Die Mutter Ute On Ze Kvinsy Street

 

 

Dunkel war’s, der Mond schien helle—

Oder, so stell ich’s mir vor!

Als die Ute—blitzeschnelle

Rausgeschluepft vom untrigen Tor.

 

Das Taxi kam—der Doktor schlief—

Die Omi dacht: O weia!

Doch so oft der Opa ihn auch rief,

Der ruhte in der Heia!

 

Doch alles klappte—keine Sorg’—

Es wurd’ in dieser Nacht

Im Schatten der Marienburg

Ein kleiner Sonnenstrahl auf die Erde gebracht!

 

Doch meine Mutters Leben,

Nach diesem ersten Sieg,

Unter einem zweiten Schatten

Musst’ leiden—dem des Kriegs.

 

Was da geschah—es ist nicht leicht

Fuer mich daran zu denken;

Jetzt wo ich selber Mutter, bleicht’s

Gesicht—im Herz: ein Senken…

 

Kozhiin ist drei—da warst Du drin

Im offenen Fluchtessarg

Was Kinderaugen soll’n nicht seh’n—

Das war fuer Dich Alltag

 

Doch wer trotz Schrecken von der Mutter

Und von den Geschwistern,

Von Weitem auch vom Vater

Durch das eine Mondesglitzern,

 

Geliebt, getragen und ernaehrt

Mit schwer-verdientem Brot

(Kein Dach, kein Bett, kein Toepfchen, Herd,

Gabs in der grossen Not)

 

Wer Liebe fuehlt, Geborgenheit

Und Holzbankpuppenfreude

Die Waerme in der Winterzeit

Ob Stube oder Scheune

 

Nachts zugedeckt und nie allein

Wer sowas hat, kann leben

Als heiles Maedchen, heile Frau

Und Liebe weitergeben.

 

Mit grosser Schleife, braunem Haar

Und dicken Apfelbaeckchen J,

Wuchst Du heran, so Jahr fuer Jahr—

Schultuete bis Schminktaeschchen!

 

Von Burscheid bis Berlin und England

Arkansas und hier—

Mutter Ute on ze Quincy Street

Die ist ein liebes Tier!

 

Einerseits bist ernst und fleissig

Wie man’s selten sieht

Du giesst die Blum’n bis zwoelf Uhr dreissig

Und singst dabei ein Lied

 

Du schuftest bis der Ruecken kracht

Und schuftest dann auch weiter

Du hebst die Moebel, baeckst und kochst

Organisierst den Speicher—

 

Frueh aufgestanden, “lunch” gepackt

Isst selber nur im Stehen

Die lieben Zettel in den Sack

So wie von kleinen Feen.

 

“Anpassungsfaehig” nennst Du Dich

Du bist fuer mich viel mehr

Durch Zeiten Gold und Zeiten Pech

Bist Du immer, immer fair.

 

Zum 61. Alles Gute

Du kriegst heut’ Geschenke, und keine Rute!

 

HERZLICHEN GLUECKWUNSCH ZUM GEBURTSTAG!!!

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