Nippon News Letter April 2003

Liebe Leser,

Verpacktes Japan

Die Japaner lieben es alles zu verpacken. Wie im gesellschaftlichen Leben die Form der Kommunikation wichtiger ist als der Gehalt, so ist auch die Verpackung wichtiger als der Inhalt. Während das Buch, dass verschenkt werden soll, schon fast unwichtig ist, kommt es darauf an, die Verpackung richtig auszuwählen. Edel sollte sie sein und den besten Buchladen der Stadt kennzeichnen. Auch wird vieles gleich mehrfach verpackt. Das Praline in ein Papier, dann mit Folie umwickelt in eine kleine und dann in eine grosse Schachtel. Heute hatten wir Lust auf etwas vom Bäcker, dass wir noch nicht kannten. Nur ein kleines Etwas, eingepackt in erst einen kleinen Plastikbeutel und dann eine grössere Plastiktüte. Wohin geht eigentlich dieser ganze Plastikmüll der ca. 20 Millionen Japonesen im Grossraum Tokyo?

Endlich mal zusammen raus aus Nippon und der Reiz der Kirschblüte Im März haben Renfra’s fuer 2 Wochen Tokyo den Rücken zugekehrt. Oft erinnert sich der Mensch ja der guten Seiten erst, wenn er sich derer eine Zeit lang entzieht. Die beiden grübeln z.Zt. was es denn sein könnte, was sie vermisst haben... Also wo waren sie: Zunächst in Deutschland

- Freunde nicht besuchen, deren Tochter sich entschlossen hatte die Windpocken zu bekommen, als Renfra’s schon auf dem Weg dorthin waren – es lebe das Handy.

- Herr Renfra nahm an einem ‚global sales meeting“ teil. Sitzen von 8:00 morgens bis 19:00 abends, nur unterbrochen durch kurze Kaffepausen direkt vor dem Tagungsraum sowie dem Mittagessen im Nachbarraum; naja, Bewegung schadet ja bekanntlich der Gehirntätigkeit. Am Abend dann eine Weinprobe, also wieder sitzen und zuhören, damit man nicht auf den Gedanken kommt einen kleinen Waldlauf oder gar die Unterhaltung mit einem Kollegen ins Auge zu fassen...

- Die Familien besuchen, Geschwister treffen und dann doch ein paar liebe Freunde sehen. Leider reicht die Zeit wie immer nicht alle zu sehen oder sprechen. Sorry, guys!

Ach ja, die Zeit reichte auch noch für das lieblings Cafe in Darmstadt; gleich 3x, zugegeben.

Dann ging’s weiter nach Bangkok. Für Fra beruflich, für Ren lessure: am Pool liegen, nach Chinatown zum Stoff kaufen, damit die Schneiderin unserer Freunde in Bangkok etwas nettes daraus macht.

Zwei Tage waren Urlaub und gings zurück nach Tokyo, mit einer Illusion weniger. Der nämlich, dass die Kischblüte, das Wunder Japans ist. Viele blühende Obstbäume sind wunderschön anzusehen, nur gibt’s die in Ffm auch. Und nicht nur da. Plötzlich waren sie überall. Nun erfreuen sich die Renfra’san den wenigen Blüten ihres Minibäumchens in ihrem Minigarten und bleiben den grossen Parks, den Cherry-Blossom Festivals mit den Menschenmassen jetzt im April einfach fern.

EineWG Fete

Einer der Kolleginnen in Frau Renfra’s Japanisch-Schule ist eine Modedesignerin, die sich in Japan den Nipponschliff holen will. Sie lebt in einer WG, die zu einer Fete eingeladen hatte. Da Tokyo teuer ist und solche Leute noch wenig Geld haben, wohnen sie in einer Art Studentenheim. Ein Hochhaus, dass aussen teilweise mit Netzen versehen ist. Falls es einmal anfängt auseinander zu bröckeln? Interessant, wie man wohnen kann. 2 Jungs und 2 Mädels bringen sich dort unter. In das Boys-Klo passt nicht mal unser grosser Koffer. Ein echter Discjockey war engagiert und die beiden männlichen WG Bewohner kochten allerlei Leckeres, was sie immerfort in kleinen Portionen anboten. Das junge japonesiche Volk verschlang an Alk alles, was es gab. Am gefragtesten waren ausländische Spirituosen. Unwichtig die Qualität des Rotweines oder des Sektes, hauptsache ein französischer, spanischer oder italienischer Name ziert das Etikett. Alles rein in den Pappbecher und ab in den Schlund. Belustigt und ein wenig aussen vor, beobachtete Herr Renfra wie sich manch noch etwas milchbübiger Jungspunt, leicht bedüdelt ans baggern machte und sich manch kurzbeiniges, püpchenhaftes Mädel kickernd abwechselnd mit dem jungen Gaijin und ihrem fotografierendem Handy beschäftigte. Waren es nicht damals Lambrusko vom Aldi und Mädels mit Ringel –Tshirts und Frauen-Power- Aufklebern?

Anfang März hat Herr Renfra an einem 2 wöchigen, halbtägigen Japanisch-Crashkurs des Japonicums (Essen) an der Deutsch-Japanischen Handelskammer teilgenommen. Die auf NLP und Birkenbihl-Prinzipien basierende Lehrmethode war genau das richtige für ihn, auch wenn es so neben dem Job recht anstrengend war. Nach so langer Zeit mal wieder richtig die Schulbank drücken, ist gewöhnungsbedürftig. Nun lassen sich manche schriftlichen Mitteilungen, trotz dass (oder gerade weil?) sie in egnlisch verfasast sind, besser verstehen. Verwendet ein Japonesicher Mitarbeiter seinen gewohnten japanischen Satzaufbau, kann das im Englischen zu schwer verständlichen Formulierungen führen, die sich nur zeitaufwendig entschlüsseln lassen. Es fängt an damit, dass man am besten den Satz zunächst einmal rückwärts liesst. Um das Ganze für unsere westliche Leserschaft zu verdeutlichen, hier ein paar Beispiele, die erst das japonesische Wort, dann die wörtliche Übersetzung und schliesslich die sinngemässe Bedeutung aufzeigen.

Aus dem Tagebuch des Herrn Renfra:

Ich mag sie nicht sehen, in der Station, der Bahn, in vollen Strassen und Kaufhäusern. Ich drücke mir die Mini-Kopfhörer in die Ohren, um mich abzuschotten. Ein noch so verschrobenes Gesicht wird attraktiv, wenn ein guter Character dahinter steht, wenn ein liebenswürdiger Mensch zum Vorschein kommt. In der Masse aber wird alles manchmal zu einer einzigen hässliche Fratze….oder zu einer Art Muppetshow. Manchmal ist Asien einfach zuviel.

Japan und der Iraqkrieg

Wie vieles wird auch dieses Thema nicht so offen besprochen, zumindest nicht innerhalb der Firma. Einmal jedoch gab ergab die Raucherecke in der Officeküche einen Einblick in die japanische Einstellung zu diesem Thema: man sei eher dagegen, müssten den USA aber Unterstützung geben, da Japan von deren Schutz vor einem ausgerasteten Nordkorea abhängig sei. Wie Deutschland dürfe Japan ja keine aufgerüstete Armee haben und könne sich daher alleine nicht ausreichend verteidigen, falls…

Last Minute News

Frau Renfra hat einen Freelancer-Job beim deutschen TÜV (Rheinland) in Yokohama. Das erste Projekt ist deren technische Präsentationen kundengerecht auf Vordermann zu bringen. Nun hockt sie abends voll motiviert vor dem PC. Da sass sie vorher auch schon, aber für’s Düsen durchs Internet bekommt man selten Geld.

Froehliche Ostern euch allen

Renate & Frank

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