Der neue Hut
Im Auslagefenster vom Modehaus
Hat ein Damenhut gehangen;
Der sah. ach, so entzückend aus!
Mit welch süßem Bangen.
Stand schauern Dämchen um Dämchen dort
Und wünschte: "Ach könnt ich den tragen!"
Da ward geflüstert manch leises Wort
Da war ein Zischeln und Fragen.
"Entzückend!" "Nicht wahr?" "Was kostet er?"
"Mark hundert steht angeschrieben!"
"Oh Himmel? Das fällt meinem Mann zu schwer!"
"Ich habe einen für sieben!"
Nur eine Dame, die lachte dazu
Und ging in den Laden und sagte:
"Ich möchte den Hut dort. Das ist mein gout"-
Ach wie es am Herzen da nagte...!
Sie sa einen zweiten, ganz ebenso
Das war ja einfach entsetzlich!
>Fast fiel sie in Ohnmacht! Ihr Ach und O!
War berechtigt. Es kam ihr zu plötzlich.
Sie wollte doch die einzige sein
von allen, allen Frauen;
Nun war da ein zweiter! Nein ach, nein!
Sie wollte den Augen nicht trauen.
Doch schrecklich noch! Die Verkäuferin spricht:
"Wir haben fünf von der Gattung!"
"Was sagen Sie?! Das ertrag ich nicht!
Mein Herz versinkt in Ermattung!"
Doch bald, da raffe sie sich wieder auf
Und lächelt: "In diesem Falle
Da bleibt mir nichts anderes übrig: Ich kauf' -
Ja Ja, ich kaufe sie alle.
Jedoch bedinge ich das mir aus
Daß[ss] kein ähnlicher wieder erscheine.
Sie schicken mir alle fünfe nach Haus;
Dann trag' ich den Hut alleine!"
"Deutsches Lachen"
S. 291
GF
2003
10./11. Mai