| 17 December 2006 | |
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The article on the right is
taken from this months's brandeins
magazine. I like it very much. I like it so much that I will rpobably
translate it (an other day...) So if you don't speak German you're stuffed
right now LOL I especially like the last sentence. I've also posted an English article form the Guardian below. It made me laugh! |
brand eins 12/2006 Kultur-Kolumne: Mut Wie man zum Helden wird. Text: Peter Lau Eine meiner deutlichsten Erinnerungen an meine Jugend ist eine Seite eines Superhelden-Comics. Ich habe damals Tausende dieser Hefte gelesen, in denen übermenschliche Wesen mit übermenschlichen Kräften übermenschliche Probleme lösen, doch diese Seite faszinierte mich besonders. Es ging mal wieder um einen großen Kampf gegen ein Wesen, das drohte, die Erde zu zerstören. Die eigentlichen Helden der Serie lagen geschlagen am Boden, und so leistete nur noch eine Gestalt Widerstand, die eigentlich zu den Bösewichten gehörte. Aber auch dieser überraschende Held war fast am Ende, seine Maschinen zerstört, sein Plan gescheitert. Trotzdem tobte er über eine Seite, vier Bilder lang, mit seinen bescheidenen Möglichkeiten gegen ein galaktisches Wesen, dem er offensichtlich hoffnungslos unterlegen war. Der Text dazu war knapp: Dies sei sein letzter Widerstand, nichts stände jetzt noch zwischen ihm und der Vernichtung außer seinen Waffen, seiner Rüstung und „unglaublichem Mut“.
Ich halte Mut für eine essenzielle Grundlage des Lebens. Man könnte sagen,
das liegt an einer Überdosis Comics in jungen Jahren, aber das ist nur die
halbe Wahrheit. Die andere Hälfte, die dunkle Seite, habe ich von meiner
Mutter gelernt. Meine Mutter hatte Angst zu fallen. Man kann das
metaphorisch sehen, das wäre nicht falsch, aber es drückte sich
realitätsnäher aus: Sie hatte Angst hinzufallen, eine Treppe hinunter,
über eine Schwelle, auf dem Gehweg, und verletzt zu sein, Schürfwunden,
Platzwunden, Knochenbrüche zu haben. In meiner Jugend sah ich zu, wie
meine Mutter immer vorsichtiger wurde, irgendwann nur noch mit Gehhilfen
lief und schließlich im Rollstuhl saß: Ihre zunehmend weniger genutzten
Muskeln hatten sich zurückgebildet. Aus ihrer Angst zu fallen, war ihre
Unfähigkeit zu gehen geworden.
Die
Superhelden und meine Mutter nahmen mich also in die Zange, und so liebe
ich heute Leute, die Sachen machen, zu denen man Mut braucht. Zum Beispiel
Banksy, der seit Jahren London und andere Städte mit Bildern verschönert,
die er mit Schablonen an Wände sprüht – illegal natürlich. Im vergangenen
Jahr erschien der Band „Wall and Piece“, eine Werkschau, in der neben
groß-artigen Graffitis auch Straßenskulpturen aus Pylonen zu sehen sind
und selbst gebastelte Ausstellungsstücke, die er in Museen einschmuggelte
– ebenfalls illegal. Erschienen ist das Buch aber nicht etwa bei einem
kleinen Anarcho-Verlag, sondern bei Random House, also Bertelsmann: Banksy
nutzt den globalen Konzern, um allen zu zeigen, was geht, wenn man sich
nicht erwischen lässt – das nenne ich ideologiefrei! Oder die Amerikaner,
die sich für den wunderbaren Fotoband „Sex Machines“ porträtieren ließen:
ganz normale Leute, die das herstellen, was der Titel verspricht, und die
sich nicht etwa verstecken, weil ihnen das peinlich ist. Nein, sie
erzählen, wie sie dazu gekommen sind und wozu es gut ist, daneben Bilder
von ihnen mit ihren Maschinen, in ihrer Garage oder in ihrem Garten. Kann
sein, dass da mancher „perverse Sau“ denkt, aber da muss er eben durch.
Der Hippie-Philosoph Timothy Leary glaubte, Mut sei ebenso eine Gewohnheit wie Angst. Ich glaube das auch. Nicht nur wegen meiner Mutter. Auch wegen der Schleimbeutel, die ihr Rückgrat gegen einen Satz Bedeutungsträgerkrücken eingetauscht haben: Die sind nicht nur so unerträglich, weil sie ihren Chef für einen Heiligen halten, auch wenn der dümmer ist als der Stuhl, auf dem er sitzt. Nein, diese Leute haben auch sonst nichts zu sagen: Sie gucken CSI und Bollywood, lesen Daniel Kehlmann, hören Diana Krall, und Kunst heißt für sie Jeff Koons. Wobei ich gegen all das nichts sagen will. Aber fragt man den Schleimbeutel nach seinen Interessen, antwortet er in Phrasen, zusammengeklaut aus hippen Magazinen: Die Mutlosigkeit im Beruf setzt sich in der Freizeit nahtlos fort – gut ist, was alle gut finden.
Ich glaube an die persönliche Evolution. Wir werden als Menschen geboren
und entwickeln uns weiter. Manche werden zu Schleimbeuteln oder zu
Arschlöchern. Aber wir können auch Helden werden. Der Held unterscheidet
sich vom Rest der Mensch-heit dadurch, dass er mehr tut, als man von ihm
erwartet. Deshalb beeindruckte mich der Comic-Bösewicht: Er war kein Held,
er musste nichts tun – und tat es trotzdem. Und das kann jeder. Denn es
ist natürlich nicht unser Problem, wenn die Firma von blöden Vorgaben
gelähmt wird, es ist nicht unsere Aufgabe, jeden Schwachkopf auf seine
Denkfehler hinzuweisen, und klar haben wir nichts damit zu tun, wenn ein
Mann auf der Straße seine Frau schlägt. Aber gerade deswegen zählt es,
wenn wir etwas tun. Schließlich geht es am Ende um das eigene Leben. Du
hast die Wahl: Willst du im Rollstuhl enden, mit einem »Spex«-Abo und
einem Jeff-Koons-Druck? Oder willst du lieber ein paar Wände vollsprühen,
auf dem Weg zum Sexmaschinen-Shop? -- Timothy Archibald – Sex Machines: Photographs and Interviews; Process Packaging (Import)
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Guy Browning
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