Wittgenstein

Tragischer Unfall nahm alle Freude über drei EM-Siege
Radsportler verloren in Tschechien ihren Teamkollegen

Wittgenstein. (WP)
Sportlich lief alles bestens: Drei EM-Titel konnte Gerald Mielke-Weyel bei der Europameisterschaft der Gehörlosen im tschechischen Kladno einfahren. Aber für den aus Raumland stammenden Radsportler war es eine traurige EM, denn am fünften Wettkampftag verunglückte Florian Göbel tödlich. Ein Schock für Gerald Mielke-Weyel, der mit dem 19-jährigen Oberkirchner befreundet war.

Am 17. September hatten die Europameisterschaften mit einer Eröffnungsfeier in Lidice, einem Vorort von Kladno bei Prag, begonnen. Gerald Mielke-Weyel, der jetzt in Butzbach bei Frankfurt lebt, aber immer noch Mitglied beim TuS Elsoff ist, häufig seine Eltern in Wittgenstein besucht und hier gerne trainiert, gehörte zum vierköpfigen deutschen Team. Gleich im ersten Wettbewerb, dem Sprint, gelang es ihm, seinen Europameistertitel erneut zu sichern.

Im Viertelfinale gab es mit der Paarung Mielke-Weyel gegen Capek ein vorweggenommenes Finale. Im ersten Lauf setzte sich Mielke-Weyel knapp vor Capek durch, während Capek im zweiten Lauf' ohne Chance war. Im Halbfinale trafen Mielke-Weyel und Göbel aufeinander, Mielke-Weyel siegte. Im Finale lies der Raumländer keinen Zweifel an seiner Überlegenheit und gewann beide Läufe klar.

Am dritten Tag stand das Kriterium über 50 Runden (50 km) auf dem Programm. Das DGS-Team ging ohne besondere Ambitionen an den Start. In der zweiten Hälfte mischte Gerald Mielke-Weyel immer öfter bei den Wertungssprints mit und schob sich an Daniele Albberti (Italien) und Alexei Nazrenko (Moldawien) heran. Nach der vorletzten Wertung lag Alberti mit zwei Punkten in Führung. Gerald Mielke-Weyel behielt in der letzten doppelt zählenden Wertung die Oberhand und sicherte sich Gold.

Beim dritten Wettbewerb fuhr Gerald Mielke-Weyel mit 38.45,08 Minuten die schnellste Zeit. Doch bei diesem Rennen kam es zu dem tragischen Unfall, bei dem Florian Göbel in voller Fahrt gegen einen entgegenkommenden Pkw prallte, der die Absperrung missachtet hatte.

Die erste Runde beim abschließenden 100-km-Straßenrennen wurde zur Gedenkfahrt für den verunglückten Fahrer umgewidmet. Viele Sportler legten Kränze und Blumengebinde an der Unfallstelle nieder, bevor das DS-Team vorzeitig die Heimreise antrat.

Noch ist der Schock angesichts das tragischen Todes des Teamkollegen nicht überwunden, aber im Training findet Gerald Mielke-Weyel Ablenkung. Derzeit bereitet er sich auf die Olympischen Spiele der Hörbehinderten vor, die nicht bei den Paralympics in Australien dabei waren, sondern 2001 in Rom antreten werden.

Zweimal stand Gerald Mielke-Weyel In Tschechien auf dem Siegerpodest, über den dritten EM-Sieg konnte er sich nicht mehr freuen. WP-Foto: privat


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