Das erste, das im
frühen Frühjahr 1965 geschehen mußte, war eine Reorganisation des Gartens.
Bisher war der ganze Garten mit Ausnahme des Teils, der für die Kater abgezweigt
war, ein einziger, großer Zwinger gewesen. Jetzt wurde der Garten in zwei
gleiche Teile geteilt. Die linke Hälfte war für die Haus- und Rassekatzen und
die rechte für unsere zahmen Wilden. Diese Einteilung schien uns notwendig,
denn Candy und Milagro mit ihren inzwischen sechs Nachkommen, den beiden
Oncillas und den vier Hybriden, hatten doch eine sichere Dominanz in der
Rangordnung unseres Katzenhaushalts bekommen. Das galt eigentlich nicht für
Buena, aber sie gehörte jetzt zu den Oncillas, das hatte sich so ergeben. Sie
war völlig als Mitglied der Oncillafamilie akzeptiert. Natürlich war das kein
sicheres System. Durch jede Tür, die geöffnet wurde, schlüpfte irgendeine der
Katzen in die andere Abteilung. Aber am Abend, wenn gefüttert wurde, oder auch,
wenn die Tiere am Tage einmal unbeaufsichtigt waren, dann mussten sie in
"ihrer" Abteilung sein.
Gleich nach den
ersten warmen Frühjahrstagen durften alle Katzen in ihre neuen Freigehege. Als
Buena und Candy zum ersten Mal in den Garten durften, war uns ihre
Schutzzeichnung in den Blättern der Bäume aufgefallen. Jetzt zeigten uns die
Hybriden, daß sie ein perfektes Mimikry für den Kieselboden hatten.
Als alle neuen
Gitter und Türen fertiggestellt waren und auch gleich ein paar andere
Reparaturen angebracht waren, schrieb ich einen Bericht an die Pressestelle der
Firma Verolme. Schnell kam Antwort und auch kurz danach ein Exemplar der "Verolme
Nieuws" mit dem Bericht über Candys Nachkommen.
Es kam ein Anruf
von Herrn van der Hoest. Er kündigte gleich eine neue Pressekampagne an. Auf
meine Bitte versprach er mir, daß er mir die "Presseleute" nicht alle zugleich
schicken würde. Ich dachte, daß dadurch etwas weniger Aufregung entstehen
würde, aber war ein Fehler. Diese homöopathische Dosierung der
Informations-Invasion verlängerte nur das Leiden. Aber da mussten wir nun durch.
Zuerst kam eine
Radiodelegation in der Person von Herrn Jan van Rhenen, dem Autor von vielen
Büchern über Hundezucht, Hunderassen, kurzum von allem, was man über Hunde
wissen muss. Er war in Begleitung eines Herrn, dessen Namen ich vergessen habe,
der aber sehr beeindruckende Instrumente bei sich hatte. Ein Mikrofon
wurde drohend auf den Tisch gestellt.
Nach den ersten
Begrüßungsformalitäten erklärte ich Herrn van Rhenen, daß ich ihm gern alles
über meine Wildkatzen erzählen wolle, aber daß er es dann selbst wiedergeben
müsse, weil mein deutscher Akzent, den ich sowieso nie ganz hatte ablegen
können, die Eigenschaft hatte, in voller Stärke auszubrechen, wenn mich etwas
nervös machte.
Nein, so ginge das
nicht, meinte Herr van Rhenen, zum ersten sei mein Akzent geradezu charmant und
zum zweiten sei dies nun einmal ein Interview und keine Rezitation seinerseits.
Nun muss man wissen, daß zu der Zeit in Holland ein deutscher Akzent zu den
sieben Todsünden gehörte.
Ich hatte
einfach keine Lust, diese Todsünde auch noch dem Mikrofon anzuvertrauen.
Das alles sagte
ich natürlich nicht zu Herrn van Rhenen, sondern nur: "Nein, ich spreche nicht
selbst!"
Er nahm noch ein
Schlückchen vom Angebotenen (Bekannte hatten mich vorher informiert, was das zu
sein hatte), und sagte: "Wissen Sie was, wir machen einfach einen Test, ein
Probegespräch. Dann wissen Sie schon einmal, was ich fragen werde und können in
Ruhe antworten. Danach hören wir das Tonband ab und entscheiden uns, ob es gar
so schlimm ist."
Gesagt, getan. Das
Mikrofon wurde angestellt, Herr von Rhenen stellte seine Fragen und ich
antwortete frisch von der Leber weg, denn es war schließlich nur die Probe.
Als alles vorbei
war, wurde das Band abgespielt. Es war "so, so" und ich dachte: "Also, wenn ich
wirklich gleich selbst sprechen muss, werde ich mir aber mehr Mühe geben müssen.
Vielleicht sehen die jetzt ja auch ein, daß es so nicht geht."
Jetzt sollte ich
erst einmal die Katzen hereinrufen, denn es mussten schließlich Katzenlaute
aufgenommen werden. Mit Buena war das nicht schwer, die brauchte man nur auf den
Schoß zu nehmen, dann fing sie schon laut zu spinnen an. Außerdem genoss sie es,
wie immer, im Mittelpunkt zu stehen. Nur die Oncillas kamen schweigend und
misstrauisch eben kurz herein.. Candy sah die fremden Menschen und verschwand
sofort wieder. Ihre Kinder nahm sie mit. Es war Gloria, die uns aus der Not
half. Sie war bereit, entrüstet zu miauen, wenn man ihr die Mikrofonschnur
fortnehmen wollte, die sie gern durchgebissen hätte.
Irgendwo im Haus
rief sehnsüchtig und laut eine rollige Abessinierkatze. Deren Gesang wurde
gleich mit aufgenommen. Die Aktion Miau-Aufnahme hatte mindestens eine Stunde
gedauert, so einfach geht das alles ja nicht. Dann fragte ich: "Und was
machen wir nun mit dem Text, soll ich den jetzt wirklich sprechen oder sehen Sie
ein, daß ich das einfach nicht kann?"
"Den Text haben
wir doch schon", lachte Herr von Rhenen, "so gut wird es nie wieder, wenn Sie
sich davon bewusst sind, daß es wirklich gesendet wird!"
Sprachs und packte
ein. Er versprach mir noch, daß er mir eine Kopie der Bandaufnahme des
Gespräches senden würde, ein Versprechen, das er treu gehalten hat. Ich habe mir
später eine Kopie davon auf eine Kassette machen lassen, die ich noch heute
habe.
Mich ließ Herr van
Rhenen in ziemlicher Konsternation zurück. -Was hätte nicht noch alles gesagt
werden müssen...." Ich räumte die leeren Flaschen fort und nahm mir vor, von nun
an jeden Tag die Sendung anzuhören, in der "mein" Gespräch kommen könnte.
Nachdem drei Wochen lang das Wort Oncilla noch immer nicht im Radio
gefallen war, vergaß ich das Ganze. Es war sicher doch nicht gut genug gewesen.
Mir war's recht.
Bis dann eines
Tages ein Telefonanruf von Herrn van Rhenen kam, der mir berichtete, daß am
nächsten Tag das Gespräch gesendet werden sollte. Die Familie wurde am Radio
versammelt und da piepste schon Gloria durch den Äther. Man hatte die Geräusche
verteilt, teils zu Anfang der Sendung Gloria und die rollige Abessinierin, teils
am Schluss Buenas tiefer Schnurrlaut, der für Laien wie ein drohendes
Pantherknurren klingen mußte. So klang es, als ob das Radioteam zwischen
miauenden, piepsenden, knurrenden Tieren gesessen hätte, die dann sofort
respektvoll schwiegen, wenn die Stimme von Herrn van Rhenen oder ihres Frauchens
ertönte. Es war wunderschön, es war die beste Sendung, die Radio Hilversum je
gebracht hat. Sie dauerte genau fünf Minuten.
Bei der ersten
Publikationswelle hatte ich eine ganz besondere Spezies der Menschheit kennen
gelernt, den "Homo Journalensis", der seine ganz eigene Verhaltensweise hat.
Diese Spezies hat einen ausgesprochen offensiven Charakter, er geht grad auf
sein Ziel zu, kennt wenig Skrupel, ist aber, wenn man sich erst
einmal auf ihn
versteht, ausgezeichnet zu zähmen. Dazu muss man allerdings die
Gebrauchsanweisung kennen.
Ich hatte gelernt,
daß man nur auf das antworten sollte, wonach man gefragt wird. Auch daß man sich
nie dazu bringen lassen muss, persönliche Eindrücke, Gefühle oder gar Urteile
auszusprechen, deren Publikationseffekt man nicht voraussehen kann. Mit einem
Wort: ich war schon ein gebranntes Kind.
Gelernt hatte ich
auch, daß es einen Unterschied in der Art gab, wie "die Presse" unsere Tiere und
uns sah. Manche waren ernsthaft interessiert, wollten nicht nur berichten,
sondern selbst wissen. Diese Gruppe nannte ich "die Journalisten". Die andere
Gruppe wollte nur so schnell wie möglich etwas schreiben, das sensationell war,
der Masse gefiel. Die nannte ich "die Reporter". Ob ich mit dieser Namensgebung
die richtige Differenzierung traf, war mir gleichgültig, ich teilte sie einfach
so ein.
Die "Reporter"
kamen ziemlich lautstark herein, "besetzten" sozusagen das Territorium und
suchten nach Sensationen. Wenn man ihnen die Tür öffnet und sie herein bittet,
strahlen sie sofort etwas aus, das sagt: "Freut Euch, ihr lieben Leute, wir
kommen und das ist eine große Ehre." Dann muss man adäquat reagieren und sich
erfreut zeigen: "Wie nett, daß Sie kommen, bitte kommen sie doch herein, nehmen
Sie Platz."
Die "Reporter"
interessierte es hauptsächlich, wie anormal ein Haushalt mit soviel Katzen war,
ob es dort nach Katzen roch und wie viel der Hausherr verdiente, um seiner
verrückten Frau dieses Hobby leisten zu können. Denn dass man verrückt sein
mußte, solchen halbwilden Tieren, so vielen Tieren und eigentlich überhaupt
Tieren sein Haus einzuräumen, das stand für sie fest.
Leider strahlten
diese Gäste auf die Tiere geradezu etwas aus, das wie ein Signal wirkt: "Schwanz
einziehen und verschwinden, aber schnell!"
Diejenigen, die
ich die Journalisten nannte, kamen ruhig herein und wussten die richtigen Fragen
zu stellen. Sie hatten sich zum Thema schon informiert und wussten auch die
Antworten gut in ihrer Zeitung oder Zeitschrift zu reproduzieren. Manche hatten
sogar ihre eigene Meinung. Die sagten Sätze, die mit: "Ich habe einmal gelesen,
daß...." oder "Im Vergleich mit....." anfingen.
In vielen von
ihnen erkannte man den echten Tierfreund. Das war sehr beruhigend für mich, weil
ich überzeugt bin, daß niemand soviel Einfluss auf die menschliche Meinung hat,
wie die Medien. Die Schulweisheit wird vergessen aber die Zeitung kommt täglich
und frischt unsere Erinnerung auf und bringt neue Informationen. Radio und
Fernsehen sind weitere Informationsquellen. Meine damalige Meinung hat sich bis
heute nicht geändert. Was sich auch verändert haben möge, die Presse ist noch
immer genau so einflussreich und wichtig. Gerade in dieser Zeit haben wir es den
Medien zu verdanken, daß die Menschen sich der Notsituation bewusst werden, in
der sich die ganze Natur, mit Tieren und Pflanzen, Luft und Wasser, befindet.
Manche Reportagen sind wahre Mutproben, man sollte den Berichterstattern
wirklich dankbar sein.
Niemand kann mehr
behaupten, daß er nichts von den Schrecken der Massentierhaltung oder den
grauenvollen Tiertransporten weiß. Es sind die Zeitungen, die die Tierquälereien
anprangern, die immer wieder warnen vor der herzlosen Gleichgültigkeit, mit der
Feriengänger ihre Tiere aussetzen oder schlecht versorgt zurück lassen, um dann
ihre "wohlverdienten" Ferien zu genießen. Die illustrierten Zeitungen, die
guten jedenfalls, geben sich in vielen Artikeln große Mühe, Verständnis für die
Tiere zu wecken. Ich behaupte immer, daß Bücher und Zeitschriften die Erzieher
der Erwachsenen sind, im guten oder im schlechten Sinne. Viele Journalisten (in
dem positiven Sinne, in dem ich das Wort gebrauche), aber auch die
Tierfilmer sind die Anwälte der Tiere, die selbst keine Medien haben, in denen
sie sich verteidigen können. Daran ändert auch das neue Medium, der Computer
nichts. Er bringt nichts anderes, all das, was irgendjemand schon irgendwo
gelesen oder gehört hat.
In Naturfilmen
werden uns heutzutage die Tiere, die bedroht sind, in ihrer natürlichen Umgebung
und in ihrer ganzen Schönheit vorgestellt. Das ist eine ganz andere Begegnung
als die im Zoo, oder noch schlimmer, die mit den ihrer Würde beraubten, zum
Clown degradierten Wildtieren im Zirkus.
In unserem Fall,
bei den Pressebesuchen, die die Firma Verolme für uns organisierte, waren mir
oft die Fotografen am sympathischsten. Sie stellten keine indiskreten Fragen,
sie suchten nicht nach schwachen Stellen, sondern sie fanden mit sicherem Gefühl
das Schöne oder Interessante und legten das fest. (Wenn ich zum Augenblicke
sage: "Verweile doch, du bist so schön!") Mit freundlicher Genehmigung des ANP (Allgemeen
Nederlands Persbureau) kann ich einige der bei der Gelegenheit gemachten Fotos
diesem Bericht beifügen.
Es fiel mir auf,
daß die Hybriden einen stärkeren "Wildheitseffekt" ausübten, als die Oncillas
oder gar die sanfte Buena. Das lag wohl an der Überlegenheit, mit der sie den
Leuten begegneten. Die Drillinge saßen wachsam und Abstand bewahrend auf einem
Schrank oder einer Liegeplanke. Nur Gloria und ab und zu auch Gladys ließen sich
streicheln und sie waren es auch, die sich immer wieder für Fotografen in
Pose setzten.
Bei der ersten
Presse-Invasion hatte ich Buena zu Hilfe rufen können, die war zu allem bereit.
Aber diesmal ging die Rechnung nicht auf. Die Herren (es waren bis auf eine
Ausnahme nur Herren) waren vorab instruiert, daß sie über die kleinen
Wildkatzen aus Brasilien schreiben sollten, diejenigen, die von der Firma
Verolme in Brasilien stammten und deren Nachkommen. Einmal hatte ich darum
Candy, Victor und Victoria im Wintergarten eingeschlossen und alle größeren
Gegenstände weggeräumt, damit sie sich nicht verstecken konnten. Ich schleuste
die Reporter herein und bat sie, es kurz zu machen, weil die Tiere sich
ängstigten, wenn sie keine Fluchtmöglichkeit hätten. - Das wären sie also!
Candy erschrak als
ein Fotoapparat blitzte und geriet in Panik. Sie raste über die Fensterbank und
verlor dort vor Schreck ein Häufchen. Mein Mann, immer hilfsbereit, räumte es
schnell mit einem Papiertaschentuch auf, während ich mit dem Reporter über die
Herkunft der Oncillas sprach. Ich hatte den ganzen Vorfall kaum beachtet,
aber der Reporter stand wie an den Boden genagelt und kehrte sich meinem Mann
zu: "Was sind Sie eigentlich von Beruf?"
Mein Mann stand
schon neben der Tür mit seinem Papierpfropfen samt Inhalt in der Hand: "Ich?
Och, ich bin Jurist."
"Und dann räumen
Sie solchen Mist auf?" fragte der Reporter.
"Was denken Sie,
wie viel geistigen Mist von den Streitereien der Menschen wir Juristen
aufzuräumen bekommen?" fragte mein Mann ruhig. "Dagegen ist dies kleine
Oncillahäufchen gar nichts."
Damit hätte ein
"Journalist" in seinem Artikel bestimmt etwas anfangen können, aber da war
nichts. Nur die Bemerkung, daß die Tiere nicht grade sauber wären. Dabei war
grade Candy außerordentlich sauber und sie erzog ihre Kinder auch zur
Sauberkeit. Dass sie ab und zu mal spritzte war völlig normal, wenn man das
Verhalten von Wildtieren kennt, so normal wie unser Namensschild an der Haustür.
Das Gegenteil wäre anormal gewesen. Dass er, der Reporter, durch sein lautes
Benehmen selbst die Schuld an dem kleinen Unglück hatte, das ist ihm wohl gar
nicht zum Bewusstsein gekommen.
Es war eine
hektische und aufregende Zeit, aber viele der Gespräche, die ich bei der
Gelegenheit hatte, möchte ich um nichts in der Welt versäumt haben. Zum Beispiel
den Besuch von Joost de Klerk, der auch jetzt wieder kam und einen begeisterten
Artikel schrieb. In der Damenzeitschrift "Margriet" stand ein Artikel von
demselben Jan van Rhenen, der das Interview für den Rundfunk gehalten hatte. Der
Titel des Artikels hieß: "Jan van Rhenen machte in Arnhem die interessanteste
Entdeckung seines Lebens."
Vom Damenblatt "Lybelle"
kam eine überaus freundliche und tierliebende Journalistin und im Sonntagsblatt
des "Telegraaf" erschien ein großes Porträt von Gloria auf der Titelseite mit
der Unterschrift "Die Katze, die es nicht gibt!" was natürlich nicht ganz der
Realität entsprach, denn es gab sie schließlich, nur hatte es eine ihrer Art
nicht eher gegeben. Natürlich habe ich alle diese Artikel gut bewahrt.
Ein Reporter von
einer Tageszeitung sah sich die Katzen an, hörte meinen Erläuterungen geduldig
zu, schrieb ein wenig auf und vertraute mir dann an: "Ich mag eigentlich keine
Katzen. Mir sind Hunde lieber, die sitzen nicht einfach so herum, mit denen kann
man etwas anfangen. Mein....." und dann kamen ein paar Geschichten von seinem
Hund. Wir standen dabei schon auf dem halben Wege zur Haustür und ich sagte
freundlich ab und zu: "Ach ja, wirklich?" und oben auf der Garderobe saß Buena
"so herum" und sah mit ihren Kulleraugen auf uns herab.
"Also, dann wollen
wir mal" beendete der Reporter seinen Monolog und wendete sich in Richtung Tür.
In dem Augenblick entschloss Buena sich von der Garderobe herunterzukommen,
setzte ab, flog durch die Luft, machte eben eine kleine, ganz kurze
Zwischenlandung auf der Schulter des Reporters und landete sanft kurz vor ihm
auf dem Fußboden. Dort unten angekommen, drehte sie sich um und sah ihn
nachdenklich an, in ihrer gebräuchlichen Beobachtungspose. Einen glücklichen
Augenblick lang dachte ich, daß sie sich umdrehen und auch wieder über ihn auf
die Garderobe zurückklettern würde. Aber sie murmelte nur kurz "ümmmm" und ging
zur Seite.
Der Reporter sagte
kurz: "Oh" und, ohne viel Überzeugung: "Auf Wiedersehen" und weg war er.
Komischerweise
wurde der Artikel, den er schrieb, dann doch recht ordentlich. Kurz und sachlich
war der Bericht über die ersten in "Gefangenschaft" geborenen Oncillas, deren
Mutter auf der Werft von der Firma Verolme, in Jacuacanga, wohlgemerkt(!),
gefangen war, und über die vier halbwilden Katzen, die es
-wissenschaftlich
gesehen- eigentlich nicht geben könnte, und dann kam ein relativ
begeisterter Bericht über Buena, "so eine Art zu klein geratener Leopard, der
fast zahm ist."
Da Gloria und ihre
drei Halbschwestern die Kinder von Abessiniermüttern waren, wurden auch meine
Abessinier mit in den ganzen Sog der Publizität gezogen. Sie wurden mit
fotografiert, man fragte nach ihrem Charakter und bewunderte sie, wenn sie sich,
wie Abessinier das gern tun, gleich mit den Besuchern anfreundeten. Dass uns das
fast zum Verhängnis werden sollte, ahnten wir glücklicherweise noch nicht.
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