Karibik

Bis vor zehn Millionen Jahren war der Atlantik-Pazifik eine Realit�t. Auf dem ersten Blick mag ein solcher Name widersinnig irscheinen. Doch ein solches Meer existierte tats�chlich. In jener vergangenen Epoche waren die beiden Ozeane miteinander verbunden.Ein Fisch oder Weichtier konnte ohne Probleme von der Westk�ste Amerikas bis zur Ostk�ste wandern. Im Mioz�n war Nordamerika in der Tat von S�damerika getrennt. Zwischen der Pazifikk�ste und der Karibik, dem Kern der biogeogr�phischen Provinz des Atlantiks, bestand noch eine Verbindung. Im Plioz�n allerdings bildete sich die Meerenge von Panama heraus. Sie wurde von den Platten, die in jener Gegend zusammensto�en, unter Erdbeben und Vulk�neruptionen hochgehoben. Zeugen jener fr�heren Kontinuit�t stellen die zahlreichen Organismengattungen (Fische, Korallen, Weichtiere, Krebstiere) dar, die auf der einen wie der anderen Seite Amerikas leben. In der Karibik fand jedoch eine divergente Evolution statt, so da� Arten entstanden sind, die sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden, auch wenn �hnlichkeiten aufgrund gemeinsamer Herkunft immer noch deutlich sind. Die Korallenriffe in diesem Bereich desAltantiks bestehen zu �ber 80 Prozent aus nur sechs Steinkorallengattun gen. Was H�ufigkeit und Auff�lligkeit anbelangt, m�ssen sie oft den Gorgonien und den Schw�mmen den Vorrang lassen. Diese beiden Gruppencharakterisieren auf unverwechselbare Weise diesen Teil des Atlantiks. Er wird vom Karibischen Strom dominiert, der von Ost nach West flie�t, schlie�lich abgelenkt wird und sich mit dem Golfstrom vereinigt. In den K�stengebieten treten Gegenstr�mungen auf, die untereinander durch zahlreiche Wirbel verbunden sind. Die komplexen Str�mungsverh�ltnisse �ben betr�chtlichen Einflu� auf die Meerestiere aus, weil sie f�r den Transport von Larvenstadien sorgen. So tragen sie zu einer weiteren Verbreitung dieser Formen und zu einer Homogenit�t der Populationen bei.

Die Karibik reicht von Florida bis zu den Bahamas und nach Venezuela und erstreckt sich �ber eine L�nge von fast 2000 km und eine Breite von rund 800 km. Die Gesamtfl�che ist bescheiden im Vergleich mit dem Pazifik; das Gro�e Barriereriff Australiens ist nur wenig kleiner als die gesamte Karibik. �stlich von Florida erstreckt sich eine umfangreiche Plattform bis zu den Bahamas, die von Inseln und Sandb�nken �bers�t ist. Korallenriffe sieht man in dem weiten Inselbogen zwischen Kuba und den Kleinen Antillen; sie bilden dort vor allem Saumriffe aus. Eine reiche Entwicklung haben die �ber 250 km langen Korallenriffe vor Belize erfahren; sie gelten als die zweitgr��ten auf der Erde.

Eine typische Erscheinung in diesem Gebiet sind die Blue Holes. Es handelt sich um heute vom Meer �berflutete Kalkh�hlen, deren Decken eingest�rzt sind. Im blaugr�nen Meer erscheinen sie von oben als kreisrunde, tiefblaue Lochen Das Gebiet, in dem Korallen wachsen, bildet eine ziemlich homogene Einheit. Sie wachsen am Rand j�her Abst�rze, die schon in wenigen Kilometern Entfernung von der K�ste bis �ber 2000 m tiefreichen. Tiefseegr�ben in 6000 und sogar 8000 munter dem Meeresspiegel unterteilen das Meer in mehrere Becken und entsprechen gleichzeitig den Grenzen zwischen der Karibischen Platte, der Kokosplatte und der S�damerikanischenPlatte. Merkw�rdigerweise ist in warme oberfl�chlichen Gew�sser nichts von diesem komplexen und dynamischen System zu erkennen. Es gibt hier zum Beispiel keine kalte Tiefenstr�mung. Vom biologischen Standpunkt aus gesehen bedeutet dies, da� den Gew�ssern zahlreiche N�hrstoffe vorenthalten werden. Daf�r sind die K�sten�kosysteme der Karibik umso reicher. Es besteht hier ein �kologischer Austausch zwischen den �kosystemen des Festlandes, den Mangrovenw�ldern und den Korallenformationen, wobei richtige Energie-und N�hrstofffl�sse existieren. Der Mensch selbst ist Zeuge, W�chter und Nutznie�er dieses Austausches.

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