SPECIAL INTERVIEW MIT STEPHAN VON TRUE MUSIC PROMOTION

1. Stell dich bitte docheinmal vor.

Ich heiße Stephan Treu, bin 34 Jahre altund Inhaber der beiden Firmen Common Ground Media sowie True Music Promotion. Kurzzu meinem Werdegang: eigentlich habe ich angefangen Deutsch und Erdkunde zustudieren, um Gymnasiallehrer zu werden, doch irgendwie kam der Rock’n’Rolldazwischen. Ich habe hier in meiner Heimatstadt Nürnberg angefangen für ein Fanzinezu schreiben, nachdem ich schon seit meiner Jugend Metal Fan mit Leib und Seelebin, hat das dann immer mehr Zeit in Anspruch genommen. So wechselte ich aufden Magister Studiengang, habe die Uni abgeschlossen und bin als Promoter beieiner Plattenfirma quasi „Vollzeit Rock’n’Roller“ geworden,danach habe ich mich selbständig gemacht und meine eigenen Firma True MusicPromotion aus der Taufe gehoben, vor ein paar Monaten folgte dann meine zweiteFirma Common Ground Media.

2. Und was genau ist dein Job?

Ich kümmere mich um Kontakte zu unseren Medienpartnern,arrangiere Interviews mit unseren Künstlern (in Kooperation mit unserenausländischen Partnern in den europäischen Promobüros auch für die Journalistenin ganz Europa), schreibe Newsletter sowie die berühmt-berüchtigten „Waschzettel“die ich unseren Mailings zusammen mit den Bios und CD’s beilege, sichte Playlists,stelle Pressemappen zusammen, verschicke natürlich die Mailings und - ganzwichtig – halte den Kontakt zu unseren Kunden und bemühe mich um Kontaktezu neuen Auftraggebern. Das ist eigentlich die komplette Aufgabenpalette eines Mediendienstleisterswie wir es sind.

3. Arbeitest du nur für Massacre Records, oder auch für anderePlattenfirmen?

Neben Massacre Records arbeite ich noch fürdas Hamburger Label Remedy Records sowie die italienischePlattenfirma Atrheia Records, darüberhinaus kommen natürlich immer wieder weitere Einzelaufträge diverser Firmenoder Bands hinzu. Nicht zu vergessen ist auch meine Management-Tätigkeit fürdie Bands Powergod und The Traceelords

4. Kommen wir mal zu einem etwas kritischen Punkt, nämlich denWebzine`s. Diese stellen ja besonders für Promotionagenturen einen Dron im Augeda. Wie denkst du über diese Zine`s?

Also die formulierung „Dorn im Auge“gefällt mir gar nicht, denn so ist es - - zumindest aus meiner Sicht - nicht.Das Problem ist einfach das gerade entstehende Überangebot an Webmags, ervergeht nämlich keine Woche, in der nicht mindestens drei bis vier neue Zinesnach Bemusterung anfragen. Dieser Angebotsoverkill ist es, der eine gewisseSkepsis wachsen lässt, denn es scheint, als würde momentan jeder, der auch nurdie minimalsten Kenntnisse in HTML hat, eine Metalsite aus der Taufe heben. DasInternet als Infoquelle hat zweifelsfrei an Bedeutung gewonnen und wird inZukunft wohl noch mehr Bedeutung als wichtiges (wenn nicht sogar wichtigstes!)Newsbeschaffungsmediumgewinnen, doch dazu wird es einen großen Konzentrationsprozeß geben müssen, daInfos schnell und unkompliziert abrufbar sein müßen. Das ist ein altes „Naturgesetz“der Menschheit, denn wer sucht schon gerne stundenlang nach irgendwelchenNachrichten? Als Infoquelle für Freaks sind solche Zines mit Sicherheitnützlich, wie effektiv die meisten sind, ist allerdings nur schwer zu beurteilen.Es gibt einige sehr gute Mags, die auch schon einige Zeit existieren (z.B. dasVampster, das von der Aufmachung sowie durch seine professionelle Zusammenarbeitüberzeugen kann) und auch auf sich aufmerksam macht durch diverse Kleinanzeigenin einschlägigen Printmags, doch wie soll der Einzelne sich in dem ganzen Junglean angebotenen Infoquellen zurecht finden, wenn solche Mags wie Pilze aus demBoden schießen??? Er wird selektieren, nämlich nach der optischen Gestaltung,dem gebotenen Inhalt sowie dem Aktualitätsgrad. Und genau diesen Selektionsprozeßmuß man auch als Promofirma vornehmen um sicher zu stellen, dass die „guten“Zines auch mit News etc. versorgt sind und die relevanten Infos zur Zielgruppetransportieren.

5. Viele, oder fast alle dieser Mag`s betteln ja förmlich um PromoCD`s. Kannst du auf alle wünsche eingehen oder bekommt man nur Promo`s wenn mansich auf dem Markt bewehrt hat?

Das ist für mich keine Frage der „Bewährung“,sondern wie eben schon ausgeführt eine pragmatische Abwägung nach bestimmtenKriterien: Wie ist die optische Aufmachung der Seite? Wie oft wird up-gedated?Ist die Seite schnell erreichbare, d.h. baut sie sich schnell auf oder dauertes ewig, bis Grafiken erscheinen? Ist die URL eindeutig definiert und lässt sichleicht finden oder ist sie durch etliche Slash-Kombinationen auf irgendwelchen Homeservernversteckt, die man nicht oder nur durch Zufall findet? Wie wird generellgeschrieben (Stil)? Werden Interviews gemacht? Auch das ist ein ganz wichtigerPunkt, denn aus meiner Sicht ist die Zusammenarbeit zwischen Journalist und Promofirmaein gegenseitiges Geben und Nehmen, d.h. ich erwarte, dass hin und wieder auchInterviews geführt werden. Natürlich geht das nicht mit jedem Künstler, das istbei der Masse an VÖ=92s einfach unmöglich, dennoch sollte in dieserHinsicht von Zeit zu Zeit auch ein gewisser Support erkennbar sein. Einige Internetmagsmachen keine Interviews und bringen nur Reviews, doch das Besprechen von denzugeschickten Alben sehe ich ehrlich gesagt als selbstverständlich an, da mandas entsprechende Material für Reviewzwecke ja auch zur Verfügung stellt. Wennjemand dann behauptet, erv sei zeitlich so eingespannt, dass er nur Reviewsschreiben kann und keine Zeit hat Interviews zu führen, dann bin ich der Meinungsollte derjenige sich eine andere Freizeitbeschäftigung suchen. WeitereKriterien sind: Bekomme ich Rückmeldungen über die online gestellten Beiträge?Das ist ein ganz wichtiger Punkt, da wir erschiene Reviews und Interviews inPressemappen dokumentieren, natürlich können wir nicht den ganzen Tag durchsweltweite Netzt surfen und uns alle Beiträge zusammensuchen, da sind wir schonetwas auf Mithilfe angewiesen, indem man uns entweder die entsprechenden Linksschickt oder eine Mitteilung, dass Beiträge von von uns betreuten Künstlernonline sind. Natürlich können auch nicht alle Anfragen berücksichtigt werden,da man nicht unbegrenzt Promoexemplare zur Verfügung hat, sondern eben nur einebegrenzte Stückzahl. Ich halte es gerne nach der Quote „2/3 – 1/3“,sprich ich strukturiere meinen Verteiler so, dass ich etwas 2/3 Printmediendarin habe und 1/3 Onlinemags, da ich nach wie vor die Printangebote viel höhergewichte. Eine Zeitung/Zeitschrift bietet aus meiner Sicht noch die effektiverePromotion, da dieses traditionelle Medium einfach jederzeit verfügbar ist –man schlägt auf und bekommt an jedem Ort die gewünschte Info, während bei Webmagsschon wieder ein Computer samt Internetanschluß vorhanden sein muß, ehe mansich Infos beschaffen kann. Trotzdem darf man die Online Angebote nichtvernachlässigen, allerdings muß man - siehe oben – eben starkselektieren, um die Spreu vom Weizen zu trennen und Promos sinnig im Sinneeiner effektiven Infovermittlung zu verwenden.

6. Obwohl Interviews stellen ja ,wie ich gemerkt habe, kein Problem daoder gibt es gar nicht soviele Interview anfragen?

Wir haben bei jeder Band eigentlich sehrgute Interviewquoten und haken auch bei jedem Produkt intensiv nach, sei es perTelefon oder per e-mail. Auch unsere ausländischen Partner in den anderen europäischenPromobüros machen einen sehr, sehr guten Job und tragen dazu bei, die anstehendVeröffentlichungen angemessen publik zu machen. Ohne hier genaue Zahlen nennenzu wollen, liegen wir mit unseren Interviewzahlen in der überwiegenden Zahl derFälle doch ziemlich hoch. Ich vertrete schon seit Jahren die Maxime, dass jedeeingehende Anfrage berücksichtigt wird, egal welche Auflage die Publikationhat. Manche Firmen machen Interviews tatsächlich von der Auflage abhängig undberücksichtigen nur größere Publikationen, das gibt es bei uns in der Regel nicht,alle bekommen ihre Interviews, wenn sich alles in einem vernünftigen Zeitrahmenbewegt – das ist die einzige Einschränkung! Damit meine ich, dass die Bandauch ein aktuelles Album heraußen hat und er Promo-Zeitraum dazu passt; in derRegel kann man grob 3 Monate als geeigneten Promozeitraum für eine Platteansehen, danach ist es ein Riesenaufwand, noch Interviews zu arrangieren, daman erst klären muß=3DB4, wie der Künstler zur Verfügung steht etc und dannnatürlich eine Menge anderer aktueller VÖ=92s zu bearbeiten sind, die zudiesem Zeitpunkt dann Priorität haben. Außerdem bringen solche Features zueinem solchen Zeitpunkt gar nix mehr, da die Fans sich ebenfalls mit den aktuellenVÖ=92s beschäftigen und bis dahin eh schon in –zig Medien über Bandund Platte berichtet wurde. Ich hatte tatsächlich mal 1 ½ Jahre nach demRelease eine Interviewanfrage für einen Künstler bekommen, der Journalist hatauch gar nicht verstanden, dass aufgrund des Arbeitsaufwandes mit den aktuellenVeröffentlichungen wirklich keine Zeit da ist, solche Anfragen zu bearbeiten.

7. Danke für das Interview. Möchtest du noch was sagen?

Bitte, bitte gern geschehen! Hätte nocheine Message: versucht ruhig mal über den Tellerrand hinaus zu sehen und auchdie Dinge aus Sicht des „Business“ Menschen zu verstehen.

By Eric

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