Nun ist es bald schon wieder ein Jahr her, dass Herr Renfra seine neue Position in der Hauptstadt Japonesiens antrat. Im Januar stieg er in den Flieger links oben, um die ersten Aktionen zu starten. Im März bezog er ein leeres Haus, im April kamen Frau und Möbel und nun ist es schon Dezember, was mit japanischen Süssigkeiten im Schuh einherging.
Wie Ihr wisst, studiert Frau Renfra fleissig Japonesisch. Nach 5 Monaten intensivsten Lernens, kann sie jetzt doch schon „guten Tag“ sagen.... Nein, Spass bei Seite, man darf stolz auf sie sein. Am Telefon eine Restaurantservierung, Essensbestellungen, viele kleine Fragen des täglichen Lebens sind bereits möglich. Herr Renfra kann den Durchhaltewillen, Fleiss und das, was ihm schon sehr gut klingend erscheint nut bestaunen. Er selbst hinkt da doch noch arg zurück. Der anstrengende Job lässt ihm wenig Zeit für ein Studium am Abend und der Unterrricht in der Firma 2x die Woche morgens, muss immer wieder aus Termingründen abgesagt werden. Das wirft ihn zurück und in der nächsten Stunde stammelt er sich wieder einen ab. Die Hilflosigkeit in Restaurants, die keine Bildchen haben oder in Geschäften, steht ihm im Gesicht geschrieben. Manchmal tritt so etwas wie Verzweifelung auf:“ sprecht doch endlich Englisch mit mir“ ! Das Sushi-Essen beherrschen beide hervorragend; boese Zungen sollen bereits etwas von Fischhäuten zwischen den Händen gesagt haben... Überhaupt sehen beide das japanische Essen eher posi- als negativ.
An die vielen Menschen haben sich die beiden (Ren und Fra) noch immer nicht gewöhnt. Diese ewige aus Strassen, Bahnhöfen, Häusern und Geschäften quellende Masse, fast überall und fast zu jeder Zeit. Zumindest aber auf dem Weg nach Hause, von der Bahnstation, in den kleinen Strassen des Dorfes in der Stadt, ihrem Wohnviertel, sind plötzlich keine mehr. Wird am Bahnausgang noch etwas gedrängeld, so ist es draussen, links um die Ecke auf einmal leer. Wie schön, wie Urlaub. Erleichtert geht man nach Hause.
Den Urlaub im September haben die Renfra’s mal wieder in Northqueensland/Australien/Down Under verbracht. Frank hat seinen Tauchschein gemacht – das Auf- und Absetzen der Taucherbrille unter Wasser war eine neue Erfahrung (also wie war das jetzt doch gleich wieder: durch die Nase ein und den Mund aus oder umgekehrt?) – wÄhrend Renate den Massagemarkt vorort analysiert hat. Die Gegend um Port Douglas wurde weiter inspiziert und es bestand durchaus die Gefahr des Grundstückkaufs.
Rückblickend verging die Zeit mal wieder im Flug. Herr Renfra’s neuer Job stellte sich doch als anstrengender und anspruchsvoller heraus als angenommen. Veränderungen lassen sich nun mal nicht so schnell umsetzen, schon gar nicht in Japan. Eine Truppe voll schwieriger Charaktere, ein seit Jahren schlechtes Ergebnis (das nun der Neue endlich nach oben bringen soll), Personalprobleme in Japan und Nachbarländern, Sprach- und Mentalitätsprobleme und ach ja, die interne Politik natürlich. Eigentlich braucht es keine Kunden, es gibt genug nach innen hin zu tun. So gilt es also wegen jedem Firlefanz Allianzen zu bilden, Lobbyarbeit zu leisten. Und dann ist da auch noch ein deutscher „Chief Financial Officer“, der zu früh zu hoch kam und sich nun für
a) am schlausten hält (wer seinem Intellekt nicht entspricht, mit dem spricht er erst gar nicht),
b) genau weiss, wie man mit den Japsen umgehen muss (deshalb kann ihn aus seiner Gruppe auch keiner leiden),
c) glaubt alle hätten nur auf ihn gewartet, damit er die DJ rettet und endlich ordentliche Regeln einführt,
d) sich über’s Rechthaben definiert und eigentlich ein riesiges Persönlichkeitsproblem hat. Also genau der Typ von Mensch mit dem Herr Renfra bestens auskommt.
Die Musik kam für Frank eher zu kurz dieses Jahr. Etwas Didgeridoo üben, an einem neuen Soloprogramm basteln - das war’s dann aber auch schon. Über eine Annonce im Tokyo Notice Board haben sich einige Kontakte ergeben: ein paar US-Jungs, die ab und an jammen, ein Schotte sowie eine Japanerin, die Klavier und Schlagzeug spielt. Mit Keith, dem Mandolinenspieler aus Schottland mit dem lustigen Akzent, den man kaum versteht, gab es immerhin schon 2 Treffen. Frau Renfra fühlt sich wohl, insbesondere in unserem Haus. Sie hat doch etliche neue Bekanntschaften gemacht: eine Französin, Holländerin, Schwedin, Kanadierin – klar Deutsche auch. So sind zwei Kollegenfamilien z.B. sehr nett. Und weil wir uns immer noch mit Dormann’s sehr verbunden fühlen, haben wir uns mit Dagmar’s jüngerem Bruder und seiner Brasilianischen Frau etwas angefreundet.
Umgesehen haben sich dei Renfra’s bisher hauptsächlich in Tokyo. Frank braucht die Wochenenden echt zum Abhängen und Ausflüge sind, wie schon in Korea, verkehrstechnisch eher nervig. Nimmt man den Zug, muss man mit etlichen 100 Euro für 2 Personen rechnen, nimmt man Auto oder Motorrad muss man teure Autobahngebühren zahlen, um möglichst zügig aus Tokyo herauszu- kommen. Als die Renfra’s einmal zu einem Ausflug mit 2 Freunden in derem nagelneuen Auto auf- brachen und die Autobahngebühren sparend sich mit Hilfe des GPS-Systems (natürlich auf japanisch) im Wagen aus der Stadt schleichen wollten, kamen sie statt der geplanten 100 km ganze 28 km weit. Staus und Verfahren wechselten sich ab. Lag das Ziel der Holländer zunächst noch auf der anderen Seite der Insel, so war dann ein nah gelegener See, ein durchaus auch noch anspruchsvolles Ziel. Das Ganze war nur mit viel Galgenhumor zu meistern. Potato Icecream gefällig? Auch so etwas gibt es hier und es chmeckt gar nicht mal so schlecht. Entdeckt haben wir es in Kamakura, eine Stadt ausserhalb Yokohamas, eine schöne Gegend mit vielen Tempel bzw. Schreinen (Tempel = Budhistsich, Schrein = Schinto).
Und nun das Übelste: Herr Renfra hat geschwindelt. Hatte er doch Renate versprochen, in Tokyo gäbe er keinen richtigen Winter. Meist wäre es von Dezember bis März etwas frisch, aber mit viel blauen Himmel. Derzeit bereiten wir uns auf weisse Weihnachten vor... Dieser Tage ist es eher grau und gesten hat es von 5 Uhr früh bis zum Nachmittag geschneit. Ja,ja richtig gelesen: GESCHNEIT. (Fotos siehe Webseite.) Wegen der Leichtbauweise der Häuser ohne Heizung, können Renfra’s nur mit Aircon heizen. Da das hier ziemlich ans Geld geht, ziehen sich Ren und Fra meist ins Schlaf- und Arbeitszimmer zurück. Gegen den Zug durch alle Ritze wurden eiligst lauter Vorhänge organisiert und vor die Fenster gehängt. Zusätzlich schmückt noch ein alter Läufer die Haustür von innen. Echt heimelig.
Und dann war da noch der Japonese, der uns in der Bahn nach dem schönsten deutschen Wort gefragt hat. Hallo Leute, lasst uns Euer schönstes deutsches Wort wissen, damit wir eine Auswahl für das nächste Mal haben. Danke für die zahlreichen Zuschriften im voraus.
Wir bedanken uns bei den netten Besuchern Susanne, Claus und Ralp (der 1000 Digitalbilder-Mann), durch die wir auch wieder Neues in Tokyo entdeckt und die uns mit KÄSE und anderen LECKEREIEN versorgt haben. Wir freuen uns bereits jetzt auf die nächsten Besucher und darauf, wenn Sie wieder gehen... ;-) ;-) Da es Weihnachten in Japan eigentlich gar nicht gibt (allerdings ist die Stadt zwecks riesen Kommerz bereits festlich geschmückt) werden wir ein paar freie Tage in und um Tokyo verbringen, mit Freunden brunchen und feiern und irgendwie ins neue Jahr hinüber schlurfen. Vielleicht auf Stäbchen und mit Sushi in den Backen.... Wir sind auf alle Fälle vor Euch drin.
Wir wünschen Euch allen ein schönes Weihnachtsfest mit all den überflüssigen Geschenken, fetten Braten und zig Flaschen guten Wein, einen guten Rutsch ins neue Jahr und einfach alles Gute, was Ihr Euch auch wünschen würdert. Vergesst uns hier am anderen Ende der Welt nicht.
Renate & Frank