Und nun die Schlagzeilen
des Monats:
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Familie Renfra (Renate&Frank) hat noch keinen
Telefonanschluss. Den muss man hier kaufen, was auf offiziellen Wege fast DM
1000 kostet. Die Firma von Herrn Renfra uebernimmt dies nicht, nur keiner
seiner deutschen Kollegen hat bisher dafuer bezahlt. Was also tun?
Auslaendermagazine einsammeln und Anzeigen nach Verkaufsanzeigen zum reduzierten
Preis absuchen oder noch besser einen japanischen Mitarbeiter finden, der eine
Telefonlinie uebrig hat und sie sogar kostenfrei temporaer (2-3 Jahre) abtritt.
Allerdings, die Buerokratie arbeitet auch hier nicht so irre schnell. Geduld,
Geduld, wir sind dran …
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Wenn’s richtig gemuetlich werden soll, verkriecht
sich Fam. Renfra auf die Luft-matratze, wegen des flexiblen Luftein- und
Auslasses eine Art Ersatzwasserbett. Der naechtliche Badbesuch bringt dem
verbleibenden Mitschlaefer eine schaukelnde Lageveraenderung. Ausser dem
Zaehneputzen gilt vorm Schlafengehen: heute schon gepumpt?
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Die Soehne der aufgehenden Sonne haben das
Toilettenpapier sicher nicht erfunden. Entweder gilt hier in dem sehr teurem
Tokyo die Sparregel oder das Zeug wird auch aus Reispapier hergestellt. Oft
einlagig, hauchduenn, gefuehlsecht, koennte es den Verhueterlis glatt
Konkurrenz machen. So sei dem Einwanderer aus Deutschland angeraten ausser den
ueblichen 100 Dosen Bierwurst, 50 Glaesern Schattenmorellen, auch etliche
Kartons Aldi-Klopapier in den Container zu packen.
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Einer geht noch, einer geht noch nei……Nach diesem
Motto lieben die Japaner das Bahnfahren, insbesondere zu den Stosszeiten an den
Hauptknotenpunkten. Oder anders herum: Von morgens ca. 8:00 bis 9:00 und abends
von 18:00 bis 20:00 ist es Stosszeit (schubs den Nachbarn). Oder aber auch
Freitags- und Samstagsnachts, wenn die Massen sich aus den Kneipen,
Restaurants, Kinos auf den Heimweg machen. Quetschen macht einfach Spass. Ein
besonderes Vergnuegen ist dem Japaner das Rueckwaerts-Hineinschieben, in den
eigentlich bereits berstenden Eingangsbereich. Wie gesagt, einer geht noch…. Geil
wird’s wenn die Bahn in Kurven geht oder staerker abbremst, denn dann wird im
Waggon neu gemischt. Nicht ganz so
begeistert ist allerdings Herrn Renfra. Waehrend Frau Renfra die Sache mit
Belustigung betrachtet, wartet er lieber auf die naechste Bahn (der Betreiber
freut sich ueber die Kundentreue und schickt seine Bahnen im 2-3 Minutentakt)
und fluechtet moeglichst weit ins Innere der Bahn. Besorgt denkt er an die Zeit
im Sommer…
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O-Bein- und Schlaeppchen-Fetischisten kommen in
Tokyo auf Ihre Kosten. Zierliche Damen stoeckeln in super kleinen Schlaeppchen
mit oder ohne Riemchen in Massen durch die Bahnhofsstationen und Haupstrassen. Ebenso
kleine Handtaschen, meist Einkaufstaschen mit beruehmten Markenamen, welche die
Frau von Welt kennzeichnet, verzieren das Bild noch etwas. Wahnsinn Leute, eine
Welt voller Barbies, noch dazu mit so herrlichen O-Beinen (die Kinder werden
wie auch in Korea meist mit gespreitzten Beinen auf dem Ruecken der Mutter
getragen), die staendig Gefahr laufen umzuknicken oder ganz aus den Schlappen
zu kippen. Dazu ggf. Grell-blond oder roetlich gefaerbte Haare. Die junge Frau,
weiss was modern ist und die Alten etwas schockt. Noch juengere stehen ihren
westlichen Kolleginnen mit diversen Piercings und Miniroecken in nichts nach. Und
keiner schaut hin! Selten sieht man einen Japaner den Maedels hinterherschauen.
Kein Tropfen italienischen Bluts in den Adern. Dafuer glotzen sie aber
ungeniert in der Bahn in pornographische Comics.
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Nix verstehn oder hilflos wie ein Kind: Nicht
Japanisch sprechen zu koennen macht das Leben hier nicht gerade leichter. Nur
weniges gibt es in englischer Sprache. Nur an den Hauptbahnstationen gibt es
ausreichend englische Beschriftungen und Erklaerungen. Wie heisst unsere
Zielstation auf Japanisch? Wieviel kostet die Fahrkarte? In welche Richtung
muessen wir eigentlich? Wie verstehe ich den Kartenautomaten? Wir lernen
sozusagen wieder laufen. Mist, der Eingangsautomat lehnt das Ticket ab. Haben
wir schon wieder die falsche Fahrkarte
gezogen? Langsam koennten wir sie eigentlich sammeln…. Aber sie sind ja
hilfsbereit, die Japaner. Wenn sie es bemerken und wenn wir mal wieder so
hilflos dreinschauen, dann kommt oft jemand und bietet Hilfe an. Und bevor der
Beamte am Schalter sich mit einem Alien herumschlagen muss, tauscht er die
Karten lieber schnell um. Wo immer Familie Renfra reinkommt, schiebt sich ihr
ein Schwall von begruessenden Redewendungen ins Ohr. Das klingt manchmal wie
auf dem Hamburger Fischmarkt. Wenn man nur wuesste, ob man wirklich freundlich
begruesst oder zum sofortigen Verlassen der Lokalitaet aufgefordert wird. Um
die Huerden zu nehmen bleibt den Renfra’s nur das Sprachstudium uebrig. Easy
bei 2 Alphabeten und Chinesichen Schriftzeichen, die durchaus vermischt in
einem Wort oder Satz vorkommen koennen. Die eine gilt fuer die eigene Sprache,
die andere fuer ein-japanisierte Begriffe (Ei-su-ku-rimu = Icecream – das u
wird fast verschluckt oder san-do-itschi = sandwhich oder han-ba-ga = …?
richtig: Hamburger! Aus dem chinesich Uebernommenes wird in original
Kanji-Zeichen verwendet. Die Renfra’s scheinen bei ersten Sprechversuchen noch
etwas unkonzentriert und wirken leicht vergesslich. Wir halten Euch auf den
Laufenden.
P.S.:
Wir haben es geschafft
und sind nun doch stolze Besitzer eines Telefonanschlusses. Den Telefonapparat
selbst haben wir auch organisiert, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Achtung:
auch der Anrufbentworter spricht japanisch. Nicht verzagen, Micky Mouse-
Gelaber abwarten und loslegen. Ab Mitte April haben wir dann auch unsere ADSL
Line fuers Internet. Dann findet Ihr diesen News Letter auch auf unserer Home
Page www.geocities.com/move2tokyo zusammen mit einigen Bildern.
Bitte notieren:
Renate Allert &
Frank Frikker
Pine Village
1-11-15 Matsubara
Setagaya-ku
Tokyo
Telf.: 0081 (0)3 3328-5707 Mobile
Frank: 0081 (0)90 5544 7949
eMail-Adressen wie bisher [email protected]