DIE RACHE DES KABELJAUS

LEBERTRAN WAR DER ALPTRAUM ALLER KINDER. DOCH DER GESUNDMACHER HAT AUSGEDIENT: EIN SIEG DES VERSTANDES �BER DIE ZUMUTUNGEN DER NATUR

Von Holger Kreitling

�Lebertran ist die heimliche Rache der Meeresbewohner am Menschen. Wahrscheinlich erziehen Dorsch-Eltern ihren Nachwuchs noch heute in dem Bewu�tsein, nach dem Tode das nackte Grauen bei Menschenkindern auszul�sen. Der kategorische Imperativ des Kabeljaus: �Wenn wir schon sterben m�ssen, damit sie unsere Leber auskochen k�nnen, wollen wir wenigstens schlecht schmecken!�...�
Lebertran! Mund auf, Augen zu - und runter damit! Erz�hlungen der �lteren von der t�glichen Lebertranverabreichung - �scheu�liche Prozedur�, �ekelhaft�, �widerlich� - sind zum modernen Mythos geworden. Heute ersetzen bunte Pillen, Kapseln und Getr�nke mit Zitronen- oder Orangengeschmack das wahre Lebertrangef�hl von damals. Eine echte Errungenschaft der Menschheit.
Was k�mmern den Menschen des dritten nachchristlichen Jahrtausends noch Krankheiten wie Rachitis, Lungenschwindsucht, Zuckerruhr und allgemeine Kraftlosigkeit, gegen die das klebrige Zeug hilft? �Lebertran wirkt wie ein Turbolader auf die Botenstoffe des Immunsystems�, poetisierte k�rzlich Experte Dr. Rudolf Kunze auf einer Tranfachtagung in Schweden. Vitamin A, Vitamin D3 und die wertvollen Omega-3-Fetts�uren, die im Lebertran enthalten sind, beugen Herzinfarkt, beginnende Impotenz und Thrombosen vor.
Lebertran ist ein Allzweckprodukt: Seife, Futtermittel oder Lampen�l k�nnen daraus produziert werden. Hergestellt wurde die Fl�ssigkeit fr�her, in dem man Dorsch- oder auch Heilbuttleber einfach in Holzbottichen in der Sonne stehen lie�, bis der Tran sich absetzte. Im 19. Jahrhundert entwickelte der norwegische Apotheker Peter M�ller ein geruchsfreundlicheres Verfahren. Die weltgr��te Lebertranfabrik, 1854 in Oslo gegr�ndet, tr�gt heute noch seinen Namen

Quelle: Zeitschrift Mare

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