Nippon News Letter April 2002

Seit Maerz nun heisst unsere neue Wahlheimat Tokyo. Mitte des Monats zogen wir in unser schoenes, neues Dominizil. Eine Luftfrachtsendung brachte ein Survival Kit in das sonst noch voellig leere Haus: 2 Klappstuehle, ein Klapptisch aus Holz, eine Luftmatratze fuer zwei (die man jeden Abend auf’s Neue aufpumpen muss – etwas Bewegung braucht jeder), einen Fernseher (mit dem wir noch gar kein Programm empfangen koennen, da wir zwar eine nageleneue Satelitenschuessel umsonst vorfanden, aber die Bedienungs-anleitung nicht lesen koennen, da tuto kompleto auf japanisch) und dazu einen Videorecorder (mit dem wir wenigstens Filme ausleihen koennen, auch wenn wir uns in der Videothek nur mit Grimassen und Gestikulieren verstaendigen koennen).

Desweiteren haben wir einige wenige Kuechenartikel, ein Radio mit CD-Spieler, etliche CD’s (ohne haelt es Frank je eh nicht aus), ein paar Buecher (Frank verschlingt gerade Petra Hammesfahr wie sein morgendliches Muesli) sowie eine Grundausstattung an Klamotten und Schuhen. Wir sind beigeistert von unseren Reich, besonders von der Holzterrasse. Ein erstes Sonnenbaden war schon drin.

Und nun die Schlagzeilen des Monats:

·        Familie Renfra (Renate&Frank) hat noch keinen Telefonanschluss. Den muss man hier kaufen, was auf offiziellen Wege fast DM 1000 kostet. Die Firma von Herrn Renfra uebernimmt dies nicht, nur keiner seiner deutschen Kollegen hat bisher dafuer bezahlt. Was also tun? Auslaendermagazine einsammeln und Anzeigen nach Verkaufsanzeigen zum reduzierten Preis absuchen oder noch besser einen japanischen Mitarbeiter finden, der eine Telefonlinie uebrig hat und sie sogar kostenfrei temporaer (2-3 Jahre) abtritt. Allerdings, die Buerokratie arbeitet auch hier nicht so irre schnell. Geduld, Geduld, wir sind dran …

·        Wenn’s richtig gemuetlich werden soll, verkriecht sich Fam. Renfra auf die Luft-matratze, wegen des flexiblen Luftein- und Auslasses eine Art Ersatzwasserbett. Der naechtliche Badbesuch bringt dem verbleibenden Mitschlaefer eine schaukelnde Lageveraenderung. Ausser dem Zaehneputzen gilt vorm Schlafengehen: heute schon gepumpt?

·        Die Soehne der aufgehenden Sonne haben das Toilettenpapier sicher nicht erfunden. Entweder gilt hier in dem sehr teurem Tokyo die Sparregel oder das Zeug wird auch aus Reispapier hergestellt. Oft einlagig, hauchduenn, gefuehlsecht, koennte es den Verhueterlis glatt Konkurrenz machen. So sei dem Einwanderer aus Deutschland angeraten ausser den ueblichen 100 Dosen Bierwurst, 50 Glaesern Schattenmorellen, auch etliche Kartons Aldi-Klopapier in den Container zu packen.

·        Einer geht noch, einer geht noch nei……Nach diesem Motto lieben die Japaner das Bahnfahren, insbesondere zu den Stosszeiten an den Hauptknotenpunkten. Oder anders herum: Von morgens ca. 8:00 bis 9:00 und abends von 18:00 bis 20:00 ist es Stosszeit (schubs den Nachbarn). Oder aber auch Freitags- und Samstagsnachts, wenn die Massen sich aus den Kneipen, Restaurants, Kinos auf den Heimweg machen. Quetschen macht einfach Spass. Ein besonderes Vergnuegen ist dem Japaner das Rueckwaerts-Hineinschieben, in den eigentlich bereits berstenden Eingangsbereich. Wie gesagt, einer geht noch…. Geil wird’s wenn die Bahn in Kurven geht oder staerker abbremst, denn dann wird im Waggon neu gemischt.  Nicht ganz so begeistert ist allerdings Herrn Renfra. Waehrend Frau Renfra die Sache mit Belustigung betrachtet, wartet er lieber auf die naechste Bahn (der Betreiber freut sich ueber die Kundentreue und schickt seine Bahnen im 2-3 Minutentakt) und fluechtet moeglichst weit ins Innere der Bahn. Besorgt denkt er an die Zeit im Sommer…

·        O-Bein- und Schlaeppchen-Fetischisten kommen in Tokyo auf Ihre Kosten. Zierliche Damen stoeckeln in super kleinen Schlaeppchen mit oder ohne Riemchen in Massen durch die Bahnhofsstationen und Haupstrassen. Ebenso kleine Handtaschen, meist Einkaufstaschen mit beruehmten Markenamen, welche die Frau von Welt kennzeichnet, verzieren das Bild noch etwas. Wahnsinn Leute, eine Welt voller Barbies, noch dazu mit so herrlichen O-Beinen (die Kinder werden wie auch in Korea meist mit gespreitzten Beinen auf dem Ruecken der Mutter getragen), die staendig Gefahr laufen umzuknicken oder ganz aus den Schlappen zu kippen. Dazu ggf. Grell-blond oder roetlich gefaerbte Haare. Die junge Frau, weiss was modern ist und die Alten etwas schockt. Noch juengere stehen ihren westlichen Kolleginnen mit diversen Piercings und Miniroecken in nichts nach. Und keiner schaut hin! Selten sieht man einen Japaner den Maedels hinterherschauen. Kein Tropfen italienischen Bluts in den Adern. Dafuer glotzen sie aber ungeniert in der Bahn in pornographische Comics.

·        Nix verstehn oder hilflos wie ein Kind: Nicht Japanisch sprechen zu koennen macht das Leben hier nicht gerade leichter. Nur weniges gibt es in englischer Sprache. Nur an den Hauptbahnstationen gibt es ausreichend englische Beschriftungen und Erklaerungen. Wie heisst unsere Zielstation auf Japanisch? Wieviel kostet die Fahrkarte? In welche Richtung muessen wir eigentlich? Wie verstehe ich den Kartenautomaten? Wir lernen sozusagen wieder laufen. Mist, der Eingangsautomat lehnt das Ticket ab. Haben wir schon wieder die falsche  Fahrkarte gezogen? Langsam koennten wir sie eigentlich sammeln…. Aber sie sind ja hilfsbereit, die Japaner. Wenn sie es bemerken und wenn wir mal wieder so hilflos dreinschauen, dann kommt oft jemand und bietet Hilfe an. Und bevor der Beamte am Schalter sich mit einem Alien herumschlagen muss, tauscht er die Karten lieber schnell um. Wo immer Familie Renfra reinkommt, schiebt sich ihr ein Schwall von begruessenden Redewendungen ins Ohr. Das klingt manchmal wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Wenn man nur wuesste, ob man wirklich freundlich begruesst oder zum sofortigen Verlassen der Lokalitaet aufgefordert wird. Um die Huerden zu nehmen bleibt den Renfra’s nur das Sprachstudium uebrig. Easy bei 2 Alphabeten und Chinesichen Schriftzeichen, die durchaus vermischt in einem Wort oder Satz vorkommen koennen. Die eine gilt fuer die eigene Sprache, die andere fuer ein-japanisierte Begriffe (Ei-su-ku-rimu = Icecream – das u wird fast verschluckt oder san-do-itschi = sandwhich oder han-ba-ga = …? richtig: Hamburger! Aus dem chinesich Uebernommenes wird in original Kanji-Zeichen verwendet. Die Renfra’s scheinen bei ersten Sprechversuchen noch etwas unkonzentriert und wirken leicht vergesslich. Wir halten Euch auf den Laufenden.

P.S.:

Wir haben es geschafft und sind nun doch stolze Besitzer eines Telefonanschlusses. Den Telefonapparat selbst haben wir auch organisiert, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Achtung: auch der Anrufbentworter spricht japanisch. Nicht verzagen, Micky Mouse- Gelaber abwarten und loslegen. Ab Mitte April haben wir dann auch unsere ADSL Line fuers Internet. Dann findet Ihr diesen News Letter auch auf unserer Home Page www.geocities.com/move2tokyo zusammen mit einigen Bildern.

Bitte notieren:

Renate Allert & Frank Frikker                                                                                    
Pine Village
1-11-15 Matsubara
Setagaya-ku
          Tokyo
Telf.: 0081 (0)3 3328-5707      Mobile Frank: 0081 (0)90 5544 7949
eMail-Adressen wie bisher      
[email protected]

 

 

 

 

 

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