht zunahmen und von einem Kratzen im Hals begleitet wurden.

Da fürs Wochenende hohen Temperaturen angesagt waren, ging's um 8 Uhr zum Frisör und die Haare wurden auf ein noch erträgliches Mindestmaß abgemäht. Anschließend führte mich der Weg zur Arbeit an einer Apotheke vorbei, die mich mit Lutschtabletten für den Hals und Sinupret für meine Nebenhöhlen versorgte.

Im Büro verzögerte eine unangenehme Projektsituation mein geplantes Arbeitsende um ca.1h. Strahlender Sonnenschein und zunehmende Hitze begleiten mich auf den letzten Metern zum Wettkampfbüro.

Dort traf ich doch als ersten Jürgen vom letztjährigen BGL-Lauf mit dem ich ein herzliches Hallo austauschte und wir uns gleich nostalgisch an unsere gemeinsam gelaufen Etappen zurückerinnerten, wo wir uns gegenseitig kurzweilig unterhalten und unterstützt haben.

Anschließend fuhr ich nach hause, legte mich noch eine Stunde hin, zog mir dann schon meine Laufsachen an und liess mich von meiner Frau wieder nach Hanau bringen, wo wir zuerst bei Bartels noch ein Stirnband und paar luftige Laufstrümpfe erstanden, die gleich angezogen wurden.

Auf dem Marktplatz hatten sich schon dutzende Läufer um 16:30 versammelt, darunter traf ich auch meine Lauffreunde von Passtschon98. Die Zeit verging schnell, gegen 17:00 fing ich an in den schattigen Abschnitten der Hanauer Innenstadt herum zu traben, machte noch geruhsam Dehnungsübungen und traf meine Frau und Petra (meine sonntägliche Trainingspartnerin) kurz vor dem Start zum "Fototermin ".

Mit den obligatorischen Ansprachen vergingen auch die letzten Minuten und die letzten 10 Sekunden wurden von den Läufern laut mitgezählt. Mit Stirnband und dunkler Laufbrille, die ich seit meiner Bindehautentzündung trage, began ich aus der 4.ten oder 5.ten Startreihe nach meinem Empfinden den Lauf ganz ruhig. Eine ganze Reihe von Läufern zog auch auf den ersten Kilometer an mir vorbei.

Die erste Kilometeranzeige sah ich zwar nicht, aber als sich zwei andere Mitläufer über ihre Zwischenzeit unterhielten, merkte ich erstaunt, dass ich ihn ca. 4:05 min zurückgelegt haben muss und dass mein Puls auch schon bei 170 war. Zu schnell, da ich mir eine Durchschnittszeit von 4:20 min/km als Ziel gesetzt hatte. Ich lief etwas langsamer und liess meine Puls etwas absinken. Doch bei km 3 signalisierte mir die Durchgangszeit von 12:19 min ein zu hohes Tempo obwohl ich mich immer noch ganz locker fühlte.

Mein Hals machte sich allerdings durch die reine Mundatmung etwas mehr bemerkbar, behinderte mich aber nicht wirklich. Noch etwas Tempo raus - stellte aber dann erschreckt fest, dass ich für den 4. km 4:35 min gebraucht hatte. Mist - Geschwindigkeit wurde wieder erhöht. Inzwischen waren Hose Hemd, Strümpfe vollkommen nass. Zum Glück verhinderte mein kurzes Haar und das Stirnband, dass mir der Schweiss in die Augen lief und meine Laufbrille verschmutzte.

Den nächsten Kilometer legte ich in 4:20 zurück aber mein Puls ging über 170 hoch. Eigentlich wollte ich die erste Etappe bei 160 (ca. 80% Hfmax) Puls durchlaufen, um auf den letzten langen Etappen nicht einzubrechen. Meine Beinmuskulatur fühlte sich jedoch immer noch sehr unbelastet an und ich sagte mir, dass bei der Hitze (gut 30 C) der Puls einfach höher als normal sein muss.

Also lief ich mit dem erhöhten Puls weiter und hoffte, dass der Substanzverlust nicht zu hoch wird. Bei der ersten Verpflegungsstation zwischen km 5 und 6 kippte ich mir das Wasser nur über den Kopf und wusch mir mit dem Schwamm Beine und Oberarme ab. Die Kilometerzeiten schwankten etwas, blieben aber im Schnitt um die 4:25 min. Inzwischen hatte ich mich auch bei dieser Hitze für eine etwas langsamer Endzeit entschieden.

Ab km 7 hängte ich mich an eine Gruppe von M30 Läufern und freute mich, dass ich ihr Tempo gut halten konnte, obwohl mein Puls teilweise bis 175 stieg. Durch die erhöhte Atmung trocknete mein Hals noch mehr aus und ein verstärktes Kratzen machte sich bemerkbar, so dass nicht nur ich die Verpflegungsstelle bei km 10 herbeisehnte.

Eine Dusche war von der Feuerwehr so geschickt aufgebaut, dass ich so etwa 5m lang durch den künstlichen Regen lief, anschließend meinen Hals mit Wasser erfrischte und noch einen nassen Schwamm als Reserve ergattern konnte.

Von den M30-Läufern war nur noch einer übrig geblieben, mit dem ich einen Läufer nach dem anderen auf den letzten 5 km einholte. Ich ließ ihn dann auf dem letzten 1500m langsam ziehen, um nicht in ein Wettrennen hineinzugeraten.

Die Endzeit der ersten Etappe betrug dann 1:08:15 für die ca. 15,5 km, damit war ich zwei Minuten schneller als letztes Jahr und mehr als zufrieden. Am Getränkestand leerte ich 3 große Becher Tee bevor ich auf meine Frau traf, die es trotzt diverser Umleitungen noch geschafft hatte mich beim Zieleinlauf seitlich von hinten aufzunehmen.

Beim Auslaufen lief ich Petra entgegen, die wie üblich erzählend neben einem Läufer den letzten Kilometer in Angriff nahm, aber einen noch erstaunlich frischen Eindruck machte.

Allgemeine Stimmung: "Drückende Hitze und morgen wird's noch wärmer". Mit der Ahnung der kommenden Strapazen wurde sich mit guten Wünschen schnell verabschiedet und sucht seine Oasen zur Regenerierung auf.

Da bei uns in Oberissigheim über Pfingsten die 1200 Jahrfeier stattfand, hatte ich meiner Frau und Freunden versprochen am ersten Abend mit zur "Feld-Zelt-Disco" von Radio-FFH zu gehen, mit der vorbeugenden Absicherung spätestens gegen 22:30 den Heimweg antreten zu dürfen.

Unsere Kinder und wahrscheinlich auch andere Jugendliche waren schlichtweg entgeistert als auf dieser Disco doch der ganze Altersquerschnitt der Oberissig'mer vertreten war und das Zelt schon am frühen Abend wegen der "Alten" gut besetzt war, obwohl die "coolen Kids" erst ab 22 Uhr langsam hineinströmten.

Nun, ich machte meine Versprechung war, verabschiedete mich mit inzwischen krächzender Stimme und lag gegen 23:30 im Bett. Da die Schluckbeschwerden nicht besser wurden, verbrachte ich eher eine unruhige Nacht.

Samstag der 10.6.

Gegen 7 Uhr war die Nacht zu Ende, die Schluckbeschwerden bewegten sich durch das Tabletten lutschen auf dem bisherigen Level. Gegen 8:15 fuhr ich nach Niederrodenbach parkte mein Auto nicht weit vom Start und spazierte langsam zum Startplatz, verwundert dass nur so wenig Läufer in der Stadt zu sehen waren. Aber ich hatte mich doch glatt um eine halbe Stunde in der Startzeit vertan, wohl in der Hoffnung wegen der aufkommenden Hitze lieber früher weglaufen zu wollen.

Von daher legte ich in einem Schattenplätzchen meine Füße hoch, bis die Wettkampfleitung die Tafel mit den Ergebnisse der ersten Etappe aufstellte, die ich sofort neugierig untersuchte.

Die Überraschung war wirklich gelungen, als ich feststellte, dass ich von 360 Startern glatt den 40. Platz erreicht hatte und 7. in meiner Altersklasse war. Gegenüber dem letzten Jahr war das ein Sprung von 90. Plätzen. Anscheinend hat den anderen Mitläufern die Hitze relativ mehr zugesetzt als mir, was mir dann auch ein Läufer bestätigte, der letztes Jahr auf der ersten Etappe 9 Minuten schneller und diesmal sogar etwas langsamer als ich war.

Kurz nach 9 Uhr spulte ich mein Einlauf- und Dehnprogramm bei sehr gemäßigter Tourenzahl ab, ordnete mich am Start etwas weiter hinten ein und fing gefühlsmäßig langsamer als am Freitag an. Doch als nach 2 km meine Uhr 8:05 min anzeigte (den ersten hatte ich, standardmässig wieder nicht mitbekommen), zweifelte ich eher an der Abmessung als an mir, da mein Puls noch nicht einmal 160 erreicht hatte, auch wenn der ja morgens immer ein wenig niedriger als abends bei mir ist.

Ich lief dann nach Puls weiter bis nach dem 3. km plötzlich mein Hals wie ein Ventil zuging. Nach Luft ringend verringerte ich die Geschwindigkeit bis ich ein Gleichgewicht zu der Luftmenge pro Atemzug gefunden hatte. Passend fingen ab diesem Zeitpunkt auch noch die Steigungen an, was für mich eine weitere Verlangsamung bedeutete, da ich keine Chance hatte mehr Luft einzuatmen. In dieser Phase kämpfte ich mit der Überlegung einfach nur noch weiter zu gehen und aufzugeben.

So pfiff und stampfte ich, wie eine kurz vor der Pensionierung stehende Dampflokomotive, bis km 9 über die im Weg stehenden Hügel. Jede kleinste Steigung wurden zu einer "Dampforgie". Ich lief jede vorgesehene und auch die von Zuschauern aufgestellte Verpflegungsstellen an, um meinen Hals zu befeuchten und um meinen Körper abzukühlen. Gerne hätte ich mal gewußt wie hoch die Temperaturen in der Sonne waren.

Als dann die längste und steilste Steigung zum Käferberg hinter mir lag, wußte ich vom letzten Jahr, dass es jetzt fast nur noch bergab ging. Da meine Beine sich kaum wegen Überbelastung bei dem bisherigen Tempo beklagen konnten, lief ich entsprechend meiner Sauerstoffaufnahme nun volles Tempo und konnte bis zum Ziel wieder eine Reihe von Läufern einholen, die ich an den Steigungen ziehen lassen musste.

Glücklich über eine neue Bestzeit (ca. 2 min schneller gegenüber 1999) für die 14 km lange Etappe tauchte ich nach einer Volldusche mit einem Gartenschlauch mit Bananen und Tee gewappnet in den Schatten eines Autos ab und wartete noch den Einlauf von weiteren Passtschon98ger und von Petra ab.

Danach ging es zur Schule in Neuenhaßlau, wo Duschen und Mittagsverpflegung auf uns warteten. Die Ergebnislisten hatten meine negativen Erwartungen nur zum Teil bestätigt, da ich nur 10 Plätze verloren hatte. In der Mannschaftswertungen lagen wir bis dahin auf dem sehr guten 6. Platz mit paar Sekunden Rückstand zum 5.

Anschließend habe ich mich kurzfristig entschlossen nach Hause zu fahren, um meinen Körper aus der Wärme zu bekommen und verbunden mit der Hoffnung das mein Hals nicht schlimmer wurde.

Gegen 15:30 war ich zurück, um mich auf die heisseste Etappe vorzubereiten. Inzwischen war es fast windstill und kein Wölkchen war am Himmel zu erblicken, wobei ich doch so auf das angesagte Gewitter gehofft hatte.

Die 3. Etappe startete ich aus der Mitte des Teilnehmerfeldes, um noch ruhiger anzugehen. Diesmal klappte es schon etwas besser, doch wie auf der 2. Etappe ging mein Hals ab km 3 wieder zu und ich mußte wieder das richtige Verhältnis Geschwindigkeit/Sauerstoffaufnahme finden, um weiterlaufen zu können. Nur war ich dieses Mal vorbereitet und adaptierte körperlich und mental viel schneller und ruhiger.

Zusätzlich zu meinem Hals machte sich auf dem letzten Drittel der etwa 16,5 km langen Strecke mein Magen-Darm-Trakt bemerkbar, der jetzt anscheinend auf die vielen Lutschtabletten reagierte. Für mich war diese Etappe trotzdem fast ein Spiegelbild der 2. Etappe. An den Steigungen mußte ich im Tempo nachgeben und auf den letzten 5 km konnte ich wieder eine Reihe von Läufern einholen.

Im Ziel war ich allerdings ziemlich fertig und verschwand nach zwei hastig geschluckten Bechern Tee für etwa 15 Minuten auf einer Toilette. Erst danach realisierte ich erst so richtig, dass ich trotz der widrigen Umstände etwas schneller als 1999 war, die Verkürzung der Strecke schon eingerechnet.

Der Meinungsaustausch mit meinen Lauffreunden war diesmal sehr kurz, da ich auf schnellsten Weg nach Hause wollte, um eine möglichst lange Regenerationszeit zu haben. Kaum war ich mit den Duschen fertig, wartete auch schon der Bus der mich und noch gut 50 andere zum Etappenstart zurückbrachte, wo mein Auto auf mich wartete.

Zu Hause räumte ich meine Tasche aus, brachte meine durchnässten Kleidungsstücke zur Wäsche, setzte mich mit Nudelsalat und Steak vor den Fernseher, um die Tagesschau zu sehen, als mich die erste Hitzewelle durchflutete.

Damit war mir eigentlich klar, dass das Ende des diesjährigen BGL-Lauf für mich in greifbarer Nähe lag. Ich hatte mit dem Beginn der Schluckbeschwerden ein Ausstiegskriterium gesetzt: Fieber.

Als ich meine Frau nach dem Fieberthermometer fragte, sah sie mich in etwa so an, wie ich mich bereits fühlte. Die Vermutung war innerhalb der nächsten Minute bestätigt. Gleichzeitig wurde ich mir auch meiner Halsbeschwerden richtig bewusst und verbrachte mit einigen Kälte- und Hitzewellen, viel Wasser trinkend, lesend und fernsehend die Stunden bis 2 Uhr nachts, um dann endlich todmüde einzuschlafen.

Sonntag der 11.6.

Gegen 7 Uhr wurde ich wach, merkte, dass meine Schluckbeschwerden fast weg waren. Aber den Gedanken trotzdem wieder zu starten verwarf ich ganz schnell, als ich nach einigen Schritten merkte, wie schnell es mir warm wurde. Um kurz nach 8 Uhr erreichte ich telefonisch Achim von den Passtschon98, um ihm von meinem Ausstieg zu berichten und legte mich dann wieder hin.

Petra rief mittags nach der 4. Etappe an, fragte wo ich denn sei und berichtete, dass ich nach der 3. Etappe immer noch auf dem 55. Platz und 8. in der Gesamtwertung war.

Etwas traurig, aber mit der Überzeugung die richtige Entscheidung getroffen zu haben, setzte ich mich an den Computer, um diesen Bericht für meine Homepage zu schreiben.

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